Entscheidung aus Liebe

Any Cherubim · Kapitel 1 von 1 · Teil 2/3

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Entscheidung aus Liebe

Entscheidung aus Liebe

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.

“Was ist beschlossene Sache?” fragte eine Männerstimme, die vom Türrahmen herkam.

Beide Frauen sahen zur Tür und sah zu Jeff. Beide hatten Jeff nicht bemerkt.

“Kate wird hier bleiben und mir Laden zu Hand gehen!” sagte Pat stolz.

“Erzähl mir etwas Mom, was ich noch nicht weiß!” sagte er frech zu seiner Mutter und grinste.

Fragend sah Pat ihren Sohn an.

“Woher wusstest du das?”

“Mom, ich wusste, dass sie früher oder später zu Vernunft kommen würde.” Wieder grinste er.

“Dann wusstest du mehr als ich. Mein Sohn.” sagte sie und stand langsam vom Bett auf. Liebevoll nahm sie Kates Kinn in ihre Hand. “Nimm dir einfach ein paar Tage.“ Du wirst sehen, es wird alles gut. Gute Nacht Kate, schlaf schön.”

Sie küsste Kate auf die Stirn und ging aus dem Zimmer. “Hast du gehört, was meine Mutter gesagt hat?” fragte Jeff Kate und setzte

sich zu Kate, an die Stelle wo vorher seine Mutter saß. Sie nickte und sah ihn fröhlich an.

“Es wird alles gut.” wiederholte er. Bei ihrem letzten Spaziergang dachte Kate eigentlich, dass er sie nicht durchschauen würde. Doch da hatte sie ihn wahrscheinlich unterschätzt. Jetzt verstand sie auch, warum es ihm so schwer gefallen war abzureisen. Er wusste ganz genau, wie schlecht es ihr ging.

“Seit wann hat Peter den eine Freundin?” fragte Kate, um vom Thema abzulenken. Er lachte kurz. “Seit ein paar Monaten!“ „Sie ist nett!“ sagte Kate.

“Peter ist ganz vernarrt in sie. Sie haben sich auf einer Party kennengelernt. Und wie das halt eben so ist …, du weißt schon!” Kate nickte wissend.

“Bist du müde?” wollte er wissen.

“Ja, ich werde jetzt schlafen.”

“O.K.!“ sagte Jeff, stand von ihrem Bett auf und ging zur Tür. “Dann schlaf dich jetzt erst mal richtig aus, wir sehen uns morgen.” Dann zwinkerte er ihr noch einmal zu und schloss leise hinter sich die Tür.

Die folgenden vier Tage vergingen schnell. Und Kate konnte sich wirklich entspannen. Alle gaben ihr den Freiraum, den sie brauchte. Selbst Pat, die sich gerne mit übertriebener Bemutterung um Kate kümmern wollte, hielt sich zurück. Jeff und Phil arbeiteten den ganzen Tag und Pat stand auch die meiste Zeit im Laden. Lediglich in der zwei stündigen Mittagspause kam Pat nachhause, um mit Kate zu Mittag zu Essen. Abends wenn Phil und Jeff von der Arbeit kamen, saßen sie alle am Tisch zusammen. Es war wie in alten Zeiten. Nur Peter war nicht oft da. Er hatte sich in der Innenstadt eine kleine Wohnung genommen und kam alle paar Tage bei seinen Eltern vorbei. Das Ausschlafen tat Kate gut und schnell waren ihre Schatten um ihre Augen verschwunden. Jetzt konnte sie auch an ihre Mutter denken, ohne dass diese innerliche Panik aufkam. Die rote Strickjacke half ihr dabei. Sie ging oft spazieren. Natürlich war die Trauer noch nicht ganz überwunden, aber die Zeit würde ihr helfen, dass es nicht mehr ganz so schwer war. Und das tat es jetzt schon.

Um nicht ganz zu faulenzen, kochte Kate jeden Abend das Abendessen. Sie versorgte auch den Haushalt, versuchte natürlich Ihrer Tante Pat so viel wie möglich abzunehmen. Sie wollte ihnen auf keinen Fall auf der Tasche liegen, solange sie noch kein eigenes Geld verdiente.

Sie verbrachte auch viel Zeit mit Jeff. Abends nach dem Essen spielten sie oft Schach. Genauso. wie vorher, war er ihr bester Freund und sie war so froh, dass sie ihn hatte. Es gab nur eine Sache, die sie noch nicht herausgefunden hatte. Etwas stimmte mit seinen Augen nicht. Etwas, was sie von ihm nicht kannte und auch nicht deuten konnte. Es war auch nicht ständig so. Sie ertappte ihn manchmal dabei, das er sie ansah oder beobachtete. Jeff würde schon sagen, wenn etwas wäre, da war sie sich sicher. So war es eben immer gewesen. Und noch machte sie sich deshalb keine großen Gedanken darüber.

Es war Tag neun bei den Bennets als Kate diesmal etwas früher erwachte. Jeff und Pat waren schon bei der Arbeit, nur Phil war im Haus. Musste er nicht arbeiten? Fragte sich Kate. “Oh, guten Morgen Kate. Ich hab gar nicht bemerkt, dass du schon wach bist. Setzt dich, …Frühstück?”

“Hast du heute Frei?” fragte Kate setzte sich und nahm sich die Packung mit den Flocken, die Pat extra für sie gekauft hatte. “Ja, ich hab mir diese Woche frei genommen, ich muss ein paar Dinge im Haus erledigen. Während er ihr das sagte, hatte er nur kurz von seiner Zeitung aufgesehen. Sie sollte nicht merken, dass er voller Vorfreude war, weil er eine Überraschung für Kate in den nächsten Tagen plante.

“Und was machst du heute?” fragte er belanglos. Kate zögerte ein wenig. Sie wollte heute nicht den ganzen Tag zuhause sitzen. Es regnete schon seit ein paar Stunden und es würde wohl den ganzen Tag so weiter gehen. Außerdem konnte sie die Lust auf den Blumenladen heute nicht mehr unterdrücken. Pat hatte ihr gestern noch gesagt, sie solle sich soviel Zeit nehmen wie sie wollte, doch jetzt hielt sie es einfach nicht mehr aus. Sie hoffte nur, dass Phil ihr Vorhaben ihr nicht ausreden wollte.

