Khaled, Geliebte Kreatur der Nacht

Aileana Blair · Kapitel 1 von 1

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Khaled, Geliebte Kreatur der Nacht

Khaled

 

Die kühle Nachtluft Kairos wehte ins Zimmer, blähte die leichten Vorhänge auf und vertrieb die Hitze des Tages. Ich saß auf meinem Bett und hing meinen Gedanken nach. Seit einigen Wochen waren wir jetzt hier und wohnten in einer gemieteten Villa in einem der vornehmeren Vororte.

Kairo war eine Millionenmetropole, stickig und stinkend auf der einen Seite, morgenländisch und wunderschön auf der anderen. Viele der Sehenswürdigkeiten hatten wir uns schon angesehen, doch einige fehlten noch, wie die Pyramiden, Abu Simbel oder der Felsentempel der Hatschepsut. All das lag außerhalb Kairos entlang des Nils, dem größten Fluss der Erde.

Es war Aimées Wunsch gewesen, hierher zu kommen. Sie war ein neugeborener Vampir und Julien kümmerte sich rührend um sie. Auch wenn er ab und zu das Bett mit mir teilte, begriff ich langsam, dass er für mich nie dasselbe empfinden würde, wie für sie. Ich musste mir Julien Dubois aus dem Kopf schlagen. Trotzdem liefen mir jetzt die Tränen übers Gesicht, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.

Plötzlich ging die Tür auf. Ich erschrak und wischte mir die Tränen schnell fort. Khaled betrat mein Zimmer, bemerkte es und sah mich mit einer Mischung aus Mitleid und Verachtung an. Sein finsterer Blick lag auf mir, als er zum Bett kam. Groß und breit stand er da, als er fragte: »Was soll die Heulerei?« Sein Mund verzog sich fast schon angewidert über meinen Gefühlsausbruch, als er noch brummend hinzufügte: »Benimm dich doch wie ein Mann!«

»Was willst du, Khaled?« Ich überging seine Frage und den Kommentar einfach. Was ging es ihn schon an?

»Du wolltest doch die Pyramiden sehen? Ich dachte, ich zeige sie dir einmal. Ich war auch schon seit langer Zeit nicht mehr dort.«

Mit ›langer Zeit‹ meinte Khaled wohl ein paar Jahrtausende. Julien hatte mir irgendwann einmal erzählt, dass er aus Ägypten stammte. Er lebte zu der Zeit, als die Gottkönige noch über dieses Land herrschten und diente als Soldat unter Pharao Netjeri-chet, besser bekannt als Djoser.

Meine Miene erhellte sich bei der Aussicht auf einen Ausflug.

»Pack deine Sachen, morgen bei Anbruch der Nacht geht es los!«, sagte er, während er zur Tür ging. Mit der Hand auf der Klinke wandte er sich noch einmal zu mir um und fügte hinzu: »Nur wir beide.« Dann war er wieder fort.

Erstaunt zog ich die Augenbrauen hoch, Julien und Aimée kamen nicht mit? Traurigkeit überfiel mich, ich löschte das Licht, ließ mich in die Kissen fallen und die Dunkelheit legte sich wie ein Schleier über mich. Die Nacht war noch nicht ganz vorbei, doch ich war müde und wollte versuchen, etwas zu schlafen.

Da vibrierte mein Handy. Es war eine Nachricht von Julien: Viel Spaß auf der Reise und bleib anständig. :)

Bleib anständig? Kerzengerade saß ich plötzlich im Bett. Hatte er wirklich ein Smiley dahinter gesetzt? Wut kroch in mir hoch, ich sprang auf und rannte nur in Boxershorts bekleidet aus dem Zimmer. »Julien!«, rief ich aufgebracht, während ich in sein Arbeitszimmer am Ende des Ganges eilte. Stürmisch öffnete ich die Tür und warf sie mit einem lauten Knall hinter mir zu.

Erschrocken blickte er zu mir. »Was ist los?«

Vor seinem Schreibtisch machte ich Halt und stütze die flachen Hände darauf ab. »Bleib anständig? Ernsthaft? Ich bin so etwas von sauer, Julien!«

»Was ist dein Problem?«, meinte er leise und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. »Ich wollte dir nur viel Vergnügen auf deiner Reise mit Khaled wünschen. Ich beneide euch darum, aber ich komme hier leider nicht weg. Es haben sich noch ein paar Termine dazwischen geschoben...«

Ich schloss die Augen und atmete tief ein, um mich zu beruhigen. »Ich kann das nicht mehr«, presste ich durch die Lippen.

»Was meinst du?« Seine dunklen Augen funkelten mich herausfordernd an. Er wusste genau, was ich meinte.

