Das Judengrab; Aus Bimbos Seelenwanderungen
Aus Bimbos Seelenwanderungen
F r a g m e n t
V or mehreren Jahrhunderten, erzählte Bimbo, war ich der Sohn eines Scharfrichters in einer kleinen Stadt des Nordens. Damals war dieselbe frei und
mächtig, ein kleines Reich für sich, nur daß der römische Kaiser noch einige
Titular- und Ehrenrechte darin besaß, die ein Burgvogt mit Schall und Gepränge,
aber ohne etwas Wesentliches zu bedeuten und vermögen, vertrat. Mein Vater,
obgleich er der Scharfrichter war, dem niemand die Hand reichen mochte, ohne
sich mit unauslöschlicher Schmach zu beflecken, war der allerschönste Mann im
Lande und glich der furchtbaren Waffe, die er führte; denn er war groß, gerade
und schlank wie ein Schwert, mit schneidenden Blicken im Auge, und seine
Bewegungen, wenn er sich einmal bewegte, waren wie sicher treffende Blitze.
Aber, wie die Frauen sind, trotzdem ist ihm meine Mutter untreu gewesen,
nachdem ich einige Jahre auf der Welt war. Es scheint, daß sie schwach und eitel
und nicht einmal besonders schön war, aber daß sie gerade in ihrer Schwäche
und Hilflosigkeit einen großen Zauber besaß. Das Gespräch der Leute war, daß
mein Vater, als er ihre Untreue erfuhr, sie mit seinen eignen Händen erwürgt
habe, was allerdings nur ein Gerede gewesen sein kann, wie vieles andre, was
über ihn im Umlauf war. Denn weil er ein kluger Mann war und mehr wußte als
die übrigen, namentlich in der Arzneikunde und Chirurgie, glaubte man, daß er
mit Dämonen im Bunde stehe und mit ihrer Hilfe übermenschliche Dinge
verrichten könne. So sagte man zum Beispiel, es habe ihn noch niemand mit den
Augen blinzeln sehen, er bedürfe des Schlafes nicht, ja sei wohl sogar des Todes
überhoben, wenn ihm nicht die Geister, die er jetzt beherrschte, einmal den Hals
brächen. Wahr ist das, daß er Tage und Nächte hintereinander wachen konnte,
ohne darunter zu leiden, und ich erinnere mich, wie ich ihn manchmal mit
heimlichem Grauen betrachtete, ob er nicht die Augenlider bewegen würde,
ohne daß es geschah. Weiter sagte man von meinem Vater, daß er die Leute
behexen und mit dem bloßen Blick seiner Augen krank machen, ja totschauen
könne, und namentlich daß er, wen er wolle, und wäre er Papst von Rom, auf das
Blutgerüst unter sein Schwert zu bringen vermöchte, indem er denselben nur
einmal flüchtig mit der Spitze seines Schwertes berührte. Deswegen, obschon sie
seiner Hilfe in allerlei öffentlichen und heimlichen Sachen benötigten und diese
auch meistens gutwillig, wenn auch gegen reichliches Entgelt, geleistet wurde, hatten sie doch Furcht vor ihm, und die Regierung hätte sich vielleicht seiner auf
irgendeine Weise entledigt, wenn sie seiner Rache sich auszusetzen gewagt hätte.
Gegen die Untergebenen in unserm kleinen Reiche, das, viele Gehöfte
umfassend, weit außerhalb der Stadt lag, war er, soweit es die Roheit der wüsten
Knechte zuließ, großmütig und nachsichtig. Mich behandelte er sogar mit
Zärtlichkeit, wenn ich von einigen Anfällen rasender Wut absehe, die ihn bei
Gelegenheit von ein paar unbedeutenden kindlichen Vergehungen ergriff, und so
grausam er mich auch in diesen Fällen behandelte, liebte ich ihn doch abgöttisch,
ja ich hätte mir von ihm mit Freuden die Seele aus dem Leibe martern lassen.
Nur manchmal überkam mich ein Gefühl des Hasses von derselben Stärke,
nämlich dann, wenn mir zufällig, indem ich seine Hände ansah, in den Sinn kam,
daß er mit ihnen meine Mutter erwürgt hatte.
Unser Haus lag auf der Heide, die sich bis an das Meer erstreckte; vom
Hause aus konnte man es nicht sehen, wohl aber auf dem weiter nordwärts
gelegenen Richtplatze, wo es nichts als Sand gab außer einigen uralten,
verwitterten Steinen, die halb darin versunken waren. Man hielt sie für
Grabsteine vornehmer Gerichteter; denn hier war seit undenklichen Zeiten die
Richtstätte der Republik gewesen; wahrscheinlicher ist es freilich, daß das Meer
die Blöcke angeschwemmt und ebbend auf der Heide zurückgelassen hatte. Wie
dem auch sei, wir pflegten uns oft des Abends auf diese Steine niederzusetzen
und auf das glänzendschwarze Geflimmer des Meeres hinzusehen, und wenn er
dann seine Hand auf dem Steine neben mir ruhen ließ, kam sie mir zuweilen wie
eine weiße Tigerin vor, die schläft, weil sie satt von Blut ist, oder die sich
schlafend stellt und lauert, um ein argloses Opfer zu zerfleischen. Dann dachte
ich an meine Mutter, deren Bild ich deutlich vor Augen hatte und der ich selbst
innen und außen vielfach glich, und malte mir aus, wie sie sich in dem eisernen
Arme des schönen Blutmannes gekrümmt hatte, bis mir der Haß in die Kehle
stieg und ich eine verzweifelte Lust spürte, mich auf ihn zu werfen und die Ader
an seinem Halse aufzubeißen, damit er verblutete. Mein Vater sagte nie etwas
darüber, obgleich er es mir ansah, und ich glaube sogar, er hätte mir nicht
gewehrt, auch wenn ich es getan hätte. Dieser Gewaltige, der, wie man sagte,
sechs Männer mit einem Schwertschlage enthaupten konnte, daß ihre Köpfe wie
Disteln abschnellten, hätte sich von meinen schwachen Händen umbringen
lassen, so etwa wie Erwachsene stillhalten, wenn spielende Kinder mit ihren
winzigen Schlägen über sie herfahren.
Mich mächtig, berühmt und gelehrt zu machen, war der Ehrgeiz seines
Lebens, und mit dem Gelde, das er aufhäufte, ermöglichte er es, mir so viele
Bildungsmittel zuzuführen, wie den strebsamsten und vermöglichsten Menschen der Zeit zugänglich waren. Er schickte mich in andre Länder, damit ich an hohen
Schulen studierte, und ließ es sich Hunderte und Tausende kosten, daß mein
Herkommen und Stand verborgen blieben. Aber er dachte nicht etwa daran, mich
in höhere Kasten einzuschmuggeln, nein, ich sollte nach ihm Scharfrichter
werden, wie das einmal seit unvordenklichen Zeiten das Los unsers
Geschlechtes war, nur sollte ich aus Schmach und Elend heraus sie alle durch
meinen Geist überglänzen und beherrschen, auf den Knien sollten sie nachts mit
Lebensgefahr zu mir rutschen, die mich am Tage wie einen tollen Hund von
ihrer Schwelle hetzen durften. Ich freilich hatte an allen Schulen nichts gelernt
als höfliche Sitten und Herrenleben, weniger aus Faulheit als aus Torheit, die
mich den Wert der Zeit nicht bedenken ließ; im Innersten hoffte ich, es würde so
in Saus und Braus in Ewigkeit weitergehen. Dem Befehle meines Vaters wagte
ich aber nicht mich zu widersetzen, und es hatte auch etwas grausig
Verlockendes für mich, einst Blutkönig in dem einsamen Reich auf der Heide zu
werden. Nur suchte ich den Augenblick, wo ich selbst das Handwerk ausüben
sollte, hinauszuschieben, worauf mein Vater auch bereitwillig einging, weil ich
schlank und zierlich von Wuchs war und er meinte, ich müßte mich noch durch
viele körperliche Übungen auf meinen Beruf vorbereiten.
Da kam eines Tages die Gelegenheit, die meinem Vater schicklich erschien,
mich einzuführen; es handelte sich nämlich darum, einen Papageien öffentlich
mit dem Schwerte zu richten.
Herr Quarre, der kaiserliche Vogt, saß zwar bis über den Hals in Schulden,
achtete sich aber der Majestät, die er vertrat, in allem gleich, war hochmütig wie
ein Pfau und dumm wie ein Pfannenstiel, worüber die Gassenbuben auf der
Straße Spottlieder genug zu singen wußten. Um seine Lage zu verbessern und
seine Stimme im Rat zu verstärken, trachtete er nach der Hand der Tochter des
regierenden Bürgermeisters, deren lockende Güte und Holdheit sich in aller
Leute Herz schmeichelte, so daß selbst die bösen Kramverkäuferinnen auf dem
Markte sie die kleine Wonne nannten, nämlich Wunneke in jener
altniederdeutschen Sprache. In ihrer übermütigen Jugend lachte sie über den
abgeschmackten Freier, der zu allem andern ein dicker alternder Mann und
trunksüchtig war, und gab sich nicht die Mühe, ihre Verachtung seiner
ungefügen Person zu verbergen. Darüber war ihr Vater, der Bürgermeister, des
Kaisers wegen in großen Ängsten, und wenn er auch nicht daran dachte, seine
Tochter zu einer solchen lächerlichen Verbindung zu zwingen, hätte er die Sache
doch gern aufs glimpflichste geordnet.
