Aus zwei Welttheilen: Erster Band
Die Schoonerfahrt. Neuseeländische Skizze.
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.
Wie lange er so gelegen, wußte er nicht; als er aber nach wildem, wunderlichen Traum die Blicke aufschlug, und zu den wehenden, grünen Wipfeln schattiger Bäume emporschaute, da sah er auch, wie er von Eingeborenen umgeben war, und ein hoher, stattlicher Insulaner, mit einem langen, sonderbaren Stab in der Hand und ein paar Falkenflügeln an beiden Seiten des Kopfes, stand vor ihm, und starrte ihm fest und finster ins Angesicht. Einzelne der Wilden begannen jetzt, als sie nun sahen, daß er wieder zu sich kam, ihn mit Fragen zu überhäufen, Ned verstand aber ihre Sprache nicht, und blickte nur scheu von Einem zum Andern, bis der Mann mit den Raubvogelflügeln, und wahrscheinlich auch der Führer der Schaar, ihn in gutem, flüssigen Englisch anredete, und zu wissen verlangte, was er hier an dieser Küste, suche. Auf diese Frage war aber der Sträfling schon vorbereitet, denn natürlich konnte er denken, daß er unter Eingeborene gerathen müsse, wenn er, der Küste folgend, die erste europäische Ansiedelung aufsuchen wollte; er hatte denn auch eine ziemlich glaubwürdige Erzählung bereit, und sagte, er wäre auf jenes, dort vor Anker liegende englische Fahrzeug gepreßt und unmenschlich behandelt worden, und hätte sich, ehe er ein solches Schicksal länger ertrüge, lieber mit der Gefahr, von Haifischen gefressen zu werden, zu den Eingeborenen dieser Insel geflüchtet.
»Ist die gelbe Jacke die Matrosentracht der englischen Fahrzeuge?« frug der Häuptling ruhig, als jener sein Märchen beendet hatte.
»Die gelbe Jacke?« wiederholte der Sträfling, und blickte überrascht und etwas außer Fassung gebracht zu ihm auf, dieser aber schien das nicht zu bemerken und fuhr nur fort, während er sich halb von ihm abwandte, und nach der Waldspitze deutete, wo der Ta-po-kaï mündete:
»Wem gehört jenes Boot, und wo sind die Männer die es hierher gerudert?« –
Ned zögerte mit der Antwort – er dachte an den Schatz und wußte nicht, ob er durch eine Enthüllung alles dessen, was ihm bekannt, des Häuptlings Vertrauen erwecken, oder selber suchen solle, den Schatz an sich zu bringen. Wie das aber? als er seinen Plan zuerst gemacht, hatte er auf des Iren Hülfe gerechnet, jetzt stand er allein – wäre es ihm möglich gewesen, unbewaffnet auch nur das Mindeste gegen drei starke Männer zu unternehmen? Nein, vielleicht half ihm aber die Entdeckung desselben zu der Freundschaft des Indianers, und ohne dessen kalt und ruhig auf ihm haftenden Blick zu begegnen, versprach er eine für diesen höchst wichtige und nützliche Enthüllung machen zu wollen, die ihm reiche Beute brächte, wenn ihm sein eignes Leben dabei gesichert würde.
Der Insulaner sagte ihm das zu, und der Sträfling, dadurch kühner gemacht, forderte nun auch noch, in seinen Stamm aufgenommen, und von diesem selbst gegen die Verfolgung der Weißen geschützt zu werden. Das aber wies der Häuptling unwillig von sich.
»Ich sicherte Dir Dein Leben!« rief er finster »und brauchte selbst das nicht zu thun. Liebe zu uns hat Dich nicht hergeführt, und Deine Hülfe brauch' ich kaum, denn seit jene Dreie gelandet, folgen ihnen meine Späher, und ihr Boot ist in meiner Gewalt; doch bist Du wahr gegen mich, so sei ein Theil der Beute Dein – thue dann damit, was Du willst. Die Gier der Weißen geht nach Gold – das mag Dir genügen.«
Freudig ging der Sträfling in diesen Vorschlag ein, den er gar nicht zu machen gewagt, da er kaum geglaubt hatte, daß die Wilden je wieder ein erbeutetes Gut herausgeben würden. Er erzählte nun aber auch Alles, was er erlauscht; daß der Eine der Weißen – die Pest über ihn, er hatte ihn stets wie einen Hund behandelt – als Indianer verkleidet, das Gesicht aber mit einer Matte verhangen, das Ufer betreten habe und eine Landverschreibung mit sich führe, die seiner Aussage nach Heki selbst unterzeichnet hätte.
Der Häuptling, der im Anfang kaum den Worten gelauscht, horchte hoch auf, und schien dem Erzählenden das Wort von den Lippen zu stehlen, mit keiner Sylbe unterbrach er ihn aber, und erst nachdem Ned Alles das, was er an Bord erhorcht, gebeichtet, that er ihm einige Fragen nach der Gestalt, dem Aussehen, den Augen, Zügen und dem ganzen Wesen jenes Mannes, der unter dem falschen Schutz ihres heiligsten Gesetzes dieses Ufer betreten habe. Ned gab das so gut er konnte, und der Neuseeländer nickte dabei ingrimmig lächelnd mit dem Kopf. Endlich zog er sich eine Zeitlang zu den Seinen zurück, und der Sträfling konnte jetzt nur nach den wilden lebendigen Gestikulationen, mit denen sie die, ihm fremden Worte begleiteten, schließen, daß es ein reges Interesse sei, was die düstern Gestalten jetzt bewegte und ihren Augen ein soviel wilderes, unheimlicheres Feuer verlieh.
Niemand kümmerte sich mehr um ihn, stundenlang lagerten die Krieger in dem kühlen Waldesschatten, und die Sonne hatte schon geraume Zeit den Zenith überschritten, während weiße, wehende Nebelstreifen am südlichen Horizont heraufstiegen, und ihre milchigen Strahlen weit hin über das Firmament schossen, als plötzlich die Büsche raschelten und ein einzelner Krieger, das dunkle, tättowirte Gesicht von einigen, kaum geheilten Narben fürchterlich entstellt, aus dem Dickicht sprang, an dessen äußerstem Rande sie lagerten. Wa s er berichtete, konnte Ned nicht verstehen, doch mußte seine Mittheilung von Wichtigkeit sein. Auf jeden Fall war sie lang erwartet, denn von mehren Seiten kehrten jetzt augenscheinlich früher ausgestellte Posten zurück, und die Schaar, die aus etwa fünfzehn Männern bestand, theilte sich in zwei ziemlich gleiche Haufen.
Der Eine von diesen zerstreute sich in den benachbarten Büschen, der Andere aber schlich langsam am Waldrand hin, der Mündung des Ta-po-kaï zu. Der Sträfling blieb unter der Aufsicht zweier Krieger und mußte der letzten Schaar folgen, doch schien man nichts von ihm zu fürchten, oder keine weiteren Vorsichtsmaßregeln für nöthig zu halten, denn er durfte frei neben seinen Begleitern hergehen, deren ganzes Aeußere ihn aber dennoch überzeugte, daß Flucht, wenn er daran wirklich noch gedacht hätte, hier ganz hoffnungslos gewesen wäre. Rasch schritt er denn auch an ihrer Seite fort, und wie der letzte in den laubigen, dunkelschattigen Büschen verschwunden war, lag der Platz wieder so einsam ruhig da, als ob ihn noch nie ein menschlicher Fuß betreten oder menschliche Leidenschaft seinen heiligen Frieden gestört habe.