“Weißt du,… begann sie vorsichtig, ich dachte ich schau heute mal bei Tante Pat im Laden vorbei.“ Jetzt legte Phil seine Zeitung beiseite und sah sie verwundert an. Er schien eine Weile zu überlegen. “Wenn du schon so weit bist, ist das in Ordnung, Kate! Möchtest du das ich dich fahre?“

Ihre Augen sprühten fast vor Energie und lächelten ihn Dankbar an. “Das wäre schrecklich lieb von dir, Onkel Phil.“ “Frühstücke zu Ende und hol deine Regenjacke. Phil war froh das Kate den heutigen Tag bei Pat verbrachte, denn so hatte er genügend Zeit eine Überraschung für Kate vorzubereiten und wurde dabei nicht ertappt.

Nachdem sie sich kurz ein paar Flocken mit Milch gönnte, fuhr Phil Kate zu Pat`s Blumenladen. Kate gab ihrem Onkel einen flüchtigen Kuss auf die Wange und stieg schnell aus.

 

Kapitel 4

Der Blumenladen

Das war es nun, womit sie beginnen wollte ihr Leben neu zu ordnen. Sie freute sehr sich darauf. Sie stand vor dem Schaufenster und betrachtete die Auslagen. Endlich, Kate hatte nun eine Aufgabe, der sie sich widmen konnte. Und das Beste daran: Sie wusste, dass sie es lieben würde.

Sie öffnete langsam die Ladentür. Die kleine Glocke, schrillte auf. “Einen Moment bitte, ich komme gleich”, rief Pat freundlich. Kate sah sich in dem Laden um.

An den Wänden standen alte Holz und Metallregale. Es gab einen Bereich nur für Schnittblumen, die alle in schwarzen Plastikbehälter standen. Natürlich waren die Blumensorten sortiert. Dem Holzregalen sah man ihr alter schon etwas an. Auf ihnen standen überall bunte und dazwischen auch leere Blumentöpfe, die nur darauf warteten, dass jemand eine Pflanze hinein tat. Auf den Boden vor den Schnittblumeneimern standen schon fertig gebundene bunte Blumensträuße. Ein klein wenig musste man aufpassen, das man nicht unbeabsichtigt dagegen trat. Im hinteren Bereich des Ladens standen große Zimmerpflanzen in großen Kübeln. In der Mitte des Verkaufsraums war ein großer Tisch aufgebaut, auf dem alle möglichen Dekorationsartikel, wie auf einem Flohmarkt feil geboten wurden. Dann die Theke mit der Verbindungstür, zu weiteren Räumlichkeiten. Insgesamt wurden die Blumen und Pflanzen gut beleuchtet, trotzdem konnte Kate die leise Enttäuschung, die sie spürte nicht ignorieren. Als sie das letzte mal in diesem Laden stand, war sie ein Kind gewesen und damals war der Laden sicherlich so in Ordnung. Es hatte sich nicht viel verändert. Leider! Der Laden war schlicht und ergreifend alt geworden. Er war überseht mit Kitsch und viel Kram. Selbst die kleine Ecke mit Obst und Gemüse hatte Tante Pat nicht aufgegeben.

In ihrem Kopf hallten die Worte ihrer Tante wieder: “Was hältst du davon, wenn du mir in meinem Blumenladen hilfst? Wir haben zwar nicht besonderes viele Kunden, aber …”

Oh je, das wird ein hartes Stück Arbeit werden. Der Laden war sauber, das sah Pat ähnlich, aber die Art, wie die Blumensträuße gebunden waren, war nicht der Stil der Zeit. Und überhaupt schrie der kleine Blumenladen nach Veränderungen. “Kate!” hörte sie ihre Tante rufen und wachte aus ihren Gedanken auf.

”Hi Tantchen, mir fällt zuhause bei diesem Wetter die Decke auf den Kopf und ich brauche dringend eine schöne Beschäftigung, also hier bin ich. Sie legte ihr, “du kannst mich nicht nachhause schicken Gesicht” auf und strahlte sie an.

“Ja, … bist du dir wirklich sicher? Wolltest du nicht noch ein bisschen ausruhen?”

“Nein, ich muss unter Leute und mich einfach nur Beschäftigen, Onkel Phil findet das übrigens auch!” Sie wusste, das es nicht ganz fair war ihren Onkel da mit rein zu ziehen, aber schließlich war es ja keine Lüge. Pat war überrumpelt, war aber froh endlich Hilfe zu bekommen.

“O.K. Kate, komm mit, ich zeige dir erst mal den Laden. Es hat sich zwar nicht viel verändert, aber schaden kann es ja nicht!” Pat hatte Kate den ganzen Laden gezeigt, als ein Kunde kam. “Schau dich nur weiter um, und mach dich mit allem Vertraut, ich bin gleich wieder da, ” hatte Pat gesagt und war in den Verkaufsraum zu dem wartenden Kunden gelaufen.

Es war wirklich ein kleines Dilemma in dem Tante Pat da saß. Aber man konnte ihn wieder herrichten. Das war nicht unbedingt das Problem. Das Problem bestand eher darin: wie sollte sie das ihrer Tante sagen, ohne sie zu verletzen? Nein, das wollte sie auf keinen Fall. Tante Pat war so stolz auf ihren Laden. Aber letztendlich war der Zustand des Ladens auch der Grund, warum Pat nicht wirklich viel Gewinn machte. Sie hatte Kate nicht im einzelnen erzählt, was der Laden ihr monatlich einbrachte, aber das konnte ein Blinder sehen, dass das nicht viel sein konnte.

Vorerst würde Kate sich aber zurück halten und nichts sagen. Sie würde einfach die Arbeit

erledigen, die ihre Tante ihr geben würde. Vielleicht würde es einen guten Zeitraum dafür geben. Vielleicht in ein paar Tagen oder Wochen.

