Erfüllte Sehnsucht, XXL-Leseprobe
Zwei – Ein guter Junge
Das Klingeln meines Handys katapultiert mich aus dem Schlaf.
Wer ruft denn mitten in der Nacht an?
Oh Gott! Ist was mit Steven?
Angst und Hoffnung jagen zu gleichen Teilen durch meinen Körper, der wie auf Kommando hochschnellt. Ich brauche einen Moment, um mich zu orientieren, weil ich vorübergehend bei Peter und Mutter eingezogen bin. Das Handy muss ich zum Glück nicht lange suchen, da es, wie in den letzten Nächten, griffbereit auf dem Nachttisch liegt.
Kurz darauf starre ich mit wild klopfendem Herzen auf das Display. Nummer unbekannt.
Bitte! Bitte mach, dass es ihm gut geht!, wiederhole ich stumm vor mich hin.
Dann hebe ich ab – atemlos und hellwach. »Hallo?« Oh bitte, lass es …
»Yaya? Hier ist Laura.«
Diiiie? Überrascht reiße ich die Augen auf. Was will denn meine ehemalige Arbeitskollegin von mir?
»Hab ich dich geweckt?«
»Äh … ja«, entgegne ich zunächst entgeistert, merke aber die Erleichterung in mir hochsteigen. Denn keine Neuigkeiten sind besser als schlechte.
»Ich … wollte dich fragen, ob du was von Steven gehört hast?«
Warum will sie das wissen?
»Er und ich … wir sind. Also wir … haben uns ein paar Mal getroffen und jetzt erreiche ich ihn nicht mehr. Gemeldet hat er sich auch schon seit Tagen nicht. Ich hatte keine Ahnung, … was ich machen soll. Und du bist doch so gut mit ihm befreundet.«
Schweigen –, weil ich erst mal verdauen muss, dass ausgerechnet sie anscheinend etwas mit meinem besten Freund hat. Auf diese Weise davon zu erfahren, versetzt mir einen Stich. Doch ihr gleich mitteilen zu müssen, dass Steven im künstlichen Koma liegt, fühlt sich tausendmal schlimmer an. Mein Hals entscheidet spontan, zuzuschwellen.
»Yaya?« Sie klingt besorgt. »Hat … Hat er dir gegenüber Andeutungen gemacht, wie … wie er zu mir steht? Also … also, ich mein … würde er sich einfach aus dem Staub machen, ohne ein Wort? Ist Steven so einer?«
Scheiße, sie hat ihn gern! Sehr sogar und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als ihre Befürchtung bestätigen zu können. Stattdessen spiele ich mit dem Gedanken eine Störung in der Leitung vorzutäuschen, nur um auflegen zu können. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie und wo ich beginnen soll. »Steven liegt im Koma«, entscheide ich mich eine gefühlte Ewigkeit später für die direkte Art.
Die einkehrende Stille ist drückend, und ich nutze sie, um meine Atmung in den Griff zu bekommen, doch die Tränen sind bereits im Anmarsch. Erfolgreich dränge ich sie zurück und will fortfahren, da fällt Laura mir schluchzend ins Wort und steckt mich damit an.
»Warum? Was … was ist denn passiert?«
Ich erzähle ihr alles und erfahre, dass Steven am besagten Abend ihretwegen ins Studio gefahren ist. Sie hatte ihm die Schlüssel fürs Do-Well gegeben und ihn gebeten, ihre – und jetzt kommts – Tasche zu holen.
TASCHE! Welche halbwegs normale Frau – in diesem Fall sogar Tussi – vergisst denn bitte ihre Tasche?
Fassungslos und innerlich nach Luft schnappend presse ich die Lippen aufeinander. Fest, denn ich bin kurz davor lautstark zu äußern, was ich davon halte, würge dann allerdings alle Vorwürfe mühsam hinunter.
»Das w-wäre nie passiert, wenn ich … ihn nicht losgeschickt hätte«, flüstert sie und heult ins Telefon.