»Ich bin nicht dein Spielzeug, dass du benutzen kannst, wann immer du zur Abwechslung mal wieder einen Mann im Bett haben willst!«

Jetzt blitzte er mich ärgerlich an. »Du hast dich bis jetzt nicht darüber beschwert...«

»Weiß deine Aimée überhaupt von uns? Oder kommst du immer nur zu mir, wenn sie nicht da ist, um heimlich von der verbotenen Frucht zu kosten?«

Plötzlich sprang er auf, stützte ebenfalls seine Hände auf den Tisch, beugte sich vor und sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ich spürte die Bedrohung, die von ihm ausging, doch ich hatte keine Angst vor ihm. Wir sahen uns in die Augen, wie zwei wütende Löwen, die sich gegenseitig zerfleischen wollten.

»Ich mache das nicht mehr mit, Julien!«, zischte ich.

Auf einmal wurde sein Blick weich, er gab seine Angriffshaltung auf, steckte die Hände in die Taschen und seufzte. »Es tut mir Leid, Hyazinthe. Mir war gar nicht klar, was ich dir damit antue...«

»Du wusstest die ganze Zeit, dass ich Gefühle für dich habe.« Ich ließ die Schultern hängen und schaute überall hin, nur nicht zu ihm. »Aber ich habe es jetzt verstanden. Du wirst mich nie so lieben, wie ich es mir wünsche.«

Er erwiderte nichts darauf und setzte sich wieder. Ich drehte mich um und wollte gerade gehen, da sagte er: »Der Vorschlag für die Reise kam von Khaled.«

Ich atmete hörbar aus. »Ich werde die paar Tage schon irgendwie genießen.«

»Es sind wohl eher ein paar Wochen«, entgegnete er. »Es ist eine Nilfahrt bis hinunter nach Assuan.«

Erstaunt blickte ich ihn daraufhin an. »Dann gehe ich jetzt besser mal packen.«

Als ich zur Tür hinaus ging, hörte ich ihn noch sagen: »Ich werde dich vermissen.«

~ ☆~

Ich erwachte. Das Zimmer lag im Dunkeln und die Einrichtung war nur schemenhaft zu erkennen. Was hatte mich geweckt? Als ich mich aufsetzte, sah ich ihn. In einem Sessel an der gegenüberliegenden Wand saß Khaled und beobachtete mich.

Als er merkte, dass ich wach war, stand er auf und kam lautlos zum Bett. Trotz seines kahlen Kopfes, war er unheimlich attraktiv. Sein Oberkörper war nackt und seine schwarzen Augen blickten mich direkt an. Ich konnte ihn genau erkennen, jeden seiner Gesichtszüge, die Narbe über seinem linken Auge, die sich fast bis auf die Stirn zog, seine muskulösen Arme... Am linken Oberarm fiel mir eine Tätowierung auf.

Groß stand er da und sah mich einfach nur stumm an. Ich musste schlucken und ein seltsames Gefühl beschlich mich.

Mit einem Mal war er verschwunden, als ob er sich in Luft aufgelöst hatte. Doch das leise Klicken der Tür, als er sie ins Schloss zog, verriet, dass er tatsächlich hier gewesen war.

Ich stöhnte auf. Verdammte Untote! Manchmal fragte ich mich, warum ich nicht einfach fortging und ein normales, menschliches Leben führte. Vielleicht hätte ich sogar einen Freund, der mich liebte. Stattdessen war ich irgendwie hier gelandet und führte ein Leben zwischen Blut, dem Tod und der dunklen Nacht.

Ich ließ mich auf das Kissen fallen, knäulte es, bis ich eine bequeme Position hatte und versuchte weiter zu schlafen. Es ging natürlich nicht. Ständig dachte ich an Khaled und fragte mich, was er hier gewollt hatte? Mir beim Schlafen zusehen, oder hat er sich vielleicht überlegt, wie er am besten an mein Blut herankommt? Ich sollte wirklich versuchen, Nachts wach zu bleiben und tagsüber zu schlafen, das war einfach sicherer.

Während ich mich unruhig hin und her wälzte, sah ich ständig sein Bild vor mir, bis ich irgendwann, als die Sonne schon aufgegangen war, endlich in den erlösenden Schlaf fiel.

Am nächsten Abend kam ich am Hafen an, lief über den Pier und zog meinen Koffer hinter mir her. Khaled hatte mir eine Nachricht geschickt, dass ich ein Taxi nehmen sollte und er am Boot auf mich warten würde. Als ich das Boot dann erblickte, staunte ich nicht schlecht – es war eine schnittige Yacht, mit der wir unterwegs sein würden. Ich grinste. Ab und zu hatte es doch seine Vorteile, mit Untoten ›abzuhängen‹.

