Andreas Jurat
Eine Schatulle aus dunklem Leder, innen violette Seide, steht auf einem Wohnzimmertischchen und wird einen halben Nachmittag lang umkreist. So beginnt „Erbstücke“, die Geschichte von Maren, Anfang sechzig, deren Mann Björn vor einem Jahr plötzlich gestorben ist. Im Schreibtisch des Toten hat sie zufällig ein Geschenk wiedergefunden, das er ihr vor Jahren mitgebracht hatte und das sie damals wortlos ins Bad und zu den Tränen getrieben hat. Jurat erzählt daran entlang eine ganze Ehe: das Girokonto und die PIN, die Maren sich nie merken konnte, das Auto in der Garage, das sie seit dem dritten Hochzeitstag nicht gefahren hat, die Wechseljahre und die dumpfen Jahre danach, die sie mit sich allein ausgemacht hat, das Schweigen zwischen zwei Menschen, die einander gut kannten. Dazu die Tochter, die unangemeldet vor der Tür steht, in der Küche Kuchen auflegt und die Sache dann offen ausspricht, und ein Gang in eine Apotheke im Zentrum, weit weg von der eigenen. Der Text ist 2015 erschienen und trägt die Widmung „Danke an Viola“. Über den Autor selbst steht im Buch nichts als sein Name.
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