Ein Star zum Verlieben
Ein Star zum Verlieben
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 2 Teile geteilt.
Aileen Sabers
Prolog
Fassungslos starrte ich in das mir nur allzu bekannte Gesicht. Na ja allzu bekannt war es mir nun auch wieder nicht, schließlich kannte ich es eigentlich nur aus Zeitungen, dem Fernsehen oder von Postern. Aber nun stand ich da, vor mir Aidan O’Conner den berühmtesten und beliebtesten Teeniestar und Schauspieler der Welt. Aber noch abschreckender waren die Worte die er mir eben gestellt hatte, nebenbei gesagt, vor laufender Kamera! Willst du mich heiraten?
Natürlich hatte man mich schon vorgewarnt, erst heute Morgen noch. Aber Hey, würdet ihr jemand dahergelaufenen glauben, wenn der euch sagt dass euch ein berühmter Schauspieler einen Heiratsantrag machen würde? Richtig, nein. Aber das größte Problem an der Sache war, er kannte mich gar nicht! Ist es heutzutage Mode einem völlig unbekannten einen Heiratsantrag zu machen und das live im Fernsehen? Wenn ja, dann frag ich mich wirklich was aus unserer kultivierten Welt geworden war. Immer noch sprachlos starrte ich in Aidans makelloses Gesicht, nicht fähig Worte zu formen. Was sagte man jetzt wohl? Ich meine es wäre sicher hart für ihn, vor laufender Kamera einen Korb zu bekommen…
Unauffällig schaute ich mich nach anderen Kameras um, vielleicht war das hier so was Ähnliches wie ‚Verstehen sie Spaß
’? in diesem Fall konnte ich es mit einem klaren Nein beantworten. Ich lachte nervös und schluckte den Kloß in meinem Hals runter.
„Eh…“, hilfesuchend suchte ich nach meiner besten Freundin Beth die sich irgendwo in der Menschenmenge die sich um uns gebildet hatte, aufhalten musste.
„Was soll ich sagen?“, ich stellte mich auf die Zehenspitzen um einen besseren Überblick zu bekommen.
„Ja?“, half er mir auf die Sprünge.
Nervös biss ich mir auf die Lippe. Was mache ich jetzt bloß?
„Eh…entschuldige mich, ich muss wirklich dringend aufs Klo.“, und damit floh ich mit wehenden Fahnen durch die Masse auf das einsam stehende Dixiklo zu. Zitternd drehte ich den Absperrknopf und ignorierte den widerlichen Uringestank, setzte mich auf die Kloschüssel und fuhr mir durch die Haare. „Scheiße, scheiße, scheiße.“, murmelte ich immer wieder, wie ein Mantra.
1. Kapitel- Ein Star und andere Probleme
Zum wiederholten Male schritt ich nun nervös durch mein kleines, aber doch gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer. Nebenbei schielte ich auf die kleine Couch auf der, der Superstar Aidan O`Conner und sein PR-Berater Dexter Bane notgedrungen Platz genommen hatten. Nachdem ich mich von dem ersten Schock erholt hatte und mich wieder aus dem Dixie-Klo herausgewagt hatte, wurde ich direkt von einer hungrigen Meute Journalisten und Klatschblättern begrüßt. Zum Glück holten mich die Bodygards von Aidan heraus und schlugen vor zu mir nach Hause zu fahren. "Also nur noch einmal zusammenfassend, dass ich auch alles verstanden habe. Ich soll Mr O`Conner zum Schein heiraten, für diese kurze Zeit würde ich eine Abfindung in der Höhe von $500.000 bekommen. Ich müsste mit ihm eine Weile ein Haus teilen und mich in der Öffentlichkeit als seine verliebte Ehefrau präsentieren. Soweit alles richtig?" die beiden Männer auf der Couch nickten unisono. Ich runzelte meine Stirn und schlug mir frustriert dagegen. "Seid ihr denn verrückt? Und außerdem warum ausgerechnet ich
?", schrie ich beinahe, gemischt mit einem verzweifelten Unterton und einer Prise Ärger.
"Sehen sie es doch einmal so, Ms Granger. Sie würden Geld bekommen, viel
Geld. Damit könnten sie die Schulden ihrer Familie begleichen und trotzdem bliebe noch ein erheblicher Rest für sie. Sie haben einen tadellosen Lebenslauf, ein durchscheinendes Leben, also nichts gravierendes und sehen noch nicht einmal schelcht aus. Nach dem Fiasko auf der Pressekonferenz letzte Woche, braucht Aidan eine beruhigende Wirkung auf das Publikum. Das einzige was ihn jetzt noch retten könnte, wäre gute PR und ein ruhigeres Leben, als das was er führt. Die Scheinheirat wäre erst einmal für drei Monate. Sollte sich die Presse für Aidan dann versöhnlicher zeigen, werden wir eine Scheidungsanzeige rausgeben und sie können ihr Leben wieder so leben wie sie es bisher getan haben." Mir blieben die Wörter im Hals stecken. Als ich nun wieder sprach, klang meine Stimme gepresst und krächzend. "Drei Monate
?"
Dexter schnalzte missbilligend mit seiner Zunge. "Natürlich, kürzer geht nun wirklich nicht. Wie sähe das denn aus, Ms Granger. Denken sie doch nach!"
Ärger stieg in mir auf. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? Immerhin wollte er etwas von mir
, nicht andersherum.
"Zufällig denke ich nach, nämlich an mich! Haben sie vielleicht mal daran gedacht, dass ich auch eine Arbeit habe der ich regelmäßig nachgehen muss? Manche Menschen haben es leider nicht so gut und haben Millionen von Dollar auf ihrem Konto. Und dreimonatigen Urlaub kann ich mir nun wirklich nicht nehmen." Mein Blick fiel erstmals auf Aidan der mich unglücklich musterte. "Was?", fauchte ich, bereit jederzeit meine Krallen auszufahren. "Ich frage mich gerade, ob du jemals in deinem Leben einen anständigen Friseur aufgesucht hast."
"Oh mein Gott!", stieß ich durch zusammengebissene Zähne hervor. Ich meine, ich hatte wirklich viel erwartet. Wenn man dann schon mit einem Millionenschweren Superstar, der obendrein auch noch verdammt sexy aussieht, aber leider ein absolutes Arschloch war, in einem Haus zusammenwohnt, erwartet man doch mehr. Entgeistert fiel mir die schwere (!!) Tasche aus meiner tauben Hand. Nicht einmal meine Tasche wollte der pingelige Star tragen. "Das ist aber doch jetzt nicht dein ernst, oder?", ein Zittern begleitete meine raue Stimme.
Aidan zog unbekümmert eine seiner perfekt geschwungenen Augenbrauen in die Höhe. "Zum Eheglück gehört auch ein Haus." Ich nicke, "Ja, da hast du Recht. Ein Haus
, keine Bruchbude!", meine Stimme schwengte in den Bereich des Hysterichen. Das 'Haus' vor mir, war eine Bude, die von ein paar Brettern gehalten wurde. Die Veranda wurde von Löschern begleitet und ein Geländer gab es schon längst nicht mehr. Nach unserer nicht wirklich spektakulären Heiart auf dem Standesamt, wobei unsere Trauzeugen Dexter und irgendein Mann waren der dort arbeitete, hatte ich mir nur noch ein heißes Bad gewünscht und 84 Tage weiter. Und was bekam man? Eine Bruchbude, jawohl! Ich drehte mich zu ihm um. "Das ist deine Rache, nicht wahr? Dafür das ich dir, dein perfektes Gesicht zerkratzt habe und du den Fototermin mit Hot-Zone absagen musstest." Er schnaubte. "Als wenn ich so kindisch wäre."
