Das heilige Donnerwetter. Ein Blücherroman
12 Das heilige Donnerwetter
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.
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Das heilige Donnerwetter
Jahrhundertelang war Deutschland der Tummelplatz der Völker und wurde unbarmherzig verwüstet, seine Bewohner geknechtet, ausgeraubt und hingemordet, Handel und Nahrung lahmgelegt, seine Reichtümer gestohlen, seine Kunstschätze geraubt und nach allen Windrichtungen hin verschleppt, seine Kirchen und Schlösser und Kunstbauten in Ruinen verwandelt, seine Entwicklung um Jahrhunderte zurückgeworfen.
Und immer wieder blühte das Leben in alter Kraft wieder auf –, immer wieder stürmten beutegierige Horden heran mit Mord und Brand und plünderten und sengten.
Das in Strömen vergossene Blut tränkte die Erde, verseuchte die Gewässer, schwängerte die Luft – man atmete Unheil, trank dessen Odem mit dem Wasser der Quellen, fraß ihn in sich mit den Früchten der Erde. Das bittersüße [pg 284]Gift schwellte die Adern, schlich durch den Körper, erfüllte die Seelen bis zum Platzen mit Spannung, erzeugte einen Haß, der jede andere Regung unterdrückte, der alleinherrschend wurde, ins unermeßliche wuchs und gewaltsam zur Entladung drängte. Das Licht des Himmels, seine Sonne, seine Sterne, sein leuchtendes Blau, alles schwand in dem quälenden Dunst, die Farben des Lebens verblaßten und erloschen. Es gab kein Gefühl, keinen Gedanken mehr, als verbissene Wut über schmachvolle Ohnmacht, kein Gebet, das nicht den Herrn der Welten um Erlösung anrief und mit dem Himmel um seine Blitze buhlte.
Die Schwüle des Gewitters lagerte überall, ergriff alles Leben und würgte zum Ersticken.
Immer dräuender türmten sich die Gebilde des Hasses und der Empörung empor, ballten sich zu mächtigen Gewitterwolken zusammen und erfüllten den Raum, bis endlich die Spannung zu groß, bis es der Last zuviel wurde und das Gewitter losbrach.
Blitze züngelten auf die Häupter der Bedrücker nieder, warfen sie in den Staub und zerschmetterten ihre Zwingburgen, indes der Donner grollend durch den Raum fuhr und der Widerhall krachend von Felsen zu Felsen jauchzte und Kunde von der Befreiung gab.
Fast unbeschränkt beherrschte Napoleon den Kontinent, alles lag ihm gehorsam zu Füßen. In jeder Festung, in allen Städten Norddeutschlands standen seine Truppen bereit, jeden Versuch zur Empörung mit Gewalt niederzuwerfen.
Durch dauernde Besetzung Preußens war er zum wahren Herrn Europas geworden. Wer nicht sein Verbündeter war, war ihm gehörig. Die Rheinbundstaaten, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen, Sachsen, Westfalen und Mecklenburg, gehorchten jetzt seinem kleinsten Wink. Der Kaiser von Österreich gab ihm seine Tochter zur Ehe. Sein Machtwort erstickte jede selbständige Regung im Keime. Ohne seine Zu[pg 285]stimmung geschah in den deutschen Landen nichts. Könige und Fürsten holten sich Weisungen aus Paris, empfingen aus seinem Munde Lob und Tadel und setzten ihre Beamten ab und ein nach seinem Gutdünken. Seine Armeen wurden von den unterjochten Völkern unterhalten, die Einkünfte der Staaten als Kontribution nach Paris geschafft –, bis aufs Blut sog er die Besiegten aus.
Ihre Heere mußten auf sein Geheiß marschieren und für den Ruhm Frankreichs ihr Blut verspritzen – bis sie endlich begriffen, daß Blut und Leben nur für die Heiligkeit der eigenen Sache einzusetzen seien.
Der Sohn der Revolution, von der unwiderstehlichen Kraft eines Volkes in Waffen zu schwindelnder Höhe gehoben, kehrte so, durch den Gang der Ereignisse getrieben und von den eigenen Siegen verführt, vom Volksheer zum Söldnertum zurück. Er bewirkte gleichzeitig die entgegengesetzte Entwicklung bei den Besiegten und gab ihnen so das Mittel zur Befreiung in die Hand. Denn als sie sich dazu hergeben mußten, für eine fremde Sache zu bluten, wurden sie sich ihres eigenen Volkstums bewußt und fielen von der Sache des Eroberers ab, sobald sie ernstlich zu wanken begann.
Seine bunt zusammengewürfelten Heerhaufen besaßen sowieso nicht mehr die Energie und den Schwung der ersten Revolutionsheere, noch weniger ihre Begeisterung für die Heiligkeit einer Sache, die allein gegen eine ganze Welt den Sieg ertrotzt.
Noch stand der Koloß aufrecht und wagte in seinem Übermut den eitlen Versuch, den Gott zu spielen und das, was nicht zusammengehört, zusammenzukitten.
Und das Unerhörte geschah.
Als Napoleons aus unzähligen Hilfsvölkern zusammengesetztes Riesenheer auszog, um seinen unbotmäßigen russischen Verbündeten zu züchtigen, da marschierte zum erstem Male in der Geschichte des Landes ein ganzes preußisches Armeekorps mit, um für den Ruhm Frankreichs zu bluten.
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Siebzehntausend Mann stark zogen die Preußen aus unter Befehl von Grawert, der bei Jena die Feldherrnkunst Napoleons am eigenen Leibe kennengelernt hatte. Er erkrankte und wurde von Yorck ersetzt.
Wie ein Haufen Heuschrecken, so wälzte das Riesenheer seine Massen über die deutsche Erde gen Osten hin, fraß, wo es durchkam, das ganze Land kahl und verwandelte es in eine Wüste. Bis es endlich hinter der russischen Grenze verschwand und sich über die endlosen, dünn bevölkerten Felder Rußlands ergoß, von einer ganzen Wolke von Marodeuren, Händlern und beutegierigen polnisch-jüdischen Schacherern umschwärmt, die sich mit seinen Abfällen mästeten, alles, was am Wege blieb, auflasen, Kleider, Ausrüstung, Proviant und Beutestücke erhandelten oder stahlen, die todmüde am Wege Liegenden erschlugen oder sie bis auf die Knochen ausplünderten.
Schreck und Entsetzen hinterließ der Raubzug überall, wo er durchkam, und lähmte die Kraft der Landeskinder so, daß keiner auch nur daran zu denken wagte, die Hand zur Rache zu erheben, als nachher die Reste der Horden wiederkamen, geschlagen, geschunden, zerfetzt und zerlumpt und von noch größeren Schwärmen Beutegeiern verfolgt.
Tausende von französischen Offizieren, auch Napoleon selbst und seine berühmten Marschälle, hätte man ohne weiteres gefangennehmen können. Aber man rührte keinem Finger gegen sie, man ließ sie ungefährdet durch und in ihre Heimat zurück, wo sie dann gleich neue Heerhaufen zur Unterjochung bereitstellten.
