Das Erbe der Toten
Die Lichtwächter
Ihr Blick streifte die trockene Wüstenebene. Sie war wieder in Katikara ihrer Heimatwelt. Beinahe wäre sie wieder in die Falle gegangen, doch ihr Gehör und Gespür waren sehr sensibel. Ein Rascheln neben ihr und leises Schnaufen war zu vernehmen. Mary schrak auf und stellte sich hin, zum Angriff bereit. Sie sah ein schwarzes Maul und einen großen Pferdekopf. „Hämatit!“, flüsterte sie zu ihm. Langsam hob das schwarze Einhorn seinen eleganten Kopf und schaute sie verwundert an. „Ich bin es. Erkennst du mich nicht mehr?“ Die junge Frau schritt auf Hämatit zu, doch dieser senkte seinen Kopf um ihr das Horn einzurammen. Erschrocken sah sie auf, eine kleine Träne huschte über ihre Wange. Langsam senkte sie wieder ihre Hand und hielt sie an ihr Herz. Der einzige dem sie vertrauen konnte, kannte sie nicht mehr. Das Einhorn bemerkte es und dann trat auf sie zu. Zögernd. Es stupste sein samtenes Maul an ihre Hand, als Zeichen der Wiedererkennung. Schnell schloss sie die Arme um Hämatits Hals und schluchzte in seine Mähne. Sie schwang sich auf seinen Rücken und zusammen ritten sie zu dem angrenzenden Gebirge. Nach einem zweistündigen Aufstieg legten sie eine Pause in der Nähe einer Höhle ein. Mary glitt elegant von Hämatit und schaute zurück. Viel war nicht zu sehen, die Wüste flackerte unwirklich in der prallen Sonne. Doch hier oben in dem Gebirge war es kühl und angenehm, aber auch trostlos. Kaum ein Baum wuchs hier, nur Gestrüpp und auch kein Tier war zu vernehmen. Ein Feuer wollte sie nicht machen, das hätte zu viel Aufmerksamkeit bekommen, auch wenn hier alles still war, konnte sie sich nicht darauf verlassen. Sie kauerte sich in die kleine Höhle und Hämatit zupfte ein paar spärliche Grashalme. Beide hatten Durst und Hunger den sie nicht stillen konnten. Mary beobachtete ihren Begleiter, so lange hatte sie ihn nicht gesehen, jetzt kam es ihr so vor, als ob es keine Zeit dazwischen gegeben hatte. Erschöpft lehnte sie sich gegen die Steinmauer und schlief kurz darauf ein. Es war kein tiefer Schlaf gewesen, doch sie hatte wieder viele Bilder im Kopf, von damals als die erste Schlacht vorbei war. Langsam öffnete sie die Augen und ihr blieb nichts anderes übrig als die anderen zu suchen und die Schlacht von vorn zu beginnen. Doch wo sollte sie anfangen? Sie musste die Lichtwächter suchen. Diese Gruppe war gegen Dynastes Maga und hatten nur ein Ziel: ihn zu stürzen und die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Mary hatte sich vor vielen Jahren ihnen angeschlossen und war schnell zur Hauptfigur dieser Rebellion aufgestiegen. Wo sollte sie die Lichtwächter aber jetzt finden? Wie auf ein Zeichen kam mit einem schrill Schrei ein Falke vorbeigeflogen, sah sie an und landete nicht weit entfernt auf einem höheren Felsen. Bevor der Vogel wieder losflog, stieg Mary auf Hämatit und darauf hatte der Falke gewartet und sauste schon los. Eine kleine Strecke folgten sie parallel dem Gebirge bis er scharf nach links abbog und vor einem großen Berg mit glattem stabilen Stein sich wieder auf einen kleinen Felsen davor setzte. Entweder hatte sie sich in dem Vogel geirrt oder es gab einen Weg der in den Berg hineinführte. Sie versuchte es mit verschiedenen Zaubersprüchen, wie Unsichtbares aufdecken oder Versteckte Hebel entdecken. All dies half nichts. Also blieb ihr nichts anderes übrig als zu warten.
