Das Kapital - Vollständige Gesamtausgabe in 3 Bänden
20. Einfache Reproduktion
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.
Es würde uns nichts nutzen, den Rest I = 180 zu setzen; es würde dann zwar kein Überschuß in I bleiben, aber nach wie vor ein Überschuß von 20 in II (Teil 2) unverkaufbar, nicht in Geld verwandelbar. c
Im ersten Fall, wo II (1) größer als II (2), bleibt auf Seite von II (1) ein c Überschuß in Geld, nicht rückverwandelbar in fixes Kapital, oder wenn der Rest I = II (1) gesetzt wird, derselbe Überschuß in Geld auf Seite von I , m c m nicht verwandelbar in Konsumtionsmittel.
Im zweiten Fall, wo II (1) kleiner als II (2), bleibt ein Defizit in Geld c c auf Seite von 200 I und II (2) und gleicher Überschuß von Ware auf m c
beiden Seiten, oder wenn der Rest I = II (1) gesetzt wird, ein Defizit in m c Geld und Überschuß in Ware auf Seite von II (2). c
Setzen wir die Reste I stets gleich II (1) – da die Aufträge die m c Produktion bestimmen und es an der Reproduktion nichts ändert, wenn dies Jahr mehr fixe Kapitalbestandteile, nächstes mehr zirkulierende Kapitalbestandteile des konstanten Kapitals II von I produziert werden –, so wäre im ersten Fall I rückverwandelbar in Konsumtionsmittel, nur wenn I m
damit einen Teil des Mehrwerts von II kaufte, dieser also, statt verzehrt zu werden, von II als Geld aufgehäuft würde; im zweiten Fall wäre nur abzuhelfen, wenn I selbst das Geld ausgäbe, also die von uns verworfne Hypothese.
Ist II (1) größer als II (2), so ist Einfuhr fremder Ware nötig zur c c
Realisierung des Geldüberschusses in I m. Ist II (1) kleiner als II (2), so c c umgekehrt Ausfuhr von Ware II (Konsumtionsmittel) zur Realisierung des Verschleißteils II in Produktionsmitteln. In beiden Fällen ist also c
auswärtiger Handel nötig.
Gesetzt auch, es sei für Betrachtung der Reproduktion auf gleichbleibender Stufenleiter anzunehmen, daß die Produktivität aller Industriezweige, also auch die proportionellen Wertverhältnisse ihrer Warenprodukte konstant bleiben, so würden dennoch die beiden letzterwähnten Fälle, wo II (1) größer oder kleiner als II (2), immer c c Interesse bieten für die Produktion auf erweiterter Stufenleiter, wo sie unbedingt eintreten können.
3. Resultate
Mit Bezug auf den Ersatz des fixen Kapitals ist allgemein zu bemerken:
Wenn – alle andren Umstände, also nicht nur die Stufenleiter der Produktion, sondern namentlich auch die Produktivität der Arbeit als gleichbleibend vorausgesetzt – ein größrer Teil des fixen Elements von II c abstirbt als das Jahr vorher, also auch ein größrer Teil in natura zu erneuern ist, so muß der Teil des fixen Kapitals, der erst auf dem Weg seines Absterbens und bis zu seinem Todestermin einstweilen in Geld zu ersetzen ist, in derselben Proportion abnehmen, da nach der Voraussetzung die Summe (auch die Wertsumme) des in II fungierenden fixen Kapitalteils dieselbe bleibt. Es führt dies aber folgende Umstände mit sich. Erstens: Besteht ein größrer Teil des Warenkapitals I aus Elementen des fixen Kapitals von II , so ein um soviel geringrer Teil aus zirkulierenden c
Bestandteilen von II , da die Gesamtproduktion von I für II unverändert c c bleibt. Wächst ein Teil derselben, so nimmt der andre ab und umgekehrt. Andrerseits bleibt aber auch die Gesamtproduktion der Klasse II von derselben Größe. Wie ist dies aber möglich bei Abnahme ihrer Rohstoffe, Halbfabrikate, Hilfsstoffe? (d.h. der zirkulierenden Elemente des konstanten Kapitals II). Zweitens: Ein größrer Teil des unter Geldform wiederhergestellten fixen Kapitals II strömt zu I, um aus Geldform in c Naturalform rückverwandelt zu werden. Es strömt also an I mehr Geld zu, außer dem zwischen I und II zum bloßen Warenumsatz zirkulierenden Geld; mehr Geld, das nicht wechselseitigen Warenumsatz vermittelt, sondern nur einseitig in Funktion von Kaufmittel auftritt. Zugleich aber hätte die Warenmasse von II , die Träger des Wertersatzes von Verschleiß ist, c proportionell abgenommen, also die Warenmasse II, die nicht gegen Ware von I, sondern nur gegen Geld von I umgesetzt werden muß. Es wäre mehr Geld von II an I als bloßes Kaufmittel zugeströmt, und es wäre weniger Ware von II da, welcher gegenüber I als bloßer Käufer zu fungieren hätte. Ein größrer Teil von I denn I ist bereits in Ware II umgesetzt – wäre also m – v
nicht in Ware II umsetzbar, sondern festhaftend in Geldform.
Der umgekehrte Fall, wo in einem Jahr die Reproduktion der Sterbefälle des fixen Kapitals II geringer und dagegen der Verschleißteil größer, braucht hiernach nicht weiter durchgegangen zu werden.
Und so wäre Krise da – Produktionskrise – trotz Reproduktion auf gleichbleibender Stufenleiter.
Mit einem Wort: Wird bei einfacher Reproduktion und gleichbleibenden Umständen, also namentlich gleichbleibender Produktivkraft, Gesamtgröße und Intensität der Arbeit – nicht eine konstante Proportion vorausgesetzt zwischen absterbendem (zu erneuerndem) und in alter Naturalform fortwirkendem (bloß für Ersatz seines Verschleißes den Produkten Wert zusetzendem) fixem Kapital –, so bliebe in einem Fall die Masse von zu reproduzierenden zirkulierenden Bestandteilen dieselbe, aber die Masse von zu reproduzierenden fixen Bestandteilen wäre gewachsen; es müßte also die Gesamtproduktion I wachsen, oder es wäre, selbst abgesehn von den Geldverhältnissen, Defizit der Reproduktion da.
Im andern Fall: Nähme die proportionelle Größe des in natura zu reproduzierenden fixen Kapitals II ab, also im selben Verhältnis der nur noch in Geld zu ersetzende Bestandteil des fixen Kapitals II zu, so bliebe die Masse der von I reproduzierten zirkulierenden Bestandteile des konstanten Kapitals II unverändert, die des zu reproduzierenden fixen dagegen hätte abgenommen. Also entweder Abnahme der Gesamtproduktion I oder aber Überschuß (wie vorher Defizit) und nicht zu versilbernder Überschuß.
Dieselbe Arbeit kann zwar im ersten Fall mit zunehmender Produktivität, Ausdehnung oder Intensität, größres Produkt liefern, und so wäre das Defizit im ersten Fall zu decken; solcher Wechsel würde aber nicht ohne Deplacierung von Arbeit und Kapital aus einem Produktionszweig von I in den andern stattgreifen, und jede solche Deplacierung würde momentane Störungen hervorrufen. Zweitens aber würde (soweit Ausdehnung und Intensivierung der Arbeit zunehmen) I mehr Wert gegen weniger Wert von II auszutauschen haben, also eine Depretiation des Produkts von I stattfinden.
Umgekehrt im zweiten Fall, wo I seine Produktion kontrahieren muß, was Krise für die darin beschäftigten Arbeiter und Kapitalisten bedeutet, oder Überschuß liefert, was wieder Krise. An und für sich sind solche Überschüsse kein Übel, sondern ein Vorteil; sind aber Übel in der kapitalistischen Produktion.
Der auswärtige Handel könnte in beiden Fällen aushelfen, im ersten Fall, um die in Geldform festgehaltne Ware I in Konsumtionsmittel umzusetzen, im zweiten Fall, um den Überschuß in Ware abzusetzen. Aber der auswärtige Handel, soweit er nicht bloß Elemente (auch dem Wert nach) ersetzt, verlegt nur die Widersprüche auf ausgedehntere Sphäre, eröffnet ihnen größren Spielkreis.
