Die Räuber
Zweyte Scene.
Gegend an der Donau.
Die Räuber.
(gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden am Hügel hinunter.)
Moor. Hier muß ich liegen bleiben (wirft sich auf die Erde.) Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe (Schweizer verliert sich unvermerkt.) Ich wollt' euch bitten, mir eine Handvoll Wassers aus diesem Strome zu holen, aber ihr seyd alle matt bis in den Tod.
Schwarz. Auch ist der Wein all in unsern Schläuchen.
Moor. Seht doch, wie schön das Getraide steht! — Die Bäume brechen fast unter ihrem Seegen. — Der Weinstock voll Hoffnung.
Grimm. Es gibt ein fruchtbares Jahr.
Moor. Meinst du? — Und so würde doch Ein Schweiß in der Welt bezahlt. Einer? — — Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zu Grund schlagen.
Schwarz. Das ist leicht möglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenige Stunden vorm Schneiden.
Moor. Das sag ich ja. Es wird alles zu Grund gehn. Warum soll dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den Göttern gleich macht? — oder ist hier die Mark seiner Bestimmung?
Schwarz. Ich kenne sie nicht.
Moor. Du hast gut gesagt, und noch besser gethan, wenn du sie nie zu kennen verlangtest! — Bruder — ich habe die Menschen gesehen, ihre Bienensorgen, und ihre Riesenprojekte — ihre Götterplane und ihre Mäusegeschäfte, das wunderseltsame Wettrennen nach Glückseligkeit; — dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut — ein anderer der Nase seines Esels — ein dritter seinen eigenen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens, worein so mancher seine Unschuld, und — seinen Himmel setzt, einen Treffer zu haschen, und — Nullen sind der Auszug — am Ende war kein Treffer darinn. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Thränen in deine Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zum Gelächter kitzelt.
Schwarz. Wie herrlich die Sonne dort untergeht!
Moor (in den Anblick versenkt.) So stirbt ein Held! — Anbetenswürdig!
Grimm. Du scheinst tief gerührt.
Moor. Da ich noch ein Bube war — wars mein Lieblings-Gedanke wie sie zu leben, zu sterben wie sie — (mit verbißnem Schmerz.) Es war ein Bubengedanke!
Grimm. Das will ich hoffen.
Moor (drückt den Hut übers Gesicht.) Es war eine Zeit — Laßt mich allein, Kameraden.
Schwarz. Moor! Moor! Was zum Henker? — wie er seine Farbe verändert!
Grimm. Alle Teufel! was hat er? wird ihm übel?
Moor. Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein Nachtgebet vergessen hatte —
Grimm. Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren hofmeistern lassen?
Moor (legt sein Haupt auf Grimms Brust.) Bruder! Bruder!
Grimm. Wie? sey doch kein Kind — ich bitte dich —
Moor. Wär' ich's — wär' ich's wieder!
Grimm. Pfui! Pfui!
Schwarz. Heitre dich auf. Sieh diese mahlerische Landschaft — den lieblichen Abend.
Moor. Ja Freunde, diese Welt ist so schön.
Schwarz. Nun, das war wohl gesprochen.
Moor. Diese Erde so herrlich.
Grimm. Recht — recht — so hör' ich's gerne.
Moor (zurückgesunken.) Und ich so häßlich auf dieser schönen Welt — und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.
Grimm. O weh! o weh!
Moor. Meine Unschuld! Meine Unschuld! — Seht! es ist alles hinausgegangen, sich im friedlichen Stral des Frühlings zu sonnen — warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels? — daß alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so verschwistert! — die ganze Welt Eine Familie und ein Vater dort oben — Mein Vater nicht — Ich allein der Verstossene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinen — mir nicht der süße Name Kind — nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick — nimmer, nimmer des Busenfreundes Umarmung (wild zurückfahrend.) Umlagert von Mördern — von Nattern umzischt — angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden — hinausschwindelnd in's Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendem Rohr — mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abbadona!
Schwarz (zu den übrigen.) Unbegreiflich! Ich hab ihn nie so gesehen.
