Das heilige Donnerwetter. Ein Blücherroman
9 Jena
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.
Der Prinz lachte noch toller. Blücher aber, ärgerlich über die lange Dauer der Beratung, schimpfte gleich los.
Rüchel hätte von Rechts wegen das Oberkommando haben müssen – der Prinz hier mindestens ein Armeekorps statt einer Division, und er, Blücher selbst, müßte die ganze Kavallerie unter sich haben, dann stünde man jetzt nicht noch hier! Dann hätte man längst die Franzosen auseinandergejagt, den Rheinbund gesprengt und den sauberen Königen von Napoleons Gnaden, den von Bayern und den von Württemberg mitsamt ihrem badischen Bundesbruder gezeigt, wo man im deutschen Vaterlande von Gottes Gnaden zu Fürsten ausersehen wäre! Eine Schmach war’s, daß sie, obwohl Deutsche, gegen Deutsche kämpfen wollten! Ein Blödsinn aber von der preußischen Regierung, zu glauben, diese Abtrünnigen nur dadurch vom Kampf abhalten zu können, daß Napoleon sie nicht angriffe! Denn, ob er als Angreifer oder Angegriffener dastünde, gleichviel! Die dreiundsechzigtausend Mann Bayerns, Schwabens und Hessen-Darmstadts würden doch gegen Preußen marschieren und helfen es einzuengen! Dagegen wäre nur eins am Platze gewesen: schnell wie der Wind dazwischenfahren! Und wenn ein paar von den Zaunkönigen Napoleons dabei vom Ast gefallen wären – schaden täte das der deutschen Sache nicht! Solche Fürsten könnte man entbehren!
Die Armeeleitung wußte aber nicht mehr, was sie wollte. Sie ließ jede gute Gelegenheit, dem Feind einen Streich zu spielen, vorübergehen und schien nur zu dem einen entschlossen zu sein: stets zu spät zu kommen.
So hatte man erst jetzt, wo man sicher sein konnte, daß die französischen Korps ihren Standort längst verlassen [pg 131]hatten, den großen Entschluß gefaßt, ihnen mit einem kühnen Husarenstreich in die Quartiere, wo sie nicht mehr lagen, zu fallen, um ihren natürlich längst stattgefundenen Aufmarsch zu stören! Und statt sich damit zu begnügen, sich mit ein paar Schwadronen bei diesem nachträglich mutigen Unternehmen zu blamieren, wollte man die ganze Vorhut unter dem Herzog von Weimar quer durch den Thüringer Wald, zu ebendiesem Zweck schicken! – Ganze zwölftausend Mann, die bei der Hauptarmee viel nötiger waren, aber jetzt todsicher dort fehlen würden, wenn’s zur Entscheidung käme! Und das waren von den besten Truppen Preußens!
Da waren darunter das berühmte Regiment Kuhnheim, das älteste der Armee – das Regiment Braunschweig-Oels, das seinerzeit den Sieg bei Turin entschied – das Regiment von Borck, das unter Blüchers eigenen Augen bei Kaiserslautern in Schritt und Richtung wie auf dem Paradeplatz marschierend die französischen Linien durchbrach – da waren das seit Zorndorf, Kollin und Prag berühmte Pommernregiment Owstien, das Grenadierbataillon Graf Wedel, die Yorckschen Jäger, die Husarenregimenter von Pletz und von Zieten – nächst seinen eigenen „Roten“, auf die er nichts kommen ließe, die besten der Armee! – Lauter Kerntruppen, auf die ein Verlaß sei! Und die ließ man ziehen! Man war doch ohnehin viel zu schwach! Durch Stockung der Anwerbung, durch Desertionen und durch die vielen Invaliden, die beim Ausmarsch zurückbleiben mußten, waren die Truppenteile sowieso weit unter den Bestand gesunken, den sie haben sollten! Viele Tausende waren so verlorengegangen! Und die ostpreußischen Truppen waren überhaupt nicht ausgerückt! – Das waren über zwanzigtausend Mann. Fast fünfzehntausend hatte man aus Angst vor den lieben Polen im Herzogtum Warschau und zur Verstärkung der Garnisonen in den nicht bedrohten schlesischen Festungen gelassen! In Westfalen fühlte man sich auch der Bevölkerung nicht sicher und ließ dort fast ebensoviel stehen! – Von den westpreußischen Truppen hatte man, dämlicherweise, eine „strategische Reserve“ gebildet, die irgendwo in der [pg 132]Luft hing und sicherlich erst zum Vorschein kommen würde, wenn’s zu spät wäre und die anderen Truppen abgekämpft waren – sicherlich aber nicht, wenn sie benötigt würde! Von der ganzen berühmten preußischen Armee, von zweihundertundzwanzigtausend Mann, war nur die Hälfte zur Stelle, außer den achtzehntausend Sachsen, die nicht zählten! Überhaupt die Bundesgenossen! Die hätten ganz anders angepackt werden müssen! Kurz und gut erklären: Entweder du marschierst mit und schlägst dich, wo es eine deutsche Sache gilt, oder ich verschlucke dich! Sonderinteressen gibt’s nicht! Was war das nun wieder für eine Schlappschwänzigkeit der preußischen Diplomatiker gewesen, all den kleinen Fürsten Neutralität zuzugestehen?! Mecklenburg, Anhalt, die Schwarzburg, die Lippe, die sächsischen Herzöge, den Herzog von Braunschweig, alle ließ man neutral bleiben – und Kurhessen durfte gar abwarten, bis es sähe, auf welcher Seite es zum Sieg käme, ehe es sich entschlösse einzugreifen! Kursachsen schickte bloß seine halbe Armee, Weimar ein – sage und schreibe – ein Bataillon Jäger!
„Das sind alles in allem fünfzigtausend Mann, die wir hätten m e h r haben können, wenn wir nur den Mut gehabt hätten, einmal gegen diese Herrschaften bestimmt aufzutreten! Aber das wagten wir nimmermehr! Was heißt das, von Kurhessen eine derartige Niedertracht zu dulden! Das liebäugelt mit dem Korsen und will sich seinem Rheinbund anschließen und ihm die Stiefelsohlen lecken, wenn er ihm bloß gestattet, Darmhessen zu schlucken! Und rutscht auf dem Bauch vor Preußen und macht auch den Norddeutschen Bund mit, wenn wir ihm zugestehen, die angrenzenden kleinen Standesherrschaften zu annektieren! Und schmeißt uns den ganzen Bund um, weil wir dazu nur ‚nein‘ sagten statt den Kurfürsten fest am Genick zu packen und ihn auf die Knie zu zwingen! Himmeldonnerwetter, hätte man mir nur freie Hand gelassen, als ich auf dem Weg hierher durch Kassel kam. Ich hätte den guten Kurfürsten schon beim Schlafittchen genommen! Ich hätte uns die hessische Armee, mir nichts dir nichts, angegliedert! Und mitgegangen wäre [pg 133]sie! Aber da kamen wieder die berühmten Kontraorders vom Kabinett, und nun können wir sehen, wie wir’s machen! Ich würde kein Wort darüber verlieren, wenn es nur sonst ein Ende nähme mit dieser bodenlosen Unentschlossenheit und diesem Hin und Her ohne Reim und Räson! So geht’s ja nie und nimmer mit zwei kommandierenden Generalen und drei Quatiermeistern, die alle woanders stehen und alle was anderes wollen, und kreuz und quer kommandieren und nachher, jeder für sich, die Entscheidung vom König holen, der selbst nicht weiß, ob er alles oder gar nichts will!
