Napoleon
So kam von außenher alsbald kein Mißlaut…
So kam von außenher alsbald kein Mißlaut mehr in sein Leben, das im
ruhigen Gleichmaß ging. Den Frühling sah er, Gottes himmlische Wärme in
bestimmten Abschnitten über die Erde kommen, auf den Hügeln Buchen grünen,
Kühe über die beblumte Wiese weiden. Menschen aller Art aber wandelten zu
allen Jahreszeiten in einem schönen, landschaftlichen Panorama vor ihm. Lange
sah er sie als deutliche Figuren mit Lärm und eigener Bewegung, dann noch wie
scharfe Schatten. Allmählich aber lösten sie sich still in umgebende Natur auf.
Die sich in seine Seele wie ein vollkommenes Gemälde spannte, das er mit
Andacht schaute. War die Sonne mild, trat er unter Bäume und blickte das
Warme an, das um ihn summte. Dort strahlte ein Vogel lang dasselbe Lied; dann
flog er wie Licht zum andern Baum hinüber. Hier putzte das Eichhorn sich
schnurrig geduldig zum Goldbraun der Stämme, Blindschleiche kroch mit dem
Schatten ins Helle und züngelte. Dann faltete Napoleon die Hände, stieß
entzückte Seufzer aus und legte sich lang ins Gras. Den Blick zum ewigen
Himmel aufgeschlagen, hatte er die gesamte Schöpfung, Ton, Raum und Licht
mit eins in der Netzhaut.
An Vergangenheit, viel Macht und Ehre, viel Leid und Elend, häusliches und
bürgerliches Wesen, an einzelnes erinnerte er sich nicht mehr. Manchmal
tätschelte er die Kuh, den Hund und dachte nichts dabei. Er wurde gar sehr
schwach. Das war ihm eitel Wollust. Als die letzte, größte Schwäche kam, war er
gut und fromm.