Andrea Seelich
Gefängnisbau steht in Europa seit über 150 Jahren nicht mehr auf dem Lehrplan der Architekturschulen. Mit diesem Befund beginnt das Handbuch Strafvollzugsarchitektur, 2009 bei Springer in Wien erschienen und mit Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung gedruckt. Das Titelblatt nennt die Verfasserin als Mag.arch. Dr.tech. Andrea Seelich, Architektin und Konsulentin des Bundesministeriums für Justiz in Wien. Das Buch ist als Arbeitsmittel für Neubau und Umbau von Justizanstalten angelegt und geht weit über Grundrisse hinaus. Die Kapitel heißen Geschichte, Freiheitsentzug, Gesetze, Menschen, Architektur, Zeichen der Nutzung, Sicherheit und Tiere. Eines liest das österreichische Strafvollzugsgesetz daraufhin, wie groß ein Haftraum mindestens sein muss, ein anderes untersucht, wie Insassen, Personal und Besucher ihre Bereiche sichtbar markieren und was daraus über bauliche Missstände abzulesen ist. Rund die Hälfte des europäischen Strafvollzugs findet laut Einleitung in Gebäuden statt, die einst Schlösser, Klöster oder Jugendheime waren. Das Vorwort schrieb Wolfgang Gratz, der zuvor die Justizanstalten Wien-Mittersteig und Wien-Favoriten sowie die Strafvollzugsakademie in Wien leitete.
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