Dabei ist die Armee noch in der Umbildung, hat die Einteilung in Divisionen kaum durchgeführt, geschweige denn jemals im Ernstfall ausprobiert! Wenn die Leute, die uns heute kommandieren, uns da nicht eine große Schweinerei bescheren, will ich gehängt sein! Ich bin gespannt, was schließlich bei dem Kriegsrat herauskommt!“
„Ich nicht!“ sagte der Prinz, dem das Schimpfen des alten Haudegen sichtbar großes Vergnügen bereitete. „Wenn mein Vetter gescheit wäre, würde er tun wie unser gemeinsamer Ahnherr, der große Friedrich, und rundweg jeden Kriegsrat verbieten. Er würde die ratlosen Herrschaften nach Hause schicken und Rüchel und Sie, Blücher, und mich zu sich rufen und sagen: ‚Jetzt macht die Sache, ihr drei! Macht sie schnell, macht sie gut, sucht den Feind auf und schlagt ihn!‘ Das tut er aber nicht, er ruft Herrn Beyme, er ruft Herrn Lombard! Und Lombard, der ergraute, parfümierte Friseurjüngling – der Allerweltscharmeur, der blasierte, lebensmüde Genußmensch – Lombard kommt tänzelnd herbei und lispelt deliziös: ‚Sire, vous voulez la guerre? Quelle horreur! Woßu la guerre? Man verständigt sich – schließt einen Kompromiß – beseitigt die Differenzen – reicht sich die Hände! Unter Leuten von Welt das Leichteste, das Einfachste was sich denken läßt! Jener Parvenu – jener Kaiser von Pöbels Gnaden – er ist noch zu neu in seiner Würde, er hat noch keine Manieren! Gehen wir ihm mit gutem Beispiel voran!‘
Und dann setzt sich der Herr Lombard an den Schreibtisch, [pg 134]streift die Spitzenmanschette zurück, taucht mit Grazie seinen Federkiel in französisch parfümierte Tinte und schreibt soigniert, formvollendet, ohne den geringsten Verstoß gegen die längst abgestorbene Etikette, in tadellosem Französisch, aber im Namen des Königs von Preußen – ein Manifest, als einzige Antwort auf die Unverschämtheit Napoleons, unser Ansbach zu besetzen! Und der König läßt gehorsamst das Elaborat seinen Weg in den Papierkorb des Korsen, statt in den seinigen nehmen! Er befiehlt uns nicht, sofort wie der Blitz dreinzusausen und mit blanken Hieben im eigenem Blute des Unverschämten die einzige ihm gebührende Antwort zu schreiben! Das hätte unverzüglich und unverzagt schon vor Wochen getan werden müssen! Da hätten wir die Franzosen zum Teufel gejagt! Aber jetzt – –“
„Eine Schmach ist es!“ rief Blücher, „eine Schmach und Schande, wenn man bedenkt, welcher Sprache sich jener kleine Kerl unseren Fürsten gegenüber erfrecht! Schockschwerenot! Setzt der uns unten am Rhein seinen Schwager auf die Nase, jenen Bäckerjungen aus Cahors, den Seiltänzer Murat! Den macht er zum Herzog von Berg, läßt ihn unsere Abteien Essen, Eltern und Werden nehmen und dehnt so seinen Rheinbund immer weiter nordwärts aus, engt uns immer dichter ein – sucht Sachsen und Hessen auch heranzulocken und läßt uns dann gnädigst wissen, wenn wir uns darüber beschweren, daß er so den Norddeutschen Bund hintertreibt: E r, Napoleon, hätte die Unabhängigkeit aller deutschen Fürsten garantiert, e r werde keinen Oberherrn unter ihnen dulden!
D a s muß sich ein König von Preußen ins Gesicht sagen lassen! Und zieht nicht gleich vom Leder, ruft nicht alles, was deutsch spricht, unter die Fahnen zum Kampf gegen den Frechling, sondern überlegt’s noch, macht einen Schritt vorwärts, zwei Schritte rückwärts und bloß halb mobil, zaudert und überlegt und fragt: ‚Soll ich, soll ich nicht? – Liebt er mich? Liebt er mich nicht?‘ Wo es doch sonnenklar ist, daß er uns absichtlich auf die Hühneraugen treten wollte!“
„Der König hofft noch den Frieden zu bewahren – er [pg 135]hofft im letzten Augenblick den Krieg abzuwenden“, sagte der Prinz. „Und leider ist das ganze Oberkommando ebenso vertrauensselig und tut nichts, um seine Zweifel zu entkräftigen! Ein Glück ist es, daß ich die Vorhut der zweiten Armee habe, und daß Sie, Blücher, die von der Hauptarmee jetzt übernehmen! Wir werden uns da nichts entgehen lassen, nicht wahr?“
„Nein, hol’ mich der Teufel, da soll mich nichts zurückhalten!“
„Die erste Gelegenheit, mit den Franzosen handgemein zu werden, nutze ich aus! – Sie sollen’s sehen, ich mach’s, und das wird eine Sache, von der man reden wird! Und dann g i b t ’ s k e i n Z u r ü c k! Für die Ehre Preußens, Blücher, für den Ruhm der preußischen Armee, dafür setze ich mein Leben ein! Das schwöre ich!“
„Ich auch, bis zum letzten Blutstropfen!“
Sie gaben sich die Hände, und Rüchel, als Dritter im Bunde, legte auch den feierlichen Schwur ab, gab dann Blücher die Befehle, auf die er wartete, und hieß ihn sich auf seinen Posten begeben. Prinz Louis Ferdinand holte sich noch vom Prinzen Hohenlohe Instruktionen und saß kurz darauf im Sattel, um seine Division in Rudolstadt aufzusuchen.
*
Im Schlosse zu Jena dampften die Schüsseln auf der Tafel des kommandierenden Generals. Man hatte im Oberkommando der Hohenloheschen Armee einen Mordshunger. Seit drei Tagen war man zu keinem rechten Mittagsmahl gekommen, immer trafen gerade zur Tischzeit Hiobsposten ein, die getroffene Dispositionen über den Haufen warfen und ohne Verzug neue verlangten.
Im Salon warteten die Mittagsgäste des Fürsten, der General Sanitz, der für den erkrankten General von Prittwitz die in Jena stehenden Reserven kommandierte, die beiden Adjutanten, Major von der Marwitz und Major Loucey, und einige Stabsoffiziere.
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Die Stimmung war gedrückt. Ein Teil der Avantgarde unter Tauentzien war von Bernadotte besiegt – der Rest unter Louis Ferdinand bei Saalfeld geschlagen, der Prinz selbst gefallen! Man war zur Unterhaltung wenig geneigt. Jeder der Anwesenden hatte seinen guten Teil Zweifel und Ungewißheit zu tragen und zögerte, ihm Worte zu verleihen. Und schließlich war man, wie gesagt, hungrig und entschlossen, sich wenigstens heute nicht stören zu lassen, sondern erst auf die Schüsseln einzuhauen und dann auf den Feind.