Ist die kapitalistische Form der Reproduktion einmal beseitigt, so kommt die Sache darauf hinaus, daß die Größe des absterbenden und daher in natura zu ersetzenden Teils des fixen Kapitals (hier des in der Erzeugung der Konsumtionsmittel fungierenden) in verschiednen sukzessiven Jahren wechselt. Ist er in einem Jahr sehr groß (über die Durchschnittssterblichkeit, wie bei den Menschen), so im folgenden sicher um so geringer. Die zur jährlichen Produktion der Konsumtionsmittel nötige Masse von Rohstoffen, Halbfabrikaten und Hilfsstoffen – sonst gleichbleibende Umstände vorausgesetzt – nimmt deswegen nicht ab; die Gesamtproduktion der Produktionsmittel müßte also im einen Fall zunehmen, im andren abnehmen. Diesem kann nur abgeholfen werden durch fortwährende relative Überproduktion; einerseits ein gewisses Quantum fixes Kapital, das mehr produziert wird, als direkt nötig ist; andrerseits und namentlich Vorrat von Rohstoff etc., der über die unmittelbaren jährlichen Bedürfnisse hinausgeht (dies gilt ganz besonders von Lebensmitteln). Solche Art Überproduktion ist gleich mit Kontrolle der Gesellschaft über die gegenständlichen Mittel ihrer eignen Reproduktion. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aber ist sie ein anarchisches Element.
Dies Beispiel vom fixen Kapital – bei gleichbleibender Stufenleiter der Reproduktion – ist schlagend. Mißverhältnis in der Produktion von fixem und zirkulierendem Kapital ist einer der Lieblingsgründe der Ökonomen, um die Krisen zu erklären. Daß solches Mißverhältnis bei bloßer Erhaltung des fixen Kapitals entspringen kann und muß – ist ihnen etwas Neues; daß sie entspringen kann und muß bei Voraussetzung einer idealen Normalproduktion, bei einfacher Reproduktion des bereits fungierenden gesellschaftlichen Kapitals.
XII. Die Reproduktion des Geldmaterials
Es ist bisher ein Moment ganz außer acht gelassen worden, nämlich die jährliche Reproduktion von Gold und Silber. Als bloßes Material zu Luxusartikeln, Vergoldung etc. wären sie hier ebensowenig speziell zu erwähnen wie irgendwelche andren Produkte. Dagegen spielen sie wichtige Rolle als Geldmaterial und daher potentialiter Geld. Als Geldmaterial nehmen wir hier der Vereinfachung wegen nur Gold.
Die gesamte jährliche Goldproduktion betrug nach ältren Angaben 800000-900000 Pfund = rund 1100 oder 1250 Millionen Mark. Nach
Soetbeer58 dagegen nur 170675 Kilogramm im Wert von rund 476 Millionen Mark im Durchschnitt der Jahre 1871-75. Davon lieferten: Australien rund 167, Vereinigte Staaten 166, Rußland 93 Millionen Mark. Der Rest verteilt sich auf verschiedne Länder in Beträgen von weniger als je 10 Millionen Mark. Die jährliche Silberproduktion, während derselben Periode, betrug etwas unter 2 Millionen Kilogramm im Wert von 354 1/2 Millionen Mark, davon lieferte in runder Zahl Mexiko 108, die Vereinigten Staaten 102, Südamerika 67, Deutschland 26 Millionen usw.
Von Ländern vorherrschender kapitalistischer Produktion sind nur die Vereinigten Staaten Gold- und Silberproduzenten; die europäischen kapitalistischen Länder erhalten fast all ihr Gold und bei weitem den größten Teil ihres Silbers von Australien, Vereinigten Staaten, Mexiko, Südamerika und Rußland.
Wir verlegen aber die Goldminen in das Land der kapitalistischen Produktion, dessen jährliche Reproduktion wir hier analysieren, und zwar aus folgendem Grund:
Kapitalistische Produktion existiert überhaupt nicht ohne auswärtigen Handel. Wird aber normale jährliche Reproduktion auf einer gegebnen Stufenleiter unterstellt, so ist damit auch unterstellt, daß der auswärtige Handel nur durch Artikel von andrer Gebrauchs- oder Naturalform einheimische Artikel ersetzt, ohne die Wertverhältnisse zu affizieren, also auch nicht die Wertverhältnisse, worin die zwei Kategorien: Produktionsmittel und Konsumtionsmittel, sich gegeneinander umsetzen, und ebensowenig die Verhältnisse von konstantem Kapital, variablem Kapital und Mehrwert, worin der Wert des Produkts jeder dieser Kategorien zerfällbar. Die Hereinziehung des auswärtigen Handels bei Analyse des jährlich reproduzierten Produktenwerts kann also nur verwirren, ohne irgendein neues Moment, sei es des Problems, sei es seiner Lösung zu liefern. Es ist also ganz davon zu abstrahieren; also ist hier auch das Gold als direktes Element der jährlichen Reproduktion, nicht als von außen durch Austausch eingeführtes Warenelement zu behandeln.
Die Produktion von Gold gehört, wie die Metallproduktion überhaupt, zur Klasse I, der Kategorie, die die Produktion von Produktionsmitteln umfaßt. Wir wollen annehmen, das jährliche Goldprodukt sei = 30 (der Bequemlichkeit wegen, tatsächlich viel zu hoch gefaßt gegen die Zahlen unsres Schema); es sei dieser Wert zerfällbar in 20 + 5 + 5 ; 20 ist c v m c auszutauschen gegen andre Elemente von I , und dies ist später zu c betrachten; aber die 5 + 5 (I) sind umzusetzen gegen Elemente von II , v m c d.h. Konsumtionsmittel.
Was die 5 betrifft, so beginnt zunächst jedes Gold produzierende v
Geschäft damit, die Arbeitskraft zu kaufen; nicht mit selbst produziertem Gold, sondern mit einem Quotum des im Lande vorrätigen Gelds. Die Arbeiter beziehn für diese 5 Konsumtionsmittel aus II heraus, und dies v
kauft mit diesem Geld Produktionsmittel von I. Sage, II kaufe von I für 2 Gold als Warenmaterial etc. (Bestandteil seines konstanten Kapitals), so fließen 2 zurück zu den Goldproduzenten I in Geld, das der Zirkulation v
schon früher angehörte. Wenn II weiter nichts an Material von I kauft, so kauft I von II, indem es sein Gold als Geld in die Zirkulation wirft, da Gold jede Ware kaufen kann. Der Unterschied ist nur, daß I hier nicht als Verkäufer, sondern nur als Käufer auftritt. Die Goldgräber von I können ihre Ware stets absetzen, sie befindet sich stets in unmittelbar austauschbarer Form.
Nehmen wir an, ein Garnspinner habe 5 an seine Arbeiter bezahlt, v diese liefern ihm – abgesehn vom Mehrwert – dafür ein Gespinst in Produkt = 5; die Arbeiter kaufen für 5 von II , dies kauft für 5 in Geld Garn von I, c und so fließt 5 zurück in Geld an den Garnspinner. In dem supponierten v
Fall dagegen schießt I g (wie wir die Goldproduzenten bezeichnen wollen) 5 an seine Arbeiter in Geld vor, das schon früher der Zirkulation v
angehörte; diese geben das Geld aus in Lebensmitteln; es kehren aber von den 5 nur 2 aus II zu I g zurück. Aber I g kann ganz so gut wie der Garnspinner den Reproduktionsprozeß von neuem beginnen; denn seine Arbeiter haben ihm in Gold 5 geliefert, wovon es 2 verkauft hat, 3 in Gold
besitzt, also nur zu münzen59 oder in Banknoten zu verwandeln hat, damit direkt, ohne weitre Vermittlung von II, sein ganzes variables Kapital wieder in Geldform in seiner Hand sei.
Schon bei diesem ersten Prozeß der jährlichen Reproduktion ist aber eine Veränderung in der Masse der wirklich oder virtuell der Zirkulation angehörigen Geldmasse vorgegangen. Wir haben angenommen, II habe 2 cv (I g) als Material gekauft, 3 sei von I g innerhalb II wieder ausgelegt als Geldform des variablen Kapitals. Es sind also aus der mittelst der neuen Goldproduktion gelieferten Geldmasse 3 innerhalb II geblieben und nicht zurückgeströmt zu I. Nach der Voraussetzung hat II seinen Bedarf in Goldmaterial befriedigt. Die 3 bleiben als Goldschatz in seinen Händen. Da sie keine Elemente seines konstanten Kapitals bilden können und da ferner II schon vorher hinreichendes Geldkapital zum Ankauf der Arbeitskraft hatte; da ferner, mit Ausnahme des Verschleißelements, dies zuschüssige 3 g keine Funktion zu verrichten hat innerhalb II , gegen einen Teil, wovon es c ausgetauscht (es könnte nur dazu dienen, das Verschleißelement pro tanto zu decken, wenn II (1) kleiner als II (2), was zufällig); andrerseits aber, c c eben mit Ausnahme des Verschleißelements, das ganze Warenprodukt IIc gegen Produktionsmittel I umzusetzen ist – so muß dies Geld ganz aus (v+m)
II übertragen werden in II , ob dies nun in notwendigen Lebensmitteln c m
oder in Luxusmitteln existiere, und dagegen entsprechender Warenwert übertragen werden aus II in II . Resultat: Ein Teil des Mehrwerts wird als m c
Geldschatz aufgespeichert.
