Alfred Wolfenstein

Ein junger Mann steht nachts allein auf einem leeren Platz und redet die Stadt an, die ihn nicht hört. So beginnt „Die Nackten, Eine Dichtung“, erschienen im Kurt Wolff Verlag Leipzig als Band 51 der Bücherei „Der jüngste Tag“, gedruckt bei Dietsch & Brückner in Weimar. Aus den Fenstern der schlafenden Stadt schweben die Wünsche der Schläfer auf das Pflaster, und an ihrer Stelle treten drei Chöre auf: die Partei der Stehenden, die auf Grundbesitz und Familie pocht, die Partei der Schreitenden, der alles zu Geld wird, und die Partei der Rennenden, die auf den Einsturz des reichen Gebäudes wartet. Alle drei sagen am Ende denselben Satz: Wir haben von dir gehört, du kannst reich machen. Alfred Wolfenstein, 1883 in Halle an der Saale geboren und in Berlin aufgewachsen, veröffentlichte Gedichtbände wie „Die gottlosen Jahre“ und „Die Freundschaft“, gab das Jahrbuch „Die Erhebung“ heraus und übertrug Rimbaud, Verlaine und Victor Hugo ins Deutsche. 1933 verließ er Deutschland, lebte in Prag und danach in Paris und starb dort 1945.

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