Entscheidung aus Liebe
Entscheidung aus Liebe
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.
Als Tanja sich verabschiedet hatte, kam Pat und setzte sich zu ihr. Schweigend sahen sie sich eine Weile in die Augen. Pat begann als erste das Schweigen zu brechen: “Du siehst müde aus, hast bestimmt genauso wenig geschlafen wie ich heute Nacht!” Mit der Hand strich sie Kate über die Wangen. „Ich hab mich entschieden, dein Angebot anzunehmen, Kate. Du leihst mir das Geld für ein Jahr und ich werde dir alles zurück zahlen. Und du hast Zeit, darüber nachzudenken, was du mit deinem Leben machen möchtest.”
„Oh, Tante Pat, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel mir das Bedeutet!” sagte Kate und nahm ihre Tante fest in die Arme.
„Ein Jahr geht schnell vorbei, deshalb sollten wir anfangen und uns Gedanken machen, was wir alles verändern wollen.” sagte Kate und löste sich aus der Umarmung. Jetzt konnte Kate es nicht erwarten, bis sie sich in die Arbeit werfen konnte.
„Komm, lass uns am besten gleich damit anfangen!” Kate hatte nun Feuer gefangen und war nicht mehr zu bremsen. Sie fuhren am Nachmittag in den Laden. Pat hatte einen großen Notizblock mitgenommen, um alle Idee aufzuschreiben. Als erstes beschlossen sie den Laden für ungefähr zwei
Wochen zu schließen, um die Wiedergeburt des kleinen Blumenladens zu vollbringen.
Kate zeigte ihrer Tante, wie man originelle und modische Blumensträuße und Gestecke kreierte, wie man mit den Farben spielte. Spät am Abend kamen sie erst nachhause.
Feierlich standen Jeff, Peter, und Phil im Flur und warteten auf Kate. „Wir haben eine Überraschung für dich, Kate!” sagte Phil und freute sich wie ein kleines Kind, das seinen Eltern etwas gebastelt hatte. Sie standen alle vor Peters altes Zimmer. Kate zog ihre Stirn in Falten und sah zu Jeff, der ihr mit einer Kopfbewegung zu nickte, sie solle die Tür zu Peters Zimmer öffnen. Sie öffnete langsam die Tür. Was vorher ein typisches Jungendzimmer war, war jetzt ein typisches Mädchenzimmer geworden. Phil hatte das Zimmer zart gelb gestrichen und eingerichtet. Das Zimmer war hell und freundlich eingerichtet. Und es hatte sogar auch einen kleinen Balkon. Es war das einzige Zimmer, dass das hatte. Über ihrem großen Bett hing ein weißer Baldachin, der sie vor Insekten oder Stechtiere schützen sollte. Alles war passend. Sie hatten sogar an einen Schreibtisch gedacht, auf dem schon ihre persönlichen Gegenstände ihren Platz gefunden hatten. Ein Bücherregal und einen Schrank mit Spiegel waren neu, die kannte sie nicht. Kerzen und Windlichter standen auf zwei kleinere Regale. Kate war so begeistert davon, dass sie sprachlos und mit halb offenem Mund Phil in die Arme flog. „Gefällt es dir?” wollte er wissen.
„Ob es mir gefällt? Es ist einfach wunderschön, fast wie im Märchen. Ich kann es gar nicht glauben. Vielen Dank!” Begeistert nahm sie Pat, Peter und natürlich Jeff nacheinander in die Arme und bedankte sich bei ihnen. Das Zimmer war mit sehr viel liebe wieder hergerichtet worden. Das spürte man sofort, wenn man das Zimmer betrat. Sie liebte es. Kate spürte seit langer Zeit Glück. Noch vor ein paar Wochen konnte sie sich nicht vorstellen, in diesem Jahr überhaupt solche Gefühle zu zulassen. Sie hatte ein eigenes Zimmer, war ein Teil dieser Familie und konnte sich im Blumenladen kreativ austoben.
In dieser Nacht schlief sie ohne zu träumen. Sie war total erschöpft gewesen und ihr Körper forderte nun seinen Tribut. Gleich am Montagmorgen bestellte Pat die Maler. Kate räumte den Laden aus und sortierte gleich alles aus. Zwischenzeitlich nahm sie sich die Regale vor. Sie wollte aus alt neu machen. Im Großhandel ergatternden sie einige Accessoires, mit den Kate wundervolle Dekoration zauberte.
Es war mehr Arbeit, als Kate gedacht hatte und sie ging völlig erschöpft Abends ins Bett. So erschöpft sie auch war, fast jede Nacht träumte sie von Darren Noir. Sie suchte ihn noch immer jede Nacht. Ihr Unterbewusstsein war immer noch mit seinen Augen beschäftigt.
Tagsüber verausgabte Kate sich und Pat kam fast nicht hinterher alle Ideen von Kate aufzulisten. Pat suchte neue Händler und versuchte mit der Hilfe von Jeff neue Preise und Vereinbarungen zu treffen. Manchmal blieben Passanten neugierig vor dem Schaufenster stehen. Natürlich blieb die Renovierung nicht lange ein Geheimnis. Und lange musste man nicht auf die Gerüchteküche warten. Aber das war Kate egal. Sie glaubte, dass es für den Laden ja nicht besser sein könnte, denn Gerüchte machten Menschen neugierig. Sie gaben in der Stadtzeitung eine Annonce auf und teilten mit, wann die Wiedereröffnung statt finden konnte. Für das Schaufenster hatte Kate sich überlegt zu dem Thema Hochzeit etwas zu kreieren. Sie hatte von ihren Arbeiten immer Fotos gemacht, die sie jetzt in einem Album steckte und beschriftete.
Pat war einfach überwältigt von Kates Liebe zum Detail und ihrer Energie.