Kurz war sie eingenickt und auf einmal merkte sie, wie ein Schatten sie bedeckte. Schnell sprang sie auf. "Früher warst du vorsichtiger.", lächelte ihr ein junger Mann entgegen. "Piter!", rief sie aus und umarmte ihn. "Der letzte Tag war so anstrengend und ich bin ein bisschen aus der Übung. Du hast mich lange warten lassen." Er streckte sie von sich und begutachtete ihr Gesicht. "Die Kälte ist in deinen Augen zurückgekehrt. Was ist passiert?" Sie schlug ihre Lider nieder und flüsterte "Ater" Weiteres fragte er nicht, sondern zog sie durch eine Spalte, die vorher noch nicht da gewesen war. Als sie eine Höhle betraten, schloss sich auch sofort wieder der Eingang und an den Wänden flackerten Fackeln. "Es ist schön dich wiederzusehen. Viel Zeit ist vergangen, viel ist passiert. Wir sind weniger geworden und die Mehrheit hat die Hoffnung aufgegeben. Ich hoffe du kannst es wieder zurückbringen." Mary zuckte nur mit den Schultern und schaute sich noch einmal Piter an. Er hatte schulterlanges hellbraunes Haar, was jetzt in der Höhle dunkler erschien und dazu die passenden bernsteinfarbenen Augen. Er sah hübsch und wild aus. Ein Frauenschwarm, doch ließ er es nicht raushängen und war eher schüchtern. Mary und er hatten sich von vornherein immer gut verstanden. Er war der Clananführer der Falken und sein Falke, Rostrum, war immer an seiner Seite. Außer jetzt, da es nicht gut ist ein Tier das die Freiheit des Himmels liebte einzusperren, war er draußen geblieben. Nur Hämatit folgte den beiden, denn er war es gewohnt eingesperrt zu sein auch in den engsten Räumen. Doch an der Seite seiner Mary war er immer glücklich.
Nach ein paar Minuten kamen sie in eine sehr große Höhle, wo noch weitere Gänge abführten. Die Haupthöhle war voll mit Tischen und Stühlen, Betten, Holzschränken und Kisten. In der Mitte brannte ein magisches Feuer, was nicht qualmt, aber Essen braten und einen wärmen kann. Obwohl viel los war, herrschte eine große bedrückende Stimmung. Einige lungerten in Ecken, andere starrten in das Feuer. "Siehst du was ich meinte?" Mary sah es und es verschlug ihr die Sprache. So hatte sie es nicht erwartet. Eine Gänsehaut überkam sie, dabei war es nicht kalt. Sie kannte die Rebellion von früher und auch wenn sie mal gescheitert waren, so hatten sie nie aufgegeben. Diesmal war es anders. Man konnte die Hoffnungslosigkeit direkt spüren. Als sie weiter in die Höhle schritten, hörten auch die vereinzelten Gespräche auf. Dann schrie regelrecht eine Frau: "MARY MAGA!" Unwillkürlich zuckte diese zusammen und suchte nach dem Menschen. Bis ein roter Haarschopf auf zu zugestürmt kam und sie beinah zu Boden riss. Viele stimmten in das Echo, das von den Höhlenwänden zurückgeworfen ein und auch aus den Nebenhöhlen tauchten bekannten, aber auch unbekannte Gesichter auf. Ein kleiner Funken sprang über und die Spannung verstärkte sich, als ob jemand aus einem Ballon die Luft herausgelassen hätte. Einige hatten Tränen in den Augen, andere vielen sich in die Arme und wieder andere starrten sie wie eine Halluzination mit offenen Mündern an. Mary war es etwas peinlich als konzentrierte sie sich auf die Frau, die im Begriff war sie zu erwürgen. "Madlen, Madlen... Ich bekomme keine Luft mehr." Erschrocken ließ die rothaarige Frau mit den grünen Augen Mary los und starrte sie an, dann schaute sie verlegen auf den Boden. "Es tut mir leid, aber ich freue mich so dich wiederzusehen." Und Mary freute sich auch. Sie freute sich riesig andere Bekannte und Freunde wiederzusehen. Aber schnell merkte sie, dass viele fehlten. Schnell wurde eine große Tafel aus den ganzen Tischen hergerichtet, bevor sie sich aber setzen konnte, kam ihr eine alte Frau entgegen gehumpelt. "Agnes." Die alte Frau nickte und lächelte sie an. Sie hängte sich bei der jungen Frau unter und zog sie in eine weitere Höhle. Hier lagen Betten aufgereiht, wie in einem Krankenhaus. Und das stimmte auch. Viele Verletzten jammerten leise vor sich hin, ein paar starrten an die Höhlendecke, aber die restlichen richteten sich auf und schauten zu Mary Maga. Agnes flüsterte ihr zu "Es tut mir leid, dass ich dir das zeigen muss. Wir haben viele Schwerverletzte und Kranke, sie können nicht gesund werden, bis sie etwas zum Leben