Hüben und Drüben: Zweiter Band
Ein freundlicher Empfang. Eine californische Skizze.
Ein freundlicher Empfang.
Eine californische Skizze.
Verzierung
Im Jahre 49, nach dem ersten Anprall der Goldsucher in Californien, lag der Hafen von San Francisco — so groß und geräumig er ist — fast gefüllt von leeren und selbst ihrer Mannschaft entblößten Schiffen, und Fahrzeuge wären zu dem billigsten Preis zu bekommen gewesen, wenn sie nur irgend jemand hätte gebrauchen können. Wie sie aber — wenn wirklich gekauft — fort bekommen? Denn Seeleute forderten einen gar nicht zu bezahlenden Preis für die kleinste Fahrt, weil den Leuten noch überall der erst später gehobene Goldschwindel in den Köpfen stak. Nicht allein die Matrosen waren von sehr vielen Schiffen fort und in die Minen gelaufen, nein, von manchen sogar Steuermann wie Kapitän, und die Fahrzeuge ritten dann einfach vor ihrem Anker, bis es einem oder dem anderen beliebigen Herumtreiber einfiel, sich in Besitz zu setzen, und angeblich das Fahrzeug vor dem „a drift“ gehen zu bewahren.
So lag auch die l’Abeille, ein hübsches französisches Schiff, in der Bai, auf der sich ganz gemüthlich zwei amerikanische Rowdies niedergelassen und später, als der Kapitän endlich zurückkehrte, eine enorme Forderung für „Tagesgelder“ an ihn stellten, weil sie behaupteten, das Schiff wäre verloren gewesen, wenn sie nicht mit Aufopferung all ihrer Zeit und Kräfte einen Nothanker ausgeworfen und das schon treibende Fahrzeug aufgehalten hätten. — Was konnte er machen? — Er mußte zahlen, wenn er sein Schiff wieder haben wollte, denn ein Prozeß gegen zwei Amerikaner hätte ihm zu jener Zeit mehr gekostet, als die ganze Brigg werth war — und dann noch vielleicht ohne Resultat.
So lag auch ein deutsches Fahrzeug in der Bai, die Gesine Mengsen, ein großes Barkschiff, das Bauholz gebracht und seine Ladung nur hatte um die Fracht verkaufen müssen. Diesem waren ebenfalls sämmtliche Leute davongelaufen, bis selbst auf den Steward, Koch und zweiten Steuermann, und nur der erste Steuermann und Kapitän an Bord geblieben. Aber auch diese weniger aus Gewissenhaftigkeit, als weil sie nichts mehr haßten, als Bergeklettern und Hacken und Graben, und an den Goldschwindel vielleicht nicht einmal recht glaubten. Außerdem war dem Kapitän eine ganz außerordentlich reiche Fracht nach den Sandwichs-Inseln versprochen, wenn er nur halbwege Mannschaft auftreiben konnte, und er gab sich dazu in der That die größte Mühe — wenn auch viele Wochen lang vergeblich.
Indessen hielten er und der Steuermann abwechselnd die Wacht über Nacht an Bord, denn einer von ihnen blieb immer an Land bei Bekannten. Verlassen durften sie das Schiff aber nicht, da sie recht gut wußten, wie viel Gesindel sich am Land und auch in der Bai herumtrieb, und nur auf eine Gelegenheit wartete, um Beute zu machen. Denen wäre das noch reichlich mit Provisionen und Getränken gefüllte Fahrzeug ein fetter und willkommener Bissen gewesen. Wer von ihnen deßhalb auch zurückblieb, hatte seinen Revolver scharf geladen im Gürtel stecken und schlief an Deck, um augenblicklich bei der Hand zu sein, sobald ihn das geringste Geräusch störte. War es des Kapitäns Abend, so fühlte sich dieser auch vollkommen beruhigt, daß ihm nichts passirte, denn er wußte mit Feuerwaffen vortrefflich umzugehen und schlief auch außerdem sehr leicht. Nicht so sicher hielt er aber das Fahrzeug unter der Obhut des Steuermanns, der allerdings ebenfalls einen Revolver trug, aber von Schießgewehren eigentlich nicht viel wissen wollte und sich deßhalb auch noch eine alte Wallfischlanze verschafft hatte, die er, der größeren Sicherheit wegen, Abends neben seine Matratze legte.