An diesem Tag hatte Pat ganze drei Kunden bedient. Der erste war ein Mann, mittleren Alters, der für seine Mutter einen Blumenstock kaufte. Der zweite war ein kleiner Junge, der sein Taschengeld gespart hatte, um seiner Mutter zum Geburtstag einen kleinen Strauß schenken zu können. Die gutmütige Tante Pat hatte dem kleinen Jungen nicht sein ganzes Taschengeld abgeknöpft, sie gab ihm einen Sonderrabatt. Und zuletzt kam eine junge Frau, die nur Pflegetipps für eine bestimmte Pflanze suchte. Es war anzuzweifeln, dass der Vormittag besser gelaufen war. Fakt um: Die Tageseinnahmen waren so gering, das Pat mit Sicherheit Kate kein Gehalt zahlen konnte. Das war ihr natürlich nicht so wichtig, doch hatte sie gehofft, dass sie sich selbst irgendwann eine kleine Wohnung nehmen konnte.

Auf keinen Fall würde sie ihre Tante im Stich lassen. Aber sie musste behutsam vorgehen, wenn sie etwas verändern wollte. Der Rest des Tages verlief mehr als ruhig.

Am Abend als sie mit Jeff mal wieder über dem Schachbrett saß, hatte er sofort bemerkt, dass Kate nicht richtig bei der Sache und mit ihren Gedanken weit weg war.

Kate war schon lange an der Reihe und er wartete eigentlich schon eine ganze Weile, bis sie endlich ihren nächsten Zug fahren würde. Ihr Blick lag starr auf dem Schachbrett.

Träumte Sie, oder sieht sie es wirklich nicht? dachte Jeff. Mit einer schnellen Bewegung seiner Hand schnippte er mit den Fingern, so laut, dass Kate zusammen zuckte und ruckartig wieder hier bei ihm im Wohnzimmer saß.

Sein Grinsen war schelmisch und zog sich über sein ganzes Gesicht.

“Wo bist du nur mit deinen Gedanken Kate?”

“Entschuldigung Jeff, ich weiß auch nicht!”

“Was ist los? Gefällt dir dein Job nicht, oder …?” Kate sah sich vorsichtig zu Pat um, die es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht hatte. Wenn sie jetzt mit Jeff darüber reden würde, dann hatte die das ungute Gefühl, das Pat etwas davon mitbekommen würde. Und das wollte sie verhindern. Deshalb flüsterte sie ihm geheimnisvoll zu: “Komm doch nachher in mein Zimmer, dann erzähl ich dir alles. Ja?”

Jeff nickte verwundert und sie spielten eine Weile weiter. Irgendwann streckte und reckte sich Kate überdeutlich und gähnte laut. Jeff begriff sofort was sie damit meinte. “Ich geh mal schlafen, sagte Kate und zwinkerte Jeff geheimnisvoll zu. Jeff verstand den Hinweis, dass er noch ein bisschen warten sollte, um dann unauffällig nachzukommen. Kate hatte schon ihre Zähne geputzt und saß wartend auf ihrem Bett, als es leise leicht anklopfte.

“Komm rein“, hatte sie leise geflüstert. Leise betrat Jeff das Zimmer und schloss genauso leise wieder die Tür hinter sich zu. “Was tust du so geheimnisvoll? Muss ich mir Sorgen machen, Kate?”

“Nein, ich brauche deinen Rat und deine Mutter braucht das vorerst nicht wissen, weil ich sie nicht verletzten will.” Er setzte sich auf ihr Bett und sah sie neugierig an. Kate erzählte ihm das ganze Problem und schilderte ihm auch, dass sie wirklich ein paar gute Ideen hätte, wie man etwas an Tante Pat`s Problem ändern könnte. Aufmerksam hörte er ihr zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen. Jeff hatte sich nie in die Geschäfte seiner Mutter eingemischt. Er hatte auch keine Ahnung davon, aber er wusste dass seine Mutter bald ernsthafte Probleme mit ihrem Blumenladen bekommen würde. Er hatte einmal ein Gespräch von Phil und Pat mitbekommen, wie sie über die Zukunft des Ladens sprachen. Phil hatte seiner Frau erklärt, das sie den Laden bald schließen mussten, wenn es so weiter gehen würde. Sie hatten eindeutig zu wenig Kundschaft. Außerdem hatten sich in Pleantview einige Konkurrenten angesiedelt, die Pat das Leben schwerer machten.

Er verstand Kate und war auch ihrer Meinung. Und er versprach ihr zu helfen. Aber er hatte keine Ahnung wie. Eine kleine Denkpause war entstanden, dann schüttelte Jeff seinen Kopf. ”Du hast sicher Recht, aber die einzige Möglichkeit, die ich sehe ist, du solltest mit ihnen darüber sprechen und ihnen von deine Ideen erzählen, Kate”

“Sie würden aber auch keine finanzielle Hilfe von mir annehmen, um den Laden renovieren zu lassen,” sagte Kate laut und hatte eigentlich nur laut gedacht.

“Hast du den soviel Geld gespart?” fragte Jeff legte seine Stirn in leichte Falten.

“Ich hab ein bisschen was auf der Seite, und da ich im Moment sowieso kein Geld brauche, wäre es die Gelegenheit den Laden wieder Top zu machen. Was meinst du?”

“Sicher, da gibt es nur ein Problem. Meine Mutter würde das Geld von dir nie annehmen. … Hast du eigentlich wirklich vor, für immer hier zubleiben?” fragte Jeff und sah Kate sehr ernst an. “Ich denke schon, jedenfalls bin ich im Moment nicht auf das Geld angewiesen:”

“Ich hab gerade überlegt, wie es wohl wäre, wenn du meiner Mutter ein Geschäft vorschlagen würdest.” Erwartungsvoll verzog sie das Gesicht, damit er nun endlich von seinem Gedanken erzählen würde.

“Na ja, … du könntest ihr Vorschlagen, das ihr Partner werdet.” Jeff machte eine kleine Pause, bevor er weiter Sprach. „Was meinte er damit? Sie sah ihn fragend an.

“Du renovierst den Laden mit deinem Geld und meine Mutter gibt dir einen Anteil an dem Laden dafür.”