entdecken und du bist gerade die einzige die ihnen das wiedergeben kann." Schnell humpelte Agnes zu den hinteren Betten und Mary wollte gerade umdrehen als sie sich in ein paar Armen wiederfand. Derjenige grabschte ihr unverfroren an den Hintern und küsste ihren Hals. "Es ist wunderschön dich wiederzusehen." Schnell fing sich Mary wieder und wand sich aus der Umarmung raus. "Was sollte das?" "Meine liebste Mary. Endlich nach den Jahren bist du zu mir zurückgekehrt." Er wollte sie wieder umarmen, doch diesmal stieß sie ihn von sich. "Moks, hör mir zu und das sage ich zum letzten Mal oder Agnes brauch ein weiteres Bett für dich. Wenn du mich noch einmal anrühren solltest oder mich Liebste nennst, werde ich dich direkt wilden Tieren vorwerfen. Was fällt dir ein?" "Du bist durcheinander. Glaube mir, nur wegen mir bist du hier." Moks war der letzte Hinterbliebene des Löwenclans, die rachsüchtig, egoistisch und vollkommen überzeug von sich waren. Es war ein starker Clan bis sie eines Tages beschlossen sich gegenseitig umzubringen. "Wegen dir? Das ich nicht lache, ich bin wegen den Lichtwächtern hier und nicht wegen solchem Abschaum wie du es bist." Ihr Gesicht glühte vor Wut und ihre Augen funkelten ihn an. Noch bevor etwas schlimmeres passieren konnte, kam der Wirbelwind Madlen um die Ecke. "Ah, Mary, hier bist du. Das Fest kann nicht ohne dich beginnen." Und schnell zog sie Mary von Moks weg. "Warum ist er immer noch hier?" "Beruhige dich erstmal. Sonst bekommen alle noch Angst vor dir." Sie schaute Mary betrübt an. "Du weißt wie die Löwen sind oder besser gesagt waren. Sie fügen sich zwar nicht gerne, aber was hatte Moks für eine andere Wahl? Er wusste, wenn er zu dem Tyrannen geht, wird er versklavt oder getötet. Doch er will wieder Macht, versuchte schon paar Mal eine kleine Gruppe zu finden, die er mit irgendwelchem Geschwätz von sich überzeugen will. Einige trauen ihm, viele Frauen darunter, doch noch sind die Lichtwächter ihm im Weg. Ich vermute, wenn wir doch den Tyrannen schlagen sollten, stellt er sich gegen uns und dich will er, weil er denkt so seine Gruppe vergrößern zu können, denn dann wäre er einer der guten und mit viel Einfluss. Obwohl er der einzige von den Löwen übrig ist, sind die Tiere ihm untergeben und so leid mir das tut es zu sagen, es sind mit die stärksten Tiere und diese würde ich nicht auf dem Schlachtfeld missen wollen." Madlen zuckte mit den Schultern und schritt in die Haupthöhle, die jetzt nach Bier, Wein und gebratenem Fleisch roch. Die große Tafel war schon schwer beladen mit allen Leckereien, als Mary sich an ein Ende neben Madlen setzte. "Du muss nichts weiter tun, als anwesend sein, wir wissen doch, dass du keine Reden magst.", kicherte sie und nahm ein großes Stück Fleisch. "So etwas Gutes gab es lange schon nicht mehr. Es sind wohl einige rausgegangen um zu jagen und Früchte und Gemüse zu sammeln. Du hast wohl schon jetzt vieles bewirkt nur mit deinem Auftauchen." Es war einfach mit Madlen, denn diese redete, wenn ihr Gesprächspartner nichts sagte oder antworten konnte, und trotzdem war sie nicht nervig. Mary schaute sich noch einmal in der Höhle um und sah Hämatit in einer Ecke neben einem großen Bett. Man hatte für ihn Stroh und Heu ausgelegt und einen Eimer Wasser hingestellt. Dazu hatte wohl jemand frisches Gras gehauen, was er genüsslich aus einem großen Korb fraß. Es stimmte was Madlen ihr gesagt hatte, niemand wollte eine Rede hören, es reichte, wenn sie da war und mit ihnen feierte. Doch dann gingen ihre Gedanken zu jenen Mann zurück, welchen sie als erstes nach ihrer langen Reise gesehen hatte. Sie dachte immer er wäre auf ihrer Seite gewesen und sie würden ein gemeinsames Leben führen, aber da täuschte sie sich, er wollte sie an ihren Vater ausliefern. Doch noch immer fühlte sie dieses warme Gefühl, wenn sie an ihn dachte. Ihr Verstand sagte: „Hasse ihn“, doch das Herz „Liebe ihn“! Sie wusste nicht was nun richtig war. Nach langen Stunden des Feierns war sie müde und ging zu Hämatit, streichelte ihm kurz den Hals und legte sich auf das Bett. Es war größer als die anderen und sah auch bequemer aus. Zudem hatte sie eine Ecke bekommen, die nicht so schnell einsehbar war und somit genug Privatsphäre ließ.