»Hyazinthe!«, hörte ich Khaled rufen. Ich drehte meinen Kopf in die Richtung, aus der seine Stimme kam und sah, wie er mir zuwinkte. Er kam zur Gangway, als ich gerade auf die Yacht stieg und half mir mit dem Koffer. »Komm, ich zeige dir erst einmal deine Kabine«, meinte er und ich folgte ihm.

Die Kabine war groß und geräumig, die moderne Einrichtung gefiel mir und das Bett, direkt an der Schiffswand mit dem Bullauge, sah bequem aus. Hier könnte ich es eine Weile aushalten.

Khaled stellte meinen Koffer vor einem Wandschrank ab und sah mich vergnügt an. Er schien sich selbst auf diese Reise zu freuen, denn er wirkte irgendwie gelöst. So hatte ich ihn noch nie erlebt, sonst war er immer zugeknöpft und verschlossen und wirkte unnahbar.

»Sieht gemütlich aus«, meinte ich, nachdem ich mich umgesehen hatte.

Khaled kam auf mich zu und blickte mir direkt in die Augen. »Nur das beste für uns«, antwortete er, lief an mir vorbei und murmelte im Hinausgehen noch: »Ich werde Julien schon aus deinem Kopf verbannen.«

Ich sah ihm nach, bis er aus meinem Blickfeld verschwunden war, dann packte ich erst einmal meine Sachen aus und begab mich danach auf die Suche nach etwas Essbarem. Ich war schließlich ein Mensch und brauchte Nahrung.

Tatsächlich fand ich die winzige Bordküche und es stand sogar ein Topf auf dem Herd, in dem es lecker vor sich hin köchelte. Ich fand Teller und Besteck, bediente mich aus dem Topf und ließ mir das Reisgericht schmecken. Wahrscheinlich gab es eine menschliche Crew, und sie waren garantiert manipuliert.

Nachdem ich satt war, ging ich an Deck. Der Schiffsmotor war angesprungen, während ich gegessen hatte und verbreitete sein leises Brummen. An den Bewegungen der Yacht merkte ich, dass wir schon abgelegt hatten. Als ich oben ankam, ging ich zur Reling, stützte meine Arme locker darauf ab und sah zum Pier, das sich immer weiter entfernte. Die Lichter Kairos spiegelten sich im Wasser des Nils, ich beobachtete die anderen Schiffe im Hafen und langsam nahmen wir mehr Fahrt auf.

Irgendwo dort drüben in der Stadt war Julien, beschäftigt mit irgendetwas, vielleicht auf der Suche nach einem Opfer. Ich würde ihn eine Weile nicht mehr sehen und das stimmte mich melancholisch.

»Schön, nicht?«, hörte ich plötzlich Khaleds tiefe Stimme neben mir.

Lächelnd nickte ich. »Ja! Ich freue mich schon wahnsinnig auf diese Nilfahrt und die Sehenswürdigkeiten, die ich endlich einmal zu sehen bekomme.«

Er lehnte sich mit verschränkten Armen und dem Rücken zum Wasser gegen die Reling. »Dachte ich mir doch, das dir die Abwechslung gut tut. Die ganze Zeit in der stickigen Stadt zu verbringen ist doch Verschwendung. Wenn du schon mal hier bist, sollst du auch etwas von diesem wunderschönen Land zu sehen bekommen.«

Ich sah zu ihm hoch. Er war so groß und markant und in seinen schwarzen Augen lag eine Sanftheit, bei der mich ein wohliger Schauer durchlief. Der düstere Ausdruck, der sonst darin lag, war verschwunden.

Wir fuhren aus dem Hafen heraus und mein Blick glitt wieder über das Wasser. Mein Herz schlug ein wenig schneller und Vorfreude ergriff mich.

»Wir fahren jetzt durch, bis Assuan«, teilte er mir mit. »Dort können wir uns die Tempelanlage von Ramses II. in Abu Simbel anschauen. Von da geht es dann wieder Flussaufwärts bis nach Luxor, zum Totentempel Hatschepsuts, dann weiter bis nach Sakkara, zur Stufenpyramide, die König Netjeri-chet errichten ließ. Die erste Pyramide, die je gebaut wurde. Außerdem wurde ich dort in der Nähe geboren...« Er seufzte auf und sagte einen Moment lang nichts, sondern blickte versonnnen in die Nacht, als ob er sich an vergangene Zeiten erinnerte. Dann sah er mich wieder an. »Danach geht es weiter nach Gizeh, zur Cheops-Pyramide und der Sphinx.« Er grinste. »Ich hoffe, du hast genug Akkus für deine Kamera dabei.«

Wir hatten jetzt richtig Fahrt aufgenommen und der Wind blies mir das schwarze Haar ins Gesicht.

Auf einmal hob Khaled die Hand und strich mir ein paar Strähnen aus der Stirn. »So blau, wie der Himmel an einem sonnigen Tag.«

Hatte er mir gerade ein Kompliment über meine Augen gemacht?

