Krieger und Ritter

Alexandra Schu · Kapitel 2 von 2

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Krieger und Ritter

Das Gift von Amuranth

Schon früh morgens waren die ersten Bewohner des Dorfes unterwegs und erledigten ihre Arbeit. Schmied, Bäcker, Holzfäller, Verkäufer...alle waren bereits wach und munter, als die Sonne gerade erst ihre ersten Strahlen über den Horizont warf.

Shari schlief noch tief und fest, bis sie schließlich ein lautes Poltern aus ihrem Schlaf riss. Mit gerunzelter Stirn öffnete sie langsam die Augen und setzte sich auf, um zu sehen, was sie gerade aufgeweckt hatte. Plötzlich streckte ein Drache seinen Kopf durch ihr Fenster und sagte:

»Entschuldigung, Shari. Das war ich.« Der Drache grinste die Kriegerin an, welche ihn verärgert anstarrte. Schließlich ließ sie sich wieder ins Bett fallen und fragte: »Wie spät ist es denn?«

»Zeit, dass du aufstehst.«, sagte der Drache und zog sich dann wieder nach Draußen zurück.

»Danke für die genaue Antwort.«, nuschelte Shari so vor sich hin und stieg dann einige Minuten später aus ihrem Bett auf.

Der Drache wartete bereits draußen auf sie und spielte in der Zwischenzeit mit dem Hund eines Nachbarn. Er warf ihm immer wieder einen kleinen Ball zu, welcher der Hund brav fing und wieder zurück brachte. Die Kriegerin stand eine Weile an der Tür ihres Hauses und beobachtete das Schauspiel mit einem Grinsen im Gesicht.

»Nyarla, was machst du denn da?«, fragte sie schließlich.

Erschrocken drehte der Drache den Kopf um.

»Beobachtest du mich etwa? Du siehst doch, ich spiele mit dem Hund. Diese Tiere sind schon sehr seltsame Wesen. Haben an so einem blöden Spiel so viel Spaß.«

»Ich will dir mal eins sagen, mein Freund. Als du noch ein kleines Drachenkind warst, hast du auch gerne solche blöden Spiele gespielt.« entgegnete Shari.

»Was? Das kann gar nicht sein.« sagte Nyarla lachend und spielte weiter.

»Wollen wir uns mal einen Überblick verschaffen?« fragte sie den roten Drachen.

»Ja, sofort.« Er warf dem Hund noch einmal den Ball, aber diesmal richtig weit weg, so dass der Hund ein gutes Stück zu laufen hatte.

»So, jetzt kann’s losgehen.«

Die Kriegerin stieg auf den Rücken des Drachen. Jeden Morgen machten die beiden einen Rundflug über das Dorf und die umliegenden Wälder, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung war. Denn es gab in den angrenzenden Ländern auch gefährliche Kreaturen, die gerne Unheil stifteten.

Der Schlag seiner Schwingen war schon Kilometerweit zu hören, so dass alle Bewohner in den Himmel aufschauten und die beiden mit winkenden Händen begrüßten.

»Es scheint ja soweit alles in Ordnung zu sein.«, sagte Shari.

»Nein, schau mal da unten.« Der Drache zeigte auf eine Lücke zwischen den Baumkronen. Auf dem Boden des Waldes lag eine in weiße Gewänder gehüllte Gestalt.

»Das ist einer der Waldelben. Schnell, er scheint Hilfe zu brauchen.«

Nyarla setzte zur Landung an und ließ sich langsam neben dem auf dem Boden liegenden Waldelben nieder.

»Das ist Camiel. Ich kenne ihn.« Die Kriegerin versuchte ihn wach zu rütteln.

»Camiel. Camiel, wach auf.«

Langsam öffnete der erschöpfte Elb die Augen und schaute die schwarzhaarige Kriegerin an.

»Shari, du bist es. Ich bin so froh, dass ihr mich gefunden habt. Es ist etwas Schreckliches passiert.« Der Elb bekam kaum Luft.

»Ruh dich erst mal aus, dann kannst du mir alles erzählen.« sagte Shari.

»Nein, das geht nicht. Es bleibt keine Zeit mehr. Eine Kreatur hat uns angegriffen. Es hat alles zerstört und sogar einige von uns schwer verletzt. Den Brunnen mit dem Heilwasser hat es zerstört. Wir können uns nicht mehr selber helfen. Ich habe mich auf dem Weg zu dir gemacht, weil du die Einzige bist, die uns helfen kann. Du beherrschst die Macht der Magie und dein Drache ist der Stärkste in der Gegend. Bitte, ihr müsst etwas tun.«

Die Kriegerin und der Drache schauten sich fragend an und verloren dann keine Zeit. Sie packten Camiel auf den Rücken von Nyarla und flogen mit ihm ins Dorf, wo er versorgt wurde.