Kate blieb der Mund offen stehen, sie staunte über ihn. Als sie im Begriff war zu verstehen, was er damit meinte, fingen ihre Augen an zu leuchten, was Jeff ein kleines lächeln auf seinen Mund zauberte. Das war genau die Lösung! Sie wären gleichberechtigt, ohne dass Pat ihr etwas schuldete. Pat könnte ihren Laden weiter führen und Kate hatte die Möglichkeit sich etwas aufzubauen. Es war wie eine kleine Investition. Natürlich! Auf beiden Seiten würde es keinen Verlierer geben. Es gab nur eine kleine Schwierigkeit: Wie konnte man Tante Pat davon überzeugen, dass das die Lösung für ihre Probleme war. Das war noch ein harter Brocken, den sie noch vor sich hatte.

“Und wie sollen wir deine Mutter davon überzeugen?”

“Ja,… das wird nicht ganz einfach werden. Ich verstehe was du meinst,” sagte Jeff. Er atmete tief ein und schien angestrengt zu überlegen. Dann sagte er schließlich:

„Jetzt schlaf erst mal darüber, wir werden schon eine Lösung finden. Ich werden wohl mal ein

Sohn-Vater-Gespräch führen.”

Aufmunternd blickte er in Kates Gesicht. Und wieder spürte sie dieses merkwürdige Unbehagen aufkeimen, als er sie so ansah. Schnell sah sie auf ihre Hände, in der Hoffnung, er würde ihre plötzliche Unsicherheit nicht bemerken. Natürlich bemerkte Jeff die Spannung, die sein Blick ausgelöst hatte, doch er interpretierte es anders. Er stand vom Bett auf und strich ihr über die Wange. Jetzt verstärkte sich bei Kate das Unwohlsein, das ihre Wangen erröteten. „Wir reden morgen früh weiter, ja? Guten Nacht!” sagte er schnell und ging.

“Gute Nacht!” konnte Kate nur noch mit heißerer Stimme erwidern. Als sie allein war, löschte sie das Licht und versuchte sich so wenig Gedanken wir möglich zu machen, den sie wusste sie würde sonst die ganze Nacht kein Auge zumachen.

 

Kapitel 5

Begegnung

Es war Samstag. Und im Blumenladen gab es fast nichts zu tun, deshalb beschloss Pat den Laden für heute zuschließen. Sie wollte mit Kate einkaufen gehen. Das Mädchen hatte einfach zu wenig Kleidung mitgebracht, vor allem mehr Regenkleidung könnte nicht schaden. Und vielleicht auch ein paar hübsche Dinge, die sich Kate sonst nie selbst kaufen würde.

Kate ständig in hässlichen schlabber T-Shirts zu sehen, war eine Schande, wenn man sah, was Kate für eine schöne Figur hatte, dachte Pat. Dazu würde sie Kate schon überreden und die schrecklichen alten T-Shirts schnell entsorgen. Nach Pats Überredungskunst, stimmte Kate ihrer Tante zu, dass es nicht schaden würden etwas mehr Anziehsachen im Kleiderschrank zu haben, war Kate schließlich einverstanden mit ihrer Tante shoppen zu gehen.

Sie gingen in viele Geschäfte und schnell wurde Kate fündig. Das hatte sie schon lange nicht mehr getan. Seit ihre Mutter krank geworden war, hatte sie überhaupt wenig das Haus verlassen. Sie pflegte ihre Mutter und als es Mary so schlecht ging, blieb sie Tag und Nacht an ihrer Seite. Tante Pat kam in den letzten acht Wochen und unterstütze sie wo sie nur konnte. Kate hatte immer versucht, die Arzttermine ihre Mutter so zu legen, dass sie während dessen die Sachen besorgen konnte, die sie brauchten. Sie hatte in ihrer Schulzeit einige Freunde und war auch oft ausgegangen. Einen Freund hatte sie mit neunzehn das letzte mal, obwohl sie mehr als einen Verehrer hatte und die Männer ihr oft hinterher gerannt waren, war Kate nie weiter als ein paar heiße Küsse gegangen. Freundinnen hatte sie wirklich genug, aber sie teilten nicht sehr viele Hobbys mit ihnen. Die Bestanden hauptsächlich aus dem Thema Jungs. Fast immer waren die Gesprächsthemen nur auf Flirts und sexuelle Themen bezogen.

Kate war wirklich schön, obwohl es ihr nicht bewusst war. Ihre langen Haare glänzten im Sonnenlicht leicht golden. Ihre grünen Augen waren groß und strahlten, wenn sie lachte. Und ihre Figur war nahe zu perfekt. Sie war schlank und hatte an den richtigen Stellen weibliche Rundungen. Doch leider hatte Kate oft ihren Körper in weite T-Shirts und weite Hosen versteckt. Und genau das wollte Pat jetzt ändern. Sie konnte so ein junges hübsches Ding nicht länger in diesen Säcken sehen.

In der Hand hielt sie ein eng anliegendes Oberteil und betrachtete es kritisch. Das würde Kates Taile sicher wunderbar zur Geltung bringen.

“Hier, probiere das hier mal an.” Unsicher sah Kate auf das Oberteil. “Findest du nicht, dass es etwas zu gewagt ist?” Kate sah ihr Tante zweifelnd an.

“Nein wieso, du bist eine junge hübsche Frau von 23 Jahren und keine 50. Du solltest endlich aufhören dich in eine graue Maus zu packen. Du kannst dir das leisten. Deine Figur ist wie geschaffen für das Oberteil.”

Kate wusste, dass sie so gut wie keine Chance hatte, deshalb nahm sie den Bügel und ging in die Umkleide. Als sie wieder raus kam und sich ihrer Tante zeigte, sagte diese nur: “Perfekt!” Und damit war das Oberteil beschlossene Sache. Es folgten zwei modisch total angesagte Jeans, ein tief ausgeschnittenes Abendkleid, wobei Kate keine Ahnung hatte, wann sie so etwas anziehen sollte. Pat sorgte nur dafür, dass es keine gewöhnlich gelb-gummierte Jacke war, sondern schon modischer.

“Na gut, aber ich glaube ich habe jetzt genug neu Sachen, Tante Pat.”

Kate musste ihre Tante stoppen, sonst würde sie am Ende noch mit aufreizender Unterwäsche nachhause gehen. Pat stand schon an der Kasse an, als Kate mit dem letzten anprobierten Kleidungsstück zu ihr kam.