"Willst du darauf jetzt wirklich eine Antwort?", fragte ich bitter und wandte meinen Blick wieder der mittelschweren Katastrophe vor mir zu.
"Was ist denn mit Flitterwochen?", fragte ich Hoffnungsfroh. Er grinste verschlagen.
"Wir sind in Montana, Wildnis um uns herum und Paparazzi kommen nicht an uns ran. Das ist besser als Flitterwochen." Ich hatte das Gefühl in Tränen ausbrechen zu müssen. Er hob seine Tasche schwungvoll vom Boden auf und ging voraus. Mühsam schulterte auch ich meine Tasche und folgte ihm mit schwankenden Schritten die Veranda rauf, den Löschern immer ausweichend. Der Anblick des Innenbereichs war für mich nicht wirklich besser. Aber ein kleiner Erfolg im Gegensatz zu seiner äußeren Fassade. Die Möbel waren Rustikal und schon etwas älter, aber man konnte trotzdem mit Recht sagen, dass sie gemütlich waren. Im hinteren Teil des Wohnzimmers war ein riesiger, offener Steinkamin der das besondere Flair der Wildnis noch betonte. Die Wände waren mit Holz vertäfelt, der Schiefernboden mit einem flauschigen, weißen Wolltepisch bedeckt. Im Großen und Ganzen fand ich es eigentlich gar nicht so schelcht, für das was es von Außen für einen Eindruck gemacht hatte. "Hab nicht so schnell Gefallen daran. Es gibt nur ein Bad und leider, leider
nur ein Schlafzimmer. Ich denke wir werden uns ein Bett teilen müssen. Aber das wird sicher kein Problem sein, schließlich sind wir ja jetzt verheiratet.", seine blitzenden, grünen Augen verursachten ein Kribbeln auf meiner Haut und ich spürte wie mir das Blut in die Wangen schoss. Ich räusperte mich und versuchte meine Fassung wieder zu erlangen.
"Ich glaube, ich nehme dann doch lieber vorlieb mit der Couch.", wiegelte ich ab und schaute mir das Monster meiner zukünftigen Nächte an. Eine durchgelegene Schlafstädte. Ich glaubte sogar an einer Stelle die Feder hervorstehen zu sehen. Aidan betrachtete es ebenso wie ich.
"Bist du dir sicher? Im Gegensatz du der Couch ist das Bett ja wie eine kuchelige Wolke.", frotzelte er belustigt. "Ich würde eher sagen die Couch ist wie ein Geschenk Gottes, wenn ich dafür nicht neben dir und deinen perversen Vorschlägen schlafen muss.", ich errötete schlagartig wieder, als mir klar wurde, was ich genau da gerade gesagt hatte. Wie erwartet lüpfte Aidan eine seiner Brauen und sah mich fies grinsend an.
"Glaub mir, solche Gedanken würde ich nicht an dich
verschwenden.", meinte er kühl und machte auf dem Absatz kehrt um in das obere Stockwerk, über die wohl bald in sich zusammenfallende Treppe, zu gelangen. Ich seufzte und fuhr mir durch die Haare. Das hatte man davon wenn man einem verwöhnten Star aus der Patsche half.
Nur was mir immer noch nicht ganz klar war, war warum ausgerechnet ich ausgewählt wurde. Auf meine Fragen hatte ich bis jetzt noch keine Antworten bekommen, immer nur das ich dafür Geld bekommen würde. Wie eine kaufbare Nutte, schoss es mir durch den Kopf. Wie tief ich bloß gesunken war, aber meine Eltern brauchten das Geld. Würde meine geliebte Moma das alles mitkriegen, würde sie sich im Grabe umdrehen. Aber nicht oft im Leben hatte man das Glück ohne Sorgen leben zu können. Ich versuchte die trübseligen Gedanken abzuschütteln und machte mich daran in den wenigen Schubladen nach einer geeigneten Decke und einem Kopfkissen für die Nacht zu suchen. Als mein 'Bett' langsam Gestalt annahm knurrte mein Magen und mir wurde vor Hunger beinahe schon schlecht. Ich beschloss etwas zu Abend vorzubereiten und stutzte als ich in den leeren Kühlschrank schaute. Hatte Aidan nicht gesagt, man würde sich um alles kümmern? So wie es aussah, hatten sie an vieles gedacht, nur nicht an Essen.
Geschlagen kehrte ich wieder ins Wohnzimmer zurück und nahm mir den letzten Schokoriegel aus meiner Tasche, die ich zum Frust und wohl auch zu meiner Rettung mit eingepackt hatte. Grimmig dachte ich an Aidans abschätzenden Blick zurück als er erst den Riegel in meiner Hand und dann an mir hinunter meine Figur begutachtet hatte. Von jeher war ich eher üppig gebaut. Alle Diäten zum Trotz sah mein Körper nicht ein, ein kleines Gramm zu verlieren. Irgendwann hatte ich es dann aufgegeben und zum Frust noch mehr Zuckerzeug gegessen. Was jedes einzelne Gramm an meinem Körper bezeugte. Doch wo ich üppig gebaut war, war ich an anderen Stellen flacher wie Flachland. Meine Brüste konnte man wirklich in die A-Kategorie einstufen, womit ich auch nie wirklich Probleme hatte. Schließlich hatte ich nicht
das Problem, dass Männer erst auf meine Titten starrten, bevor sie mir ins Gesicht sahen. Und damit fing das nicht-Problem an. Es gab einfach keine Männer die mir erst auf die Titten hätten starren können und dann in mein Gesicht. Ich hatte mein bisheriges 27-Jähriges Leben lang so etwas wie eine Wüstenwanderung. Eine elend lange Durststrecke, nur das bei mir nirgends ne Oase war. Und dann wären wir wieder bei dem Thema warum ausgerechnet ich
ausgewählt wurde, um Aidans Scheinehefrau zu sein. Jeder blinde mit nem Krückstock würde doch sehen das Aidan O´Conner mir nicht einmal einen Blick zugeworfen hätte, würden wir uns, und ich betone das würden, auf der Straße irgendwo begegnen. Ich glaube ich hätte sogar vor ihm auf das Gesicht fallen können, selbst dann hätte er mich nicht beachtet, ich hatte ja kein C-Körbchen. Genug, Dramaqueen
, wies ich mich zurecht und beschloss endlich meinem langersehnten Bad nachzugehen. Als ich mit vorsichtigen Schritten, und dabei versuchte ich mich so leicht zu machen wie es ging, was gar nicht so einfach war, die Treppe hochging, hörte ich oben die Dusche rauschen. Neugierig tappte ich in das Schlafzimmer und starrte direkt auf ein King-Size Bett, dass mich schier hämisch angrinste. Was zur Hölle machte ein King-Size Bett in solch einer Bruchbude?
, tobte ich innerlich. Äußerlich versuchte ich cool zu bleiben, obwohl mir der Schweiß auf der Stirn stand. Als im Bad die Dusche abgedreht wurde, drehte ich mich um und erstarrte. Vor mir war ein sehr, sehr nackter Aidan der mich mit zusammengekniffenen Augen musterte.
2. Kapitel- Nackte Tatsachen
Ich schnappte wie ein Fisch am Land nach Luft. Unwillkürlich richtete sich mein Blick auf sein bestes Stück und blieb dort hängen. Meine Wangen wurden glühend heiß und in meiner Verwirrung stammelte ich unsinniges Zeug. Aidan räusperte sich und ich erwachte aus meiner Schreckensstarre. Wie ein aufgescheuchtes Kaninchen quiekte ich und hielt mir die Hand vor die Augen. "Oh...es...es tut mir Leid, ich wusste nicht...", rief ich hilflos und drehte ihm gleichzeitig den Rücken zu.