Innerhalb von zwei Wochen war der Laden nicht wieder zuerkennen. Er war hell, modern, klar in der Struktur und trotzdem strahlte er zeitlose elegant aus. Er hatte für den großen und kleinen Geldbeutel etwas zu bieten. Pat und Kate waren stolz, und voller Neugier. Würde der Laden eine Chance haben?
Dann war es soweit, der neue Laden wurde eröffnet. Kate hatte sich bestimmt dreimal an diesem
Morgen umgezogen. Sie war unruhig. Sie wünschte sich so sehr den Erfolg, den ihre Tante jetzt unbedingt brauchte. Sie hatte es im Bett einfach nicht mehr länger ausgehalten. Und Pat ging es genauso. Es war ein kleiner Sektempfang geplant und waren Gäste eingeladen. Es war ende Februar und der Frühling stand vor der Tür. Auch wenn es in Pleasentview mehr schlechtes Wetter gab, als sonst irgendwo, waren Blumen in ihren intensiven Farben, genau dass, was die grauen Seelen von Pleasentview brauchten. Vor dem Laden hatten auch ein neuer Name und ein neues Logo einen sichtbaren Platz gefunden, alles war in den Startlöchern. Um neun Uhr kamen die ersten Neugierige und Pat platzte förmlich vor stolz, als die ersten Komplimente und Glückwünsche kamen. Jetzt war es Pat, die in ihrem Element steckte. Der Laden wurde immer voller. Es war wie eine kleine Party. Kate wurde den zukünftigen Kunden als kreatives Genie vorgestellt, was Kate immer wieder erröten lies.
Sie stand gerade hinter der Kasse und sah dem Treiben zu, als sie eine Frau entdeckte, die genauso blass, wie die Noirs Geschwister waren. Auch sie war wunderschön und schien nicht von dieser Welt zu sein. Sie wirkte etwas älter. Kate versuchte ihr Alter zu schätzen, doch ihre makellose marmorartige Haut lies das nicht zu. Ihr Gesicht war freundlich. Sie war sehr elegant gekleidet. Ihre blonden Haare waren kunstvoll zu einer Hochsteckfrisur gesteckt. Ihre Art sich zu bewegen und auch ihre ungewöhnliche Art zu gehen, lies viele fremde Blicke auf sich ziehen. Sie schritt wie eine Königin. Kate war sehr beeindruckt.
Pat sprach gerade mit ihr, als sie Kate zu sich winkte. Ihre Tante stellte sie einander vor. Sie reichte Kate ihre Hand, die einen weißen Handschuh trug, nur kurz.
Ihr Name war Katharina Noir.
„Sie scheinen eine künstlerische Ader zu haben, liegt das in ihrer Familie?” fragte sie freundlich. „Nein, ich glaube nicht.” antwortete Kate. Diese Augen! Was war nur mit dieser Familie so anderes? fragte sich Kate. Sie waren nicht nur alle unbeschreiblich schön, sondern auch ganz … Kate fand nicht die richtigen Worte. Sie würde später darüber nachdenken müssen. Es beschäftigte sie ja schließlich auch fast jede Nacht.
„Kate, kommst du mal!” rief Jeff von draußen und winkte ihr. „Entschuldigen sie mich bitte,” und lächelte Mrs. Noir freundlich und ging zu Jeff.
„Eine sehr außergewöhnliche junge Dame!” sagte Mrs. Noir und sah Kate hinterher.
„Ja, das ist sie!“ sagte Pat und Kate nach. „Solche Schätze findet man nicht oft, glauben sie mir!” sagte Mrs. Noir. Pat fragte sich, wie Mrs. Noir in so kurzer Zeit so einen tiefen Eindruck von Kate hätte bekommen können. Sie verwarf den Gedanken aber schnell wieder. „Also, um ehrlich zu sein, Mrs. Bennet, ich bin her gekommen um mit ihnen ins Geschäft zu kommen.” Jetzt war Pat`s Aufmerksamkeit wieder voll da.
„Mein Mann und ich möchten gern einen Maskenball im März geben. Und dazu brauche ich ihre Hilfe.”
„Selbstverständlich, Mrs. Noir!”
„Wäre es möglich, wenn Sie morgen vielleicht gegen fünf zu uns kommen könnten. Dann können wir alles besprechen. Vielleicht könnten Sie ein paar ihrer Arbeiten mitbringen würden.” Pat nickte begeistert.
„Ach, und bitte bringen sie Kate mit, ja?” fügte Mrs. Noir noch hinzu. „Natürlich Mrs. Noir. Wir werden da sein.” Sie verabschiedete sich von Pat und betrachtete ein cremefarbenes Gesteck von Kate. „Wundervoll!” sagte sie beeindruckt und schritt majestätisch aus dem Laden.
Pat konnte ihr Glück nicht fassen. Schnell suchte sie Kate. Kate kam gerade wieder in den Laden und schon stand Pat bei ihr. „Das glaubst du jetzt nicht!“
„Was? Was ist den los?” fragte Kate.
„Mrs. Noir ist ganz hingerissen von dir.”
„Von mir?” fragte Kate ungläubig.
„Sie wollen im März einen Maskenball geben und möchten, dass wir die Dekoration übernehmen. Weißt du was das bedeutet, Kate?” Kate schüttelte den Kopf.
„Nein!”
„Das ist ein Großauftrag, mein Schatz. Die Noirs sind reich und geben jedes Jahr ein Maskenball und wenn sie mit uns zufrieden sind, vielleicht gehören sie dann zu unseren Stammkunden. Das wäre die perfekte Werbung für uns. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sich alle Floristengeschäfte sich einen Schwanz abschneiden würden, für solch einen Auftrag.”
Kate nickte, als sie verstand und freute sich für ihre Tante. “Morgen haben wir einen Termin bei Ihnen.” „Wieso wir?“ fragte Kate verblüfft.
