Napoleon

Carl Sternheim · Kapitel 4 von 5

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Napoleon

So kam von außenher alsbald kein Mißlaut…

So kam von außenher alsbald kein Mißlaut mehr in sein Leben, das im

ruhigen Gleichmaß ging. Den Frühling sah er, Gottes himmlische Wärme in

bestimmten Abschnitten über die Erde kommen, auf den Hügeln Buchen grünen,

Kühe über die beblumte Wiese weiden. Menschen aller Art aber wandelten zu

allen Jahreszeiten in einem schönen, landschaftlichen Panorama vor ihm. Lange

sah er sie als deutliche Figuren mit Lärm und eigener Bewegung, dann noch wie

scharfe Schatten. Allmählich aber lösten sie sich still in umgebende Natur auf.

Die sich in seine Seele wie ein vollkommenes Gemälde spannte, das er mit

Andacht schaute. War die Sonne mild, trat er unter Bäume und blickte das

Warme an, das um ihn summte. Dort strahlte ein Vogel lang dasselbe Lied; dann

flog er wie Licht zum andern Baum hinüber. Hier putzte das Eichhorn sich

schnurrig geduldig zum Goldbraun der Stämme, Blindschleiche kroch mit dem

Schatten ins Helle und züngelte. Dann faltete Napoleon die Hände, stieß

entzückte Seufzer aus und legte sich lang ins Gras. Den Blick zum ewigen

Himmel aufgeschlagen, hatte er die gesamte Schöpfung, Ton, Raum und Licht

mit eins in der Netzhaut.

An Vergangenheit, viel Macht und Ehre, viel Leid und Elend, häusliches und

bürgerliches Wesen, an einzelnes erinnerte er sich nicht mehr. Manchmal

tätschelte er die Kuh, den Hund und dachte nichts dabei. Er wurde gar sehr

schwach. Das war ihm eitel Wollust. Als die letzte, größte Schwäche kam, war er

gut und fromm.