There's still something left to save

Ann Shavi · Kapitel 14 von 14

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There's still something left to save

Happy End

Milan schlief ganz und gar nicht gut, nach diesem Telefonat. Am nächsten Morgen stand er auf, machte sich fertig und schaute in den Spiegel. Er sah total übernächtigt aus. Das ging ja auch schon Wochen so. Er hatte sich die ganze Zeit überlegt, ob Alessa sich irgendwann noch mal in ihn verlieben würde. Und jetzt hatte sie ihm gesagt, dass sie ihn liebte. War das die Wahrheit? Hatte sie wirklich wieder Gefühle für sie entwickelt? Wenn sie jetzt aufwachte, wusste sie das dann noch? So viele Fragen. So wenig Antworten. Und in einer Stunde musste er an der Arbeit sein. Als ob er sich heute konzentrieren könnte! Sie hatte es gesagt! Nach so langer Zeit!

Die Sonne stand hoch am Himmel, als Alessa sich stöhnend regte. Oh Scheiße, sie hatte eindeutig zu viel Sekt getrunken. Sie tastet um sich rum und griff nach ihrem Handy. 12:43 Uhr. Okay. Mia war an der Arbeit. Mariella lag nicht mehr neben ihr, also war sie vermutlich irgendwo in dieser Wohnung oder halt auch nicht. War Alessa eigentlich relativ egal. Sie setzte sich auch und hielt sich den Kopf. Wieso konnte sie es nicht einfach lassen? Noch nie hatte sie viel vertragen. Jetzt brauchte sie eine Kopfschmerztablette. Sie angelte nach ihrer Tasche und zog sich eine raus. Wasser. Bloß nicht zu hastig bewegen. Doch irgendwann kam sie in der Küche an und schluckte die Tablette. Mariella saß am Küchentisch und trank Kaffee. Alessa ließ sich neben sie fallen.

„Mein Kopf explodiert gleich.“

Mariella grinste.

„Ja, meiner auch.“

Alessa nahm die zweite Tasse, die auf dem Tisch stand und nippt am Inhalt.

„Ich hab gestern Abend noch so lange mit Milan telefoniert.“

„Ja, hab ich mitbekommen. Und? Hat er was gesagt?“

„Über uns? Nein. Doch. Keine Ahnung, ich erinnere mich nicht mehr an viel. Ich weiß nur noch, dass wir telefoniert haben.“

Mariella schüttelte den Kopf.

„Wir sollten weniger Sekt trinken.“

„Gute Idee.“

Milan erlebte die nächsten Tage als eine sich endlos ziehende Zeit. Er telefonierte jeden Abend mit Alessa und hatte direkt gemerkt, dass sie sich nicht mehr an das erinnerte, was sie gesagt hatte. Hatte sie es wirklich so gemeint?

Liebte sie ihn?

Doch wieder?

Was sollte er tun?

Er hatte Jacqueline gefragt, aber sie hatte ihm keine Auskunft gegeben. Hatte gesagt, dass sollen sie unter sich ausmachen. An der Arbeit war er das reinste Nervenbündel, seine Kollegen machten sich inzwischen ständig über ihn lustig, weil er ständig etwas vergaß. Seit gestern hatte er Urlaub und das war nur gut so. Alessa würde noch zwei Tage an der Ostsee sein. Er legte sein Gesicht in seine Hände. Bis sie wiederkam würde er doch wahnsinnig werden. Und am Telefon darüber sprechen, das ging gar nicht. Er konnte ja nicht einfach sagen:

„Hey, Lessa, du hast mir gesagt, dass du mich liebst, als du betrunken warst. Wir heiraten dann, wenn du wiederkommst, damit uns nichts mehr auseinanderbringt, ja?“

Nee, das ging gar nicht.