Still und heimlich rauschten die hohen, majestätischen Wipfel des düsteren Urwalds, und flochten ihre riesigen Arme fest, fest in einander, daß die sengenden Strahlen der Sonne nicht Eingang fänden in ihr heiliges Dunkel, und die zarten Kinder ihrer Sorgfalt, die jungen saftigen Palmen und die wuchernden, blumigen Moose nicht erreichen und welken könnten. Es war Mittagszeit – heimlich drückten sich die munteren Waldvögel in den kühlen, duftigen Schatten der Sträuche, und die schillernde Eidechse nur glitt geräuschlos an Stämmen und Zweigen hin, und schaukelte sich an schwanken Ruthen oder haschte auch nach vorbeifliegenden Insekten und Käfern.
Still und heimlich rauschten aber auch die hohen, majestätischen Wipfel um eine einzige, kleine Lichtung, die an der sanften, grasigen Abdachung eines niederen Hügels lag, und jetzt nur von astigen Fruchtbäumen und einzelnen, früher vielleicht gepflegten Palmen beschattet wurde. Es war ein neuseeländischer P a h , die Wohnung, aber auch zugleich das Fort Eines der Eingeborenen, ganz nach Art der, über die Insel zerstreuten Befestigungswerke mit starken spitzen Pallisaden umgeben, und im Innern durch niedere Fenzen wiederum in einzelne, jedoch mit einander in Verbindung stehende Höfe abgetheilt. Inmitten desselben lag das flache, breitausgedehnte, niedere Wohnhaus, mit phantastisch geschnitzten Holzsäulen und kühler, luftiger Veranda. Schmale Bänke zogen sich im Innern dicht an den Wänden des Hauses hin, und zwischen zwei der Säulen hing, regungslos und leer, eine einzelne, von den Fasern des neuseeländischen Flachses gewebte Hängematte. Aber kein lebendes Wesen ließ sich sehen – Alles schien ausgestorben und öde, ja die Nebengebäude, großentheils nur Schuppen und Ställe, standen offen und leer, das Kochhaus, das sich früher dicht an das Wohnhaus geschmiegt, war auf der rechten Seite niedergebrochen und verfallen, die Hängematte hing in Streifen nieder, am Dach fehlten ganze Stücke; die Umzäumungen lagen theils niedergeworfen, theils von Moosen überwachsen; kein Hausthier belebte den Hof, und nur ein Habicht, der vielleicht in der Nähe horstete und hier, in den stillen, öden Gebäuden nach Nahrung gesucht, stieg jetzt kreisend empor, stand mit schnellem, kräftigem Flügelschlag wohl eine Minute lang still über dem, für ihn zur Heimath gewordenen Platz, und strich dann, den schönen Kopf noch immer zurückgebogen, langsam dem Meeresufer zu.
Er hatte seinen Feind, den Menschen, gewittert, und kaum verschwand er auch hinter den hohen, laubigen Bäumen, als eine wilde Gestalt die niederen Büsche theilte, die sich dicht an die halbniedergebrochenen Pallisaden anschmiegten, ja sogar einen Theil derselben schon mit ihren weitausgreifenden Schmarotzerpflanzen wie mit einem blumendurchwebten Laubnetz überzogen.
Es war Dumfry der, das Gesicht wieder dicht mit der Matte verhüllt, die Büchse fest und im Anschlag in der Hand, die Lichtung betrat und ernst und schweigend den Schauplatz früherer Zeiten überschaute, der – s e i n e Wohnung getragen. Und wo hinaus hatte das Schicksal die gestreut, die früher die Waldeseinsamkeit mit ihm getheilt? wo weilten die Lieben, die auch eine Wildniß im Stande sind zum Paradies zu wandeln – welcher Boden war es, der ihre Fährten trug und ihnen Nahrung gab? Oder hatte Dumfry freundlos und allein hier gelebt? wurde kein Auge naß, als er seine neue Heimath verließ, harrte kein hoffender Blick mit freudiger Zuversicht seiner Wiederkehr? – Niemand wußte es – sein Mund schwieg über die Vergangenheit, und wer ihm später in Sidney befreundet gewesen, vermied es gern, auch nur die Erinnerung an frühere Zeit in ihm zu erwecken, denn finstere Geister waren es, die dadurch heraufbeschworen wurden.
Welche Gefühle mußten da aber jetzt sein Herz bestürmen, als er Alles das wieder vor sich sah, was in lebendiger Frische das Andenken an vergangene, und wohl kaum vergessene Stunden erneute – was die kaum vernarbten Wunden wieder aufriß und sein Auge fest und stier an jene Stelle fesselte, wo er –
»Gift und Tod!« murmelte er durch die fest zusammengebissenen Zähne vor sich hin, und stampfte unwillig und in ausbrechendem Grimme den Boden – »was kümmert's mich, wenn sie den Platz meiden und ihr wahnsinniges Gesetz den Ort selbst öde legt und verlassen. Um so besser – desto sicherer bin ich und desto unbewachter.«
Rasch glitt er in das Dickicht zurück, wo die Gefährten seiner harrten und ein Zeichen bedeutete sie ihm zu folgen, wohin er sie führen würde. Ihr Pfad, der bis jetzt durch die wildeste und rauhste Waldung geführt, wurde aber jetzt ebener; eine Art ausgehauener Weg, wenn auch allem Anschein nach lange nicht begangen, zog sich, wie Tomson glaubte, in ziemlich paralleler Richtung mit der See fort, und die Hügel hatten sie ebenfalls verlassen, oder hielten sich wenigstens nur noch am Fuß derselben hin, wo sie zweimal kleine, sprudelnde Bäche überschritten, und plötzlich auf einer sanften Abdachung des hohen Landes einen kleinen, vielleicht zwanzig Fuß steil emporsteigenden Erdaufwurf erreichten, dessen Gipfel ein eigenes, wunderliches Denkmal zierte.
Die Hälfte eines quer durchschnittenen Canoes stand dort wie ein Schilderhaus aufgerichtet; die beiden Seiten desselben waren mit weißen, schwarzen und grellrothen Farben bunt bemalt, und den oberen Theil schmückten hohe, wehende Federn, wie sie wohl sonst das Haupt des Kriegers und Jägers als stolzen Kopfputz zieren. Besonders prangten einzelne hohe, weiße Federn des Albatroß, die den Mittelpunkt des Busches bildeten, und eine bunt gefärbte Matte hing von oben herab und verdeckte den inneren Theil dieses eigenthümlichen Zierraths.
Die Fremden konnten, als sie den offenen Platz erreichten, das eben beschriebene Bauwerk leicht übersehen, desto schwieriger aber schien es hinaufzugelangen, denn hohe und fest eingerammelte spitze Pallisaden, auch keineswegs verfallen, wie die, der früheren Wohnung, sondern allem Anschein nach in gutem und trefflichem Stand erhalten, umgaben den Erdhügel. Der innere Raum zwischen diesem und seiner Verschanzung war von üppiger Vegetation dicht überwuchert, und es ließ sich unmöglich unterscheiden, ob der von Bäumen allerdings leere Platz früher bebaut, oder nur von dem hohen Holz befreit worden sei, um jenes Gestell auf dem Gipfel desto freier und besser herauszuheben.
