Der Tor und der Tod

Hugo von Hofmannsthal · Kapitel 2 von 3

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Der Tor und der Tod

Der Tod

 

Mein Kommen, Freund, hat stets nur e i n e n Sinn!

 

CLAUDIO

 

Bei mir hats eine Weile noch d a h i n!

Merk: eh das Blatt zu Boden schwebt,

Hat es zur Neige seinen Saft gesogen!

Dazu fehlt viel: Ich habe nicht gelebt!

 

DER TOD

 

Bist doch, wie alle, deinen Weg gezogen!

 

CLAUDIO

 

Wie abgerißne Wiesenblumen

Ein dunkles Wasser mit sich reißt,

So glitten mir die jungen Tage,

Und ich hab nie gewußt, daß das schon Leben heißt.

Dann … stand ich an den Lebensgittern,

Der Wunder bang, von Sehnsucht süß bedrängt,

Daß sie in majestätischen Gewittern

Auffliegen sollten, wundervoll gesprengt.

Es kam nicht so … und einmal stand ich drinnen,

Der Weihe bar, und konnte mich auf mich

Und alle tiefsten Wünsche nicht besinnen,

Von einem Bann befangen, der nicht wich.

Von Dämmerung verwirrt und wie verschüttet,

Verdrießlich und im Innersten zerrüttet,

Mit halbem Herzen, unterbundnen Sinnen

In jedem Ganzen rätselhaft gehemmt,

Fühlt ich mich niemals recht durchglutet innen,

Von großen Wellen nie so recht geschwemmt,

Bin nie auf meinem Weg dem Gott begegnet,

Mit dem man ringt, bis daß er einen segnet.