Nein, du bist nicht schuld, hätte ich erwidern sollen – dessen bin ich mir bewusst. Aber der wütende und unfaire Teil in mir sieht das anders und will sie anschreien. Daher lege ich lieber auf und presse mein Gesicht ins Kissen, damit Linda und Peter nicht mitbekommen, wie ich mich wieder in den Schlaf weine.
***
Tags darauf lasse ich mich um zehn in der Früh von Peter ins Krankenhaus fahren. Inzwischen wissen er und die Polizei von der Morddrohung und schließen nicht aus, dass Ben und Steven den gleichen Tätern zum Opfer gefallen sind. Da Ben die Gesichter nicht richtig gesehen hat, lässt seine Täterbeschreibung zu wünschen übrig. Nun hängt vieles von Steven ab, der noch immer im Koma liegt. Kurzum: Diese Nazis sind auf freiem Fuß und könnten ihre Drohung jederzeit wahr machen. Wie der Freund meiner Mutter es im Ernstfall mit ihnen aufnehmen will, ist mir schleierhaft. Dennoch bin ich genauso froh wie dankbar, von ihm überall hingefahren und abgeholt zu werden.
Vor der Tür zu Stevens Zimmer verharre ich. Er hat bereits Besuch, und zwar nicht von Nana oder Patrick, sondern Laura. Obwohl das nach unserem nächtlichen Telefonat zu erwarten war, habe ich nicht damit gerechnet. Unschlüssig, ob ich dazu stoßen soll, beobachte ich, wie sie seine Hand hält und streichelt.
Ist ihm das überhaupt recht? Er ist nicht gerade in der Verfassung, sich dagegen zu wehren. Ihre Lippen bewegen sich und sie lässt den besorgten Blick über sein Gesicht gleiten – so zärtlich, als hätte sie das schon öfter getan. Instinktiv lasse ich die Klinke los, weil mich das Gefühl beschleicht zu stören. Also beschließe ich später wiederzukommen und mache mich auf den Weg zu Ben. Im Fahrstuhl fällt mir auf, Steven noch nie so … vertraut mit einer Frau gesehen zu haben.
Was läuft da?
Den Impuls kehrtzumachen, um Laura auszufragen, schiebe ich beiseite und trete aus dem Lift. Eine Glastür und drei Zimmer weiter liegt Ben, den ich gleich in meine Arme schließen werde. So fest, wie die Wunde an seinem Bauch es zulässt. Das Flattern in meiner Magengrube wird mit jedem Schritt, der mich näher zu ihm bringt, intensiver.
Laura ist vergessen.
An seiner Tür angekommen, unternehme ich den lächerlichen Versuch, meine Locken zu richten und – kollidiere fast mit einer Frau. Mitte fünfzig, maximal Anfang sechzig, groß und schlank, blondes zu einem strengen Dutt nach hinten drapiertes Haar und blaue Augen, die mich vom Scheitel bis zur Sohle mustert. Ausgiebig, interessiert aber vor allem neugierig. Mir ist klar, wem ich hier gegenüberstehe, noch bevor sie die Stille zwischen uns bricht.
»Sie müssen Yaya sein. Ich bin Benedikts Mutter.« Ein Kranz aus feinen Fältchen breitet sich um ihre Augen aus und die Mundwinkel wandern nach oben. Jetzt weiß ich, woher Ben seine Grübchen hat. »Ich freue mich so sehr, Sie kennenzulernen«, eröffnet sie mir derart überschwänglich, dass es mir im ersten Moment die Sprache verschlägt. Irritiert betrachte ich ihre Hände, die über meine Oberarme streichen und sie drücken. Dass sie mich nicht hochhebt und wie ein Kleinkind durch die Gegend wirbelt, hab ich vermutlich dem Umstand zu verdanken, etwas zu groß und zu schwer dafür zu sein. Wieder in ihr Gesicht schauend, fällt mir auf, dass sie meinem Blick gefolgt ist.
»Verzeihen Sie. Ich wollte nicht …« Abrupt lässt sie von mir ab, wodurch sich meine Schockstarre löst.
