Eine dänische Geschichte

Adele Schopenhauer · Kapitel 4 von 8

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Eine dänische Geschichte

Kapitel 2

Gerührt schloß die Nordermule ihren ältesten Zögling in die Arme, und benetzte dessen Locken mit Thränen; Amalie war um fast acht Jahre älter als Helene, und allerdings war es die höchste Zeit zur Ausführung der längst skizzirten Idylle zu schreiten! –

Helene war unbemerkt eingetreten, sie stand auf der Schwelle und lehnte unsäglich gelangweilt das Haupt an den Thürpfosten.

»Nun wird es zwei Ausstattungen zugleich zu bereiten geben,« sagte, sorgsam Aug' und Wange trocknend, die kleine Alte. »Ach, wenn man dabei an alle die gegenüber aufgehäuften Schätze denkt.« –

»Um Himmels willen, ma bonne,« rief, hocherfreut diesen Gegenstand einmal erwähnt zu hören, Annette, »sagen Sie mir endlich, was man in diesen ewig vor Luft, Sonne und Menschen verschlossenen Zimmern bewahrt! Hundertmal schon habe ich Sie fragen wollen, welchen Schatz eigentlich diese Zauberhöhle umschließt?«

»Was denn anders als unserer verstorbenen Tante Ausstattung,« fuhr Amalie fast zürnend auf, »Du mußt es ja längst wissen! plage doch unsere arme gute Emerenzia nicht! Die Erinnerung an jene alte vergessene Geschichte macht sie jedesmal nervös und krank!«

»Ja ja!« sagte starr vor sich hinschauend, aber die hochliegenden, wasserblauen Augen bewußtlos in's Leere gerichtet, die kleine Bucklige. »So ist es! es war die glänzende Ausstattung der unvergleichlichen Ulrike, des Sterns meiner Kindheit und Jugend! ach, ich habe ihn nie in seiner ganzen Lichteskraft leuchten gesehen! Nur wenige Wochen vor ihrem Tode kehrte ihr das volle Bewußtsein zurück; sie flammte noch einmal auf, wie eine verlöschende Kerze. Liebe Kinder, ich bin recht viele Jahre über die Erde hingewandert, manchen Sommer und Winter entlang, doch ihres Gleichen an Sanftmuth und eingeborner Sitte ist mir nimmer zum zweitenmal begegnet! Wer Ulriken sah, hätte auch ohne unsre heilige Offenbarung an den Himmel und seine ewige Vergeltung geglaubt!«

»Aber liebe Nordermule,« rief plötzlich vortretend Helene, »Du mußt ja noch ein Kind gewesen sein, als die Tante verschied, ich habe sie niemals gesehen, bei meiner Geburt war sie vermuthlich schon lange todt.« Seitdem das Gespräch um diesen Gegenstand sich drehte, war sie dem Gange desselben aufmerksam gefolgt.

Die Alte schüttelte verneinend das Haupt. »Es sind kaum dreißig Jahre, daß

unser theures Fröken[2] geendet,« erwiederte sie, »ich aber zähle sechs und funfzig Jahre!«