Nun geschah es, daß Herr Quarre den Bürgermeister besuchen wollte, ihn aber nicht zu Hause fand und in guter Zuversicht die Jungfrau Tochter bitten
ließ, die auch in wenigen Minuten zu erscheinen versprach. Während er in einem
stattlichen Empfangszimmer ihrer wartete, hörte er im Nebenzimmer erst ein
Pfeifen und Knarren, dann ein Singen, in dem er deutlich die Melodie und
schließlich auch die Textworte unterscheiden konnte; es lautete nämlich:
Herr Quarre wär ein Held
Und hätt auch Gott geprellt
Ums Regiment der Welt,
Wenn nicht das Beste fehlt':
Die Grütze und das Geld.
Sogleich geriet Herr Quarre in einen brennenden Zorn, und als nun
lächelnden Mundes Wunneke ins Zimmer trat, ergoß er sich in wütenden Reden
und forderte tobend, daß ihm der Name des unverschämten Rebellen genannt
würde, der so aufreizende Lieder von sich gäbe, damit eine nachdrückliche
Strafe über ihn verhängt würde. Wunneke entgegnete sanftmütig, der Herr Vogt
werde besagten Gesang auf der Straße vernommen haben, wo man leider oft von
liederlichen Leuten die gottlosesten Dinge hören müsse. Herr Quarre blieb aber
dabei, es sei im Nebenzimmer gewesen, und ließ auch einfließen, es sei eine
helle und gewissermaßen lieblich pfeifende Stimme gewesen, wobei er drohende
Blicke auf das Fräulein schoß. Wunneke veränderte aber ihre unschuldige Miene
nicht und sagte ruhig, im Nebenzimmer sei niemand anders gewesen als
Flämmchen, der Papagei, der dort seinen Standort habe und allerdings, was sie
nicht leugnen wolle, sowohl sprechen wie singen könne, so daß es, wenn auch
unwahrscheinlich, doch nicht unmöglich sei, daß er den Unfug getrieben habe.
Herr Quarre verlangte murrend die angebliche Bestie in Augenschein zu nehmen
und wurde von Wunneke höflich in das Nebenzimmer geführt, wo auf einer
goldenen Stange Flämmchen saß, mit einem Kettlein am Fuße daran
festgebunden. Sie forderte den Vogel unter Streicheln und Liebkosen auf, zu
wiederholen, was er vorher gesungen habe; aber man vernahm nur ein leises
wollüstiges Knarren, das er von sich gab, indem er sein grüngoldiges Köpfchen
langsam an der weißen Mädchenwange rieb.
Herr Quarre hielt sich nunmehr für gefoppt und schnaubte von dannen unter
der Androhung, daß er den Bürgermeister und sein ganzes Haus wegen
Majestätsbeleidigung vor Gericht ziehen werde. Sein Zorn verdoppelte sich
noch, als Herr Schmitz, der Bürgermeister, obwohl er sich verschworen hatte,
alles zu tun, um den Gekränkten zu begütigen, sich mit Vorbringung
fadenscheiniger Ausflüchte entschuldigte, als der Vogt sich Wunneke selber zur Entschädigung ausbat. Er brachte eine Klage bei dem Rat ein, und es wurde
schleunig eine Sitzung anberaumt, bei der der Bürgermeister, als selbst beklagt
und beteiligt, den Vorsitz Herrn Muslieb, dem zweiten Bürgermeister, abtreten
mußte.
Dieser war zwar dem kaiserlichen Vogte, der beständig die Gerechtsame der
Republik schmälern wollte, so feind, wie es ihm zukam, andrerseits aber war es
ihm angenehm, dartun zu können, daß, wenn auch seine Stellung bescheidener
als die des regierenden Bürgermeisters, doch sein Name nicht minder fleckenlos
war, und er beschloß, die Gerechtigkeit alle Partei-, Privat- und Sonderinteressen
überwiegen zu lassen. Er ersuchte zunächst Herrn Quarre, das Lied vorzutragen,
das die Ursache des Prozesses war, was derselbe nicht ohne Unwillen tat;
sämtliche Ratsherren konnten nicht umhin, mit strengem Kopfschütteln sich
dahin zu erklären, daß es keine geringe Keckheit und Unanständigkeit sei, wenn
Lieder so schandbaren Inhalts in einem obrigkeitlichen Hause in aller
Fröhlichkeit laut würden. Der Bürgermeister und seine Tochter beteuerten, daß
keiner außer dem Papagei das Lied hätte singen können, und das Fräulein führte
zu seiner Entschuldigung an, daß er wahrscheinlich, am offenen Fenster stehend,
das Schelmenstückchen gehört und in seiner Torheit nachgeplappert hätte. Herr
Quarre zog dies in Zweifel, da noch nicht einmal bewiesen und überhaupt sehr
unwahrscheinlich sei, daß das dumme und eitle Tier sprechen könne, welcher
Beweis denn nun freilich auf der Stelle geleistet wurde. Indessen war
Flämmchen nicht zu bewegen, etwas andres zu sagen als: Guten Morgen,
Wunneke! Komm mit, Wunneke! Küß mich, Wunneke! welche Reden er süßlich
quäkend und unter geschwindem Augenrollen mehr als nötig wiederholte.
Daraufhin erklärte der vorsitzende Bürgermeister den Papageien für
wohlbefähigt, das Verbrechen, dessen er geziehen wurde, begangen zu haben,
und Herr Quarre, der den Vogel nunmehr zwischen Furcht und Staunen für einen
Zauberer ansah, neigte zu der Ansicht, daß er der Täter sei.
Trotzdem glaubte der Rat ohne weiteren Beweis nicht zu einem Urteil
schreiten zu dürfen, und die Herren gingen dem Vogel mit Singen und Pfeifen
eifrig zu Leibe; denn sie hofften ihn zur Wiederholung des Liedes zu bewegen,
indem sie die Melodie und ersten Worte desselben anhüben. Über diese
Zurüstungen war Flämmchen so erschreckt, daß er nur den Schnabel auf und zu
machte, ohne einen hörbaren Laut zu äußern, was Herr Quarre als Berechnung
und Verstellung auslegte. Die übrigen Herren zögerten in großer Verlegenheit,
bis das Fräulein den Vorschlag machte, es möchten einige Vertrauenspersonen
ausgewählt und beauftragt werden, Flämmchen während einer gewissen Zeit
scharf zu beobachten; denn es sei anzunehmen, falls er das Lied wirklich einmal gewußt hätte, daß er es wiederholen würde, sowie er nicht wie jetzt durch eine
hohe und majestätische Versammlung eingeschüchtert wäre. Hierauf gingen alle
mit Freuden ein, und es wurden sofort drei kundige und anstellige Ratsherren
mittels geheimer Abstimmung ausgewählt, die drei Tage und Nächte
hintereinander das Gestell des Vogels umgeben und auf alle seine Äußerungen
achten sollten. Da ihnen Reden sowie Gespräch und Gelächter jeder Art der
größeren Aufmerksamkeit wegen verboten war, vertrieben sie sich die Zeit mit
schweigendem Würfeln und Kartenspielen, das nur zuweilen dadurch
unterbrochen wurde, daß ein jeder die Ausrufungen des Papageien auf einem
Pergamentstreifen verzeichnete. Es war aber nach Verlauf der Zeit nichts
vorgefallen, was auf Flämmchens Kenntnis des bezüglichen Liedes schließen
ließ, und man hätte ihn freigesprochen, wenn sich nicht Herr Quarre mit
äußerster Wut dagegen gesetzt hätte. Ein sauberes Regiment, sagte er, das sich
von einem ausländisch aufgeputzten Vogel über das Ohr hauen lasse; er würde
die ganze Republik zusammenstampfen wie ein Äpfelmus, wenn der ihm
zugefügte Schimpf nicht an dem Missetäter gerächt würde. Nachdem
Bürgermeister und Rat eine Zeitlang in den Gesetzen nachgeschlagen und
geblättert hatten, erklärten sie einmütig, daß sie zunächst das Mittel der Tortur
versuchen müßten, um ein gutwilliges Geständnis zu erpressen.
