Des Meeres und der Liebe Wellen
(Am Fenster des Turmes erscheint die Lampe.)
Was dort? Die Lampe strahlt. Unselig Mädchen! Sie leuchtet deiner Strafe, deiner Schuld.
(Der Tempelhüter kommt.)
Tempelhüter.
Siehst du das Licht?
Priester. Ich seh's. Sprachst du die Fischer?
Tempelhüter.
Ja Herr. Sie rudern nicht, wie du befahlst,
Heut nacht ins Meer, das hoch geht ohnehin.
Priester.
So besser denn! Du folge nun! Sie kommt.
(Sie entfernen sich nach der linken Seite.)
(Hero kommt zurück mit einer Rolle.)
Hero.
Hier ist dein Brief. Nimmst du ihn nicht?—Ei ja! Wo ging' er mir nur hin?—Er kommt wohl wieder.
(Sie steckt den Brief in den Gürtel.)
Wie schön du brennst, o Lampe, meine Freundin! Noch ist's nicht Nacht, und doch geht alles Licht, Das rings umher die laute Welt erleuchtet,
Von dir aus, dir, du Sonne meiner Nacht.
Wie an der Mutter Brust hängt alles Wesen
An deinem Umkreis, saugend deinen Strahl. Hier will ich sitzen, will dein Licht bewahren,
Daß es der Wind nicht neidisch mir verlöscht.
Hier ist es kühl, im Turme schwül und schläfrig, Die dumpfe Luft drückt dort die Augen zu.
Das aber soll nicht sein, es gilt zu wachen.
(Sie sitzt.)
Sie haben mich geplagt den langen Tag
Mit Kommen und mit Gehn. Nicht absichtslos!
Allein weshalb? warum? Ich weiß es nicht.
(Den Kopf in die Hand gesenkt.)
Doch immerhin! Drückt erst nicht mehr die Stirn, Erkenn ich's wohl. Und dann—soll auch—wenn nur—
(Emporfahrend.)
Was ist? Wer kommt?—Ich bin allein. Der Wind nur Weht schärfer von der See.—So besser denn,
Treibst du den Holden früher ans Gestade.
Die Lampe brennt noch hell. Pfui, wer wird träumen? Hellauf und frisch! Der Liebe süße Wacht.
(Den Kopf wieder in die Hand gestützt.)
Genau besehn, wollt' ich, er käme nicht.
Ihr Argwohn ist geweckt, sie lauern, spähn.
Wenn sie ihn träfen—Mitleidsvolle Götter!
Drum wär' es besser wohl, er käme nicht.
Allein er wünscht's, er flehte, bat. Er will's.
Komm immer denn, du guter Jüngling, komm!
Ich will dich hüten, wie der jungen Schar
Die Glucke schützt, und niemand soll dir nahn,
Niemand, als ich allein; und nicht zu schäd'gen;
Bewahr! bewahr!—Ich bin doch müd'.
Es schmerzt der Fuß. Löst niemand mir die Schuh?
(Sie zieht einen Fuß auf die Ruhebank.)
Hier drückt es, hier. Hat mich ein Stein verletzt?
(Auch den zweiten Fuß an sich ziehend, in halbliegender Stellung.) Wie süß, wie wohl!—Komm Wind der Nacht
Und kühle mir das Aug', die heißen Wangen!
Kommst du doch übers Meer, von ihm.
Und, oh, dein Rauschen und der Blätter Lispeln, Wie Worte klingt es mir: von ihm mir, ihm, von ihm. Breit aus die Schwingen, hülle sie um mich,
Um Stirn und Haupt, den Hals, die müden Arme, Umfaß, umfang! Ich öffne dir die Brust.—
Und kommt er, sag es an!—Leander—du?—
(Pause.)
(Der Tempelhüter kommt lauschend auf den Zehen, hinter ihm der Priester, der am Eingange des Turmes stehenbleibt.)
Tempelhüter (sich der Ruhebank nähernd, mit gedämpfter Stimme). Hero!—Sie schläft!—
Priester. Vom Turme strahlt das Licht.
Der Götter Sturm verlösche deine Flamme.
(Er geht in den Turm.)
Tempelhüter.
Was sinnt er nur? Mir wird so bang und schwer.
Wenn ich nicht sprach; und doch, wie konnt' ich anders? Dort gehen Männer mit des Fischzugs Netzen.
(Sich der rechten Seite nähernd.)