Ich hörte das Rascheln von Jeansstoff und schließlich das kratzende Geräusch des Reißverschluss'.
"Du kannst dich ruhig wieder umdrehen.", sinnierte er und in seinem Ton klang eindeutig Amüsement mit. Wut kochte in mir hoch. Wut wegen ihm, der dämlichen Scheinehe und diesem verdammten Bett, wo mein Blick nun wieder drauffiel.
"Warum steht hier ein King-Size Bed!", platzte es wütend aus mir heraus. Aidan zog missbilligend eine Augenbraue in die Höhe und starrte mich einen Moment schweigend an. Dann zuckte er gelassen mit den Schultern und ging hinüber zu dem Kleiderschrank um sich ein T-Shirt rauzusuchen.
"Ich habe mir eins gekauft und es hierher bringen lassen." Meine Augen verengten sich zu Schlitzen.
"Und du kamst nicht auf die glorreiche Idee direkt eine neue und vor allem bequeme
Couch zu kaufen?", mein Tonfall war täuschend ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen.
"Nein, eigentlich nicht. Ich hatte gedacht, das wir uns ein Bett teilen würden. Weißt du ein Mann hat so seine Bedürfnisse die eine Ehefrau eigentlich hegt und pflegt." Ein lüsternes Grinsen begleitete seine Worte.
"Aha, darum geht es dir also. Weißt du, eben, nicht Mal vor einer halben Stunde habe ich aus deinem Mund gehört, dass du solche Gedanken nicht an mich
verschwenden würdst. Hab ich da etwa was falsch verstanden?", Ich stützte meine Hände in die Hüfte und funkelte ihn herausfordernd an.
Er seufzte geschlagen. "Nun, was ein Mann nicht alles tut..." Ich schrie frustriert auf und stieß ihm mit meinem erhobenen Finger in die Eisenharte Brust.
"Du, du
, Ekelpaket! Mit dir würde ich nicht einmal ins Bett steigen, wenn du der letzte Mann auf Erden wärst. Der Gedanke daran lässt mich schütteln und das nicht vor Erregung, soviel dazu! Ich kann nicht fassen das ich mich für diese Scheiße hier hab kaufen
lassen, irgendwann sind auch meine Grenzen erreicht. Und wenn ich mit dir schlafen würde, weißt du was ich dann wäre? Eine Hure
! Ich hätte mich für Sex bezahlen lassen und das wird nie, nie passieren, hörst du?", mit diesen Worten rauschte ich an einem sichtlich verblüfften Aidan vorbei und schloss mich im Bad ein. Schnell entledigte ich mich meiner Kleidung und hüpfte unter die Dusche. Das heiße Wasser rasselte auf meinen immer noch glühenden Körper hinunter und ließ ihn brennen.
Entgegen meinen Worten, ließ der Anblick von Aidans nackten Körper mich nicht kalt. Ganz und gar nicht. meine Haut kribbelte immer noch von dem verlockenden Anblick und mein Blut rauschte heiß durch die Adern. Bilder drifteten durch meine Gedanken. Bilder, die mich erröten ließen. Aber das nicht vor Scham. Sie zeigten Aidan und mich, nackt in ziemlich verrückten Stellungen. Ich stöhnte. Es war sehr lange her, als ich das letzte Mal Sex hatte. So lange, dass ich mich schon beinahe nicht mehr erinnern konnte und das wurde noch dadurch erschwert, weil ich betrunken war und mein ehemaliger Arbeitskollege bei dem ich mich ausgeheult hatte es ausgenutzt hatte.
Ich ballte eine meiner Fäuste und schlug damit gegen die geflieste Wand. Verblüfft bemerkte ich, das es erstaunlich gut tat. Mit einer Art Hochgefühl schlug ich noch einmal gegen die Wand, dieses Mal fester. Ich wiederholte es immer und immer wieder, bis ich auf einmal ein Knacken hörte. Ich schnappte nach Luft und der Augenblickliche Schmerz der eintrat trieb mir die Tränen in die Augen. Ich schrie unwillkürlich auf und verlor dabei den Halt, rutschte in dem knöcheltiefen Wasser aus und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Schwindel erfasste mich und der Schmerz ging nun von zwei Stellen aus. Das Hämmern an der Tür brach durch den Nebel aus Schmerz und verzerrte Rufe erreichten mich.
"Anabelle? Anabelle! Was ist los?", Aidan. Er Hämmerte und schlug gegen die Tür, doch ich konnte ihm nicht antworten. Ich war gefangen von den Schmerzen und lag wie betäubt in der Wanne. "Anabelle, ich breche die Tür auf, wenn du mir jetzt nicht antwortest! Warum verdammt nochmal schreist du wie am Spieß?" Verwundert zog ich meine Augenbrauen zusammen. Ich schrie? Die Holztüre gab mit einem Krächzen nach und Aidan brach durch die Splitternde Tür. Als er mich mit seinem Blick erfasste, kam er sofort auf mich zu. Der Gedanke, das er mich nun auch nackt sehen würde und wir so nun quitt wären, durchzuckte mich, war aber sofort wieder verschwunden, als eine neue Schmerzenswelle mich erfasste und ich ein qualvolles Wimmern ausstieß. "Schh..alles wird gut.", versuchte Aidan mich zu beruhigen und achtete glücklicherweise nicht besonders darauf, das ich nackt vor ihm in der Dusche lag. Er legte seine Arme unter mich und hob mich auf seinen Arm. Wasser tropfte von meinem Körper auf sein T-Shirt und durchnässte es. Erst jetzt bemerkte ich das heiße, rote Blut das von meinem Kopf, in die braunen Strähnen sickerte und einen roten Streifen auf seinem Shirt hinterließ.
Aidan wickelte mich in ein großes Badehandtuch.
"Was machst du denn, Anabelle? Ich werde dich wohl ins Krankenhaus bringen müssen.", seufzte er und strich mir eine verwirrte Haarsträhne aus der Stirn.
"Kein Krankenhaus.", krächzte ich.
"Aber jemand muss sich die Wunde an deinem Kopf ansehen, Schätzchen." Sein Blick fiel erstamals auf meine Hand und er zog zichend die Luft ein.
"Ohje...hast du dir etwa auch noch die Hand gebrochen?", fuhr er mich beinahe an und sein Tonfall klang gepresst. Ich folgte seinem Blick auf meine Hand und erstarrte. Ein Splitter des Knochens ragte aus meinem Handgelenk raus. Ein widerlicher Anblick der trotzdem etwas positives hatte. Dank ihm, verfiel ich in dunkle, wohltuende Schwärze.
3. Kapitel- Hormone sind was für Teenager
Blinzelnd öffnete ich meine klebrigen Augen und blinzelte gegen das helle Licht. Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er gegen eine Betonwand gekracht und meine rechte Hand kribbelte leicht, so als wäre sie eingeschlafen. Ich fühlte mich leicht Desorientiert und versuchte mich daran zu erinnern, was passiert war. Erst als ich das Piepen und den Monitor neben mir bemerkte, hatte ich eine schlimme Vorahnung die sich sogleich in der Form einer widerlich gutaussehenden Krankenschwester bewarheitete, die neben meinem Bett mit Superstar Aidan rumflirtete. Genervt schloss ich meine Augen wieder und versuchte die Eifersucht die ich komischerweise empfand niederzukämpfen. Ach zum Täufel! Der Mann war verheiratet, und wenn es nur eine Scheinheirat war! seine Frau liegt im Krankenhaus und der flirtete mit einer Krankenschwester neben
ihrem Krankenbett rum.
Wütend öffnete ich meine Augen wieder und strafte die zwei Turteltäubchen mit mörderischen Todesblicken. Als dieses Luder dann seinen Schoss bestieg, reichte es mir. Ich räusperte mich vernehmlich und achetet besonders auf Aidans Miene.