Man schlug das Raubgesindel nicht mit Knüppeln tot, man gab ihnen Lager und Kleidung, speiste sie, pflegte sie, vergaß das vergossene Blut und die Tränen, das geraubte Gut und Geld –, aber beileibe nicht aus Gutmütigkeit und noch weniger aus Feigheit. Nein, jene Armseligen, in Lumpen Zurückkehrenden, sie waren immer noch die Herren. Und keiner wagte noch an das unerhörte Glück zu glauben, daß jene gewaltige Macht, deren Diener sie waren, jemals gebrochen werden könnte, auch dann nicht, als man es mit [pg 287]eigenen Augen zu sehen und mit Händen zu greifen vermochte.
Der Krieg wurde nicht erklärt, die Rüstungen nur in größter Heimlichkeit betrieben, und auch dann nur unter dem Schein, den Bündnisvertrag mit Frankreich erfüllen zu wollen. Die Geheimdiplomatie war eifrig dabei, zu vertuschen und zu verhüllen, kein klarer Wille wagte sich hervor, kein offenes Wort wurde von maßgebender Stelle gesprochen.
Da auf einmal klang es jubelnd hart drein, wie schmetternde Fanfaren aus der alt-fritzischen Zeit. Von weit draußen an der Grenze klang es herüber, aber so hell und klar, so bestimmt und zielbewußt, daß es in die entfernteste Gegend des Landes drang und alle Herzen erzittern machte.
Es war der gleiche Ton, der Deutschland weckte, als Schill sein Panier erhob.
Aber jetzt ging alles mit, jetzt erwachte begeisterter Widerhall überall – ein Brausen, wie von einem herannahenden Sturm, ging über alles Land, das Gewitter verkündend, und erstickte mit seiner Gewalt jede Mahnung der Ängstlichen, den Weckruf lieber, im Namen der heiligen Subordination, zu überhören.
Isegrim Yorck war’s, der ins Horn gestoßen hatte.
Er hatte den Sprung ins ungewisse gewagt und seinen Kopf darangesetzt, um seine Preußen aus der schmählichen Gemeinschaft mit den Franzosen zu führen. Dem Korsen hatte er die erzwungene Waffenbrüderschaft aufgesagt, seinen König mit einer vollendeten Tatsache überrascht und sein Volk auf den Boden offener Stellungnahme gegen den wahren Feind gestellt.
Die Diplomaten rauften sich die Haare. Die Tat Yorcks kostete ihrer Weisheit und dem Staate etliche Millionen, die Napoleon sonst gerade jetzt hätte zahlen sollen und vielleicht auch gezahlt hätte, wenn alles wenigstens dem Scheine nach beim alten geblieben wäre.
Aber sie brachte dafür etwas ein, was für alles Gold der Welt nicht eingehandelt werden kann: die flammende Be[pg 288]geisterung, den unwiderstehlichen Willen eines geknechteten und vergewaltigten Volkes, seine Fesseln zu brechen und die Bedrücker niederzuwerfen. Sie entfesselte das heilige Donnerwetter, dem nichts widersteht – mit dem stets der Sieg ist, weil es die Empörung der Natur selbst ist gegen die ihr angetane Vergewaltigung.
*
„Herr,“ rief der General Blücher unwirsch und fuhr sich mit dem Rasierpinsel im Gesicht herum, daß der Seifenschaum weit umherspritzte, „Er ist wohl des Teufels! Wie heißt das? Was war das, was Ihm mir vom General Yorck mitzuteilen beliebte?“
Der so angeredete Major Diedrich nahm die Hacken zusammen, reckte sich stramm auf und brachte noch einmal seine Botschaft vor.
Die Infanterie Yorcks wäre demnach durch die erlittenen Strapazen sehr geschwächt und von 30000 auf 25000 Mann zusammengeschmolzen. Das Landwehrregiment der zweiten Brigade, das vor acht Tagen zweitausend Mann gehabt hatte, hatte jetzt nur noch siebenhundert. In sechs Tagen hatten die Truppen viermal Nachtmarsch gehabt, ohne daß abgekocht worden war. Sie hatten bei strömendem Regen auf dem aufgeweichten Boden biwakiert, die meisten ohne Mäntel – die Taschenmunition war von Nässe verdorben, in den Munitionswagen war kaum Vorrat genug für eine Schlacht, und dabei hätten die Parkkolonnen sechzehn Meilen Weg bis zur Neiße, um neuen Vorrat zu holen. Der General Yorck ließe bitten, dem Korps doch etwas Ruhe zu lassen.
Blücher hatte mit offenem Munde, das aufgeklappte Rasiermesser in der Hand, die Ausführungen des Majors angehört.
Jetzt fing er an mit wahrer Wut das Messer an einem ledernen Riemen abzuziehen. Er warf dabei dem Major immer wieder giftige Blicke zu.
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„Ruhe soll ich dem Korps lassen? Bin ich der Franzmann, der mit ihm Krieg führt? Hat Sein General nicht genug von dem dämlichen Waffenstillstand, den wir kaum glücklich hinter uns haben, und den wir noch hätten, wenn’s nach unseren Diplomatikern ginge? Ein Schuft ist Napoleon, aber gesegnet soll er sein ob seiner Halsstarrigkeit, die Friedensbedingungen nicht anzunehmen. Denn das allein hat verhindert, daß unsere Neunmalweisen den Karren noch tiefer in den Dreck schoben!“
Damit nahm er eine Kohle, zog rasch einen Kreis auf der weißgetünchten Wand, starrte, in Ermangelung eines Spiegels, da hinein und fing an sich den Stoppelbart abzukratzen. Denn jetzt war er wieder in der Offensive und durfte als höflicher Mensch dem Franzmann nicht unrasiert kommen.
Der Major Diedrich benutzte die Gelegenheit, weitere Einzelheiten über den schlechten Zustand des Yorckschen Korps vorzubringen, und Blücher, der seine Zunge dazu gebrauchen mußte, beim Rasieren die Wangen von innen zu strammen, konnte dabei seinem Mißvergnügen nur durch ein mehr oder weniger lautes Grunzen Luft geben. Bis der Major ihm mit den zwanzigtausend in Österreich gekauften Flinten auf den Leib rückte, mit denen man die Landwehr beglückt hatte, und die die unangenehme Eigenschaft hatten, keine Zündlöcher zu besitzen. Die hatte man in der Eile bei der Anfertigung zu bohren vergessen. Und nun müsse die brave Landwehr, zum größten Teil mit Piken bewaffnet, in den Kampf ziehen!
Da hörte Blücher mit dem Schaben seines Bartes auf, sandte sich jäh um, warf dem Major einen vernichtenden Blick zu und wetterte los.
„Herr, was redet Er da von Zündlöchern? Bei dem Sauwetter, wo’s, wie jetzt, seit Monaten Strippen regnet, schießen alle Flinten gleich gut, ob sie Zündlöcher haben oder nicht! Die sollen die Leute ruhig behalten und mit den Kolben auf den Franzmann losschlagen. Und taugen sie auch dazu nicht, dann mögen sie sich drüben beim Feind bessere [pg 290]Flinten holen. Die Franzosen haben ganz gute! Wozu haben wir den Krieg?“
Worauf er das Messer ansetzte und weiter schabte.