Die ersten Wochen waren schnell vergangen. Sie hatte sich mit den oberen Lichtwächtern des Öfteren zusammengesetzt um neue Pläne zu schmieden, doch leider sind sie nicht wirklich weitergekommen. Die Stimmung die am ersten Tag herrschte war zwar etwas abgeebbt, aber die Leute waren wieder hoffnungsvoller.
Sie konnte nicht schlafen, wie die Tage zuvor. Sie stemmte sich ihre Ellenbogen und schaute sich um, obwohl sie in der Dunkelheit nicht viel sah. Die Wachen standen am Eingang und unterhielten sich leise und weiter hinten in der Höhle flackerte eine einzelne Kerze. Kurzerhand schwang sich Mary aus dem Bett und ging zu dem Licht. Davor saßen die zwei älteren Kräuterhexen, Agnes und Hilde, und unterhielten sich leise, bis sie Mary bemerkten. „Du kannst wohl auch nicht schlafen?“, Agnes schaute sie liebevoll an und Mary schüttelte den Kopf und setzte sich zu ihnen. „Es wird ernst! Nicht mehr lange und wir sind entweder tot oder lebendig. So viel bleibt uns nicht übrig. Doch wir müssen tun, was wir können. Hast du einen Plan?“ Wenn das doch so einfach wäre, dachte sich Mary. Die große Magierin mit dem mächtigen Vater schlug einfach einen Plan vor und der musste befolgt werden. Warum wurde ihr immer so eine Last aufgelegt, konnte sich nicht jemand anderes darum kümmern und sie würde auch mit dem Plan eines anderen in den Kampf ziehen? Aber im Inneren wusste sie, dass sie niemanden anderen vollends vertraut hätte, es war noch immer ihre Angelegenheit ihren Vater zu töten. Was anderes blieb ihr nicht übrig. Er konnte nicht am Leben bleiben auch nicht in Gefangenschaft. „Nein, leider noch nicht Agnes, es will mir nichts einfallen. Soviele Dinge die noch ungeklärt sind, müssen erst beiseite geräumt werden. Neue Fragen werden sich uns wieder entgegenstellen und erst müssen wir sie beantworten.“ Weise stimmte Agnes ihr zu. Mary war zwar jung für eine weise Magierin, doch um einiges klüger als alle alten Magier zusammen. „Doch wo sollen wir anfangen?“, fragte die Rothaarige Madlen, die aus den Tiefen der Höhle kam und zugehört hatte. Es war keine Frage die jemand beantworten sollte bzw. konnte. Doch sie musste beantwortet werden. Gedankenverloren starrten die vier Frauen die Kerze an, als sie Tumult am Eingang hörten. "Wie kommst du hier her? Wir dachten du bist tot.", sagte ein dicker kleiner Mann, der ein Teil der Wache war. "Dafür sehe ich noch ziemlich lebendig aus oder? Ich weiß nicht was passiert war, aber nach der letzten großen Schlacht war ich sehr schwer verletzt und Cataracta", er zeigte auf die Person hinter sich, "hat mir geholfen. Dann habe ich euch gesucht und eine halbe Ewigkeit nicht gefunden. Euer Versteck ist gut, nur ein so guter Spurenleser und Spion wie ich es bin, kann wohl euch finden." Er kratzte sich lächelnd am Hinterkopf und schaute in die Runde, bis sein Blick an Mary hängen blieb. Sein Körper war erstarrt, noch immer hielt er seine Hand am Kopf. "Nein, oder?" Er schaute zu dem kleinen dicken Mann. "Das ist nicht wahr?" Der Dicke lachte auf und nickte ihm zu, auch Mary fing an zu lächeln. "Markus, schön die zu sehen." Dieser starrte sie immer noch mit dem gleichen verwunderten Gesichtsausdruck an. Bis Cataracta sich an ihm vorbeischlängelte und ihr ihre Hand hinhielt. Kurz war Mary erstaunt, diese Hand sah nicht wie eine normale Menschenhand aus, sondern war ganz blau und hatte zwischen den Fingern Schwimmhäute. "Sei gegrüßt, Mary Maga. Ich bin Cataracta und ich freue mich sehr, dich endlich kennenzulernen. Leider kommen wir mit schlechten Neuigkeiten, aber diese sollten wir vielleicht woanders klären?" Mary nahm die Hand der Wasserfrau. Es gab sie nicht selten, diese Wassermenschen, doch meist lebten sie in den Tiefen der Ozeane und hielten sich aus allen Angelegenheiten der Magier und Menschen heraus.
