Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

Clemens Brentano · Kapitel 4 von 6

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Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

Soldatenkatechismus

Wer fällt, der bleibet liegen,

Wer steht, der kann noch siegen,

Wer übrig bleibt, hat recht,

Und wer entflieht, ist schlecht!

 

Zum Hassen oder Lieben

Ist alle Welt getrieben,

Es bleibet keine Wahl,

Der Teufel ist neutral.

 

Bedienet uns ein Bauer,

So schmeckt der Wein fast sauer,

Doch ists ein schöner Schatz,

So kriegt sie einen Schmatz.

 

Soldatenkatechismus

 

Bist matt und müd, so sing ein Lied

Aus Herzenslust, das stärkt die Brust.

 

In höchster Qual fluch wohl einmal,

In heißem Streit Gott dirs verzeiht.

 

Geh in die Schanz froh wie zum Tanz;

Heil gibt der Tod, das Leben Not.

 

Gefangen sein ist große Pein;

Viel besser ficht, bis 's Aug dir bricht.

 

Scheint grausam dir dein Offizier,

Bedenke, hart ist Krieges Art.

 

Der Bürger schwätzt, der Prahler wetzt,

Der Krieger ficht; Mensch, richte nicht!

 

Nicht räsonier, wie man dich führ,

Du bist im Plan, man gibt ihn an.

Montur ist eng, Ordnung gestreng,

Für alles steht, der vor dir geht.

 

Halt trocken, rein so Schloß als Stein;

Leicht ists geputzt, und viel es nutzt.

 

Bad', wasche dich, wenns schicket sich,

Gesund dichs hält und kost't kein Geld.

 

Wo du quartiert, hilf gern dem Wirt,

Dann tut er dir mehr als Gebühr.

 

Du bist Soldat, die Kriegestat

Sei dein Genuß aus Will und Muß.

 

Hart ist die Nuß, doch beißt das Muß

Den Kern heraus, das sei dein Schmaus.

 

Sei treu der Fahn stets zugetan;

Du schworst bei ihr, nicht desertier!

 

Mit Magd und Weib nicht Mutwill treib,

Die dich gebar, auch beides war.

 

Getreue Lieb nur Einer gib,

Das stärkt in Schlacht und Todesnacht.

 

Wer alle Tag treibt neuen Scherz,

Hat statt dem Herz 'nen Taubenschlag.

 

Trink nicht zu viel beim Würfelspiel,

Das gibt bös' Wort' und bringt in Mord.

 

Halt auf die Ehr, doch überhör

Ein Wort, das leicht vom Munde streicht.

 

Hart ist die Zeit, such keinen Streit,

Als wo der Feind im Feld erscheint.

 

Schneid kein Gesicht dem Schwächern nicht, Ein Schwacher ist doch auch ein Christ.

 

Verläumd geschwind kein armes Kind;

Wer Böses spricht, sich selber sticht.

 

Die Landwehr ehr, ihr Dienst ist schwer,

Läßt Hof und Haus und hilf dir aus.

 

In Feindes Land üb keine Schand,

Das merkt er sich und schützet dich.

 

Doch trau auch nicht auf jed Gesicht,

Sei streng und mild, ein edles Bild.

 

Wer als dein Feind gesund erscheint,

Dein Bruder wird, ist er blessiert.

 

Bei Glockenklang und Kirchensang

Den Hut fein zieh und beug das Knie.

 

Wo kein Kapell, die Augen hell

Bei Nacht und Tag zum Himmel schlag

 

Ein Stoßgebet in Not erhöht

Des Mannes Mut und stillt das Blut.

 

Der Morgenstern steht Gott, dem Herrn,

Auch vor dem Zelt, ein frommer Held.

 

Mit Gott und Welt sei stets gestellt

Die Rechnung dein hübsch klar und rein.

 

Dann bist du frei, trifft dich das Blei,

Fällt dir dein Los in Gottes Schoß.

 

Am Morgen sprich: Gott segne mich!

Am Abend denk: Gott Schutz mir schenk!

 

Und in der Schlacht: Gott für mich wacht!

Der steht, der fällt, den er bestellt.