Der Fürst ließ auf sich warten.
Er beriet noch im Arbeitszimmer mit seinem getreuen Massenbach und diktierte verschiedene sofort zu erledigende Dispositionen. Der Hunger setzte ihm wohl ebensosehr zu wie seinen Gästen, die draußen warteten. Aber erst kommt der Dienst, und der verlangte heute schnellen Entschluß! Dann würde die Suppe um so besser munden, und man hätte, nach dem Essen, auch ein Viertelstündchen Zeit zum Ausruhen – was bei einem Sechziger, dem die Strapazen des Hoflebens geläufiger waren als die im Lager, nicht ganz ohne Bedeutung zu sein pflegt.
Die ersten Donnerschläge des Korsen waren gefallen, der Nebel, der seine Absichten bis jetzt verhüllte, hatte sich für einen Augenblick verzogen; man erkannte, aus welcher Richtung das Gewitter nahte, sah, was man versäumt oder falsch gemacht hatte, und traf Maßnahmen, der ersten Verwirrung zu begegnen und die Dinge der neuen Sachlage gemäß zu ordnen.
Massenbach, sonst nicht gewohnt bei seinem für gewöhnlich gutmütigen und gefügigen Herrn Widerspruch zu finden, hatte heute einen schweren Stand.
Der Fürst hatte schließlich auch seine eigene Haut zu Markte zu tragen. Er war nervös und ungehalten, die Verantwortung für Fehlschläge auf sich nehmen zu müssen, die der übereifrige Eigensinn seines Generalquartiermeisters verschuldet hatte. Er warf ihm vor, absichtlich unklare und zweideutige Instruktionen an die Unterbefehlshaber gegeben zu haben, wodurch jeder von ihnen sozusagen einen Freibrief [pg 137]auf eigenmächtiges Vorgehen erhalten und auch, zum Schaden des Ganzen, davon Gebrauch gemacht hatte.
„Es geht nicht,“ sagte der Fürst, „wenn man einen Befehl erteilt, gleichzeitig anzudeuten, daß man die Sache vielleicht doch lieber anders gemacht haben möchte! Ich habe mir unsere an den Prinzen Louis Ferdinand ergangenen Befehle vorlegen lassen. Der Prinz mußte nach ihnen glauben, das Wohl der ganzen Armee hinge davon ab, uns den Flußübergang bei Saalfeld zu sichern. Deshalb warf er sich mit seiner einen Division dem ganzen Korps Lannes entgegen und nahm einen aussichtslosen Kampf mit dem Feind auf, statt sich, wie befohlen, in Ordnung zurückzuziehen und nur in Fühlung mit ihm zu bleiben! Und da haben wir die Niederlage! Seine Division in alle Winde zersprengt, die Stimmung bei der übrigen Armee verdorben und die Siegeszuversicht der Soldaten aufs schwerste erschüttert!“
Das wäre keineswegs der Fall, meinte Massenbach, zog schleunigst alle Schleusen seiner Beredsamkeit auf und überschwemmte den Fürsten mit einer Schwallwoge von guten Gründen.
– Kleine Fehlschläge – und nur um einen solchen handelte es sich in diesem Fall –, kleine Fehlschläge kämen stets im Kriege vor; damit müsse man rechnen, wie schmerzlich sie auch seien! – Die Schlappe bei Saalfeld würde keinesfalls die Stimmung bei den Truppen verderben! Was Prinz Louis Ferdinand in der Beziehung gefährdet hätte, hatte er durch seinen Heldentod wieder gutgemacht!
Hier nahm Massenbach den Mund recht voll, gab im breitesten Schwäbisch eine begeisterte Lobeshymne altpreußischen Heldengeistes zum besten, ließ die kriegerische Tugend des echten Hohenzollernsprossen in den hehrsten Farben schillern, beschrieb, wie der Prinz, als er seine fliehenden Reiter zum Stehen bringen wollte, im Strudel mitgerissen wurde und vergebens dagegen ankämpfte – wie er, als sein Pferd beim Übersetzen eines Gartenzaunes hängenblieb, von den Franzosen eingeholt wurde –, wie er sich dann mit Löwenmut gewehrt, Pardon weder gegeben noch genommen [pg 138]hatte, vielmehr den Stern des Schwarzen Adlers auf seiner Brust mit dem Hut bedeckt, um nicht als Prinz erkannt und geschont zu werden, und wie er so lieber mit dem Tod als mit der Schmach der Gefangenschaft seine Niederlage besiegelte!
Sonst war Massenbach des Eindrucks seiner Beredsamkeit auf den Fürsten sicher. Heute aber versagte sie total!
Keine Rührung, kein Seufzer, keine Träne! Auch kein einziges Zeichen des Beifalls, als er die Nachricht hinzufügte, die Trümmer der Division Louis Ferdinand seien von General Grawert, der ihnen von Orlamünde aus nach Rudolstadt entgegenrückte, aufgenommen und neu geordnet worden!
„Die Schlappe bei Saalfeld war schon der zweite Donnerschlag, der uns traf! Tauentzien bescherte uns den ersten bei Schleiz!“ sagte der Fürst ärgerlich. „Und Sie haben alles mit verschuldet, Massenbach! Hätten Sie nur Ihren Plan: mit Gewalt das Hauptgewicht der Operationen auf das rechte Saaleufer zu verlegen, zurückgesteckt und strikte die Order des Hauptquartiers befolgt! Nun wissen die Generäle nicht aus noch ein! Ein jeder handelt für sich – meine Armee steht überall zerstreut! – Keine Sammlung, keine Einheit! Wenn’s j e t z t zum Schlagen käme, sind wir beim ersten Anstoß in alle Winde zerstreut!“ –
Auch gegen d i e Besorgnis hatte Massenbach ein beruhigendes Pflaster bereit.
– Er hätte, wie der Fürst ihm schon vorher in weiser Voraussicht bedeutet hatte, Stafetten mit Marschorders überallhin ausgesandt, und aus allen Richtungen strebten schon die zerstreuten Teile der Armee zum linken Saaleufer hin! Verschiedene Truppen wären schon angelangt! Die sächsischen Regimenter zögen sogar in dieser Minute durch die Stadt! Nachmittags wolle er, Massenbach, selbst hinauf nach dem Landgrafenberg und dahinter, an der Schnecke und am Kapellendorf, wie befohlen, das Lager ausstecken. Es wäre sogar höchste Eile damit, um fertig zu werden, ehe die Truppen einrückten!
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– Ob nicht in Anbetracht dessen Seine Durchlaucht die Gnade haben möchten, zu befehlen, daß aufgetragen werde? Die Suppe würde sonst kalt werden! –
Da kam ihm der Fürst mit dem dritten Donnerschlag von dem mit Windeseile über den Thüringer Wald hinaufziehenden napoleonischen Gewitter und teilte ihm die soeben eingegangene Nachricht mit, Naumburg mit seinen reichen Vorräten und Magazinen wäre gefallen!