Der Kapitän ermahnte ihn allerdings öfters seinen Revolver nachzusehen, und er mußte ihn auch ein paarmal in seiner Gegenwart abschießen und frisch laden, aber er traute ihm deßhalb doch nicht, denn der Steuermann nahm immer die Zündhütchen herunter, weil er fürchtete, daß ihm das „Blitzding“ einmal von selber losgehen könne. Heute fuhr übrigens der Kapitän wieder an Land, und zwar waren ihm von einem Handlungshaus drei Matrosen versprochen worden, die er mitnehmen konnte, wenn er ihnen nämlich Beköstigung garantirte, bis er seine volle oder wenigstens nöthige Mannschaft beisammen hatte. Das machte ihm aber wenig Sorge; denn bekam er nur die drei gewiß, und dann noch zwei dazu, so getraute er sich schon mit denen nach den Sandwichs-Inseln, wo es nachher indianische Matrosen in Menge gab, hinüber zu fahren.
Er verließ sein Schiff auch heute etwas früher als gewöhnlich und schärfte dem Obersteuermann, ehe er in seine Jolle stieg, noch einmal ausdrücklich ein: ja recht Acht zu haben und besonders seinen Revolver nicht unten in der Coye zu lassen. Es waren gerade wieder am gestrigen Abend zwei Mordthaten in San Francisco verübt worden, und das Volk sprach schon davon, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, da sich die Gerichte viel zu schwach und machtlos erwiesen.
Der Steuermann nickte seine volle Zustimmung zu allem, was sein Kapitän sagte, dachte aber bei sich: „mach Du nur, daß Du von Bord kommst, nachher werde ich das Andere schon allein besorgen.“ Er konnte nämlich die Zeit nicht erwarten, wo er ganz ungestört heiß Wasser ansetzen und einen famosen Grog für sich brauen durfte, denn der Kapitän lebte entsetzlich mäßig und haßte alle starken Getränke dermaßen, daß er sogar Abends nicht einmal mehr als e i n e Tasse schwachen Thee trank. Sein Steuermann bekannte sich aber zu der entgegengesetzten Lehre.
Jetzt war der Kapitän fort, und Bohmeier, wie der Steuermann hieß, lehnte noch eine Weile an der Schanzkleidung und sah ihm nach, bis er zwischen den anderen Fahrzeugen mit seinem kleinen Boot verschwunden war; dann drehte er sich um, rieb sich vergnügt die Hände und schritt nun auch ohne weiteres zur Cambüse hinüber, um sich dort Feuer und heiß Wasser zu machen. Weßhalb hätten sie auch hier an Bord nicht gut leben wollen? denn erhielten sie beide, er und der Kapitän, nicht durch ihr alleiniges Dableiben den Rhedern daheim das ganze Schiff und retteten ihnen so ein sehr bedeutendes Kapital? — Nachher kam es auf ein paar Flaschen Rum und Cognac auch nicht an, und die Güte konnte e r sich besonders thun, da der Kapitän — wunderlicher Heiliger — nicht einmal trank.
Darin hatte Bohmeier auch in der That vollkommen Recht. Die Rheder würden ihnen die paar Flaschen wahrlich nicht mißgönnt haben, noch dazu, da er selber zwar sehr viel, aber doch nie zu viel trank und seiner Pflicht stets genügen konnte. Der Steuermann machte sich deßhalb auch keine Gewissensscrupel, und wie er seinen Grog fertig hatte, nahm er sich einen tüchtigen Blechtopf voll davon mit auf’s Quarterdeck, wo er sich ganz behaglich einen Stuhl und Tisch hingerückt hatte, und trank und betrachtete sich dabei die wundervolle Bai und die wunderliche Zeltstadt, die dicht an deren Ufer wie aus dem Boden herausschoß und täglich neue Keime trieb.
Es war auch in der That ein reizendes Bild, und etwas Friedlicheres, als diese Scenerie, und etwas Wilderes, Ungeordneteres, als die ganze Staffage dazu, hätte man sich kaum denken können. Vor ihm lag die lange, etwas kahl aussehende Hügelkette der Küstenberge, auf denen der dort oben fast ununterbrochen wehende Wind eine eigentliche Vegetation nicht aufkommen ließ; links aber, wo sich die Bai zu schließen schien, und nur ein schmaler Arm dort einbog, der hinauf nach den Mündungen des Sacramento und San Joaquin führte, waren die Gebirge mit hochstämmigen Bäumen bedeckt. Besonders im Rücken, wenn er den Kopf danach wandte, konnte er mächtige Cedern auf dem höchsten Kamm erkennen, während sich rechts von ihm, mit wirklich pittoresken Conturen, die Berge gegen die Ausfahrt des Hafens, des golden gate, zusammen schlossen.