Plötzlich verfinsterte sich sein Blick wieder. Unversehens drehte er sich um und verschwand.

Wieso machte er das immer? Es war eine Eigenart der Untoten, die ich noch nie leiden konnte. Sie kamen und gingen so lautlos und schnell, dass es einen immer unangenehm überraschte. Am unheimlichsten aber, fand ich die Verschleierung. Manche der Untoten konnten sich dadurch für alles und jeden unsichtbar machen.

Ich holte seufzend Luft und ging dann in die Gemeinschaftskabine, ein Deck höher. Dort gab es eine große, gemütliche Couch, einen Fernseher und am hinteren Ende befand sich eine kleine Bar, auf die ich zielstrebig zuging. Ich durchstöberte die Flaschen im Regal, den Kühlschrank unter der Theke und entschied dann, dass Gin und Tonicwasser heute Nacht meine besten Freunde waren. Ich tat Eis in einen Kübel, legte die Flaschen hinein, nahm mir ein Glas und ging damit zur Couch, wo ich mir dann meinen Drink einschenkte. Heute wollte ich nicht mehr grübeln.

Schon war mein Glas leer, ich schenkte mir noch eins ein, lehnte mich dann zurück und schloss die Augen. So saß ich eine Weile da, nahm ab und an einen Schluck und spürte das leise vibrieren des Motors der Yacht.

Auf einmal bemerkte ich, dass ich nicht mehr alleine war, schlug die Augen auf und Khaled stand vor mir, die Hände locker auf den Hüften.

»Sag mal, musst du dich immer so anschleichen? Ich hasse das!«, platzte es aus mir heraus.

Er sah nur auf mich hinab, ohne ein Wort zu sagen. Plötzlich zog er mich am Arm hoch. Mir fiel das Glas aus der Hand und zersplitterte am Boden.

Khaleds Gesicht war dicht vor meinem, unsere Körper berührten sich und ich war mir sicher, dass er fühlte, wie mein Herz wild in meiner Brust schlug. Wieder sah er mich mit diesem sanften Blick an, neigte dann seinen Kopf und unsere Lippen berührten sich. Es durchfuhr mich wie ein Stromschlag und wohlige Schauer jagten mir den Rücken hinab.

Khaled erkundete meinen Mund mit seinen Lippen und schlang seine Arme um mich. Unsere Zungen fanden sich, spielten miteinander, fordernder wurde der Kuss, sein Atem ging schneller und er stöhnte leise. Ich bekam eine Gänsehaut am ganzen Körper und in meinem Unterleib breitete sich langsam ein warmes Gefühl aus. Dieser Mann konnte so zärtlich sein, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, genauso wenig hatte ich je daran gedacht, dass er mit Männern..

Abrupt hörte ich auf, ihn zu küssen und wollte ihn von mir stoßen, doch er rührte sich keinen Zentimeter, sondern hielt mich weiter fest in den Armen.

»Lass mich gehen!«, verlangte ich und wand mich in seinem Griff, um von ihm loszukommen.

»Hast du schon immer nur auf Männer gestanden?«, fragte er mich heiser und dachte gar nicht daran, mich gehen zu lassen.

»Was interessiert dich das?«, gab ich ärgerlich zurück. »Lass mich endlich los!«

»Es interessiert mich brennend«, knurrte er und seine Lippen berührten sachte mein Ohr, was mir kleine Schauer den Rücken hinab jagte. Seine Wange lag an meiner und flüsternd fuhr er fort: »Alles, was dich betrifft, interessiert mich.«

»Als ob du dich für mich interessieren würdest«, zischte ich und wehrte mich weiterhin gegen seine Umarmung.

»Liebe kennt weder Geschlecht noch Rasse«, flüsterte er mir ins Ohr. »Das habe ich in fünftausend Jahren gelernt. Wenn sie einen trifft, ist alles egal.«

Ich hörte auf mich zu wehren. Was er da sagte, war wahr. Ich blickte ihn an und sah ihn lächeln.

»Mich haben Frauen noch nie gereizt«, gab ich leise zu.

»Nicht einmal eine so schöne Frau, wie Eloise?«

»Nicht einmal sie.«

»Reize ich dich?« Aus seinem Lächeln wurde ein breites Grinsen.

»Pass auf, dass du mich nicht zu sehr reizt«, entgegnete ich schroff.

