Wolfsnacht

Andrea H. · Anhang

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Wolfsnacht

Prolog - fremder Duft

Andrea H.

 

Wolfsnacht

Prolog - fremder Duft

"Gedanken und Träume fliegen durch den Geist,

da ist etwas, das an meiner Seele reißt.

Die Seele verborgen, gefangen hinter grauen Wänden,

im Traume sind mir gebunden meine Hände.

Die Nacht sich im Geiste nieder lässt,

den Wolf in mir in die Welt entlässt.

Das Tier in mir möchte zerren und beißen,

möchte all diese Mauern um mich niederreißen.

Dann ist da noch dieses gefühlvolle Wesen,

es kämpft mit dem Wolf, will das Dunkel durchreisen.

Der Wolf in mir verkörpert mein vergangenes Leben,

die Seele aber möchte nur wieder Friede geben.

Der Wolf lässt mich träumen, nimmt mir mein Glück,

Erinnerungen kehren mit aller Macht zurück.

Die Nacht ist für mich, voller Ängste und Qual,

der Wolfsmond lässt mir Nacht für Nacht keine andere Wahl."

 

Der Mond hing prall gefüllt am Himmel und erleichtete durch die dichten Baumwipfel hindurch den Boden. Die Pfoten des Wolfes trugen ihn über den weichen Waldboden, zwischen hohen Bäumen entlang, durch Büsche und durch das Unterholz hindurch, sein Rudel an seiner Seite. Das Rudel war auf Streife, wie in jeder Vollmondnacht. Er führte die kleine Gruppe junger Wölfe an, am Rand ihres Territoriums entlang. Die Strecke kannte jeder von ihnen blind, schließlich waren sie allesamt hier aufgewachsen. Der Weg führte sie durch den Wald und an einem See entlang, an Feldern vorbei bis hinauf zur Hauptstraße, die in die Stadt hinein führte.

Alles war ruhig heute Nacht. Selbst von dem benachbarten Wolfsrudel kamen zur Abwechselung keine Feindseligkeiten, man ging sich aus dem Weg. Das war einzig und alleine seinem Vater zu verdanken, dem Alpha ihres Rudels, der mit Strenge auf jeden Vorfall zwischen den Rudeln reagierte und seines seinen eigenen Regeln unterwarf. Er war streng und doch war er ein guter Anführer, den niemand wagte herauszufordern.

Der junge Wolf lief voraus. Sie hatten den Wald und den See bereits hinter sich gelassen, hatten die Felder erreicht, als ihm ein angenehmer Duft in die Nase stieg. Er wurde langsamer, bis er schließlich inne hielt, sein Rudel tat es ihm gleich. Irritiert sah er sich um. Woher kam nur dieser Geruch? Er konnte seine Quelle nicht ausmachen, aber er roch einfach unglaublich gut. Verführerisch, nach Wald und Regen irgendwie frisch und doch blumig, eben genau das alles was er so sehr liebte. Der Duft ließ ihn wohlig schaudern. Er bescherte ihm Glücksgefühle. Der Wolf wandte den Kopf zu allen Seiten, wurde von seinem Gefolge deshalb sogar schon skeptisch angesehen, als sei er verrückt geworden.

Wieder lief er los, dieses Mal jedoch nicht darauf bedacht, dass der ihm unterstellte Teil seines Rudels ihm folgte. Er ließ die Felder in Windeseile hinter sich, bis er endlich die Straße erreichte. Er folgte dem Geruch noch einige Meter weit auf der Straße in Richtung Stadt, ehe er den Duft letztlich verlor. Er schnaubte missmutig. Wo war er nur hin? Das Einzige was er sicher wusste war, dass er diesem Duft überall hin folgen würde. Der Duft führte eindeutig in Richtung Stadt, er würde die Quelle also ganz sicher dort finden. Für heute Nacht allerdings hatte er sie verloren und er konnte sein Rudel nun nicht auch noch in die Stadt führen. Sie durften einfach nicht das Risiko eingehen entdeckt zu werden.