Alessa sah auf das Meer und zog ihre Jacke enger um sich. Es war windig und nass. Die Wellen brachen ziemlich hoch und der Regen peitschte ihr ins Gesicht. Es gefiel ihr irgendwie. Schade, dass sie morgen schon wieder nach Hause fahren würde. Sie ging zu einem Strandkorb, zog ihre Kleidung aus, bis sie da nur noch in Tankini stand, und stopfte sie durch die Gitterstäbe des Korbes. Dann rannte sie Richtung Meer und stürzte sich in die eisigen Fluten. Das Wasser schlug über ihrem Kopf zusammen und Alessa hielt die Luft an. Das tat gut. Sie hatte es schon immer geliebt im Meer zu schwimmen und verfluchte immer wieder, dass keines in ihrer Nähe war. Sie hätte damals mit Mia hier her ziehen sollen. Dann hätte sie Milan vermutlich nie wieder gesehen.

Milan. Sie vermisste ihn so sehr. Sie hatten sich schon so lange nicht mehr gesehen. Jetzt war sie acht Tage hier und davor waren es auch schon drei Milan-freie Wochen gewesen. Lange würde sie das nicht mehr verkraften, das wusste sie. Denn sie liebte ihn. Das tat sie, ja. Und das musste sie ihm möglichst bald sagen. Eigentlich liebte sie ihn schon die ganze Zeit. Das hatte langsam wieder angefangen, als sie so fertig wegen David gewesen war. Er war so oft bei ihr gewesen und wenn er das nicht war, hatten sie miteinander telefoniert. Er war für sie da gewesen und wenn sie zum wiederholten Male erzählt hatte, was sie von David hielt, hatte er ihr immer zugehört.

Sie wusste nur nicht, ob sie ihm es sagen soll. Klar, es wäre schön, endlich mit ihm zusammen zu sein. Aber was, wenn er es nicht erwiderte? Oder wenn sie sich irgendwann trennen. Davor hatte sie einfach Angst, nicht nur Angst, nein, regelrecht Panik, ihn nochmal zu verlieren und diesmal vielleicht für immer. Doch wenn er es erwidern würde, wenn es klappen würde... sie wäre so verdammt glücklich.

Langsam tauchte sie wieder auf und begab sich zurück ans Ufer. Es war doch ziemlich kalt, hier in der Ostsee. Sie nahm ihr Handtuch und rubbelte sich trocken, zog dann die Kleidung über die nasse Badebekleidung und machte sich auf den Weg zum Auto. Dort würde sie die Heizung und die Musik aufdrehen, dann würde ihr wieder warm werden, bis sie bei Mia war.

Er verbrachte seine Zeit mit fernsehen und Zeitung lesen. Seine Gedanken kreisten nur um Alessa, wieder und wieder. Er hatte inzwischen eine Art Plan. Milan wollte morgen, wenn Alessa wieder daheim war, zu ihr fahren. Unterwegs wollte er irgendwas besorgen, was sie mochte, eine Tafel Marzipan-Schokolade vielleicht. Die mochte sie. Er wollte ihr zeigen, dass er aufmerksam war. Und dann, wenn er dann bei ihr war, würde er sie einfach küssen. Vielleicht war das der einfachste Weg. Und wenn sie ihn von sich würde? Na ja, dann würde er ihr sagen, dass er sie liebt. Immer noch. Und sie immer lieben wird. Dass er immer für sie da sein wird, egal, wie sie sich entscheidet. Er wollte absolut ehrlich sein. Einen Song hatte er auch geschrieben. Dieser erzählte über die Freundschaft und die Liebe, die sich daraus entwickelt hat. Er hatte Stunden an diesen Textzeilen gesessen.

Die Nacht schlief er schlecht. Er wachte ständig auf und fand einfach nicht die richtige Schlafposition. Er musste ununterbrochen an Alessa denken, daran, was sie gerade wohl machen würde. Sie hatten heute nicht telefoniert, sie war nicht ran gegangen, als er versucht hatte, sie zu erreichen. Ob ihr was passiert war? War sie wieder alleine schwimmen gewesen und ertrunken? Oder .. nein, nein, es ging ihr gut, es musste ihr gut gehen, natürlich ging es ihr gut. Wahrscheinlich waren sie nur essen gewesen oder im Kino oder so. Kein Grund zur Sorge.