Was schafft ihr dort? Ward euch denn nicht geboten, Zu bleiben heute nacht dem Meere fern
In eurer Hütten festverschloßnen Räumen?
(Zurückkommend.)
Sie meinen, es gibt Sturm. Nun, Götter, waltet!
(Zum Turm emporblickend.)
Die Lampe wird bewegt. Er selbst!—Unselig Mädchen! Erwacht sie? Nein. So warnet dich kein Traum?
(Hero macht aufatmend eine Bewegung und sinkt dann tiefer in Schlaf. Das Haupt gleitet aus der unterstützenden Hand und ruht auf dem Oberarm, indes der untere Teil schlaff hinabhängt. Es ist dunkel geworden.)
Tempelhüter.
Mich schaudert. Weh! Hätt' ich mein Oberkleid!
(Der Priester kommt zurück.)
Priester.
Wer spricht? Bist du's?—Komm mit, es sinkt die Nacht, Und brütet über ungeschehnen Dingen.
(Zu Hero hintretend.)
Nun, Himmlische, nun waltet eures Amts!
Die Schuldigen hält Meer und Schlaf gebunden, Und so ist eures Priesters Werk vollbracht:
Das Holz geschichtet und das Beil gezückt,
Wend ich mich ab. Trefft Götter selbst das Opfer.
(Indem er sich zum Fortgehen wendet fällt der Vorhang.)
Fünfter Aufzug
(Platz vor Heros Turm, wie zum Schluß des vorigen Aufzuges. Es ist Morgen.)
(Beim Aufziehen des Vorhanges steht Hero in der Mitte der Bühne, den herabgesunkenen Kopf in die Hand gestützt, vor sich hinstarrend. Janthe kommt.)
Janthe.
Stehst du noch immer da, gleich unbewegt,
Und starrst auf (einen) Punkt? Komm mit ins Wäldchen! Die Luft hat ausgetobt, die See geht ruhig.
Doch hörtest du den Aufruhr heute nacht?
Hero.
Ob ich gehört?
Janthe. Du warst so lang hier außen.
Zwar endlich hört' ich Tritte über mir.
Doch leuchtete kein Licht aus deiner Kammer.
Hero.
Kein Licht! Kein Licht!
Janthe. Dich martert ein Geheimnis.
Wenn du's vertrautest, leichter trügest du's.
Hero.
Errietst du's etwa schon und frägst mich doch?
Ich sollte wachen hier, doch schlief ich ein.
Es war schon Nacht, da weckte mich der Sturm. Schwarz hing es um mich her; verlöscht die Lampe. Mit losgerißnem Haar, vom Wind durchweht,
Flog ich hinan. Kein Licht! nicht Trost und Hilfe, Lautjammernd, auf den Knien fand mich der Tag.— Und doch, und dennoch!
Janthe. Arme Freundin!
Hero. Arm?
Und dennoch! Sieh! die Götter sind so gut!
Ich schlief kaum ein, da löschten sie das Licht.
Beim ersten Strahl des Tags hab ich's besehn,
Mit heißem, trocknen Aug' durchforscht' die Lampe: Kein Hundertteil des Öles war verbrannt,
Der Docht nur kaum geschwärzt. Klar war es, klar: Kaum schlief ich ein, verlöschte schon das Licht. Die Götter sind so gut! Geschah es später, (Von ihr wegtretend, vor sich hin.)
So gab der Freund sich hin dem wilden Meer,
Der Sturm ereilte ihn, und er war tot.
So aber blieb er heim, gelockt von keinem Zeichen, Und ist gerettet, lebt.
Janthe. Du scheinst so sicher.
Hero.
Ich bin es, denn ich bin. Die Götter sind so gut!
Und was wir fehlten, ob wir uns versehn,
Sie löschen es mit feuchtem Finger aus,
Und wehren dem Verderben seine Freude.
Ich aber will so jetzt, als künft'ge Zeit
Auch ihnen kindlich dankbar sein dafür;
Und manches was nicht recht vielleicht und gut
Und ihnen nicht genehm, es sei verbessert;
Zum mindesten entschieden, denn die Götter,
Sie sind dem festen, dem entschiednen hold.
Nun aber, Mädchen, tritt dort an die Anfurt.
Sieh, ob dein Aug' die Küste mir erreicht,
Das sel'ge Jenseits, wo—Schau gen Abydos!
