Die Schaffnerin; Die Mächtigen
Kapitel VIII
Er stand vor der Thür der Schaffnerin, kniete hin und betete.
VIII.
Zwei Stunden später, ungefähr um drei Uhr morgens, kehrte er in seine Stube zurück. Es tagte schon. Drüben, in der Richtung des Klosters, wurde der Himmel schon fahl; die Vögel begannen zu zwitschern, erst schüchtern, gleichsam fragend, dann zuversichtlich, dann ganz stürmisch.
Tarnow trat herein, und in seinem Gesicht glänzten die Augen, wie sie gewiß nie zuvor geglänzt hatten, – als wollte er sagen: jetzt kann ich wieder rein dastehen vor mir selber. Aber das dauerte kaum Sekunden, die man zählt. Er warf sich neben das Bett des Jägers hin und schüttelte ihn. »Klein!« rief er aus, »Klein, der Kerl, der Amtmann schläft schon!«
Der Jäger war sofort wach geworden. Er sah Tarnow an, dessen Gesicht wie Wachs war. »Was ist geschehen?« fragte er und stand auf. Und er sah nun auch, daß Gesicht und Hände und Kleider des Tarnow mit Blut besudelt waren. »Was ist geschehen, Tarnow?« fragte er noch einmal erregt und packte den Knieenden am Nacken.
»Da haben Sie den Schlüssel, Klein,« sagte Tarnow. »Er schließt ins Schlafzimmer vom Amtmann. Und grüßen Sie halt meine Mutter schönstens von mir, lieber Klein.«
Tarnow streckte sich ganz auf den Boden, legte die Stirn auf den Arm und schloß müde die Augen.