„Naumburg?“ flüsterte Massenbach und wurde ganz still.
„Ja,“ sagte der Fürst, „und das haben wir auch durch unsere unklare Befehlsgebung, an der Sie nicht so ganz unbeteiligt sind, verschuldet! Derlei unliebsame Überraschungen, wie jetzt mit Naumburg, setzt man sich nicht aus! Ich hatte bestimmte Befehle gegeben, die dem vorgebeugt hätten, wenn sie befolgt worden wären. Ich hatte, wie Sie wohl wissen, unseren am weitesten nach Osten stehenden vorgeschobenen Postierungen befohlen, gegebenenfalls sich o h n e K a m p f, aber in steter Fühlung mit dem Feind, von Hof über Schleiz nach Naumburg zurückzuziehen und uns stets à jour mit allem zu halten! Der Graf Tauentzien aber verwechselte, von Ihnen angesteckt, seinen Posten als Kommandant der Avantgarde mit der Stellung eines Oberkommandierenden! Er disponierte selbst, schlug sich gegen Befehl und wurde, wie sie wissen, von Bernadotte aufs Haupt geschlagen! Damit fing’s an! Das war das Horsd’œuvre! Weil Tauentzien sich statt auf Naumburg nun so allmählich hierher, nach Jena, mit dem Rest seiner Truppen zurückziehen mußte, fehlte mir seit Tagen jede Nachricht über die Fortschritte der Franzosen auf dem Wege nach Leipzig! Die hätten wir längst haben müssen und unsere Gegenmaßnahmen beizeiten treffen können, stände Graf Tauentzien heute wie befohlen in Naumburg, statt bei uns zu dinieren!“
„Der Graf hat abgesagt! Dienstlich verhindert!“ beeilte sich Massenbach einzuwerfen, wagte dann noch eine schüchterne Erinnerung an die wohl längst erkaltete Suppe vorzubringen und fand diesmal bei seinem Herrn ein geneig[pg 140]teres Ohr. Denn der durchlauchtige Magen fing immer gebieterischer an, sich Geltung zu verschaffen.
Man verfügte sich also in den Speisesaal, trat an den reichgedeckten Tisch, die Diener schoben die Stühle zurück, die Tafeldecker hoben die Deckel von den Schüsseln, appetitlich duftende Dämpfe reizten die Gaumen, das Vorgefühl kulinarischer Genüsse erheiterte die Stimmung – man wurde gesprächig, fing an, alles in Rosenrot zu sehen, ließ Vergangenes Vergangenes sein, löffelte vergnügt die delikate Suppe aus und sah schon den Madeira in den Gläsern funkeln.
Da stürzte atemlos, unter gänzlicher Mißachtung einer jeglichen Etikette, der Kammerdiener des Fürsten herein.
„Die Franzosen sind in der Stadt!“ schrie er leichenblaß, und all die erhobenen Suppenlöffel blieben auf halbem Wege zu den aufgesperrten Mäulern stehen, um sich dann langsam wieder auf die Teller zu senken.
„Die Franzosen?“ sagte der Fürst ungläubig. „Unsinn! Sie können nicht fliegen!“
Und er löffelte wieder seine Suppe, kaltblütig, wie’s sich einem erprobten Kriegshelden geziemt.
Aber einige von den Stabsoffizieren meinten, es wäre doch wohl möglich! Sie hätten den Feind am Tage zuvor gesehen, als sie den Vorposten Befehl überbrachten, und es wäre schon anzunehmen, daß er heute seine Streifzüge bis nach Jena ausgedehnt hätte! Die Adjutanten eilten hinaus, um sichere Nachricht zu verschaffen. Massenbach aber aß für drei, in beschleunigtem Tempo, und der Fürst, der sich auch nicht gern beim Essen stören ließ, befahl den Fisch zu servieren. Er schnalzte vor Wohlbehagen beim Anblick der leckeren Forellen, die sich graublau und mattsilbern unter hellgelben Zitronenscheiben auf den glänzenden Schüsseln behaglich rekelten. Er ließ sich ein paar auf den Teller geben, nahm reichlich Butter dazu und fing schon an, die größte zu zerlegen.
Da ging draußen ein Geschrei und ein Getöse los, als wäre das Jüngste Gericht plötzlich über das Land Thüringen [pg 141]hereingebrochen – ein Laufen war’s, ein Fahren, ein Fluchen, ein Poltern! Der Fürst ließ Messer und Gabel sinken, ließ Forelle Forelle sein, erhob sich vom Tisch, befahl, die Pferde vorzuführen, ließ sich Hut und Degen geben und ging aus dem Speisesaal hinaus, von allen Anwesenden gefolgt, mit Ausnahme von Massenbach.
Der hatte sich fest vorgenommen, sich heute durch nichts von der Stillung seines Appetits stören zu lassen, weder vom Kaiser Napoleon noch von irgendeinem anderen Engel des Gerichts! Er nahm also ruhig seinen Platz wieder ein und gab dem Hofmeister einen Wink – die Lakaien traten mit gefüllten Schüsseln an, und der Herr Generalquartiermeister nahm ihnen die Parade ab, revidierte aufs gründlichste, was sie an Proviant noch vorrätig hatten, und verschonte auch nicht die Batterie von Flaschen, die aufgefahren war! Indessen auf den Straßen der Lärm wuchs und den Ohren des schmausenden Helden das geeignete kriegerische Tafelkonzert lieferte.
Draußen sah es wüst aus. Der Markt war übersät mit fortgeworfenen Gewehren und Patronentaschen, deren sich die durchmarschierenden sächsischen Regimenter, von wilder Panik ergriffen, entledigt hatten. Auf der Saalebrücke war ein wirrer Knäuel von festgefahrener Artillerie und Munitionswagen, ein Schreien und Fluchen, um loszukommen, und schließlich ein rasches Davongaloppieren der Gespannpferde, nachdem die Fahrer die Stränge durchschnitten und sich in die Sättel geschwungen hatten. Durch alle Tore strömten Soldaten in die Stadt hinein, um durchs nächste wieder hinauszufluten; die Jenenser, von der allgemeinen Angst ergriffen, sperrten sich in ihre Häuser ein und gaben auch manchen von den wackeren Vaterlandsverteidigern einen Unterschlupf – ließen aber dafür die bei ihnen in Quartier liegenden Offiziere nicht hinein, um ihr Gepäck und ihre Pferde zu holen. Alles schien den Kopf total verloren zu haben. Einzig ein paar Regimenter der unter Tauentzien stehenden geschlagenen Avantgarde, die von Hof über Roda nach Jena gekommen waren, nachdem sie mit [pg 142]dem Feind handgemein gewesen waren und also wußten, wo er war und was sie an ihm hatten – einzig sie behielten die Fassung. An ihrer Spitze umritt denn Hohenlohe die Stadt, um die Friedensstörer, falls sie wirklich noch da waren, zu stellen und zu schlagen.
Da, wo er hinkam, war aber nichts zu sehen. Einige Leute wollten Franzosen auf den Bergen um die Stadt herum bemerkt haben. Und da der Fürst, bei näherem Nachsehen, ein paar Uniformen zwischen den Büschen dort oben bemerkte, so schickte er Patrouillen hinauf, um nach dem Rechten zu sehen.