Moor (mit Wehmuth.) Daß ich wiederkehren dürfte in meiner Mutter Leib! daß ich ein Bettler geboren werden dürfte! — Nein! ich wollte nicht mehr, o Himmel — daß ich werden dürfte wie dieser Taglöhner einer! — O ich wollte mich abmüden, daß mir das Blut von den Schläfen rollte — mir die Wohllust eines einzigen Mittagschlafs zu erkaufen — die Seligkeit einer einzigen Thräne.
Grimm (zu den andern.) Nur Geduld, der Paroxysmus ist schon im Fallen.
Moor. Es war eine Zeit, wo sie mir so gern floßen — o ihr Tage des Friedens! Du Schloß meines Vaters — ihr grünen schwärmerischen Thäler! O all ihr Elysiums-Scenen meiner Kindheit! — Werdet ihr nimmer zurückkehren — nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen? — Traure mit mir Natur — Sie werden nimmer zurückkehren, nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen kühlen. — Dahin! dahin! unwiederbringlich! —
Schweizer (mit Wasser im Hut.)
Schweizer. Sauf zu, Hauptmann — hier ist Wasser genug, und frisch wie Eis.
Schwarz. Du blutest ja — was hast du gemacht?
Schweizer. Narr, einen Spaß, der mich bald zwey Beine und einen Hals gekostet hätte. Wie ich so auf dem Sandhügel am Fluß hintrolle, glitsch, so rutscht der Plunder unter mir ab, und ich zehn rheinländische Schuhe lang hinunter — da lag ich, und wie ich mir eben meine fünf Sinne wieder zurecht setze, treff ich dir das klarste Wasser im Kies. Genug dießmal für den Tanz, dacht' ich, dem Hauptmann wirds wohl schmecken.
Moor (gibt ihm den Hut zurück, und wischt ihm sein Gesicht ab.) Sonst sieht man ja die Narben nicht, die die böhmischen Reuter in deine Stirne gezeichnet haben — dein Wasser war gut, Schweizer — diese Narben stehen dir schön.
Schweizer. Pah! hat noch Platz genug für ihrer dreyßig.
Moor. Ja, Kinder — es war ein heißer Nachmittag — und nur Einen Mann verloren — mein Roller starb einen schönen Tod. Man würde einen Marmor auf seine Gebeine setzen, wenn er nicht mir gestorben wäre. Nehmet vorlieb mit diesem (er wischt sich die Augen.) Wie viel warens doch von den Feinden, die auf dem Platz blieben?
Schweizer. Hundert und sechszig Husaren — drey und neunzig Dragoner, gegen vierzig Jäger — dreyhundert in allem.
Moor. Dreyhundert für Einen! — Jeder von Euch hat Anspruch an diesen Scheitel! (Er entblößt sich das Haupt.) Hier heb ich meinen Dolch auf! So wahr meine Seele lebt! Ich will euch niemals verlassen.
Schweizer. Schwöre nicht! du weist nicht, ob du nicht noch glücklich werden, und bereuen wirst.
Moor. Bey den Gebeinen meines Rollers! Ich will euch niemals verlassen.
Kosinsky (kommt.)
Kosinsky (vor sich.) In dieser Revier herum, sagen sie, werd ich ihn antreffen — he holla! was sind das für Gesichter? — Solltens — wie wenn's diese — sie sind's, sind's! — ich will sie anreden.
Schwarz. Gebt Acht! wer kommt da?
Kosinsky. Meine Herrn! verzeihen Sie! Ich weiß nicht, geh ich recht, oder unrecht?
Moor. Und wer müssen wir seyn, wenn Sie recht geh'n?
Kosinsky. Männer!
Schweizer. Ob wir das auch gezeigt haben, Hauptmann?
Kosinsky. Männer such' ich, die dem Tod in's Gesicht sehen, und die Gefahr wie eine zahme Schlange um sich spielen lassen, die Freyheit höher schätzen, als Ehre und Leben, deren bloser Name, willkommen dem Armen und Unterdrückten, die Beherztesten feig und Tyrannen bleich macht.