Beim zweiten Reproduktionsjahr, wenn dieselbe Proportion des jährlich produzierten Golds fortfährt, als Material vernutzt zu werden, wird wieder 2 an I g zurückfließen und 3 in natura ersetzt, d.h. wieder in II als Schatz freigesetzt sein usw.
Mit Bezug auf das variable Kapital überhaupt: Der Kapitalist I g hat wie jeder andre dies Kapital beständig in Geld zum Ankauf der Arbeit vorzuschießen. Mit Bezug auf dies v hat nicht er, sondern seine Arbeiter zu kaufen von II; es kann also nie der Fall eintreten, daß er als Käufer auftritt, also Gold ohne die Initiative des II in selbes wirft. Soweit aber II von ihm Material kauft, sein konstantes Kapital II in Goldmaterial umsetzen muß, c fließt ihm Teil von (I g) von II zurück auf dieselbe Weise wie den andren v
Kapitalisten von I; und soweit dies nicht der Fall, ersetzt er sein v in Gold direkt aus seinem Produkt. In dem Verhältnis aber, worin ihm das als Geld vorgeschoßne v nicht von II zurückfließt, wird in II ein Teil der schon vorhandnen Zirkulation (von I ihm zugefloßnes und nicht an I retourniertes Geld) in Schatz verwandelt und dafür ein Teil seines Mehrwerts nicht in Konsumtionsmitteln verausgabt. Da beständig neue Goldminen in Angriff genommen oder alte wieder eröffnet werden, so bildet eine bestimmte Proportion des von I g in v auszulegenden Geldes stets Teil der vor der neuen Goldproduktion vorhandnen Geldmasse, die von I g vermittelst ihrer Arbeiter in II hineingeworfen wird, und, soweit sie nicht aus II zu I g zurückgekehrt, bildet sie dort Element der Schatzbildung.
Was aber (Ig) angeht, so kann I g hier stets als Käufer auftreten; es m
wirft sein m als Gold in die Zirkulation und zieht dafür Konsumtionsmittel II heraus; hier wird das Gold zum Teil als Material vernutzt, fungiert daher c
als wirkliches Element des konstanten Bestandteils c des produktiven Kapitals II; und soweit dies nicht der Fall, wird es wieder Element der Schatzbildung als in Geld verharrender Teil von II . Es zeigt sich – auch m
abgesehn von dem später zu betrachtenden I 60 –, wie selbst bei einfacher c Reproduktion, wenn hier auch Akkumulation im eigentlichen Sinn des Worts, d.h. Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter, ausgeschlossen, dagegen Geldaufspeicherung oder Schatzbildung notwendig eingeschlossen ist. Und da sich dies jährlich neu wiederholt, so erklärt sich damit die Voraussetzung, von welcher bei Betrachtung der kapitalistischen Produktion ausgegangen wird: daß sich bei Beginn der Reproduktion eine dem Warenumsatz entsprechende Masse von Geldmitteln in den Händen der Kapitalistenklassen I und II befindet. Solche Aufspeicherung findet statt selbst nach Abzug des durch Verschleiß des zirkulierenden Geldes verlorengehenden Goldes.
Es versteht sich von selbst, daß je fortgeschrittner das Lebensalter der kapitalistischen Produktion, um so größer die allerseits aufgehäufte Geldmasse, um so kleiner also die Proportion, die die jährliche neue Goldproduktion dieser Masse zufügt, obgleich dieser Zuschuß seiner absoluten Quantität nach bedeutend sein kann. Im allgemeinen wollen wir nur noch einmal zurückkommen auf den gegen Tooke gemachten Einwurf: wie ist es möglich, daß jeder Kapitalist in Geld einen Mehrwert aus dem jährlichen Produkt herauszieht, d.h. mehr Geld herauszieht aus der Zirkulation, als er hineinwirft, da in letzter Instanz die Kapitalistenklasse selbst als die Quelle betrachtet werden muß, die überhaupt das Geld in die Zirkulation wirft?
Wir bemerken hierauf, unter Zusammenfassung des schon früher (Kap. XVII) Entwickelten:
1. Die einzige hier erforderliche Voraussetzung: daß überhaupt Geld genug vorhanden sei, um die verschiednen Elemente der jährlichen Reproduktionsmasse umzusetzen –, wird in keiner Weise dadurch berührt, daß ein Teil des Warenwerts aus Mehrwert besteht. Gesetzt, die ganze Produktion gehöre den Arbeitern selbst, ihre Mehrarbeit sei also nur Mehrarbeit für sie selbst, nicht für die Kapitalisten, so wäre die Masse des zirkulierenden Warenwerts dieselbe und erheischte bei sonst gleichbleibenden Umständen dieselbe Geldmasse zu ihrer Zirkulation. Es fragt sich also in beiden Fällen nur: Wo kommt das Geld her, um diesen Gesamtwarenwert umzusetzen? – Und in keiner Weise: Wo kommt das Geld zur Versilberung des Mehrwerts her?
Allerdings, um noch einmal darauf zurückzukommen, besteht jede einzelne Ware aus c + v + m, und es ist also zur Zirkulation der gesamten Warenmasse einerseits eine bestimmte Geldsumme nötig zur Zirkulation des Kapitals c + v und andrerseits eine andre Geldsumme zur Zirkulation der Revenue der Kapitalisten, des Mehrwerts m. Wie für die einzelnen Kapitalisten, so für die ganze Klasse ist das Geld, worin sie Kapital vorschießt, verschieden von dem Geld, worin sie Revenue verausgabt. Woher kommt dies letztre Geld? Einfach daher, daß von der in der Hand der Kapitalistenklasse befindlichen Geldmasse, also im ganzen und großen von der innerhalb der Gesellschaft befindlichen gesamten Geldmasse, ein Teil die Revenue der Kapitalisten zirkuliert. Man sah schon oben, wie jeder ein neues Geschäft einrichtende Kapitalist das Geld, das er zu seiner Erhaltung in Konsumtionsmitteln verausgabt, wieder zurückfischt als zur Versilberung seines Mehrwerts dienendes Geld, sobald das Geschäft einmal im Gang. Aber allgemein gesprochen kommt die ganze Schwierigkeit aus zwei Quellen her:
Erstens: Betrachten wir bloß die Zirkulation und den Umschlag des Kapitals, also auch den Kapitalisten nur als Personifikation des Kapitals – nicht als kapitalistischen Konsumenten und Lebemann –, so sehn wir ihn zwar beständig Mehrwert in die Zirkulation werfen als Bestandteil seines Warenkapitals, aber wir sehn nie das Geld als Form der Revenue in seiner Hand; wir sehn ihn nie Geld zum Verzehr des Mehrwerts in die Zirkulation werfen.
Zweitens: Wirft die Kapitalistenklasse eine gewisse Geldsumme in Gestalt von Revenue in Zirkulation, so scheint es, als zahle sie ein Äquivalent für diesen Teil des jährlichen Gesamtprodukts und höre dieser somit auf, Mehrwert darzustellen. Das Mehrprodukt aber, worin sich der Mehrwert darstellt, kostet der Kapitalistenklasse nichts. Als Klasse besitzt und genießt sie es umsonst, und daran kann die Geldzirkulation nichts ändern. Die Veränderung, die diese vermittelt, besteht einfach darin, daß jeder Kapitalist, statt sein Mehrprodukt in natura zu verzehren, was meist gar nicht angeht, Waren aller Art bis zum Belauf des von ihm angeeigneten Mehrwerts aus dem Gesamtstock des jährlichen gesellschaftlichen Mehrprodukts herauszieht und sich aneignet. Aber der Mechanismus der Zirkulation hat gezeigt. daß wenn die Kapitalistenklasse Geld zur Verausgabung von Revenue in die Zirkulation hineinwirft, sie selbiges Geld auch wieder der Zirkulation entzieht und also denselben Prozeß stets von neuem beginnen kann; daß sie also als Kapitalistenklasse betrachtet, nach wie vor im Besitz dieser zur Versilberung des Mehrwerts nötigen Geldsumme bleibt. Wenn also nicht nur der Mehrwert, in Form von Waren, vom Kapitalisten für seinen Konsumtionsfonds dem Warenmarkt entzogen wird, sondern zugleich das Geld, womit er diese Waren kauft, an ihn zurückfließt, so hat er offenbar die Waren ohne Äquivalent der Zirkulation entzogen. Sie kosten ihm nichts, obgleich er sie mit Geld zahlt. Wenn ich mit einem Pfund Sterling Waren kaufe und mir der Verkäufer der Ware das Pfund zurückgibt für Mehrprodukt, das mich nichts gekostet hat, habe ich offenbar die Waren umsonst erhalten. Die beständige Wiederholung dieser Operation ändert nichts daran, daß ich beständig Waren entziehe und beständig im Besitz des Pfundes bleibe, obgleich ich mich desselben zum Bezug der Waren vorübergehend entäußere. Der Kapitalist erhält beständig dies Geld zurück als Versilberung von Mehrwert, der ihm nichts gekostet hat.