“Hier!” Sie nahm ihre Geldbörse aus ihrer Handtasche und wollte Pat Geld geben.

“Das kommt überhaupt nicht in Frage,” wehrte Pat ab. Mit einem sehr strengen Blick sah sie Kate in die Augen. “Nein Tantchen, Du und Phil, ihr habt schon so viel für mich getan. Bitte lass mich das selbst bezahlen. Bitte …!” Langsam verschwand der strenge Blick und Pat`s Augen wurden wieder gütig und warm.

“In Ordnung! Hast du auch so einen Hunger?” Erleichtert, dass sie nun doch den Kampf des Bezahlens gewonnen hatte, nickte sie und spürte wirklich Hunger.

Bepackt mit hunderten von Tüten gingen sie zum Auto, um alles zu verstauen. Eine gewisse Armfreiheit beim Essen wäre ganz praktisch.

Das Restaurant war in der gleichen Straße, deshalb ließen sie das Auto stehen. Um die Mittagszeit hatten sich schon einige hungrige Gäste eingefunden. Pat ging zielstrebig an den letzten Tisch am Fenster. Als sie die Speisekarte zu klappte, weil sie sich schon für ein Gericht entschieden hatte, sah Kate an einem etwas ruhigeren Ecke des Raumes eine junge Frau. Sie saß dort allein und wartete offensichtlich auf jemanden. Noch nie hatte Kate eine so schöne Frau gesehen. Ihre Haut war blass und wirkte fast wie Porzellan. Sie sah aus, wie ein Top-Model, das gerade aus irgendeiner Modezeitschrift gefallen war. Regungslos, wie eine Puppe, saß sie dort und sah aus dem Fenster. Sie schien von einer außergewöhnlichen Eleganz. Kate starrte wie gebannt auf sie. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit durch den Kellner, der nun an ihrem Tisch stand, unterbrochen. Auch Pat hatte sich nun entschieden. Sie hatten beide schon ihre Bestellung aufgegeben, als Pat auffiel, das ihre Handtasche im Auto vergessen hatte. “Wärst du so nett und würdest sie mir rasch holen?” Mit einem Lächeln stand Kate auf und ging zum Auto. Schnell hatte sie die Handtasche zwischen den ganzen Einkaufstüten gefunden und lief wieder in das Restaurant. Als sie gerade das Restaurant betreten wollte, stolperte sie über eine Teppichwelle, die sie übersehen hatte. Sie konnte sich nicht mehr halten und machte sich auf den härteren Aufprall auf dem Boden gefasst.

Sie hatte die Augen geschlossen, doch irgendetwas hielt sie. Verwundert öffnete sie ihre Augen. Noch niemals sah sie in solch geheimnisvolle Augen. In ihnen flackert sich flüssiges Gold. Sie waren warm und unergründlich. Die Tasche prallte zu Boden und natürlich lag der Inhalt auf dem Boden verteilt. Doch das nahm Kate nicht wahr. Sie war gefangen in dem Blick, der sie nicht los ließ. Langsam spürte sie eine leichte kühle Berührung. Sie war hart, aber gleichzeitig angenehm. Es waren die Hände, die sie gehalten hatten, um nicht zu fallen. Immer noch starrte Kate in die Augen. Doch langsam kam das Gefühl für ihren eigenen Körper zurück und sie stand auf, ohne den Blick von den Augen zu lassen, die sie immer noch gefangen hielten.

“Weh getan?” hörte sie eine Stimme sie fragen. Sie brachte kein Wort heraus. Sie hatte ihre eigene Stimme irgendwo in diese Augen verloren.

Sekunden später, als sie es endlich geschafft hatte sich aus dessen Blick zu lösen, fiel ihr die Tasche wieder ein. “Nein, ” brachte sie dann doch flüsternd und heißer hervor. Schnell sammelte sie alle Gegenstände, die auf dem Boden verteilt waren, ein. Kate war ein wenig durcheinander und sie musste versuchen sich zu beruhigen. Immer noch spürte sie diese Augen auf sich ruhen, und wieder einmal stieg ihr das Blut in die Wangen. Sie wollte unbedingt verhindern, dass sie wieder in diese Augen starrte. Es war ihr peinlich. Schnell packte sie mit zittrigen Fingern die letzten Dinge ein und stand auf.

Er war groß. Sie musste zu ihm aufschauen. Immer noch sah er sie an, doch jetzt waren seine Augen anders. Das Gold war verschwunden, oder hatte sie sich das nur eingebildet. Seine Haut war genauso blass, wie das der jungen Frau, die sie vorher gesehen hatte.

Er wirkte sehr maskulin und sehr männlich. Sein dunkles Haar, lag ihm in strähnig im Gesicht. Seine Schultern waren breit. Unter seinem Hemd zeichneten sich die Konturen, seiner Muskeln ab. Er war sehr attraktiv und sehr gut aussehend. Kate drängten sich sofort Bilder, der schönen jungen Dame in den Kopf, die nicht weit allein an einem Tisch saß. Zusammen sahen sie perfekt aus. Beide so unbeschreiblich gut aussehend. Immer noch spürte Kate seine Berührung auf ihren Armen, dort wo er sie gehalten hatte. “Danke,” sagte sie schnell tonlos und zwang sich an ihren Tisch zurück zu gehen. Diese ganze Sache war ihr so peinlich. Aufgewühlt kam sie wieder bei ihrer Tante an und setzte sich und gab Pat die Tasche.

“Ich bin gestolpert und … es ist alles raus gefallen.” Jetzt musste sie sich schnell zusammen reißen, damit Pat nicht merkte wie durcheinander sie war. Zum Glück kam gerade der Kellner und brachte ihre Bestellungen. Der Hunger war Kate gerade abhanden gekommen. Aber das Essen würde sie ablenken. Gedankenverloren stocherte sie in ihrem Salat. Immer wieder sah sie vor ihrem geistigen Auge diesen Mann. Sie zwang sich an etwas anderes zu denken und versuchte Pat, die ihr irgendetwas erzählte, zu zuhören. Aber mit der Konzentration war es dahin. Immer noch fühlte sie seine Berührung auf ihrem Arm. Es war seltsam. Sie hatte das Gefühl, das jeder in dem Restaurant ihr Missgeschick gesehen hatte. Deshalb dachte sie, das jeder sie beobachtete. Unauffällig ging Kate mit ihren Augen alle Tische durch. Und auch das musste sie sich eingebildet haben, denn alles schien normal. Dann blieb ihr Blick regungslos an dem Tisch hängen, an dem die schöne junge Frau saß. Jetzt wusste sie, warum sie sich beobachtet fühlte. Er saß da und starrte sie ausdruckslos an. Sofort begann ihr Herz schneller zu schlagen.