Shari berichtete von den Vorkommnissen im Reich der Waldelben.

»Was sollen wir tun? Wir sind einfache Leute, wie könnten wir helfen?« fragte ein Bewohner des Dorfes.

»Er möchte, dass Nyarla und ich ihnen helfen. Ich werde keine Zeit vergeuden und mich sofort auf den Weg machen.« Mit diesen Worten schwang sich die 21-Jährige Kriegerin auf den Rücken des Drachen und flog los.

Je näher sie dem Reich der Waldelben kamen, umso größer wurde die Spur der Zerstörung. Denn auch vor dem Wald selber hatte das Wesen nicht halt gemacht.

Der Drache flog ganz langsam, damit sich beide ein genaues Bild der Zerstörung machen konnten. Es war ein grauenvoller Anblick. Die einst so wundervolle, leuchtende Stadt der zauberhaften Wesen lag in Trümmern. Man konnte nur die Hilferufe der Elben vernehmen, von denen sich einige verletzt in den Überresten der Stadt versteckten. Umgestürzte Bäume und zerbrochenes Gestein waren alles, was noch übrig blieb.

Es brach der Kriegerin das Herz und verzweifelt suchte sie den Schuldigen. Hinter großen, noch halb stehenden Säulen und Überresten von Mauern entdeckte sie schließlich ein riesiges, grauenvolles Wesen.

»Siehst du es?«, fragte Nyarla, während er auf die Kreatur zuflog.

»Ja, ich sehe es. Aber wie soll ich es besiegen? Es ist viel zu groß, so viel Macht habe ich nicht.«

»Du musst es versuchen. Wir haben keine andere Wahl.«

Der Drache umkreiste das schuppige Ding, das mit seinen gewaltigen Klauen alles zerstörte, was ihm im Weg war. Seine Augen waren glutrot und aus seinem Rücken ragten Unmengen von spitzen Stacheln. Am Ende seines Schwanzes befanden sich zwei sehr große Stacheln, mit denen er ganz leicht einen Drachen töten könnte, welcher im Vergleich zu ihm recht klein wirkte.

Nyarla blieb vorsichtig, denn sollte das Wesen ihn entdecken, würde er sie mit einem Schlag töten. Shari machte sich derweil bereit ihre selten gebrauchten, magischen Kräfte einzusetzen und murmelte einen Zauberspruch. Sofort begannen ihre Hände zu leuchten und kleine, blaue Feuerbälle erhoben sich aus ihren Handflächen, stiegen nach oben und als sie schließlich den Spruch zu Ende gesprochen hatte und mit den Händen auf die Kreatur zeigte, schossen die Feuerbälle in einem blauen Strahl darauf zu. Das Wesen spürte diesen magischen Schlag, doch reagierte es kaum darauf. Es drehte sich lediglich in die Richtung um, aus der es den leichten Schmerz vernahm. Es entdeckte den Drachen und wurde schließlich noch wütender. Die Kriegerin sprach noch einige Zaubersprüche aus, welche jedoch alle keinerlei Wirkung zeigten.

»Ich verstehe das nicht. Diese Menge an Magie hätten den größten Drachen umgebracht.«, sagte sie zu ihrem Gefährten und fühlte sich hilflos.

»Ich versuch´s auch mal.«, entgegnete Nyarla und setzte seinen mächtigen Feuerstrahl ein, um das Wesen anzugreifen. Die Flammen verbrannten einige seiner Schuppen und färbten diese schwarz, doch mehr geschah nicht. Die Kreatur wurde nur noch wütender und schlug nun mit seinen gewaltigen Klauen nach dem Drachen, der blitzartig auswich.

»Es hat keinen Sinn. Wir schaffen es so nicht.«, sagte Nyarla erschöpft.

»Du hast Recht. Wir müssen uns ein Versteck suchen. Am besten weiter im Wald, wo uns dieses Ding nicht sieht.«

Der Drache wendete sofort und flog dann zwischen den Bäumen hindurch zu einer sicheren Stelle.

»Was sollen wir nun tun?«, fragte Nyarla und schaute Shari an, die sich an einen Baum lehnte und angestrengt nachdachte.