Ich hab's aus meinem Turm nur erst versucht,
Doch lagen Nebel drauf. Nun ist's wohl hell.
Willst du?
(Sie setzt sich.)
Janthe (nach dem Hintergrunde gehend).
Doch sieh! es brach der Sturm den Strauch,
Der dort am Fuße wächst des Turms, und, liegend, Verwehren seine Zweige mir den Tritt.
Hero.
Erheb die Zweige nur! Bist du so träg?
Janthe.
Noch Tropfen hängen dran.
(Mit dem Fuße am Boden hinstreifend.)
Auch Tang und Meergras
Warf aus die See.—Ei, Muscheln, buntes Spielzeug! Es pflegt der Sturm die Trümmer seines Zorns
Hierherzustreun.—Das Ende eines Tuchs.
Es ist so schwer. Ein Lastendes von rückwärts
Hält es am Boden fest.—Fürwahr ein Schleier!
Fast gleicht es jenen, die du selber trägst,
Zu Schleifen eingebunden beide Enden,
Nach Wimpelart. Sieh zu! vielleicht erkennst du's. Doch ist es feucht, sonst würf' ich dir's als Ball.
Hero.
Laß das Getändel, laß! Erheb die Zweige.
Janthe.
Sie sind so schwer. O weh, mein gutes Kleid!
Nun, denk ich, halt ich sie. Ei ja! sie weichen.
Tritt selber nur herzu! Ich halte. Schau!
(Sie hat die auf den Boden herabhängenden Zweige zusammengefaßt und emporgehoben. Leander liegt tot auf der Anfurt.)
Hero (aufstehend).
Ich komme denn!—Ein Mann!—Leander!—Weh!
(Nach vorn zurückeilend.)
Betrogne und Betrüger, meine Augen!
Ist's wirklich? wahr?
Janthe (die mit Mühe über die Zweige nach rückwärts geblickt). O mitleidsvolle Götter!
(Der Priester kommt von der rechten Seite.)
Priester.
Welch Jammerlaut tönt durch die stille Luft?
Hero (zu Janthen).
Laß los die Zweige, laß!
(Janthe läßt die Zweige fallen, die Leiche ist bedeckt.)
Hero (dem Priester entgegen, und bemüht ihm die Aussicht nach rückwärts zu benehmen).
Mein Oheim, du?—
So früh im Freien?—Doch der Tag ist schön.
Wir wollten eben beide—Freudig—froh!—
(Sie sinkt von Janthen unterstützt zu Boden.)
Priester.
Was war? Was ist geschehn?
Janthe (mit Hero beschäftigt, nach dem Strauche zeigend). O Herr! mein Herr!
Priester.
Erheb die Zweige! Schnell!
(Es geschieht.)
Gerechte Götter!
Ihr nahmt ihn an. Er fiel von eurer Hand!
Janthe (noch immer die Zweige haltend).
Erbarmt sich niemand? Nirgends Beistand, Hilfe?
Priester.
Laß dort und komm!
(Indem er sie anfaßt.)
Hörst du? und schweig! Entfällt
Ein einzig Wort von dem was du vernahmst
(Sich von ihr entfernend, laut.)
Ein Fremder ist der Mann, ein Unbekannter, Den aus das Meer an diese Küste warf,
Und jene Priestrin sank bei seiner Leiche,
Weil es ein Mensch, und weil ein Mensch erblich.
(Der Tempelhüter und mehrere Diener sind von der rechten Seite gekommen.)
Priester.
Am Strande liegt ein Toter. Geht, erhebt ihn!
Daß seine Freunde kommen und ihn sehn.
(Diener gehen auf den Strauch zu.)
Priester.
Nicht hier. Den Turm herum. Rechts an der Anfurt.
(Diener auf der linken Seite ab. In der Folge sieht man durch die Blätter Anzeichen ihrer Beschäftigung. Endlich wird der Strauch emporgehoben und befestigt, wo dann der Platz leer erscheint.)
Tempelhüter (leise).
So ist's denn—?
Priester. Schweig!
Tempelhüter. Nur, Herr, um dir zu melden:
Der ältre jener beiden Jünglinge,
Die du wohl kennst; wir fanden ihn am Strand,
Trostlosen Jammers, suchend seinen Freund.
Die Diener halten ihn.
Priester. Führt ihn herbei.
Hat er die Freiheit gleich verwirkt, und mehr,
Sei's ihm erlassen, bringt er jenen heim.