Aber der war nicht umsonst einer der besten Schauspieler und setzte ein undurchdringliches Pokerface auf. Die Krankenschwester hatte nicht solches Könnnen und errötete prompt. Stotternd erhob sie sich und rannte beinahe aus dem Krankenzimmer. Wütend wandte ich mich Aidan zu.
"Schön das du dich so schön amüsierst!", fauchte ich und maß ihn mit solch mörderischen Blicken, dass er eigentlich auf der Stelle Tod umfallen müsste.
"Ich habe
mich amüsiert, bis du aufgewacht bist!", seufzte er und richtete seine verstrubbelten Haare wieder, was eindeutig das Werk der Krankenschwester war.
"Ich glaub's nicht, du bist verheiratet, deine Frau liegt krank im Bett und du machst vor ihren Augen mit einer Krankenschwester
rum!"
"Also erstens, sind wir nicht verheiratet, wir sind zum Schein
verheiratet, das ist ein bedeutsamer Unterscheid. Und zweitens, kann es sein das du Eifersüchtig
bist?"
Ich schnaubte fassungslos und schüttelte den Kopf über solch dreistes Benehmen.
"Ich bin nicht
eifersüchtig, dazu habe ich überhaupt keinen Grund. Und wenn Man in dieser Ehe also Fremdgehen kann, dann frage ich mich ernsthaft welchen Zweck die PR-Maßnahmen erfüllen. Aber Gut, dieses Spiel können auch zwei Spielen, mein Lieber. Sobald ich aus diesem Krankenhaus raus bin, fahre ich zum nächsten Klub und lasse mich Mal ordentlich zulaufen, schnapp mir einen Gigolo und lasse mich vögeln bis zum Morgen. Gefällt dir das, ja?" Ich beobachtete wie seine Farbe von einem normalen Braunton in ein tiefes Rot wechselte. Kleine Äderchen an seinem Kopf und Hals pulsierten heftig und Muskelstränge wurden durch die Anspannung sichtbar. Sein Lächeln glich einem Zähnefletchen und unwillkürlich rutschte ich ein Stück von ihm weg.
"Das...wüde ich dir nicht raten, Anabelle.", murmelte er beinahe sanft, was im krassen Gegenzug zu seinem Gesicht stand. Die Drohung hinter dieser Bemerkung war deutlich. "Dann würde ich sagen, handeln wir einen Deal aus. Du gehst nicht fremd und ich versaue dir nicht dein Image. Obwohl, warte, dass hast du dir ja schon selber versaut.", jetzt knurrte er wirklich. "Anabelle, treibe es nicht auf die Spitze, ich warne dich nur einmal!"
"Was dann?", fragte ich herausfordernd, wohl weislich das ich mit dem Feuer spielte.
"Das willst du nicht wissen, glaub mir. Aber falls du es doch soweit treibst...die Auswirkungen werden nicht gerade schön sein.", damit stand er auf und ging zur Tür.
"Warte!", schrie ich, "Wo willst du denn jetzt hin? Ich will hier nicht bleiben!"
Er lächelte freudlos, beinahe falsch.
"Die Ärzte meinten, du müsstest noch eine Nacht zur Beobachtung hierbleiben. Anscheinend hast du eine sehr starke Gehirnerschütterung."
Ich schrie ihm wütend hinterher und wünschte ihm tausend Flüche an den Hals. Erst als ich außer Atem war, merkte ich das der Misterkerl mich alleine im Krankenhaus gelassen hatte. Tränen der Verzweiflung rannen mir die Wangen hinunter und ich griff mir An die Kehle. Erinnerungen kamen hoch, versteckte und verdrängte Erinnerungen denen ich die Jahre über immer erfolgreich aus dem Weg gegangen war, bis ein Superstar mich der größten Folter ausgesetzt hatte. Auch wenn ich es nur ungern zugab, er konnte ja nicht wissen was für eine Angst ich in Krankenhäusern hatte. Aber die folgenden Vierundzwanzig Stunden waren die Hölle auf Erden.
Als ich schließlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, schluchzte ich beinahe auf vor Erleichterung, doch Aidans Anwesenheit neben mir, hielt mich davon ab. Schweigend fuhren wir, zu der Bruchbude, schweigend luden wir die wenigen Habseligkeiten in den Flur, die er in Eile in eine kleine Tasche geschmissen hatte und im eisernen schweigen trennten sich unsere Wege. Er ging mit stampfenden Schritten die Treppe hoch und ich mit hängenden Schultern zu meiner Schlafcouch. Als ich gerade durch die Tür gehen wollte, blieb ich abrupt stehen und starrte auf das monströse Ding, was den Platz der alten Couch ablöste. Es war gerade so breit, das es bequem war und man sich in jede beliebige Richtung drehen konnte, ohne das man runterfiel. Mit einem kleinen Freundesschrei stürzte ich mich auf die Couch und ließ mich darauf fallen. Sie war so weich, das sie mich einmal sogar hochfederte. Ich seufzte leise und schloss einen Moment meine Augen, bevor ich sie wieder aufriss. Aidan! Unsicher biss ich mir auf die Unterlippe und dachte an den Superstar. Wie sollte man ihn einschätzen, wenn er in einem Moment so fies zu mir war und im nächsten auf einmal so nett und einfühlsam. Okay, die fiesen Momente überwogen bis jetzt, aber das hier wäre nicht nötig gewesen. FieseGlückshormone glommen in mir auf und das nur, weil Aidan mir eine Couch geschenkt hatte! Ich fauchte frustriert und schlug mit meiner ungebrochenen Hand auf die Sofalehne. Teenager sollten überschüssige Hormone haben und sich kaum kontrollieren können, aber doch nicht eine Siebenundzwanzig Jährige Frau! Erschöpft von so vielen Gefühlen an einem Tag, schloss ich meine Augen und bettete meinen Kopf auf die kuschelige Sofalehne und schlief beinahe sofort ein.
4 Kapitel- Was sich hasst, das neckt sich
Mit einem ungewöhnlichen Hochgefühl, wachte ich am Morgen auf. Ich schiebte es auf die Tatsache, dass ich auf meiner neuen und wohl auch viel mehr bequemen Couch geschlafen hatte. Und dem Umstand, dass ich Aidan noch nicht begegnet war. Aber dies würde sich sicher gleich ändern, dachte ich grimmig. Mit einem Ohr hörte ich es in der Küche rumoren. Der Geruch von Kaffee und gebackenem Brot wehte ins Wohnzimmer hinüber und ließ mich genüsslich aufseufzen. Genau das brauchte ich jetzt. Ich schwang meine Beine über die Kante und wankte noch Schlaftrunken in die Küche. Das Bild das mich empfing ließ mich schlagartig erstarren. In der sonst heimeligen Küche herrschte stetes treiben. Mindestens ein Dutzend Leute drängten sich in der Küche und belagerten jede Ecke. In der mitte natürlich mein frisch angetrauter Ehemann Aidan, der sich einer Reporterin zuwandte. Diese hing ihm förmlich an den Lippen und schrieb eilig jedes Wort mit was Aidan zu ihr sagte. Ich hatte immer noch meinen Schlafanzug an, der aus einer Hotpant und einem gemütlichem T-Shirt bestand. So wollte ich auf keinen Fall gesehen werden. Eilig setzte ich den Rücktritt an, immer zu Gott betend das mich niemand sah, als ich die verräterische Stimme hinter mir hörte die meinen Namen rief.
„Anabelle da bist du ja!“, rief Aidan lieb und unschuldig. Meine Schultern verspannten sich und ganz langsam drehte ich meinen Kopf in seine Richtung.