Ein tiefes, kehliges Lachen kam aus seinem Mund. Khaled ließ mich los und stellte amüsiert fest: »Furchtlos bist du auch.«

»Ich habe schon lange keine Angst mehr vor euch Untoten.«

Da wurde er ernst, sah mich einen Moment lang an, nahm dann mein Kinn zwischen seine Finger und drehte meinen Kopf zur Seite. Er betrachtete die Narben an meinem Hals und sein Blick verfinsterte sich wieder. »Es tut mir Leid, was meine Tochter dir angetan hat. Glaube mir, Eloise hat ihre gerechte Strafe erhalten.«

Dann sah er mir noch einmal lange in die Augen und weg war er. Ließ mich einfach verwirrt und alleine hier stehen, und ich durfte jetzt zusehen, wie ich mit meinen Emotionen zurecht kam.

In den nächsten zwei Nächten bekam ich Khaled so gut wie gar nicht zu Gesicht. Ich hatte keine Ahnung, wo er sich immer aufhielt, denn die Yacht war nicht besonders groß und eigentlich müsste man sich zwangsläufig über den Weg laufen. Nur kurz vor dem Morgengrauen kam er immer zu mir, und erkundigte sich, wie es mir ging. Danach verschwand er sofort in den unteren Teil des Schiffes, wo er – geschützt vor der Sonne – den Tag verschlief.

Ich verstand ihn einfach nicht. Erst suchte er meine Nähe und jetzt hielt er sich aus unerfindlichen Gründen von mir fern.

Am nächsten Abend kam er gleich nach Sonnenuntergang zu mir. Ich lag auf dem Bett und las ein Buch, als er klopfte und dann eintrat.

»Morgen legen wir in Assuan an«, teilte er mir mit.

Meine Miene erhellte sich schlagartig und Vorfreude ergriff mich. Endlich hatte diese ewig lange Flussfahrt ein Ende.

»Wie schön«, antwortete ich. »Mir war schon langweilig geworden und die Crew bleibt lieber unter sich.« Ich legte mein Buch beiseite und sah ihn neugierig an. »Wo warst du eigentlich die ganze Zeit? Ich habe dich nirgendwo auf der Yacht finden können.«

»Ich war die ganze Zeit hier«, entgegnete er trocken.

Verschleierung, dachte ich.

Langsam stand ich auf und ging zu ihm, doch er wich vor mir zurück und sah mich mit versteinerter Miene an. »Bitte, Hyazinthe. Komme nicht näher...«

Doch den Gefallen tat ich ihm nicht und er wich weiter vor mir zurück, bis er mit dem Rücken zur Kabinentür stand, und nicht weiter konnte. Mit einer bedrohlichen Wildheit sah er mich an.

»Wieso hast du dich die letzten Tage vor mir versteckt?« Ich stand jetzt so dicht vor ihm, dass sich unsere Körper berührten und sah zu ihm auf.

Seine Nasenflügel blähten sich, als er meinen Duft wahrnahm. Er schluckte und sein Adamsapfel hüpfte auf und ab. Sachte aber bestimmt schob er mich von sich, öffnete eilig die Tür und war verschwunden.

Nachdenklich blickte ich in den leeren Gang und ein schmerzhaftes Ziehen breitete sich in meiner Brust aus. Ich wollte nicht das er ging.

In dieser Nacht schlief ich unruhig und träumte von Khaled. Er sah aus, wie einem dieser alten, ägyptischen Wandgemälde entsprungen. Der typische, schwarze Lidstrich umrandete seine Augen und war bis in die Schläfen gezogen. Er trug einen hellen, plissierten Kilt, der mit einer großen Bronzeschnalle festgehalten wurde und auf dem Kopf eines dieser typischen, ägyptischen Tücher. Khaled wirkte so fremd und doch so vertraut. Er ritt mit Pfeil und Bogen auf einem Pferd, um ihn herum Staub und Kampfgetümmel. Plötzlich wurde er von zwei Pfeilen in Brust und Schulter getroffen und fiel ächzend vom Pferd. Verletzt lag er am Boden, seine Stirn hatte er sich an einem Stein aufgeschlagen und die Wunde blutete. Er versuchte die Pfeile heraus zu ziehen, doch es gelang ihm nicht. Also blieb er einfach liegen und wartete darauf, dass ihm einer seiner Kameraden half und blickte zum Horizont, wo die Sonne gerade unterging. Auf einmal zogen ihn zwei Arme fort von seiner Truppe, durch den heißen Sand Ägyptens. Da verlor er das Bewusstsein.

Als er wieder erwachte, befand er sich in einer Felsenhöhle. Seine Wunden schmerzten und wurden von einer ungewöhnlich schönen Ägypterin versorgt. Er blickte sie fasziniert an, als sie die Wunde über seinem Auge mit einem Tuch abtupfte und wie sie danach vorsichtig die Wunden in seiner Brust versorgte.

Wieder Dunkelheit.