„Sie besteht darauf, dass du mitkommst!” betonte Pat es noch einmal und merkte nicht, wie Kates Anspannung zu nahm. Pat war schon in weiteren Gedanken. Sie überlegte, was sie morgen alles mitnehmen sollte. Welche Alben mit Fotos sie wohl Mrs. Noir zeigen konnte. Welche Vorstellungen und besondere Wünsche sie wohl hatte? Wie groß das Fest werden würde? ….. Bei Kate sah das anders aus, zumindest für den Augenblick war das so. Es beunruhigte sie zu wissen, dass es die Möglichkeit gab, Darren über den Weg zu laufen. Wenn sie nur an die erste Begegnung dachte, und was er in ihr auslöste, dann wurde ihr jetzt schon schlecht. Aber vielleicht war er ja gar nicht zuhause. Trotzdem machte allein der Gedanke daran sie nervös. Sie holte sich ein neues Glas Sekt und musste erst einmal darüber nachdenken. In Kate schlummerte aber auch die Neugier, die sie nicht unterdrücken konnte. Und sie spürte, dass etwas seltsames mit den Noirs los war. Konnte es aber nicht genau sagen. Vielleicht würde sie morgen noch mehr heraus finden. Jetzt wollte sie erst mal darauf konzentrieren, ein gutes Geschäft für ihre Tante abzuschließen.
Ein Maskenball im März hatte Pat zu ihr gesagt. Eigentlich keine allzu schwere Aufgabe. Die Gäste werden alle Kostüme tragen. Alles wird bunt aussehen. Außer der Ball würde unter einem Motto stehen, dann könnte man schon konkreter werden. Sollte nur das Haus innen geschmückt werden? Oder auch der Garten? Falls sie überhaupt einen Garten haben. Sie nahm einen großen Schluck Sekt und versuchte diese Gedanken genauso herunter zu schlucken, wie den Sekt. Sie spürte den Alkohol, wie er langsam seine Wirkung entfaltete.
Insgesamt war die Eröffnungsfeier ein großer Erfolg. Alle Gäste waren begeistert von der Verwandlung, des Laden, den er in kürzester Zeit hinter sich hatte. Natürlich kauften viele der Gäste die Sträuße, Blumen und Gestecke, die Kate gebunden hatte. Und somit hatte der Laden die ersten größeren Einnahmen gemacht seit Jahren.
Pat war total glücklich und war nun endlich überzeugt von ihrem Erfolg. Sie fühlte sich sicher mit Kate an ihrer Seite. Das Mädchen hatte recht gehabt. Es war höchste Zeit für die Renovierung. Pat hätte wirklich den Laden aufgeben müssen, ohne diese Veränderung. Das war Pat jetzt klar geworden. Ab sofort würde sie auch alles anders machen. Das nahm sie sich fest vor. Sobald die beiden Frauen die letzten Gäste verabschiedet hatten, schlossen sie den Laden und begannen die Vorbereitungen zu treffen für den morgigen Termin. Phil und Jeff beseitigten in der Zwischenzeit die Spuren der Eröffnungsfeier. Sie waren ein gutes Team. Pat verstand sofort, wenn Kate eine Idee hatte. Alle Ideen notierten sie sich schnell und würden auf die Wünsche von Mrs. Noir eingehen können. Zufrieden mit sich und dem vergangen Tag hatte Kate es sich in ihrem Zimmer gemütlich gemacht. In ihrer Musikanlage lief, ihr linkes Bein wippte mit dem Takt der Musik. Sie war gut gelaunt und dachte über den Tag nach.
„Kate, kann ich rein kommen?”
Natürlich, es war Jeff. Er war schon ein wenig traurig, weil Kate in den letzten Tagen wenig Zeit für sie hatte. Abends war Kate oft so erschöpft gewesen, das sie nicht Schach mit ihm gespielt hatte. Aber er verstand es. Wie immer!
„Komm rein!” rief sie Richtung Tür.
Wie immer setzte er sich auf den Rand ihres Bettes. Zufrieden lächelte er Kate an. So wie sie in ihrem Bett lag, sah sie glücklich und zufrieden aus. Und genau das schien seiner Stimmung Hochform zu verleihen.
„War ein toller Tag heute, was?”
„Ja, die ganze Arbeit hat sich gelohnt, wenn man bedenkt, dass wir morgen einen großen Auftrag haben können, wird die nächste Zeit richtig gut.”
Sie grinste. Da war es schon wieder, diesen seltsamen Gesichtsausdruck, den Jeff in letzter Zeit öfters mal hatte, dachte Kate. Das kannte sie an Jeff nicht.
Auf irgendeine Art beunruhigte sie es, weil es an ihm fremd war. Was hatte das zu bedeuten?
Sie setzte sich auf und strich mit der Hand über seine Wange. „Ist alles in Ordnung?” Bei der Berührung schloss er seine Augen. Eine kleine Falte zeichnete sich auf Kate´s Stirn ab und jetzt machte sie sich noch mehr Sorgen.
„Jeff, was ist los?”
„Es ist nichts, wir haben wenig Zeit gehabt und werden bald noch weniger Zeit haben.” sagte er und sah Kate traurig an. „Ach, mach nicht so ein Gesicht. Ich verspreche, ich werde abends mehr Zeit.”
„Das ist es nicht Kate, ich …. werde für ein paar Wochen … nicht hier sein.” Kate sah ihn fragend an.
„Wo gehst du hin?”
„Ich gehe für mehrere Wochen nach Amerika, ich gehe ..geschäftlich, Kate. Das war schon vor 6 Monaten geplant.” „Wie viele Wochen?” fragte Kate kurz.
„Das weiß ich nicht, das kommt auf den Erfolg an den, ich habe. Aber vier bis fünf Wochen werden es mindestens sein.” Kate verstand seine Traurigkeit.
„Ich werde dich vermissen, Jeff!” sagte sie und schlug ihre Arme um seinen Hals.
