Faust: Der Tragödie zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 2 von 8

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Faust: Der Tragödie zweiter Teil

Chor

Gelenk sind bald die krampferstarrten Glieder,

Wenn er gestärkt dem Tag entgegen ruht.

Vollbringt der Elfen schönste Pflicht:

Gebt ihn zurück dem heiligen Licht!

 

CHOR

einzeln, zu zweien und vielen, abwechselnd und gesammelt.

Wenn sich lau die Lüfte füllen

Um den grünumschränkten Plan,

Süße Düfte, Nebelhüllen

Senkt die Dämmerung heran,

Lispelt leise süßen Frieden,

Wiegt das Herz in Kindesruh

Und den Augen dieses Müden

Schließt des Tages Pforte zu.

Nacht ist schon hereingesunken,

Schließt sich heilig Stern an Stern;

Große Lichter, kleine Funken

Glitzern nah und glänzen fern;

Glitzern hier im See sich spiegelnd,

Glänzen droben klarer Nacht;

Tiefsten Ruhens Glück besiegelnd

Herrscht des Mondes volle Pracht.

Schon verloschen sind die Stunden,

Hingeschwunden Schmerz und Glück;

Fühl' es vor! Du wirst gesunden;

Traue neuem Tagesblick!

Täler grünen, Hügel schwellen,

Buschen sich zu Schattenruh;

Und in schwanken Silberwellen

Wogt die Saat der Ernte zu.

Wunsch um Wünsche zu erlangen Schaue nach dem Glänze dort!