There's still something left to save
Prolog
Ann Shavi
There's still something left to
save
Für all die Lieben, die mich unterstützen und mir zuhören, wenn ich mal wieder Probleme mit meinen Büchern habe - Mandyschatz und
Mama allen voran :)
Prolog
Es war die Routine, die sie nervte und ermüdetet. Jeden Morgen aufstehen, Schule, immer die gleichen Leute, langweiliger Unterricht, ein paar Zigaretten in der Pause, ein paar Bissen von ihrem Brot. Irgendwann nach Hause fahren, ins Bett legen, Laptop hochfahren und chatten. Abendessen. Ein Buch lesen. Schlafen. Ihre Freunde riefen sie nur noch selten an, sie mussten sich jetzt aufs Abi vorbereiten. Sie war dafür nicht schlau genug gewesen. Und wenn sie was unternahmen, dann gingen sie in die Diskothek in der kleinen Stadt, in deren Nähe sie wohnten. Sie mochte es da nicht. Die Musik war ihr zu laut und zu elektronisch, die Menschen zu betrunken. Sie langweilte sich dort. Während ihre Freundinnen sich amüsierten und von den heißesten Jungs angesprochen wurden, stand sie immer in der Ecke, egal, wie sehr sie sich anstrengte. Sie war eben nicht sonderlich hübsch und ihre Figur ließ auch zu wünschen übrig. Zu große Brüste und für alle, die jetzt die Stirn runzeln: Ja, das gab es. Ständig plagten sie Rückenschmerzen und auch ihr Kopf tat weh deswegen. Außerdem hatte sie einen Bauch, viel zu stämmige Beine, eine zu breite Hüfte, zu breite Schultern. Ihre Haare, deren Farbe sie durch das ständige Färben nicht wirklich definieren konnte, lagen platt an ihrem Kopf, ihre Lippen waren zu dick und ihre Augenbrauen ziemlich buschig. Sie hatte es mit Zupfen versucht, aber sie waren so schnell wieder nachgewachsen, dass es sich nicht wirklich lohnte. Durch ihre Brille sah man sie eh nicht gut und sie hatte sich außerdem vor kurzem ein Pony schneiden lassen. Damit bedeckte sie ihre Augenbrauen so gut, wie es ging.
Im vorigen Jahr war ihre Oma gestorben und kurz darauf ihr bester Freund. Das war vor ungefähr elf Monaten und es ging ihr deswegen immer noch dreckig, aber sie sprach nicht mehr darüber. Sie wollte nicht, dass jeder wusste, dass sie nicht so stark war, wie sie tat. Sie wollte nicht, dass man Mitleid mit ihr hatte oder sie zu einem Psychologen schickt.
In der Schule war sie schlechter geworden, denn wie schon einmal erwähnt, war sie nicht sonderlich schlau, wobei ihr viele sagten, dass sie durchaus intelligent war, nur eben viel zu faul. Und das war sie wirklich. In ihrem Zimmer konnte man keinen Fuß vor den anderen setzten und in ihr Bad ging niemand mehr. Sie hatte einfach keine Lust aufzuräumen. Sie dachte, es wäre unnötig, da es ja eh wieder unordentlich wird.
Sie war müde.
Unglaublich müde.
Sie wollte den ganzen Tag nur noch schlafen, aber das ging natürlich nicht. Sie wusste nicht, woran es lag. Am Wetter bestimmt nicht, denn seit ein paar Tagen schien ununterbrochen die Sonne. Aber es war ihr auch egal, eigentlich.
Die Osterferien zogen sich hin. Kein Internet, kein Telefon. Keine Freunde, die Zeit für sie hatten.
Als dann die Schule wieder begann, schrieb sie zwei Klausuren. Beide verhaute sie. Auch die Klausuren, die sie zurückbekam, waren nicht unbedingt gut. Sie lebte die nächsten Wochen vor sich hin, ging auf das Konzert einer ihrer Lieblingsbands. Die Sommerferien verbrachte sie entweder Zuhause oder im Schwimmbad. Ihr ging es kein bisschen besser. Sie war sich sicher, dass sich das nicht so schnell ändern würde.