Und so ist es gekommen, daß ich Wunneke sah. Denn trotzdem es
allgemeiner Mißbilligung unterlag, daß sie unser verfemtes Reich betreten und
einer Handlung so schauriger Art beiwohnen wollte, hatte sie sich nicht davon
zurückhalten lassen, ihren Liebling auf seinem Martergange zu begleiten. Ich
Unglücklicher stand an meines Vaters Seite, als sie in das moderige Gewölbe
eintrat, wie ein wandelnder Narzissenstrauß, wie ein Kelch aus Milchglas voller
Veilchen, mit dem ein duftendes Frühlingsgewölk in die kalte Finsternis
hineinschwebt. Ach mehr – wie vor dem ermattenden Schwimmer, der sich eben
in den unvermeidlichen Untergang geschickt hat, mitten aus dem öden
Wassermeer eine blühende Insel auftaucht, mit Orangenhainen bewaldet, denen
die Tropfen noch von den glatten Blättern rieseln, so stand sie plötzlich vor mir
und schaute mir mit lächelnden Augen ins Gesicht. Nur mich lächelte sie an,
gegen die andern bewahrte sie eine absichtliche Feierlichkeit, und vor meinem
Vater schien sie zu erschrecken; von Abscheu war nichts darin, nur Erstaunen
und Bangen. Woher wußte sie, daß meine Augen alles so sahen wie ihre?
Obgleich wir nie ein Wort miteinander gesprochen hatten, sahen wir, während
die Handlung sich entfaltete, einander an wie zwei schelmische Kinder, die eine
Falle gestellt haben und aus ihrem Versteck aufpassen, wie die Geneckten
hineintappen. Und nun ertönte das silberne Harfenspiel ihrer Stimme, wie sie zu meinem Vater sagte: „Herr Marx Grave, wollt bedenken, daß der Beklagte ein
zartes und verwöhntes Geschöpf ist, dem das Lebensfädchen leicht völlig
zerreißen könnte, wenn man allzuhart daran zerrte.“
Mein Vater antwortete laut und ernsthaft: „Die Vernunft und die Gesetze
gebieten, edles Fräulein, die Pein nicht über das Vermögen des Delinquenten
hinausgehen zu lassen. Seid versichert, daß ich es bei den ersten und
angenehmsten Graden der Folter bewenden lassen werde.“
In dem Augenblick, als das Tier meinem Vater übergeben wurde und seine
rechte Hand sich ihm mit einem schraubenartigen Werkzeug näherte, brach der
Papagei in ein lautes Gezeter aus, das sich deutlich in einige Worte zerlegen ließ,
und zwar in ebendieselben, die den Anfang des Spottliedchens über Herrn
Quarre bildeten. Dieser, der, um sich an den Qualen seines Feindes zu ergötzen,
ganz nahe bei meinem Vater gestanden hatte, triumphierte hoch und verlangte,
daß er dem überführten Übeltäter augenblicklich den Hals umdrehe. Mein Vater
entgegnete kühl: „Und wenn der Papagei Euch, Herr Quarre, das Herz aus dem
Leibe gehackt hätte und dessen geständig wäre, würde ich ihm doch kein
Federchen krümmen, bis er nach Recht gerichtet und mir in herkömmlicher
Form zur Vollstreckung des Urteils übergeben wäre.“
Herr Quarre brach in gräßliches Schimpfen aus und rief: „Hört den
Mistfinken! das Blutschwein! ich kenne euch alle, frei möchtet ihr sein und
schert euch einen Kuckuck um die Majestät des Kaisers, der euer Dreckgehirn
wie Nüsse mit dem Absatz zerknacken könnte!“ In welchen giftigen Reden ihn
aber Herr Muslieb mit ernster Höflichkeit unterbrach, indem er ihn auf das
Unbedachte seines Geschwätzes aufmerksam machte. Dem Papagei, sagte er,
werde sein verdientes Urteil gesprochen werden, ohne daß das Recht um ein
Tüttelchen geschmälert würde, danach aber werde man untersuchen, ob der
Kaiser in Wahrheit Anspruch darauf habe, eines ehrbaren Rats reichsfreier Stadt
Köpfe abschätzig zu betiteln und mit Füßen zu treten, was, soviel er wisse, nicht
einmal in der Türkei und andern üppigen Sultansländern Sitte sei.
„Wenn die Narren den hübschen Vogel wirklich zum Schwerte verurteilen,“
sagte mein Vater, nachdem sich alle entfernt hatten, „sollst du an meiner Stelle
amtieren;“ denn, meinte er, er selbst sei für solche Albernheiten zu alt, würde
auch nötigenfalls den Herren mit seiner Dienstordnung in der Hand beweisen,
daß er zu ernstem, vernünftigem Geschäft, nicht aber zu eitelm Firlefanz berufen
sei. Mir aber würde es wohl anstehen, mich bei dieser Gelegenheit zum ersten
Male öffentlich zu zeigen, denn fehlen könnte ich bei so leichter Arbeit nicht,
dagegen den Beifall von Mädchen und Toren, deren es viele gäbe, erwerben.
Gott weiß, wie mir damals Tage und Nächte vergingen. Mein Herz war wie
ein junger Falke, der unaufhörlich mit den Flügeln rauscht, um sich zum ersten
Fluge aufzuschwingen, und zwischen Furcht und ungeduldigem Mute zaudert.
Auf der Heide lag mein Leib, aber ich selbst fuhr wie eine Sturmschwalbe
darüber hinweg, schreiend und die salzige Meerluft schlingend, daß ich sie kühl
und berauschend bis in die tiefste Seele hinein fühlte. Ich sauste um den alten
Leuchtturm, schlug mit klatschenden Flügeln an sein starres Gemäuer, stürzte
mich in die brennende Pechpfanne auf seiner Zinne, peitschte mit der
schwarzroten Flamme die fliehende Luft und empfand mit Wonne, wie ich mich
dehnte, indem ich mich selber verzehrte. Dabei war ich mir wohl bewußt, wer
sie war und wer ich war, und daß ich eher die Wange des Mondes als die ihre je
mit meinen Lippen berühren könnte. Aber diese Unmöglichkeit eben erhöhte
meinen Wahnsinn, denn was mir in den Eingeweiden brauste, hätte mich vor mir
selber lächerlich gemacht, wenn es sich um ein alltägliches Lieben und Werben
gehandelt hätte. Auch war in meinem Gefühl das Bewußtsein von einer
magnetischen Kraft, die sie doch einmal an mein Herz reißen müßte, wenn ich
auch nicht darüber nachdachte, wie das geschehen könnte. Und als ich vollends
am Tage der Papageihinrichtung mein neues Amtsgewand trug, ganz aus
schwarzem Tuch, das kurze Mäntelchen, mit karmesinroter Seide gefüttert,
schwarze und rote Federn auf dem Barett, zweifelte ich nicht, daß der Himmel
sich über meiner Schönheit öffnen und Rosen auf mich herabschütten würde,
Rosen von jenseits, mit Ambrosia betaute, die ich alle der erbleichenden
Wunneke in den Schoß werfen würde.
Von weitem her sah ich den Armesünderkarren durch den braunen
herbstlichen Wohlgeruch der Heide stolpern, auf dem sie saß in ihrem
schwarzsamtenen Kleide, den Papageien an einem silbernen Kettlein haltend,
der, von dem Anblick der weiten hohen Welt und der unübersehbaren
Menschenmenge betäubt, bald in sich zusammensank als ein erlöschendes
Flämmchen, bald mit gesträubten Federn, heftig kreischend und schimpfend, auf
dem Arme seiner Herrin auf und ab lief. Ihr gegenüber saß der Propst, welcher
auf ihr Verlangen dem Sünder als Trost auf seinem letzten Gange beigegeben
war. Dies hatte sie allerdings nicht ohne Mühe durchgesetzt, denn die Räte
waren in der Mehrzahl der Ansicht gewesen, bei einer vernunftlosen Bestie sei
geistlicher Zuspruch nicht nur unnötig, sondern sogar übel angebracht. Aber
Wunneke wendete ein, wenn Flämmchen denn vernunftlos sei, dürfe man ihm
auch sein schelmisches Singen nicht zum Vorwurf machen, worauf Herr Quarre
in einen glühroten Zorn geriet, seinen borstigen Schnurrbart sträubte, daß man
an der Spitze jedes Haares ein Fröschlein hätte aufspießen können, und sagte, ohne Vernunft sei der Vogel zwar nicht, aber seine Vernunft sei des Teufels, und
wenn ihn die sämtlichen Kirchenväter mit dem Papst an der Spitze zum
Schafotte geleiteten und ihm die ganze Bibel aufsagten, würde das dem
ruchlosen Federvieh nur zu Spott und Gelächter dienen. Hierauf aber sagte der
Propst, den man nebst mehreren andern Theologen zu Rate gezogen hatte, damit
sie die heikelige Sache beurteilten, wenn dem so sei, müsse man um so mehr
dazu tun, daß der göttliche Vernunftsinn dem Teufel entrissen würde, und er
wollte sich der Aufgabe wohl unterziehen. Überhaupt, sagte er, fehlten zwar
auch dem gescheitesten Tier die vernünftigen Begriffe, weil es nicht unterwiesen
sei, aber man gebe ja auch einem neugeborenen oder gar idiotischen Kinde die
heilige Taufe, das sei eins wie das andre, man müsse eben den Heiligen Geist
spenden, wie der liebe Gott die Sonne und ein Sämann die Körner, soviel als
möglich und aufs Geratewohl, schaden könne es nicht und zuviel sei besser als
zuwenig. Auf diesen gelehrten Sermon wußte niemand etwas zu erwidern, auch
fürchteten Bürgermeister und Rat den Propst, der weit und breit großes Ansehen
genoß und die dumme, lenksame Riesenseele des Volkes in der Hand hielt.