Die Männer hatten, bis dahin noch von einer kleinen Gruppe palmenartiger Farrenbäume verdeckt, den stillen wunderlichen Ort in lautlosem Schweigen eine Zeitlang beobachtet, endlich flüsterte Van Broon, dem es hier unter den hohen Bäumen und vor dem einzeln dastehenden, indianischen Bau, der wie eine Schildwache das Herz der Waldung zu bewachen schien, anfing unheimlich zu werden:
»Ist dies denn nun endlich der Ort, zu dem wir jetzt, Gott weiß, wie viele Meilen durch Dornen und Schlingpflanzen gerannt sind, als ob uns der böse Feind auf den Hacken säße?«
Dumfry nickte, noch immer ohne ein Wort zu erwiedern, einfach mit dem Kopf.
»Der Eingang wird wohl an der andern Seite sein,« meinte Tomson, und richtete sich auf den Zehen empor, um soviel Raum als möglich übersehen zu können.
»Gentlemen!« wandte sich jetzt Dumfry plötzlich und mit leiser, unterdrückter Stimme, aber mit freudig blitzenden Augen, an seine Begleiter – »die Zeit unseres Handelns ist gekommen, wir haben den lang erstrebten Platz erreicht, aber all die Gefahren, die ich gefürchtet, ja fest erwartet, sind ausgeblieben. Die Gegend ist menschenleer, die Entfernung zum Meer, ja zu der Stelle, wo unser Boot verborgen liegt, beträgt von hier aus kaum tausend Schritt – dort, wo jener helle Fleck die Waldung lichtet, mündet der Bach, in dessen heimlichen Schatten wir eingelaufen. In einer halben Stunde können wir unten sein, und unsere Ruder tragen uns dann rasch dem sicheren Fahrzeug entgegen.«
»Warum gehen wir denn aber nicht an die Arbeit?« frug Van Broon ungeduldig; »zum Henker noch einmal, mir wird's nicht behaglich zu Muthe, so lange ich diesen cannibalischen Boden unter mir fühle; es ist mir immer, als ob uns die Bäume ordentlich so mit einer Art von Gier und Gefräßigkeit ansähen, und mit dem größten Vergnügen das Holz dazu hergeben würden, uns zu braten. Wo hat denn dieses Monument, oder was es sonst sein mag, seinen Eingang?«
»Nirgends,« erwiederte ihm Dumfry, aber immer noch mit vorsichtiger Stimme – »es ist ringsherum auf solche Art umgeben – Manawatus Begräbnißplatz liegt unter dem geheiligten Gesetz des Tabu, nur wenn Einer aus seinem Geschlecht wieder stirbt, erlischt das Verbot. Nach der bestimmten Zeit und der Feier der Tangi[15] bringen die »weisen Männer« die Gebeine hierher und wiederum verschließt das Gesetz den Eingang Jedermann.«
[15]: Bei dem Tod eines Häuptlings oder eines sonst angesehenen Indianers entsteht ein großes Wehklagen, das die Neuseeländer Ta n g i nennen. Die Frauen zerschneiden sich Arme, Gesicht und Brust mit scharfen Muscheln, und die Kleider und das Eigenthum des Verstorbenen wird dann gewöhnlich in das Grab desselben gelegt – in den sogenannten w a h i t a p u, und muß dort mit ihm verwesen.
»Wie kommen wir aber hinüber?« brummte Van Broon – »wir wollen wohl hier warten, bis Jemand kommt, um nachher die ganze Bevölkerung bei der Hand zu haben. Gebt dem Volk nur einen Vorwand, und wir stecken noch heute Abend Alle mit einander am schönsten Bratspieß, den sie auftreiben können.«
Dumfry wandte sich von ihm ab, glitt eine kurze Strecke rasch zwischen, ja fast unter den hohen Farrenkräutern hin, die das Stacket dicht umschlossen, prüfte einige der Pallisaden mit der Hand, und kam auch bald an eine, die weniger fest in der Erde stack als die übrigen. In diese schlug er mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft, indem er sich mit dem Rücken an die nächsten dicht daneben stellte, seinen Tomahawk, daß der Stiel nach oben kam. Der scharfe Stahl fuhr in das, durch die Jahre ziemlich weich gewordene Holz bis ans Heft hinein, und er gewann dadurch eine Handhabe, den sonst nicht gut erreichbaren Stamm anzufassen, und aus seinem Bett zu heben. Nach einigen, vergeblichen Versuchen gelang ihm dieß auch endlich, was einen schmalen Eingang in das Innere herstellte.
Van Broon, obgleich er die Größe der Gefahr, der sie hier ausgesetzt waren, gar nicht kannte, ja nicht einmal ahnte, er wäre sonst wahrlich nicht so geduldig dabei stehen geblieben, fühlte doch eine gewisse, ihm selbst kaum erklärliche Angst, als er die Vorsicht und unverkennbare Scheu des sonst so kecken, trotzigen Mannes sah. Dumfry, der ihnen winkte, dort zu bleiben, wo sie gerade standen, kroch nämlich rasch und vorsichtig in das tollste Gewirr des hier dicht verschlungenen Oberholzes, und kein Laut wurde weiter von ihm gehört, kein Zeichen gab er, bis plötzlich seine Gestalt, aber weiter unterhalb, wieder auftauchte. Er trug jetzt das zusammengeheftete Fell irgend eines ihnen unbekannten Thieres im Arme und lief mehr als er ging, dem engen Ausgange der Pallisaden zu, durch die er sich mit fast ängstlicher Hast ins Freie drängte. Kaum hatte er jedoch den inneren Raum verlassen, so legte er schnell seinen Pack auf den Boden nieder, stieß die früher herausgehobenen Pallisaden an ihren Ort zurück, und schien jetzt erst jedes Gefühl, was ihm bis dahin vielleicht Herz und Seele beengt haben mochte, stark und freudig von sich abzuschütteln.
Hochauf athmete er, aus tiefer, voller Brust, und ein triumphirendes, fast höhnisches Lächeln zuckte um seine Lippen.
