Der Goldene Topf

E. T. A. Hoffmann · Kapitel 6 von 12

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Der Goldene Topf

Sechste Vigilie

 

Der Garten des Archivarius Lindhorst nebst einigen Spottvögeln. —

Der goldene Topf. — Die englische Kursivschrift. — Schnöde

Hahnenfüße. — Der Geisterfürst.

 

Es kann aber auch sein, sprach der Student Anselmus zu sich selbst, daß der

superfeine starke Magenlikör, den ich bei dem Monsieur Conradi etwas begierig

genossen, alle die tollen Phantasmata geschaffen, die mich vor der Haustür des

Archivarius Lindhorst ängsteten. Deshalb bleibe ich heute ganz nüchtern und

will nun wohl allem weitern Ungemach, das mir begegnen könnte, Trotz bieten.

— Sowie damals, als er sich zum ersten Besuch bei dem Archivarius Lindhorst

rüstete, steckte er seine Federzeichnungen und kalligraphischen Kunstwerke,

seine Tuschstangen, seine wohlgespitzten Rabenfedern ein, und schon wollte er

zur Tür hinausschreiten, als ihm das Fläschchen mit dem gelben Likör in die

Augen fiel, das er von dem Archivarius Lindhorst erhalten. Da gingen ihm

wieder all' die seltsamen Abenteuer, welche er erlebt, mit glühenden Farben

durch den Sinn, und ein namenloses Gefühl von Wonne und Schmerz

durchschnitt seine Brust. Unwillkürlich rief er mit recht kläglicher Stimme aus:

»Ach, gehe ich denn nicht zum Archivarius, nur um Dich zu sehen, Du holde

liebliche Serpentina?« — Es war ihm in dem Augenblick so, als könne

Serpentina's Liebe der Preis einer mühevollen gefährlichen Arbeit sein, die er

unternehmen müßte, und diese Arbeit sei keine andere, als das Kopieren der

Lindhorstischen Manuskripte. — Daß ihm schon beim Eintritt ins Haus, oder

vielmehr noch vor demselben allerlei wunderliches begegnen könne, wie

neulich, davon war er überzeugt. Er dachte nicht mehr an Conradi's

Magenwasser, sondern steckte schnell den Likör in die Westentasche, um ganz

nach des Archivarius Vorschrift zu verfahren, wenn das bronzierte Äpfelweib

sich unterstehen sollte ihn anzugrinsen. — Erhob sich denn nicht auch wirklich

gleich die spitze Nase; funkelten nicht die Katzenaugen aus dem Türdrücker, als

er ihn auf den Schlag zwölf Uhr ergreifen wollte? — Da spritzte er, ohne sich

weiter zu bedenken, den Likör in das fatale Gesicht hinein, und es glättete und

plättete sich augenblicklich aus zum glänzenden kugelrunden Türklopfer. Die

Tür ging auf, die Glocken läuteten gar lieblich durch das ganze Haus: klingling

— Jüngling — flink — flink — spring — spring — klingling. — Er stieg getrost

die schöne breite Treppe hinauf und weidete sich an dem Duft des seltenen Räucherwerks, der durch das Haus floß. Ungewiß blieb er auf dem Flur stehen,

denn er wußte nicht, an welche der vielen schönen Türen er wohl pochen sollte;

da trat der Archivarius Lindhorst in einem weiten damastenen Schlafrock heraus

und rief: »Nun es freut mich, Herr Anselmus, daß Sie endlich Wort halten,

kommen Sie mir nur nach, denn ich muß Sie ja doch wohl gleich ins

Laboratorium führen.« Damit schritt er schnell den langen Flur hinauf und

öffnete eine kleine Seitentür, die in einen Korridor führte. Anselmus schritt

getrost hinter dem Archivarius her; sie kamen aus dem Korridor in einen Saal

oder vielmehr in ein herrliches Gewächshaus, denn von beiden Seiten bis an die

Decke hinauf standen allerlei seltene wunderbare Blumen, ja große Bäume mit

sonderbar gestalteten Blättern und Blüten. Ein magisches blendendes Licht

verbreitete sich überall, ohne daß man bemerken konnte, wo es herkam, da

durchaus kein Fenster zu sehen war. So wie der Student Anselmus in die Büsche

und Bäume hineinblickte, schienen lange Gänge sich in weiter Ferne

auszudehnen. — Im tiefen Dunkel dicker Zypressenstauden schimmerten

Marmorbecken, aus denen sich wunderliche Figuren erhoben, Kristallstrahlen

hervorspritzend, die plätschernd niederfielen in leuchtende Lilienkelche;