So saßen der Propst und das Fräulein auf dem Karren und unterhielten sich
leise und lächelnd, und mir schien es, wie ich das weiße Seelengesicht über dem
schwarzen Kleide schweben sah, als führe man in feierlicher Prozession eine auf
ferner neuentdeckter Insel gefundene Wunderblume durch das Land, damit alles
Volk sie sähe und ihren Duft einatmete. Das Schafott hatte mein Vater selbst mit
hochrotem Samt überzogen, und ich eilte die Stufen hinan, als wäre ich der
Königssohn und sollte mich dem Volke zeigen. Das war auch in lustiger
Bewegung, weil es ein so seltsames Schauspiel mit ansehen sollte, und viele
Männer und Frauen hoben ihre Kinder hoch und riefen: Schau, Lütte Grave;
denn da ich wie mein Vater Marx hieß, nannte man mich zum Unterschiede den
Kleinen, das ist Lütte in jener niederdeutschen Sprache. Flämmchen hatte ich am
Kettlein auf der Hand sitzen wie einen Edelfalken, und ich fühlte meine zierliche
Schönheit ordentlich aus mir herausblühen. Wie mein Vater mich gelehrt hatte,
kniete ich mich zuerst nieder und sagte: Gott walte deiner und meiner! stand
dann wieder auf, neigte meines kleinen Schwertes Spitze dahin, wo die
Obrigkeit versammelt war, und schickte mich an, meinen Delinquenten zu
richten.
In diesem Augenblick sah ich zum erstenmal, wie schön Flämmchen war:
das grüne Köpfchen glänzte, als wäre Goldschaum darüber geblasen, und die
roten und blauen Federn im Schwanz und in den Flügeln flammten wie edle
Steine. Er bemerkte meine Bewunderung sogleich, und seine runden,
spiegelnden Augen sagten halb flehentlich, halb listig: Töte mich nicht, Lütte Grave! Willst du mich, das hübsche Flämmchen, den kriechenden Breitmäulern
da unten zuliebe umbringen? Fliegen wirst du mich lassen … Es fehlte nicht
viel, so hätte ich ihn wirklich fliegen und als ein goldenes Flämmchen in den
lachenden blauen Himmel steigen lassen; aber ich besann mich, daß er als ein
unfreier, halbbeseelter Menschengeselle auf Wunnekes Schulter zurückfliegen
und dem Tode doch nicht entgehen würde, daher entschloß ich mich und hieb
mit einem kurzen geschwinden Streich das kleine Schelmenhaupt vom Rumpfe.
So geschickt führte ich es aus, daß ich den abfliegenden Kopf mit der Spitze
meines Schwertes auffing und ihn so dem Volke zeigen konnte als Beweis der
völlig und glücklich ausgeführten Exekution. Bei diesem Anblick brach die
Menge in helles Freudengeschrei aus, die Kinder klatschten in die Hände, und
über die warme, träumende Heideluft verbreitete sich blitzschnell Jubel und
Gelächter. Die Obrigkeit trollte sich eilig und unzufrieden davon, denn sie
trauten sich nicht, der unanständigen Ausgelassenheit zu steuern; aber das Volk
wogte noch bis zum kühlen Abend auf der Heide umher, als ob Jahrmarkt wäre.
Wunneke hatte ich während der ganzen Handlung nicht einmal angeschaut,
aber gefühlt hatte ich sie, wo sie war, wie sie unter Tränen lächelte und was sie
dachte, und ihr Herz blieb bei mir zurück, und ich legte mich damit in das
blühende Kraut, seliger, als wenn es ihr schöner warmer Leib gewesen wäre.
Erst am andern Morgen flohen mir die guten Glücksgeister davon, und das
Gestrige lag unter der neuen Sonne wie ein elendes, abgegriffenes
Rumpelkammerspielwerk, das man als Kind einmal für das herrlichste Kleinod
gehalten hat. Und gerade am Abend dieses wüsten Tages kam sie. Sie kam wie
ein leichtes, flüsterndes Blatt, das der Wind vor sich her weht, und schien sich an
die Dunkelheit anschmiegen und in sie verbergen zu wollen. Ein andrer hätte sie
ohne weiteres in seine Arme genommen – denn war sie nicht fast ein Strandgut
an unsre fürchterliche Küste geworfen –, mir aber kam das nicht in den Sinn,
vielmehr hielt ich mich weit von ihr, während ich sie in unser Haus geleitete.
Auf meines Vaters Frage sagte sie, daß sie gekommen sei, um sich Flämmchens
Leichnam auszubitten, den sie begraben wolle, und unter seinem Blick errötend,
setzte sie hinzu, ihr Vater würde ihr die unschuldige Bitte ausgeschlagen haben,
darum sei sie heimlich bei der Dunkelheit gekommen.
„Habt Ihr nicht gewußt,“ sagte mein Vater, „daß Ihr des Scharfrichters Haus
nicht betreten dürft? Und daß er mit seinem Leben bezahlen muß, wenn er Euch
empfängt, bewirtet oder berührt?“
Es quälte mich, daß Wunneke nicht ein Wort zu entgegnen vermochte,
obschon sie sich Mühe gab, zu sprechen; sie starrte ihm ins Gesicht und hätte sich, glaub ich, von ihm niederschlagen lassen, ohne den leisesten Versuch zur
Verteidigung oder zur Flucht zu machen. Nach einer langen Pause fuhr mein
Vater fort: „Nehmt das zu Herzen, wenn mir oder meinem Sohne ein Haar sollte
gekrümmt werden um Euretwillen, weil es Euerm buhlerischen Leichtsinn nach
Abenteuern gelüstet, so müßt Ihr zahlen: unsre Tränen mit Euerm Blut, unser
Blut mit Eurer Seele.“ Ich war so gewohnt, mich unter dem tyrannischen Willen
meines Vaters zu beugen, daß ich mich währenddessen ganz still verhalten hatte,
dazu stand ich auch unter dem Eindrucke seiner wilden Schönheit, die sich
immer dann am prächtigsten auftat, wenn das Blut in ihm zu kochen anfing. Erst
nach einer Weile, als er sie mit einem milderen Blick musterte, in dem etwas kalt
wollüstig Abschätzendes war, gewann ich mich selbst wieder, trat vor und sagte:
„Warum erschreckst du das Fräulein, Vater, das ohne böse Absicht als eine
Bittende zu uns gekommen ist? Erlaube, daß ich ihr den Vogel suche und sie
dann wieder heimbegleite.“
Mein Vater sah mich scharf an, und ich glaube, daß er in diesem
Augenblick alles durchschaute, was ich fühlte, wünschte und hoffte, und
vielleicht auch, welchen Ausgang es nehmen würde, denn es schlich sich ein
mehr mitleidiges und vorwurfsvolles als spottendes Lächeln um seinen Mund;
aber er winkte mir nur mit der Hand, zu gehen, ohne noch einen Blick auf das
Mädchen zu werfen. Sie drängte sich an mich und folgte mir, und als wir
draußen waren, sahen wir uns heimlich lachend an und schüttelten uns wie
Kinder, die Schelte bekommen haben; dann liefen wir spornstreichs mitten in die
Heide hinein.
Das tote Flämmchen hatte ich bald gefunden und aus dem Sande
herausgewühlt, von dem es nur eben bedeckt gewesen war; danach setzten wir
uns auf das samtbeschlagene Gerüst, das in der Dämmerung hoch und
schwarzrot dastand, und blickten auf das gleichmäßig brandende Meer. Ich
erzählte ihr dunkle Geschichten von den Männern und Frauen, die seit
Jahrhunderten auf diesem Stück Heide von meinen Vorvätern waren hingewürgt
worden, die ich zum Teil in meiner Kindheit von unsern Knechten gehört hatte.
Die Seelen der Gerichteten hausten im Meere, sagte ich, die meisten hielten sich
dicht am Ufer, und wenn frisches Blut vergossen würde, schlichen sie sich
nachts heran und tränken davon in schrecklicher Lüsternheit nach dem irdischen
Leben. Die Ferne war schwarz bis auf einen weißgelben Streifen, der wie ein
einsamer Pfad über die dunkeln Berge der Ewigkeit schimmerte; aber dicht vor
uns bewegten sich vom Wasser her über das Heidegestrüpp kriechende Nebel,
die man in Wirklichkeit für geisterhafte Phantome hätte halten können. Einige
schienen verzweifelt die dünnen stehenden Arme zu ringen, während sich andre auf die Erde gekrümmt, verstohlen, ihrer verfluchten Blutgier sich schämend,
auf uns zuschlichen. Über diesen Anblick begann Wunneke plötzlich sich zu
fürchten, und ich geleitete sie in Sicherheit heim, versprach ihr aber zuvor, daß
ich Flämmchens zeitliche Überreste auf dem nächsten Gottesacker ordentlich
und lieblich bestatten wollte, was ich mir unter dem Schutze des Totengräbers,
den ich gut kannte, wohl auszuführen getraute.