»Nun fort,« rief er, und hob seine Last rasch wieder vom Boden auf, »fort, in wenigen Minuten sind wir am Ufer, dann zu Schiff und einem frohen, freudigen Leben entgegen!«
»Und ist das Alles?«, frug Tomson erstaunt, »Alles was wir zu thun haben? Darum die entsetzlichen Vorbereitungen und Zurüstungen?«
»Kommt! an Bord unseres guten Kasuar sollt Ihr Alles erfahren, nur jetzt von diesem Boden fort, der mir unter den Füßen zu brennen anfängt.«
Und ohne weiter auch nur eine Antwort abzuwarten, warf er einen flüchtigen Blick zu der jetzt von dem gestiegenen Nebel fast umdüsterten Sonne empor, die den Schleier mit ihrem rothen Gluthenlicht kaum zu durchdringen vermochte, und eilte so flüchtigen Schrittes rechts in das Dickicht hinein, daß ihm seine beiden Begleiter kaum zu folgen vermochten. Wohl eine Viertelstunde behielten sie diese Richtung bei, und jetzt zwar fortwährend thalab, die Hügel hinter sich lassend. Die Lichtung, auf die sie Dumfry schon am Begräbnißplatz aufmerksam gemacht, trat denn auch immer deutlicher und heller hervor, und einer kleinen, schmalen Anhöhe folgend, die als Scheide zweier Bäche dem Ufer entgegenlief, erreichten sie dieses, kaum zweihundert Schritte von der nämlichen Stelle, wo sie es betreten hatten, doch mehr seitwärts von der Mündung des Baches, und an einer von Holz fast freien, sandigen Fläche, die sich zwischen da, wo sie sich jetzt befanden und dem Ta-po-kaï ausdehnte.
Dumfry überflog mit prüfenden Blicken das Terrain, nirgends aber ließ sich auch nur das mindeste Außergewöhnliche oder gar Gefährliche entdecken; kein lebendes Wesen war zu sehen, nur ein paar Albatrosse strichen mit langsam bedächtigen Flügelschlägen über die Bai, und dort hinten – gerade vor dem hellglänzenden, weißen Streifen, der den Eingang der Bucht wie mit einem schimmernden Zirkel umgab, lag still und regungslos, die schneeigen Segel fest gegen die Masten geschlagen, der Kasuar, wie ein müder Seevogel, der nach langer, mühseliger Fahrt den Kopf unter die Flügel steckt, und sich schaukeln läßt von den krystallhellen, leise schwellenden Wogen – seiner Wiege und Heimath.
»Bei Gott!« brach da Tomson das Schweigen, und schaute ängstlich nach dem südlichen Horizont hinüber, den er erst von hier aus recht überblicken konnte – »es wird Zeit, daß wir an Bord kommen – Dumfry, dort hinten steigt ein Wetter herauf, und, wenn uns das hier noch in der Nähe jener Riffe erwischt, so können wir uns auf das Schlimmste gefaßt machen. Es wäre ein Spaß, wenn wir nachher wieder an die Küste geworfen würden.«
»Sollten jene weißgrauen Streifen Böses deuten?« frug der Verkleidete, und schien sie scheu und finster zu betrachten –
»Gutes auf keinen Fall,« brummte der Seemann, »will's wünschen, daß wir mit 'nem blauen Auge davonkommen.«
»Gentlemen beabsichtigen vielleicht, hier am Waldrand heute Abend Thee zu trinken,« unterbrach sie aber hier der ungeduldig werdende Holländer – »zum Henker auch, sollen wir etwa hier stehen bleiben, b i s das Alles eintrifft, was Sie beide jetzt befürchten? – Wo liegt unser Boot?«
»Gerade dort drüben in jener Waldecke,« erwiederte ihm Dumfry – »aber Sie haben recht, ein Ueberlegen könnte hier ohnedieß nichts frommen, j e t z t müssen wir durch – kommen Sie« – und wiederum zog er die Matte über sein Gesicht, die er, seit sie den Begräbnißplatz verlassen, fast fortwährend zurück geworfen getragen hatte, und schritt den beiden Freunden rasch voran, zuerst in die niedere Sandfläche hinab, die in Zeit der Fluth von den Wogen bedeckt wurde, und dann einen grasigen Anwuchs wieder hinauf, der sich der Waldspitze zuzog und überhaupt den ganzen, bewachsenen Küstenstrich mit einem hellgrünen freundlichen Kranz umgürtete.
Je weiter sie aber jetzt den Wald hinter sich ließen, desto freieren Ueberblick gewannen sie über den, mit jedem Augenblick drohender werdenden Himmel, und Tomson blieb, als sie etwa die Mitte der Sandfläche erreicht, stehen, um das Aussehen der Wolken besser beobachten zu können. Da fiel sein Auge, vielleicht durch einen sich dort regenden Gegenstand hingezogen, auf den hellgrünen Rand des Waldes, und ein Ausruf der Ueberraschung entfuhr fast unwillkürlich seinen Lippen, als er gerade da, wo sie eben die Holzung verlassen, mehre in bunte Matten gekleidete Indianer erblickte, die eben den Baumschatten verließen, und langsam ihren Fährten zu folgen schienen.
Dumfry und Van Broon drehten sich rasch nach ihm um, die dunklen Gestalten traten aber zu deutlich aus dem lichten Hintergrund hervor, als daß es noch einer Erklärung bedurft hätte. Van Broon wollte sich denn auch, sowie sein Blick nur auf den Federschmuck der Krieger fiel, ohne weiteres davon machen, Dumfry aber erfaßte seinen Arm und flüsterte ihm schnell und heftig zu:
»Halt, Sir, keine Uebereilung – wenige hundert Schritt von hier entfernt liegt unser Boot, fliehen wir jetzt, so erregen wir Verdacht, gehen wir aber ruhig fort, bis wir nur erst die Büsche zwischen uns und jenen haben, so gewinnen wir entweder hinlänglichen Vorsprung uns einzuschiffen, oder – wir haben Feuergewehre genug, jene kleine Schaar unschädlich zu machen. Langsam, Gentlemen, langsam sehen Sie, dort vorne – ha!« schrie er und riß sein Gewehr entsetzt empor, denn auch vor ihnen, gerade dort, wohin ihr Weg gerichtet war, und wohin er deutete, theilten sich die Büsche, und sieben oder acht braune, trotzige Gestalten, mit Büchsen und Streitkolben bewaffnet, ja Einzelne sogar mit der, ihm nur zu gut bekannten, langhaarigen Kriegsmatte bekleidet, traten ihnen entgegen, und hielten somit genau den Pfad besetzt, der sie allein zu ihrem Boote führen konnte.
Van Broon stieß einen Schrei des Entsetzens aus, Tomson aber, der schon aus dem Benehmen Dumfry's ersehen hatte, daß ihnen in der That mehr Gefahr drohe, als dieser eigentlich gestehen wollte, griff nach seinen Pistolen, untersuchte, ob die Zündhütchen noch festsäßen, rückte den Griff seines Cutlaß ein klein wenig mehr nach vorn, und schien dann ruhig den Erfolg abwarten zu wollen. Dumfry selbst war wohl ebenfalls nur durch die erste Ueberraschung außer Fassung gebracht, denn auf ein Zusammentreffen mit Indianern hatte er sich ja schon durch seine angenommene Tracht vorbereitet; fester nur zog er die Matte über sein Gesicht nieder, flüsterte seinen beiden Begleitern leise Muth zu, und schritt dann, die Richtung ein klein wenig verändernd, der äußersten Waldspitze zu, um, wenn die Indianer ihre Jölle etwa noch nicht gefunden hätten, wenigstens nicht selbst zu voreilig deren Lage zu verrathen. Hatte er aber zugleich gehofft, von den Eingeborenen unbeachtet zu bleiben, so sah er sich darin jedenfalls getäuscht, denn diese wandten sich, sobald sie seinen veränderten Curs bemerkten, ebenfalls langsam der Waldspitze zu, und Dumfry, der nun wohl fand, daß er nicht im Stande sein würde, ihnen auszuweichen, suchte jetzt nur so unerschrocken als möglich aufzutreten. Hielten ihn die Neuseeländer, was auch von vornherein seine Absicht gewesen, für einen, unter dem Tabu stehenden Führer der Weißen, so hatten sie nichts zu fürchten, denn noch waren diese uncivilisirten Stämme zu wenig mit Weißen in Berührung gekommen, die Pflicht der Gastfreundschaft gegen Fremde ganz vergessen zu haben.
