Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Eduard Mörike · Anhang

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Das Stuttgarter Hutzelmännlein

Einleitung.

Das

 

Stuttgarter Hutzelmännlein

 

Märchen von

 

Eduard Mörike

 

Herausgegeben und mit einer Einleitung

versehen von

Prof. Dr. Edm. v. Sallwürk

 

Leipzig

Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.

Einleitung.

 

Eduard Mörike, 1804 in Ludwigsburg geboren, 1875 in Stuttgart gestorben, ist

zuerst mit einem Prosawerk, dem Roman „Maler Nolten“ in die Literatur

eingetreten. Technisch stand er damals, vor 1832, vor allem im Bannkreis der

Novellistik des alternden Goethe und der Romantik, während er sich durch den

Inhalt seines Buches als selbständige Kraft bewies. Auch die kleinen Novellen,

die er dann zum Teil in Zeitschriften veröffentlichte, bedeuteten noch nicht den

Hauptschlag, der seinen Ruhm als Dichter hätte begründen können. Erst durch

die Herausgabe seiner Gedichte übernahm er als Lyriker die Nachfolge Goethes.

Da er aber durch und durch von Stimmungen abhängig war und eine gewaltsame

Leistung von sich nicht fordern konnte, trat in der Höhe seines Lebens ein

Stillstand der Produktion ein, der befürchten ließ, daß sein dichterisches

Ingenium versiegt sei. Aber in angenehmer und geistig regsamer Umgebung zu

Stuttgart fand er wieder Lust und Kraft zur Arbeit und er schrieb „Das

Stuttgarter Hutzelmännlein“, das 1853 im Frühjahr bei dem Verleger des

„Nolten“, Schweizerbart, erschien. Schon in die Zeit, wo er Pfarrer in

Cleversulzbach war (1834-1843), fällt das Erwachen der Idee des Märchens,

aber erst 1852 wurde es geschrieben, und im November dieses Jahres erprobte

der Dichter die Wirkung der neuen Arbeit in den Vortragsabenden, die er für die

Museumsgesellschaft in Stuttgart hielt. Mörike war zunächst um die Aufnahme

bang, die das Werkchen erfahren würde; bald aber liefen von allen Seiten

begeisterte Äußerungen der Freude bei ihm ein. Das Büchlein wurde viel

verlangt und erfuhr bald eine neue Titelauflage, der weitere folgten.

Der Geist der Erzählung ist den mittelalterlichen Volksbüchern entnommen

und so geschickt in allen Einzelheiten festgehalten, daß selbst ein so genauer

Kenner der deutschen Literatur wie Uhland zunächst glaubte, eine Bearbeitung

alten Sagenstoffs vor sich zu haben, während Mörike einzig aus den Quellen

seiner Phantasie geschöpft hatte. In treuherziger, gemütlicher Art schildert er,

was er zu sagen hat und opfert dem künstlerischen Behagen gern zuweilen die

Rücksicht auf eine straffe Komposition. So ist die eingefügte reizende „Historie

von der schönen Lau“ zwar eine selbständige Erzählung im Rahmen des Ganzen, aber in der liebenswürdigsten Art eingeführt und schließlich auch künstlerisch

fein mit dem Gang der Handlung verknüpft. Dies Märchen entzückte vor allem

einen mit Mörikes Geistesrichtung innig vertrauten deutschen Meister, den

Münchner Maler Moriz von Schwind, so sehr, daß er voll Lust und Freude

sieben Umrißzeichnungen dazu fertigte, die eine feinsinnige, selbständig

wertvolle Huldigung für den Dichter bedeuten. Eine solche Begeisterung ist

wohl begreiflich, denn der Dichter zeigt sich hier auf der höchsten Höhe seiner

Kunst; er hat die beengende Abhängigkeit von Vorbildern geradeso abgestreift,

wie er darauf verzichtet, einem schulmäßigen Programm Genüge zu tun.

Vielmehr folgt er nur den Geboten einer selbstsichern, vollendeten Kraft, die

sich selbst Gesetz ist. So ist das Büchlein, das hiermit den weitesten Kreisen

zugänglich gemacht wird, ein Meisterwerk der Dichtung geworden und als

solches geeignet, den fröhlichen und herzlichen Grundcharakter von Mörikes

Dichtung ins hellste Licht zu setzen.

 

Edmund von Sallwürk.