Aber der Major hatte noch mehr auf dem Herzen, und die Gelegenheit war zu gut jetzt, wo der Alte das Messer an der Kehle hatte und die Zunge im Zaum halten mußte.
Er packte also aus.
Es fehle den Landwehrregimentern an Mänteln, sie hätten nur leinene Hosen, statt Patronentaschen leinene Beutel, Kochgeschirr wäre bei ihnen eine Seltenheit und Stiefel erst recht. Bei den aufgeweichten Wegen käme man kaum noch vorwärts mit der schlechten Ausrüstung.
„I der Deubel!“ unterbrach Blücher plötzlich die Litanei. „Mit langen Redensarten wurde noch niemals ’n Stiebel jemacht. Was red’t Er denn? Wo uns Hunderttausende von den besten französischen Stiebeln freundlichst entgegentanzen und bloß dadruff warten, genommen zu werden! Wenn unsere Leute zu vornehm sind, um auf Pariser Sohlen zu laufen und sich die nicht holen können, wo sie da sind, dann können sie meinetwegen barfuß laufen! Und was den anderen Kram betrifft – die Mäntel und Patronentaschen und gar die Hosen –, das alles macht noch lange nicht den Soldaten! Die Leute, die da mit Piken und Sensen geübt und so die Griffe gelernt haben, die haben eben gewußt, wie saumäßig es um Preußen stand, und daß es ihm an Flinten und Stiebeln und Mänteln fehlte. Und sie sind doch gekommen und haben sich zum Dienst gestellt. Warum, denkt Er wohl? Nicht, damit Er mir hier noch eine Litanei vorbetet, sondern um Preußen all das zu verschaffen, was ihm fehlt – vor allem die Freiheit und den alten Besitz! Das andere – die Flinten und die Stiebel und der ganze Kram –, das kommt dann ganz von selbst. Und nun schere Er sich, und lasse Er mich ungeschoren. Dem General ist zu erwidern, daß es beim Marschbefehl bleibt. Er hat sich von Jauer zurück auf die Katzbach zu wenden und die vorgeschriebenen Stellungen bei Brechtelshof einzunehmen. Verstanden?“
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Der Major salutierte schweigend und ging. Und Blücher begab sich nach vollendeter Toilette hinaus, um die abmarschierenden Truppen zu inspizieren.
Sein geübtes Auge sah wohl alle Mängel und Gebrechen ihrer Ausrüstung, sah die beschmutzten, durchnäßten, frierenden und abgehetzten Kerle dastehen und fragende Blicke auf ihn richten – sah aber auch unverzagten Mut aus ihren Augen leuchten, als er vor der Front aufritt. Seine Blicke glitten prüfend von Mann zu Mann die Reihen entlang.
Es waren keine baumlangen Pommern oder Mecklenburger, sondern zumeist klein gewachsene, schmächtige Leute aus den schlesischen Weberdistrikten. Staat war mit ihnen nicht zu machen, aber sie würden schon anbeißen, wenn man nur verstände, im richtigen Ton zu ihnen zu sprechen, und ihnen gleich zu Gemüt zu führen wüßte, daß der Krieg keine Schule der Verzärtelung sei, und daß es dabei etwas Wichtigeres und Bedeutungsvolleres als Strapazen und Entbehrungen gäbe.
Und diesen Ton fand Blücher gleich.
Nachdem er die Reihen abgeritten war, hielt er vor der Front und rief in seiner jovialen Art, mit einem listigen Augenzwinkern, daß sich ein jeder sofort innerlich auf du und du mit ihm befand.
„Kerls, ihr seht aus wie die Schweine! Aber es macht nichts. Ihr habt doch die Franzosen geschlagen! Das ist aber nicht genug! Ihr müßt sie heute wieder schlagen, wie das Wetter und die Wege auch sind. Sonst sind wir alle beschissen! Guten Morgen, Kinder! Und nun frisch darauflos!“
Worauf er schmunzelnd über das donnernde Lachen, womit die Front für die Ansprache quittierte, sein Pferd herumwarf und zurück in sein Quartier galoppierte.
Dort erwartete ihn großer Ärger und Verdruß.
Yorck selbst war gekommen, um wegen des vielen „unnützen Hin- und Hermarschierens“ das Oberkommando zur Rede zu stellen, und war eben in heftigem Diskurs mit dem [pg 292]Generalstabschef Gneisenau, der vom Obersten Müffling getreulich sekundiert wurde.
Als er Blücher sah, wandte er sich gleich an ihn, und zwar in einem Ton, den dieser sich als Oberkommandierender keinesfalls gefallen lassen konnte.
„Und wenn der Teufel selbst das ganze Oberkommando gegen mich zur Attacke ritte – marschiert wird doch nicht, ehe ich nicht achtundvierzig Stunden gerastet habe!“ rief er ohne alle Einleitung Blücher zu. „Das ist das wenigste, was ich brauche, um meine Leute wieder schlagfertig zu haben. Das mögen sich die Herren Kraftgenies hier –“ er warf einen despektierlichen Blick auf die beiden Mithelfer Blüchers – „unter die Nase reiben! Und auch, daß ich dies kopflose Hin- und Hermarschieren, das sie meinen Leuten zumuten, ohne ihnen Ruhe zum Essen und Schlafen zu gönnen, daß ich das mit den Menschen Schindluder treiben nenne. Und dazu sind meine Preußen denn doch zu gut!“
Blücher verbat sich ein für allemal in der energischsten Weise sowohl diesen Ton wie auch jede Widerrede. Yorck und er seien wohl alte Waffengefährten, aber das entbinde ihn doch nicht von der Pflicht unbedingten Gehorsams seinem Vorgesetzten gegenüber. Zu befehlen habe hier allein er, Blücher. Er trüge auch allein die ganze Verantwortung für die gegebenen Befehle und verbäte sich eine jede Kritik.