Sie kamen zurück und brachten als Gefangene – einige Verwundete von der bei Saalfeld versprengten Division des Prinzen Louis Ferdinand mit, die weder in Lazaretten noch in Bürgerhäusern Unterkunft gefunden hatten, die auch, wie fast die ganze durch Gewaltmärsche gehetzte Hohenlohesche Armee, in den letzten drei Tagen nichts gegessen hatten und nun, um ihren Hunger zu stillen, dort oben in den Feldern nach Kartoffeln gruben. Für ihre Entbehrungen hatte ja auch die bekanntlich pünktlich waltende Nemesis der Weltgeschichte den Fürsten durch ebenso häufige Störungen seiner Mahlzeiten gestraft, da ja e r die Verantwortung zu tragen hatte und sein Generalquartiermeister nur zu sündigen brauchte!
Diese armen Leute waren es, die den Schrecken über Stadt und Land losgelassen und so vielen tapferen Leuten eine schmähliche Niederlage bereitet hatten.
Ein paar Hasenfüße von der Straße hatten sie gesehen und „die Franzosen kommen!“ geschrien. Und gleich war der Teufel los, Lärm wurde geschlagen, Besinnung, Mut und Ordnung waren hin, und eine Schlacht ging verloren, in der es nur Besiegte, aber keinen Angreifer und also auch keinen Sieger gab!
Der Fürst kehrte an der Spitze seiner Tapferen in die Stadt zurück, befahl die ineinandergefahrene Artillerie auseinanderzubringen und die Fahrer, die die Stränge durchgeschnitten hatten und geflohen waren, festzunehmen und [pg 143]mit aller Strenge der Kriegsgesetze zu bestrafen – eine Aufgabe, die die sächsische Generalität gütigst übernahm und auch pünktlich – – bis auf die Bestrafung – durchführte!
So konnte sich der Fürst endlich wieder zu Tisch setzen und in den inzwischen bei der Verwirrung gründlich geleerten Schüsseln Nachschau halten. Viel fand er nicht mehr vor, die Forellen waren längst in andere Gewässer hineingeschwommen, die Lakaien hatten vor Schrecken in ihren Verstecken weder sehen noch hören können, und der Herr Generalquartiermeister war auf die Berge geklettert, um das Lager auszustecken, das noch vor Sonnenaufgang bezogen werden sollte.
So endete der erste Tag der für die Franzosen so glorreichen Schlacht bei Jena.
Aber mancher tapfere Bursche knirschte vor Wut mit den Zähnen, als er von der Panik hörte, und schwur hoch und heilig, wenn es wirklich zum Kampf käme, die Schmach mit dem Blute der Franzosen abzuwaschen oder selbst dabei ins Gras zu beißen!
Am nächsten Tag kamen der König und der Herzog von Braunschweig von Weimar herübergeritten. Sie wollten mit Hohenlohe die auf Grund der erlittenen Niederlage Tauentziens und Louis Ferdinands veränderte Sachlage beraten und beschließen, was nun zu tun wäre, um sich der nach dem Fall Naumburgs drohenden Überflügelung zu entziehen und aus der Falle hinter der Saale wieder herauszukommen.
Das Resultat der Beratung wurde, daß das Hauptheer von Weimar über Auerstedt auf die Unstrut zu in Marsch gesetzt werden sollte. Rüchel, der mit seiner Armee in Erfurt stand, sollte folgen, zunächst nach Weimar – der Herzog von Weimar sollte von seinem „Husarenstreich“ nach Franken zurückberufen werden, Hohenlohe die Saaleübergänge bei Jena, Dornburg und Camburg besetzen, um den Flankenmarsch der Armee zu schützen und dann nachkommen. In Sachsen wollte man sich mit der Reservearmee unter dem [pg 144]Herzog von Württemberg treffen und so vereint dem Feind entgegentreten.
Der Rand des Saaleplateaus, vorzüglich der Landgrafenberg, sollte besetzt, aber kein Angriff unternommen werden.
Man trennte sich wieder.
Der Fürst, der sich bestimmt vorgenommen hatte, wenigstens heute zu Mittag zu essen, wollte sich eben zu Tisch setzen, als ihm wieder zwischen Lipp’ und Bechersrand eine Probe gegeben wurde, wie sehr die Disziplin in seiner Armee gelockert war und wie wenig er sich auf sie verlassen konnte.
Zunächst wurde er durch die Nachricht gestört, daß der Feind die dicht bei Jena stehende Feldwache angegriffen hatte – was ja an sich keine Katastrophe bedeutet hätte, wenn jene Nachricht ihm nicht durch den Chef jener Feldwache selbst überbracht worden wäre, der auch gleich, vorsichtshalber, sein ganzes Wachkommando nach der Stadt mitgenommen und also dem Feind offene Bahn gelassen hatte. Das mußte schleunigst in Ordnung gebracht werden und wurde auch durch den Adjutanten des Fürsten, Major Loucey, mit einem Bataillon eines der in Jena stehenden Regimenter Tauentziens besorgt. Außerdem bekam der sächsische General Senft, der zwischen Jena und Dornburg stand, Befehl, mit seinen Dragonern die neue Feldwache zu unterstützen, die Saaleufer zwischen Dornburg und Jena zu beobachten, Dornburg zu besetzen und auch mit einigen Eskadrons nach Camburg zu gehen, um die dort befindliche Brücke, die in die Hände der Franzosen gefallen war, zu nehmen.
Der General tat das alles äußerst saumselig, wofern er es überhaupt tat, dirigierte eine Eskadron halbwegs nach Camburg und setzte sich mit dem Rest seiner Dragoner irgendwo zur Ruhe. Der Fürst wußte aber davon nichts.
Es stand jedoch in den Sternen geschrieben, daß der gute Fürst, der sosehr die Freuden der Tafel liebte, gerade in dieser Beziehung seines Lebens nicht froh werden sollte!
Mit Entbehrungen seines durchlauchtigen Bauches mußte er die Sünden seines Kommissariats vergelten, das so schlecht [pg 145]für das leibliche Wohl seiner Soldaten sorgte. Nolens volens mußte er die Qualen des Hungers selbst leiden für alles, was die braven Soldaten entbehren mußten! Und gar noch für die Sachsen, obwohl diese ein eigenes Oberkommando, eigene Verpflegung und eigenen Generalstab hatten und ihn in dieser Hinsicht gar nichts angingen!
Das hinderte sie aber nicht, einen Kriegsrat ihres Verpflegungsdepartements, mitsamt dem Adjutanten der kommandierenden sächsischen Exzellenz, zum Fürsten zu schicken, mit der kategorischen Mitteilung: Wenn die Preußen ihnen nicht sofort zu essen gäben, würden sie, die Sachsen, sogleich abmarschieren und den Krieg Krieg sein lassen!