Rasch näherten sie sich den Insulanern, die nun ihrerseits die drei Fremden ruhig erwarteten; Dumfry aber, so keck und zuversichtlich er früher gewesen schien, schrack doch, als er nahe genug kam, die Züge des Häuptlings zu erkennen, augenscheinlich zurück und sprach, anstatt die erste Begrüßung diesen Herrn des Bodens zu geben, kein einziges Wort. Die Wilden ihrerseits, die, hier noch dazu in der Mehrzahl, eine solche Artigkeit wohl erwarten zu können glaubten, schwiegen ebenfalls und Tomson, durch Dumfry's Betragen zuerst überrascht, trat endlich vor, streckte dem, den er für den Häuptling hielt, die Hand entgegen und sagte mit seinem offenen und ehrlichen Ton:
»Gott zum Gruß, Gentlemen, ich weiß freilich nicht, ob Sie englisch verstehen, thut aber auch nichts – werden schon wissen –«
»Sei der Gruß so treu gemeint, wie er klingt!« erwiederte, zu des Seemanns unbegrenztem Erstaunen, der Wilde nicht allein in ziemlich reinem Englisch, sondern auch noch sogar mit einem leichten Anflug irischen Dialekts, und ergriff dabei die dargebotene Rechte.
Es war eine hohe, stattliche Figur dieser Häuptling der neuseeländischen Krieger – sein braunes, von funkelnden, sprechenden Augen belebtes Antlitz durchzogen die regelmäßig, ja fast zierlichen Linien, die des Tättowirers Hand darauf zurückgelassen; sein Haupt schmückten rechts und links die mächtigen Flügel eines schwarzen Falken, und die rauhe Kriegsmatte hing ihm weit nach vorn über die linke Schulter und den Rücken hinab, daß nur der rechte, nackte Arm frei und unbehindert blieb. Einzelne weiße Albatroßfedern trug er in den Ohren, um den Nacken aber das Amulet seines Stammes, den grünen Teiki[16] mit seinen rothen, glänzenden Augen. Das Haar hing ihm, wie das auch theilweise auf den Inseln Sitte ist, lang und glatt über den Nacken herab, und seine Füße waren – ein nicht seltener Tauschartikel nordamerikanischer Wallfischfänger – mit buntgestickten Moccasins bedeckt, die vielleicht eine junge Squaw,[17] weit in den fernen Prairieen Amerikas gearbeitet, ohne daran zu denken, daß sie die Füße eines tausende von Meilen entfernten Kriegers schmücken sollten.
[16]: Die Neuseeländer lieben, wie fast alle wilde Nationen, den Putz, und schmücken besonders gern Kopf und Ohren, wie ihre Waffen, Häuser und Begräbnißplätze mit bunten, wehenden
Federn; der kostbarste geachtetste Zierrath aber ist eine kleine, eigenthümliche Figur, Teiki genannt, die einen wunderlich gestalteten Mann mit großen rothen Augen vorstellt. Dieser Schmuck wird aus einem besondern grünen Stein geschnitten, und für einen Amulet, daher auch für ungemein werthvoll gehalten, und selten trennt sich ein Eingeborner von solchem Heiligthum, das als Erbstück gewöhnlich in den Familien bleibt. [17]: Nordamerikanische Indianerin.
Seine Begleiter waren sämmtlich mit Feuergewehren bewaffnet, er selbst aber trug nur an seinem Handgelenk den Mirei, und zwar aus einem einzigen Stück eben des kostbaren, grünen Steines geschnitten, aus dem auch das, an seinem Nacken hängende Amulet bestand, während er in der Rechten den Häuptlingsstab[18] hielt, der mit seinem wunderlich geschnitzten Kopf, den rothen Papageifedern und Büscheln von Hundehaaren von weitem einer jener alten Hellebarden glich, aber keineswegs als Waffe bestimmt schien, sondern nur die Autorität des Führers bezeichnen sollte.
[18]: Dieser Stab, von den Neuseeländern I Henei genannt, ist ein eigenthümliches, fast scepterartiges Emblem der Häuptlinge. Er besteht aus hartem Holz, und trägt als Knopf ein grotesk geschnitztes Gesicht mit ausgestreckter Zunge – was den Trotz gegen die Feinde bedeuten soll – die Augen sind aus kleinen Stücken Perlmutter hergestellt, und rothe Papageienfedern und Büschel von Hundehaaren umwehen ihn. Dieser Stab wird sowohl im Krieg als am Berathungsfeuer geführt, und zwar jedesmal dem Häuptling übergeben, der gerade das Wort führt. Er behält ihn dann hoch in der Hand und läuft damit vor den ihm aufmerksam Zuhörenden, im Eifer seiner lebendig ausgestoßenen Worte, auf und ab.
Während er dem Europäer die rechte Hand reichte, ließ er diesen Stab gegen seine Schulter fallen, und nahm ihn erst wieder auf, als er einen Schritt zurücktrat, und seine Augen jetzt fest auf den angeblichen Indianer geheftet hielt, der jedoch, seinen Kopf ebenfalls erhoben, die Büchse, wie nachlässig, in der Biegung des linken Armes, doch zum augenblicklichen Dienst bereit, trug, und nur einmal leise das Haupt wandte, um zu sehen, ob sich die übrigen Indianer ebenfalls zu ihnen gesellt hätten. Diese waren kaum noch hundert Schritte zurück, und einige von ihnen zogen sich langsam nach dem Meeresufer hinab. Die Weißen wurden auf diese Art von den dunklen, drohenden Gestalten rings umzingelt, und durften an Flucht nicht mehr denken; es galt jetzt nur noch, das Spiel, was sie begonnen, fest und ernst zu Ende zu führen.
Da brach der neuseeländische Häuptling zuerst das Schweigen, er stützte sich auf den Henei, den er in der Hand hielt, und sagte, während er die Blicke fest auf den falschen Indianer heftete, in der Sprache der Maories:
»Deine Hand ist bewaffnet, aber Dein Antlitz verhüllt, – braucht das Haupt, das der Tabu beschützt, die feindliche Wehr? fürchtet mein Bruder, daß ein Maori die Keule gegen ihn zücken werde? oder kennt er die Gesetze des Landes nicht? – Ein M a o r i ist sicher!«
»Wohl kenn' ich die heiligen Gesetze« erwiederte der Verkleidete, und die Stimme drang unter der vorhängenden Matte dumpf hervor – »ich habe Nichts zu fürchten, und nur als Begleiter dieser Weißen trage ich die Waffe – kein Freundesblut klebt an meiner Hand, und daheim in meinem Pah stehen die Schädel meiner Feinde – ein Maori ist sicher!«
»Das lügst Du, f a l s c h e r Maori!« schrie da plötzlich, sich zu seiner vollen Höhe erhebend, der wilde Krieger, und schwang den Stab, den er in der Rechten hielt – »Bleicher Verräther! wirf die heilige Hülle ab, die Dir nicht gebührt – zu Boden mit Dir, Mac Donald – Mörder Deines Weibes, zu Boden, denn die Stunde der Rache hat Dich ereilt!«
Wie von einem jähen Strahl getroffen, schrack der entlarvte Verbrecher, als die ersten zürnenden Laute sein Ohr erreichten, zusammen. – Ve r l o r e n – das Blut schoß ihm in eisiger Kälte zum Herzen, – aber es war nur ein Augenblick, was hatte er auch jetzt noch zu wagen, wo A l l e s auf dem Spiele stand.