„Herr General,“ sagte Yorck, noch aufgebrachter als vorhin, „ich pfeife auf die Waffenbrüderschaft, die sich solchermaßen in Erinnerung bringt. Und wer von uns beiden sein Handwerk besser versteht, darüber brauche ich mich hier auch nicht auszulassen. Zum Kommandieren gehört nicht nur das Amt, man muß es auch können. Und käme es nur d a r a u f an – wer weiß, wer von uns beiden jetzt hier dem anderen zu befehlen hätte! Mich kümmert aber all das weniger! Mich kümmert in erster Linie die große Verantwortung, die ich vor meinem König und meinem Vaterland für die mir anvertrauten Truppen habe.“
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„Uns nicht weniger!“ schrie Blücher zornesrot. „Darüber hinaus gibt es aber etwas, was ich militärische Notwendigkeit nenne. Wenn die ein Opfer verlangt, so bringe ich es unbedingt, und wenn es noch so schmerzlich wäre. Und trage die Verantwortung dafür allein und teile sie mit keinem!“
„Wenn aber die Soldaten vorher zu Tode gehetzt werden, wozu und inwiefern und mit welchem Nutzen will ein General dann jenes Opfer bringen? Wo nichts ist, ist auch nichts zu opfern, wie groß die militärische Notwendigkeit auch sein mag. Haben Sie, meine Herren, im Vorjahre die Trümmer der großen französischen Armee gesehen, als sie aus Rußland zurückkam? Und haben Sie dagegen meine Preußen gesehen, wie die aus dem gleichen Feldzug wiederkehrten? Meine Fürsorge für meine Leute war’s, die dem König von Preußen da eine ganze Armee bewahrte, wo alles andere zugrunde ging. Ohne diese meine Fürsorge hätte der General von Blücher in seiner schlesischen Armee heute keine Preußen zu kommandieren. Wäre mein Eigensinn, den die jungen Leute hier im Oberkommando so gern bekritteln – wäre der nicht gewesen – hätte ich nur den blinden Kadavergehorsam gegen Vorgesetzte gehabt, den man heute hier von mir verlangt, ich hätte mich nimmermehr getraut, dem Marschall Macdonald, der heute die Franzosen gegen uns führt, den Gehorsam aufzukündigen. Ich hätte an einem Strange mit ihm weitergezogen, und ich wäre niemals dazu gekommen, in Tauroggen meinen alten Kopf aufs Spiel zu setzen, um endlich eine reinliche Scheidung zwischen uns und den Franzosen zu machen.“
„Recht hatten Sie, Yorck“, sagte Blücher, dessen Augen leuchteten bei der Nennung des Tages von Tauroggen. „Aber jetzt sind Sie im Unrecht. Denn ich bin kein französischer Marschall, dem ein preußischer General meines Erachtens nimmermehr gehorchen kann, ohne vor sich selbst zu erröten. Ich bin hier der Oberkommandierende der schlesischen Armee, der hier im Namen des Königs befiehlt und sich Gehorsam zu verschaffen wissen wird, gleichviel ob ich [pg 294]persönlich oder durch meine Generalquartiermeister die Befehle erteile. Wobei eine Sache nicht zu vergessen ist, nämlich die: der General Yorck hat den russischen Feldzug a l s f r a n z ö s i s c h e r G e n e r a l mitgemacht. Das färbt ab. Wir aber sind da rein geblieben und haben es alle vorgezogen, den Dienst zu quittieren, statt mit dem Erbfeind gemeinsame Sache zu machen. Deshalb haben w i r hier das Kommando jetzt, wo es gegen den Franzmann geht, und haben es n i c h t n u r mit dem Vorrecht, das der Königliche Befehl uns gibt.“
Damit schnitt er jede weitere Erörterung ab, ging in sein Zimmer und hieß Gneisenau gleich zur Befehlsausgabe nachkommen.
Yorck aber, außer sich über die ihm zugefügte Kränkung, ging in sein Quartier, setzte sich hin und schrieb dem König einen langen Brief, in dem er um seinen Abschied bat und sein Gesuch ausführlich begründete.
Dann, als er den Brief abgesandt hatte, fügte er sich, befahl Aufbruch und ließ es sich sogar gefallen, daß ihm vom Oberkommando der Oberst Müffling beigegeben wurde, um ihn in die befohlenen Stellungen zu geleiten.
Blücher aber, mit Gneisenau allein geblieben, ging fluchend auf und ab.
„Himmeldonnerwetter!“ rief er. „Muß ich auch noch mit meinen Untergebenen um mein Kommando kämpfen! Das fehlte mir gerade noch!“
Er blieb vor Gneisenau stehen.
„Ich bin gewiß der letzte, die große Bedeutung von Yorcks Tat nicht anzuerkennen, als er es wagte, den Ängstlichen zum Trotz, sich mit seiner Armee gegen Napoleon zu erklären. Wenn er aber glaubt, deshalb das Recht zu haben, sich wie ein Bleigewicht an unsere Füße hängen zu dürfen, so irrt er sich. Ja, glauben denn er und seine Leute, daß wir blind und taub sind? Da kommen die Kerle her und machen mir was vor und erzählen m i r von der schlechten Ausrüstung! Die sehe ich ebensogut wie sie! Aber auch, daß wir uns schön hüten müssen, ihr so große Bedeutung bei[pg 295]zumessen, daß unsere Leute darob mutlos werden. Denn das hieße uns unserer einzigen guten Waffe: ihres felsenfesten Vertrauens auch noch zu berauben. Wenn ich den wackeren Kerlen in die Augen schaue und das reine lautere Gold glühender Vaterlandsliebe mir da entgegenfunkelt, da denke ich: hol’ mir der Teufel Flinten und Patronen! – D a s da ist unbezwinglich! Das siegt! Das fragt nach keiner Übermacht! Und auf die Leute wagen unsere russischen Bundesbrüder gar übermütig herabzublicken! Schockschwerenot – was haben die Russen geleistet, das ihnen die Berechtigung dazu gäbe? Die prahlen damit, wie sie im Vorjahre Napoleon besiegt haben – wo sie vor ihm gelaufen sind, bis der sich in seinem Übermut verrannte und nicht mehr heil aus ihren endlosen Steppen herauskonnte. Nun kommen sie her und tun dick, und setzen uns i h r e Führung auf die Nase und wollen uns auch das Ausweichen vor dem Herrn Napoleon beibringen! – Und unsere eigenen Leute – die besten unter ihnen, wie der alte Isegrim soeben, die helfen da brav mit. Der Geist des Rückzugs und der Flaumacherei geht bei uns mächtig um! Es ist höchste Zeit, daß wir ihm den Garaus machen, Gneisenau!“
Er schwieg.
Aller Ärger und alle Bitterkeit der letzten Jahre wurden wieder in ihm wach, und er durchlebte in einem kurzen Augenblick noch einmal die schrecklichste Zeit seines Lebens, die Zeit, wo er aus jeder liebgewordenen Tätigkeit verbannt, geächtet und von den braven Strebern gemieden leben mußte. Bis er endlich die Frühlingsluft der Befreiung witterte, seine Zeit gekommen fühlte und seine Stimme erheben durfte ohne Furcht, nicht mehr gehört zu werden.
„Mich juckt’s in allen Fingern, den Säbel zu ergreifen“, schrieb er da an seinen unvergeßlichen Freund Scharnhorst. „Wenn es jetzt nicht Seiner Majestät unseres Königs und aller übrigen deutschen Fürsten und der ganzen Nation Führnehmen ist, alles Schelmenfranzosenvolk mitsamt dem Bonaparte und all seinem ganzen Anhang vom deutschen Boden weg zu vertilgen: so scheint mich, daß kein deutscher [pg 296]Mann mehr des deutschen Namens werth sei. Jetzo ist es wiederum Zeit, zu dhun, was ich schon anno 9 angerathen, nämlich die ganze Nation zu den Waffen anzuberufen, und wann die Fürsten nicht wollen und sich dem entgegensetzen, sie samt dem Bonaparte wegzujagen. Denn nicht nur Preußen, sondern das ganze deutsche Vaterland muß wiederum heraufgebracht und die Nation hergestellt werden.“
Es „juckte“ ihn in allen Fingern, das ganze Heer, das ganze Volk blickte auf ihn wie auf den gegebenen Führer – und doch zauderte man, wie immer, oben und wagte nicht, einen frischen Entschluß zu fassen. Der „Haudegen“, der „Draufgänger“ könnte es ja zu sehr mit dem lieben Feind verderben. Eine Partei am Hofe schob, nicht ohne Aussichten, ihren Mann, den Grafen Tauentzien, als Kandidaten für den Oberbefehl vor. Und einzig und allein die rücksichtslose Energie Scharnhorsts war es, der es gelang, den Widerstand des Königs zu brechen.