(Tempelhüter nach der rechten Seite ab.)
Priester (zu Hero, die sich mit Janthens Hilfe aufgerichtet und einige Schritte nach vorn gemacht hat).
Hero!
Hero. Wer ruft?
Priester. Ich bin's. Du höre mich!
Hero (scheu nach rückwärts blickend, zu Janthe). Wo ist er hin? Janthe, wo?
Janthe. O mir!
Priester.
Da's nun geschehn.
Hero. Geschehen? Nein!
Priester. Es ist!
Die Götter laut das blut'ge Zeugnis gaben,
Wie sehr sie zürnen, und wie groß dein Fehl;
So laß in Demut uns die Strafe nehmen;
Das Heiligtum, es teile nicht die Makel,
Und ew'ges Schweigen decke was geschehn.
Hero.
Verschweigen ich, mein Glück und mein Verderben, Und frevelnd unter Frevlern mich ergehn?
Ausschreien will ich's durch die weite Welt,
Was ich erlitt, was ich besaß, verloren,
Was mir geschehn, und wie sie mich betrübt.
Verwünschen dich, daß es die Winde hören
Und hin es tragen vor der Götter Thron.
Du warst's, du legtest tückisch ihm das Netz,
Ich zog es zu, und da war er verloren.
Wo brachtet ihr ihn hin? ich will zu ihm!
(Der Tempelhüter und mehrere Diener führen Naukleros herbei. Der Hüter geht gleich darauf nach der linken Seite ab.)
Hero.
Ha du! o Jüngling! Suchst du deinen Freund?
Dort lag er, tot! Sie tragen ihn von dannen.
Naukleros.
O Schmerz!
Hero. Ringst du die Hände, da's zu spät?
Du staunst? Du klagst? Ja, läss'ger Freund!
Er gab sich hin dem wildbewegten Meer,
Beschützt von keinem Helfer, keinem Gott,
Und tot fand ich ihn dort am Strande liegen.
Und fragst du wer's getan? Sieh! dieser hier,
Und ich, die Priesterin, die Jungfrau—So?—
Menanders Hero, ich, wir beide taten's.
Mit schlauen Künsten ließ er mich nicht ruhn,
Versagte mir Besinnen und Erholung;
Ich aber trat in Bund mit ihm und schlief.
Da kam der Sturm, die Lampe löscht' er aus,
Das Meer erregt' er wild in seinen Tiefen,
Da jener schwamm, von keinem Licht geleitet.
Die schwarzen Wolken hingen in die See,
Das Meer erklomm, des Schadens froh, die Wolken, Die Sterne löschten aus, ringsum die Nacht.
Und jener dort, der Schwimmer sel'ger Liebe
Nicht Liebe fand er, Mitleid nicht im All.
Die Augen hob er zu den Göttern auf,
Umsonst! Sie hörten nicht, wie? oder schliefen? Da sank er, sank. Noch einmal ob den Wogen,
Und noch einmal, so stark war seine Glut.
Doch allzumächtig gegen ihn der Bund
Von Feind und Freund, von Hassern und Geliebten. Das Meer tat auf den Schlund, da war er tot.
O ich will weinen, weinen, mir die Adern öffnen, Bis Tränen mich und Blut, ein Meer, umgeben;
So tief wie seins, so grauenhaft wie seins,
So tödlich wie das Meer, das ihn verschlungen.
Naukleros.
Leander, oh, mein mildgesinnter Freund!
Hero.
Sag: er war alles! Was noch übrigblieb, Es sind nur Schatten; es zerfällt; ein Nichts.
Sein Atem war die Luft, sein Aug' die Sonne,
Sein Leib die Kraft der sprossenden Natur,
Sein Leben war das Leben, deines, meins,
Des Weltalls Leben. Als wir's ließen sterben,
Da starben wir mit ihm. Komm, läss'ger Freund, Komm, laß uns gehn mit unsrer eignen Leiche.
Du hast zwei Kleider und dein Freund hat keins, Gib mir dein Kleid, wir wollen ihn bestatten.
(Naukleros nimmt seinen Überwurf ab, Janthe empfängt ihn.)
Hero.
Nur einmal noch berühren seinen Leib,
Den edlen Leib, so voll von warmem Leben.
Von seinem Munde saugen Rat und Trost.
Dann—ja, was dann?—Zu ihm!