Und wie belebt sah die prachtvolle Bai selber aus, und doch wie ungleich einem anderen Hafen. Da lagen hunderte von Schiffen jeder Art, vom kleinen Schooner bis zum vollen Schiff, und unaufhörlich noch kamen Segel ein — aber fast keines v e r l i e ß den Hafen wieder, und wie mit Zauberbanden schienen die weiten Berge all die zahllosen abgetakelten und meist verlassenen Seeboote zu umfangen — es war der Zauber des G o l d e s .
Dort lag ein Schiff — eine Brigg, schmutzig von außen und beinahe farblos, wie nach langer stürmischer Fahrt, mit seinen Segeln noch an den Raaen fest, eines aber, das große Bramsegel, hatte sich gelöst; an der Backbordseite flatterte und schlug es in der frischen Brise, und der Mann an Deck, der dort die Wacht hatte — vielleicht der einzige an Bord — warf wohl manchmal den Blick hinauf, denn das ewige Flappen mochte ihn geniren, war aber jedenfalls zu faul, um hinaufzusteigen und es abzuändern. — Gleich daneben lag ein ganz keck aussehender, schwarz gemalter Schooner, aber mit vollkommen kahlen Masten, an dem nur noch die nothwendigsten Wanten und Stage stehen geblieben waren, um die Masten zu halten; sonst hatte man ihn rein und sauber ausgeplündert.
Links davon ankerte der R u m p f eines alten Schiffes — ob es die Masten in einem Sturm verloren, ob man sie hier abgehackt und vielleicht zu Feuerholz verwandt, wer wußte es, wer kümmerte sich darum! Jetzt wurde es von einem der Geschäftshäuser zu einem Lagerschiff benützt, und an Deck hatte man eine Art von Haus gebaut, was ihm ein wunderliches Ansehen gab. Dort drüben lag eine schmucke Hamburger Bark, daneben ein Chilene, da ein Fahrzeug von den Sandwichs-Inseln, dort ein Ostindienfahrer, mit Engländern, Franzosen, Italienern, Spaniern, Mexikanern dazwischen. Aber alle Schiffe sahen todt und verlassen aus, die eben einkommenden ausgenommen, und das einzige Leben in diese Gruppe von „Leichen“ brachten eine Menge kleine Boote, die dazwischen herumfuhren und herüber und hinüber kreuzten.
Bohmeier sah dem Treiben in aller Gemüthlichkeit zu und trank dabei seinen Grog und rauchte eine Cigarre nach der anderen, bis es endlich zu dämmern anfing und der hier sehr starke Nachtthau naß auf Deck hernieder fiel. Dann ging er vor allen Dingen wieder in die Cambüse, um erst noch einmal ein paar Stücke Kohlen nachzulegen und etwas mehr heißes Wasser zu bekommen, und machte sich nachher sein gewöhnliches Lager auf Deck zurecht. Er spannte zu dem Zweck eines der kleinen Segel schräg auf, daß er bequem und geschützt darunter liegen konnte, zog sich dann seine Matratze und Bettzeug herauf und ging nun erst an die Bereitung seines Abendbrods, die aber nur geringe Zeit in Anspruch nahm. „Wo ein Brauhaus steht, kann kein Backhaus stehen,“ ist ein altes Sprichwort. Bohmeier trank viel und aß dafür wenig.
Es war spät geworden — in der Stadt konnte er allerdings noch an vielen Orten Licht erkennen, aber die Bai lag still und öde und nichts Lebendes zeigte sich mehr darauf. Nur dann und wann konnte er, nach der oder jener Richtung hin, den Anruf von einem oder dem anderen Schiff hören und oft sogar das Anscheuern des Bootes an den Rumpf desselben unterscheiden. Auf einem der heute eingelaufenen Fahrzeuge wurden sogar noch die „Glasen“ angeschlagen, was man auf den anderen längst unterlassen — es klang ordentlich heimisch.