Dieser gestand mir auch gleich alles zu, um was ich ihn bat, und nachdem
ich ihn in seiner Gefälligkeit noch durch ein namhaftes Trinkgeld bestärkt hatte,
wählte ich mir ein Plätzchen an der Hecke aus, wo lauter alte, verfallene Gräber
lagen, um die sich niemand mehr bekümmerte. Dort warf ich ein schmales
Hüglein auf und bepflanzte es über und über mit blühenden Astern, daß es wie
ein einziger großer Blumenstrauß aussah. Am folgenden Abend kam Wunneke,
wie sie mir aus freien Stücken angesagt hatte, und wir setzten uns auf einen halb
eingesunkenen Stein unter einer hohen Pappel, die der Wind rauschend auf und
nieder bewegte. Welke Blätter sausten in Schwärmen an uns vorüber, und
weiterhin sahen wir sie wie ein dunkles Gewölk über die bleichen Gräber jagen.
Vielleicht war die feuchte, gärende Luft voll von den Lebenskeimen aller der
Begrabenen, die seit Jahren und Jahrhunderten hier moderten, denn mir war es,
als saugten wir mit jedem Atemzuge mehr treibenden, schwellenden Drang in
uns hinein. Bis dahin hatte ich sie noch nicht ein einziges Mal berührt, und jetzt
auch hätte ich es nicht getan, wenn sie sich mir nicht selber an die Brust
geworfen und meine ehrlosen Mordknechtshände mit Küssen bedeckt hätte.
Aber trotzdem sie nun viele Abende, ich erinnere mich nicht mehr, wie
viele es waren, zu mir auf den Kirchhof kam, wurde ich immer trauriger. Ich
mußte immer darüber nachdenken, ob sie wohl zärtlicher gegen mich sei, als sie
gegen Flämmchen gewesen war, und ob sie mich wohl so innig liebkosen würde,
wenn Flämmchen noch lebte, und ob sie wohl gerade das an mich gezogen hätte,
daß ich verfemt war, und meinen Leib, so jung und schön er war, anzurühren
Schande und Tod brachte. Sie übrigens meinte es treu mit den
überschwenglichsten Liebesworten, wie sie denn ganz unfähig gewesen wäre,
Liebe zu heucheln. Alles, was folgte, war einzig meine Schuld, denn ich wußte
schon damals, was sie nicht wußte, nämlich, daß sie mich nicht liebte, mich
nicht liebte, trotzdem sie es mir allabendlich heilig beteuerte. Ein einziges Mal
hatte ich den Mut, es ihr zu sagen, worauf sie mich wohl eine Minute lang
nachdenklich und erschrocken ansah; dann stürzten ihr plötzlich Tränen aus den
Augen, und sie umarmte mich, als ob sie mich nicht mehr von sich lassen wollte.
Während ich bebend die kühle Tränenflut über mein Gesicht rinnen fühlte, sagte
sie unter Schluchzen, wie sie mich liebte, ewig, ewig nur mich, wie wenn ich ein goldener Stern des Himmels wäre, der nachts zu ihr herunterstiege, um sich von
ihr küssen zu lassen. Auf meine Frage, weshalb sie weine, wußte sie nichts zu
erwidern. Aber das war das merkwürdigste, daß ich seitdem, obwohl ich nie
mehr darauf zurückkam, noch weniger an ihre Liebe glaubte als vorher. Und daß
ich recht hatte, zeigte sich nun bald, nachdem der Totengräber mich verraten
hatte.
Der Totengräber war ein kurzes, dickes Männchen mit dickem Kopfe, nicht
böse, nicht gewinnsüchtig, nicht streitsüchtig noch schadenfroh, obwohl er lauter
Handlungen beging, aus denen man das und Ärgeres hätte schließen müssen.
Nur war er hilflos und unberaten, tappte blindlings und tolpatschig ins Leben
hinein, bis er plötzlich an ein beliebiges Steinchen im Wege anstieß, zur
Besinnung kam und nun plötzlich von unaufhaltsamer Angst überfallen wurde,
daß er eine große Unvorsichtigkeit begangen habe, in diese oder jene Falle
geraten werde und überhaupt verloren sei. In solchen Augenblicken schonte er
niemand, denn er glaubte alle samt und sonders wider sich verschworen und
konnte andre ins Verderben stürzen, während er sich für ein armes Opfer hielt,
das eben schlau genug sei, sich aus der Schlinge zu ziehen. Er hatte ein paar
runde, braunglänzende Augen, denen er den Ausdruck alles durchdringender
Pfiffigkeit zu geben suchte, obgleich er eigentlich gar nichts mit ihnen sah oder
beobachtete. Aber er wollte um jeden Preis die Dummheit, die er deutlich in sich
spürte, vor der Welt verbergen, damit er nicht übervorteilt und ausgelacht würde.
Er hatte mir damals bereitwillig die Erlaubnis gegeben, den Papagei auf
dem ihm unterstellen Kirchhof zu begraben, mir sogar geholfen, das kleine Grab
zu graben und den Hügel aufzuwerfen. Er hatte sich, außerordentlich dabei
belustigt, und wenn Wunneke kam, pflegte er mir heimliche Zeichen zu machen,
in sich hineinzukichern und sich die Hände zu reiben; ohne daß ich ihn darum
gebeten hätte, ließ er um unsertwillen die Friedhoftür länger geöffnet als
gewöhnlich und schloß sie hinter uns, kurz, er war uns in jeder Hinsicht bei der
Ausführung unsrer Zusammenkünfte behilflich. Plötzlich nun klärte ihn seine
Frau, die hinter die Sache gekommen war, darüber auf, was das eigentlich auf
sich habe und was für unübersehbare und verderbliche Folgen daraus entstehen
könnten. Denn daß ich des Scharfrichters Sohn war, wußte sie so gut, wie sie
sah, daß Wunneke ein vornehmes Fräulein war; das allerärgste schien ihr aber
merkwürdigerweise das zu sein, daß wir den Vogel in geweihter Erde begraben
hatten.
Die warnenden Reden seiner Frau erschreckten den Totengräber so, daß er
schnurstracks, um Leib und Leben zu retten, hinlief und seine Anzeige vor
Gericht machte. Er erzählte aufs glaubwürdigste, wie ich ihn mit nacktem
Schwert bedroht hätte, weil er den Greuel nicht hätte dulden wollen, wie aber
sein Gewissen ihm keine Ruhe gelassen hätte, besonders seit das feine Fräulein
in meiner Gesellschaft gewesen wäre, das leider wohl auch ein Opfer meines
Frevelmutes sein möchte. Als ich, ohne hiervon einen Verdacht zu haben,
plötzlich vor einen heimlichen Rat gestellt wurde, war ich nicht wenig bestürzt, konnte mich aber doch so weit fassen, daß ich beschloß, nichts auszusagen, was
Wunneke gefährlich werden könnte. So kam es, daß ich auf die Frage, was mich
bewogen hätte, einen ganz gemeinen ausländischen Vogel an heiliger Stätte zu
begraben, antwortete – denn es wollte mir in der Bedrängnis und Eile nichts
Besseres einfallen – das hätte ich getan, weil ich es ihm auf dem Schafott in
seiner Sterbestunde als seinen letzten Wunsch tröstlicherweise versprochen
hätte. Dies Geständnis rief ein gewaltiges Erstaunen hervor, und es wurden
Beratschlagungen veranstaltet, wie meine Worte aufzufassen wären. Viele
erinnerten sich, daß ich in der Tat mit gezücktem Schwerte einige Augenblicke
gezögert und, dem Papagei ins Auge blickend, mit dem Zuschlagen gewartet
habe, gerade als ob ich Zwiesprache mit ihm pflöge, so daß meiner Aussage
wohl Glauben zu schenken sei; wie denn überhaupt nicht wenige wegen meines
überaus hübschen und freundlichen Aussehens mir wohlwollten. Daß der
Papagei der Sprache mächtig gewesen sei und auch vernünftig habe reden
können, sei ohnehin bewiesen, meinten diese, denn sonst hätte er ja den
kaiserlichen Vogt nicht verlachen und beschimpfen können. Ob das vernünftig
reden heiße, ihn und Seine Majestät zum besten haben, grollte Herr Quarre;
worauf sich jene wieder verantworteten, daß man vernünftig, das heißt
vernünftigen Inhalts, und vernunftgemäß, das heißt den Gesetzen des Denkens
entsprechend, unterscheiden müsse. Indessen blieb man doch, selbst wenn es
festgestellt sei, daß der Papagei hätte vernünftig denken und reden können, im
Zweifel darüber, ob seine Gedanken sich auch auf das Jenseits und ein ewiges
Leben erstrecken können, welche Frage wiederum die Geistlichkeit sollte zu
entscheiden haben.
Noch sehe ich in meiner Erinnerung den Propst eintreten mit seiner hohen,
etwas gebeugten und zierlich gebauten Gestalt in den prächtigen Ratssaal, und
wie er mit seinen Feueraugen umhersah und alles ruhig und geschwinde
musterte. Halbversunken waren diese alten Augen, und die Blicke kamen aus der
Tiefe hervor wie Drachenzungen aus einer dunkeln Höhle, nur daß sie keinerlei
Gift oder Bosheit an sich hatten, aber scharf, schnell und sicher trafen sie ins
Herz. Als ich sie auf mir ruhen fühlte, nachdem man ihm meine Aussage samt
allen daran geknüpften Bedenklichkeiten vorgetragen hatte, wurde es mir ganz
wohl und glückselig zumute, und es schien mir auf einmal alles nichts weiter als
ein schönes Fastnachtsspiel zu sein, dem ich zuschauen dürfte.