Er stand auf und stellte sich unter die Dusche, immerhin wollte er nicht stinken, wenn er zu ihr fuhr. Na ja, würde wahrscheinlich nicht viel bringen, heute war es warm draußen. Bestimmt dreißig Grad. Die zweistündige Fahrt würde ihn dann vermutlich zum Schwitzen bringen. Aber hey, wofür gab es Deo? Und sowieso, wenn sie irgendwann mal zusammen leben würden, dann würde sie ihn auch mal ungeduscht erleben.

Worüber machte er sich hier denn eigentlich Gedanken? Er musste jetzt einfach erst mal hinfahren. Und dann würde alles weitere geschehen. Also packte er seine Tasche, die schon seit einer Woche darauf wartete, endlich mitgenommen zu werden, ging hinunter zu seinem Auto, stieg ein und fuhr los.

Je näher er der Stadt kam, in der sie lebte, desto aufgeregter wurde er. Seine Hände waren feucht, er zitterte am ganzen Körper, sein Herz schlug wie wild. Er fühlte sich, als wäre er wieder dreizehn und würde einen Zettel mit der Frage, ob sie mit ihm gehen will, in der Hand halten, zum ankreuzen, als wolle er ihr diesen geben. Endlich kam er an. Er parkte direkt vor dem Haus, in dem ihre Wohnung war, er hatte Glück gehabt, dass der Parkplatz gerade frei wurde. Langsam stieg er die Stufen hinauf und klingelte dann. Sie musste da sein, sie hatte ihm gesagt, dass sie nachts fahren wollten. Und jetzt war es schon später Mittag. Er lauschte. Niemand öffnete. Mit einem Seufzer ließ er sich vor die Tür fallen. Lange konnte es ja nicht mehr dauern.

Alessas Füße lagen auf dem Armaturenbrett, ihre Zunge war mit einem Eis beschäftigt. Ab und zu lachte sie laut und streckte ihren Kopf aus dem Fenster. Sie freute sich auf zu Hause. Mariella neben ihr, am Steuer, sang laut bei einem Lied mit, das gerade im Radio lief. Irgendein spanischer Sommerhit.

Am meisten freute sie sich darauf, Milan wieder zu sehen. Ihren Milan, den sie seit sechs Wochen nicht mehr gesehen hatte...

Ihre Gedanken schweiften ab und sie stellte sich vor, wie es sein würde, wäre er ihr Freund oder ihr Mann. Wie er zuhause auf sie warten würde, vielleicht mit einer Rose oder... Ein Seufzer entwich ihr. Nein. Sie sollte besser nicht daran denken.

Sie kamen erst am späten Nachmittag an, da sie im Stau gestanden hatten. Alessa verabschiedetet sich von Mariella, nahm ihren Koffer und zerrte ihn die Stufen zu ihrer Wohnung herauf. Dort traf sie fast der Schock, aber dann kicherte sie.

Vor ihrer Tür saß Milan, die Knie an die Brust gezogen, den Kopf nach vorne hängend. Er schlief tief und fest.

Leise stellte sie ihren Koffer ab und kniete sich neben ihn.

„Milan?“

Milan dachte, er träumt noch. Alessas Stimme, so sanft in seinen Ohren. Es konnte nur ein Traum sein. Doch dann öffnete er seine Augen.

Ihr Blick traf seinen und beide begannen sie zu lächeln.

„Ich hab dich nicht hier erwartet“, flüsterte sie.

Er lächelte.

„Ich warte schon seit heute Mittag.“

„Wir haben im Stau gestanden.“

Sie erhob sich und schloss die Tür auf.

„Komm doch rein! Ich kann dir leider nichts anbieten, da mein Kühlschrank restlos leer ist. Ich hab nur noch Dosenravioli und Wasser.“

„Kein Ding“, grinste er, nahm ihren Koffer und trug ihn in die Wohnung.

„Hey! Das hätte ich auch selbst gekonnt! Ich hab doch voll die Armmuskeln!“

Sie schloss die Tür hinter sich und schaute sich um.

„Es ist ziemlich staubig.“

„Du warst ja auch im Urlaub.“

Er begann zu lachen.