Als er das nächste Mal aufwachte, schmerzten seine Wunden kaum noch und waren fast schon verheilt, trotzdem fühlte er sich seltsam schwach. Er erblickte wieder die schöne Frau und fragte sie, wer sie war. Sie lächelte nur und öffnete ihren Mund. Khaled erkannte die spitzen Fangzähne und fing vor Entsetzen an zu schreien, als sie erbarmungslos zubiss...

Mit einem Schreck erwachte ich und setzte mich auf. Sofort hatte ich wieder das Gefühl, er würde mich beobachten, doch ich war allein in meiner Kabine. Trotzdem war ich mir sicher, dass Khaled mir diesen Traum geschickt hatte.

Langsam hatte ich die Nase gestrichen voll davon. Was fiel ihm ein, sich einfach so in mein Zimmer zu schleichen, und sogar in meinen Kopf! Ich musste mir etwas einfallen lassen, um das zu unterbinden.

Wir hatten schon in Assuan angelegt, als ich am Spätnachmittag erwachte. Das ewige Motorbrummen der letzten Tage war verstummt und ich hörte das Wasser leise gegen die Schiffswand plätschern. Ich zog mir bequeme Kleidung an und lief an Deck. Wir hatten an einer privaten Anlegestelle Halt gemacht, die Sonne brannte heiß auf mich herab. Ich schützte meine Augen mit der Hand und blickte zum Ufer. In der Ferne konnte ich schon die monumentalen Statuen der Tempelanlage von Ramses II. erkennen. Ich war ganz aufgeregt und wollte am liebsten sofort dorthin. Kein Wunder, dass die Pharaonen damals als lebende Götter verehrt wurden, wenn sie solch prächtige – und vor allem riesige – Denkmäler gebaut hatten. Wer sonst konnte so etwas erschaffen, außer einem Gott?

Als die Nacht hereingebrochen war, gingen Khaled und ich los. Wir liefen eine ganze Weile, bis wir am Tempel ankamen. Die Statuen waren hell erleuchtet und Ehrfurcht durchfuhr mich bei ihrem Anblick. Ich konnte nicht glauben, wie imposant sie waren. Khaled sah zu den gewaltigen Statuen empor und murmelte etwas unverständliches. In seinem Blick lagen ebenfalls Respekt und Ehrfurcht.

Ich traute mich kaum Fotos zu machen, doch ich tat es trotzdem. Dann gingen wir in den Tempel hinein, durch die lange Vorhalle. Zu beiden Seiten befanden sich weitere immens große Statuen des Pharaos. Der Gottkönig war hier allgegenwärtig und der Gedanke, dass all das vor tausenden von Jahren durch Menschenhand geschaffen wurde, verursachte mir eine Gänsehaut.

Wir sahen uns alles an und dann gingen wir wieder zurück zur Yacht, wo Khaled sogleich in den unteren Teil des Schiffes verschwand. Ich begab mich in meine Kabine, legte mich auf das Bett und ließ die Eindrücke unserer Besichtigung auf mich wirken.

Eine Weile später kam Khaled leise herein. Zielstrebig lief er auf mein Bett zu und legte sich einfach neben mich. Ich sah ihn stumm an und entdeckte getrocknetes Blut um seine Augen, er musste geweint haben.

Mit den Fingerspitzen berührte ich die Narbe über seinem linken Auge und strich ihm dann zärtlich über die Wange. Er legte seine starken Arme um mich und zog mich ganz nahe zu sich. Die Kühle seines Körpers drang durch meine Kleidung bis auf meine Haut.

»Ich rieche die Sonne an dir«, flüsterte er mir zu. »Sehe sie in deinen Augen.« Er küsste meine Stirn. »Dein Körper ist so warm, wie ihre Strahlen und ich sehne mich so sehr nach dir, seit ich dich das erste mal sah.«

Ich fühlte mich wie benebelt von seiner Gegenwart und seinen Worten. Khaled küsste mich und ich wehrte mich diesmal nicht dagegen. Es war ein langer, inniger Kuss, währenddessen er sich eng an mich schmiegte.

Meine Hände glitten unter sein T-Shirt und streichelten seinen Rücken. Er zog es sich über den Kopf und half mir dann aus meinem. Gegenseitig zogen wir uns aus und erkundeten den Körper des anderen.

Seine Nähe, der wilde, gierige Blick, mit dem er mich ansah und seine Hände, die sachte über meinen Körper strichen, machten mich ganz verrückt. In diesem Moment wollte ich Khaled, auf mir... in mir... und ich wusste, ihm ging es genauso. Sein schneller Atem, die tiefen, wohligen Seufzer, die er verlauten ließ und die Hingabe, mit der er mich immer wieder küsste, zeigten mir das nur all zu deutlich.

Kühle Lippen wanderten über meinen Hals und ich spürte seine spitzen Fangzähne, die mir die Haut dort nur leicht aufritzten. Mit der Zunge leckte er über die kleine Wunde und kostete mich mit einem zufriedenen Laut.