Wir sahn, daß bei A. Smith der gesamte gesellschaftliche Produktenwert sich auflöst in Revenue, in v + m, daß also der konstante Kapitalwert gleich Null gesetzt wird. Es folgt daher notwendig, daß das zur Zirkulation der jährlichen Revenue erforderliche Geld auch hinreichend ist zur Zirkulation des gesamten jährlichen Produkts; daß also, in unserm Fall, das zur Zirkulation der Konsumtionsmittel zum Wert von 3000 nötige Geld hinreicht zur Zirkulation des gesamten Jahresprodukts zum Wert von 9000. Dies ist in der Tat A. Smiths Ansicht, und sie wird von Th. Tooke wiederholt. Diese falsche Vorstellung vom Verhältnis der zur Versilberung der Revenue erforderlichen Geldmasse zur Geldmasse, welche das gesamte gesellschaftliche Produkt zirkuliert, ist ein notwendiges Resultat der nicht begriffnen, gedankenlos vorgestellten Art und Weise, wie die verschiednen stofflichen und Wertelemente des jährlichen Gesamtprodukts sich reproduzieren und jährlich ersetzt werden. Sie ist daher bereits widerlegt.
Hören wir Smith und Tooke selbst.
Smith sagt, Book II, ch. 2:
"Die Zirkulation jedes Landes kann in zwei Teile geschieden werden: die Zirkulation der Händler untereinander und die Zirkulation zwischen Händlern und Konsumenten. Wenn auch dieselben Geldstücke, Papier oder Metall, bald in der einen, bald in der andern Zirkulation verwandt werden mögen, so gehn doch beide fortwährend gleichzeitig nebeneinander vor, und jede von beiden bedarf daher einer bestimmten Geldmasse dieser oder jener Art, um in Gang zu bleiben. Der Wert der zwischen den verschiednen Händlern zirkulierten Waren kann nie den Wert der zwischen den Händlern und den Konsumenten zirkulierten Waren übersteigen; denn was die Händler auch immer kaufen, muß doch schließlich an die Konsumenten verkauft werden. Da die Zirkulation zwischen den Händlern en gros geschieht, erfordert sie im allgemeinen eine ziemlich große Summe für jeden einzelnen Umsatz. Die Zirkulation zwischen Händlern und Konsumenten dagegen geschieht meist en détail und erfordert oft nur sehr kleine Geldbeträge; ein Schilling oder selbst ein halber Penny genügt manchmal. Aber kleine Summen zirkulieren weit rascher als große... Obgleich die jährlichen Käufe aller Konsumenten daher denen aller Händler an Wert mindestens" dies "mindestens" ist gut!} "gleich sind, so können sie doch in der Regel mit einer weit geringern Geldmasse erledigt werden" usw.
Zu dieser Stelle Adams bemerkt Th. Tooke ("An Inquiry into the Currency Principle", London 1844, p. 34-36 passim):
"Es kann kein Zweifel bestehn, daß dieser hier gemachte Unterschied der Sache nach richtig ist... Der Austausch zwischen Händlern und Konsumenten schließt auch die Zahlung des Arbeitslohns ein, der die Haupteinnahme (the principal means) der Konsumenten ausmacht... Alle Umsätze von Händler zu Händler, d.h. alle Verkäufe vom Produzenten oder Importeur an, durch alle Abstufungen von Zwischenprozessen der Manufaktur usw. bis herab zum Detailhändler oder Exportkaufmann, sind auflösbar in Bewegungen von Kapitalübertragung. Kapitalübertragungen setzen aber nicht notwendig voraus, und führen in der Tat auch nicht wirklich mit sich, in der großen Masse der Umsätze, eine wirkliche Abtretung von Banknoten oder Münze – ich meine eine materielle, nicht fingierte Abtretung – zur Zeit der Übertragung... Der Gesamtbetrag der Umsätze zwischen Händlern und Händlern muß in letzter Instanz bestimmt und begrenzt sein durch den Betrag der Umsätze zwischen Händlern und Konsumenten."
Stände der letzte Satz vereinzelt, so könnte man glauben, Tooke konstatiere bloß, daß ein Verhältnis stattfinde zwischen den Umsätzen von Händler zu Händler und denen von Händler zu Konsument, in andern Worten, zwischen dem Wert der jährlichen Gesamtrevenue und dem Wert des Kapitals, womit sie produziert wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Er bekennt sich ausdrücklich zur Auffassung A. Smiths. Eine besondre Kritik seiner Zirkulationstheorie ist daher überflüssig.
2. Jedes industrielle Kapital wirft bei seinem Beginn auf einmal Geld in Zirkulation für seinen ganzen fixen Bestandteil, den es nur allmählich in einer Reihe von Jahren durch Verkauf seines jährlichen Produkts wie der herauszieht. Es wirft also zunächst mehr Geld in die Zirkulation hinein, als es ihr entzieht. Dies wiederholt sich jedesmal bei Erneuerung des Gesamtkapitals in natura; es wiederholt sich jedes Jahr für eine bestimmte Anzahl Geschäfte, deren fixes Kapital in natura zu erneuern; es wiederholt sich stückweis bei jeder Reparatur, bei jeder nur bruchweisen Erneuerung des fixen Kapitals. Wird also von der einen Seite der Zirkulation mehr Geld entzogen als hineingeworfen, so von der andern Seite umgekehrt.
In allen Industriezweigen, deren Produktionsperiode (als verschieden von der Arbeitsperiode) längre Zeit umfaßt, wird während derselben von den kapitalistischen Produzenten beständig Geld in die Zirkulation geworfen, teils in Zahlung der angewandten Arbeitskraft, teils in Ankauf der zu verbrauchenden Produktionsmittel; es werden so Produktionsmittel direkt, Konsumtionsmittel teils indirekt, durch die ihren Arbeitslohn verausgabenden Arbeiter, teils direkt durch die ihren Verzehr keineswegs suspendierenden Kapitalisten selbst, dem Warenmarkt entzogen, ohne daß diese Kapitalisten zunächst gleichzeitig ein Äquivalent in Waren in den Markt würfen. Während dieser Periode dient das von ihnen in Zirkulation geworfne Geld zur Versilberung von Warenwert, inkl. des darin enthaltnen Mehrwerts. Sehr bedeutend wird dies Moment in entwickelter kapitalistischer Produktion bei langatmigen Unternehmungen, ausgeführt von Aktiengesellschaften etc., wie Anlage von Eisenbahnen, Kanälen, Docks, großen städtischen Bauten, Eisenschiffsbau, Drainierung von Land auf großem Umfang etc.
3. Während die andern Kapitalisten, abgesehn von der Auslage in fixem Kapital, mehr Geld aus der Zirkulation herausziehn, als sie beim Kauf der Arbeitskraft und der zirkulierenden Elemente hineingeworfen, wird von den Gold und Silber produzierenden Kapitalisten, abgesehn von dem Edelmetall, das als Rohstoff dient, nur Geld in die Zirkulation geworfen, während ihr nur Waren entzogen werden. Das konstante Kapital, mit Ausnahme des Verschleißteils, der größre Teil des variablen und der ganze Mehrwert, mit Ausnahme des etwa in ihren eignen Händen sich aufhäufenden Schatzes, wird als Geld in die Zirkulation geworfen.
4. Einerseits zirkulieren zwar allerlei Dinge als Waren, die nicht innerhalb des Jahres produziert worden, Grundstücke, Häuser etc., ferner Produkte, deren Produktionsperiode sich über mehr als ein Jahr erstreckt, Vieh, Holz, Wein usw. Für diese und andre Phänomene ist es wichtig festzuhalten, daß außer der für die unmittelbare Zirkulation erheischten Geldsumme sich stets ein gewisses Quantum in latentem, nicht fungierendem Zustand vorfindet, das bei gegebnem Anstoß in Funktion treten kann. Auch zirkuliert der Wert solcher Produkte oft stückweis und allmählich, wie der Wert von Häusern in der Miete einer Reihe von Jahren.