„Ja?” fragte er und sah sie wieder mit diesen seltsamen Blick an. „Ja natürlich!” Sie sahen sich beide tief in die Augen und plötzlich verstand Kate was dieser seltsame Blick zu bedeuten hatte. Bevor sie reagieren konnte, hatte Jeff seine Lippen auf ihre gelegt und küsste sie. Zuerst lies sie den Kuss zu, weil sie so überrascht war und damit nicht gerechnet hatte. Doch schon nach ein paar Sekunden verkrampfte sie sich und drehte ihren Kopf leicht auf seine Schultern.
„Tu das nicht, Jeff!”
Ein kurzer Augenblick sagten beide kein Wort. Kate hatte sich aus der Umarmung befreit und war nun vom Bett aufgestanden. Ihr war nun klar, was mit ihm los war. Und das schmerzte sie. „Kate,... ich ….!”
„Bitte Jeff, tu das nicht, du bist wie mein Bruder!” „Nein, das bin ich nicht!” warf er etwas trotzig ein. „Warum ist das für dich so abwegig? Wir sind keine Kinder mehr, Kate.” sagte er und stand ihr jetzt gegenüber. Er versuchte ihr in die Augen zu sehen, die er schon sein Leben lang kannte. Doch Kate wich seinem Blick aus und das verletzte ihn. „Bitte, es macht alles kaputt.”
„Aber so fühle ich nun mal und das schon einige Zeit.” „Aber ich will nicht, dass du so fühlst, du bist mein bester Freund. Wenn ich gewusst hätte, wie schwer das für dich ist, dann ….” sie konnte nicht weiter sprechen, so groß war der Kloß plötzlich, den sie im Hals spürte.
„Dann was, Kate?” fragte Jeff. Sie versuchte ihm in seine Augen zu sehen, senkte dann aber doch ihren Blick bevor sie sagte: “Die Zärtlichkeiten, die wir ausgetauscht hatten waren freundschaftlich. Ich wusste nicht dass … deine Gefühle anders sind als … meine. Es tut mir so leid. Ich habe Angst dich dadurch zu verlieren, Jeff. Ich brauche dich, verstehst du mich?”
Jetzt nach dem ihre Worte einfach aus ihrem Mund heraus gesprudelt waren, schaffte sie es ihn anzusehen. „Verzeih, ich hab dich damit überrumpelt und hab dabei nur an mich gedacht.” sagte Jeff und meinte es wirklich. In seinem Gesichtsausdruck lagen jetzt Sorgenfalten. „Bitte verzeih mir, Kate.”
Er breitete seine Arme aus und Kate legte sich gerne hinein. Ein paar Minuten vergingen ehe er sich aus der Umarmung löste und schweigend das Zimmer verließ.
Still und leise legte sie sich in ihr Bett und zog die Decke bis zum Kinn hoch. Die Nacht war Sternen klar und es war Vollmond. Das Licht des Mondes strahlte ihr ins Gesicht. Schweigend sah sie vom Bett aus, aus ihrem Fenster. Warum hatte sie diese Entwicklung von Jeffs Gefühlen nicht bemerkt. Sie wollte so eine Entwicklung nicht, das könnte alles zerstören, was sie verband. Sie liebte ihn, ja, sie liebte ihn sogar sehr. Aber Kate begehrte ihn nicht. Solche Gedanken waren ihr bei Jeff noch nie in den Sinn gekommen. Und sie wusste auch warum: er war ihr bester Freund, er kannte sie genau, sie waren wie Bruder und Schwester. Diese ganze Sache würde schwer werden, wenn er sich nicht wieder beruhigen würde. Vielleicht bildet er sich das alles nur ein. Vielleicht wünscht er sich eine Liebesbeziehung. Aber wenn Kate sich mit ihm als Liebespaar vorstellte, dann fühlte es sich falsch an. Es fühlte sich nicht richtig an, das war alles was sie ihm sagen konnte. Ohne ihn zu verletzen, würde sie einen Weg finden müssen, ihm das begreiflich zu machen. Ihre Freundschaft würde darunter leiden, wenn sie es nicht schaffen
sollte. Jeff würde verstehen müssen. Kates letzte Gedanken bevor sie einschlief galten Jeff. Wie er
sich jetzt fühlen musste. Der Arme!
Am nächsten Morgen war der der Himmel nicht mehr so klar, wie er in der Nacht war. Nebel hing noch auf den Wiesen und Büsche. Und es sah nicht so aus, als würde die Sonne heute ihr Gesicht zeigen. Kate hatte mal wieder eine unruhige Nacht und war noch müde, als sie sich aus dem Bett quälte. Sie duschte sich, zog ihre Jeans von gestern an, zog aber ein neues Oberteil aus ihrem Schrank, und erschrak kurz als sie sich im Spiegel betrachtete. Es zeigte mehr von ihr, als ihr lieb war. Jetzt rann ihr aber die Zeit davon und sie entschied sich das enge Etwas an zu behalten. Und damit sie sich nicht ganz so nackt fühlte nahm sie noch die Strickjacke ihrer Mutter mit.
Als sie zum Frühstückstisch kam, fand sie nur Pat und Phil. „Guten Morgen!” sagte sie und setzte sich. „Morgen Kleine, sagte Pat strahlend. Phil, der wie immer Zeitung las blickte kurz über den Rand und begrüßte sie leicht lächelnd. „Wo ist Jeff? Schläft er etwas noch?”
„Nein, er ist heute früh schon aus dem Haus gegangen. Wir haben uns auch gewundert. Vielleicht hat er ja einen Termin. Kate wusste schon, warum er so früh aus dem Haus gegangen war. Er wich ihr aus. Und sie wusste nicht, in wie weit ihre Tante und Onkel von seinen Gefühlen für sie wusste, deshalb sagte sie auch kein Wort mehr darüber. Sie musste auf jeden Fall nochmals mit ihm darüber reden. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass etwas zwischen ihnen lag.