„Liebling komm doch her, diese nette Frau würde gerne einen Report über unsere Flitterwochen schreiben. Ich musste mir krampfhaft ein höhnisches Lachen verkneifen, Flitterwochen
das ich nicht lache. Schnell setzte ich mein breitestes Grinsen auf und setzte mit größter Willenskraft einen Fuß vor den anderen, während mein Verstand schrie: Lauf solange du noch kannst!
Aidan begegnete meinem Blick mit einem sorgenfreien Lächeln, was er wohl nur für die Kameras aufsetzte und klopfte auf sein Schoß. Mein Herz machte einen verräterischen Salto und galoppierte dann doppelt so schnell weiter. Mit verkrampftem Lächeln setzte ich mich auf die äußerste Kante seines Knies und versuchte dabei nicht darauf zu achten, das der Hautkontakt ein Kribbeln in meinem Körper auslöste was äußerst Gefährlich war. Nicht nur für meinen Körper, denn Abhängigkeit war ja schon vorprogrammiert, nein auch für mein Herz war es äußerst gefährlich von Aidan O'Conner abhängig zu sein. Mit Mühe riss ich den Blick von Aidans nackten Waden los und versuchte mich auf die Fragen der Reporterin zu konzentrieren. Anscheinend hatte man Aidan ebenso überrascht wie mich, denn er war auch noch im Schlafanzug. „So Mrs O'Conner-Granger, wie ist es mit dem Superstar Aidan verheiratet zu sein?“
Ich war nur für einen kurzen Augenblick überrascht als ich meinen neuen Nachnamen hörte, denn darüber hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, bis ich mich wieder der Frage zuwandte. Aidans Hände um meine Taille verkrampften sich und drückten einmal warnend zu.
„Hmm...sagen wir Mal so, es hat seine guten Seiten aber auch seine schlechten.“, weichte ich der Frage aus. Die Reporterin verzog missbilligend den Mund und warf sich das Platinblonde Haar zurück.
„Wie haben Sie und Mr O'Conner euch denn kennengelernt, denn die Verlobung und anschließende Heirat kam ja wirklich plötzlich und überrumpelnd. Damit haben sie sicher ein paar Frauenherzen gebrochen.“, fügte sie noch scherzhaft hinzu. An ihrem Hasserfüllten Blick erkannte ich, dass wohl auch ihres dabei beschädigt wurde. „Nun...ich bin mir gar nicht mehr so sicher wann wir uns das erste Mal begegnet waren, du Schatz
?“, ich war ihm einen auffordernden Blick zu und fragte mich was er wohl jetzt antworten würde.
Er tippte sich gespielt nachdenklich ans Kinn. „Ich meine mich erinnern zu können, dass ich dich das erste Mal gesehen habe, wie du auf ein Dixieklo geflüchtet bist, dabei warst du so in Eile das du mich einfach umgerannt hast. Als ich dich empört zur Rede stellen wollte, dabei in deine wunderschönen blauen Augen sah, wusste ich einfach das du die Richtige bist.“, ich drehte mich halb auf seinem Schoß um und zog eine Augenbraue hoch. „Schatz, weißt du ich würde dir ja glauben, wenn du dich nicht damit verraten hättest, dass du nicht einmal meine Augenfarbe richtig erkennst. Ich habe keine blauen Augen, sondern grüne
.“ Aidan feuerte einen bösen Blick auf mich ab, bevor er anfing künstlich zu lachen.
„Schatz, ich weiß
doch das du grüne Augen hast, dass war ein Test ob du mir auch zuhörst.“, er zwinkerte und warf dabei der Reporterin ein gewinnendes Lächeln zu.
Ich schnaubte abschätzig und ignorierte dabei seinen warnenden Händedruck.
Die Reporterin schaute uns beide interessiert an und hinter ihrem Blonden Schopf arbeiteten jetzt sicher tausende von kleinen Männchen die eine exklusive Story über das frisch verhasste Ehepaar schrieben.
„Nun gut...Mr O'Conner was uns noch interessieren würde ist, ob sie sich mit Mrs O'Conner-Granger bei der Benefizgala am Wochenden erstmals in der Öffentlichkeit zeigen werden.“ Hinter mir verkrampfte Aidan sich merklich und rang sichtlich mit sich, bevor er die Frage beantwortete.
„Meine Frau mag es eigentlich nicht, gerne in der Öffentlichkeit zu stehen und daher überlasse ich es ganz ihr eine Entscheidung zu treffen. Ich werde sie zu nichts zwingen.“
Ein geheucheltes Lachen kam von dem Blondchen. „Was sind sie nicht für ein Gentleman.“, schleimte sie, sodass ich stark an mich halten musste, dass ich keine Würgegeräusche ausstieß.
„Oh und uns würde interessieren, ob schon etwas in Richtung Familienplanung geht. Haben sie den Wunsch Kinder zu bekommen, Mrs Anabelle?“
Ich dachte einen Moment lang über die Frage nach und wie man ihr entsprechend neutral gegenübertreten konnte. „Irgendwann sicher einmal, aber im Moment denken weder Aidan noch Ich daran ein Kind in die Welt zu setzen.“, sagte ich lächelnd. „Die Reporterin nickte und machte einen Cut in Richtung Kameramann der alles aufgenommen hatte. Als das Gerät die Linse geschlossen hatte, sprang ich von Aidans Schoß auf. „Ich...ehm...gehe mich dann Mal fertig machen.“, rief ich Aidan zu, wobei es mir egal war, dass ich der Reporterin vielleicht unhöflich gegenübertreten könnte. Die sah ich sicher in meinem ganzen Leben nie wieder.
Aidan warf mir einen seiner „Wir reden noch
“-Blicke zu. Ich winkte lässig und verschwand in Richtung Bad, bloß weg von ihm, der Versuchung seiner Haut und der blöden Blondine von Reporterin.
5. Kapitel- Cinderella oder doch Aschenputtel?
Nachdem ich mich im Bad fertig gemacht hatte, kehrte ich frisch aus dem Bad zurück und kehrte in die Küche zurück. Ich atmete erleichtert auf, als ich bemerkte das sie leer war. Keine unerwünschten Reporterinnen und auch kein nervtötender Aidan. Ich brühte mir eine frische Tasse Kaffee und sah voller Interesse eine Zeitung auf der Theke liegen. Zufrieden setzte ich mich an den Küchentisch und blätterte in der Morgenpost während ich mir die Zunge am noch heißen Kaffee verbrannte. Als ich weiterblätterte fiel mir ein Bild sofort ins Auge. Aidans makelloses Lächeln strahlte mir auf einem Zeitungsfoto entgegen, links neben ihn hatten sie ein Foto von mir platziert, fiel mir mit Schrecken auf. Und es war noch nicht einmal ein Aktuelles, nein, es war noch eins in meinen Anfangsjahren in der Verlagindustrie. Die Überschrift mit ihren dickgedruckten Lettern sprang mir beinahe fauchend entgegen: „Superstar Aidan heiratet eine Unbekannte! Spiel oder doch Liebe?“
Stellte man nun schon Zweifel? Andererseits war es ja auch zu erwarten. Niemand glaubte, dass jemand wie Aidan eine völlig Unbekannte und noch nicht einmal besonders hübsche Unbekannte heiraten würde. Mit plötzlicher Übelkeit schob ich die Zeitung weit von mir weg und lehnte mich in dem Stuhl zurück. Was machte ich jetzt bloß? Wenn das Arrangement mit Aidan ausgelaufen wäre, würde man mich überall erkennen. Man würde mich in eine Schublade mit all seinen Verflossenen stecken. Und das heftigste an der sache war ja noch, dass ich noch nicht einmal was mit ihm hatte. Ich war in einer Zweckehe eingesperrt. Sollte ich jetzt meinen Prince Charming kennenlernen hätte ich noch nicht einmal das recht zu flirten, ohne das ich direkt als Betrügerin hingestellt werden würde! Mit plötzlicher Heftigkeit prasselten alle Argumente ein, die gegen diese Ehe sprachen. Hätte mir sowas nicht vorher einfallen können? Frustriert vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und ließ mich in einer Welle des Selbstmitleids treiben. Erst das Klopfen an der einfachen Holztür ließ mich erschreckt hochfahren. Aidan stand grinsend im Türrahmen. Sexy wie immer. Er hatte sich ein lässiges Hemd und eine verwaschene Jeans angezogen, dazu trug er Trendy Sportschuhe. Er gehörte verboten so gut auszusehen, begehrte ich in Gedanken auf! Natürlich würde ich dies in Gegenwart von Aidan niemals zugeben. Sein Ego wog jetzt schon mehr, als das er es hätte tragen könnte, was ihm erstaunlicherweise jedoch gelang.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte er. Hörte ich da etwa einen Schuldbewussten Unterton heraus?