“Wer ist das?” Pat sah auf und verstand erst gar nicht, wenn Kate meinte. Dann folgte sie Kates Blick und begriff. “Das sind Darren und Liliana Noir.”

Darren wurde von Liliana offenbar in ein Gespräch verwickelt und wand den Blick nun von Kate wieder ab. Pat bemerkte das Interesse von Kate und erzählte weiter.

“Sie leben mit ihren Eltern schon lange hier. Sie wohnen etwas abseits der Stadt. Sein Vater, oder besser sein Adoptivvater, James Noir ist Arzt hier in der Stadt.”

Kate sah immer noch zu ihnen.

“Sie sehen gut aus, stimmt`s?” fragte Pat und grinste leicht. „Wie Hollywoodstars.“

sie sind sehe angesehene Leute in Pleasentview. Ich kenne keine Frau hier, die nicht von ihrem Vater schwärmt.“ kicherte Pat. Pat hatte offenbar nichts von dem Durcheinander in Kates Körper bemerkt. Sie aßen zu ende und machten sich auf den Nachhauseweg. Beim Verlassen des Restaurants sah sie noch einmal zu ihm und errötete sofort, als sie bemerkte, das dieser Darren ihren Blick erwiderte. Er lächelte leicht spöttisch. Und das machte Kate irgendwie wütend. Schnell sah Kate weg, und versuchte ihr Rotwerden zu verbergen. Dann verließ sie fluchtartig das Restaurant.

“Endlich zuhause”, dachte Kate. Sie nahm alle Tüten mit ins Haus. Schnell ging sie in ihr Zimmer und lies sich erst mal ein Bad ein. Sie wollte sich auf den Blumenladen konzentrieren und sich überlegen, wie sie Tante Pat und Onkel Phil überreden konnte, den Laden zu renovieren.

Das war für sie immer noch die Beste Lösung. Und sie wollte es wirklich, vor allem weil sie glaubte, dass sie Erfolg haben könnten. Nachdem Kate mehr als eine Stunde so ihren Gedanken nach ging, war sie an Händen und Füßen schon so schrumpelig. Es wurde Zeit aus der Wanne zu gehen.

Jeff kam gerade in ihr Zimmer, als sie fertig war. “Gutes Timing!“ lachte sie.

„Hi! Wie war dein Tag?” fragte Jeff und setzte sich wie immer auf ihr Bett. Kate die noch immer damit beschäftigt war, ihre Klamotten in den Schrank zu räumen sagte: „Ganz gut, ich war heute mit deiner Mutter einkaufen.”

“Ja, ich hab schon gehört, zeig mal deine neuen Sachen.”

“Vergiss es, ich werde keine Modenschau für dich machen!” Enttäuscht runzelte er seine Stirn und verzog seinen Mund zu einer beleidigten Schnute. Kate lachte laut, als sie sein Gesicht sah. „Das wirst du schon früh genug sehen. Irgendwann muss ich die Sachen ja auch tragen.” Jetzt legte Jeff sich auf ihr Bett und verschränkte seine Arme.

“Ach übrigens, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich! Welche willst du zuerst hören?” Kate blieb stehen und mit einem mal hatte er sie sehr neugierig gemacht. “Die Gute bitte Zuerst!”

“O.K.” begann er, “ ich habe heute, als du und meine Mutter unterwegs wart, mit meinem Vater gesprochen.” Kate konnte es nicht glauben, dass Jeff das Gespräch schon so schnell geführt hatte.

„Ich dachte du wolltest auf eine günstige Gelegenheit warten?” fragte Kate.

„Ja, und es war auch sehr günstig. Du und meine Mom, ihr ward nicht da. Also wann dann?

Jedenfalls hast du Recht gehabt, meine Mutter kann den Blumenladen nicht mehr lange halten, wenn sich ihre Geschäfte nicht bald verbessern.”

Traurig setzte Kate sich zu Jeff aufs Bett.

“Also, mein Vater findet deine Idee ganz gut, und ich habe ihn auch soweit überreden können, dass er uns unterstützt, wenn wir mit ihr sprechen. Dann steht es drei gegen eins, sie wird bestimmt nicht mehr so leicht nein sagen können.” Kate staunte. „Und die schlechte Nachricht,” wollte sie wissen. “Die schlechte Nachricht ist eigentlich keine schlechte. Viel eher … nur für ..dich. Ich weiß, das du nervös sein wirst, wenn du Pat deinen Vorschlag unterbreitest.”

„Wieso?” fragte Kate.

„Weil du es ihr nach dem Essen sagen wirst,” sagte Jeff unverblümt. „Was? Nein! Nicht heute Abend! Ich muss mir erst überlegen, wie ich das machen werde. Ich… brauche noch Zeit,” stammelte sie. Jetzt war Kate überfordert. Gestern hatte sie sich noch vorgestellt, dass sie bei dem Gespräch genau wissen würde, was sie sagen sollte, weil sie vielleicht auch vorher geübt hatte. Jedenfalls wollte sie die bestmöglichen Argumente so formulieren, dass es Tante Pat sehr leicht fallen würde, nein zu sagen. Aber so, würde es sich mehr als schwierig werden. Ihre Schultern verkrampften sich und Jeff sah ihr das auch sofort an.

Langsam zog er sie zu sich, so dass sie ihren Kopf auf seine Brust legen konnte.

“Mach dir keine Sorgen, du wirst es schon richtig machen. Phil und ich sind ja auch noch da. Ich habe versprochen dich zu unterstützen.”

Er streichelte ihren Arm und sprach sehr sanft. Kate hatte ihre Augen geschlossen und hörte den gleichmäßigen Takt sein Herz schlagen.