Sie nickte der Wasserfrau zu und wollte schon sich umdrehen, als Markus aus seiner Starre kam und sie heftig umarmte. "Mary. Wie kommt... Was... Wie?" Er konnte es nicht in Worte fassen, so überwältigt war er von dem Anblick. "Ich freue mich auch die zu sehen Markus. Doch wir haben nicht viel Zeit dafür, wenn ihr wirklich schlechte Nachrichten habt." Doch er ließ sie nicht los. Markus war mit einer der engsten Freunde von Mary, auch wenn er nicht viel zu sagen hatte, war sie immer von seinem Rat angetan. Niemand wollte ihn an der Spitze haben, da er kein Magier war, sondern nur ein kleiner Dieb, der manchmal auch ein bisschen zaubern konnte, aber es reichte nur für eine paar Diebstähle. Sie hatten sich kurz nach Marys Flucht aus dem Reich des Tyrannen kennengelernt, er wollte sie bestehlen. Da sie viel Potenzial in ihm sah, nahm sie ihn mit zu den Lichtwächtern, wo er schnell als talentierter Spion heraustrat. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit ließ er sie endlich los, die Frauen hatten schon an der Tafel, Platz genommen und unterhielten sich größtenteils über die Wassermenschen, weil sie viel von ihnen wissen wollten. Cataracta schlug sich durch das Fragenmeer gut und war sehr freundlich, obwohl man sagte, dass Wassermenschen, miesgelaunte Lebewesen waren. "Könnt ihr wirklich an beiden Orten leben? Also an Land und im Ozean?", fragte gerade Madlen neugierig, als Mary und Markus sich dazusetzten. "Würde ich sonst hier sitzen? Wir lieben das Wasser und es ist unsere Heimat. Am stärksten sind wir auch im Wasser, doch sollte man uns nicht an Land unterschätzen." Sie nickte Mary zu und lächelte in die Runde. Jetzt bei hellerem Kerzenschein sah man noch weitere Veränderungen zum Mensch. Die Augen waren nicht mit einem weißen Rand, sondern vollkommen blau, als ob man in den tiefen Ozean blicken würde. Mary hätte schwören können, Delfine in ihren Augen kurz springen zu sehen. Agnes hatte die anderen Oberhäupter aus ihren Betten geholt und diese setzten sich hin. Sie sahen nicht schlaftrunken, sondern hellwach aus. Gespannt was diese Wasserfrau und der Dieb zu sagen hatten. Markus nahm ein Schluck aus dem Bierkrug und fing an. „Er rückt vor bis zur Blauen Stadt. Er will sie einnehmen und die Magierschule des Lichtes unter seinem Bann bringen. Die Schüler werden getötet oder versklavt, einige werden auch auf hoher See ausgesetzt. Doch vorher wird ihnen die Magie abgenommen. Mary!", er schaute sie schockiert an. "Er hat einen Weg gefunden allen Hexen und Magiern die Kräfte abzunehmen, aber er kann sie noch nicht verwenden, bis jetzt speichert er sie nur.“ „Was soll das heißen?“ „Er hat einen Magier gefunden der ausfindig machen kann, welche Kräfte ein anderer hat und wenn sie halbwegs mit seinen Kräften übereinstimmen dann kann er sie verwenden, doch er hat noch nicht herausgefunden wie er sie für sich benutzen kann. Bis jetzt hat er nur einen Diamanten wo er die Magie einspeichert und extern verbrauchen kann. Doch das nützt ihm nichts solange sie nicht in ihm ist.