„Es geht. Aber beim nächsten Mal wäre ich doch gerne vorbereitet, wenn wieder einmal eine Reporterschwar in unserem Haus auftaucht.“
Er nickte knapp und setzte sich von mir gegenüber, bevor er auf die Zeitung nickte.
„Du hast es gelesen?“, sein Gesicht war vollkommen Ausdruckslos. Kein Anzeichen von Gefühlen war zu sehen, was mich irritierte. War er überhaupt ein Mensch?!
„Wir müssen uns mehr in der Öffentlichkeit zeigen, das verliebte Paar spielen. Es reicht wohl nicht, dass wir uns in die Wildnis zurückgezogen haben und auf verliebtes Paar tuen. Sie wollen wohl alles haben. Das volle Programm.“
Panik wallte in mir auf, was mein Gesichtsausdruck wohl mehr als deutlich zeigte.
„Verliebtes Paar?“, fragte ich tonlos.
„Ja, du weißt schon, verliebt in die Augen blicken, Küssen, Händchen halten und so weiter und so fort.“, er sagte das in solch abgebrühten, kalten Tonfall das es mir einen kalten Schauder über den Rücken jagte.
„Und wie willst du das anstellen?“
Er zuckte mit den Schultern und riss sich bevor er antwortete einen Stück von der Zeitung ab, was er in einzelne Teile zerriss.
„Erst einmal werde ich dich auf die Gala am Wochenende mitnehmen. Ich werde dich der Öffentlichkeit präsentieren, du wirst schön in die Kameras lächeln, mir verliebt in die Augen starren und ja, den Rest kannst du dir denken.“
Ich nickt. „Auf meine Gefühle, wird also keine Rücksicht genommen. Das ich vielleicht davor zurückschrecken könnte dich zu küssen, so ganz ohne Gefühle, ist dir egal?“
Wieder zuckte er mit den Schultern.
„Es ist ja nicht so, dass für dich dabei nichts rausspringt. Und sieh es mal so, über eine Millionen Frauen auf diese Welt würden dafür morden in deiner Haut stecken zu können.“ Ich sprang ruckartig auf. Der Stuhl schlug gegen die Wand und ich funkelte Aidan mit einem Hasserfüllten Blick an. „Du bist so...so...so ein gefühlloses Arschloch
, Aidan!“, schrie ich beinahe bevor ich aus dem Raum stürzte. Bildete ich es mir nur ein oder hatte er da etwa gerade ich weiß
geflüstert?
6. Kapitel- Der Deal mit dem Teufel
Ich sträubte mich gewaltig Aidans Anweisungen zu folgen, indem ich mit seiner persönlichen Stylistin (!) durchging, was ich für die Gala nächsten Abend tragen würde. Ich wollte in diesem Punkt einfach nicht nachgeben. Aidan hatte sich wie ein gefühlloses Arschloch benommen. Er benutzte die Leute in seiner Umgebung wie er es brauchte, ohne sich einen Deut um deren Gefühle zu scheren und das konnte ich einfach nicht dulden. Ich war keine Puppe, die an Fäden hing um Aidans Wünschen zu entsprechen. „Hören sie Ms Galen, aber auch wenn Aidan sie geschickt hat, werde ich in keins dieser Kleider steigen, um zu sehen welches ich auf der Gala tragen werde, denn ich werde dort gar nicht hingehen.“, die gute Frau sah aus, als würde sie entweder mir jeden Moment an die Kehle springen, oder tot umfallen.
„Aber Mr O`Conner 'at mir doch gesagt, das ich sie fertig machen soll.“
Ich überdrehte genervt meine Augen, mit demselben Spruch kam sie mir jetzt schon über eine Viertel Stunde und dieser nestelnde, falsche französische Akzent tat auch nicht zur Besserung bei. „Was Mr O'Conner sagt oder nicht ist mir egal.Wissen sie, wir sind mittlerweile im einundzwanzigsten Jahrhundert, da müssen Frauen nicht mehr auf ihre Männer hören.“, ich zwinkerte ihr noch verschwörerisch zu, bevor ich mich zum gehen wandte. Mit langen Schritten, ging ich die Treppe runter. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Bereit Aidan eine in seine perfekte Visage zu hauen. Ich war noch nie gewalttätig veranlagt, doch Aidan O'Conner brachte meine schlechtesten Eigenschaften an die Oberfläche. Ich fand ihn gemütlich Kaffee trinkend auf der Veranda, in der anderen Hand hielt er einen Haufen Blätter.
Schämend vor Wut baute ich mich vor ihm auf. „Ich glaube es einfach nicht!“, stieß ich durch zusammengebissene Zähne hindurch.
Betont unschuldig hob er seinen Blick, „Was glaubst du nicht, Liebling? Du musst dich schon genauer ausdrücken.“, ein falsches, fieses Lächeln zierte seine perfekten Lippen. „Argh!“, mit einem Satz sprang ich auf seinen Schoß, ein Blätterregen prasselte auf den Boden, die Kaffeetasse zerschellte auf den Fliesen. Verblüfft starrte Aidan mich aus blauen Augen an. Mit beiden Händen packte ich Aidans Hemdkragen und schüttelte einmal kräftig.
„Ich.bin.keine.verdammte.Puppe
!“, schrie ich unter keuchendem Atem. Mein Gesicht war mittlerweile so nahe an seinem, dass sich unsere Nasenspitzen berührten. Sein Atem wehte über mein Gesicht, als er scharf einatmete. Einen Moment starrten wir uns in die Augen. Seine blauen, blickten in meine grünen. Dann wanderte sein blick betont langsam runter auf meine Lippen und dort blieb er hängen. Das letzte was ich noch hörte war 2ich mag leidenschaftliche Frauen, die wissen was sie wollen!“, bevor Aidans Lippen auf meinen lagen. Im ersten Moment war ich einfach zu geschockt um reagieren zu können. Einerseits wollte ich ihn von mir schieben, andererseits wollte ich ihn noch näher an mich ziehen, mich an ihm festsaugen und nie wieder loslassen. Für diesen Moment, wählte ich die letzte Alternative. Ich schlang meine Arme um seinen Nacken, zog ihn noch weiter zu mir runter und öffnete einladend meinen Mund. Sofort verschaffte sich Aidans Zunge einlass, erkundete das Geschenk was er soeben entdeckt hatte. Ich stöhnte unwillkürlich und wand mich in seinen Armen. Der Kuss nahm ungekannte Ausmaße an und wurde von Zeit zu zeit feuriger. Seine Zähne stießen an meine, seine Zunge drang noch tiefer in mich ein, massierte meine Mundhöhle, forderte und gab wieder zurück. Ich vergaß zu atmen, die Welt um mich herum schwankte, riss aus den Angeln und fiel scheppernd wieder auf den Boden, als ein Räuspern hinter uns ertönte. Unwillig löste ich mich von Aidans verführerischen Lippen und nahm die Arme von seinem Nacken. Erst jetzt wurde mir die primäre Lage bewusst, in der ich mich da reinkatapultiert hatte. Ich wollte Aidan meine Meinung sagen, stattdessen hatten wir uns geküsst, wie zwei Hormongesteuerte Teenager. Unwillkürlich griff ich mir an meine pochenden Lippen, die nach wie vor nach Aidan hungerten. Innerlich verpasste ich mir eine heftige Ohrfeige. Wie konnte ich zulassen, dass mich der verhasste Feind küsste? Böse, böse Hormone, schimpfte ich innerlich. Ms Galen, stand wie versteinert in der Terrassentür und starrte uns beide an, als wären wir zwei Aliens aus dem Weltall.