»Zu mir, Tomson!« schrie er, und mit Blitzesschnelle fuhr die Büchse empor – ein Moment, und der scharfe, blendende Strahl zuckte aus dem Lauf – harmlos aber zischte die Kugel über dem Kopf des Häuptlings hin in die Luft, denn dieser, die Absicht des Feindes schon vorherahnend, traf mit seinem langen, gewichtigen Stab das Rohr von unten, und schlug es gerade im entscheidenden Augenblick empor. Tomson riß jetzt zwar auch mit der Rechten seinen Cutlaß, mit der Linken die eine Pistole hervor, von allen Seiten warfen sich aber die Eingeborenen über ihn, und während die Nächsten gegen Mac Donald anstürmten, und ihn zu Boden schleuderten, faßten und umschlangen die Uebrigen den Seemann und seinen, schon vor Angst halbtodten Gefährten, banden ihnen die Hände auf den Rücken, und nahmen ihnen Alles ab, was niet-und nagellos an ihnen war.
Mac Donald kämpfte aber wie ein Rasender – den Tomahawk hatte er, als er seine Kugel vergeudet sah, aus der Scheide gerissen, und der Streich, den er damit gegen den, auf ihn eindringenden Häuptling führte, wäre jedenfalls für diesen verderblich geworden, hätte nicht in demselben Augenblick der Schlag eines Patu[19] seine Stirne getroffen, und ihn besinnungslos zu Boden geworfen.
[19]: Der P a t u ist ebenfalls eine beliebte und fürchterliche Waffe der Insulaner. Er besteht aus leichtem Holz, ist etwa vier Fuß lang und hat oben eine beilartig geschärfte Kante. Der Kopf ist, wie bei dem Henei, mit Federn und Haarbüscheln geschmückt.
Noch im Stürzen griff er nach dem Fell, das er bis dahin, von dem Tapamantel verdeckt, bei sich getragen, des Häuptlings Faust lag aber an seiner Kehle, und als dieser die Matte von seinem Antlitz riß, und die wilde, ihn umdrängende Schaar d e n erkannte, den sie als ihren Todfeind geächtet und verfolgt, da stieg jauchzendes Triumphgeschrei in die Lüfte, und der Führer mußte seinen Stab über das Opfer legen, daß die gerechte Rache nicht dem entzogen würde, dem sie gebührte.
Tomson, der in Kampf und Ueberfall, ja sogar in der eigenen Noth und Lebensgefahr, in der er selbst sich befand, doch nicht das immer drohender werdende Firmament vergessen hatte, und ängstlich dabei seines armen Fahrzeugs gedachte, rang noch wüthend mit denen, die ihn hielten und bewachten. Der Häuptling aber, als er den eigenen Feind in sicherem Gewahrsam sah, schritt auf ihn zu, legte die Hand leicht auf seine Schulter und sagte, während ihm der Seemann mit finster drohendem Blick ins Auge schaute.
»Fürchtet nichts, Sir. – Nicht Ihr habt die Gesetze unseres Landes gebrochen und mit Füßen getreten, wie es Jener that. Er l o g , als er Euch sagte, daß er nur Einen der ihm feindlich gesinnten Häuptlinge im offenen Kampfe erschlagen. Er log, als er sich unter Heki's Schutz erklärte, denn ich bin Heki selbst, und keinen grimmigeren Feind hat er auf dieser Welt, als mich. Aus dem, durch das Gesetz des Tabu geheiligten Platz stahl er das Eigenthum seines, durch ihn schändlich gemordeten Weibes, und wie ein feiger Verräther entfloh er damals der gerechten Strafe. Er l o g auch, als er sich für den Eigenthümer, auch nur eines Fuß breit neuseeländischen Bodens erklärte – dem G a t t e n meiner Schwester gehörte es, nicht ihrem M ö r d e r . Nur zu gut kannte er aber unsere Sitten, und vielleicht wäre es ihm gelungen, unter dem Schutz desselben Glaubens, den er zu gleicher Zeit brach und schändete, seinen Raub in Sicherheit zu bringen, hätte ihn nicht sein Etuë[20] selbst in die Hand der Rache gegeben. Nur ihm gilt jetzt unser Zorn. Ihr dagegen mögt in kurzer Zeit ungehindert zu Euerem Fahrzeug zurückkehren; doch hütet Euch, neuseeländischen Boden wieder zu betreten.«
[20]: Die bösen Geister der Neuseeländer.
Tomson, obgleich aufs Aeußerste erstaunt, wie der Neuseeländer Alles das wissen konnte, was sie doch an Bord seines eigenen kleinen Kasuar verhandelt, war dennoch gerade jetzt viel zu sehr mit diesem selbst beschäftigt, um irgend einem anderen Gegenstand einen mehr als flüchtigen Gedanken zu zollen.
»Ungehindert?« rief er trotzig, und schaute mit wildem und doch besorgtem Blick nach dem südlichen Horizont hinüber – »seht dort das aufsteigende Wetter an, und sagt dann noch einmal, daß es ungehindert geschehen wird. Seeschlangen und Eisbären! wenn der Sturm dort unser kleines Fahrzeug an jenen verdammten Riffen überrascht, möchte ich keinen Schilling für Alles, was an Bord lebt, geben.«
»Will Euch Euer Gott strafen, daß Ihr den Frieden dieses Landes gebrochen,« sagte der Wilde ruhig, »was kümmert das mich. Ich war es nicht, der Euch hierhergerufen.« Und ohne die Gefangenen weiter eines Blickes zu würdigen, wechselte er einige Worte mit seinen Leuten, und schritt diesen langsam voran in das Dickicht, wohin ihm die Schaar, die Gefangenen in der Mitte, folgte.
Die Sonne sank – im Westen deckten nur leise, purpurne Dunstschleier den Horizont, düster aber und schwarz von dem Wiederglanz der scheidenden Strahlen, thürmten sich im Süden immer dichtere, undurchdringlichere Wolkenmassen empor. Was der Tag und die sengende Gluth seines Gestirns bis dahin niedergehalten, quoll jetzt in nicht mehr dämmbarer Gewalt höher und höher. Aber nicht rasch stürmte es herbei, wie die jähen Gewitter des Golfstroms, mit ihren daherjagenden Böen und Wirbelstößen, langsam kämpfte es seine Bahn herauf, gegen den heißen Nord, langsam aber sicher gewann es sich jeden Fuß breit Bahn, und die Wasser der Bai, als ob sie den nahen und fürchterlichen Kampf der Elemente ahneten, schmiegten sich leicht zitternd an das Ufer an, und hoben nur manchmal, in kleinen, ängstlichen Spritzwellen die Häupter, um zu sehen, ob der gefürchtete Gegner noch nicht nahe, und sie aufrüttele aus ihrer stillen, friedlichen Ruhe.