Der frische Grog, den sich der Steuermann gebraut, schmeckte ganz ausgezeichnet, war nur ein klein wenig zu stark geworden — aber besser zu stark, als zu schwach. Sagte doch schon jener nordamerikanische Indianer: „Zu viel Whiskey ist gerade genug.“ Bohmeier dachte ebenso, und da er genau wußte, wie viel er ungestraft vertragen konnte, machte er sich auch keine Sorgen darüber. Er verzehrte sein frugales Abendbrod, stellte dann sein letztes Glas Grog neben seine Matratze als „Schlaftrunk“, wie er es immer nannte, und zündete die Wachtlampe an, die jeden Abend an der Nagelbank vor dem großen Mast aufgehangen wurde, da man nie wußte, wie rasch man einmal Licht gebrauchte; jedenfalls war es eine ihm vom Kapitän besonders eingeschärfte Maßregel. Seine Harpune lehnte rechts daneben, daß er sie leicht im Griff hatte, und das Futteral mit dem Revolver lag ebenfalls schon auf seiner Matratze — er brauchte nur die Schnalle der Deckklappe zu öffnen und hatte ihn dann im Griff — wenn er ihn eben haben wollte.
Uebrigens fürchtete er für sich nicht die geringste Gefahr. Es waren allerdings schon einige Ueberfälle und Beraubungen von Schiffen vorgekommen — man erzählte sich wenigstens davon — aber vor längerer Zeit, nicht in den letzten Monaten, und dann wäre es auch keinem so leicht geworden, ohne Geräusch an dem ziemlich hohen Schiff hinauf zu klettern; dem Kapitän, wenn der Morgens zurückkehrte, mußte er ja so immer die Fallreepstreppe niederlassen. Bohmeier dachte auch an nichts Derartiges, streckte sich behaglich auf seiner Matratze aus und rauchte und trank, bis er zuletzt müde wurde, den Cigarrenstummel weg und über Bord schleuderte — er hörte ihn ordentlich zischen, als er auf’s Wasser traf — und sich dann ruhig auf die Seite legte. — Lieber Gott, wenn ein Mensch den ganzen Tag nichts zu thun hat, verlangt er doch auch Nachts seine Ruhe.
Es dauerte in der That gar nicht lange, so nahm ihn Morpheus — nach dem poetischen Sprachgebrauch — in die Arme, und wie lange er so geschlafen hatte, wußte er eigentlich nicht. Plötzlich war es ihm, als ob er seinen Namen rufen höre — einmal, zweimal, dreimal — und wieder und wieder. Er glaubte dabei, er träume, schien sich aber auch wieder seines Schlafes bewußt und brauchte in der That eine geraume Zeit, um sich selber munter zu bekommen. Endlich hatte er diese Art von Betäubung, die auch vielleicht von dem Grog herrührend auf ihm lag, abgeschüttelt und richtete sich rasch, ja fast erschreckt, empor. — Er horchte. Drüben auf dem heute eingekommenen Bremer Schiff schlugen sie vier Glasen — war das erst zehn Uhr Abends oder zwei Uhr Morgens? Ehe er aber nur ausgezählt und sich selber Rechenschaft über eine mögliche Zeitbestimmung geben konnte, traf ein anderes Geräusch sein Ohr, das ihn bestürzt zusammenfahren machte.
Unten, an seinem Schiff scheuerte ein Boot — er fühlte es mehr, als er es hörte, denn es ist ganz eigenthümlich, wie deutlich das fest ineinander gefügte Holz eines Schiffes die leiseste Berührung desselben von einem fremden Gegenstand fortpflanzt. Wenn nur der Kiel auf irgend einer Untiefe leise den Sand scheuert, zittert es, von den Zehen herauf, durch den ganzen Körper, bis in die Fingerspitzen hinein, wie mit einem elektrischen Schlag, und das Anstoßen eines Bootes, selbst vorn am Bug, hört man sogar bei verschlossenen Thüren bis in die Kajüte hinein — oder fühlt es vielmehr. Das mußte es auch sein, was den Steuermann aus seinem bärenfesten Schlaf geweckt hatte, denn auf weiter erinnerte er sich nichts, und wie er jetzt aufhorchte, hörte er deutlich draußen am Schiff ein Geräusch, als ob jemand versuche daran empor zu klettern.