Blücher wurde mit dem Oberkommando betraut, aber – denn an allen Entschließungen des Königs hing ein einschränkendes Aber, das teilweise ihre Wirkung aufhob – Blücher wurde unter russisches Oberkommando gestellt, und mit ihm das preußische Heer.
Der Oberbefehlshaber, der alte Kutusoff, der überhaupt nicht mit seinen Truppen das russische Gebiet verlassen wollte, tat der Sache der Verbündeten den Gefallen, gleich am Anfang des Feldzuges zu sterben. Aber sein Nachfolger, Wittgenstein, war, bei allem guten Willen, ein gänzlich unfähiger Feldherr. Er ließ Napoleon Zeit, seine Armeen zu vereinigen, verpaßte jede gute Gelegenheit, ihn zu überraschen, ließ die Preußen in nutzlosen Kleinkämpfen verbluten, sah im Rückzuge die einzig sichere Frucht der teuer erkauften Siege, und gab ihnen so die Färbung der Niederlage.
Der frische Ansturm der Frühlingsoffensive der Russen und der Preußen verpuffte. Die blutigen Schlachten bei Großgörschen und Bautzen waren umsonst geschlagen – die Schweden weigerten sich, die kaum befreiten Hansestädte vor [pg 297]Wiedereroberung durch die Franzosen zu bewahren – der König empfand schon die Situation „wie nach Jena und Auerstedt“, und erst der plötzlich von Napoleon angebotene Waffenstillstand machte dem Zurückgehen der Alliierten nach der Weichsel ein Ende. Er dämpfte aber auch die lodernde Begeisterung, die die Erhebung getragen hatte, zu dumpfer Verzweiflung. Und die während des Waffenstillstandes einsetzenden diplomatischen Verhandlungen waren nicht dazu geeignet, sie wieder zu entfachen.
Die Herren Diplomatiker rieben ihre klugen Schädel aneinander und brachten einen Friedensvorschlag zustande, dessen Bedingungen in der Hauptsache Räumung aller preußischen Festungen seitens der Franzosen waren, sowie Rückgabe von Danzig an Preußen und von den illyrischen Provinzen an Österreich, Auflösung des Herzogtums Warschau und dessen Teilung zwischen Rußland, Österreich und Preußen, und außerdem die volle Wiederherstellung der Hansestädte. Die Auflösung des Rheinbundes und die Wiederherstellung Preußens regte man wohl an, wagte sie aber nicht zur Bedingung zu machen. Und Napoleon tat trotzdem den „Mächten“ den großen Gefallen, auf diese für sie – aber nicht für ihn – ungünstigen Bedingungen nicht einzugehen. Der faule Friede unterblieb, die Diplomatie wich wieder dem Schwerte, Österreich trat der Allianz bei, und von allen Bergen loderten Freudenfeuer auf und bekundeten das Ende des Waffenstillstandes und die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten.
Blücher aber brauchte sich nicht noch einmal von den russischen Generälen gängeln zu lassen. Ihm wurde der Oberbefehl über die aus einem preußischen und zwei russischen Korps gebildete Schlesische Armee gegeben. Und da die Monarchen sich alle unter die Obhut der unter Schwarzenberg von Böhmen aus operierenden Hauptarmee begaben, so hatte er das große und unerhoffte Glück, diese Gesellschaft mit ihren jede freie Bewegung behindernden Erwägungen und ihrem Gefolge von Besserwissern los zu sein, was seine Siegeshoffnung nicht wenig stärkte.
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Freilich – einer fehlte, dessen Verlust ihm einer verlorenen Schlacht gleichkam: Scharnhorst, der durch seinen unermüdlichen Tätigkeitsdrang und seinen Diensteifer seine in der Schlacht bei Großgörschen erhaltene Wunde vernachlässigt hatte und daran starb, gerade als er am nötigsten war.
Der Schmerz über diesen Verlust war schwer und andauernd. Er seufzte beim Gedanken an den verlorenen Freund auf und umfaßte dessen Nachfolger und früheren treuen Mithelfer mit einem zärtlich-dankbaren Blick, daß wenigstens e r ihm geblieben war.
„Na, Gneisenau“, sagte er gutmütig, und es kam ein Ton warmer Hoffnungsfreudigkeit in die Stimme, „jetzt gilt’s, die Zaghaften im Lande von ihren bösen Träumen zu erwecken. Ein Donnerschlag, Gneisenau, der ihnen den Nebel aus den Köpfen verscheucht, so daß sie wagen geradeheraus zu sehen und zu denken! Eine fröhlich schmetternde Siegesfanfare, die den gesunkenen Mut wiederbelebt! Eine Tat, die unsere schlechten Waffen gut macht und zu Ehren bringt! Vorwärts, an die Arbeit, Gneisenau!“
Dann ließ er sich die Meldungen von den Avantgarden seiner Korps vorlegen. Aus denen ging hervor, daß der Feind auf den Höhen jenseits der Katzbach, von Goldberg bis Liegnitz, lagerte, aber nicht, ob er vorrückte oder an Zurückgehen dachte.
„Auf alle Fälle greifen wir an“, entschied der General.
Yorck erhielt den Befehl, von Jauer bis nach Schlauphof an der in die Katzbach einfallenden Wütenden Neiße vorzurücken und sich da, von den Uferhöhen gedeckt, in Kolonnen aufzustellen. Die Russen auf dem rechten Flügel unter Sacken sollten die feindliche Front bei Liegnitz festhalten – die Russen auf dem linken Flügel unter Langeron, die links von der Wütenden Neiße von Hennersdorf bis zum Gebirge standen, müßten über die Katzbach auf Goldberg, Yorck in der Mitte gerade nordwärts bei Kroitsch die Katzbach überschreiten.
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Die Befehle flogen den Kommandierenden zu und lösten bei ihnen verschiedene Gefühle aus – aber als Allerletztes das des Gehorsams.
Sacken allein erwiderte dem Offizier, der ihm Blüchers Befehle überbrachte: „Grüßen Sie den General: hurra!“
Aber sein Landsmann Langeron, der im Türkenkriege selbständig kommandiert hatte, der sich ungern dem Oberkommando Blüchers fügte und sich als bestellter Aufpasser des Hauptquartiers über ihn fühlte, da man ihm von dort stets geheime Mitteilungen von den Instruktionen an Blücher gab, dieser französische Emigrant erklärte kurzweg, er dürfe sein Korps nicht aufs Spiel setzen.