Khaled.

Schwer lag er auf mir. Zärtlich legte ich meine Hand auf seinen Hinterkopf und zum ersten mal seit sehr langer Zeit, fühlte ich mich wieder geborgen.

Ich schlief tief und fest, als er kurz vor Sonnenaufgang ging.

Die ganze Fahrt, bis nach Luxor, bekam ich ihn nicht mehr zu Gesicht. Er fehlte mir und ich vermisste ihn. Manchmal lief ich über die Yacht, auf der Suche nach ihm, doch vergeblich. Wenn ein Untoter nicht entdeckt werden wollte, dann blieb er verschwunden.

Ärger kroch langsam in mir hoch. Warum kam er immer nur, wenn ER Zuneigung brauchte, was war mit mir? Ich brauchte sie auch, doch ich konnte nicht zu ihm.

Als wir angelegt hatten, kam er gleich wieder in meine Kabine. »Lass uns losgehen, damit wir vor Ende der Nacht wieder hier sind«, meinte er gut gelaunt.

»Weißt du was, du kannst mich mal!«, schleuderte ich ihm entgegen. Er sah mich verdattert an, während ich meinen Rucksack schnappte und an ihm vorbei an Deck stürmte.

Meine schlechte Laune lag bei unserem Ausflug zu Hatschepsuts Totentempel wie ein drohender Schatten über uns. Ich war wortkarg und er merkte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.

Auf dem Rückweg fragte er: »Was ist mit dir?«

»Ach, lass mich doch in Ruhe«, entgegnete ich abweisend. Wieder bei der Yacht angekommen, ging ich ohne ein weiteres Wort in meine Kabine. Diesmal schloss ich die Tür ab und stellte noch einen Stuhl davor, nur für alle Fälle. Ich hatte keine Lust mehr, auf ungebetenen Besuch.

Am nächsten Nachmittag erwachte ich und hörte wieder das mittlerweile vertraute Wummern des Schiffsmotors. Wir befanden uns wohl auf dem Weg nach Sakkara, das nicht weit von Gizeh und Kairo entfernt war. Ich besorgte mir erst einmal etwas zu essen und kaum war die Sonne untergegangen, klopfte es an meiner Tür. »Geh weg!«, rief ich, denn ich wusste ja, wer es war. Doch Khaled öffnete die Tür und trat ein.

Mit verschränkten Armen saß ich auf dem Bett und blitzte ihn ärgerlich an. »Ich will meine Ruhe haben.«

Khaled stand vor mir und blickte mit seiner üblichen, finsteren Miene auf mich hinab. »Was ist los mit dir?« Seine tiefe Stimme drang leise an mein Ohr.

»Was soll schon sein?«, spieh ich ihm entgegen. »Ich habe die Nase voll von den Spielchen. Ihr Untoten geht mir gewaltig auf die Nerven!« Ich sprang vom Bett und stellte mich direkt vor ihn. »Ich bin neunzehn Jahre alt, drei davon habe ich als Blutsklave bei Eloise verbracht. Dann kam Julien und ich dachte: Endlich hat es ein Ende. Doch er hat mich auch nur benutzt, und jetzt kommst du«, ich tippte mit dem Zeigefinger gegen seine Brust, »und der selbe Mist geht von vorne los!«

Der finstere Ausdruck war von seinem Gesicht gewichen und er blickte mich amüsiert an.

»Ich finde das nicht lustig, Khaled Al-Basri! Wenn wir wieder in Kairo sind, packe ich meine Sachen und gehe zurück nach Frankreich. Ein normales Leben will ich haben und endlich wieder glücklich sein. Ich bin fertig mit euch Kreaturen der Nacht!« Ich lief an ihm vorbei zur Tür, öffnete sie und bedeutete ihm mit einer Geste der Hand, dass er gehen sollte.

Langsam kam er zur Tür gelaufen und unerwartet schlug er sie dann mit einem lauten Knall zu. Entgeistert sah ich ihn an.

Er baute sich vor mir auf, eine Hand in die Hüfte gestemmt, die andere noch an der Tür und sah mich dabei wütend an. »Weggehen willst du also?« Seine Stimme hatte einen bedrohlichen Unterton und er schaute mir entschlossen in die Augen. »Du bist fertig mit uns Untoten? Was, wenn wir noch nicht fertig mit dir sind, Hyazinthe Rousseau? Meinst du wirklich, du kannst einfach so davon spazieren und ein menschliches Leben führen, wo du so gut wie alles über uns weißt?«

Langsam kroch mir die Angst in die Glieder, aber meinen Mund konnte ich trotzdem nicht halten. »Soll das etwa eine Drohung sein?«

»Normalerweise überlebt kein Sterblicher so lange wie du, nicht als Blutsklave. Du hast Glück gehabt und bist dem entkommen, aber am Ende gibt es für solche wie dich immer nur zwei Möglichkeiten: Tod oder Wandlung.« Ich sah, wie sein Kiefer arbeitete und er mich eindringlich anblickte.