Warum, begann sogleich der Propst, ohne auf dem ihm dargebotenen Sessel
Platz zu nehmen, die Hände auf den langen Ratstisch gestützt, warum sollte es
eine Sünde sein, den hübschen Papageien auf den Gottesacker zu begraben, da er
doch kein Türke, Heide oder Jude, sowie kein Henker, Selbstmörder, Hexenmeister oder Seiltänzer gewesen sei?
Der Vorsitzende erwiderte, Flämmchen sei allerdings nur ein Vogel
gewesen, aber ein von Rechts wegen geköpfter; worauf der Propst erklärte, man
müsse die Strafe anders ansehen als eine über Menschen verhängte, denn einem
Menschen würde ein so kleines Vergehen nicht mehr als einen Verweis oder eine
Ohrfeige eingetragen haben, was aber hätte man mit einem Vogel anfangen
sollen? Geld besäße er keines, und gefangen wäre er so wie so, jede Körperstrafe
würde aber in Ansehung seines gebrechlichen Leibchens ohnehin in Todesstrafe
ausgeartet sein. Also sei er eigentlich nur zufällig und aus Not geköpft und
brauchte das weiter keine Entehrung über den Tod hinaus im Gefolge zu haben.
Aber ob eben ein Vogel schlechthin würdig sei, auf dem christlichen
Friedhof begraben zu werden, das sei die Frage, wandte der Vorsitzende ein.
Wie? sagte der Propst, ob man denn nicht wisse, daß der Heilige Geist in
Gestalt einer Taube die Menschen heimsuche? Wer könne wissen, ob nicht in
jenen antipodischen Ländern, wo es vielleicht keine Tauben gäbe, der Geist
durch Papageien verbreitet würde? Jedenfalls sei erwiesen, daß ein Vogel nichts
Unreines sei, sonst würde es dem Heiligen Geist nicht belieben, hineinzufahren,
und es sei die Frage, ob nicht mancher Christ in der geweihten Erde liege, in
dem er vor aufgehäuftem Unrat nicht hätte hausen mögen noch können.
„Flausen!“ rief nun der kaiserliche Vogt, kirschbraun im Gesicht und mit
starrendem Schnurrbart, „Tiere sind Tiere und gehören auf den Schindanger,
wenn sie nicht nach Gottes Ordnung als Speise gegessen und verdaut werden.“
Jetzt aber beugte sich der Propst weit vor, so daß er dem Vogte dicht in die
Augen sah, und sagte, indem er seine feine Hand zur Faust ballte und fest auf die
Bibel legte, die zum Zwecke der Eidesleistung der Zeugen auf dem Ratstische
lag: „Es steht geschrieben im ersten Buche Moses: Und Gott sprach zu Noah, ich
richte einen Bund mit euch auf und mit allem lebendigen Tier bei euch an
Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden bei euch, daß hinfort keine
Sündflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. Meinen Bogen habe ich
gesetzt in die Wolken, der soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und
der Erde. – Gott in seiner Majestät also hat mit Vögeln und andern Tieren einen
Bund geschlossen, wie man mit Ebenbürtigen zu tun pflegt, und wir, vor Gott
nichts als Tiere, denen er mit seinem Atem ein wenig Licht in die Seele geblasen
hat, besinnen uns, ob wir einem guten Papageien zwischen andern armen
Sündern seine Ruhe lassen wollen!“
Nach einer Pause, während deren kein Wort, nicht einmal ein Räuspern laut wurde, fügte der Propst, indem er die Stimme etwas fallen ließ, gelassener hinzu,
gleichsam als einen überflüssigen Beweis ohnehin offenbarer Wahrheit: „Gott
hat den Lieblingen seiner Schöpfung, den Vögeln, das überirdische Luftreich zur
Wohnung angepriesen; sollten wir schmutzige Kriechtiere ihnen eine Handvoll
schwarzer Erde mißgönnen?“
Alle waren sehr beschämt und blickten vor sich nieder, ausgenommen der
kaiserliche Vogt, der trotzend die Augen rollte und den Mund spitzte, als ob er
pfeifen wollte, was er denn freilich doch nicht in Ausübung setzte. Der Propst
hob die Sitzung auf, indem er sagte: „Es ist dies meine erwogene Meinung, daß
Lütte Grave wegen eigenmächtiger Beerdigung des Papageien nicht zu bestrafen
sei, vielmehr sogleich der Freiheit zurückgegeben werden sollte.“
Mit diesem unschädlichen Ausgang wäre aber dem Vogte nicht gedient
gewesen, der liebte, daß auch etwas Ordentliches dabei herauskam, wenn einmal
zu Gericht gesessen wurde, und ebenso schürte der Totengräber, daß man das
angezündete Feuer beileibe nicht ausgehen lasse. Denn dieser, der von der
ganzen Verhandlung nichts verstanden hatte, war bei sich überzeugt, wenn ich
freigesprochen würde, ginge es ihm an den Hals, einer müsse das Opfer sein,
und natürlicherweise wünschte er sehnlich, daß ich es wäre. Also fingen diese
wieder an, von dem Fräulein zu reden und nachzuforschen, wer diese gewesen
sein könne, und da geschah es denn, daß Wunneke ihrem Vater alles gestand.
Nicht weil die Liebe zu mir sie überängstlich und besinnungslos gemacht hätte,
sondern weil sie hoffte, ihr Vater, der Bürgermeister, könne die ganze Sache
niederschlagen, damit nichts an den Tag käme, und es sei, wie wenn nichts
geschehen wäre. Sie hatte sich aber in ihrem Vater verrechnet; dieser war zwar
gutmütig und unentschlossen im Handeln, so daß er sich tagelang besann, bevor
er einen vorlauten Schwätzer ein Stündchen am Pranger stehen ließ, wenn aber
einmal eine Leidenschaft in ihm aufgeregt wurde, die seine schwere Maschine in
Tätigkeit setzte, war er wie eine losgeschossene Bombe, Feuer und Verderben im
Bauche, die sich nicht halten läßt, bis sie ihr Ziel erreicht und alles
zusammengeäschert hat.
Ohne zu denken, was für Folgen daraus für seine Tochter erwachsen
könnten, bezeichnete er mich als ihren Verführer, ließ mich in den Kerker werfen
und verlangte mit derselben Erbitterung mein Blut fließen zu sehen wie damals
der Vogt das des armen Papageien. Damit hatte er aber einen Gegner in die
Schranken gerufen, der mächtiger als alle war, nämlich meinen Vater.
Ich sollte ohne Sorge sein, sagte er mir, es würde mir kein Haar gekrümmt
werden, denn die Herren wüßten, sagte er, daß er auf meinem Grabe so lange Menschen schlachten und Blut vergießen würde, bis ich selbst mein Haupt aus
der Erde hübe und sagte: Ich bin gesättigt. Dergleichen wilde Prahlereien kamen
mir halb komisch, halb grausig vor, aber ich glaubte in Wahrheit, mein Vater
würde schon Mittel und Wege finden, mich zu erretten, so daß ich in aller
Gemächlichkeit dahinlebte, bis ich eines Abends erfuhr, was mein Vater im
Schilde führte und wie er, um mich zu retten, mich als erstes Opfer mit den
Füßen zertrat.
Es war der Abend, als sich die Tür auftat und Wunneke zu mir eintrat, nicht
mehr ein blühender Veilchenstrauß, den Kinder und Frauen im Triumphe
geleiten, sondern wie ein losgerissenes Blatt, vom Nordwinde hereingeblasen,
wie ein Seufzer über die Erde huschend, todmüde und ruhelos kam sie herein,
setzte sich neben mich und weinte. In einem Augenblick fühlte ich die höchste
Seligkeit, da ich sie sah, und Todesschmerz, als ich inne wurde, was mit ihr
vorgegangen war und was sie wollte. Noch ehe sie ein Wort gesprochen hatte,
wußte ich, daß sie mich nicht mehr liebte und daß sie gekommen war, es mir zu
sagen und mich um Verzeihung zu bitten. Wenn es nur das gewesen wäre! Aber
nachdem ich ihr freundlich gesagt hatte, daß ich ihr nicht zürnte, sah sie mich
immer noch mit beschwörenden Augen an, als sei das von allem das Geringste
gewesen, als sollte ich noch mehr erraten. Nichts warnte mich, nichts brachte
mich darauf; erst als sie es mir gestanden hatte, stand es hell vor meinen Augen,
als ob ich es immer gewußt hätte, daß sie ihn, meinen Vater, liebte.