Den ganzen Vormittag über machte sie sich Sorgen um Jeff. Natürlich konnte sie ihren Kummer vor Pat nicht verbergen. „Ich bin nur traurig, Tante, weil Jeff so lange fort geht.” sagte Kate und hoffte, das sie nicht weiter fragen würde. Sie hatte ja damit nicht gelogen. Sie hatte nur den Kernpunkt einfach nicht erwähnt. Sie musste einfach Geduld haben, bis sie Jeff sprechen konnte. Und solange würde sich auf den heutigen Tag und seine Ereignisse vorbereiten.
Der Blumenladen war gut besucht und das war für Kate eine gute Ablenkung. Für den heutigen Termin bei Mrs. Noir hatten sie alles vorbereitet und schlossen den Laden eine Stunde früher als normal. Der Weg zu den Noirs war nicht weit, doch fuhren sie beinahe aus der Stadt heraus. Das Haus lag abseits. Weit und breit keine Häuser, keine Menschen. Wenn Kate daran dachte, es etwas seltsames um die Noirs lag, dann passte natürlich auch der Weg zu ihnen. Der Nebel hatte sich im Wald in den späten Nachmittagsstunden auf die Straße gelegt. Und je weiter sie fuhren, desto dichter wurde der Nebel. Sie folgten dem Pfad, der als einziges zivilisiert vor ihnen lag. Pat hatte sich den Weg von Phil am morgen nochmals erklären lassen und fuhr stur weiter und lies sich nicht von der Stimmung in der Kate sich nun befand, leiten.
Schließlich endete der Weg und sie hatten ihr Ziel erreicht. Vor ihnen stand ein sehr großes Haus. Sie hatte nicht so ein Haus, nach dieser Fahrt erwartet. Eher vielleicht eine alte Burg, oder ein verwunschenes Schloss! Doch nicht mit einem großen Neubau, mit vielen Fenstern. Neu und modern würde eher passen. Das Haus war von außen wunderschön. Es war mit einem weiß gestrichen und der überdachte Eingangsbereich wurde von zwei großen weißen Säulen gehalten. Blumen säumten den Parkplatzbereich. Sie mussten über einen eigenen Gärtner verfügen, alles wirkte sauber, ordentlich fast wie in einem Hotel oder ein Museum.
Kate hatte bemerkt, dass kein Auto auf dem Parkplatz stand. Die Hoffnung das Darren nicht da sein würde stieg. Die große Eingangstür öffnete sich und die elegante und schöne Mrs. Noir kam heraus, um sie zu begrüßen. Obwohl Kate sie gestern schon kennen gelernt hatte und auch da schon von ihrer Schönheit beeindruckt war, konnte Kate es wieder nicht fassen, wie edel sie war. Königlich kam sie ihnen entgegen. Sie schüttelte Pat`s Hand eben so kurz wie die von Kate. Und wieder hatte sie Handschuhe an, was Kate sofort aufgefallen war.
„Mrs. Bennet, Kate, ich freue mich, das Sie gekommen sind.“ Kate lächelte Mrs. Noir schüchtern an und war dankbar, dass Pat sie gleich in ein Gespräch über das schöne Haus verwickelte. Gemeinsam gingen sie hinein.
Kate kam aus dem staunen nicht mehr heraus. Alles war modern eingerichtet. Und es war riesig. Man konnte nicht schätzen, wie viele Zimmer dieses Haus hatte. Man konnte es nur erahnen. „Lassen Sie uns einen Kaffee trinken, oder mögen Sie lieber Tee?” fragte Mrs. Noir freundlich. „Kaffee wäre schön!” sagte Pat und folgte Mrs. Noir.
Diese ging in einen Raum, der dreimal so groß war, wie das Wohnzimmer das Pat und Kate hatten. Es war genauso freundlich und hell, wie man von außen den Eindruck bekommen hatte. Ein großes weißes Ledersofa stand direkt vor einem Kamin, der so wie es aussah noch nie benutzt worden war. Die ganze Längsseite des Raumes war verglast und man konnte ein großes Terrassenstück sehen das angrenzend an eine Art Park lag. Zumindest sah es aus wie ein Park, weil es so riesig wirkte. Rechts neben der Terrasse konnte man durch die Büsche einen Pool erkennen, dessen Wasser strahlendes Türkis war.
Die Wände des Wohnzimmers schmückten einige Kunstgemälde. Kate hatte noch nie moderne Kunst so nah gesehen und war sehr beeindruckt. Die linke Seite war eine ganze Wand voller Bücher, die alle in Reih und Glied standen.
Kate hatte gar nicht bemerkt, wie Mrs. Noir aus dem Zimmer gegangen war.
„Das ist einfach unglaublich hier, oder?” fragte Kate ihre Tante. „Das alles hab ich nicht erwartet.”
„Nein, ich auch nicht, obwohl ich sagen muss, das ich schon viel über sie gehört habe. Und vieles nicht das Beste war. Aber man kann die Menschen nicht beurteilen, wie oder was sie sind. Man sollte sie kennen lernen, bevor man sie verurteilt.”
“Ja, das hat Mama auch immer gesagt,” sagte Kate. Dann kam Mrs. Noir wieder mit einem Tablett. „So, der Kaffee!“ Sie schenkte allen ein und sah Kate lange mit freundlichen Augen an. Kate errötete mal wieder unter ihrem Blick, was nur dazu führte, das Kate unsicher wurde. Schnell sah sie in ihren Kaffee. „Entschuldige Kate, ich bin so beeindruckt von dir, ich darf doch DU sagen oder?”
„Ja, kein Problem Mrs. Noir!“ brachte sie nur heraus. „Oh nein, ich bin Katharina, bitte nennt mich Katharina.” „Ich bin Pat, Abkürzung von Patricia.”