“ Das waren wirkliche schreckliche Informationen, wenn Dynastes Maga noch mehr Kräfte in sich hätte, würde er noch stärker werden und selbst alle Lebewesen auf dieser Welt könnten nichts dagegen ausrichten. Das Ende wäre nahe. "Was ist das für eine Magierschule von der Blauen Stadt?", fragte Madlen. "Es gibt zwei Magierschulen in Katikara. Einmal ist eine in der Blauen Stadt die Magierschule des Lichtes und die anderee in der Grünen Stadt, die Magierschule der Dunkelheit. Beide Schulen waren immer neutral, obwohl viele behaupten, die Schule der Dunkelheit sei Böse und die andere gut, ist es nicht so. Sie beschränken sich hauptsächlich auf Forschungen. Die Magie des Lichtes ist forscht die Elemente, wie Luft, Wasser, Feuer und Erde, also das Leben. Die Magie der Dunkelheit, ist nicht die schwarzmagische Magie an sich, sondern sie lehrt den Tod. Nekromantie und Seelenspaltung. Eigentlich sind diese beiden Gebiete sehr schwarzmagisch, aber es wird nicht gegen andere verwendet, es wird erforscht und teilweise praktiziert. Viele schwarzmagischen Magier kommen von der Grünen Stadt, doch auch ein Teil von der Blauen Stadt. Wie du dir denken kannst, kann man beide miteinander verknüpfen und viel Unheil anrichten. Es gibt auch eine Schule, die niemand kennt, diese ist für die natürlichen Veränderungen, sie will dagegen wirken mit allem was dazu gehört. Doch selbst mein Vater ist gegen diese Schule er hat Angst davor, denn sein größter Schrecken ist der Tod. Sie ist nicht groß, aber um sie herum ist alles ausgestorben, niemand erreicht sie, außer sie wollen es." Mary blickte in die verwirrten Gesichter. "Ich wurde in jede Art von Magie gelehrt. Mein damaliger Meister, der Bruder von Mane Sol, war ein Schüler an dieser Schule. Aber nicht lange, da selbst er es nicht dort aushielt. Viel mehr weiß ich nicht darüber." Sie schaute in die Kerzen dann kam ihr ein Gedanke. "Es ist möglich das dieser Magier, den Dynastes gefunden hat, wahrscheinlich von dieser abgeschiedenen Schule kommt. Denn, so wie du Markus es mir geschildert hast, ist der Entzug der Magie, sehr schwarzmagisch und ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht für uns ist. Diese Schule hat sich immer herausgehalten, weil sie denkt sie ist für etwas höheres bestimmt." Ihr schwirrte der Kopf, so schnell konnte sie ihre Gedanken nicht kontrollieren. "Das heißt, dass es sein kann, das die Schule sich mit dem Tyrannen zusammengetan hat?" Sie nickte. "Es kann aber auch sein, dass es genauso ein Schüler wie Vesperi Sol ist und sich einfach nur wichtig machen will, um mehr Macht zu bekommen."
"Was glaubst du?" "Um ehrlich zu sein hoffe ich nur, denn nach deiner Aussage, hat dieser Magier nicht das vollständige Wissen, wie man diese Magie einverleiben kann. Also denke ich, er war nicht am Ende dieser Lektion angelangt und wurde vorher entlassen." "Sie entlassen einfach so Schüler, die sie nicht mehr brauchen und denken, diese können nichts über diese Schule erzählen?" "Das mit dem Erzählen ist nicht so einfach. Sie müssen einen Eid leisten, nie jemanden von dieser Schule zu erzählen und sie entlassen sie nicht einfach. So viel wie ich weiß ist diese Schule ganz im Norden, auf einer kleinen Insel vor dem Eisgebirge. Sie geben ihnen die Chance im Freien in der Kälte zu überleben ohne Nahrung. Viele schaffen es nicht, doch einige überleben und können ihre Magie bei uns praktizieren." "Dann hoffen wir mal alle mit dir." Ein großer kräftiger Mann brummte zu Mary. "Was ist nun der Plan?" "Barabas, liegt das nicht auf der Hand?" Er schüttelte seinen schweren Kopf. "Wir müssen diese ausgesetzten Magier aufsammeln. Nun da sie von Dynastes angegriffen wurden, müssen sie auf Partei ergreifen und ich denke, sie werden sich für uns entschließen. Sie hüten immer ihre Geheimnisse und vielleicht wissen sie mehr über diese Art von Magie." Er haute mit der Faust auf den Tisch, das dieser beinahe zusammenbrach. "HAH! Endlich ein Plan!" Laut lachte er, so dass es von den Wänden widerhallte. Obwohl noch die wichtigsten Fragen offenblieben, war es den anderen anzumerken, dass