Andrerseits werden nicht alle Bewegungen des Reproduktionsprozesses durch Geldzirkulation vermittelt. Der gesamte Produktionsprozeß, sobald seine Elemente einmal angeschafft, ist davon ausgeschlossen. Ferner alles Produkt, das der Produzent direkt selbst wieder konsumiert – sei es individuell, sei es produktiv, wozu auch Naturalverpflegung ländlicher Arbeiter gehört.
Die Geldmasse also, welche das Jährliche Produkt zirkuliert, ist in der Gesellschaft vorhanden, nach und nach akkumuliert worden. Sie gehört nicht zum Wertprodukt dieses Jahrs, mit Ausnahme etwa des Ersatzgolds für verschlißne Münzen.
Es ist bei dieser Darstellung vorausgesetzt exklusive Zirkulation von Edelmetallgeld und bei dieser wieder die einfachste Form barer Käufe und Verkäufe; obwohl auf Basis bloßer Metallzirkulation das Geld auch als Zahlungsmittel fungieren kann und historisch wirklich so fungiert hat und auf dieser Basis ein Kreditwesen und bestimmte Seiten seines Mechanismus sich entwickelt haben.
Diese Voraussetzung wird gemacht nicht bloß aus methodischen Rücksichten, deren Gewicht sich schon darin zeigt, daß sowohl Tooke und seine Schule wie ihre Gegner in ihren Kontroversen beständig gezwungen waren, bei Erörterung der Banknotenzirkulation wieder rückzugreifen zur Hypothese rein metallischer Zirkulation. Sie waren gezwungen, dies post festum zu tun, taten es aber dann sehr oberflächlich, und zwar notwendig, weil der Ausgangspunkt so nur die Rolle eines Inzidentpunkts in der Analyse spielt.
Aber die einfachste Betrachtung der in ihrer naturwüchsigen Form dargestellten Geldzirkulation – und diese ist hier immanentes Moment des jährlichen Reproduktionsprozesses – zeigt:
a) Entwickelte kapitalistische Produktion vorausgesetzt, also Herrschaft des Lohnarbeitssystems, spielt offenbar das Geldkapital eine Hauptrolle, soweit es die Form ist, in der das variable Kapital vorgeschossen wird. Im Maß, wie sich das Lohnarbeitssystem entwickelt, verwandelt sich alles Produkt in Ware, muß daher auch – mit einigen wichtigen Ausnahmen – allzusamt die Verwandlung in Geld als eine Phase seiner Bewegung durchlaufen. Die Masse des zirkulierenden Geldes muß zu dieser Versilberung der Waren hinreichen, und der größte Teil dieser Masse wird geliefert in Form des Arbeitslohns, des Geldes, das als Geldform des variablen Kapitals in Zahlung der Arbeitskraft von industriellen Kapitalisten vorgeschossen, in den Händen der Arbeiter – seiner großen Masse nach – nur als Zirkulationsmittel (Kaufmittel) fungiert. Es ist dies ganz im Gegensatz zur Naturalwirtschaft, wie sie vorwiegt auf Basis jedes Hörigkeitssystems (Leibeigenschaft eingeschlossen) und noch mehr auf der mehr oder weniger primitiver Gemeinwesen, ob diese nun mit Hörigkeits-oder Sklavereiverhältnissen versetzt seien oder nicht.
Im Sklavensystem spielt das Geldkapital, das im Ankauf der Arbeitskraft ausgelegt wird, die Rolle von Geldform des fixen Kapitals, das nur allmählich ersetzt wird, nach Ablauf der aktiven Lebensperiode des Sklaven. Bei den Athenern wird daher der Gewinn, den ein Sklavenbesitzer direkt durch industrielle Verwendung seines Sklaven oder indirekt durch Vermietung desselben an andre industrielle Verwender (z.B. für Bergwerksarbeit) zieht, auch nur betrachtet als Zins (nebst Amortisation) des vorgeschoßnen Geldkapitals, ganz wie in der kapitalistischen Produktion der industrielle Kapitalist ein Stück des Mehrwerts plus dem Verschleiß des fixen Kapitals als Zins und Ersatz seines fixen Kapitals in Rechnung setzt; wie dies auch Regel ist bei den fixes Kapital (Häuser, Maschinen etc.) vermietenden Kapitalisten. Bloße Haussklaven, sei es, daß sie zur Leistung notwendiger Dienste oder bloß zur Luxusparade dienen, kommen hier nicht in Betracht, sie entsprechen unsrer dienenden Klasse. Aber auch das Sklavensystem – sofern es in Agrikultur, Manufaktur, Schiffsbetrieb etc. die herrschende Form der produktiven Arbeit ist, wie in den entwickelten Staaten Griechenlands und in Rom – behält ein Element der Naturalwirtschaft bei. Der Sklavenmarkt selbst erhält beständig Zufuhr seiner Arbeitskraft- durch Krieg, Seeraub etc., und dieser Raub ist seinerseits nicht durch einen Zirkulationsprozeß vermittelt, sondern Naturalaneignung fremder Arbeitskraft durch direkten physischen Zwang. Selbst in den Vereinigten Staaten, nachdem das Zwischengebiet zwischen den Lohnarbeitsstaaten des Nordens und den Sklavenstaaten des Südens sich in ein Sklavenzuchtgebiet für den Süden verwandelt, wo also der auf den Sklavenmarkt geworfne Sklave selbst ein Element der jährlichen Reproduktion geworden, genügte das für längre Zeit nicht, sondern wurde noch möglichst lange afrikanischer Sklavenhandel zur Füllung des Markts fortgetrieben.
b) Die auf Basis der kapitalistischen Produktion sich naturwüchsig vollziehenden Ab- und Rückströmungen des Geldes bei Umsatz des jährlichen Produkts; die einmaligen Vorschüsse von fixen Kapitalen, ihrem ganzen Wertumfang nach, und das sukzessive, über jahrelange Perioden sich verbreitende Herausziehn ihres Werts aus der Zirkulation, also ihre allmähliche Rekonstitution in Geldform durch jährliche Schatzbildung, eine Schatzbildung, ihrem Wesen nach total verschieden von der ihr parallel gehenden, auf jährlich neuer Goldproduktion beruhenden Schatzbildung; die verschiedne Länge der Zeit, worin je nach der Länge der Produktionsperioden der Waren Geld vorgeschossen, also auch vorher schon stets von neuem aufgeschatzt werden muß, bevor es durch Verkauf der Ware aus der Zirkulation zurückgezogen werden kann; die verschiedne Länge der Vorschußzeit, die schon allein aus der verschiednen Entfernung des Produktionsorts vom Absatzmarkt entsteht; ebenso die Verschiedenheit in Größe und Periode des Rückflusses je nach dem Stand, resp. der relativen Größe der Produktionsvorräte in verschiednen Geschäften und bei den verschiednen einzelnen Kapitalisten desselben Geschäftszweigs, also die Termine der Einkäufe von Elementen des konstanten Kapitals – alles das während des Reproduktionsjahrs: alle diese verschiednen Momente der naturwüchsigen Bewegung brauchen sich bloß durch Erfahrung bemerklich und auffallend gemacht zu haben, um planmäßig sowohl zu den mechanischen Hilfsmitteln des Kreditsystems den Anlaß zu geben wie auch zu der wirklichen Auffischung der vorhandnen verleihbaren Kapitale.
Es kommt hierzu noch der Unterschied der Geschäfte, deren Produktion unter sonst normalen Verhältnissen kontinuierlich auf derselben Stufenleiter vor sich geht, und solcher, die in verschiednen Perioden des Jahrs Arbeitskraft in verschiednem Umfang anwenden, wie die Landwirtschaft.
XIII. Destutt de Tracys Reproduktionstheorie61
Als Beispiel der konfusen und zugleich renommistischen Gedankenlosigkeit politischer Ökonomen, bei Betrachtung der gesellschaftlichen Reproduktion, diene der große Logiker Destutt de Tracy (vergl. Buch I, p. 147, Note 30), den selbst Ricardo ernsthaft nahm und a very distinguished writer nennt. ("Principles", p. 333.)