Und Yorck wetterte und fluchte und tat einen Schwur: „eher werde er seinen Degen zerbrechen, als über die Katzbach gehen!“
Kurz: mit der Disziplin bei den höheren Führern der Armee war’s übel bestellt.
Der General Langeron war sogar noch weiter gegangen. Er kalkulierte, trotz aller Befehle vorzugehen, daß es weder einen Angriff noch eine Schlacht geben würde, sondern, wie im Frühlingsfeldzug, einen frischen, fröhlichen Rückzug, und hatte, in weiser Fürsorge, bereits seine schwere Artillerie nach rückwärts auf Jauer vorausgesandt. Durch diese Maßnahme fehlte sie ihm nachher in der Schlacht.
Nach den ausgegebenen Dispositionen Blüchers wurde aber an dem Tage überhaupt nicht gearbeitet.
Denn auch der Feind parierte nicht. Er blieb nicht wacker in seinen Stellungen stehen, um auf den Besuch zu warten, sondern überschritt unvermutet die Katzbach einige Stunden, ehe die Schlesische Armee es tun sollte, und enthob so deren Obergeneral der Pflicht, seine obstinaten Unterführer dazu zu zwingen.
Der Marschall Macdonald glaubte bestimmt die Schlesische Armee auf dem Rückzug, und er hatte ja, nach den bisherigen Erfahrungen mit der Kriegführung der Alliierten, allen Anlaß dazu. Um so mehr, da sie wirklich vor einigen Tagen zurückgewichen waren, als Napoleon selbst mit seinen [pg 300]Garden die Angriffsarmee verstärkt hatte. Jetzt war der Kaiser nach Dresden zurückgeeilt, um sich der Hauptarmee der Alliierten entgegenzuwerfen, und überließ Macdonald allein die Verfolgung. Weit auseinandergezogen gingen die Franzosen zu diesem Zweck vor – und stießen zu ihrer nicht geringen Überraschung auf die Blüchersche Armee, die in voller Schlachtordnung aufmarschierte.
Man war beiderseits sehr überrascht über die Begegnung. Der Himmel gab seinen Segen dazu, indem es wie seit Wochen in Strömen goß.
Frischer Mut und frohe Laune bei andauernd schlechtem Wetter ist nicht jedermanns Sache.
Wenn der Himmel beständig voll grauer Wolken hängt, wenn Tag für Tag kaum einmal ein Glimt von der Lichtspenderin zu merken und ein Ende der Sintflut nicht abzusehen ist, dann schrumpft die Hoffnung zusammen, frohe Zuversicht wandelt sich in bleiche Verzagtheit, und der Mensch möchte sich am liebsten in irgendeine Höhle verkriechen und da, in Erwartung besserer Zeiten, hindämmern, ohne noch die Hand zu rühren, um sie herbeiführen zu helfen.
Gegen die Elemente ist Menschenwille machtlos. Und eine Welt, in der es immerfort regnet, verlohnt sich nicht zu erobern.
So kam es wohl, daß ein aus Oberschlesiern bestehendes Bataillon nicht stehen wollte, als einige Kanonenkugeln ihnen die ersten Grüße Frankreichs aus den Schluchten hinaufsandte, die zur Wütenden Neiße hinabführten. Die Schlesier gaben gleich Fersengeld und waren schon im Begriff, die anderen Bataillone in Unordnung zu bringen, als der Führer der Avantgarde einige Kanonen auf sie richten ließ und sein Ehrenwort gab, ihnen auch deutsche Kugeln zu kosten zu geben, wenn sie sich von der Stelle rührten. Das wirkte Wunder. Die Leute hielten sich nachher im dichtesten Kugelregen wie alte, kriegsgewohnte Soldaten, und die Ehre der schlesischen Landwehr war gerettet.
Der Feind war über die Katzbach das Tal der Wütenden Neiße heraufgekommen, breitete sich von Schlauphof bis [pg 301]zu Dohnau aus und drang nun durch die engen Schluchten nach dem Plateau hinauf, ohne zu ahnen, daß er da oben die Hauptmasse der Schlesischen Armee versammelt finden würde. Blücher beschloß, ihn heraufkommen zu lassen und sich dann auf ihn zu werfen und ihn wieder in die Schluchten hinabzustürzen.
Yorck stellte seine Bataillone auf, aber nicht schnell genug und vielleicht nicht ganz vorschriftsmäßig gerichtet. Denn das Oberkommando, vom Obersten Müffling vertreten, fand daran zu tadeln. Der alte Yorck wiederum fand, daß er es nicht nötig hätte, sich von Herrn von Müffling sagen zu lassen, wie er seine Bataillone an den Feind zu bringen hätte. Und inzwischen avancierte der Feind, ohne sich um die Kunststücke zu kümmern.
Schließlich hatte Yorck seine Truppen in schlachtmäßiger Ordnung. Selbst führte er die Brigade Hühnerbein am linken Flügel, Horn mit seiner Brigade den rechten. Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz hielt die zweite Linie, Steinmetz’ Brigade war in Reserve, die Reservekavallerie hinter dem ersten Treffen. Und allen voran die Artillerie in vollem Feuern.
Der Feind wich – die Kavallerie fand die Zeit gekommen, ihm auf den Leib zu rücken, und jagte in die feindliche Geschützlinie hinein, weit über sie hinaus, nahm Kanonen, hieb Karrees zusammen, geriet aber bald selbst in Auflösung und mußte zurück, als feindliche Reiterei in geschlossenen Massen ihr entgegentrat. Das gab eine Jagd in umgekehrter Richtung, die allerlei Verwirrung verursachte. Mehrere preußische Batterien gingen verloren, die Chasseurs sausten zwischen die Bataillone des rechten Flügels hinein, Yorck klagte schon, daß ihm der sichere Sieg aus der Hand gewunden würde.
Und immerfort regnete es in Strömen. Die Munition bei Freund und Feind wurde in gleich neutraler Weise vom Himmel durchnäßt, die Flinten schossen wirklich, wie Blücher vorausgesagt hatte, ebensogut ohne wie mit Zündlöchern – das heißt: kein Schuß ging ab, weder bei den Franzosen [pg 302]noch bei den Preußen. Bajonette und Kolben, Lanzen, Säbel und Piken machten da ganze Arbeit. Denn auch die Kanonen brummten nur mäßig in der dicken, feuchten Luft. Es war die stillste Schlacht, die man sich denken konnte, und doch eine der blutigsten und wütendsten des ganzen Krieges.