Sowie er erfahren hatte, daß mein Leben in Gefahr war, hatte er es
ermöglicht, sie zu sehen und zu sprechen, hatte sie gemahnt an das, was er ihr
angedroht hatte, und ihr mit entsetzlichen, mitleidlosen Anklagen die Seele
zermalmt. Seine Forderung war, daß sie mich unter dem Schafott, wie es das
Recht gestattete, für sich zum Manne begehrte und mit mir außer Landes ginge;
für Geld, um uns draußen weiterzuhelfen, wollte er schon sorgen. Sich ihm zu
widersetzen, fehlte ihr der Mut, weniger aus Furcht oder weil sie sich im
Unrecht wußte, sondern aus sklavischer Liebe, die ihr das Mark aus den
Knochen gezogen hatte. In ihrer Not kam sie zu mir und klagte, daß sie zwar
alles tun und auch mit mir entfliehen wollte, meine Frau aber nicht werden
könnte mit der fürchterlichen Flamme für meinen Vater im Busen. Nachdem das
Geständnis einmal von ihren Lippen gekommen war, wurde es ihr sichtlich
leichter ums Herz, sie drängte sich zutraulich an mich und erzählte mir, wie alles
gekommen war, und von ihrem Zustande und Leiden, als ob ich ihr Bruder wäre.
Seine Blicke voll wütender Verachtung, seine strafenden Worte hatte sie zu
seinen Füßen aufgesammelt, die Stacheln in die Brust gedrückt, Dornenkränze
daraus geflochten und sich aufs Haupt gesetzt. Ich kann nicht sagen, wie groß mein Haß und meine Liebe war. Aber erst nachdem sie mich verlassen hatte,
kam es aus meinem Gemüt herausgequollen und überschwemmte meine Seele.
Ich preßte mich mit ganzem Leibe an die kalte Mauer und gab mich ohne
Widerstand meinem Jammer hin; unter tausend Einfällen und Gedanken kam es
mir wieder zu Sinne, wie sie meinem Vater das erstemal gegenübergestanden
hatte und wie, während sie blaß, erschrocken und ohne Worte auf ihn schaute,
sein Blick plötzlich wie mit kostenden Zungen an ihr heruntergeglitten war. Es
schien mir zweifellos, daß er darum wissen mußte. Warum hatte ich sie von mir
gehen lassen? Wußte ich nicht, daß er sie zu mir begleitet und draußen im Hofe
des Kerkers auf sie gewartet hatte? Denn wie wäre sie sonst zu mir gekommen?
Auf einmal sah ich sie deutlich mit meinem inneren Auge nebeneinander
die lange Straße über die Heide gehen. Der Wind fuhr hinter ihnen her und
lüftete den schwarzen Mantel meines Vaters, daß er wie eine Wolke über ihren
Häuptern flatterte. Sie gingen den graden unabsehbaren Weg, von dem ich als
Kind geglaubt hatte, er habe kein Ende und führe ins Jenseits; und als sie an der
Schmiede vorüberkamen, warf das Feuer einen roten Schein auf ihre Gesichter,
und ich konnte erkennen, wie sie sich mit starren verlangenden Augen ansahen.
Das alles war viel näher und springender vor mir, als wenn ich es in Wirklichkeit
gesehen hätte, die beiden heißbeleuchteten Gesichter waren so dicht, daß ich das
blanke Weiß in ihren Augen sah, und wollten sich nicht verscheuchen lassen, bis
meine Tränen hinüberflossen und sie auslöschten.
Da waren Eifersucht, Haß und Wut ganz vorbei, und ich fühlte nichts weiter
als eine grenzenlose Verlassenheit in meinem Herzen. Es schien mir, als wäre ich
mein Leben lang in diesem Kerker gewesen und hätte nie einen andern Freund
gehabt als die geduldige Spinne, die in einer Ecke des Kerkers ihr Netz hatte.
Als hätte niemand je mich freundlich angesehen, niemand mein feines Angesicht
und meinen schlanken Körper gelobt, und doch würden meinem Herzen bei der
leisesten Liebkosung glitzernde Tränen des Glückes entströmen. Es hätte klingen
können, lauter wie eine Glocke, läuten, daß die blauen Luftwellen aufgerauscht
und am roten Ufer der Sonne gebrandet wären – aber nun war es vermauert, und
niemand würde es je hören, begraben war es schon, eh noch das Todesurteil an
mir vollstreckt war.
Ich konnte somit wohl gelassen sein, als mir das Urteil verkündet wurde,
und war es wirklich im Innern so sehr, daß mir nur eine schwache Erinnerung
davon geblieben ist. Aber bald darauf kam mein Vater, dessen ich in diesen
Tagen so oft mit Bitterkeit, Fluch und Raserei gedacht hatte; kaum daß ich
seinen Schritt und seine Stimme vernahm, die mich anrief, vergaß ich alles und warf mich an seine Brust, wie ich als Kind getan hatte. Wie aus einem leichten
Schlummer heraus, hörte ich, was er erzählte: wie sie einen Scharfrichter aus
dem Nachbarland hätten kommen lassen, unter dem Vorwande, daß ein Henker
nicht könne gezwungen werden, seinem eignen Kinde den Kopf vom Rumpf zu
schlagen, daß er aber Einspruch getan hätte, weil der Ordnung nach in unsrer
Stadt Gebiet kein Richtschwert von Rechts wegen schalten dürfe als das seine,
ferner wie sie ihn fürchteten und wie ich ohne Sorge sein sollte, da er alles aufs
beste eingerichtet hätte und es nicht fehlschlagen könne. Solange er bei mir war,
glaubte ich alles Gute, aber sowie er fortging, schwand mir die Hoffnung wie ein
Licht, das einer im Lämpchen einen langen dunkeln Gang hinunterträgt;
schwächer und bleicher wird der Schimmer, bis er endlich in der Dunkelheit
verrinnt.
Ich wußte sicher, daß ich sterben müsse, und glaubte es vollends, als ich das
Folgende gesehen hatte: Am Abend nämlich vor dem Tage meiner Hinrichtung
geschah es mir noch einmal, daß ich mich von mir selber loslöste und über die
Heide ging, während mein Körper bewußtlos auf den Strohbündeln des Kerkers
lag. Ich ging schnell und trotzdem langsamer als der graue Schatten einer Wolke,
der vor mir her lief. Sie flog, als wenn ein Sturm sie vor sich her bliese, obwohl
es ganz windstill war; nur weiter weg, wo das Meer war, pfiff ein dunkles
Sausen. Ich fühlte mein kleines furchtsames Kinderherz in der Brust, das vor
vielen Jahren so angstvoll geschlagen hatte, wenn ich abends allein die lange
Straße gehen mußte, und freute mich so wie damals, als ich ein Licht vom Hofe
meines Vaters in der Ferne erblickte. Indessen war es, als ich näher kam, das
Feuer der Schmiede, das ungewöhnlich hoch brannte, und wie ich neugierig
hinzutrat, sah ich meinen Vater davorstehen und sein großes Schwert schärfen,
während der Schmied mit der Zange die Glut schürte. Ich wußte wohl, daß mein
Vater das Schwert für mich gebrauchen wollte, aber das kümmerte mich nicht;
ich starrte ihn nur bewundernd an, wie schrecklich schön er aus diesem
Höllenscheine ragte. Erst als mein Blick auf seine Hand fiel, die mit dem
Hammer mitten durch die Flamme fuhr und aussah wie von Blut überströmt,
kam es mir in den Sinn, daß er mit derselben meine Mutter erwürgt hatte und
nun mich, ihr armes Kind, töten wollte, und Haß und Rache stiegen in mir auf,
so heftig und plötzlich, daß ich fast die Besinnung darüber verlor. Zugleich
wußte ich aber auch, daß, so nah ich auch bei ihm stand, mein Vater mich nicht
sehen konnte, ebensowenig wie ich ihn hätte anreden oder berühren können, und
in diesem Gefühl von Ohnmacht brach ich in Tränen aus, die mir wie das
erstemal das Bild auswischten.
Am andern Morgen erwachte ich mit einem ungeduldigen Freudengefühl, weil ich nun Erde und Sonne wiedersehen sollte; was danach kommen würde,
lag außerhalb meines Bewußtseins, und sowie mein Geist diese traurige
Schattenregion betrat, schauderte er zurück, um sich wieder im Lichte zu baden.
Was für ein Tag war es aber auch! Die Sonne war wie ein riesiger Springbrunnen
am Himmel, der die Erde mit goldenem Schaumwein überflutete, so daß nicht
nur die Menschen, sondern alles bis auf die Steine herab davon trunken war. Das
Himmelsgewölbe glich einem blauen gläsernen Pokal, angefüllt mit dem
funkelnden Safte der süßesten Sonnentrauben, damit die körperlosen Geister
drüben sich den Rausch ewiger Seligkeit daraus tränken. Es war mir klar, daß die
Menschenmenge, die die Heide erfüllte, nur deshalb hier zusammengelaufen
war, um an diesem Festwein, den der Herrscher umsonst fließen ließ, sich satt zu
trinken. An meiner Seite war der Propst, und am Wege stand der Totengräber,
kläglich weinend und mit dem dicken Kopfe nach mir nickend, den ich wohl
freundlich grüßte, aber ohne das mindeste dabei zu empfinden; denn meine
Gedanken waren beschäftigt, auszumalen, daß ich, wenn ich da oben auf dem
Gerüst stünde, das Meer überblicken würde. Ich hörte es schon rauschen und
dachte, es erwartete mich, und wenn wir uns erblickten, würde es ein
Wiedersehen geben, daß die Erde davon erzitterte. Wie ich nun die Stufen
hinangesprungen war, sah ich es liegen; schwarz, denn während der Wind zu
Lande nur mäßig ging, wühlte er mitten ins Meer hinein; aber durchsichtig
schwarz wie Menschenaugen, und zuweilen loderte eine grüne Flamme in den
blanken Wasserleibchen hinauf. Die Kähne, die am Ufer lagen, flogen auf und
nieder, und man hörte das Klirren der Ketten, mit denen sie angebunden waren,
durch das Brüllen der Brandung.