Nach einer ganzen Weile sagte die Kriegerin: »Wir sollten das Orakel um Rat bitten. Vielleicht kennt sie ja den Weg dieses Wesen zu vertreiben oder gar zu vernichten.«

Der Drache machte sich Flugbereit und als Shari seinen Rücken bestiegen hatte, erhob er sich in die Luft und flog über den Wald hinweg auf einen großen Berg zu, der weit weg von ihrem Dorf inmitten von Sümpfen aus dem Boden herausragte.

Majestätisch blau schimmerte dieses steinerne Gebilde, welches auf der Spitze mit Schnee bedeckt war. Ungefähr in der Hälfte der Berghöhe befand sich eine Höhle, auf deren Eingang der Drache zuflog.

Auf dem harten Felsboden stehend stieg die Kriegerin von ihrem geflügelten Gefährten ab und schaute in das Höhleninnere. Es war viel zu dunkel, um etwas zu erkennen.

»Na los, mein Freund. Lass uns reingehen.« Shari zwinkerte dem Drachen zu und ging dann voraus. Das gewaltige Tier folgte ihr.

Nach einigen Schritten, die sie durch die Dunkelheit umherirren ließen, konnten die beiden einige blau-leuchtende Steine erkennen, die sich an den Wänden befanden und ihnen den Weg zeigten. Je tiefer sie ins Berginnere kamen, desto kälter wurde es. Der Drache spie zwischendurch Feuer, um seine Freundin und sich ein wenig zu wärmen.

Der Weg führte sie tiefer und tiefer in den Berg hinein und die Menge der leuchtenden Steine nahm stetig zu. Endlich erreichten sie einen großen Platz, der von weißem Licht eingehüllt wurde. In der Mitte saß eine frauenähnliche Gestalt, die jedoch die Ausmaße eines Riesen hatte.

Shari ging langsam darauf zu, während Nyarla die Gestalt betrachtete, welche die Augen geschlossen hatte.

»Großes Orakel«, sagte sie, als sie davor stand, »wir brauchen deine Hilfe.«

Die Frau öffnete ihre Augen und schaute die Kriegerin an.

»Ich habe dich bereits erwartet. Ihr habt große Schwierigkeiten, wie ich erahne.«

»Das ist richtig. Ein riesiges Wesen hat die Elbenstadt angegriffen und lässt sich weder mit meiner Magie noch mit dem Feuer eines Drachen verletzen.«

»Stell dir jetzt das Wesen vor.«, bat sie das Orakel und holte nun ein Bild der Kreatur aus dem Kopf der Kriegerin hervor, welches dann als Projektion in der Luft schwebte. Nyarla schaute diesem Spektakel mit offenem Mund staunend zu.

»Ist dies das Wesen, das alles zerstört?«

Die Kriegerin schaute nach Oben und nickte schließlich. In diesem Augenblick verschwand das Bild wieder, nachdem das Orakel einmal ihren Arm durch die Luft schwang.

»Dieses Wesen ist nicht einfach zu töten. Ich verrate es euch, jedoch verlange ich zuvor ein Geschenk.«

Shari schaute das Orakel fragend an. »Von welcher Art Geschenk sprecht Ihr?«

Sie drehte den Kopf in Richtung des Drachen.

»Ich möchte eine Drachenschuppe.«

Nyarla schluckte und sah dann Shari an, die auf ihn zukam.

»Mein Freund, es geht um unser aller Leben. Wirst du ihr dieses Geschenk machen?«

Nyarla nickte zustimmend und sagte: »Natürlich werde ich das. Das ist doch selbstverständlich.«

Beide gingen sie nun zum Orakel und der Drache schnitt sich mit einer Kralle seiner rechten Klaue eine Schuppe aus seinem Bein heraus. Es blutete stark und schmerze das mächtige Tier, doch er wusste, dass es nötig war. Vorsichtig reichte er seine Schuppe dem Orakel herüber, die das Geschenk lächelnd und danken annahm.

»Ich danke Euch. Nun werde ich euch sagen, wie ihr das Wesen besiegen könnt.« Nyarla und Shari hörten genau zu, denn das Orakel war bekannt dafür, dass es einen Rat nur einmal aussprach und nicht mehr wiederholte.

»Ihr braucht einen Pfeil aus einem bestimmten Material, welches ihr nur in den Schluchten von Amuranth finden werdet. Das Gestein dort beinhaltet ein tödliches Gift. Als Pfeilspitze geformt könnt ihr die Kreatur besiegen.« Das Orakel schloss sofort wieder die Augen, senkte den Kopf und saß nun wieder so da, wie zu dem Moment, als die beiden gekommen waren.