Schließlich gelang es der Infanterie, durch raschen Seitenangriff, der französischen Kavallerie Herr zu werden. Die russischen Husaren warfen sie weiter zurück, Sacken schwenkte, die feindliche Front überholend, rechts ein. Da gab Blücher Befehl zum allgemeinen Angriff. Er setzte sich selbst an die Spitze der Kavallerie, Yorck führte die Infanterie, und vor der Wucht des Anpralls hielten die Franzosen nicht mehr stand. Mit blutigen Köpfen kamen sie die Schluchten nach der Wütenden Neiße und der Katzbach wieder herunter, und diese Gebirgsbäche, vom Regen angeschwollen, machten gemeinsame Sache mit den Landeskindern und ließen die wenigsten von den Feinden lebend wieder hinüber! Zu Tausenden ertranken sie in den angeschwollenen Fluten. Die preußischen und russischen Kugeln schlugen in die Massen hinein, die sich über die Brücken drängten. Es war ein Sieg, wie sich der alte Blücher ihn nicht glänzender wünschen konnte.
Nur auf dem links von der Wütenden Neiße aufgestellten linken Flügel der Armee unter Langeron gab es einige „Schweinerei“, die fast den Erfolg des Tages auf das Spiel gesetzt hätte.
Man hatte sich da vom Feind zurückdrängen lassen und war gar im Begriff, aus der vorzüglichen, alles beherrschenden Stellung bei Hennersdorf abzuziehen, als Yorck, nach der Entscheidung rechts von der Wütenden Neiße, die Brigade Steinmetz nach dem linken Ufer hinüberschickte, die Gefechtslage dort wiederherstellte, Monsieur Langeron in die Offensive zwang und mit ihm zusammen auch hier den Feind warf.
Achtzehntausend Gefangene, drei Generäle und eine Menge Stabsoffiziere, hundertdrei Kanonen, zweihundert[pg 303]fünfzig Munitionswagen, Lazarette, Feldschmieden, zwei Adler und andere Trophäen waren die Beute.
Die moralische Wirkung auf die Armee war aber ungeheuer, und die wichtigste Errungenschaft des Sieges. Die bockbeinigen Herren Untergeneräle mußten nolens volens, sich vor dem Glück beugend, die Überlegenheit einer Führung, die vom Himmel so gut bedient wurde, anerkennen.
Allein Blücher selbst machte sich in seiner rebellischen Art über seine eigene Strategie lustig.
„Na, Gneisenau,“ sagte er plötzlich zu dem neben ihm reitenden Generalquartiermeister, als sie sich am Abend in strömendem Regen nach dem Hauptquartier in Brechtelshof zurückbegaben, „die Schlacht hätten wir gewonnen, das kann uns eine ganze Welt von Theoretikern nicht abstreiten. Nun laß uns auch mal daran denken, was wir klugerweisse zusammenbringen, um den Leuten klarzumachen, w i e wir sie gewonnen haben. – Diesmal muß Er die Strategie eben nachträglich zurechtmachen. Einen Plan müssen wir gehabt haben! Das geht nicht anders! Was werden die Strategen sonst von uns sagen, wenn wir uns erfrechen, so gegen alle Regel eine Schlacht gewonnen zu haben?“
*
Im Schloß des Grafen Hohenthal zu Wartenburg war der Bankettsaal hell erleuchtet.
Um die Tafeln eine ernste Gemeinde.
Ein blutiger Tag war zu Ende. Man feierte einen glänzenden Sieg –, erfreute sich des Gelingens eines kühnen strategischen Manövers, von dem eine entscheidende Wendung des ganzen Feldzuges zu erhoffen war.
Aber immer noch stand die Hauptmacht Napoleons ungebrochen da. Immer noch flatterten die dreifarbigen Fahnen über der Hauptstadt seines sächsischen Vasallen. Die Marseillaise schmetterte noch sieghaft wie bisher und behauptete das Feld gegen die fremden Klänge, die rebellische Rhythmen in das Konzert zu werfen suchten.
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Von allen Seiten kam das Echo feindlich gefärbt zurück – aus den böhmischen Bergen – aus der Lausitzer Gegend und nördlich von der Elbe, kräftig genug, um der Welt zu zeigen, daß die Todesstunde der französischen Alleinherrschaft geschlagen hatte.
Die Rollen waren vertauscht.
Jetzt war Napoleon nicht mehr der wilde Jäger, vor dem alles auswich und vor dessen Ungestüm alles erlag. – Jetzt war er selbst das gehetzte Wild, noch furchtbar, wo seine Pranke traf, aber nicht mehr als Sieger Gesetze gebend.
Dem ersten Ansturm des aus Böhmen vorbrechenden Hauptheeres der Verbündeten bot er siegreich Halt, schlug es bei Dresden entscheidend und warf es ins Gebirge zurück. Und triumphierend jubelte die Marseillaise.
Aber aus allen Himmelsrichtungen antworteten die Hörner der Jäger mit noch stärkeren Siegesklängen.
Bei Kulm war das ganze verfolgende Korps Vandammes vernichtet – an der Katzbach Macdonald von Blücher aufs Haupt geschlagen worden. Auch der Fürst von der Moskwa, Ney, und der Marschall Oudinot holten sich bei Großbeeren und Dennewitz derbe Schläge von den Untergenerälen des zaghaften Kommandierenden der Nordarmee, des zum Kronprinzen von Schweden avancierten Bernadotte – Niederlagen, die die französische Stellung an der Elbe, trotz Beherrschung der Elbfestungen, in Frage stellten.
Noch aber war die Lage nicht kritisch geworden.
Die Nordarmee der Verbündeten hielt sich vorsichtig zurück und nützte ihre Siege nicht aus. Die Hauptarmee drückte sich noch immer in den böhmischen Bergen herum und wartete auf Verstärkungen. Da brachte Blücher Bewegung in das Ganze und zwang seine zögernden Mitarbeiter aus ihrer Zurückhaltung heraus.
Er kümmerte sich den Teufel um die Hilferufe seines weit stärkeren Waffenbruders Schwarzenberg, ließ die Hauptarmee Hauptarmee sein, schickte ihr nicht einmal einen Knopf von den erbetenen fünfzigtausend Mann Verstärkungen hin, marschierte statt links, wie man’s wünschte, rechts [pg 305]ab, wie er selbst es wollte, nach Nordwest, die Elbe abwärts, an der französischen Hauptmacht vorbei, täuschte inzwischen Napoleon durch eine plötzliche Diversion des Sackenschen Korps auf Meißen, stellte diese und noch andere russische Truppen nördlich der Elbe als schützende Kulisse auf, hinter der er mit der Hauptmacht seiner Schlesischen Armee bis in die Gegend von Wittenberg ziehen konnte. Dort ging er über die Elbe, stand mit einem Schlag im Rücken der französischen Armee, bedrohte die rückwärtigen Verbindungen Napoleons, manövrierte so diesen mit kühnem Griff aus Dresden heraus und von der Elbe fort, und brachte zugleich Schwarzenberg vom Süden und Bernadotte aus dem Norden in Bewegung. Denn jetzt mußten sie folgen und helfen, den Ring um das Edelwild noch dichter zu schließen.
Im Schlosse zu Wartenburg tafelte Blücher mit seinen Offizieren nach glücklich erkämpftem Elbübergang.
Der große Bankettsaal war hell erleuchtet.
In Kronen und Ampeln flammten die Kerzen. Durch die Löcher in den Wänden und durch die zerschossenen Fensterscheiben funkelten die Sterne des Himmels herein.