„Wart’ Canaille,“ brummte aber der Seemann, wie er sich dessen nur klar bewußt war, „dir will ich den Kitzel vertreiben!“ Und rasch nach seinem Revolver tappend, griff er das Futteral, hob sich geräuschlos von seinem Lager und glitt zu der Schanzkleidung. Er behielt aber nicht einmal Zeit, erst hinüber zu sehen, wer und was ihn bedrohe. Kaum stand er davor, so hob sich schon ein Kopf darüber hin, und Bohmeier — nur in dem einen Gefühl sein Leben gegen eine Bande von Strauchdieben zu vertheidigen, hob seinen Revolver dicht vor die Stirn des Fremden und — drückte ab. —
Der Kapitän war indessen an jenem Abend ruhig an’s Land und zu seiner gewöhnlichen Gesellschaft gefahren, wo sie dann die halbe Nacht bei einer gemüthlichen Partie Whist verbrachten. Heute aber sollte er keine Zeit dazu bekommen, denn er fand den bei seiner Fracht bedeutend interessirten Kaufmann, der ihn schon mit Ungeduld erwartete, weil er noch ein paar aus den Minen zurückgekehrte Matrosen aufgefunden, die wahrscheinlich bewogen werden konnten, die Reise mit ihm zu machen. Freilich durften sie dann nicht langen Raum zum Ueberlegen behalten, und je rascher der Handel mit ihnen abgeschlossen wurde, desto besser. Beide gingen auch augenblicklich daran, um sie aufzusuchen, fanden das aber nicht so leicht, als sie anfangs gedacht, denn es gab schon damals in San Francisco eine Menge von Plätzen, wo sich die Leute Abends amüsiren konnten. Endlich — es war fast um zwölf Uhr — trafen sie mit ihnen in einem der Spielzelte, im Eldorado, zusammen und gingen nun in ein französisches Weinhaus, um dort das Nähere zu besprechen.
Die Bedingungen, die der Kapitän stellte, waren übrigens so verlockend — das Leben in Californien hatten sie auch auf eine Weile satt, — daß sie endlich darauf eingingen und sich bereit erklärten, morgen früh um zehn Uhr mit ihren Kisten an Bord zu sein, und während der Kaufmann versprach, alles Nöthige in der Stadt zu besorgen, daß sie bestimmt schon morgen oder vielmehr heute ihre Fracht bekämen, war es nöthig, daß der Kapitän selber augenblicklich an Bord seines eigenen Fahrzeugs zurückkehrte, um dort mit seinem Steuermann alles zu besprechen. Mit Tagesgrauen wollte er dann wieder zurück an Land sein. Lieber Gott, er wäre die ganze Nacht hin und her gelaufen, nur um hier fort aus dem verwünschten Land zu kommen, das er herzlich satt hatte. Jetzt war aber die Aussicht dazu vorhanden, und er zögerte denn auch keinen Moment, um wenigstens alles zu thun, was in s e i n e n Kräften stand, das Auslaufen zu beschleunigen.
Rasch hatte er unten am Werft sein Boot gefunden, das dort an doppelter Kette angeschlossen lag; das Ruder brachte er schon von oben mit herab, wo er es bei einem Bekannten eingestellt, und stieß nun vom Land der Richtung zu, in welcher sein Fahrzeug, die „Gesine Mengsen“ lag.
Es gehörte allerdings eine Geschicklichkeit dazu, sich in dem Gewirr von Fahrzeugen, noch dazu „bei Nacht und Nebel“, zurecht zu finden. Der Seemann hatte den Weg aber schon so oft gemacht, daß er nicht einen Augenblick im Zweifel blieb, und seinen Cours so genau hielt, als ob er nach dem Compaß steuere. So wand er sich zwischen den verschiedenen, dort ruhig vor Anker liegenden Fahrzeugen durch, bis er seine Bark da draußen, etwas weiter ab, erkennen konnte, und wrickte sein kleines Boot dann scharf drauf zu. Er hatte sie auch bald erreicht — das gewöhnliche Wachtlicht brannte oben, aber sein Steuermann, der ihm erst die Fallreppstreppe herunter lassen mußte, schlief wahrscheinlich noch und er hielt also etwa zehn oder zwölf Schritt vor dem Schiff und rief dasselbe an. — Keine Antwort erfolgte. — Er rief jetzt den Steuermann bei Namen, laut und immer lauter — alles umsonst, das Fahrzeug schien wie ausgestorben und nichts an Bord regte oder rührte sich. — Was zum Henker, war denn da vorgegangen? — Den Kapitän überkam ein ganz unheimliches Gefühl — sollte es wirklich der sich in San Francisco herumtreibenden Bande gelungen sein, den Steuermann im Schlaf zu überraschen und — „Bohmeier!“ schrie er noch einmal, so laut er konnte, „oh Bohmeier!“ — Es war alles umsonst, er erhielt keine Antwort, und wenn sich der unglückliche Mensch noch an Bord befand, so lag er wahrscheinlich erschlagen an Deck in seinem eigenen Blut.