sie froh waren, endlich etwas zu tun. Eine fast genauso große kräftige Frau wie Barabas, schlug ihm auf die Schulter. "Aber nicht so schnell, wir brauchen ein paar Tage bis wir abmarschbereit sind." Er grummelte leicht in seinen dicken Bart. "Trolja, immer bist du die Spielverderberin." Mary lachte zu dem Ehepaar, sie hatte sie nicht vorher gekannt, denn das Bergvolk, die nur solche riesigen Menschen waren, lebte zurückgezogen und in kleinen Kolonien in den Bergen. Doch auch dort wurde gewütet und so schlossen sie sich den Lichtwächtern an. Barabas nahm sein Bierkrug und streckte ihn in die Luft "Auf die Lichtwächter." Doch kurz bevor er einen kräftigen Schluck nahm, schaute er in die Runde. "Wurden die Lichtwächter eigentlich nach dieser Schule benannt?" Jetzt lachte der älteste der Runde, Alfra, laut auf. "Du bist bei den Lichtwächter und weißt nicht warum wir so heißen? Nicht wegen den Schulen, sondern wir wollen alle Lebewesen wieder an das Licht bringen, das heißt sie in ihrer Freiheit leben lassen. Wir wachen über das Leben, das Licht was wir brauchen um zu existieren. " So hielt Barabas wieder sein Krug hoch. "Auf das Leben" Und jeder am Tisch stimmte mit ein.
In den nächsten Tage wurde es hektisch in den Höhlen. Alles wurde zusammengepackt was jeder tragen konnte. Denn Kutschen oder Lasttiere hatten sie nicht, also blieb ein Großteil in der Höhle zurück. Die schwerverletzten Leute mussten auf den schnell zusammen gebauten Barren vorlieb nehmen. "Es geht vielen schon viel besser. Einige sind aus ihrer Starre erwacht, andere haben ihren Lebensmut wiedergefunden. Leider konnten wir die schweren Fluchverletzungen nicht heilen, aber ich glaube, die Sonne und die frische Luft wird ihnen gut tun. Die Magier die wir finden müssen, werden wohl einige Heilzauber kennen." Agnes hatte sich neben Mary hingestellt um kurz zu verschnaufen, aber schon sah sie einen kleinen Fehler und die kleine Frau humpelte schnell davon. Jedem sah man es an, dass sie glücklicher als vorher waren, endlich wieder eine Aufgabe zu haben. Mary sah selbst Moks von vielen Frauen umgeben, der Anweisungen von sich gab. Nun trat auch Cataracta neben sie. "Ich bin froh endlich hier rauszukommen, und wieder fließendes Wasser zu sehen." Die Wasserfrau hatte noch nicht ihren Reisemantel, der sie verdeckte, umgelegt, und man sah ihr blaues Kleid, das sie umspielte wie sanfte Wellen. Mary wusste nicht aus welchem Stoff es war, aber selbst als sie es einmal kurz berührte, fühlte es sich wie Wasser an. "Wie kommt es eigentlich, dass du dich uns angeschlossen hast? Verzeih meine Neugier, aber ich dachte ihr wollt nichts mit den Landbewohnern zu tun haben." Cataracta lächelte sich an. "Es stimmt, viele wollen mit euch nichts zu tun haben. Aber einige kamen immer an Land um es zu studieren. Wir sind ein neugieriges Volk und einige blieben für immer an Land. Natürlich wohnten sie in der Nähe des Wassers. Auch wenn es komisch klingt, wir wussten nie etwas über die Menschheit und ihre Gefühle. Selbst untereinander kannten wir keine Liebe. Wir waren da, wir pflanzten uns fort, aber nie mit Liebe. Doch das änderte sich, als wir die Menschen kennenlernten. Einige von meinem Volk verliebten sich und deswegen blieben sie an Land. Was wir nicht wussten, wir konnten uns auch mit Menschen fortpflanzen. Es sind eigentlich Mischwesen, doch entweder entsteht ein Mensch oder ein Wassermensch. Ich weiß nicht warum." Eine kurze Pause trat ein. "Eigentlich wollte ich nie an das Land. Viele erzählten von Hass, Zerstörung und Krieg. Das kannte ich nicht