Schweizer (zum Hauptmann.) Der Bursche gefällt mir. — Höre, guter Freund! Du hast deine Leute gefunden.
Kosinsky. Das denk' ich, und will hoffen, bald meine Brüder. — So könnt ihr mich dann zu meinem rechten Manne weisen, denn ich such euren Hauptmann, den grosen Grafen von Moor.
Schweizer (gibt ihm die Hand mit Wärme.) Lieber Junge! wir dutzen einander.
Moor (näher kommend.) Kennen Sie auch den Hauptmann?
Kosinsky. Du bist's — in dieser Miene — wer sollte dich anseh'n, und einen andern suchen? (starrt ihn lang an.) Ich habe mir immer gewünscht, den Mann mit dem vernichtenden Blicke zu sehen, wie er saß auf den Ruinen von Karthago — itzt wünsch ich es nicht mehr.
Schweizer. Blitzbub!
Moor. Und was führt Sie zu mir?
Kosinsky. O Hauptmann! mein mehr als grausames Schicksal — ich habe Schiffbruch gelitten auf der ungestümmen See dieser Welt, die Hoffnungen meines Lebens hab ich müssen sehen in den Grund sinken, und blieb mir nichts übrig, als die marternde Erinnerung ihres Verlustes, die mich wahnsinnig machen würde, wenn ich sie nicht durch anderwärtige Thätigkeit zu ersticken suchte.
Moor. Schon wieder ein Kläger wider die Gottheit! — Nur weiter.
Kosinsky. Ich wurde Soldat. Das Unglück verfolgte mich auch da — ich machte eine Fahrt nach Ostindien mit, mein Schiff scheiterte an Klippen — nichts als fehlgeschlagene Plane! Ich höre endlich weit und breit erzählen von deinen Thaten, Mordbrennereyen, wie sie sie nannten, und bin hieher gereist dreyßig Meilen weit, mit dem festen Entschluß, unter dir zu dienen, wenn du meine Dienste annehmen willst — Ich bitte dich, würdiger Hauptmann, schlage mir's nicht ab!
Schweizer (mit einem Sprung.) Heysa! Heysa! So ist ja unser Roller zehnhundertfach vergütet! Ein ganzer Mordbruder für uns're Bande!
Moor. Wie ist dein Name?
Kosinsky. Kosinsky.
Moor. Wie? Kosinsky! weist du auch, daß du ein leichtsinniger Knabe bist, und über den grosen Schritt deines Lebens weggaukelst, wie ein unbesonnenes Mädchen — Hier wirst du nicht Bälle werfen oder Kegelkugeln schieben, wie du dir einbildest.
Kosinsky. Ich weiß, was du sagen willst — ich bin vier und zwanzig Jahr alt, aber ich habe Degen blinken gesehen, und Kugeln um mich surren gehört.
Moor. So junger Herr? — Und hast du dein Fechten nur darum gelernt, arme Reisende um einen Reichsthaler niederzustossen, oder Weiber hinterrücks in den Bauch zu stechen? Geh, geh! du bist deiner Amme entlaufen, weil sie dir mit der Ruthe gedroht hat.
Schweizer. Was zum Henker, Hauptmann! was denkst du? willst du diesen Herkules fortschicken? Sieht er nicht gerade so drein, als wollt' er den Marschall von Sachsen mit einem Rührlöffel über den Ganges jagen?
Moor. Weil dir deine Lappereyen mißglücken, kommst du, und willst ein Schelm, ein Meuchelmörder werden? — Mord, Knabe, verstehst du das Wort auch? du magst ruhig schlafen gegangen seyn, wenn du Mohnköpfe abgeschlagen hast, aber einen Mord auf der Seele zu tragen. —
Kosinsky. Jeden Mord, den du mich begehen heist, will ich verantworten.
Moor. Was? bist du so klug? Willst du dich anmaßen, einen Mann mit Schmeicheleyen zu fangen? Woher weist du, daß ich nicht böse Träume habe, oder auf dem Todbett nicht werde blaß werden? wie viel hast du schon gethan, wobey du an Verantwortung gedacht hast?