Der Fürst verzog keine Miene bei der wenig erfreulichen Tatsache, daß seine halbe Armee angesichts des Feindes mit Rebellion drohte. Er versprach alles und schickte sofort seinen braven Massenbach spornstreichs nach Weimar zum König, um Brot für die Sachsen zu erbitten. Denn er war davon überzeugt, wo kein anderer etwas Eßbares verschaffen könnte, da würde Massenbach bewirken, daß die Steine zu Brot werden würden. Aber leer käme er nicht zurück! –
Nachdem der Fürst diese Anordnungen getroffen hatte, setzte er sich nicht noch einmal zu Tisch, denn das hatte er sich schon abgewöhnt und als aussichtslos aufgegeben! Sondern er bestieg sein Pferd und begab sich ins Lager, ließ die Truppen aus den Zelten hervortreten und ritt die Front ab.
Es wurde eine lange Inspektion.
Er ritt die preußischen und schlesischen Bataillone ab, beim rechten Flügel der Aufstellung anfangend, fragte sie nach allem – ob und wie und mit was sie versorgt waren –, was sie bekommen und was sie nicht bekommen hatten? Er redete mit ihnen von den alten Feldzügen, die sie gemeinsam mit ihm durchgemacht hatten, sprach wie ein Kamerad, sprach auch wie ein Vorgesetzter, schön und markig, von altpreußischem Geist, von ruhmgekrönten Fahnen und altbewährter Waffentüchtigkeit, von Treue und Pflicht, von König und Vaterland – entflammte so den Mut und den [pg 146]nimmermüden guten Willen der Braven und bekam gleich Gelegenheit, ihn auf die Probe zu stellen.
Denn noch hatte er den linken Flügel nicht abgeritten, da knatterte und ratterte es links herum am Rande des Saaletales los, und die Nachricht wurde ihm gebracht: Jena wäre geräumt und auch evakuiert – die Franzosen wären drin, und Tauentzien, der die Avantgarde befehligte, wäre auf den Landgrafenberg heraufgekommen! Leider aber fast gleichzeitig mit ihm die an Zahl weit überlegenen Franzosen, so daß er sich vom Talrand kämpfend zurückziehen mußte!
Da war kein Zweifel mehr, was zu tun war! Als alter erprobter Kriegsmann ließ der Fürst sofort Füsiliere und Jäger tiraillierend vorgehen und den Feind aus dem nächsten Forst, wo er sich festgesetzt hatte, wieder hinauswerfen. Er setzte dann preußische Grenadiere und reitende Artillerie in Marsch, um die Franzosen, die noch nicht in allzu großer Stärke auf dem Plateau sein konnten, wieder in das Saaletal hinunterzuwerfen, von dem sie, bei weniger Schlamperei und besserem Aufpassen der Vorposten, niemals hätten heraufkommen dürfen! Alles jubelte ihm zu und war des Sieges gewiß. Der Fürst wollte auch seine Tapferen in höchsteigener Person anführen und war schon im Begriff, den Befehl zum Angriff zu geben.
Da kam Massenbach, den ein ungnädiger Himmel nicht unterwegs das Genick hatte brechen lassen – da kam dieser Unglücksmensch spornstracks aus Weimar zurückgesprengt, wohin ihn ein mißgünstiges Geschick in überflüssiger Sorge um den Magen der guten Sachsen entsendet hatte! Da kam er atemlos an und brachte als erstes den strikten Befehl des Königs: unter keinen Umständen irgendeinen Angriff zu unternehmen.
Der Fürst wütete und schlug sich zornig mit der Reitgerte auf den Stiefel, als wäre der Stiefel Massenbach. Er fluchte und wetterte und beteuerte: Wenn der König hier wäre, würde er selbst zum Angriff blasen lassen! Die Gelegenheit wäre günstig, es galt die Sicherheit, ja die Existenz der ganzen Armee. Man müsse den Franzosen schnell wieder [pg 147]vom Plateau hinunterwerfen! Nach einigen Stunden wäre er zu stark, da wäre es zu spät! Also keine Zeit, erst aus Weimar Befehle einzuholen! –
Massenbach zuckte mit den Schultern, sperrte seine runden braunen Gucklöcher auf, blickte dem Fürsten unverzagt ins Gesicht und wiederholte, mit vor Ehrfurcht zitternder Stimme, den königlichen Befehl, hier keinen Angriff zu wagen, aber sofort nach Dornburg zu gehen, um die dort verlorengegangene Brücke zurückzunehmen, damit der Abmarsch der Hauptarmee ungestört vor sich gehen konnte.
Befehl ist Befehl.
Zähneknirschend fügte sich der Fürst, befahl seinen Braven, statt vorwärts auf den Feind zu gehen, links abzuschwenken und nach Dornburg zu ziehen, setzte sich selbst an die Spitze, da er nun schon das Kommando übernommen hatte, ließ die Franzosen auf dem Plateaurand bleiben und überließ es dem General Tauentzien, mit der Avantgarde die Hauptstellung zu bewachen.
Diese Stellung, vom Lager bei Kapellendorf bestimmt, war von dem übergenialen Massenbach fast mit dem Rücken gegen den Feind gewählt. Ob er es tat, um wieder einmal etwas anders und origineller als gewöhnliche Leute zu sein – um dem Feind recht nachdrücklich seine Verachtung zu zeigen –, oder aus übergroßer Höflichkeit, um es ihm recht bequem zu machen, der preußischen Armee in den Rücken zu fallen, das mag dahingestellt bleiben!
Massenbachs Genie reichte aber nicht so weit, anzunehmen, daß der Feind sich gewiß nicht um des Königs von Preußen Verbot, zu kämpfen, kümmern würde! Da man aber den Gehorsam so weit trieb, sich auch kopflos aller Vorteile einer starken Stellung zu begeben – da man also die Saale nicht einmal so lange verteidigte, daß man die Absichten des Feindes erriet – da die Brücke über den Fluß nicht abgebrochen, die Stadt Jena geräumt wurde – da der Talrand ohne Widerstand dem Feind überlassen und ihm gar Zeit und Raum gegeben wurde, dort, auf den beherrschenden Höhen festen Fuß zu fassen, so wäre wohl voraus[pg 148]zusehen gewesen, daß man, ungeachtet aller Verbote, doch gezwungen werden würde, eine Schlacht anzunehmen.
Man hätte sich also ebenso gern gleich, ohne jene Fehler zu begehen, unter unverhältnismäßig günstigeren Bedingungen schlagen können und müssen. Statt später eine Schlacht in offenem Gelände gegen vielfache Übermacht liefern zu müssen, hätte man sich auf ein aussichtsreiches Nachhutgefecht in vorzüglichen Stellungen beschränken und mit dem Gros der Hauptarmee nachziehen können.
Durch den Kadavergehorsam seines Generalquartiermeisters Befehlen gegenüber, die der Befehlende selbst, nach Kenntnisnahme der veränderten Sachlage, sicherlich sofort zurückgenommen hätte, und durch seine eigene Machtlosigkeit gegen diesen seinen bösen Geist, verlor Hohenlohe so die Schlacht, schon ehe sie geschlagen war.
*
Am Nachmittag desselben Tages kletterte ein kleiner Mann in grauem Rock, den dreieckigen Hut auf dem Kopfe, den Abhang des Landgrafenberges hinauf, stellte sich da oben auf den höchsten Auslug, die Arme über der Brust verschränkt, und blickte über die Gegend aus.