und hatte Angst davor. Selbst Angst kannte ich bis dahin nicht. Für mich waren die Menschen unterentwickelt, denn wenn sie so gewesen wären wie wir, dann würde es keine Machtansprüche oder Kriege geben. Doch irgendwann änderte sich das. Auf einmal wurden Teile des Wassers rot. Viele bekamen Angst und dann brach auch bei uns der Krieg an. Einige die an Land waren, fanden es einfach überwältigend Macht zu haben. Denn du musst wissen, selbst wir haben viel Magie in uns. Sie ähnelt sich nicht mit eurer, aber sie ist auch mächtig. Sie wollten mehr, mehr Besitz, mehr Ansehen und mehr Liebe. Das letztere bekamen sie nicht mit Krieg, aber dafür steigerten sie sich immer weiter rein." Kurz unterbrach sie ihre Geschichte, weil Moks und noch jemand sich stritten. Moks wollte einfach sich einteilen lassen, einen Kranken zu ziehen. Doch dann kam Agnes und Barabas zu Hilfe und da wurde er kleinlaut. "Ich wusste es wurde Zeit für mich an die Oberfläche zu gehen, denn wie du wissen musst, bin ich die Nachfahrin unseres Königs. Obwohl wir nie einen gebraucht hatten. Ich wollte, dass wieder Frieden bei uns einkehrt und das konnte nur passieren, wenn auch hier Frieden ist. Dann sah ich wie jemand am Strand lag, mehr tot als lebendig. Schnell wurde mir bewusst, dass ich ihm helfen musste und gab ihm meine Medizin. Dank dieser kam er wieder schnell zu Kräften und erzählte mir über die Lichtwächter und über die große Magierin mit den gleichen Augen wie das Böse. Nur das ich mich nicht davon abschrecken lassen soll. Mein Entschluss war gefasst, ich wollte mich den Lichtwächtern anschließen." Nun schaute sie zu Mary auf. "Warum sprichst du unsere Sprache?" Nun lachte sie laut. "Du musst wissen, ich sehe zwar nicht so aus, doch ich bin viel älter als alle hier zusammen. Das was ich die im Schnellen erzählt habe, spielte sich über Jahrhunderte ab. Und diejenigen die zu uns zurückkehrten von der Oberfläche erzählten uns viel darüber. Wie gesagt, wir sind ein neugieriges Volk und obwohl ich nicht an die Oberfläche wollte, lernte ich alles was mit euch zu tun hat und dabei auch die Sprache." Hämatit kam auf Mary zugeschritten und legte sein Kopf auf ihre Schulter. "Ich hätte nie gedacht, dass es so wunderschöne Geschöpfe und Farben hier oben gibt."
Mary ritt auf Hämatit neben ihr lief Markus und Catracta. „Ist es das wert?“, fragte er Mary. Sie verstand die Frage nicht und bezog es auf die Magier. „Vielleicht können sie uns eine Antwort geben.“ „Das meine ich nicht Mary. Ist es wert uns zu unterstützen. Wir sind in der Unterzahl und auch nicht gerade stark. Sozusagen gehen wir in den Untergang.“ „Es ist es wert. Es ist ein Fünkchen Hoffnung, auch wenn es nur klein ist. Es heißt, dass nicht alle bereit sind sich einem Tyrannen zu unterwerfen. Viele haben ihre Häuser und Anwesen verlassen. Familien sind zu Bruch gegangen, aber es ist nicht alles. Du hast viel Schreckliches gesehen, doch es war nur ein Bruchteil was ich gesehen habe. Viele Menschen mussten sterben für nichts. Nur um einen Mann mächtiger werden zu lassen. Auch wenn wir nur eine kleine Gruppe sind, können wir siegen. Ich weiß, dass wir vielleicht in unseren Tod gehen, aber ohne Kampf werden wir nicht aufgeben. Ohne sich zu verteidigen hätten wir schon längst verloren und frage mich nicht, aber irgendwie weiß ich, dass sich das Blatt wenden wird, wenn nicht heute oder morgen, bald wird es so sein und ich bin froh neben solch tapferen Leute wie euch zu kämpfen, die mich, eine Schwarzmagierin liebevoll aufgenommen haben, obwohl sie nicht wussten wer ich bin.