Delphin und Schwertfisch zogen sich in ihre dunkle Tiefe hinab, und das Albatroß selbst suchte, die schweren, mächtigen Fittiche hebend, den Schutz des festen Landes, während nur noch »Mutter Careys Küchelchen,« die flüchtige Sturmschwalbe der Meere, in leichten Kreisen über die Wogen strich, und mit den nach ihr aufspritzenden Wassern zu spielen schien.
Rasch, wie der Tag entstanden, sank er in Nacht zurück, graue Dämmerung, durch all' die schwarzen, empordrängenden Nebelschichten nur noch unheimlicher und düsterer gemacht, hüllte bald den stillen Wald in ihren grauen Schleier, und Meer und Luft verschmolzen zu einer ununterscheidbaren Masse.
Nur der leuchtende Schaum einzelner Wellen stach weiß und geisterhaft gegen seinen dunklen Hintergrund ab, und durch das leise, kochende Gähren und Brausen, aus all' der Nacht und Finsterniß hervor, strahlte das helle, einzelne Licht des fernen Schooners, während drei, rasch nach einander abgefeuerte Schüsse die fernen Freunde vor der nahen drohenden Gefahr warnten.
Da glitt aus der sicheren, schmalen Mündung des Ta-po-kaï, zwischen den weit überhängenden, schaukelnden Zweigen vor, eines der langen, scharfgebauten, neuseeländischen Canoes, deren Führung die Eingeborenen mit so meisterhafter Hand zu leiten wissen. Acht Männer saßen an den Rudern, doch mit den Gesichtern nach vorn, und die Ruder frei in den Händen, während Heki, seinen Stab noch immer in der Rechten, mit der Linken dagegen das hohe, mit Albatroßfedern gezierte Steuer regierend, aufrecht im Stern des Canoes stand und den Lauf des flüchtigen Bootes lenkte. Im Boden desselben, und dicht vor dem Häuptling, lagen drei dunkle gebundene Gestalten, aber kein Wort kam über ihre Lippen, schweigend starrten sie zu dem, drohend über ihn ausgespannten Firmament empor, und ebenso lautlos tauchten die Eingeborenen ihre Ruder in die nur leise zischenden Wogen, über die sie mit Pfeilesschnelle dahinschossen.
Es war Ebbe und die Strömung trug sie ihrem Ziel gerade entgegen, doch hielt der Steuernde nicht gerade auf das Licht zu, sondern ließ dasselbe eher zur rechten liegen, als ob er durch den engen Kanal in die offene See hinausfahren wollte. Tomson mußte auch wohl einen solchen Verdacht gefaßt haben, denn er hob mehre Male ängstlich den Kopf und starrte nach seinem Fahrzeug hinüber; endlich konnte er es aber nicht länger aushalten, und versuchte sich mit einem leise gemurmelten Fluch emporzurichten. Da wandte sich der, dicht vor ihm kauernde Insulaner rasch nach ihm um, und das drohend gehobene, schwere Ruder verrieth nur zu deutlich, was ihm bevorstehe, wenn er sich jetzt einer Macht nicht geduldig füge, der er doch keinen Widerstand zu leisten vermochte. Van Broon lag, halbtodt vor Angst und Entsetzen, neben ihm – wer aber konnte die dritte, regungslose Gestalt im Boote sein? Hatten die Wilden ihrer Rache wirklich entsagt, oder – großer Gott, war es gar d i e L e i c h e Dumfry's, die sie – nein, der Körper lebte und bewegte sich, doch weiter vermochte der Seemann Nichts zu erkennen. Seine Aufmerksamkeit wurde auch jetzt zu sehr auf den Schooner selbst gelenkt, denn der Bug ihres Canoes neigte sich plötzlich diesem zu, und hielt gerade darauf hin.
Jetzt schienen aber auch die Geister des Sturmes zum ersten Mal die Fesseln zu brechen, die sie bis dahin in Schranken gehalten; ein greller Blitz erleuchtete mit fast mehr als Tageshelle das südliche Firmament, die hochaufkochenden Wasser, und während noch der Donner in weiter Ferne nachrollte, kam der brausende Orkan jubelnd und jauchzend über das Meer daher, griff wie im Spiel die zurückschreckenden Wogen auf, und trug ihren glänzenden, funkelnden Schaum hoch mit sich in die wirbelnde Luft hinein.
Das Canoe arbeitete sich indessen mit rasender Schnelle durch und über den gährenden Schaum hin, der die ganze See bedeckte. Schon konnten sie die dunklen Umrisse des Kasuar selbst erkennen, und in dem nämlichen Augenblick, als ein zweiter blendender Strahl sein weißes Licht über das Meer goß, glitt es dicht an die Bulwarks des, noch vor seinem Anker reitenden Schooners hinan. Im Nu war es am Bug desselben befestigt, und die wachthabenden Matrosen fuhren entsetzt empor, als plötzlich, wie der stürmischen Tiefe entstiegen, dunkle, geisterhafte Gestalten an ihren Bord sprangen. Wohl griffen sie, kaum etwas anderes, als einen nächtlichen Ueberfall der Wilden ahnend, und zum Tod erschreckt, zu Allem, was ihnen nur als Wehr und Waffe unter die Hände kam. Ehe sie aber selbst im Stande waren, das recht zu begreifen, was um sie her vorging, erschütterte plötzlich ein heftiger Stoß den zitternden Schooner bis in seinen Kiel hinab. Zu gleicher Zeit, ja fast in demselben Moment, gellte ein wildes, dämonisches Jubelgeschrei in ihre Ohren, und der dunkle Schatten des schlanken Canoes schnellte plötzlich wieder von ihrem Fahrzeug zurück, in die weiße, zischende Fluth. Trotzig bäumten sich die in zürnendem Unmuth anwachsenden Wogen darum her, und griffen mit den zerrinnenden Armen danach, doch unberührt von dem Allen, und still und regungslos, wie sie gekommen, stand die hohe, dunkle Gestalt am Steuer, die Ruderer arbeiteten, und das Canoe schoß, wie von Geisterhand getragen, durch den aufgerüttelten Grimm des tobenden Elements.
»Hülfe!« ächzte in diesem Augenblick Van Broon, der durch das Steigen des Schooners von dem Platz wo er lag, gegen die Bulwarks angeworfen wurde und jetzt nichts anderes glaubte, als er läge schon über Bord – »Hülfe – Hülfe!«
Die Matrosen trauten kaum ihren Sinnen, als sie die bekannte Stimme hörten, der Ruf ihres Capitäns riß sie aber bald aus ihrem ersten stummen Staunen.