Dieser distinguierte Schriftsteller gibt folgende Aufschlüsse über den gesamten gesellschaftlichen Reproduktions- und Zirkulationsprozeß:
"Man wird mich fragen, wie diese Industrieunternehmer so große Profite machen und von wem sie sie ziehn können. Ich antworte, daß sie dies tun, indem sie alles, was sie produzieren, teurer verkaufen, als es ihnen zu produzieren gekostet; und daß sie es verkaufen
1. aneinander für den ganzen Teil ihrer Konsumtion, bestimmt zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, welche sie bezahlen mit einem Teil ihrer Profite;
2. an die Lohnarbeiter, sowohl an die, welche sie besolden, wie die, welche die müßigen Kapitalisten besolden; von welchen Lohnarbeitern sie auf diesem Wege ihren ganzen Lohn zurückerhalten, ausgenommen etwa deren kleine Ersparnisse;
3. an die müßigen Kapitalisten, welche sie bezahlen mit dem Teil ihrer Revenue, den sie nicht schon abgegeben haben an die von ihnen direkt beschäftigten Lohnarbeiter; so daß die ganze Rente, welche sie ihnen jährlich zahlen, ihnen auf dem einen oder andern dieser Wege wieder zurückfließt." (Destutt de Tracy, "Traité de la volonté et de ses effets", Paris 1826, p. 239.)
Also die Kapitalisten bereichern sich erstens, indem sie im Umsatz des Teils des Mehrwerts, den sie ihrer Privatkonsumtion widmen oder als Revenue verzehren, sich alle wechselseitig übervorteilen. Also, wenn dieser Teil ihres Mehrwerts, resp. ihrer Profite, = 400 Pfd. St. ist, so werden aus diesen 400 Pfd. St. etwa 500 Pfd. St. dadurch, daß jeder Beteiligte der 400 Pfd. St. dem andern seinen Teil um 25% zu teuer verkauft. Da alle dasselbe tun, so ist das Resultat dasselbe, als hätten sie sich wechselseitig zum richtigen Wert verkauft. Nur brauchen sie zur Zirkulation eines Warenwerts von 400 Pfd. St. eine Geldmasse von 500 Pfd. St., und dies scheint eher eine Methode, sich zu verarmen als sich zu bereichern, indem sie einen großen Teil ihres Gesamtvermögens in der nutzlosen Form von Zirkulationsmitteln unproduktiv aufbewahren müssen. Das Ganze kommt darauf hinaus, daß die Kapitalistenklasse trotz der allseitigen nominellen Preiserhöhung ihrer Waren nur einen Warenstock von 400 Pfd. St. Wert unter sich zu ihrer Privatkonsumtion zu verteilen haben, daß sie aber sich das wechselseitige Vergnügen machen, 400 Pfd. St. Warenwert zu zirkulieren mit einer Geldmasse, die für 500 Pfd. St. Warenwert erheischt ist.
Ganz abgesehn davon, daß hier "ein Teil ihrer Profite" und also überhaupt ein Warenvorrat, worin Profit sich darstellt, unterstellt ist. Destutt will uns aber gerade erklären, wo dieser Profit herkommt. Die Geldmasse, die nötig ist, um ihn zu zirkulieren, ist eine ganz untergeordnete Frage. Die Warenmasse, worin der Profit sich darstellt, scheint davon herzustammen, daß die Kapitalisten diese Warenmasse nicht nur einander verkaufen, was bereits sehr schön und tief ist, sondern sich alle einander zu teuer verkaufen. Wir kennen jetzt also eine Quelle der Bereicherung der Kapitalisten. Sie kommt hinaus auf das Geheimnis des "Entspektor Bräsig", daß die große Armut von der großen pauvreté herkommt.
2. Dieselben Kapitalisten verkaufen ferner
"an die Lohnarbeiter, sowohl an die, welche sie selbst besolden, wie an die, welche die müßigen Kapitalisten besolden; von welchen Lohnarbeitern sie auf diese Weise ihren ganzen Lohn zurückerhalten, ausgenommen deren kleine Ersparnisse".
Der Rückfluß des Geldkapitals, in Form von welchem die Kapitalisten den Lohn dem Arbeiter vorgeschossen haben, zu den Kapitalisten, macht nach Herrn Destutt die zweite Quelle der Bereicherung solcher Kapitalisten aus.
Wenn also die Kapitalistenklasse z.B. 100 Pfd. St. den Arbeitern in Lohn gezahlt und dann dieselben Arbeiter von derselben Kapitalistenklasse Ware zum selben Wert von 100 Pfd. St. kaufen und daher die Summe von 100 Pfd. St., welche die Kapitalisten als Käufer von Arbeitskraft vorgeschossen, ihnen beim Verkauf von Waren zu 100 Pfd. St. an die Arbeiter zurückfließt, so bereichern sich dadurch die Kapitalisten. Es scheint, vom Standpunkt des gewöhnlichen Menschenverstands, daß die Kapitalisten sich vermittelst dieser Prozedur wieder im Besitz von 100 Pfd. St. befinden, die sie vor der Prozedur besaßen. Bei Beginn der Prozedur besitzen sie 100 Pfd. St. Geld, sie kaufen für diese 100 Pfd. St. Arbeitskraft. Für diese 100 Pfd. St. Geld produziert die gekaufte Arbeit Waren von einem Wert, soviel wir bis jetzt wissen, von 100 Pfd. St. Durch Verkauf der 100 Pfd. St. Waren an die Arbeiter erhalten die Kapitalisten 100 Pfd. St. Geld zurück. Die Kapitalisten besitzen also wieder 100 Pfd. St. Geld, die Arbeiter aber für 100 Pfd. St. Ware, die sie selbst produziert haben. Wie sich die Kapitalisten dabei bereichern sollen, ist nicht abzusehn. Wenn die 100 Pfd. St. Geld ihnen nicht zurückflössen, so hätten sie den Arbeitern erstens 100 Pfd. St. Geld für ihre Arbeit zahlen und zweitens ihnen das Produkt dieser Arbeit, für 100 Pfd. St. Konsumtionsmittel, umsonst geben müssen. Der Rückfluß könnte also höchstens erklären, warum die Kapitalisten durch die Operation nicht ärmer, keineswegs aber, warum sie dadurch reicher geworden.
Eine andre Frage ist allerdings, wie die Kapitalisten die 100 Pfd. St. Geld besitzen, und warum die Arbeiter, statt selbst für eigne Rechnung Waren zu produzieren, gezwungen sind, ihre Arbeitskraft gegen diese 100 Pfd. St. auszutauschen. Aber dies ist etwas, was sich für einen Denker vom Kaliber Destutts von selbst versteht.
Destutt ist selbst nicht ganz befriedigt mit dieser Lösung. Er hatte uns ja nicht gesagt, daß man sich dadurch bereichert, daß man eine Geldsumme von 100 Pfd. St. ausgibt und dann eine Geldsumme von 100 Pfd. St. wieder einnimmt, also nicht durch den Rückfluß von 100 Pfd. St. Geld, der ja nur zeigt, warum die 100 Pfd. St. Geld nicht verlorengehn. Er hatte uns gesagt, daß die Kapitalisten sich bereichern,
"indem sie alles, was sie produzieren, teurer verkaufen, als es ihnen zu kaufen gekostet hat".
Also müssen sich auch die Kapitalisten in ihrer Transaktion mit den Arbeitern dadurch bereichern, daß sie denselben zu teuer verkaufen. Vortrefflich!
"Sie zahlen Arbeitslohn... und alles das fließt ihnen zurück durch die Ausgaben aller dieser Leute, die ihnen" die Produkte} "teurer bezahlen als sie ihnen" den Kapitalisten} "vermittelst dieses Arbeitslohns gekostet haben." (p. 240.)
Also die Kapitalisten zahlen 100 Pfd. St. Lohn an die Arbeiter, und dann verkaufen sie den Arbeitern ihr eignes Produkt zu 120 Pfd. St., so daß ihnen nicht nur die 100 Pfd. St. zurückfließen, sondern noch 20 Pfd. St. gewonnen werden? Dies ist unmöglich. Die Arbeiter können nur mit dem Geld zahlen, das sie in Form von Arbeitslohn erhalten haben. Wenn sie 100 Pfd. St. Lohn von den Kapitalisten erhalten, können sie nur für 100 Pfd. St. kaufen und nicht für 120 Pfd. St. Also auf diese Weise ginge die Sache nicht. Es gibt aber noch einen andern Weg. Die Arbeiter kaufen von den Kapitalisten Waren für 100 Pfd. St., erhalten aber in der Tat nur Ware zum Wert von 80 Pfd. St. Sie sind daher unbedingt um 20 Pfd. St. geprellt. Und der Kapitalist hat sich unbedingt um 20 Pfd. St. bereichert, weil er die Arbeitskraft tatsächlich 20% unter ihrem Wert gezahlt oder einen Abzug vom nominellen Arbeitslohn zum Belauf von 20% auf einem Umweg gemacht hat.