»Mich … freut es auch, Sie kennenzulernen, Frau Klingenthal. Ich bin hier, um Ihren Sohn zu besuchen«, erkläre ich, als sei das nicht offensichtlich, weil mir nichts anderes einfällt. Hinter einem Grinsen versuche ich die plötzlich auftretende Unsicherheit zu kaschieren, denn sie starrt mich immer noch an. Kopfschüttelnd und mit vorgehaltener Hand scheint sie mit Tränen zu kämpfen.
Etwa meinetwegen? Das ergibt doch gar keinen Sinn.
»Kein Wunder …«, beginnt sie lächelnd. »Sie … sind ganz bezaubernd.«
Kein Wunder … was?
Meine Güte! Ihre Reaktionen auf mich sind verwirrender als die mendelschen Regeln der Vererbungslehre.
Ein »Dankeschön« murmelnd merke ich, wie mir Blut in die Wangen schießt. Verlegen begegne ich ihrem nun ernsten Blick. »Es gibt da etwas, was ich Ihnen sagen möchte. Haben Sie kurz Zeit?«
Ich schlucke. Hörbar. »Äh … ja.«
Sie tritt näher und zieht die Tür des Krankenzimmers ihres Sohnes zu, bis sie nur noch einen Spaltbreit anlehnt. Meine Hände nimmt sie zwischen ihre und sagt beinahe beschwörend: »Egal, was er in der Vergangenheit getan hat ... Ben ist ein guter Junge. Und wir machen alle mal Fehler.«
Ihre Worte erinnern mich an seine.
»Vertrau mir!«
»Ich werde dir Rede und Antwort stehen.«
»Nicht wahr?«, fordert Frau Klingenthal meine Zustimmung ein und erhöht leicht den Druck um meine Finger.
Ich nicke.
»Aus seinen hat er gelernt und ...« Ihre Augen quellen beinahe über vor Mutterliebe. »Mein Sohn ist ein so wundervoller Mensch«, fährt sie fort, als wolle sie mich davon überzeugen. Dabei ist das gar nicht nötig. Er hat mich gerettet, sich meinetwegen mehrmals in Gefahr begeben, ist liebevoll, aufmerksam und fürsorglich. Mir ist mehr als bewusst, was ich an ihm habe und … vor vier Tagen um ein Haar für immer verloren hätte.
Ist es das?
Zweifelt sie womöglich an der Aufrichtigkeit meiner Absichten?
Und von welchen Fehlern, aus denen er gelernt hat, spricht sie denn nur?
Noch bevor diese Fragen über meine Lippen kommen können steht Ben in der Tür. Mit einem Blick, den ich nicht verstehe, bringt er seine Mutter dazu, die Hände von mir zu nehmen und sich mit den Worten »Ich … lasse euch zwei jetzt allein« zu verabschieden.
Ihr Gang ist aufrecht, stolz, zeugt von Stärke und einer Spur Verletzlichkeit, als ich ihr nachsehe.
»Was machst du hier?«, unterbricht Ben meine Inspektion und führt mich an der Hand in sein Krankenzimmer. Die Tür zieht er hinter mir ins Schloss und mustert mich mit finsterer Miene. Er ist noch etwas blass um die Nase und zu Fuß ein wenig wackelig, was vermutlich nur Leuten auffällt, die ihn besser kennen. Dennoch erstaunt es mich, wie schnell er sich von der Stichverletzung erholt hat. Körperlich. Denn wie es mental in ihm aussieht, vermag ich nicht zu beurteilen, weil es bei meinen Besuchen nur um mich geht – so wie jetzt.
»Ich will dich hier nicht sehen! Das ist viel zu gefährlich. Wann begreifst du das endlich?«, weist er meinen Versuch mich ihm zu nähern zurück und versetzt mir damit einen Stich. Enttäuscht lasse ich die Arme sinken, die ich ihm um den Hals legen wollte. »Du willst mich nicht sehen? Ist … das dein Ernst?«
Ben atmet geräuschvoll aus. »Du weißt, dass ich das so nicht gemeint habe, Yaya.«
»Das ändert aber nichts daran, dass es mich verletzt, wenn …« Der Satz bleibt unbeendet, da ich keinen Streit will und … weil er mich auf eine Weise ansieht, die keinen Zweifel daran lässt, dass seine Worte allein der Sorge um mich geschuldet waren.