Ein paar kurz hingeworfene Worte von ihm genügten, und gleich flogen Kuriere nach allen Richtungen hinaus mit Befehlen für die kaiserlichen Marschälle, schleunigst, wo sie auch waren, auf Jena zu marschieren, wo man allem Anschein nach die preußische Hauptarmee gestellt hatte.
Inzwischen zog aber die preußische Hauptarmee ganz woanders in aller Gemütsruhe weiter an der schützenden Saale entlang.
Auf dem Landgrafenberge bei Jena bereitete sich das Gewitter vor.
Aus allen Schluchten, die rundherum zur Kuppe hinaufführten – aus dem Rauhtal, dem Mühltal, aus der Eule und dem Steiger, fluteten in endlosem Strom nach und nach an die hunderttausend Mann hinauf mit Roß und Wagen, mit Rohren und Protzkästen!
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Wie ein Gewimmel geschäftiger Ameisen, so kribbelte und krabbelte es von kleinen nervigen, schnellfüßigen Kerls gegen den einen Punkt hin, wo der kleine Mann im grauen Rock stand.
Bäume wurden gefällt, Wege mit Geistergeschwindigkeit hervorgezaubert, und längs der so gewonnenen Bahnen glitten immer neue Reihen von Kanonen, Protzkästen und Pulverkarren hinauf. Und von oben keine Störung, kein einziger Schuß, kein überraschender Angriff der preußisch-sächsischen Armee, die, teils im Lager bei Kapellendorf, teils um Dornburg herum in weitläufige Quartiere gelegt, an alles andere eher dachte als daran, den unerbetenen Gast wieder in die Schluchten hinabzuwerfen.
Der kleine Mann stand da unbeweglich als ruhender Punkt und Richtzeichen in all dem Getriebe, das auf ihn zustrebte, um nachher, von seiner Hand zusammengefaßt, sich wieder strahlenförmig, wie aus einem Fächer heraus, über die Gegend zu ergießen und die preußische Armee zu umfassen, sobald der Augenblick dazu da wäre.
Der Wind spielte mit den Schößen seines langen grauen Mantels. In der zunehmenden Dämmerung verwob sich ihr Flattern mit den aus den Schluchten der Saale aufsteigenden Dünsten, die immerfort zunahmen, als ginge der Nebel von den grauen Rockschößen aus. Immer dichter wurden die Dünste, schon füllten sie die Täler und die Schluchten und ließen einzelne Kuppen nur noch als übriggebliebene Inseln aus der Überschwemmung herausragen, bis auch sie versanken und das Wolkenmeer sich vom Thüringer Wald, über die Unstrut, bis weit nach der Elbe hin ausbreitete, Städte und Gehöfte verschlang und alles Leben vom Erdboden vertilgte.
Im Schutz dieses Nebels fing der kleine graue Mann an, seine Netze zu legen und seine Fallen zu stellen, schnell, behende, sicher und leise schleichend wie das Unheil selbst.
Sorglos ruhte das Wild. Nur weit in der Ferne und außer Bereich des Waltens jenes unheilschwangeren Geistes wachte [pg 150]ein Wille, von bösen Ahnungen getrieben – ein Wille, der die Macht des Zauberers brechen wollte. Aber er war noch unfrei, noch von den Fesseln blinden Gehorsams gebunden.
Blücher – denn er war es – ging da, von quälender Unruhe getrieben, rauchte sein kurzes Pfeifchen, schnupperte nach allen Windrichtungen hin, räusperte sich, hustete die sauverfluchten Nebeldämpfe aus, spuckte und fluchte über den drückenden Dunst, der das Atmen behinderte und den Ausblick versperrte!
Er dachte daran, wie er einst im Traum den Wolken des Himmels Blitze entriß und die Nebel verscheuchte.
Ja, das wäre so etwas, frei zu fliegen, die Augen offen, alles sehen, im Fluge das Notwendige gleich erfassen und blitzschnell zur Tat werden lassen, statt wie jetzt, am Gängelbande eines anderen, Befehle auszuführen, die der erste beste Stabsoffizier ebensogut bewältigen könnte!
Als ihn heute unterwegs der Befehl des Königs erreichte, sofort seine Truppen zu verlassen, um zu ihm ins Hauptquartier zu kommen, da dachte er: jetzt ist deine Zeit da, jetzt braucht man dich zu etwas, was nur du leisten kannst!
Er ritt schnell wie der Wind hin und kam abgehetzt an – nur um die Nachricht zu empfangen, der König schliefe und wünsche ihn erst am nächsten Morgen zu sehen.
Eiliger war’s also nicht!
Ärgerlich suchte er sich Nachtquartier in einer Scheune und ging nun davor auf und ab und lauschte auf die tausend verschiedenen Laute, die, wie Hilferufe Ertrinkender, von allen Seiten aus dem Nebel herausdrangen.
Alles Leben schien von dem feuchten, klebrigen Dunst verschlungen. Fort war die stolze preußische Armee, fort die strammen Grenadiere mit ihren steif gedrehten Zöpfen und stolzen Schnauzbärten, fort die bunten Röcke der Husaren, die Harnische der Kürassiere, die wehenden Helmbüsche und blitzenden Seitengewehre! Alles war fort, alles versunken in den wogenden Nebelschwaden, aus denen das Rollen der Räder, das Wiehern der Pferde, das Rufen und Pfeifen und Trommeln immer gedämpfter herausdrang, um schließ[pg 151]lich zu verstummen, je nachdem wie die marschierenden Gruppen ihre Biwake einnahmen.
Keine Müdigkeit vermochte aber den einsamen Mann dazu zu bringen, sich auch zur Ruhe zu begeben. Am liebsten hätte er sich an die Spitze seiner „Roten“ gesetzt, wäre, auch ohne Befehl, aufs Geratewohl in den Nebel hineingaloppiert, hätte die Gegend bis zur Saale nach Franzosen abgepirscht, hätte das Kroppzeug gestellt, und, wie schon sooft, mit dem preußischen Husarensäbel traktiert.
Aber, es wollte hier alles befohlen sein! Und die Kunst des Befehlens war den wenigsten gegeben!
Der Teufel mochte auch wissen, wo seine „Roten“ biwakierten und wie weit sie zurückgeblieben waren! Ohne sie gelänge kein Streich! Die anderen von der Kavallerie, das waren eben die anderen!
Stunde um Stunde verging; die Dünste begannen allmählich eine hellere Färbung anzunehmen; irgendwo im Osten wühlte etwas Gelbliches sich mühsam Weg durch die Nebel. Hoch und höher stieg es, ohne mehr zu erreichen, als die Dichtigkeit der Dunstschleier noch anschaulicher zu machen. Ein fahles Licht war alles, was bis zur Erde durchsickern konnte, so daß man zur Not noch die Hand vor den Augen sah! Rundherum fing es aber an zu heulen und zu rufen, als zögen die alten Recken der Urzeit wiederum zur Jagd auf den Thüringer Wald, während die Räder ihrer Streitwagen ratterten, die Pferde wieherten und die Sippen folgten, unter Geschrei und Gejohle, um die erlegte Beute zu zerteilen und fortzubringen.
