Alexandra Schu
Ein Perlenhändler kommt jede zweite Woche am Schloss vorbei, und Prinzessin Jana, 26 und verrückt nach Ketten und Ohrringen, hält oben auf dem Turm nach ihm Ausschau. So fängt »Die Drachenhöhle« an, die erste der beiden Fantasy-Kurzgeschichten in »Krieger und Ritter«. Nach einer Feier im Nachbarschloss geht Jana im Morgengrauen zu Fuß über den Feldweg nach Hause und wird vom roten Drachen Gondar aus dem Jorgul-Land gepackt. Gondar spricht, spöttelt und hält Prinzessinnen für das bessere Essen: Er wirft ihr einen toten Fuchs in den Käfig, damit ihr Fleisch zarter wird, und zeigt ihr vorher noch seinen Berg aus Gold und Diamanten. Ritter Ron, 31, in goldener Rüstung, hat kurz zuvor einen Minotaurus erschlagen und folgt dem Drachen auf seinem weißen, geflügelten Einhorn Pegasus, das ebenfalls spricht. Alexandra Schu möbliert die Geschichte märchenhaft, lässt aber alle heutig reden: Die Prinzessin duzt heimlich ihr Dienstmädchen, die Gastgeberin begrüßt sie mit »Hallo Süße«, und der Ritter flucht, weil er den Riegel am Käfig nicht findet.
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