seltsame Stimmen rauschten und säuselten durch den Wald der wunderbaren

Gewächse, und herrliche Düfte strömten auf und nieder. Der Archivarius war

verschwunden und Anselmus erblickte nur einen riesenhaften Busch glühender

Feuerlilien vor sich. Von dem Anblick, von den süßen Düften des Feengartens

berauscht, blieb Anselmus festgezaubert stehen. Da fing es überall an zu kichern

und zu lachen und feine Stimmchen neckten und höhnten: Herr Studiosus, Herr

Studiosus! wo kommen sie denn her? warum haben Sie sich denn so schön

geputzt, Herr Anselmus? — Wollen Sie eins mit uns plappern, wie die

Großmutter das Ei mit dem Steiß zerdrückte und der Junker einen Klecks auf die

Sonntagsweste bekam? Können Sie die neue Arie schon auswendig, die Sie vom

Papa Starmatz gelernt, Herr Anselmus? — Sie sehen recht possierlich aus in der

gläsernen Perücke und dem [den] postpapiernen Stülpstiefeln! — So rief und

kicherte und neckte es aus allen Winkeln hervor, ja dicht neben dem Studenten,

der nun erst wahrnahm, wie allerlei bunte Vögel ihn umflatterten und ihn so in

vollem Gelächter aushöhnten. — In dem Augenblick schritt der Feuerlilienbusch

auf ihn zu, — und er sah, daß es der Archivarius Lindhorst war, dessen

blumigter in gelb und rot glänzender Schlafrock ihn nur getäuscht hatte.

»Verzeihen Sie, werter Herr Anselmus,« sagte der Archivarius, »daß ich Sie

stehn ließ, aber vorübergehend sah ich nur nach meinem schönen Kaktus, der

diese Nacht seine Blüten aufschließen wird — aber wie gefällt Ihnen denn mein

kleiner Hausgarten?« — »Ach Gott, über alle Maßen schön ist es hier,

geschätztester Herr Archivarius,« erwiderte der Student, »aber die bunten Vögel moquieren sich über meine Wenigkeit gar zu sehr!« — »Was ist denn das für ein

Gewäsche?« rief der Archivarius zornig in die Büsche hinein. Da flatterte ein

großer grauer Papagei hervor, und sich neben dem Archivarius auf einen

Myrtenast setzend und ihn ungemein ernsthaft und gravitätisch durch eine Brille,

die auf dem krummen Schnabel saß, anblickend, schnarrte er: Nehmen Sie es

nicht übel, Herr Archivarius, meine mutwilligen Buben sind einmal wieder recht

ausgelassen, aber der Herr Studiosus sind selbst daran schuld, denn — »Still da!

still da!« unterbrach der Archivarius den Alten, »ich kenne die Schelme, aber Er

sollte sie besser in Zucht halten, mein Freund! — gehen wir weiter, Herr

Anselmus!« — Noch durch manches fremdartig aufgeputzte Gemach schritt der

Archivarius, so daß der Student ihm kaum folgen und einen Blick auf all' die

glänzenden sonderbar geformten Mobilien und andere unbekannte Sachen

werfen konnte, womit alles überfüllt war. Endlich traten sie in ein großes

Gemach, in dem der Archivarius, den Blick in die Höhe gerichtet, stehen blieb,

und Anselmus Zeit gewann, sich an dem herrlichen Anblick, den der einfache

Schmuck dieses Saals gewährte, zu weiden.