Das Getöse nahm zu und schwoll, vom Nebel zusammengefaßt, immer unheimlicher an.
Jetzt zogen die alten Heidengötter zum Ragnarök aus; die Midgardsschlange ringelte ihren Leib um die Welt; der Fenriswolf sperrte seinen Rachen auf; alles eilte dem Endkampf entgegen – die Götterdämmerung war da!
Und er mußte hier auf Befehle warten, statt sie selbst wie zündende Funken in den Tumult hineinzuschmettern!
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Er hielt’s nicht länger aus. Er befahl, das Pferd vorzuführen, ließ seine Adjutanten wecken – seinen Sohn, den Rittmeister von Blücher und den Rittmeister Graf von der Goltz – und ritt, von ihnen gefolgt, um sich beim Könige zu melden.
Der König war schon zu Pferd. Er ließ Blücher wissen, daß bei Kösen Franzosen über die Saale gegangen waren, und daß er gegen sie vorgehen müsse. Befehle möge er sich beim Oberkommandierenden, dem Herzog von Braunschweig, holen.
Der Herzog gab Blücher, da die „Roten“ noch nicht angelangt waren, von der Division Schmettau mit, was von den Heisingschen Kürassieren und vom Dragonerregiment Königin da war. General Schmettau, der seine Kavallerie selbst gut gebrauchen konnte, nahm das gewaltig krumm, ohne es indessen ändern zu können.
Blücher selbst, nicht gerade froh, seine eigenen Leute nicht um sich zu wissen, ließ aber fünf gerade sein, ließ zum Sammeln blasen, setzte sich an die Spitze der Regimenter und galoppierte in den Nebel hinein!
Auf dem Landgrafenberg bei Jena aber war sein Widersacher, der kleine Mann im grauen Rock, nicht müßig gewesen. Ihm hatte keiner etwas zu befehlen. Und das Glück war mit ihm. Kein Feind störte sein waghalsiges Unterfangen, seine ganze Armee die Schluchten nach dem Berg hinaufklimmen zu lassen – kein überraschender Angriff beim Aufmarsch –, kein plötzliches Hineinkartätschen in die marschierenden Massen. Alles ging wie am Schnürchen. Und er selbst biwakierte inmitten seiner Garden auf der höchsten Kuppe so ruhig, als schliefe er in seinem Bett in den Tuilerien. Nichts konnte seinen Schlaf stören, weder trübe Ahnungen noch der aus allen Schluchten des Saaletales hervordrängende Lärm, der die ganze Nacht anhielt, bis seine stolze Armee oben und nach allen Seiten hin in die vorbezeichneten Stellungen aufmarschiert war!
Selbst hatte er schon die Stellungen der preußischen Armee rekognosziert und war bisweilen so nahe an sie [pg 153]herangekommen, daß er Feuer bekam und sich schnell niederwerfen mußte.
Dann fing er, vom Nebel begünstigt, an, seine Truppen wie Schachfiguren hin und her zu schieben, schob Davoust mit seinem Korps weit über Naumburg hinaus, um die preußische Armee von ihren Verbindungen abzuschneiden, zog selbst alles Erreichbare von dem anderen Korps an sich heran und stand zum Losschlagen bereit.
Gegen Morgen fing es dann an im Nebel zu rattern und zu knattern. Das zeitweilige Aufblitzen des Mündungsfeuers aus den Gewehren und Geschützen gab zu erkennen, wo Freund und Feind waren, ließ aber keinen Schluß auf die Menge oder die Art der kämpfenden Truppen zu.
Die Preußen griffen an.
Graf Tauentzien hatte die Bataillone Erichsen, Pelet und Rosen bei Closewitz-Lützeroda und im Issenstedter Forst aufgestellt und ging selbst von Dornburg aus mit mehreren sächsischen Bataillonen vor. Gegen sich aber hatte er die drei Divisionen des Marschalls Lannes mit vielem Geschütz. Ganze Regimenter löste dieser als Tirailleurs auf, die Tauentziens kleine Schar so heftig bedrängten, daß er sie auf Vierzehnheiligen und Altengönne zurücknehmen und hinter den Divisionen des Generals Grawert in Aufnahmestellung führen mußte.
Dieser hatte den Nachteil von Massenbachs dumm gewähltem Lager nach Möglichkeit wieder gutzumachen gesucht. Er hatte seinen linken Flügel linksherum auf Klein-Romstedt geworfen, bekam so die Front auf Vierzehnheiligen und kehrte, wie sich’s gehörte, dem Feinde das Gesicht zu, statt den Rücken, was ihm nachträglich gar das Lob eines großen Feldherrn eingebracht hat.
Gegen Grawert schwärmten nun die französischen Tirailleurs wie die Grasmücken aus und füllten die ganze Gegend. Ihnen war auch Artillerie beigegeben, so daß der Aufmarsch der Division Grawert im heftigsten Feuer stattfinden mußte. Trotzdem avancierten die Grenadiere so ruhig, als wären sie auf dem Exerzierplatz. Mit klingendem Spiel [pg 154]ging’s im Geschwindschritt vorwärts, so daß die Infanterie dicht hinter der auf Linien auseinandergezogenen Kavallerie blieb. Fast bis zu Vierzehnheiligen heran kamen sie. Dann ließ Hohenlohe haltmachen, um das Fallen des Nebels abzuwarten.
Der Feind indessen wartete nicht, sondern schoß wacker hinein in die wie Schießscheiben dastehenden Reihen und lichtete sie nach Kräften. Er selbst war nicht zu sehen. Hinter jeder Unebenheit des Bodens nahm er Deckung und hatte seine Kanonen so gut eingegraben, daß vom Rohre nichts zu sehen war. Da sowohl Infanterie wie Kavallerie durch diese ununterbrochene Belästigung unruhig wurden, war ja nichts natürlicher, als die letztere gleich zur Attacke anzusetzen, sie zwischen die tiraillierenden Monsieurs hineinsausen zu lassen und diese auf die preußische Infanterie zuzutreiben. Aber der Gedanke fand bei der Führung keine Gegenliebe, die Kavallerie blieb weiter auf dem Flecke als Zielscheibe und durfte ihre Säbel nicht gebrauchen.
Endlich fiel der Nebel, und vor den Augen der Tapferen tauchten die französischen Linien auf, wie sie mit klingendem Spiel zum Angriff vorgingen und weit über die beiden Flügel der Preußen hinauslangten. Hinter ihnen standen ganze Kolonnen, von denen immer mehr Leute in die Linien einschwenkten, je nachdem, wie sie sich dehnten und Lücken entstanden.
Vor der drohenden Überflügelung wankte und wich bei den Preußen alles zurück. Und wo’s zurückgeht, ist’s vorbei mit Vertrauen und Zuversicht. Hier und dort riß Unordnung ein, die Unordnung artete zur Flucht aus. Und der Franzose, nicht faul, ließ seine Kavallerie los, wo er die geringste Verwirrung witterte. Wie die Affen sausten die kleinen betrunkenen Kerls drein, fuchtelnd und schreiend, und ritten alles nieder, schon weil sie ihre eigenen Pferde nicht halten konnten.