“Ich weiß dass du mir helfen wirst, aber trotzdem macht mich die Vorstellung nervös. Deine Mutter kann sehr stur und unnachgiebig sein.”

“Ja, ich weiß,” sagte er und genoss es Kate im Arm zu halten. Er würde ihr helfen. Und auch seiner Mutter. Er fand, dass es eine gute Sache war. Alles würde er tun, damit Kate nicht so schnell wieder weg gehen konnte.

“Essen!” hörten sie Pat`s Stimme.

Kate versuchte das Abendessen so lange wie möglich heraus zuziehen. Ständig war sie bemüht den Teller von Jeff, Phil und Pat zu füllen. Jeff musste einmal sogar laut lachen, über Kates Nervosität.

Als keiner mehr sich etwas von Kate auf den Teller füllen lies, weil alle einfach mehr als satt waren, fragte Kate nach einem Nachtisch. Ausgerechnet sie, die nie Nachtisch aß.

„Was will keiner? Ich geh schnell in die Küche und mache welchen!” hatte Kate gesagt und wollte schnell aufstehen. “Kate!” hatte Jeff sie ermahnt, so dass sie augenblicklich still war und sich wieder auf ihren Stuhl setzte.

“Kann mir mal einer erklären, was hier eigentlich los ist?” fragte Pat und sah nacheinander fragend in alle Gesichter. Jeff konnte sich sein Grinsen nicht unterdrücken und Phil schmunzelte. Alle schwiegen.

„Na, toll!” dachte Kate, war das die versprochene Hilfe? Vielen Dank auch!” Verzweifelt versuchte sie den Anfang zu finden, aber es gelang ihr nicht. Dann endlich räusperte sich Onkel Phil. “Also Pat, Kate hat eine tolle Idee, und möchte dir ein Geschäft vorschlagen.”

Mit seiner linken Hand, nahm er die rechte Hand seiner Frau. “Lass sie ausreden und hör ihr gut zu.” hatte er noch nachdrücklich gesagt. Nun sahen alle auf Kate, die jetzt noch weniger wusste, wie sie das Thema anfangen sollte.

“Also, … ich …aähm ...! Es ist nicht so leicht für mich. Ich… will dich nicht..verletzen.”

Das Herz schlug ihr bis zum Hals.

“Jetzt spann mich nicht so auf die Folter, Kate!” sagte ihre Tante. “O.K., ist ja gut. Also: Ich weiß, du machst nicht viel Umsatz mit dem Blumenladen. Und ich glaube, ich weiß auch warum das so ist.” begann Kate vorsichtig.

“So, weißt du das!” sagte Pat etwas zu hart. In ihrer Stimme schwang ein Unterton mit, der Kate noch mehr verunsicherte. „Der Laden sieht noch genauso aus wie vor zwanzig Jahren und nichts hat sich … weiter entwickelt.” Sie schluckte. „Und ich möchte auf keinen Fall, das du deinen Laden verlierst. Ich weiß wie sehr du an ihm hängst.”

Jetzt sah sie fragend zu Phil, in der Hoffnung, er würde seiner Frau nochmals die finanzielle Lage ins Gedächtnis rufen. Er verstand den Blick und sprach sachlich und ruhig weiter. “Was hast du für eine Idee, Kate, die mir helfen kann?” fragte Pat und sah sie fragend an.

“Ich glaube, wenn wir den Laden renovieren und ihn wieder etwas aufpeppen, dann hätten wir eine

Chance wieder Konkurrenzfähig zu sein. Wir überlegen uns ein neues Konzept. Wir müssen den Laden für deine Kunden wieder attraktiver machen.”

Bei den Worten sprühte Kate vor Energie. Pat war sprachlos. “Was ging den nur in diesem hübschen Kopf vor sich?” fragte Pat sich. Hatte Kate den keine Ahnung, was das alles kosten würde? „Ich bin dir ja dankbar, dass du dir meinen Kopf zerbrichst, aber vielleicht kannst du mir sagen, woher ich so viel Geld nehmen soll?” fragte Pat.

Kate antwortete nicht auf diese Frage. Pat würde in ein paar Sekunden selbst darauf kommen. Und genau so war es. Am Esstisch war es so ruhig geworden, man hörte nur den Sekundenzeiger der Uhr an der Wand.

„Nein, oh nein!” sagte Pat und schüttelte zur Unterstützung noch den Kopf.

“Nein, das kommt überhaupt nicht in Frage. Alle sprachen jetzt durcheinander auf Pat ein. Den allen bis auf Pat war klar, das sie den geliebten Laden verlieren würde, wenn sie nichts dagegen unternahm.

Kate war still geworden und überließ das Schlachtfeld Jeff und Phil. Sie redeten mit Engelszungen auf Pat ein. Sprachen alle Möglichkeiten, die Pat noch haben würden, durch. Sie verwiesen sie auf die Vorteile, die sie dadurch hatte.

Pat hatte sich alles angehört. Zum einen: Sie wusste, dass ihre Familie im Recht war, aber was niemand wusste, das sie gebunden war. Ihr Verantwortungsbewusstsein war groß, so hatte sie auch Schwierigkeiten Geld von einem jungen Mädchen anzunehmen. Eigentlich war sie die diejenige, die Kate helfen und ein neues zuhause geben wollte. Sie wollte Kate Sicherheit und Halt geben, und nicht ihr Geld nehmen, um ihre eigene Haut zu retten. Aber, und das wusste niemand, hatte sie ein Versprechen gegeben, das ihr wichtig war und sie war fest entschlossen, es zu halten. Natürlich liebte sie ihren Laden und wollte ihr Lebenswerk behalten. Gott weiß sie würde fast alles dafür tun. Aber so? Es machte Pat wütend, dass ihr die Hände gebunden waren. Sie hatten alle Recht, aber es ging einfach nicht.

