Der Teufel und die Hölle, in der darstellenden Kunst von den Anfängen bis zum Zeitalter Dante's und Giotto's

Vorwort.

Der Teufel und die Hölle sind ihrer Natur nach eng verbunden, jener als der

Inbegriff alles Bösen, als der unsichtbar wandelnde Geist, Verderber und

Verführer der Menschen und zugleich als Fürst der Hölle, als Richter und

Strafvollstrecker an den Verführten und Verdammten, diese als das Reich, wo

alles Böse seine Sühne findet und der infernalischen Bosheit des Teufels der

freiste Spielraum gelassen wird. Wer die Geschichte beider schreiben will, muss

sie wegen ihrer innigen Beziehung zusammen betrachten, und besonders ist die

Kunstgeschichte, wenn sie in einer ikonographischen Abhandlung die Typen des

Teufels und der Hölle während der einzelnen Jahrhunderte feststellen will, zur

gemeinsamen Betrachtung gezwungen, da das künstlerische Bild beide nur zu

oft wie z. B. in der Darstellung des jüngsten Gerichtes verbunden zeigt.

 

Bisher hat die Kunstgeschichte im Gegensatz zur Theologie und

Litteraturgeschichte auf eine Abhandlung über den Teufel und die Hölle so gut

wie verzichtet. Über jenen existieren freilich zwei Studien, welche jedoch das

Thema nur streifen und ohne Rücksicht auf die Chronologie im Einzelnen nur

ein Gesammtbild geben wollen.[1] Über die Hölle fehlt jede Arbeit. Dagegen

finden sich in Sammelwerken[2], welche aufzuzählen zu weit führen würde, über

beide Hinweise, ebenso in einigen Veröffentlichungen von Miniaturen[3], sowie

in Studien über die Ikonographie des jüngsten Gerichtes.[4] Eine systematische

Be- und Durcharbeitung dieses Stoffes steht aber noch aus, und auch das, was

wir im Folgenden zu bieten wagen, soll ohne völlige Erschöpfung des

Gegenstandes nur als grundlegende Vorarbeit dazu dienen.

 

Die künstlerische Darstellung des Teufels und der Hölle ist vor dem achten

Jahrhunderte nicht nachzuweisen, obwohl doch die Vorstellung beider in der

Phantasie der christlichen Völker lebte. Die Bibel hatte ihr Bild im Besonderen

vorgezeichnet und dasselbe war im Laufe der Zeit mit nationalen Vorstellungen

aus der heidnischen Mythologie zu einem Gesammtbilde verschmolzen. Dies

geschichtlich zu behandeln ist Aufgabe der Theologie und von dieser bereits

gelöst.[5] Gleichwohl sollen in der vorliegenden Arbeit die Hauptpunkte der

Entwicklung herangezogen werden, einerseits, um das fehlende künstlerische

Bild jener Zeit durch das in der Litteratur erhaltene zu ergänzen, anderseits aber,

weil das letztere und besonders das in der Bibel für die künstlerische Darstellung

vorbildlich war. Auf die Entwicklung der Geschichte des Teufels und der Hölle

wird dann die eigentliche, ikonographische Darstellung folgen, welche in der vorliegenden Abhandlung ausführlich von den ältesten Zeiten der christlichen

Kunst bis auf Dante’s Zeitalter geführt werden soll. Die Typen, welche in diesem

Zeitraum einander ablösen, entsprechen, wie wir sehen werden, inhaltlich den

Anschauungen der Jahrhunderte und schliessen sich formal den jedesmal

herrschenden Kunstrichtungen an.

 

Die Darstellungen des Teufels und der Hölle kehren überall wieder: in

Skulpturen, Erzwerken, Elfenbeinarbeiten, Miniaturen, Mosaiken und Fresken.

Sie finden sich in vielen Abhandlungen beschrieben, denen ich gefolgt bin, ohne

dass ich aus Mangel an Abbildungen im Stande gewesen wäre, die Richtigkeit

derselben überall nachzuprüfen und zu verbürgen. Wo diese aber zur Verfügung

standen, sind die Beschreibungen jedesmal neu gemacht worden. Dies gilt

insbesondere für das Zeitalter Dante’s.

 

Da der Teufel und die Hölle selten allein, sondern meist nur in grösseren

Kompositionen verschiedenen Inhalts dargestellt ist, so werden diese jedesmal

als für sich bestehend besprochen, chronologisch und wenn es sein muss, auch

topographisch geordnet werden. Aus diesen Beschreibungen werden dann am

Schlusse die einer jeden Epoche gemeinsamen Züge zu einem Gesammtbilde

vereinigt werden.

 

Nachdem wir also die Veranlassung und die Methode für die Untersuchung

festgelegt haben, wenden wir uns nunmehr dieser selbst zu in der Hoffnung, dass

diese Ikonographie dazu beitragen wird, das künstlerische Bild des Teufels und

der Hölle während der einzelnen Jahrhunderte zu fixieren.