Kosinsky. Wahrlich! noch sehr wenig, aber doch diese Reise zu dir, edler Graf!
Moor. Hat dir dein Hofmeister die Geschichte des Robins in die Hände gespielt? — Man sollte dergleichen unvorsichtige Kanaillen auf die Galeere schmieden, — die deine kindische Phantasie erhitzte, und dich mit der tollen Sucht zum großen Mann ansteckte? Kützelt dich nach Namen und Ehre? willst du Unsterblichkeit mit Mordbrennereyen erkaufen? Merk dir's, ehrgeitziger Jüngling! Für Mordbrenner grünet kein Loorbeer! Auf Banditen-Siege ist kein Triumph gesetzt — aber Fluch, Gefahr, Tod, Schande — siehst du auch das Hochgericht dort auf dem Hügel?
Spiegelberg (unwillig auf und abgehend.) Ey wie dumm! wie abscheulich, wie unverzeihlich dumm! das ist die Manier nicht! ich hab's anderst gemacht.
Kosinsky. Was soll der fürchten, der den Tod nicht fürchtet?
Moor. Brav! Unvergleichlich! Du hast dich wacker in den Schulen gehalten, du hast deinen Seneka meisterlich auswendig gelernt. — Aber, lieber Freund, mit dergleichen Sentenzen wirst du die leidende Natur nicht beschwätzen, damit wirst du die Pfeile des Schmerzens nimmermehr stumpf machen. — Besinne dich recht, mein Sohn! (Er nimmt seine Hand.) Denk, ich rathe dir als ein Vater — lern erst die Tiefe des Abgrunds kennen, eh du hineinspringst! Wenn du noch in der Welt eine einzige Freude zu erhaschen weist — es könnten Augenblicke kommen, wo du — aufwachst — und dann — möchte es zu spät seyn. Du trittst hier gleichsam aus dem Kreise der Menschheit — entweder must du ein höherer Mensch seyn, oder du bist ein Teufel — Noch einmal, mein Sohn! wenn dir noch ein Funken von Hoffnung irgend anderswo glimmt, so verlaß diesen schröcklichen Bund, den nur Verzweiflung eingeht, wenn ihn nicht eine höhere Weisheit gestiftet hat — Man kann sich täuschen — glaube mir, man kann das für Stärke des Geistes halten, was doch am Ende Verzweiflung ist — Glaube mir, mir! und mach dich eilig hinweg.
Kosinsky. Nein! ich fliehe itzt nicht mehr. Wenn dich meine Bitten nicht rühren, so höre die Geschichte meines Unglücks. — Du wirst mir dann selbst den Dolch in die Hände zwingen, du wirst — lagert euch hier auf dem Boden, und hört mir aufmerksam zu!
Moor. Ich will sie hören.
Kosinsky. Wisset also, ich bin ein böhmischer Edelmann, und wurde durch den frühen Tod meines Vaters Herr eines ansehnlichen Ritterguts. Die Gegend war paradisisch — denn sie enthielt einen Engel — ein Mädchen geschmückt mit allen Reizen der blühenden Jugend, und keusch wie das Licht des Himmels. Doch, wem sag ich das? Es schallt an euren Ohren vorüber — ihr habt niemals geliebt, seyd niemals geliebt worden —
Schweizer. Sachte, sachte! unser Hauptmann wird feuerroth.
Moor. Hör auf! ich wills ein andermal hören — morgen, nächstens, oder — wenn ich Blut gesehen habe.
Kosinsky. Blut, Blut — höre nur weiter! Blut sag ich dir, wird deine ganze Seele füllen. Sie war bürgerlicher Geburt, eine Deutsche — aber ihr Anblick schmelzte die Vorurtheile des Adels hinweg. Mit der schüchternsten Bescheidenheit nahm sie den Trauring von meiner Hand, und übermorgen sollte ich meine Amalia vor den Altar führen.
Moor (steht schnell auf.)