(Zum Tempelhüter, der zurückgekommen ist.)
Verweigerst du's?
Ich will zu meinem Freund! Wer hindert's? du?
(Sie macht eine heftige Bewegung, dann sinken Haupt und Arme kraftlos herab. Janthe will ihr beistehen.)
Hero.
Laß mich! Der Mord ist stark. Und ich hab ihn getötet.
(Ab nach der linken Seite.)
Priester (zu Janthen).
Folg ihr!
(Janthe geht.)
Priester (zu Naukleros).
Du bleib! Dein Leben ist verwirkt,
Doch schenk ich dir's, bringst heim du jenen Toten Und schweigst dein Leben lang. Kamst du allein?
Naukleros.
Mir folgten Freunde von der Küste jenseits.
Priester.
Halt sie bereit.—Wo brachtet ihr ihn hin?
Tempelhüter.
Zum Tempel, Herr.
Priester. Warum zum Tempel, sprich!
Tempelhüter.
So will's der Brauch.
Priester. Will's so der Brauch, wohlan!
Die Bräuche muß man halten, sie sind gut.
Und nun zu ihr! Entfernt die Störung erst,
Legt mild die Zeit den Balsam auf die Wunde.
Ja, dies Gefühl, im ersten Keim erstickt,
Bewahrt vor jedem zweiten die Verlockte,
Und heilig fürderhin—Komm mit! Ihr folgt!
(Alle ab.)
(Das Innere des Tempels. Der Mittelgrund durch einen zwischen Säulen herabhängenden Vorhang geschlossen. Auf der rechten Seite des Vorgrundes eine Bildsäule Amors, an deren Arm ein Blumenkranz hängt.)
(Mädchen kommen mit Zurechtstellen von Opfergefäßen und Abnehmen von Blumengewinden beschäftigt. Zwei davon nähern sich dem Vorhange.)
(Janthe kommt.)
Janthe.
O laßt sie, laßt! Gönnt ihr die kurze Ruh'!
Wie mag sie trauern um den Teuern, Guten.
Sie fand den Ort wo man ihn hingebracht
Blindfühlend aus, von niemanden belehrt,
Und stürzte auf die Knie und weinte laut,
Mit ihres Atems Wehn, mit ihren Tränen
Zum Leben ihn zu rufen ohne Furcht bemüht.
Doch als er des nicht achtet, weil er tot,
Da warf sie sich auf den Erblaßten hin,
Die teure Brust mit ihrer Brust bedeckend,
Den Mund auf seinem Mund, die Hand in ihrer.
Seitdem nun ist ihr Klagelaut verstummt,
Doch, fürcht ich, sammelt sie nur neue Kraft
Zu tieferm Jammer.—Nun, ich will auch nimmer Ein Lieb mir wünschen, weder jetzt, noch sonst: Besitzen ist wohl schön, allein verlieren!
(Der Priester kommt mit dem Tempelhüter und Naukleros, dem mehrere Freunde folgen, von der rechten Seite.)
Priester.
Wo ist sie?
Janthe. Dort!
Priester. Zieht auf den Vorhang!
Janthe. Herr—!
Priester.
Auf! sag ich, auf! Und haltet fern das Volk.
(Der Vorhang wird aufgezogen, die Cella erscheint, zu der viele breite Stufen emporführen. Leander liegt querüber auf einem niedern Tragbette. Hero in einiger Entfernung auf den Stufen, halbliegend auf den rechten Arm gestützt, wie neugierig nach dem Toten hinblickend.)
Priester.
Hero!
Hero. Wer ruft?
Priester. Ich bin's. Komm hier!
Hero. Warum?
(Sie steht auf und tritt zu Füßen der Tragbahre, den Toten immerfort betrachtend)
Priester.
Genug ward nun geklagt ob jenem Fremden!
Was schaffst du dort?
Hero. Ich sinne, Herr!
Priester. Du sinnst?
Hero.
Was nur das Leben sei?
Er war so jugendlich, so schön,
So überströmend von des Daseins Fülle,
Nun liegt er kalt und tot. Ich hab's versucht,
Ich legte seine Hand an meine Brust,
Da fühlt' ich Kälte strömen bis zum Sitz des Lebens; Im starren Auge glühte keine Sehe.
Mich schaudert. Weh!
Priester. Mein starkes, wackres Mädchen.
So wieder du mein Kind!
(Zu Naukleros.)