Die Kriegerin und der Drache hatten alles verstanden und gingen nun wieder aus dem Berg hinaus. Draußen vor dem Höhleneingang blieben sie stehen.

»In welche Richtung müssen wir denn?«, fragte Shari.

»Die Schluchten von Amuranth befinden sich hinter dem Carlutas-Gebirge. Ich weiß, wo das ist.«, antwortete Nyarla und ließ die 21 jährige aufsteigen.

»Dann lass uns aufbrechen.«

Der Drache breitet seine gewaltigen Schwingen aus und erhob sich in die Luft, geradewegs in Richtung des Carlutas Gebirge, welches weit hinten am Horizont zu sehen war.

Shari betrachtete derweil das Land, über das sie hinwegflogen. Das Wesen schien nicht nur bei den Waldelben alles zerstört zu haben. Bäume lagen entwurzelt auf der Erde, die Lebensräume vieler Tiere waren vernichtet und er konnte trauernde Familien sehen, die jemanden verloren hatten. Sie mussten sich beeilen, bevor das Wesen ihr Dorf erreichte.

Nach einem langen Flug kamen sie endlich an dem Carlutas-Gebirge an und suchten nun nach den Schluchten von Amuranth, die sich direkt dahinter befinden mussten.

»Da, siehst du?« Der Drache zeigte mit seiner Klaue nach unten, wo Shari tiefe Schluchten erkennen konnte.

»Wir sind da.«, sagte sie und Nyarla setzte zur Landung an. Je tiefer er in die Schlucht hinein flog, desto dunkler wurde es. Doch bevor die Düsternis sie vollständig einhüllen konnte, erreichten sie den Boden. Die Kriegerin stieg von dem Drachen herunter und schaute sich das Gestein der Felswand vor ihr an. Es schimmerte irgendwie seltsam und als sie es berührte, spürte sie überraschenderweise eine große Wärme.

Sie holte ihren Dolch hervor und versuchte damit ein Stück des Gesteins zu entfernen.

Plötzlich war ein lautes Brüllen zu hören, welches direkt von einem Zweiten übertönt wurde. Shari erschrak und drehte sich ruckartig um, den Dolch nach vorne gerichtet. Auch Nyarla lauschte, woher die Geräusche gekommen waren. Doch dies war gar nicht mehr nötig, denn sofort traten zwei riesige Zyklopen um die Ecke vor ihnen und hielten ihre Keulen zum Schlag hoch in die Luft. Der Drache schlug sofort mit seinen Schwingen und spie Feuer gegen die aggressiven, einäugigen Zyklopen. Leicht verletzt taumelten sie schreiend zurück, rafften sich aber gleich wieder erneut zum Angriff auf.

»Warte, ich mach das.«, sagte die Kriegerin und begann eine Zauberformel zu sprechen. Sie schoss zwei rot-leuchtende Feuerbälle auf die Zyklopen los, welche daraus einen sehr hellen Lichtblitz machten. Shari und Nyarla mussten ihre Augen abwenden. Als das Licht wieder verschwand, schauten die beiden auf zwei in Stein verwandelte Zyklopen, die immer noch wütend die Keulen hoben.

»Hast du gut gemacht.«, sagte Nyarla grinsend und tätschelte den Kopf der Kriegerin, die genervt nach ihm schlug und nur rief: »Lass den Unsinn.« Der Drache musste laut lachen.

»Ich wollte nur ein wenig Spaß machen.«

»Denk dran, wir haben eine Aufgabe zu erledigen.« Mit diesen Worten machte sie sich erneut daran, ein wenig Gestein aus der Felswand zu schlagen. Die Klinge ihres Dolches war aus einem unzerstörbaren Material und machte es ihr somit recht einfach, ein Stück Gestein abzubrechen. Sie hielt es in der Hand und betrachtete es eine Weile.

»Und dieses kleine Stück Stein soll ein Wesen gigantischen Ausmaßes töten können? Hoffen wir, dass es wirklich so ist.«, sagte die Kriegerin und stieg wieder auf den Rücken des Drachen.

»Du wirst doch nicht den Rat des Orakels in Frage stellen?«, fragte dieser.

»Nein, es überrascht mich nur, wie so etwas Kleines doch so eine Wirkung haben kann.«

Nyarla erhob sich aus der Schlucht in den Himmel und flog zurück ins Dorf, in dem bereits sehr viele der Waldelben Zuflucht gefunden hatten.