„Ja, Ms Galen?“, fragte Aidan mit ruhiger, gefasster Stimme. Obwohl, war sie nicht rauer als sonst?
„Ich...eh...“, die sichtlich durcheinander gebrachte Ms Galen versuchte sich zu fassen. „Ich wollte ihnen Bescheid geben, dass Mrs O'Conner-“ „O'Conner-Granger“, unterbrach ich sie empört. Sie warf mir einen bösen Seitenblick zu, bevor sie wieder weiterredete „O'Conner-Granger sich nicht von mir einkleiden lassen möchte für die Gala.“
Aidan zuckte mit keiner Wimper, drehte seinen Kopf nur in meine Richtung und starrte mich wie ein interessantes Forschungsobjekt an. Nichts deutete daraufhin, dass wir uns bis eben noch leidenschaftlich geküsst hatten.
Trotzig verschränkte ich meine Arme vor der Brust und sah ihn herausfordernd an.
Schließlich nickte er, für dieses eine Mal hatte ich gewonnen. Verblüfft beobachete ich wie er Ms Galen zur Tür brachte und wieder auf mich zukam. Kurz vor mir kam er zu stehen, schaute mir schweigend in die Augen.
„Machen wir einen Deal, Anabelle. Für jedes Verweigern oder schlechtes Benehmen deinerseits werde ich dir einen Kuss geben. Und ich werde jedes mal einen Schritt weitergehen.“, hauchte er nahe meinen Lippen, bevor er einen zarten Kuss daraufplatzierte. „Ach und denk daran, morgen ist die Gala. Du willst dich von Ms Galen nicht einkleiden lassen? Gut, dann werde ich
dich einkleiden.“ und mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand im Haus. Fassungslos starrte ich ihm mit offenen Mund und klopfenden Herzen hinterher.
7. Kapitel- Ein Todesschein zum mitnehmen, Bitte!
Mit mürrischem Gesicht und verschränkten Armen saß ich in Aidans Lamborghini. Er hatte seine Drohung doch tatsächlich wahr gemacht und fuhr mit mir geradewegs in die Stadt um mir ein passendes Outfit für die Gala zu kaufen. Auf meinen sarkastisch vorgebrachten Widerspruch, hatte er mir doch tatsächlich einen Kuss auf den Mund gedrückt. Für einen Moment blieb mir die Luft und somit auch die Sprache weg, sodass er mich Widerspruchslos in sein Bonzenauto stecken konnte. Und nun saß ich in eisernem, trotzigem Schweigen neben ihm und brütete mir einen Plan zusammen, wie ich aus dieser Sache wieder rauskommen konnte. Nach genauerem Überlegen ist mir klar geworden, dass ich mich mit Aidan keinesfalls in der Öffentlichkeit zeigen wollte. Mit Schrecken musste ich gestern feststellen, dass ich Gesprächsthema Nummer eins in allen Talkshows, einschließlich Opras. Wenn ich mich nun auch noch in der Öffentlichkeit zeigen würde, dann hätte ich niemals die Chance wieder in meinen Schatten zurückzukehren, wo mich niemand kennt, wo niemand über mich redete. Aber Aidan war das egal, in seinen Augen hatte ich einen bedingungslosen Vertrag unterschrieben, indem es hieß, dass ich alles tun musste was Mr Aidan von mir verlangte. Durch meine Gedanken abgelenkt, bemerkte ich erst zu spät, dass wir vor einer edel aussehenden Boutique angehalten hatten. Elegant setzte sich Aidan seine Pilotensonnenbrille auf die Nase und stieg aus, um mir meine Tür zu öffnen. Verwundert starrte ich auf seine Hand, die er mir hinhielt. Über sein komisches Auftreten verwirrt, legte ich meine viel kleinere Hand in seine und ließ mich aus dem Sportwagen ziehen. Verspätet wurde mir klar, weswegen er sich so benahm. Natürlich, wir waren in der Öffentlichkeit, jetzt musste auch er so tun als wäre er unsterblich in mich verliebt. Ein kleines, diebisches Lächeln stahl sich auf meine Lippen. Händchenhaltend betraten wir den kühlen, luftigen Eingangsbereich des Modeladens. Um uns herum herrschte Prunk vom allerfeinsten. Ein gigantischer, goldener Kronleuchter leuchtete über unseren Köpfen. Samtbezogene Wände um uns herum, Kleider aus teuren Stoffen in jeden Ecken. Ich bekam meinen Mund vor erstaunen nicht mehr zu. Niemals hätte ich gedacht, dass ich einmal in solch einem Laden stranden würde. Einen kurzen, klitzekleinen Moment fühlte ich mich wie die junge Julia Roberts in „Pretty Woman“, mit Richard Geere an ihrer Seite. Die kleine Glocke schellte, als die Tür hinter uns zufiel und eine kleine, hübsche Brünette kam uns schon entgegen. Bei Aidans Anblick riss sie die großen, blauen Augen auf. Ja, Aidans Anblick wirkte wohl bei jeder Frau so.
“Mr O’Conner, was kann ich für sie tun?“, schnarrte sie in lasziven Tonfall, dass meine Nackenhaare zu berge standen. “Wir suchen, für meine Frau ein Kleid für die morgige Gala.“, antwortete er in charmanten, aber distanzierten Tonfall. Ihr blauer Blick fiel nun auf mich und ihre vor kurzem noch enthusiastische Haltung, bröckelte in sich zusammen. Sie nickte geschäftig und nahm mich mit einem prüfenden Blick in Augenschein. Es war mir unangenehm so angestarrt zu werden, schließlich war ich keine Ausstellungspuppe, aber ich hielt vorerst meine vorlaute Klappe. „Was hatten sie sich denn vorgestellt?“, fragte die Verkäuferin. Ich zuckte mit den Schultern. „Einfach ein Kleid, was zu diesem Anlass passt.“, war doch logisch, oder nicht? Doch anscheinend war meine Antwort nicht das was sie hören wollte, denn Unglauben verdunkelte die sonst hübschen Gesichtszüge. „Haben sie sich denn keine Gedanken gemacht?“, fragte sie ungläubig.
„Meine Frau hat von derweilen Anlässen noch keine Ahnung. Ich vertraue vollkommen ihrem erlesenen Geschmack, sie für die Gala fertig zu machen.“
Die Wangen der Verkäuferin röteten sich und in ihre Augen trat ein überirdischer Glanz.
“Aber sicher, Mr O’Conner, ich werde das selbstverständlich hinbekommen.“ Und mit diesen Worten packte sie mich mit überraschend starken Griff am Ellbogen und zerrte mich in das kleine Ankleidezimmer.