„Oh, sagte Mrs. Noir, Patricia ist ein so schöner Name, ich würde dich lieber bei deinem vollen Namen rufen, wenn du nichts dagegen hast.”
„Nein, überhaupt nicht!” fügte Pat hinzu, und freute sich. „Also“, versuchte Pat das Gespräch in die geschäftlichen Bahnen zuführen.
„Wann genau soll der Maskenball stattfinden?” „In der nächsten Vollmondnacht, das wäre so weit ich mich an meinen Kalender erinnern kann, am 29. März, das müsste ein Samstag sein. Pat notierte sich alles auf einem Block. „Wie hatten sie … du dir den Ball vorgestellt?” fragte Pat und grinste über ihren Fehler.
„Es soll vor allem kein all zu steifer Ball werden, meine Kinder werden natürlich auch Freunde einladen und es wird soll modische Musik gespielt werden, als es das letzte Jahr der Fall war." Bei dem Satz “meine Kinder werden natürlich auch Freunde einladen” versetzte es Kate glatt einen Stich, und sie spürte wie ihr Puls begann zu kurz.
Für einen Moment sah Katharina zu Kate. Hatte sie gemerkt, dass ihr Puls kurz etwas angestiegen war? Um von dem Gedanken los zu kommen, fragte Kate:
„Möchtest du ein bestimmtes Motto für diesen Abend festlegen?” Begeistert von der Idee sah sie Kate erstaunt an. „Das ist eine ganz wundervolle Idee, Kate, genau das machen wir.” „Unter welchem Motto könnten wir das Motto legen?” fragte Katharina und dachte angestrengt nach.
„Also, ich finde zum Beispiel ein Himmel und Hölle-Motto echt super!” sagte Kate,
“da haben die Gäste eine große Auswahl an Kostüm-Möglichkeiten und es kann trotzdem bunt gemischt werden.” „Das ist wirklich eine gute Idee und das passt auch noch!” meinte Katharina begeistert.
„Also ich bin begeistert, das machen wir, und wie können wir das dekorieren?“ wollte Katharina wissen.
„Das kommt ganz darauf an, wo die Party stattfindet.” mischte sich Pat ins Gespräch mit ein.
„Ja, hier im Haus und auch draußen, am Pool, im Garten einfach im ganzen Haus. Natürlich nur in den unteren Bereichen.”
“Ja!” meinte Kate, “ich könnte mir gut vorstellen, das man das Motto mit der Dekoration abstimmt, damit alles eine Einheit bildet. Ich stelle mir viele Kerzen vor, die alles erleuchten. Man kann einen Höllen-Bereich und einen Himmel-Bereich dekorieren. Katharina sah Kate begeistert an. Kate konnte förmlich spüren, wie Katharina an ihren Lippen hing.
Kate hatte ein genaues Bild im Kopf und erzählte motiviert weiter. Selbst Pat hing jetzt genau wie Katharina an ihren Lippen. Beide Frauen waren schwer beeindruckt von der Phantasie der jungen Frau.
„Wir haben im Auto zwei Alben mitgebracht mit der Auswahl an den uns zur Verfügung stehenden Blumen, darunter sind auch einige sehr schöne Rosen. Kate würdest du sie bitte schnell aus dem Auto holen?” fragte Pat.
„Natürlich, sagte Kate und machte sich sofort auf den Weg. Am Auto nahm sie beide Alben und versuchte sich zu erinnern welche Rosen dafür in Frage kamen.
Leichtfüßig sprang sie die fünf Stufen zur Eingangtür hinauf und lief mit schnellen Schritten zu den beiden Damen. Als sie die Türschwelle des Raumes erreicht hatte, hörte sie lautes Lachen. Aber es war auch eine Männerstimme dabei. Als Kate aufsah stockte ihr sofort der Atem und blickte in die wärmsten und aufregendsten Augen.
In ihren Träumen waren sie ihr nicht so in Erinnerung geblieben. Das Wettrennen zwischen ihrem Puls und Herz wurde von dem Rauschen ihres Blutes über dröhnt. Ihre Arme versagten ihr den Dienst. Sie war einen Moment zu schwach, die beiden Alben zu halten. Sie fielen zu Boden. Einige Bilder hatten sich gelöste und rutschen nun auf dem glatten Marmorboden durch den Raum. „Oh nein!” brachte sie hitzig heraus und kniete sich sogleich nieder um alles aufzuheben. Natürlich war es Darren, der vor ihr kniend half. Das verschlimmerte Kates Zustand, weil jetzt auch noch ein süßer Luftzug von ihm auf Kate einströmte. Ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. Für eine Sekunde schloss sie ihre Augen und sog diesen übermächtigen Duft tief ein. Als sie ihre Augen wieder öffnete, hatte er ein anzügliches Grinsen auf seinen edlen Lippen. Es ärgerte sie zu sehr, dass er solche Reaktionen in ihr auslöste. Und je länger es anhielt, war sie sogar wütend auf ihn. Da er sich darüber sehr wohl bewusst war, was er mit ihr tat.
„Nicht böses sein!” flüstere er und sein Grinsen wurde noch breiter. Jetzt wusste sie, dass er es auch wusste. Und wenn er es wusste, dann wussten Katharina und Pat auch Bescheid. Das alles war ihr unglaublich peinlich. Sie nahm alle Kraft, die sie aufbringen konnte und sammelt alle Bilder vom Boden ein, ohne ihn auch nur noch einmal anzusehen. Mit hochroten Wangen lies sie Darren stehen und ging schnell zum Sofa. Mit zittrigen Händen versuchte sie die herausgefallenen Bilder zu ordnen.
