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Franz Kafka: welche Werke man zuerst lesen sollte

Franz Kafka: welche Werke man zuerst lesen sollte

Kaum ein anderer Autor des 20. Jahrhunderts wird so oft zitiert und so selten wirklich gelesen wie Franz Kafka (1883 bis 1924). Fast jeder kennt das Wort „kafkaesk“, aber wo fängt man an, wenn man das Werk selbst kennenlernen möchte? Dabei sind alle Texte von Kafka heute gemeinfrei und lassen sich kostenlos als PDF oder EPUB herunterladen. Kniffliger ist nur die Frage nach der richtigen Reihenfolge. Genau darum geht es hier.

Wer war Franz Kafka?

Franz Kafka wurde 1883 in Prag geboren, damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie, und schrieb auf Deutsch. Tagsüber arbeitete er als Jurist bei einer Versicherungsanstalt, nachts schrieb er. Zu Lebzeiten veröffentlichte er nur wenige schmale Bände, der große Ruhm kam erst nach seinem frühen Tod 1924. Sein Freund Max Brod ignorierte Kafkas letzten Wunsch, die Manuskripte zu verbrennen, und gab die unvollendeten Romane posthum heraus. Ohne diesen Wortbruch gäbe es „Der Prozess“ und „Das Schloss“ heute schlicht nicht.

Warum die Werke gemeinfrei sind

In Deutschland und der gesamten EU erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Kafka starb 1924, seine Texte sind also seit 1995 gemeinfrei. Das heißt: Sie dürfen sie legal lesen, kopieren, weitergeben und in jedem Format herunterladen, ohne einen Cent zu zahlen. In unserer Sammlung stehen sie neben vielen anderen Klassikern. Wer sich grundsätzlich für frei verfügbare Literatur interessiert, findet in unserem Ratgeber zu gemeinfreien Büchern die wichtigsten Hintergründe.

Womit man anfangen sollte: Die Verwandlung

Für den Einstieg empfiehlt sich ganz klar „Die Verwandlung“ von 1915. Die Erzählung ist kurz, an einem ruhigen Abend gut zu schaffen, und sie zeigt Kafka in Reinform. Der Handlungsreisende Gregor Samsa wacht eines Morgens auf und hat sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt. Kafka verschwendet keine einzige Zeile darauf, das zu erklären. Stattdessen interessiert ihn, wie die Familie reagiert, wie Scham und Pflichtgefühl langsam umschlagen. Haben Sie diese vierzig oder fünfzig Seiten gelesen, verstehen Sie sofort, was mit „kafkaesk“ gemeint ist, und wissen, ob dieser Ton etwas für Sie ist.

Die großen Romane: Der Prozess und Das Schloss

Hat Sie „Die Verwandlung“ gepackt, sind die Romane der nächste Schritt. In „Der Prozess“ (posthum 1925) wird der Bankangestellte Josef K. an seinem dreißigsten Geburtstag verhaftet, ohne je zu erfahren, was man ihm eigentlich vorwirft. Das Buch ist ein Albtraum über Bürokratie und Schuld, der nichts von seiner Aktualität verloren hat. „Das Schloss“ (posthum 1926) schlägt einen ähnlichen Ton an: Ein Landvermesser namens K. versucht vergeblich, in ein Dorf und zu einer geheimnisvollen Behörde vorzudringen. Beide Romane blieben unvollendet, was seltsamerweise gut zu ihrem Thema passt. Erwarte keine sauberen Auflösungen.

Kürzere Erzählungen für zwischendurch

Neben den Romanen lohnen sich die Erzählungen, gerade wenn Sie wenig Zeit haben. „Das Urteil“ (1913) entstand angeblich in einer einzigen Nacht und handelt von einem zerstörerischen Konflikt zwischen Vater und Sohn. „In der Strafkolonie“ (1919) ist verstörend und präzise zugleich, eine Geschichte über eine grausame Hinrichtungsmaschine. „Ein Hungerkünstler“ (1922) erzählt von einem Mann, der das Hungern zur Kunst macht und bis zum bitteren Ende daran festhält, während das Publikum längst das Interesse verloren hat. Diese Texte lassen sich einzeln lesen und passen gut in eine Mittagspause. Vieles davon können Sie direkt online im Browser lesen, ganz ohne etwas zu installieren.

Kafkas unverwechselbarer Stil

Was macht diese Texte so besonders? Kafka schreibt nüchtern, fast amtlich, und gerade dadurch wird das Unheimliche glaubwürdig. Die Sätze sind klar, die Grammatik korrekt, und mitten in dieser Ordnung passieren die absurdesten Dinge, als wären sie das Normalste der Welt. Niemand in seinen Geschichten wundert sich richtig, und genau das macht sie so beklemmend. Diese ruhige Selbstverständlichkeit findet man später bei kaum einem anderen Autor wieder. Wenn Ihnen Kafka gefällt, werden Sie auch andere deutsche Klassiker und die großen Namen der Weltliteratur mit anderen Augen lesen. Fang mit „Die Verwandlung“ an, der Rest ergibt sich fast von selbst.