»Solche wie mich?« Ich hob mein Gesicht, bis es ganz dicht vor seinem war und meine Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln. »Dann wähle ich den Tod«, wisperte ich ihm zu.

Khaled schob den Unterkiefer vor, in seinem Blick lagen Schmerz und Wut. Mit einem mal packte er mich bei den Schultern und drängte mich gegen die Tür. Sein Mund verzerrte sich und ich konnte seine spitzen Fänge erkennen. »Den Tod wünschst du dir?«, knurrte er heiser und schlug mit der flachen Hand gegen die Tür.

Mein Herz schlug bis zum Hals, die nackte Angst kroch mir den Rücken hinauf und ich musste schlucken, jedoch versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. »Entweder der Tod, oder du lässt mich gehen!«

Der Blick seiner schwarzen Augen brannte sich in meine. Schnell schloss ich sie, denn ich wollte nicht von ihm manipuliert werden. Auf einmal spürte ich seine Finger an meiner Wange, er seufzte auf und legte seine Stirn gegen meine. Sein Atem ging schneller und er sprach Worte, die ich nicht verstand: »Iawek em ibi nan uenen ku...«

Sie klangen so gefühlvoll, dass mir ganz warm um mein klopfendes Herz wurde und dann fühlte ich seine Lippen auf meinen. Der Kuss war so behutsam und zart, dass mir die Knie weich wurden.

»Dann soll es der Tod sein«, flüsterte er.

Erschrocken öffnete ich die Augen, als seine Fänge mit einem brennenden, stechenden Schmerz meine Haut durchbohrten und er von mir trank. Ich schloss sie wieder, während Khaled mich fest umschlungen hielt, und wartete auf mein Ende.

~ ~ ~ * ~ ~ ~

»Iawek em ibi nan uenen ku...« Ich hörte seine Stimme, die diese altägyptischen Worte immer wieder raunte. Sie zogen leise an mir vorbei, dann wieder lauter: »Iawek em ibi nan uenen ku...« Immer wieder und wieder hörte ich sie, während ich in der Dunkelheit schwebte.

...und irgendwann verstand ich...

In mir zog und zerrte etwas, ließ mir keine Ruhe und zerrte immer weiter. Ich wusste, was das bedeutete: Ich musste erwachen.

Meine Augen öffneten sich wie von selbst. Ich blinzelte und sah die Welt mit neuen Augen. Der dunkle Nachthimmel erstreckte sich über mir und ich sah tausende von Sternen glitzern. Die Milchstraße zog sich dort oben entlang und es war, als blickte ich in das Universum selbst. Es war unglaublich und ich streckte die Hand aus, um danach zu greifen. Auf einmal sah ich eine andere Hand, die meine ergriff.

Khaled.

Ich blickte ihn an und setzte mich langsam auf. Erleichtert lächelte er.

»Idiot!«, flüsterte ich und stand auf. »Ich wollte nicht gewandelt werden.«

Khaled schmunzelte. »Du hast den Tod gewählt, ich habe ihn dir geschenkt. Jetzt sei zufrieden!«

»Wo sind wir?«

»Schau...« Ich folgte seinem Blick und erkannte die Stufenpyramide von Sakkara in der Ferne. Sie ragte geheimnisvoll in die Nacht hinein, während der Sichelmond hell über ihr stand.

»Hier wurde ich vor fast fünftausend Jahren geboren, mein ewiges Leben nahm hier seinen Anfang. Meine Heimat, der schönste Platz der Welt...« raunte Khaled.

Ich blickte in seine glänzenden Augen und spürte das Blutsband zwischen uns.

»Iawek em ibi nan uenen ku«, flüsterte ich und seine Augen begannen zu leuchten.

»Nur du wohnst in meinem Herzen und kein anderer ist dort.«

Wieder sah er mich mit dieser Sanftheit an, mit der er mich schon so oft angesehen hatte. Mit seinen starken Armen zog er mich an sich. Wir gehörten von jetzt an zusammen, Khaled und ich. Er hatte mir das begreiflich gemacht und Julien tatsächlich aus meinem Kopf verbannt.

Ich legte meine Hände in seinen Nacken und zog seinen Kopf zu mir, bis seine Stirn meine berührte. »Ich liebe dich auch Khaled«, antwortete ich auf seine Liebeserklärung. Noch lange standen wir so da, innig vereint unter dem klaren Sternenhimmel Ägyptens...

...bis wir uns auf die Suche nach meinem ersten Opfer machten.

Ende

17. November 2013

Aileana Blair

 

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