„Was ist los Kate, ist dir nicht gut?” fragte Pat besorgt. Natürlich sahen sie alle an. Das schlimmste war, als sie in Katharinas Gesicht das gleich anzügliche Grinsen sah, wie vorher bei Darren, nur nicht ganz so offensichtlich. Ich muss das irgendwie hinter mich bringen, dachte sie und genauso dringend verspürte sie jetzt den Drang nach frischer Luft. Pat hatte ihr die Alben und Bilder abgenommen.
„Mir ist schlecht, ich geh kurz an die frische Luft!” presste Kate noch, stand auf und verließ fluchtartig den Raum. Beim hinausgehen, hörte sie Pat noch rufen: „Soll ich mitkommen?” „Nein, lass sie, Darren wird zu ihr gehen!” warf Katharina schnell ein und gab ihrem Sohn mit einer Kopfbewegung ein Zeichen. Kate hatte schon den Parkplatz erreicht. Aber sie wollte nicht von Darren entdeckt werden, deshalb lief sie ein kleines Stück in den Wald hinein. Sie versuchte ruhig und gleichmäßig zu atmen. Nach drei Atemzügen kam die Wut über sich selbst wieder hoch und begann halb-laut zu fluchen.
„So ein Mist! Wieso passieren immer mir solcher Peinlichkeiten? Was denkt er sich eigentlich? Was für eine Schei….!“ Weiter kam sie nicht.
“Und so etwas, aus so einem hübschen Mund.” Kate drehte sich verblüfft um und da stand er. Er stand wohl schon eine ganze Weile so da. Mit verschränkten Armen lehnte er an einem Baum und beobachtete sie.
„Geht es dir jetzt besser?” fragte Darren. Sie gab ihm keine Antwort und drehte sich mit dem Rücken zu ihm. „Taschentuch?” fragte er erneut und hielt ihr ein weißes Stofftuch hin.
„Danke,” sagte sie grimmig, riss es ihm fast aus den Händen, ohne ihn dabei anzusehen. Natürlich war sie darauf bedacht, ihn nicht zufällig zu berühren. Ihr Puls hatte sich immer noch nicht ganz erholt, aber sie hatte es jetzt im Griff.
„Bin ich den wirklich so erschreckend für dich?” wollte er wissen und sah sie immer noch an. „Nein, … ich ….!” stammelte sie. „Egal, können wir rein gehen, mir geht es besser!” behaarte sie, um nicht länger seinen Fragen ausgeliefert zu sein. „Ich bin Darren Noir.”stellte er sich vor, aber er gab ihr keine Hand. „Es tut mir ehrlich leid, wenn ich dich erschreckt haben sollte. Das war nicht meine Absicht. Ehrlich!”
“Ich weiß, wer du bist.” antwortete Kate kratzbürstig. Sie wollte so wenig Blickkontakt wie möglich. Obwohl ihr Körper ihr etwas anderes sagte. Kate machte sich langsam auf den Rückweg und Darren war immer drei Schritte hinter ihr. Bevor sie durch die große Eingangstür ging, drehte sie sich noch einmal zu ihm um. „Danke, fürs Aufpassen, das nächste mal schaffe ich das auch alleine.” sagte sie schnippisch.
„Oh, es war mir ein Vergnügen, Kate.” Streng sah sie ihn kurz an, dann drehte sie sich wieder um und lief zu ihrer Tante und Katharina. „Alles in Ordnung?” fragte beide Frauen fast gleichzeitig, als Kate sich wieder zu ihnen auf das Sofa setzte. „Ja, alles in Ordnung, mir geht es gut. Ich hab wohl zu wenig gegessen, heute.”sagte Kate schnell, froh eine kleine Ausrede gefunden zu haben.
„Ja, dann hätten wir so weit alles besprochen Katharina. Ich mache heute Abend noch die Bestellung fertig. Und dann kann es los gehen!” versprach Pat ihr.
„Wunderbar.“ Besorgt sah Katharina zu Kate. „Ich glaube, du solltest wirklich etwas essen. Soll ich eine Kleinigkeit für dich kommen lassen? Oder, … ich habe eine bessere Idee! Darren mit dir irgendwo etwas essen gehen!” „Was!” schrie Kate fast, „Nein, das ist wirklich nicht nötig. Wir essen gleich alles zusammen zuhause!“ sagte Kate dann ruhiger. Das hätte ihr gerade noch gefehlt, mit ihm in engem Raum! Sie verabschiedeten sich von Katharina und Darren. Er stand an der Haustür gelehnt und grinste Kate frech an. Doch diesmal konnte sich Kate zu einem gequälten lächeln zwingen. Das war zwar nicht sehr freundlich, doch er war schließlich für ihr Desaster verantwortlich. Auf dem Nachhauseweg sprach Pat nur von dem Auftrag, den sie nun bekommen hatten. Während Kate draußen war, um sich zu fassen, hatten die beiden Frauen alle weiteren Details weiter besprochen. Offensichtlich war ihr der wahre Grund für Kates Reaktion nicht aufgefallen. Aber Kate war froh darüber, denn so musste sich keine lästigen Fragen beantworten. Sie war nur froh, als sie endlich zuhause ankamen.
Es dämmerte schon, als sie zur Tür herein kamen. Begeistert erzählte Pat ihrem Mann von dem Maskenball. Was sie alles zu organisieren hätten. Es sollten 200 geladene Gäste kommen und erzählte begeistert, wie Kate das Motto hervor zauberte. Und überhaupt war Pat davon überzeugt, diesen Event zu einem gelungenen Fest zaubern zu können. Gleich nach dem Abendessen wollten sie im Internet nach Angeboten schauen und schon einige Bestellungen machen.
Kate war aufgefallen, das Jeffs Wagen nicht in der Einfahrt stand, als sie nachhause kamen. Er war den ganzen Tag noch nicht zuhause gewesen. Sie sehnte sich nach einem Freund. Natürlich konnte sie ihm nicht die Begegnung mit Darren erzählen, doch er würde genau wissen, was er zu ihr sagen musste, damit sie nicht mehr daran dachte. Ungeduldig lief sie im Haus umher. Wann würde er endlich nachhause kommen?