Dem Kapitän wurde es zuletzt unheimlich, und er beschloß endlich selber nachzusehen, wie es da oben stand. Er mußte Gewißheit haben. Ohne länger zu zögern, fuhr er auch jetzt an die Bark hinan, an welcher er, wenn er sich hoch aufrichtete, eben die Klappen der Puttingbolzen erreichen konnte, hob sich daran etwas in die Höhe, schob seine Wurfleine durch die Rüsteisen, um das Boot erst fest zu machen, und schwang sich dann selber dort hinauf. Es hatte allerdings einige Schwierigkeit, aber es ging doch, und wie er nur erst seinen Fuß auf die Leiste des Schandecks brachte, richtete er sich auch empor und hob jetzt seinen Kopf über die Schanzkleidung, von wo er das Deck überblicken konnte.
In demselben Moment und ehe er nur im Stand war, einen Ruf auszustoßen, tauchte eine dunkle Gestalt dicht vor ihm empor, die er aber recht gut erkannte — es war sein eigener Steuermann Bohmeier, aber zugleich sah er auch in die Mündung von dessen Revolver und — klipp! klipp! klipp! schlug dreimal rasch nacheinander der gegen ihn abgedrückte Hahn der Waffe matt und erfolglos auf die Pistons nieder. —
„Ihr habt wieder einmal keine Zündhütchen aufgesetzt, Bohmeier,“ sagte der Kapitän mit der größten Seelenruhe, indem er noch in seiner Stellung blieb.
„Herr du meine Güte, der Kaptain!“ schrie aber Bohmeier entsetzt auf, indem ihm der Revolver vor Schreck aus der Hand fiel, „da hätte ich ja beinah —.“
„Euren eigenen Kapitän todtgeschossen — ja wohl,“ ergänzte dieser, indem er jetzt über die Reling hinüber auf Deck sprang; „aber ohne Zündhütchen geht’s eben nicht.“ —
„Ja aber Kaptain, um Gottes Willen, wo kommen Sie mitten in der Nacht und so heimlich her?“ —
„Heimlich? Ich habe Euren Namen so lange und so laut über die Bai gebrüllt, daß ihn das Echo jetzt jedenfalls auswendig kann — Ihr seid aber doch furchtbar nachlässig, Bohmeier.“ —
„Aber, bester Kaptain, es ist ja doch ein Heidenglück, daß ich heute die verdammten Zündhütchen vergessen hatte —.“
„Na, ich bin auch nicht böse drüber, Bohmeier,“ meinte der Kapitän, „denn sonst läg ich jetzt unten in acht Faden Wasser mit zerschossenem Brägen — aber dumm war’s immer.“
Damit war übrigens die Sache vollkommen abgemacht und es wurde nicht weiter darüber gesprochen. Die beiden Seeleute hatten jetzt auch genug zu thun, um ihre nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Der Kapitän fuhr dann wieder an Land, und schon um zehn Uhr kam ein Theil der Leute an Bord. Ein Koch wurde ebenfalls aufgetrieben, ein Chinese; Stewarddienste mußte einer der Leute auf der kurzen Fahrt versehen, und wenige Tage später lichtete die Gesine Mengsen richtig ihre Anker und segelte, aus dem golden gate hinaus, in den weiten blauen stillen Ocean hinein.
Verzierung
Ende des zweiten Bandes.
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Friedrich Gerstäcker
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1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
For additional contact information:
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Chief Executive and Director
gbnewby@pglaf.org
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit www.gutenberg.org/donate
While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For forty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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