Die Kapitalistenklasse würde dasselbe Ziel erreichen, wenn sie von vornherein den Arbeitern nur 80 Pfd. St. Lohn zahlte und ihnen hinterher für diese 80 Pfd. St. Geld in der Tat 80 Pfd. St. Warenwert lieferte. Dies scheint – die ganze Klasse betrachtet – der normale Weg, da nach Herrn Destutt selbst die Arbeiterklasse "genügenden Lohn" (p. 219) erhalten muß, da dieser Lohn wenigstens hinreichen muß, um ihre Existenz und Werktätigkeit zu erhalten, "sich die genaueste Subsistenz zu verschaffen", (p. 180.) Erhalten die Arbeiter nicht diese hinreichenden Löhne, so ist dies nach demselben Destutt "der Tod der Industrie" (p. 208), also wie es scheint, kein Bereicherungsmittel für die Kapitalisten. Welches aber immer die Höhe der Löhne sei, welche die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse zahlt, so haben sie einen bestimmten Wert, z.B. 80 Pfd. St. Zahlt also die Kapitalistenklasse 80 Pfd. St. an die Arbeiter, so hat sie ihnen 80 Pfd. St. Warenwert für diese 80 Pfd. St. zu liefern, und der Rückfluß der 80 Pfd. St. bereichert sie nicht. Zahlt sie ihnen in Geld 100 Pfd. St. und verkauft ihnen für 100 Pfd. St. einen Warenwert für 80 Pfd. St., so zahlte sie ihnen in Geld 25% mehr als ihren normalen Lohn und lieferte ihnen dafür in Waren 25% weniger.
Mit andern Worten: der Fonds, woher die Kapitalistenklasse überhaupt ihren Profit zieht, würde gebildet durch Abzug vom normalen Arbeitslohn, durch Zahlung der Arbeitskraft unter ihrem Wert, d.h. unter dem Wert der Lebensmittel, die zu ihrer normalen Reproduktion als Lohnarbeiter notwendig sind. Würde also der normale Arbeitslohn gezahlt, was nach Destutt geschehn soll, so existierte kein Fonds von Profit, weder für die Industriellen noch für die müßigen Kapitalisten.
Herr Destutt hätte also das ganze Geheimnis, wie sich die Kapitalistenklasse bereichert, darauf reduzieren müssen: durch Abzug am Arbeitslohn. Die andern Fonds des Mehrwerts, wovon er sub 1 und sub 3 spricht, existierten dann nicht.
In allen Ländern also, wo der Geldlohn der Arbeiter reduziert ist auf den Wert der zu ihrer Subsistenz als Klasse nötigen Konsumtionsmittel, existierte kein Konsumtionsfonds und kein Akkumulationsfonds für die Kapitalisten, also auch kein Existenzfonds der Kapitalistenklasse, also auch keine Kapitalistenklasse. Und zwar wäre dies nach Destutt der Fall in allen reichen entwickelten Ländern alter Zivilisation, denn hier
"in unsern altgewurzelten Gesellschaften ist der Fonds, aus dem der Lohn bestritten wird... eine beinahe konstante Größe". (p. 202.)
Auch beim Abbruch am Lohn kommt die Bereicherung der Kapitalisten nicht daher, daß sie erst dem Arbeiter 100 Pfd. St. in Geld zahlen und ihm nachher 80 Pfd. St. in Waren für diese 100 Pfd. St. Geld liefern – also in der Tat 80 Pfd. St. Ware durch die um 25% zu große Geldsumme von 100 Pfd. St. zirkulieren, sondern daher, daß der Kapitalist vom Produkt des Arbeiters sich außer dem Mehrwert – dem Teil des Produkts, worin sich Mehrwert darstellt – auch noch 25% von dem Teil des Produkts aneignet, das dem Arbeiter in der Form von Arbeitslohn anheimfallen sollte. In der albernen Weise, wie Destutt die Sache auffaßt, würde die Kapitalistenklasse absolut nichts gewinnen. Sie zahlt 100 Pfd. St. für Arbeitslohn und gibt dem Arbeiter für diese 100 Pfd. St. von seinem eignen Produkt 80 Pfd. St. Warenwert zurück. Aber bei der nächsten Operation muß sie wieder für dieselbe Prozedur 100 Pfd. St. vorschießen. Sie macht sich also nur das nutzlose Vergnügen, 100 Pfd. St. Geld vorzuschießen und 80 Pfd. St. Ware dafür zu liefern, statt 80 Pfd. St. Geld vorzuschießen und 80 Pfd. St. Ware dafür zu liefern. D.h., sie schießt beständig nutzlos ein um 25% zu großes Geldkapital für die Zirkulation ihres variablen Kapitals vor, was eine ganz eigentümliche Methode der Bereicherung ist.
3. Die Kapitalistenklasse verkauft endlich
"an die müßigen Kapitalisten, welche sie bezahlen mit dem Teil ihrer Revenue, den sie nicht schon abgegeben haben an die von ihnen direkt beschäftigten Lohnarbeiter; so daß die ganze Rente, welche sie jenen" (den Müßigen) "jährlich zahlt, ihr auf dem einen oder andern dieser Wege wieder zurückfließt".
Wir haben vorher gesehn, daß die industriellen Kapitalisten
"mit einem Teil ihrer Profite den ganzen Teil ihrer Konsumtion, bestimmt zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, bezahlen".
Gesetzt also, ihre Profite seien = 200 Pfd. St. 100 Pfd. St. z.B. verzehren sie für ihre individuelle Konsumtion. Aber die andre Hälfte = 100 Pfd. St. gehört nicht ihnen, sondern den müßigen Kapitalisten, d.h. den Grundrentlern und den auf Zins leihenden Kapitalisten. Sie haben also 100 Pfd. St. Geld an diese Gesellschaft zu zahlen. Wir wollen nun sagen, von diesem Geld brauchen diese letztren 80 Pfd. St. zu ihrer eignen Konsumtion und 20 Pfd. St. zum Kauf von Bedienten etc. Sie kaufen also mit den 80 Pfd. St. Konsumtionsmittel von den industriellen Kapitalisten. Damit strömen diesen, während sich für 80 Pfd. St. Produkt von ihnen entfernt, 80 Pfd. St. Geld zurück oder 4/ von den 100 Pfd. St., die sie an die müßigen 5
Kapitalisten unter den Namen Rente, Zins etc. gezahlt haben. Ferner die Bedientenklasse, die direkten Lohnarbeiter der müßigen Kapitalisten, haben von ihren Herrschaften 20 Pfd. St. erhalten. Sie kaufen damit ebenfalls von den industriellen Kapitalisten für 20 Pfd. St. Konsumtionsmittel. Damit strömen diesen, während sich für 20 Pfd. St. Produkt von ihnen entfernt, 20 Pfd. St. Geld zurück oder das letzte Fünftel von den 100 Pfd. St. Geld, die sie an die müßigen Kapitalisten als Rente, Zins etc. gezahlt haben.
Am Ende der Transaktion sind den industriellen Kapitalisten die 100 Pfd. St. Geld, die sie zur Zahlung von Rente, Zins etc. an die müßigen Kapitalisten abgetreten, zurückgeströmt, während die Hälfte ihres Mehrprodukts = 100 Pfd. St. aus ihren Händen in den Konsumtionsfonds der müßigen Kapitalisten übergegangen ist.
Es ist also für die Frage, um die es sich hier handelt, offenbar ganz überflüssig, die Teilung der 100 Pfd. St. zwischen den müßigen Kapitalisten und ihren direkten Lohnarbeitern irgendwie ins Spiel zu bringen. Die Sache ist einfach: Ihre Renten, Zinsen, kurz der Anteil, der ihnen vom Mehrwert = 200 Pfd. St. zukommt, wird ihnen von den industriellen Kapitalisten in Geld gezahlt, in 100 Pfd. St. Mit diesen 100 Pfd. St. kaufen sie direkt oder indirekt Konsumtionsmittel von den industriellen Kapitalisten. Sie zahlen ihnen also zurück 100 Pfd. St. Geld und entziehn ihnen für 100 Pfd. St. Konsumtionsmittel.