„Hat Jeff angerufen? Wann kommt er nachhause?” fragte sie Phil, der in seinen Sessel saß und Zeitung lass. „Er wird erst spät nachhause kommen, das hat er zumindest heute morgen gesagt, als er ging.“ sagte Phil, ohne von der Zeitung aufzusehen. Es entstand eine kleine Pause. „Ist irgend etwas?” wollte Phil wissen und sah jetzt doch von seiner Zeitung auf, als er Kate Unruhe bemerkte. „Nein, ich wollte ihn sprechen, das ist alles!” sagte Kate so belang los wie möglich. Sie ging zu Pat in die Küche, um ihr bei irgendwas zu helfen. Hauptsache sie war beschäftigt. Als spät am Abend Jeff immer noch nicht zuhause war, ging sie endlich ins Bett und schlief auch ziemlich schnell ein. Ein Geräusch lies sie mitten in der Nacht wach werden. Sie sah auf ihren Wecker, es war kurz nach 1 Uhr. Ob Jeff jetzt zuhause war? Sie stand auf und ging auf den Gang. Pat und Phil schliefen schon. Man konnte Phil leicht schnarchen hören. Dann sah sie in Jeffs Zimmer noch Licht brennen. Er war zuhause. Leise klopfte sie an und wartete, das er sie ein lies. Er öffnete und lächelte Kate an.
Kate spürte Erleichterung in ihrer Brust. Er war ihr nicht böse. „Kannst du nicht schlafen, oder warum geisterst du so spät noch durch das Haus?”
Er lies sie ins Zimmer, schloss leise und sachte die Tür. Kate setzte sich auf sein Bett. Dann bemerkte sie die beiden Koffer, die auf den Boden standen. Entsetzt sah sie zu Jeff. „Was tust du da?”
Hatte Jeff nicht gesagt, er würde bald wegfahren. Das bedeutete nicht morgen oder übermorgen. „Ich fahre morgen Abend schon Kate, besser gesagte heute Abend.” Sie sah ihn lange an und sagte dann: „Du fährst aber nicht meinetwegen früher, oder?” Er lächelte kurz.
„Nein, ich war heute den ganzen Tag bei einem Kunden, und durch die Gespräche hat sich es eben so ergeben, dass ich früher abreisen kann, um dann vielleicht früher als geplant wieder nachhause zu sein.”
„Wir waren heute bei den Noirs, deine Mutter und ich haben den Auftrag bekommen.”
„Schön, das freut mich für euch. Dann werdet ihr viel zu tun haben, während ich weg bin.” sagte Jeff und setzte sich zu Kate. Jetzt, als Kate wusste, was dieser seltsame Gesichtsausdruck in seinem Gesicht zu bedeuten hatte, senkte sie ihren Blick, um ihn nicht sehen zu müssen. Es tat ihr weh ihren Freund so zu sehen. „Jeff, … ich,...!” begann sie. Sie spürte wie es ihr deutlich schwer fiel das Thema vom gestrigen Abend nochmals aufzugreifen. „Schschsch…, mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung,” sagte er und zog sie an sich. Sie kuschelte sich an seine Brust und fühlte sich geborgen. Leicht schloss sie die Augen und genoss den Augenblick. Er war ihr Freund. Ohne viele Worte hat er gewusst, was sie sagen wollte. Es war ihm auch so schon klar gewesen. „Vielleicht wird mir der Abstand zu dir helfen, besser damit klar zu kommen. Ich sehe es als Chance.” Sie sah zu ihm auf. „Ich wollte dir auf keinen Fall weh tun, Jeff.” „Ja, das weiß ich, ich wollte eigentlich nichts an unserer Beziehung ändern, aber … es ist einfach so passiert. Wir kennen uns schon so lange Kate, ich bin nur ein Mann.”
„Was kann ich für dich tun, das es nicht so … !” „Nein“, unterbrach er sie sanft, “du kannst nichts daran ändern und das sollst du auch nicht. Wenn du dich mir gegenüber anders verhalten würdest, … das wäre ich nicht gewöhnt. Es wäre so unnatürlich und es würde mir noch mehr weh tun, Kate. Kannst du das verstehen?”
„Ja!” sie atmete tief ein. Nach einer kleinen Pause fiel ihm ein: „Da fällt mir ein, willst du in der Zeit, in der ich weg bin mein Auto haben? Phil fährt mich morgen zum Flughafen, also wenn du willst … !” Ein bisschen kam gerade ihr alter Jeff wieder zum Vorschein und es freute sie.
„Ja, gern!” strahlte sie. Immer noch lagen sie in seinem Bett. Immer noch eng umschlugen.
„Wirst du mich anrufen?” fragte Kate nach einer Weile. „Natürlich! Ich will ja schließlich wissen, wie der Laden läuft und was ihr so treibt, während ich weg bin.”
Langsam wurde Kate schläfrig. Es war für sie so beruhigend bei Jeff zu sein. Sie lag mit dem Kopf auf seiner Brust und hörte seinen regelmäßigen Herzschlag.
Irgendwann, als Kate in regelmäßigen Abständen atmete, schaltete er das Licht mit der freien Hand aus und deckte sich und Kate mit seiner Decke zu. Er wollte Kate noch bei sich haben. Er wollte ihren Duft noch einmal einatmen, bevor er sie für eine längere Zeit nicht sehen konnte. Er war sich sicher, dass er sie vermissen würde. Aber nicht wie ein Bruder seine Schwester vermissen würde, sondern wie ein Mann eine Frau vermissen konnte.
Texte: Any Cherubim
Bildmaterialien: Copyright für das Buchcover liegt bei Google.
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Tag der Veröffentlichung: 08.04.2013
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Any Cherubim