»Ich hab keine Ahnung, was ich tun soll, falls …« Ein hartes Schlucken unterbricht ihn, mit seinem Blick hält er mich fest, bevor seine Arme dies übernehmen. Warm und stark – und ich schmiege mich an seine Brust. Vorsichtig, da seine Wunde längst nicht verheilt ist.
»Verdammt, Yaya«, brummt er in meine Locken. »Ich hab einfach eine Scheißangst, dass dir was passiert. Kannst du das nicht verstehen?«
»Ja«, hauche ich, spüre wie sich seine Hände um meinen Nacken schließen und sein Mund mein Ohr findet, in das er raunt: »Dann schalte deinen Sturkopf aus und bring dich in Sicherheit.« Sein heißer Atem und das heiser klingende »Mir zuliebe« lassen mich erschaudern.
»Das geht nicht«, entgegne ich flüsternd. »Nicht ohne dich.«
»Ich komme nach. Versprochen.«
»Und Steven …«, beginne ich, wissend, dass dies nicht gerade zu seinen Lieblingsthemen zählt. »Er liegt noch im Koma. Ich kann ihn nicht …«
Mit einem Kuss auf meine Lippen fällt Ben mir ins Wort. Er wartet nicht ab, gleitet in meinen Mund, meine Zunge entlang, umkreist sie und saugt an ihr. Zunächst sanft, dann fester – nicht weniger zärtlich, dafür aber fordernder und mit einer Leidenschaft, die mir den Atem raubt. Ein leises Stöhnen kann ich genauso wenig zurückhalten wie er und klammere mich an ihn. Noch enger, noch verlangender, weil ich genau das brauche: ihn. Den Geschmack seiner Lippen, den Druck seiner Hände, die Geborgenheit seiner Arme, die Wärme seiner Haut …
»Ben …«, hauche ich und spüre die Tür im Rücken sowie seine Erektion an meinem Bauch. Ein Schauer durchfährt mich und hinterlässt eine Gänsehaut. Auf Zehenspitzen erwidere ich seine Zungenschläge, die so gefühlvoll sind, dass ich einen Moment lang vergesse, wo ich bin und weshalb. Dass ich daran glaube – nein mit Sicherheit weiß –, dass alles gut werden wird, weil ich ihn habe. Weil wir einander haben.
»Danke«, entkommt mir leise, als sich unsere Lippen ganz langsam voneinander lösen. Seine schimmern feucht, sind leicht geschwollen von dem Kuss und verziehen sich zu einem schiefen Grinsen, das meine geliebten Grübchen zum Vorschein bringt.
»Gerne. Auch wenn du das nicht verdient hast.«
»Warum nicht?«, frage ich und blicke treuherzig zu ihm hoch.
»Weil du nicht gehorchst, wenn man dir was sagt.«
»Das liegt daran, dass ich kein Hund bin.«
»Aber mein Mädchen!« Besitzergreifend nimmt er mein Gesicht zwischen seine Hände und gleitet mit den Lippen meine Stirn entlang bis zur Schläfe. »Ich bin für dich verantwortlich, Yaya. Wie soll ich für deine Sicherheit sorgen, wenn du nicht auf mich hörst, hm?«
»Aber …«
»Nichts aber!«, erhebt er so unerwartet die Stimme, dass ich beinahe erschrocken zusammenzucke. »Hier kannst du nicht bleiben! Wir müssen beide hier weg.« Sein Ausdruck ist beschwörend und zwischen seine Augen hat sich eine tiefe Furche gegraben – er wird nicht lockerlassen. Unter dieser Erkenntnis entferne ich schnaubend seine Finger von meinem Gesicht und schiebe mich an ihm vorbei, um das Fenster am Ende des Raumes anzusteuern. Dort angekommen bleibe ich stehen und sehe in den angrenzenden Park hinaus. Als ich herumfahre, kommt er mit prüfendem Blick auf mich zu. »Du vertraust mir doch noch, oder?«
Vertrau mir!
Ich werde dir Rede und Antwort stehen.
Egal, was er in der Vergangenheit getan hat ... Ben ist ein guter Junge.