»Alle an Deck!« schrie er. »Alle an Deck, und hier – Bill, Ned – Bob – Donnerwetter ist keiner der Hallunken da – bindet uns los hier – verdamm Euere Augen, hört Ihr nicht?«
Rasch sprangen die ihm nächsten hinzu, und wenn sie auch nicht begreifen konnten, was hier vorgegangen, ja kaum, wie ihr Capitän eigentlich an Bord gekommen sei, so ließ ihnen die Gefahr des Augenblicks doch keine Zeit zu Fragen und Erstaunen – hier galt es nur zu handeln, und schnell banden sie die Stricke los, mit denen die drei Gefangenen umwunden waren. Da erhellte wiederum ein zuckender Strahl das Meer – Tomson's, wie fast aller Uebrigen Blicke fielen neugierig auf die dritte Gestalt, die noch immer laut- und regungslos zwischen ihnen stand, und das Erstaunen läßt sich denken, mit dem sie fast zu gleicher Zeit ausriefen – »Ned – der Sträfling!«
Obgleich nun Tomson allerdings nicht begriff, wie der Sträfling sowohl ans Ufer, als auch in ihr Boot gekommen sein könne, so wurde ihm doch jetzt auch plötzlich klar, daß es eben dieser Bube sein müsse, der sie verrathen und ihren Feinden überliefert hätte. Die Sorge um sein Fahrzeug ließ ihm aber für den Augenblick keine Zeit zu solchen Betrachtungen.
»Segel los« – schrie er – »Pest und Teufel, wir treiben – die heillosen Schufte haben unser Ankertau durchgehauen – steht bei dem Gaffelsegel, ihr Leute – die Brefock auf – steht bei, sag' ich – Schufte die Ihr seid« – und rasch, unter wild gegebenen Befehlen und Flüchen sprang der würdige Seemann selbst ans Steuerruder, während die Matrosen, in der eigenen Gefahr Alles übrige um sich her vergessend, nur den Schooner vor dem ihm drohenden Verderben zu bewahren suchten.
So rasch die Fluth nämlich, als sie an diesem Morgen in die Bucht eingelaufen, das enge Felsenthor landeinwärts durchströmte, so reißend schoß auch jetzt, noch von dem wirbelnden Wind getrieben, die Ebbe hinaus, und das kleine, schaukelnde Fahrzeug, das in der letzten Minute den Felsen näher und näher getrieben war, fühlte kaum den Druck des Segels, unter den es das schnell gerichtete Steuer brachte, als es sich auch im wilden Ansprung auf die nächste Woge schwang, und jetzt, von Strömung und Wind begünstigt, rasend schnell durch die Fluth dem gähnenden Thor entgegen brauste. Kaum noch hundert Schritt war es von diesem entfernt – deutlich konnten sie das wilde Anstürmen der Wogen erkennen, die sich wie feurige Strahlenkämme an seinen starren Häuptern brachen – jetzt schien es, als ob der zitternde Schooner, mit vollem, gewaltigen Anlauf, toll und wild gerade hinanstürmen wolle auf den Felsenkamm, der ihn zerschmettert der Tiefe zusenden mußte. Die Mannschaft stand unthätig am Bug – die nächste Secunde sollte ihr Schicksal entscheiden, und nur noch wenige Klaftern Seeraum trennte sie von ihrem Tod. Dicht vor ihnen ragte der Fels empor, und das Schiff – ha, es neigte sich ab – großer Gott, jener scharrende Laut, der das Herzblut der Männer stocken machte – es war die Seitenwand des Kasuar im vorbeischnellenden Druck an der Steinsäule des linken Thores. – Und der Schooner? – frei und frank schoß er von der nachdrängenden Fluth gehoben, in die offene See hinaus, dicht hinein in das enggereefte Segel legte sich der nachdrängende Sturm, und wie dem Element angehörig, tanzte das wackere, kleine Seeboot gerettet auf dem wogenden, zürnenden Meer.
Noch hatten sich die Matrosen nicht von der fürchterlichen Angst des Augenblicks erholt – noch standen die Leute still und regungslos an ihren Plätzen, und wagten es kaum zu glauben, daß die Gefahr jetzt wirklich vorüber sei, denn die offene See fürchtete keiner, da rief sie aufs Neue Tomson's Stimme zu den eben vorübergegangenen, aber in der Gefahr des Augenblicks schon fast vergessenen Scenen zurück.
»Bindet den Schuft – den Ned, und werft ihn in den Raum hinunter – Du Bob, nimm hier das Steuer, bis ich einen Anderen der Leute herschicke. Hallo – wo ist Van Broon – wo ist der Holländer, hat ihn die Angst getödtet?«
Das war jedoch keineswegs der Fall; der würdige Mann hatte in der That von dem Umfang der Gefahr, die sie eben noch bedroht, keine Ahnung gehabt, sondern nur ruhig seinen Platz hinter einem der Wasserfässer behauptet, wo er wenigstens nicht durch das Schaukeln des Fahrzeugs umhergeworfen werden konnte. Seine ganze Aufmerksamkeit schien aber bis dahin ein ziemliches, ansehnliches Packet ausschließlich beschäftigt zu haben, das ihm die Insulaner, als sie ihre Gefangenen an Bord des Kasuar gebracht, in den Arm gedrückt, und dessen Inhalt er der vielen darum gewundenen Bänder wegen, noch nicht erforschen gekonnt, obgleich es ihm bei dem Leuchten der Blitze allerdings so vorkam, als ob das darumgeschlagene Fell dasselbe sei, was Dumfry auf der Insel geraubt und wegen dem sie, wie er jetzt wohl glauben mußte, die ganze unglückselige Fahrt unternommen. Sobald er übrigens Tomson's Ruf hörte, arbeitete er sich nach besten Kräften zu ihm hin, und dieser, nachdem er ihm mit kurzen Worten die Existenz des Packets, wie die Schwierigkeit es zu öffnen, angezeigt, zog rasch sein Messer und durchschnitt die Schnüre.
»Capitän,« sagte da Einer der Matrosen, der in gleicher Zeit zu ihnen trat, »Ned trägt, in ein Stück indianische Matte eingeschlagen, eine ganze Parthie Geldstücke um den Hals gebunden, will aber nicht gestehen, woher er sie hat – wollt Ihr so gut sein und sie in Verwahr nehmen?«
»Geld!« frug Tomson erstaunt, »wo mag der Schuft das aufgetrieben haben? – und dieß Packet?«
Er hatte die Bänder gelöst, schlug das Fell auseinander, und wollte eben mit der Hand nach dem Inhalte fühlen, da zuckte wieder ein heller Blitz von den grollenden Wolken nieder, und einen Schrei des Entsetzens stießen die Männer aus, denn von der dunklen Hülle umgeben, dem schwefelgelben Strahl schauerlich und graß beleuchtet, starrten ihnen die bleichen, verzerrten Todtenzüge Dumfry's entgegen.
Wild tobte der Sturm – die Wogen schäumten und brausten, und das kleine Fahrzeug kämpfte die ganze Nacht gegen den heulenden Grimm der Elemente an. Endlich dämmerte der Morgen, das milde Tageslicht beschwichtigte den Orkan, und die weißen Segel des Kasuar blähten sich der Heimat entgegen; am Starbordgangweg aber standen die Matrosen, und mit dem leise gemurmelten Gebet der ernsten Schaar sank, während eben am östlichen Horizont die aufsteigende Sonne ihr heiteres Leben über die See blitzte, das blutige Todtenhaupt des Gerichteten in die dunkle Tiefe hinab.