
Vor dem Gesetz
Vor dem Gesetz steht ein Türhüter, beginnt Kafkas berühmte Parabel: Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz, doch der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Es ist möglich, sagt der Türhüter, jetzt aber nicht. Der Mann setzt sich auf einen Schemel, den ihm der Türhüter gibt, und wartet Tage und Jahre, macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet den Türhüter durch seine Bitten, während dieser ihm immer wieder sagt, daß er ihn noch nicht einlassen könne. Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen, vergißt die andern Türhüter, von denen dieser selbst gesagt hatte, daß einer mächtiger sei als der andere, und hält diesen ersten für das einzige Hindernis. Vor seinem Tod stellt er die Frage, wieso es komme, daß in den vielen Jahren niemand außer ihm Einlaß verlangt habe, worauf der Türhüter ihm zubrüllt: Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.