Ernst waren die Gesichter der Tafelnden und leise die Unterhaltung. Ein jeder lauschte auf die gedämpften Trommelwirbel von draußen, wo in der Abenddämmerung die Gefallenen bestattet wurden, die um den Sieg ihr Leben gelassen hatten.
Blücher selbst, sonst eitel Frohmut und Laune, saß heute nachdenklich da.
Das Gelingen seines kühnen Unternehmens erfüllte ihn wohl mit Genugtuung. Aber der hohe Preis des Sieges, das viele kostbare Blut, das heute hatte fließen müssen, stimmte die Siegesfreude in Trauerklänge um.
Plötzlich ergriff er sein Glas und erhob sich von seinem Platz.
Feierlicher Ernst lag auf seinem Gesicht, seine Augen schimmerten in feuchtem Glanz, und in der Stimme zitterte ein Ton tiefster Bewegung, als er anhub:
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„Lasset uns unsere Toten begraben. Widmen wir ein Glas den vielen namenlosen Helden, die bis heute ihr Blut für die Befreiung unseres Vaterlandes aus fremder Gewalt vergossen haben. Ein Name mag da für alle gelten. Denn er, der ihn trug, war auch der Geringsten einer. Aus den ärmlichen Verhältnissen nahm er seinen Aufstieg zur Höhe, wo jäh seine Laufbahn endete, und zeugt so davon, daß nur wer vom Volke geboren wurde, dem Volke Befreier werden kann.
Er wurde es.
Ihm, seinem Geiste, seinem unermüdlichen Schaffen verdanken wir, wenn wir jetzt dastehen, wo wir heute sind, und hoffen können, das hohe Ziel zu erreichen, für das wir alle unser Leben geben wollen.
Was das heißt, brauche ich keinem von euch zu sagen. Wir alle wissen, daß wir als Volk so tief gesunken waren, daß die große Masse dem Unglück, das unser Vaterland bis zur Grenze der Vernichtung niederwarf, fast teilnahmslos gegenüberstand. Wir sind alle Zeugen der jähen Wandlung – wir haben das Aufflammen der Begeisterung miterlebt, das hoch wie niedrig ergriff und zu Heldentaten befähigte, von denen wir heute wiederum staunende und ergriffene Zeugen gewesen sind.
Wer schuf sein Leben lang in stiller emsiger Arbeit die Waffe zu solcher Tat? Wer lehrte sie uns gebrauchen? Wer war uns Freund, Organisator und Mitstreiter, ohne zu ermüden, ohne sich Ruhe zu gönnen – auch nicht als er, zu Tode verwundet, Erholung und Pflege haben mußte? Sei getreu bis in den Tod – dies hehre Gebot erfüllte er ohne Zagen als erste und selbstverständliche Pflicht.
Was befähigte ihn dazu, was trug ihn und uns mit ihm durch alle Niederungen der Knechtschaft zur Freiheit empor?
Es war der zähe, durch nichts zu besiegende Widerstandsgeist unseres Volksstammes, der wohl gebeugt, aber nimmermehr gebrochen werden kann, und der, wenn es um das Heiligste auf Erden geht: um das Recht, frei unter [pg 307]freien Völkern sein Haupt aufrecht zu tragen, in flammendem Zorn emporlodert, um unwiderstehlich, wie das heilige Donnerwetter selbst, alles hinwegzufegen, was sich erdreistet, sich dem in den Weg zu stellen!
Dieser Geist hat sich heute wieder herrlich offenbart –“
Blücher schwieg bewegt. Denn wieder rollten in langsamem Zeitmaß langgedehnte Trommelwirbel gedämpft herein, wie um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen.
„Die Trommel geht,“ rief er dann ergriffen, „sie mahnt unseren Sinn, ins Jenseits zu blicken. Dort ziehen jetzt in endloser Schar die Geister unserer gefallenen Brüder vorüber. Immer dichter drängen sie an den Thron des Herrn aller Heerscharen heran und empfangen als Lohn für ihr Opfer die Weihe, fortan, von jeder leiblichen Schwere unbehindert, mit uns zu streiten, um unsere heilige Sache zum Siege zu führen.
Wir hienieden sind alle gering gegen sie. Ich selbst weiter nichts als ein Handwerker, der die aufgegebene Arbeit geleistet hat.
Wer aber alles so bereitet hat, daß wir anderen hier den Erfolg haben konnten, das war jener, von dem ich hier geredet habe –“
Er wandte sich mit den Worten an den jungen Leutnant von Scharnhorst und winkte ihn näher.
„Das war Ihr Vater“, setzte er seine Ansprache fort. „Denn er und kein anderer hat jedem Sieg, den wir erstritten, vorgearbeitet, er hat in Reih’ und Glied mit den anderen dafür gekämpft, sein Leben eingesetzt und verloren, wie der Geringste unter denen, deren Heimgang wir betrauern. Blicke herab, verklärter Geist unseres Scharnhorst, und vernimm es, wie wir alle hier in die Hand deines Sohnes geloben, dir nachzueifern in Wort und Tat, bis wir das deutsche Vaterland von den Feinden und Unterdrückern befreit und den preußischen Namen wieder zu Ehren gebracht haben.“
[pg 308]
Damit zog er den Sohn Scharnhorst an seine Brust und küßte ihm die Stirn. Die anderen traten ergriffen an den jungen Offizier heran und bekräftigten mit stummem Handschlag die Worte ihres Führers.
*
Im Schlosse zu Köthen saß der Kronprinz Karl Johann von Schweden, alias Marschall Bernadotte, bei der Morgentoilette. Die geschickten Hände seines Kammerdieners befreiten seine, trotz den fünfzig Jahren, immer noch rabenschwarzen Locken von den unzähligen Papillotten, in die sie über Nacht gewickelt waren, und ordnete sie in dekorativem Wirrwar um das scharf geschnittene Profil herum, das so recht dazu geeignet war, auf Münzen und Medaillen majestätisch zu wirken.
Zur Münze geschlagen, hält der Mensch den Mund, und das ist bei manchem gekrönten Haupt entschieden von Vorteil.
Noch war der Advokatensohn aus Pau ja nicht so weit in der Karriere gediehen. Er plapperte also rüstig drauflos.
Sein schwedischer Adjutant, der in ehrfurchtsvoller Haltung wartete, bekam einen Erguß über alles mögliche, was die neugefürstete Seele seines Gebieters momentan bewegte.
„Wir schreiben also sofort an den General Blücher, daß der Kaiser Napoleon auf das rechte Elbufer übergegangen ist, unsere Rückzugslinie ernstlich bedroht und uns nötigt, zu retirieren und über die Elbe zurückzugehen. – Wir fordern den General auf, uns mit der Schlesischen Armee zu folgen. Und, damit er es auch tut –, deuten Sie ihm an, wir hätten uns bei dem Kriegsrat in Trachenberg von den Monarchen zusichern lassen, gegebenenfalls und insbesondere bei gemeinsamen Unternehmungen auch über ihn und seine Armee den Oberbefehl zu führen.“