Damit hat der Rückfluß der von den industriellen Kapitalisten an die müßigen Kapitalisten gezahlten 100 Pfd. St. Geld stattgefunden. Ist dieser Geldrückfluß, wie Destutt schwärmt, ein Mittel der Bereicherung für die industriellen Kapitalisten? Vor der Transaktion hatten sie eine Wertsumme von 200 Pfd. St.; 100 Pfd. St. in Geld und 100 Pfd. St. in Konsumtionsmitteln. Nach der Transaktion besitzen sie nur die Hälfte der ursprünglichen Wertsumme. Sie haben wieder die 100 Pfd. St. in Geld, aber sie haben verloren die 100 Pfd. St. in Konsumtionsmitteln, die in die Hände der müßigen Kapitalisten übergegangen sind. Sie sind also um 100 Pfd. St. ärmer statt um 100 Pfd. St. reicher. Hätten sie statt des Umwegs, erst 100 Pfd. St. Geld zu zahlen und dann diese 100 Pfd. St. Geld zurückzuerhalten in Zahlung von 100 Pfd. St. Konsumtionsmittel, direkt Rente, Zins etc. in der Naturalform ihres Produkts gezahlt, so strömten ihnen keine 100 Pfd. St. Geld aus der Zirkulation zurück, weil sie keine 100 Pfd. St. Geld in sie hineingeworfen hätten. Auf dem Weg der Naturalzahlung hätte sich die Sache einfach so dargestellt, daß sie von dem Mehrprodukt zum Wert von 200 Pfd. St. die Hälfte für sich behalten und die andre Hälfte ohne Äquivalent an die müßigen Kapitalisten weggegeben. Selbst Destutt hätte dies nicht für ein Mittel der Bereicherung zu erklären sich versucht fühlen können.
Das Land und das Kapital, das die industriellen Kapitalisten von den müßigen Kapitalisten geliehen und wofür sie ihnen einen Teil des Mehrwerts in Form von Grundrente, Zins etc. zu zahlen haben, war ihnen natürlich profitlich, denn es war eine der Bedingungen der Produktion sowohl des Produkts überhaupt wie des Teils des Produkts, der Mehrprodukt bildet oder worin sich der Mehrwert darstellt. Dieser Profit fließt aus der Benutzung des geliehenen Landes und Kapitals, aber nicht aus dem Preis, der dafür bezahlt wird. Dieser Preis konstituiert vielmehr einen Abzug davon. Oder es müßte behauptet werden, die industriellen Kapitalisten würden nicht reicher, sondern ärmer, wenn sie die andre Hälfte des Mehrwerts für sich selber behalten könnten, statt sie wegzugeben. Aber zu solcher Konfusion führt es, wenn man Zirkulationserscheinungen, wie Geldrückfluß, zusammenwirft mit der Verteilung des Produkts, welche durch solche Zirkulationsphänomene nur vermittelt ist.
Und doch ist derselbe Destutt so pfiffig zu bemerken:
"Woher kommen die Revenuen dieser müßigen Leute? Kommen sie nicht aus der Rente, die ihnen aus ihrem Profit diejenigen zahlen, die die Kapitale der erstern arbeiten machen, d.h. diejenigen, die mit den Fonds der erstern eine Arbeit besolden, die mehr produziert als sie kostet, in einem Worte, die Industriellen? Auf diese muß man also immer zurückgehn, um die Quelle alles Reichtums zu finden. Sie sind es, die in Wirklichkeit die von den erstren beschäftigten Lohnarbeiter ernähren." (p. 246.)
Also jetzt ist die Zahlung dieser Rente etc. Abbruch an dem Profit der Industriellen. Vorhin war es Mittel für sie, sich zu bereichern.
Aber ein Trost ist unserm Destutt doch geblieben. Diese braven Industriellen treiben es mit den müßigen Industriellen, wie sie es untereinander und gegen die Arbeiter getrieben haben. Sie verkaufen ihnen alle Waren zu teuer, z.B. um 20%. Nun ist zweierlei möglich. Die Müßigen haben außer den 100 Pfd. St., die sie jährlich von den Industriellen erhalten, noch andre Geldmittel, oder sie haben sie nicht. Im ersten Fall verkaufen die Industriellen ihnen Ware und Werte von 100 Pfd. St. zum Preis sage von 120 Pfd. St. Es strömen ihnen also beim Verkauf ihrer Waren nicht nur die 100 Pfd. St. zurück, die sie an die Müßigen gezahlt, sondern außerdem noch 20 Pfd. St., die wirklich Neuwert für sie bilden. Wie steht nun die Rechnung? Sie haben für 100 Pfd. St. Ware umsonst weggegeben, denn die 100 Pfd. St. Geld, womit sie zum Teil bezahlt, waren ihr eignes Geld. Ihre eigne Ware ist ihnen also mit ihrem eignen Geld bezahlt worden. Also 100 Pfd. St. Verlust. Aber sie haben außerdem 20 Pfd. St. für Überschuß des Preises über den Wert erhalten. Also 20 Pfd. St. Gewinn; dazu 100 Pfd. St. Verlust macht 80 Pfd. St. Verlust, wird nie ein Plus, bleibt immer ein Minus. Die an den Müßigen verübte Prellerei hat den Verlust der Industriellen vermindert, aber deswegen nicht Verlust von Reichtum für sie in Bereicherungsmittel verwandelt. Diese Methode kann aber auf die Länge nicht gehn, da die Müßigen unmöglich jährlich 120 Pfd. St. Geld zahlen können, wenn sie jährlich nur 100 Pfd. St. Geld einnehmen.
Also die andre Methode: Die Industriellen verkaufen Waren von 80 Pfd. St. Wert für die 100 Pfd. St. Geld, die sie den Müßigen bezahlt haben. In diesem Fall geben sie vor wie nach 80 Pfd. St. umsonst weg, in der Form von Rente, Zins etc. Durch diese Prellerei haben sie den Tribut an die Müßigen vermindert, aber er existiert nach wie vor, und die Müßigen sind im Stand, nach derselben Theorie, wonach die Preise von dem guten Willen der Verkäufer abhängen, künftig 120 Pfd. St. Rente, Zins etc. für ihr Land und Kapital zu verlangen statt wie bisher 100 Pfd. St.
Diese glänzende Entwicklung ist ganz des tiefen Denkers würdig, der auf der einen Seite dem A. Smith abschreibt, daß
"Arbeit die Quelle alles Reichtums ist" (p. 242),
daß die industriellen Kapitalisten
"ihr Kapital anwenden, um Arbeit zu bezahlen, die es mit Profit reproduziert" (p. 246),
und auf der andern Seite schließt, daß diese industriellen Kapitalisten
"alle übrigen Menschen ernähren, allein das öffentliche Vermögen vermehren und alle unsre Mittel des Genusses schaffen" (p. 242),
daß nicht die Kapitalisten von den Arbeitern, sondern die Arbeiter von den Kapitalisten ernährt werden, und zwar aus dem brillanten Grund, weil das Geld, womit die Arbeiter gezahlt werden, nicht in ihrer Hand bleibt, sondern beständig zu den Kapitalisten zurückkehrt in Zahlung der von den Arbeitern produzierten Waren.
"Sie empfangen nur mit einer Hand und geben mit der andern zurück. Ihre Konsumtion muß also angesehn werden als erzeugt durch diejenigen, die sie besolden." (p. 235.)
Nach dieser erschöpfenden Darstellung der gesellschaftlichen Reproduktion und Konsumtion, wie sie vermittelt ist durch die Geldzirkulation, fährt Destutt fort:
"Das ist es, was dies perpetuum mobile des Reichtums vervollständigt, eine Bewegung, die, obwohl schlecht verstanden" mal connu – sicher!}, "mit Recht Zirkulation genannt worden ist; denn sie ist in der Tat ein Kreislauf und kommt immer zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Dieser Punkt ist derjenige, wo die Produktion sich vollzieht." (p. 239, 240.)
Destutt, that very distinguished writer, membre de l'Institut de France et de la Société Philosophique de Philadelphie, und in der Tat gewissermaßen ein Lumen unter den Vulgärökonomen, ersucht den Leser schließlich, die wundervolle Klarheit zu bewundern, womit er den Verlauf des gesellschaftlichen Prozesses dargestellt, den Lichtstrom, den er über den Gegenstand ausgegossen, und ist sogar herablassend genug, dem Leser mitzuteilen, wo all dies Licht herkommt. Dies muß im Original gegeben werden:
"On remarquera, j'espère, combien cette manière de considérer la consommation de nos richesses est concordante avec tout ce que nous avons dit à propos de leur production et de leur distribution, et en même temps quelle clarté elle répand sur toute la marche de la société. D'où viennent cet accord et cette lucidité? De ce que nous avons rencontré la vérité. Cela rappelle l'effet de ces miroirs où les objets se peignent nettement et dans leurs justes proportions, quand on est placé dans leur vrai point-de-vue, et où tout paraît confus et désuni, quand on en est trop près ou trop loin." (p. 242, 243.)
Voilà le crétinisme bourgeois dans toute sa béatitude!
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