Du tritt hinzu!
Erkennst du deinen Freund?
Naukleros. Er ist's, er war's.
Priester.
Nun komm!
Hero. Warum?
Priester. Sie tragen ihn nun fort.
Hero.
Schon jetzt?
Priester. So ist's.
Hero. Wohin?
Priester. Nach seiner Heimat.
Hero.
Gebt einen Mantel mir.
Priester. Wozu?
Hero. Ihm folgen.
Ist er gleich tot, so war er doch mein Freund.
Am Strande will ich wohnen wo er ruht.
Priester.
Unmöglich! Du bleibst hier!
Hero. Hier?
Priester. Priestrin, hier.
Hero.
So laßt an unserm Ufer ihn begraben,
Wo er verblieb, wo er, ein Toter, lag,
Am Fuße meines Turms. Und Rosen sollen
Und weiße Lilien, vom Tau befeuchtet,
Aufsprossen wo er liegt.
Priester. Auch das soll nicht.
Hero.
Wie? Nicht?
Priester. Es darf nicht sein.
Hero. Es darf nicht?
Priester (stark). Nein.
Hero.
Nun denn, ich hab gelernt Gewaltigem mich fügen! Die Götter wollten's nicht, da rächten sie's.
Nehmt ihn denn hin. Leb wohl, du schöner Jüngling! Ich möchte gern noch fassen deine Rechte,
Doch wag ich's nicht, du bist so eiseskalt.
Als Zeichen nur, als Pfand beim letzten Scheiden Nimm diesen Kranz, den Gürtel lös ich ab,
Und leg ihn dir ins Grab. Du schönes Bild,
All was ich war, was ich besaß, du hast es,
Nimm auch das Zeichen, da das Wesen dein.
Und so geschmückt, leb wohl!
(Einige nähern sich der Leiche.)
Hero. Und dennoch, halt!
Seid ihr so rasch?—Und dennoch, dennoch, nicht!
(Zur Bahre tretend.)
Nie wieder dich zu sehn, im Leben nie!
Der du einhergingst im Gewand der Nacht
Und Licht mir strahltest in die dunkle Seele,
Aufblühen machtest all' was hold und gut;
Du fort von hier an einsam dunkeln Ort,
Und nimmer sieht mein lechzend Aug' dich wieder. Der Tag wird kommen und die stille Nacht,
Der Lenz, der Herbst, des langen Sommers Freuden, Du aber nie. Leander, hörst du? nie!
Nie, nimmer, nimmer, nie!
(Sich an der Bahre niederwerfend und das Haupt in die Kissen verbergend.)
Naukleros.
Hab Mitleid, Herr!
Priester. Ich (habe) Mitleid,
Deshalb errett ich sie.
(Zu Hero tretend.)
Es ist genug.
Hero (mit Beistand sich aufrichtend).
Genug?
Meinst du? genug!—Was aber soll ich tun?
Er bleibt nicht hier, ich soll nicht mit.
Ich will mit meiner Göttin mich beraten.
Janthe, leite mich zu ihrem Thron.
So lang berührt ihn nicht.
(Zu Naukleros.)
Versprich es mir!
Gib mir die Hand darauf.—Ha, zuckst du? Gelt! Das tat mir der, dein Freund!—Du bist so warm. Wie wohl, wie gut!—Zu leben ist doch süß!
Nun aber laß!—Wer wärmt mir meine Hand?
Janthe komm!—Doch erst zieh mir den Schleier Hinweg vom Aug'!
Janthe. Kein Schleier deckt dein Haupt.
Hero.
Ja so!—Komm denn!—Und ihr berührt ihn nicht!
Janthe (die Heron angefaßt hat, zum Priester).
O Herr, der Frost des Todes ist mit ihr!
Priester.
Ob Tod, ob Leben, weiß der Arzt allein.
Janthe (Heron leitend).
Sieh hier!—Heb nur den Fuß!—Du wankst. Nur hier! (Hero besteigt von Janthen geführt, die Stufen. Ein Teil der Jungfrauen folgt ihr, sich in einer herablaufenden Reihe auf der rechten Seite aufstellend, die übrigen treten unten auf die linke Seite, so daß die Tragbahre von ihnen verdeckt wird.)
Priester (halblaut).
Ihr bringt indes ihn fort.
Naukleros. Bedenk!
Priester. Es muß!
Kehrt sie zurück, sei jede Spur verschwunden.