Am höchsten gingen die Wellen da, wo der klotzige Leuchtturm aus dem
Schwall starrte; sie sprangen an ihm in die Höhe und warfen sich klatschend
gegen seine Mauer, daß sie zerbarsten und in schaumigen Fetzen mit den
aufgeregten Möwen um seine Zinne flogen. Als sie meiner ansichtig wurden,
faßten sie sich bei den kalten Händen und tanzten einen wilden Ringelreihen um
den Leuchtturm herum, wobei sie mit gellenden Trompetenstimmen schrien:
Tanz mit mir, Lütte Grave, tanz mit mir! und dazwischen pfiffen sie in gewissen
springenden Rhythmen, wie kleine Jungen einander Zeichen zu geben pflegen.
Während ich nichts andres fühlte und dachte, als wie ich zu diesen
Kameraden gelangen könnte, war um mich herum allerlei vorgegangen, was
mich betraf und was ich, als der Propst selber mich anfaßte und meine
Aufmerksamkeit darauf lenkte, nach allem, was mir bekannt war, wohl erraten
konnte. Ich sah auf einmal meinen Vater in schwarzer Amtstracht, sein Schwert
unter dem Arme, und Wunneke nicht weit von ihm, die Augen starr auf ihn geheftet, und eine große Bewegung unter der Volksmenge, weil die Tochter des
Bürgermeisters mich vom Schwerte losgebeten hatte zu ihrem Manne. Sie stand
da, ohne sich zu rühren, festgeklammert in dem eisernen, unentrinnbaren Blick
meines Vaters, der über sie herrschte, matt und glanzlos wie ein abgerissener,
sterbender Schmetterling. Ich begriff, daß es nun auf mich ankam, ein Zeichen
zu geben, ob ich wollte, und schüttelte heftig den Kopf zur Verneinung; das tat
ich weniger, weil sie mich damals im Kerker angefleht hatte, daß ich sie nicht
zur Frau nehmen sollte, denn merkwürdigerweise war ich jetzt eigentlich innig
überzeugt davon, daß sie mich lieb hatte und lieber auch als meinen Vater – als
weil mir das alles so unendlich weit weg zu liegen schien, und so unwichtig und
beinahe lächerlich kam es mir vor, daß so ungeheuer viele Menschen um so
geringfügiger Sache wegen in Bewegung und Erregung waren. Ich hatte ein ganz
leises süßes Gefühl zärtlichen Mitleids für Wunneke, aber nur so, wie man für
ein Kind hat, das wegen eines Schmerzes weint, der in kurzen Minuten vorüber
sein wird, und als der Probst mir dringlich zuflüsterte: Sag ja, Lütte Grave! rief
ich laut und ärgerlich: Nein, nein, nein, ich will nicht! und fürchtete fast, sie
würden mich mit Gewalt vom Schafott reißen und in ihr Gewühl hineinzerren,
da ich den Bürgermeister heftige Zeichen und Winke geben sah. Diese
bezweckten aber ganz etwas andres; denn nun stieg ein schwarz umhüllter Mann
zu mir hinauf, der, von mir unbemerkt, dicht unter dem Gerüst bereitgestanden
hatte und von dem ich sofort wußte, daß es der fremde Scharfrichter war, der
gekommen war, um mir den Garaus zu machen. In diesem Augenblick änderte
sich plötzlich alles in mir; es war, als ob sich alles Blut in meinem Körper in
einer Springflut über mein Herz ergösse, eine solche Todesfurcht packte mich, so
jäh anprallend, daß ich auf die Knie fiel und abwehrend meine Arme ausstreckte
und auch, wie ich glaube, laut aufschrie. Ja, in diesem Augenblicke stand es mir
fest, eher sollte die Welt untergehen, als daß ich den Tod erlitte. Aber gleich
darauf, als mein Vater kam, war alles vorüber. Ich hörte ihn meinen Namen rufen
und blickte nach ihm hin, der etwas weiter weg von mir gestanden hatte. Die
Obrigkeit hatte in seiner Nähe eine Reihe bewaffneter Männer aufgestellt, für
den Fall, daß er etwas Gewalttätiges unternehmen sollte; diese alle drängte er
nun ohne Mühe beiseite, um sich den Weg zu mir zu bahnen. Da sah ich etwas
Entsetzliches: ich sah, wie er den kaiserlichen Vogt, die Ratsherren allesamt,
beide Bürgermeister und Wunneke im Vorbeigehen mit der Spitze seines
Schwertes streifte, und erinnerte mich an das Gerede des Volkes, daß er damit,
wen er wolle, auf das Blutgerüst bringen könne. Ich sah im Geiste über die graue
Heide Blut rinnen, Blut, Blut und Blut, sah, wie sie es einschluckte, bis sie fett
und feucht war wie dunkles Moos, und wie es zusammensickerte und in das
Meer rann, daß es von grün rot wurde und purpurn und schwarz – aber das war alles nur ein Bild, das wie ein Blitz kam und ging. Denn nicht eine Minute,
nachdem mein Vater mich gerufen hatte, war er schon oben bei mir, packte den
fremden Scharfrichter bei der Brust, warf ihn über das Gerüst hinunter und
beugte sich über mich. Mir war zumute wie als Kind, wenn ich mich in einsamer
Dunkelheit gefürchtet hatte und meinen Vater kommen sah: ein seliges Gefühl
von Geborgensein wickelte mich ganz ein wie ein dunkelpurpurner Samtmantel.
Dem kleinen Knaben Tells, als er sich von seinem Vater den Apfel vom Kopfe
schießen ließ, kann nicht leichter und zutraulicher ums Herz gewesen sein als
mir. Das letzte, dessen ich mich entsinne, war, daß ich auf das Pfeifen des
Meeres horchte, wie es rief: Tanz mit mir, Lütte Grave! aber dumpfer als vorher,
weil ich den Kopf auf den Block gelegt und der weite Mantel meines Vaters sich
wie ein Vorhang über mir herabgelassen hatte.
D r u c k v o n d e r O f f i z i n
F r . R i c h t e r i n L e i p z i g
Die folgende Änderung gegenüber dem Originaltext wurde vorgenommen:
Seite 57:
das einer im Lämpchen einen langen dunkeln Gang hinunterträgt
Sie haben Das Judengrab; Aus Bimbos Seelenwanderungen zu Ende gelesen
Ricarda Huch
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Seiten, die zu dieser Ausgabe gehören, hier zum Nachschlagen.
Hinweis von Project Gutenberg
End of the Project Gutenberg EBook of Das Judengrab. Aus Bimbos Seelenwanderungen, by Ricarda Huch
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1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the terms of this license and intellectual property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or associated in any way with an electronic work by people who agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works even without complying with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic works. See paragraph 1.E below.
1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the collection are in the public domain in the United States. If an individual work is in the public domain in the United States and you are located in the United States, we do not claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, displaying or creating derivative works based on the work as long as all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in the same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in a constant state of change. If you are outside the United States, check the laws of your country in addition to the terms of this agreement before downloading, copying, displaying, performing, distributing or creating derivative works based on this work or any other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning the copyright status of any work in any country outside the United States.
1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed:
This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org
1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived from the public domain (does not contain a notice indicating that it is posted with permission of the copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in the United States without paying any fees or charges. If you are redistributing or providing access to a work with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted with the permission of the copyright holder, your use and distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm License terms from this work, or any files containing a part of this work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic work, or any part of this electronic work, without prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate access to the full terms of the Project Gutenberg-tm License.
1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any word processing or hypertext form. However, if you provide access to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided that
- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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must be paid within 60 days following each date on which you
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- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
License. You must require such a user to return or
destroy all copies of the works possessed in a physical medium
and discontinue all use of and all access to other copies of
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- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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of receipt of the work.
- You comply with all other terms of this agreement for free
distribution of Project Gutenberg-tm works.
1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
1.F.
1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread public domain works in creating the Project Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic works, and the medium on which they may be stored, may contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your equipment.
1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.
1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a written explanation to the person you received the work from. If you received the work on a physical medium, you must return the medium with your written explanation. The person or entity that provided you with the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a refund. If you received the work electronically, the person or entity providing it to you may choose to give you a second opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a refund in writing without further opportunities to fix the problem.
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1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org
For additional contact information:
Dr. Gregory B. Newby
Chief Executive and Director
gbnewby@pglaf.org
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org
While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.