„Wobei du sonst ja auch nie putzt!“

„Ey!“

Sie warf sich mit ihrem gesamten Gewicht auf ihn und versuchte ihn zu Boden zu schmeißen. Es gelang ihr auch, laut krachte Milan auf. Seine Arme schlangen sich fest um sie.

Er hielt sie in den Armen. Jetzt. Genau, wie er es sich gewünscht hatte. Was ein Gefühl, sie nach so langer Zeit mal wieder berühren zu können!

„Alessa“, murmelte er und strich ihr eine Haarsträhne von der Wange. „Ich hab dich vermisst.“

„Ich dich auch“, flüsterte sie und kuschelte sich an ihn.

Sie atmete tief ein. Sein Duft stieg ihr in die Nase. Wie sehr sie es liebte, so in seinen Armen zu liegen, so von ihm gehalten zu werden. Ihm nah zu sein. Sein Geruch.

Ihre Hände suchten seine Brust und legten sich sanft darauf. „Warum bist du hier?“

„Ich wollte dich sehen, Alessa. Und ich... ich wollte dir was sagen.“

Vorsichtig setzte er sich auf, um ihr in die Augen sehen zu können, hielt sie dabei aber weiter im Arm. Das war ihr ganz recht.

„Alessa.“

Seine Stimme war heiser und er räusperte sich einige Male, bevor er weiter sprach.

„Als wir telefoniert haben, an dem Tag, als du betrunken warst, hast du etwas gesagt. Das hat mich hauptsächlich herbewegt. Weil ich eigentlich dachte, dass du nichts von mir wissen willst, gerade nach der Sache mit David und mit dem Sex davor und ach, keine Ahnung...“

Alessa konnte nicht anders: Sie musste lachen.

„Milan! Wovon redest du? Komm doch mal auf den Punkt!“

„Du hast gesagt, dass du mich liebst.“

Schlagartig verstummte sie und sah ihn an.

„Was?“

„Ist es so, Alessa?“

Er drückte sie fester an sich.

„Denn wenn dem so ist, dann würde ich dich jetzt gerne küssen.“

Sie starrte ihn an.

Und starrte.

Sie räusperte sich.

Einmal.

Zweimal.

Dann sagte sie etwas.

„Nein.“

„Nein?“

„Nein. Ich will mich nicht schon wieder von dir ausnutzen lassen. Nein.“

Sie stand auf und ging in die Küche.

Milan sah ihr einen Moment nach, bevor er sich selbst erhob. Er zog den zerknitterten Zettel mit dem Songtext aus seiner Tasche, seufzte leise und verließ dann die Wohnung. Die Tür ließ er angelehnt, er ging bloß schnell zu seinem Auto und holte seine Gitarre. Wieder drinnen nahm er auf dem Sofa Platz und begann zu spielen.

In der Küche erstarrte Alessa, als sie die Klänge vernahm und mit wenigen Schritten war sie bei ihm. Er hob seinen Blick zu ihr und begann zu singen.

Und wie er sang. Und was er sang.

Sie hatte das Gefühl zu schmelzen. Ihre Knie gaben nach und sie sank langsam auf den Boden. Er sang von ihr, von seiner Liebe, die er ihr gegenüber empfand.

Eine Träne nach der anderen tropfte von ihrer Wange auf den Boden, auch noch, als der letzte Ton verklang und Milan die Gitarre beiseite legte.

„Alessa.“

Sie schaut zu ihm und sah in seine wunderschönen, grüne Augen, die sie mit einem solch liebevollen Blick ansahen, dass sie erneut dahin schmolz.

„Ich liebe dich, Alessa. Ich habe dich immer geliebt. Auch wenn ich es nie bemerkt habe.“

Langsam rutschte sie näher zu ihm und legte ihre Hand an seine Wange.

„Milan. Das war...“

Kopfschüttelnd unterbrach er sie und legte seine Lippen sanft auf ihre.

Dieser Kuss würde den Rest ihrer Leben dauern.

Texte: Alles aus meiner Feder

 

Bildmaterialien: Alle Rechte liegen bei mir - zu sehen auf dem Bild bin ich selbst.

Alle Rechte vorbehalten.

Tag der Veröffentlichung: 22.01.2014

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