Dein Leben gilt's.
Naukleros. Wohlan!
(Seine Begleiter gehen von hinten herum und fassen die Tragbahre.)
Hero (die von Janthen unterstützt, bereits die obern Stufen erstiegen, ruft in demselben Augenblicke, das Gesicht noch immer gegen die Cella gerichtet).
Leander!
(Rasch umgewendet, Haupt und Arme in die Luft geworfen.)
Leander!
Janthe (sie umfassend zu den Trägern).
Halt!
Priester. Nur fort!
Janthe. Sie gleitet, sinkt!
Setzt ab! in Doppelschlägen pocht ihr Herz!
Priester.
Des Herzens Schlag ist Leben, Doppelschlag
Verdoppelt Leben denn. Ihr tragt ihn fort!
Der ist kein Arzt, der Krankendrohung scheut.
(Man hat die Leiche zu der links gegen den Hintergrund befindlichen Pforte hinausgetragen. Der Priester folgt.)
Janthe (bei Hero auf den Stufen kniend).
Ist hier nicht Hilfe, Rettung? Sie vergeht.
(Den Trägern nachsehend.)
Schon nimmt sie auf die Wölbung. Die sein warten, Von jenseits kommen sie. Gedränge, Fackelglanz. Die äußre Pforte tut sich auf. Weh uns
Sie donnert zu. Der Gang hüllt sich in Dunkel.
Sie haben, halten ihn. Er kommt nicht wieder.
(Hero, die bisher halb sitzend an Janthes Knie gelehnt, gleitet jetzt herab und liegt auf den Stufen.)
Janthe.
Hero! O mir! Wer steht der Ärmsten bei?
Priester (zurückkommend).
Sie führen ihn mit sich, sie rudern fort.
Bald trennt das Meer die unheilvoll Vereinten.
Janthe (nach einer Pause aufstehend und herabkommend). Es braucht kein Meer, der Tod hat gleiche Macht, Zu trennen, zu vereinen. Komm und schau
So sehn die Toten aus in diesen Landen.
Priester.
Spricht das der Wahnsinn?
Janthe. Nein, er hört's.
Vorsicht'ger Tor, sieh deiner Klugheit Werke!
Priester.
Und gält's ihr Leben! Gäb' ich doch auch meins, Um Unrecht abzuhalten. Doch es ist nicht.
(Er eilt die Stufen hinauf, vor der Hingesunkenen kniend.)
Janthe.
Heißt nur die Männer, die den Jüngling tragen,
Drauß' harren, es bedarf noch ihres Amts.
Zwei Leichen und (ein) Grab. O gönnt es ihnen!
(Zum Priester, der die Stufen herabkommt.)
Nun, Mann, du gehst? So gibst du sie denn auf?
Bleib! Eine Dienerin begehrt der Freiheit,
Ich kehre heim zu meiner Eltern Herd.
(Der Priester geht, sich verhüllend, ab.)
Du gehst und schweigst? Sei Strafe dir dies Schweigen! Ihr sorgt für sie, wie sonst ich selbst getan.
Mich duldet's länger nicht in eurem Hause.
(Sie nimmt den Kranz von Amors Bildsäule.)
Hier diesen Kranz tragt mit der Bleichen fort.
(Den Kranz nach der mit Hero beschäftigten Gruppe hinwerfend, gegen die Bildsäule sprechend.)
Versprichst du viel, und hältst du also Wort?
(Der Vorhang fällt.)
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We are constantly working on finishing the paperwork to legally request donations in all 50 states. If your state is not listed and you would like to know if we have added it since the list you have, just ask.
While we cannot solicit donations from people in states where we are not yet registered, we know of no prohibition against accepting donations from donors in these states who approach us with an offer to donate.
International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made deductible, and don't have the staff to handle it even if there are ways.
Donations by check or money order may be sent to:
PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION 809 North 1500 West
Salt Lake City, UT 84116
Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment method other than by check or money order.
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN [Employee Identification Number] 64-622154. Donations are tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising requirements for other states are met, additions to this list will be made and fund-raising will begin in the additional states.
We need your donations more than ever!
You can get up to date donation information online at:
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***
If you can't reach Project Gutenberg, you can always email directly to:
Michael S. Hart <hart@pobox.com>
Prof. Hart will answer or forward your message.
We would prefer to send you information by email.
**The Legal Small Print**
(Three Pages)
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