»Willst … willst du wirklich nur wegen der Nazis weg, oder …?«
Sein Gang verlangsamt sich und seine Miene wird wachsam. »Oder was?«
»Du hast gesagt, es gäbe Dinge aus deiner Vergangenheit, über die du jetzt noch nicht sprechen könntest. Und deine Mutter meinte vorhin …«
Abrupt bleibt er stehen und schluckt so hart, dass ich es hören kann. »Was … hat sie dir erzählt?«
»Dass du Fehler begangen hättest …«
Ich kann förmlich dabei zusehen, wie sich seine markanten, wunderschönen Züge verhärten. Als sei ihm dies bewusst, wendet er sich ab, kehrt mir den Rücken zu und hakt nach: »Fehler?«
»Aus denen du gelernt hättest.«
»Und weiter?«
Wieso kann er mir nicht in die Augen sehen?
Kurz spiele ich mit dem Gedanken, ihn im Unklaren zu lassen, entscheide mich aber dagegen. »Mehr hat sie nicht gesagt, weil … du sie unterbrochen hast«, antworte ich auf sein breites Kreuz starrend und erkenne unter dem dunklen T-Shirt, wie angespannt seine Muskeln sind.
»Ben? Du kannst mir alles sagen. Alles«, versichere ich mit fester Stimme, gehe um ihn herum und treffe auf braune Augen, in denen Zweifel aufblitzen. Gott, wie gerne würde ich sie ihm nehmen, ihn wissen lassen, dass ich immer für ihn da bin, weil … ich ihn liebe und …
Scheiße!
Blut schießt mir in die Wangen – denn all das, inklusive der drei Worte, habe ich nicht bloß gedacht, sondern laut ausgesprochen. Hier. Vor Ben, der mich mit hochgezogenen Brauen mustert. Schweigend.
Mein Blick wandert beschämt zu Boden, in dem ich versinken möchte, wenn ich schon nicht unsichtbar werden kann.
»Yaya … ich … will dich nicht verlieren«, lautet seine Reaktion auf meine unfreiwillige Liebeserklärung.
Oh Gott!
Das ist fast so schlimm, wie »Lass uns Freunde bleiben« und mein Herz krampft sich zusammen. Daran kann auch die Mitleidsumarmung, in die er mich zieht, nichts ändern. Sein Oberkörper dehnt sich zu einem tiefen Atemzug, den ich auf meiner Kopfhaut spüre. »Übermorgen entlassen sie mich und dann werde ich dir alles beantworten. Gib mir zwei Tage, okay?«
Nickend kämpfe ich dagegen an, nicht in Tränen auszubrechen. Denn ich will nicht bedauert, sondern geliebt werden. Von ihm!
»Du bist mir wichtig, Yaya. Sehr sogar!« Damit küsst er mein Haar und presst mich so lange und fest an sich, bis der enttäuschte Knoten in meiner Brust fast verschwunden ist.
Doch die Fragen sind geblieben …
***
Schlaflos wälze ich mich im Bett von rechts nach links und wieder zurück. Nicht etwa, weil mein Mund Ben ohne Einverständnis meines Gehirns »Ich liebe dich« gesagt hat. Und es ist auch nicht die Angst um Steven, die mich wachhält. Jedenfalls nicht ausschließlich. Es ist die Begegnung mit Frau Klingenthal, welche mich einfach nicht loslässt.
Egal, was er in der Vergangenheit getan hat ... Ben ist ein guter Junge. Und wir machen alle mal Fehler.
Was für welche?
Dinge … über die ich jetzt nicht mit dir sprechen kann. Noch nicht.
Du hast keine Ahnung, worauf du dich einlässt.
Glaub mir, so einen wie mich willst du nicht.
Vertrau mir!
Ich werde dir Rede und Antwort stehen.
Ben ist ein guter Junge.
Vertrau mir!
Und wir machen alle mal Fehler.
Fehler ...
Vergangenheit …
Fehler …
»Scheiße Ben, was verheimlichst du mir?«, zerreiße ich flüsternd die Stille der Nacht und beschließe nicht nur sprichwörtlich Licht ins Dunkel zu bringen.
Tag der Veröffentlichung: 21.12.2014
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Anya Omah