Tränen stiegen ihr auf, die sie nicht länger zurückhalten konnte. Dann waren alle Stimmen, die auf Pat eingeredet hatten still. “Ich kann dein Geld nicht annehmen, Kate. Ich würde dich sofort zu meiner Partnerin machen, wenn ich wüsste, dass das der richtige Weg für dich wäre. Aber ich bin an ein Versprechen gebunden, das ich deiner Mutter, kurz vor ihrem Tod, gegeben habe.” Bei diesen Worten durchfuhr Kate ein Stich ins Herz. “Deine Mutter hat das Geld für dich, jahrelang zusammen gespart. Sie wollte, dass du das Geld für ein Studium verwendest. Ich musste ihr versprechen, dass ich dafür sorge. Ich sollte dafür Sorgen, das du nach ihrem Tod zu uns ziehst, bis du stark genug wärst, dein Leben selbstständig in die Hand zu nehmen. Das war ihr so wichtig. Ich war ihre beste Freundin Kate, sie machte sich große Sorgen um dich und konnte den Gedanken nicht ertragen, dass du allein in Portland bleiben würdest. Für mich war es das einzige, was ich noch für sie tun konnte.

Kate, du weißt, wie sehr Phil und ich dich lieben, wir hatten dich auch zu uns nehmen wollen, ohne dieses Versprechen, das ich deiner Mutter gab. ….Kannst du mich nun ein wenig verstehen?” beendete Pat ihre kleine Rede. Die Tränen rannten jetzt auch Kate über die Wangen. Sie musste sich schon sehr anstrengen, beim Thema zu bleiben. Aber als sie gehört hatte, wie unerträglich es für ihre Mutter war, ihr Kind allein zulassen, war es Kate sehr schwer ums Herz geworden. Natürlich konnte sie Pat`s Gründe verstehen. Und wenn sie ehrlich war, hatte sie sich so etwas auch gedacht. Krampfhaft schluckte Kate ihren Schmerz hinunter und suchte nach den richtigen Worten.

“Ich verstehe dich, Tante Pat. Ich hab mit Mama oft darüber gesprochen, dass ich jetzt noch nicht zur Uni gehen wollte. Und das will ich auch jetzt noch nicht, weil ich ehrlich gesagt nicht weiß, was ich studieren will. Ich wollte schon immer im Floristik-Bereich etwas tun. Das hab ich ja auch getan, bis sie krank wurde und ich die Arbeit dann aufgab, um bei ihr zu bleiben.” Still sahen sich beide Frauen an.

“Wie wäre es, wenn ich dir das Geld leihe, bis du soweit über dem Berg bist, du zahlst es mir dann irgendwann zurück. Und bis dahin überlege ich, auf welche Uni ich einmal gehen möchte und was ich studiere. Dann kannst du dein Versprechen halten und ich fühle mich besser, weil ich

weiß, dass du deinen Traum behalten kannst.”

“Das wäre doch eine Möglichkeit,” sagte Phil. Pat rang mit sich. “Das wäre vielleicht ein Jahr, oder vielleicht auch zwei,” sagte Kate. “Ja, und was ist, wenn dein Konzept nicht aufgeht, Kate? Dann ist dein Geld weg und der Laden auch!” wollte Pat wissen. “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich weiß dass wir Erfolg haben werden. Vertrau mir.”

Kate wusste, dass ihre Tante mit sich kämpfte. Aber es würde sich lohnen. Sie war sich sicher, dass es nicht schlimmer kommen konnte, wie es ohnehin schon war. Sie hatte nicht die großen Erfahrungen, aber mit dem Fachwissen ihre Tante und Kates Kreativität würden sie es schaffen. Davon war sie überzeugt. Jeff lächelte ihr Siegessicher zu und dann wusste Kate, dass sie gewonnen hatte.

Kate konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Unruhig wühlte sie sich von einer Seite zur nächsten. Irgendwann mitten in der Nacht schlief sie dann doch ein. Aber sie träumte Darren Noir mit den goldenen Augen. Sein Blick lies sie einfach nicht los. Im Traum suchte sie ihn überall. Und fand ihn nicht, sie brauchte diese warmen Augen, die eine innere Ruhe in ihr auslöste. Verzweifelt versuchte sie ihn zu finden, stattdessen blieb alles um sie herum dunkel….Dann wachte sie auf. Durcheinander und aufgewühlt von ihrem Traum, schaltete sie ihr Nachtlicht ein. Dann legte sie sich wieder hin. Was hatte dieses Chaos in ihrem inneren zu bedeuten? Diese Frage würde ihr nicht beantwortet werden. Und schon gar nicht in dieser Nacht. Dann fiel sie in einen tiefen Schlaf und wachte erst auf, als die Sonne schon hoch am Himmel stand.

Ungläubig, das die Sonne wirklich schon so lange schien, sprang sie aus dem Bett zum Fenster und betrachtete den Himmel. Er war blau. Nur wenige Wolken zogen sich über ihn.

Kapitel 6

 

Die Eröffnung und ein Angebot

Als sie runter kam, saßen alle auf der Terrasse. Peter und Tanja waren gekommen.

„Guten Morgen!” sagte Kate und streckte sich noch einmal. „Na, du Langschläferin hast du Hunger?” lachte Pat sie an. „Eine Tasse Kaffee wäre nicht schlecht”, antwortete sie und setzte sich zu den anderen an den Tisch. Natürlich waren sie schon viel früher aufgewacht und hatten schon gefrühstückt. Sie schwatzten alle fröhlich weiter. Heute war Sonntag, fiel Kate überlegte, ob sie etwas unternehmen konnten? Pat brachte ihr den Kaffee, den sie mit ihren Händen umklammerte. In der Sonne war es zwar warm, aber es war trotzdem kühl und lies ihre Haut frösteln. „Also Jeff und Peter, seit ihr dann soweit? Ich möchte heute Abend fertig sein!” fragte Phil und sah verschwörerisch zu seinen Söhnen. „Was macht ihr den?” wollte Kate wissen. „Och, … sie müssen nur am Haus etwas ausbessern!“ antwortete Pat schnell. Dann waren die drei Männer verschwunden. Es waren nur noch Tanja Pat und Kate am Tisch auf der Terrasse. „So, ich muss dann auch mal wieder weiter.” sagte Tanja und erhob sich. Langsam kam das Kate alles ein wenig komisch vor. Die Männer arbeiteten an ihrem freien Sonntag, noch dazu bei schönem Wetter?

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