Eine Stunde und sechundvierzig Minuten später, war ich vollkommen überzeugt das ich in der Hölle gelandet war. Man hatte mich in ein so genanntes Schlauchkleid gesteckt. In tiefem Ozeanblau, schmiegte sich das Kleid an jede erdenkliche Kurve und schnürte mir die Luft zum Atmen ab. Ich war mich sicher, dass ich keinen Schritt tun konnte, ohne dass ich wie ein gefällter Baum umkippen würde.
„Drehen sie sich doch bitte einmal um.“, wies mich mein persönlicher Satan an. Ich schnaubte sarkastisch.
„Wissen sie, ich würde mich ja liebend gerne umdrehen, genauso wie ich seit über fünf Minuten atmen würde, aber ich kann nicht. Das einzige was ich in diesem Kleid tun kann ist stehen
und versuchen nicht umzukippen.“
Satan verzog missbilligend die blutroten Lippen und beäugte mich. „Nun gut, vielleicht ist so etwas nichts für sie. Die Stufe Elegant können wir ja dann schon einmal abhaken. Unverständlich wie Aidan eine wie sie heiraten konnte.“, sie schüttelte verständnislos ihren Kopf. Ich ballte meine Hände zu Fäusten, damit ich den unwiderstehlichen Drang nicht nachgab ihr die Kehle umzudrehen. „Vielleicht bevorzugt er Frauen mit Verstand und nicht Frauen wie sie mit Modewissen
und sonst nichts. Denn wissen sie, es kommt auf mehr an als auswählen zu können, welches Kleid zu welcher Veranstaltung passt. Und jetzt holen sie mir verdammt noch mal ein vernünftiges Kleid, sonst schnappe ich mir meinen Mann und sie sehen uns nie wieder!“ Das Modepüppchen riss ihre Augen so weit auf, dass ich schon fast dachte ihre Augen müssten herauskullern. Ihr Mund öffnete sich ein paar Mal, ohne jedoch wirklich etwas herauszubringen, bevor sie ihre Schultern straffte und abrauschte. Sobald sie weg war, riss ich mir das Kleid vom Leib und atmete ein paar Mal tief durch, bevor ich mich an der Wand hinabgleiten ließ. Mit beruhigenden Gedanken versuchte ich meinen Blutdruck wieder in normale Ebenen zu bringen und bemerkte erst als das warme Gefühl von Aidans Lippen auf meinen mich aus der Trance holte, das ich nicht mehr allein in der Umkleidekabine war. Es war ein harter, unnachgiebiger Kuss. Eine Bestrafung. Meine halbherzigen Versuche ihn mir vom Leib zu halten, waren selbst in meinen Augen schwach und so seufzte ich einfach und ließ den Kuss geschehen. Mein Atem beschleunigte sich, meine Haut prickelte vor unerfüllter Begierde und meine Fingerspitzen juckten vor gespannter Erwartung. Dass ich nur in Unterwäsche bekleidet in Aidans Armen lag, störte mich in diesem Moment überhaupt nicht. Das einzige was meiner ungeteilten Aufmerksamkeit galt, war Aidans raue Hand die sich einen Weg meinen Rücken hinauf suchte. Meine Arme schlangen sich um seinen Nacken, krallten sich in sein dunkles Haar und zogen ihn doch tatsächlich näher zu mir herunter. Mein sonst so logisch denkender Verstand schien wie abgetrennt von meinem Körper in der Luft zu schweben und das Geschehen zu beobachten. Es schien als verlor ich vollkommen die Kontrolle. Erst als wir beide keine Luft mehr bekamen, ließ Aidan von mir ab. Seine Wangen waren gerötet, seine Augen glänzten und seine Lippen waren geschwollen. Und der untrügliche Beweis dafür, dass er mich wollte, drückte gegen meinen Bauch.
„Du sollst dich doch benehmen, habe ich dir gesagt!“, stieß er mit heiserer Stimme hervor.
Ich lächelte „Habe ich dir nicht gesagt, dass ich nie das tue was andere von mir erwarten?“
Er stöhnte, bevor er sich auf die Füße hievte und mich mit blauen Augen anstarrte.
“Such dir ein Kleid aus, damit wir nach Hause fahren können.“, der plötzlich wieder kühle Tonfall verwirrte mich, aber ich sagte nichts dazu. Das einzige was mir klar wurde war, das Aidan sich hinter einer Mauer verbarg und nur herauskam, wenn er die Kontrolle verlor.
8. Kapitel- Das ist mein Tanzbereich, und das ist deiner!
Verzweifelt raufte ich mir die Haare. Heute Abend ist die Gala und ich wurde zunehmend nervöser. Mittlerweile hatte ich mir zwar ein Kleid besorgt, aber ich hatte keinen blassen Schimmer, wie ich mich schminken geschweige denn frisieren sollte. Ich war noch nie auf einer Gala gewesen, daher kannte ich solche Auftritte nur aus dem Fernsehen oder aus Bildern von Hochglanzzeitschriften. Und mit Bestimmtheit konnte ich sagen, dass ich nie so aussehen könnte, wie die Frauen auf dem roten Teppich. Weder hatte ich Modelgröße, noch Silikonbrüste oder Botox im Gesicht. „Ich kann das nicht.“, murmelte ich. Mein Spiegelbild schaute mich mit großen Augen an und bestätigte meine Worte mit seinem Blick. Aidan hatte mir gesagt, dass sich tausende Fotographen um Fotos von mir und ihm zerfleischen würden und mir lief es jetzt schon kalt den Rücken runter, wenn ich daran dachte was für Kommentare unter den Bildern stehen würden. Irre Fans von Aidan hatten sogar schon meine Handynummer herausgefunden und mir SMS geschickt, die mich geschockt die Luft anhalten ließen. Auch in Internetportalen fand man meinen Namen mit unschönen Vergleichen die ich mir gar nicht ins Gedächtnis rufen wollte. Meine Augen verweilten auf meinem zusammengesunkenen Spiegelbild. Seit wann mutierte ich zu einer Heulsuse? Ich hatte mir die Suppe eingebrockt und jetzt musste ich sie auch wieder auslöffeln. Ich straffte meine Schultern und nahm mir die Bürste zur Hand um meine Schulterlangen Locken in gleichmäßige Strähnen zu kämmen. Mit einzelnen Haarnadeln steckte ich mir Locke für Locke auf den Kopf, bis sie zu einer eleganten Hochsteckfrisur gefunden hatten. Natürlich hatte Aidan mir angeboten, eine persönliche Haarstylistin herzuschicken, aber wozu Geld ausgeben, wenn man es auch ganz leicht selber machen konnte? Ich seufzte leise bei dem Gedanken an Aidan. Seit dem Kuss gestern in der Umkleidekabine hatte er sich wieder zu dem Arschloch zurückverwandelt was er vorher war. Natürlich tat er so, als hätte er niemals die Kontrolle verloren, doch insgeheim wusste ich, dass er verstört darüber war, welchen Einfluss ein Kuss auf ihn haben kann. Mein Kuss. Geistig verpasste ich mir bei diesem Gedanken sofort eine Ohrfeige. Ich dürfte mir auf diese Situation nichts einbilden. Ich dürfte keine Ansprüche auf Aidan erheben. Er war mein Schein-Ehemann, na und? Da dies keine richtige Ehe war, musste sich auch niemand an die heiligen versprechen einer Ehe halten. Und ich war Realistin, sollte ich zu viel in diese Scheinehe reininterpretieren als da war, würde ich am Ende mit gebrochenem Herzen dastehen. Wie sehr Liebeskummer wehtat, kannte ich am besten. Seufzend stand ich auf und ging zu meinem Kleiderschrank. Das Kleid was ich mir gestern ausgesucht hatte, hing in einer Plastikhülle an einem einzelnen Haken.