Kosinsky. Mitten im Taumel der auf mich wartenden Seligkeit, unter den Zurüstungen zur Vermählung — werd ich durch einen Expressen nach Hof citiert. Ich stellte mich. Man zeigte mir Briefe, die ich geschrieben haben sollte, voll verrätherischen Inhalts. Ich erröthete über der Bosheit — man nahm mir den Degen ab, warf mich ins Gefängniß, alle meine Sinnen waren hinweg.
Schweizer. Und unterdessen — nur weiter! ich rieche den Braten schon.
Kosinsky. Hier lag ich einen Monath lang, und wußte nicht, wie mir geschah. Mir bangte für meine Amalia, die meines Schicksals wegen jede Minute einen Tod würde zu leiden haben. Endlich erschien der erste Minister des Hofes, wünschte mir zur Entdeckung meiner Unschuld Glück, mit zuckersüssen Worten, liest mir den Brief der Freiheit vor, gibt mir meinen Degen wieder. Itzt im Triumphe nach meinem Schloß, in die Arme meiner Amalia zu fliegen, — sie war verschwunden. In der Mitternacht sey sie weggebracht worden, wüßte niemand, wohin? und seitdem mit keinem Aug mehr gesehen. Hui! schoß mirs auf wie der Blitz, ich flieg nach der Stadt, sondire am Hof — alle Augen wurzelten auf mir, niemand wollte Bescheid geben — endlich entdeck ich sie durch ein verborgenes Gitter im Pallast — sie warf mir ein Billetchen zu.
Schweizer. Hab ich's nicht gesagt?
Kosinsky. Hölle, Tod und Teufel! da stands! man hatte ihr die Wahl gelassen, ob sie mich lieber sterben sehen, oder die Mätresse des Fürsten werden wollte. Im Kampf zwischen Ehre und Liebe entschied sie für das zweyte, und (lachend) ich war gerettet.
Schweizer. Was thatst du da?
Kosinsky. Da stand ich, wie von tausend Donnern getroffen! — Blut! war mein erster Gedanke, Blut! mein letzter. Schaum auf dem Munde, renn ich nach Haus, wähle mir einen dreyspitzigen Degen, und damit in aller Hast in des Ministers Haus, denn nur er — er nur war der höllische Kuppler gewesen. Man muß mich von der Gasse bemerkt haben, denn wie ich hinauf trete, waren alle Zimmer verschlossen. Ich suche, ich frage: Er sey zum Fürsten gefahren, war die Antwort. Ich mache mich geradenwegs dahin, man wollte nichts von ihm wissen. Ich gehe zurück, sprenge die Thüren ein, find ihn, wollte eben — aber da sprangen fünf bis sechs Bediente aus dem Hinterhalt, und entwanden mir den Degen.
Schweizer (stampft auf den Boden.) Und er kriegte nichts, und du zogst leer ab?
Kosinsky. Ich ward ergriffen, angeklagt, peinlich processirt, infam — merkts euch! — aus besonderer Gnade infam aus den Gränzen gejagt, meine Güter fielen als Präsent dem Minister zu, meine Amalia bleibt in den Klauen des Tygers, verseufzt und vertrauert ihr Leben, während daß meine Rache fasten, und sich unter das Joch des Despotismus krümmen muß.
Schweizer (aufstehend seinen Degen wetzend.) Das ist Wasser auf unsere Mühle, Hauptmann! Da gibts was anzuzünden!
Moor (der bisher in heftigen Bewegungen hin und her gegangen, springt rasch auf, zu den Räubern.) Ich muß sie sehen — auf! rafft zusammen — du bleibst, Kosinsky — pakt eilig zusammen!
Die Räuber. Wohin? Was?
Moor. Wohin? wer fragt wohin? (heftig zu Schweizern.) Verräther, du willst mich zurückhalten? Aber bey der Hoffnung des Himmels! —
Schweizer. Verräther ich? — geh in die Hölle, ich folge dir!
Moor (fällt ihm um den Hals.) Bruderherz! du folgst mir — sie weint, sie weint, sie vertrauert ihr Leben. Auf! hurtig! alle! nach Franken! in acht Tagen müssen wir dort seyn.
(Sie gehen ab.)