Shari ging zum Schmied, hielt ihm das Gestein vor die Nase und fragte: »Kannst du mir daraus eine Pfeilspitze machen?«

»Aber sicher kann ich das. Leichteste Übung.«, antwortete der Schmied, nahm das Gestein an sich und begann mit seiner Arbeit.

Die Kriegerin nahm sich in der Zwischenzeit einen ihrer Pfeile und montierte die normale Pfeilspitze ab, um später die Gift-Pfeilspitze zu montieren.

Es dauerte eine Weile, doch letztendlich hatte der Schmied aus dem schimmernden Gestein eine stabile Pfeilspitze hergestellt. Er überreichte sie Shari, die sich herzlich dafür bedankte und ihm noch eine Belohnung versprach. Doch der Schmied schüttelte den Kopf und winkte dankend ab.

»Helfen zu können ist für mich Belohnung genug.«

Die Kriegerin lächelte den Schmied an und rannte dann sofort zu seinem Drachen, auf dessen Rücken sie sich schwang. Gemeinsam flogen sie wieder zum Reich der Waldelben, um der Zerstörung ein Ende zu machen.

Das Wesen befand sich immer noch dort und hatte nun wirklich alles vernichtet, das dort einmal stand. Es saß gerade gemütlich auf dem Boden und schien sich etwas auszuruhen. Das war die Chance.

Shari spannte ihren Bogen, während Nyarla direkt auf die Kreatur zuflog. Sie näherten sich ihm von hinten, wo es sie nicht bemerkte. Die Kriegerin zielte auf den Kopf, wartete noch etwas, bis sie fast dran waren und schoss dann den Gift-Pfeil ab, der im Kopf des Wesens stecken blieb. Es schrie laut auf und begann nach dem Pfeil zu greifen. Es konnte ihn herausreißen und schaute sich wütend um.

»Ich hoffe, das Gift konnte noch schnell genug in seinen Körper gelangen.«, sagte Shari, während Nyarla sich wieder von dem Wesen entfernte und sie aus sicherer Umgebung alles beobachten konnten.

Es begann wieder wild um sich zu schlagen und brüllte laut, bis es schließlich zu schwanken begann. Es konnte sein Gleichgewicht nicht mehr halten und stolperte über die Trümmer der Stadt. Mit einem lauten Knall schlug sein gesamter Körper auf dem Boden auf und seine Pupillen drehten sich langsam nach oben unter das Augenlid. Es atmete noch eine Weile schnell und heftig bis es dann ohne Vorwarnung einfach verstummte und regungslos da lag.

Nyarla und Shari schauten das Wesen lange aus ihrem Versteck an. Auch die restlichen Waldelben, die noch dort blieben, warteten auf eine Reaktion der Kreatur. Doch es regte sich nicht mehr.

»Ist es tot?«, rief einer der Elben und schaute die Kriegerin fragend an.

Shari und ihr Drache gingen vorsichtig auf das Wesen zu. Es atmete nicht mehr und sie konnte auch keinen Herzschlag feststellen.

»Es scheint wirklich tot zu sein.«, sagte sie Nyarla zugewandt.

»Aber wir müssen ganz sicher gehen.« Die Kriegerin hob eines der Augenlider hoch, die zugefallen waren, und stach mit ihrem Dolch mit voller Wucht hinein. Nichts. Die Kreatur war besiegt.

»Es ist tot!«, rief Shari, woraufhin alles Waldelben laut jubelten. Nyarla erhob sich und flog ins Dorf, um die frohe Botschaft zu verkünden. Auch dort freuten sich alle, sangen und tanzten.

Die Kriegerin und ihr Drache wurden groß gefeiert. Die Waldelben und auch die vielen Bewohner des Waldes waren ihnen sehr dankbar und wollten ihnen dies persönlich mitteilen.

Die Kreatur wurde von fünf Greifen und drei Drachen aufgehoben und zu den Sümpfen gebracht, wo er in den Tiefen der stinkenden Masse versank.

Die Waldelben atmeten wieder auf und alle zusammen, die Dorf-und Waldbewohner, halfen ihnen ihr Reich wieder neu aufzubauen. Diesmal noch größer und schöner als zuvor.

Texte: Alexandra Schu

 

Bildmaterialien: frenta - Fotolia.com

Lektorat: Alexandra Schu

Alle Rechte vorbehalten.

Tag der Veröffentlichung: 21.01.2014

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