 

Der Archivarius, Anselmus und Serpentina unter dem goldenen Topf

 

Aus den azurblauen Wänden traten die goldbronzenen Stämme hoher

Palmbäume hervor, welche ihre kolossalen, wie funkelnde Smaragde glänzenden

Blätter oben zur Decke wölbten; in der Mitte des Zimmers ruhte auf drei aus

dunkler Bronze gegossenen ägyptischen Löwen eine Porphyrplatte, auf welcher

ein einfacher goldener Topf stand, von dem, als er ihn erblickte, Anselmus nun

gar nicht mehr die Augen wegwenden konnte. Es war als spielten in tausend

schimmernden Reflexen allerlei Gestalten auf dem strahlend polierten Golde —

manchmal sah er sich selbst mit sehnsüchtig ausgebreiteten Armen — ach!

neben dem Holunderbusch — Serpentina schlängelte sich auf und nieder, ihn

anblickend mit den holdseligen Augen. Anselmus war außer sich vor

wahnsinnigem Entzücken. »Serpentina! — Serpentina!« schrie er laut auf, da

wandte sich der Archivarius Lindhorst schnell um und sprach: »Was meinen Sie,

werter Herr Anselmus? — Ich glaube, Sie belieben meine Tochter zu rufen, die

ist aber ganz auf der andern Seite meines Hauses in ihrem Zimmer und hat

soeben Klavierstunde; kommen Sie nur weiter!« Anselmus folgte beinahe

besinnungslos dem davonschreitenden Archivarius, er sah und hörte nichts mehr, bis ihn der Archivarius heftig bei der Hand ergriff und sprach: »Nun sind wir an

Ort und Stelle!« Anselmus erwachte wie aus einem Traum und bemerkte nun,

daß er sich in einem hohen, rings mit Bücherschränken umstellten Zimmer

befand, welches sich in keiner Art von gewöhnlichen Bibliothek- und

Studierzimmern unterschied. In der Mitte stand ein großer Arbeitstisch und ein

gepolsterter Lehnstuhl vor demselben. »Dieses,« sagte der Archivarius

Lindhorst, ist vor der Hand Ihr Arbeitszimmer; ob Sie künftig auch in dem

andern blauen Bibliotheksaal, in dem Sie so plötzlich meiner Tochter Namen

riefen, arbeiten werden, weiß ich noch nicht; — aber nun wünschte ich mich erst

von Ihrer Fähigkeit, die Ihnen zugedachte Arbeit wirklich meinem Wunsch und

Bedürfnis gemäß auszuführen, zu überzeugen.« Der Student Anselmus ermutigte

sich nun ganz und gar, und zog nicht ohne innere Selbstzufriedenheit und in der

Überzeugung, den Archivarius durch sein ungewöhnliches Talent höchlich zu

erfreuen, seine Zeichnungen und Schreibereien aus der Tasche. Der Archivarius

hatte kaum das erste Blatt, eine Handschrift in der elegantesten englischen

Schreibmanier, erblickt, als er recht sonderbar lächelte und mit dem Kopfe

schüttelte. Das wiederholte er bei jedem folgenden Blatte, so daß dem Studenten

Anselmus das Blut in den Kopf stieg und er, als das Lächeln zuletzt recht

höhnisch und verächtlich wurde, in vollem Unmute losbrach: »Der Herr

Archivarius scheinen mit meinen geringen Talenten nicht ganz zufrieden?« —

»Lieber Herr Anselmus,« sagte der Archivarius Lindhorst, »Sie haben für die

Kunst des Schönschreibens wirklich treffliche Anlagen, aber vor der Hand, sehe

ich wohl, muß ich mehr auf Ihren Fleiß, auf Ihren guten Willen rechnen, als auf

Ihre Fertigkeit. Es mag auch wohl an den schlechten Materialien liegen, die Sie

verwandt.« — Der Student Anselmus sprach viel von seiner sonst anerkannten

Kunstfertigkeit, von chinesischer Tusche und ganz auserlesenen Rabenfedern.

Da reichte ihm der Archivarius Lindhorst das englische Blatt hin und sprach:

»Urteilen Sie selbst!« — Anselmus wurde wie vom Blitz getroffen, als ihm seine

Handschrift so höchst miserabel vorkam. Da war keine Ründe in den Zügen,

kein Druck richtig, kein Verhältnis der großen und kleinen Buchstaben; ja,

schülermäßige schnöde Hahnenfüße verdarben oft die sonst ziemlich geratene

Zeile. »Und dann,« fuhr der Archivarius Lindhorst fort, »ist Ihre Tusche auch

nicht haltbar.« Er tunkte den Finger in ein mit Wasser gefülltes Glas, und indem

er nur leicht auf die Buchstaben tupfte, war alles spurlos verschwunden. Dem

Studenten Anselmus war es, als schnüre ein Ungetüm ihm die Kehle zusammen,

er konnte kein Wort herausbringen. So stand er da, das unglückliche Blatt in der

Hand, aber der Archivarius Lindhorst lachte laut auf und sagte: »Lassen Sie sich

das nicht anfechten, wertester Herr Anselmus; was Sie bisher nicht vollbringen

konnten, wird hier bei mir vielleicht besser sich fügen; ohnedies finden Sie ein besseres Material, als Ihnen sonst wohl zu Gebote stand. Fangen Sie nur getrost

an!« — Der Archivarius Lindhorst holte erst eine flüssige schwarze Masse, die

einen ganz eigentümlichen Geruch verbreitete, sonderbar gefärbte, scharf

zugespitzte Federn und ein Blatt von besonderer Weiße und Glätte, dann aber ein

arabisches Manuskript aus einem verschlossenen Schranke herbei, und so wie

Anselmus sich zur Arbeit gesetzt, verließ er das Zimmer. Der Student Anselmus

hatte schon öfters arabische Schrift kopiert, die erste Aufgabe schien ihm daher

nicht so schwer zu lösen. »Wie die Hahnenfüße in meine schöne englische

Kursivschrift gekommen, mag Gott und der Archivarius Lindhorst wissen,«

sprach er, »aber daß sie nicht von meiner Hand sind, darauf will ich sterben.« —

Mit jedem Worte, das nun wohlgelungen auf dem Pergamente stand, wuchs sein

Mut und mit ihm seine Geschicklichkeit. In der Tat schrieb es sich mit den

Federn ganz herrlich, und die geheimnisvolle Tinte floß rabenschwarz und

gefügig auf das blendend weiße Pergament. Als er nun so emsig und mit

angestrengter Aufmerksamkeit arbeitete, wurde es ihm immer heimlicher in dem

einsamen Zimmer, und er hatte sich schon ganz in das Geschäft, welches er

glücklich zu vollenden hoffte, geschickt, als auf den Schlag drei Uhr ihn der

Archivarius in das Nebenzimmer zu dem wohlbereiteten Mittagsmahl rief. Bei

Tische war der Archivarius Lindhorst bei ganz besonderer heiterer Laune; er

erkundigte sich nach des Studenten Anselmus Freunden, dem Konrektor

Paulmann und dem Registrator Heerbrand und wußte vorzüglich von dem

letztern recht viel Ergötzliches zu erzählen. Der gute alte Rheinwein schmeckte

dem Anselmus gar sehr und machte ihn gesprächiger, als er wohl sonst zu sein

pflegte. Auf den Schlag vier Uhr stand er auf, um an seine Arbeit zu gehen, und

diese Pünktlichkeit schien dem Archivarius Lindhorst wohl zu gefallen. War ihm

schon vor dem Essen das Kopieren der arabischen Zeichen geglückt, so ging die

Arbeit jetzt noch viel besser vonstatten, ja er konnte selbst die Schnelle und

Leichtigkeit nicht begreifen, womit er die krausen Züge der fremden Schrift

nachzumalen vermochte. — Aber es war als flüsterte aus dem innersten Gemüte

eine Stimme in vernehmlichen Worten: ach! könntest du denn das vollbringen,

wenn du sie nicht in Sinn und Gedanken trügest, wenn du nicht an sie, an ihre

Liebe glaubtest? — Da wehte es wie in leisen, leisen, lispelnden Kristallklängen

durch das Zimmer: Ich bin Dir nahe — nahe — nahe! — ich helfe Dir — sei

mutig — sei standhaft, lieber Anselmus! — ich mühe mich mit Dir, damit Du

mein werdest! Und so wie er voll inneren Entzückens die Töne vernahm, wurden

ihm immer verständlicher die unbekannten Zeichen — er durfte kaum mehr

hineinblicken in das Original — ja es war, als stünden schon wie in blasser

Schrift die Zeichen auf dem Pergament, und er dürfe sie nur mit geübter Hand

schwarz überziehen. So arbeitete er fort von lieblichen tröstenden Klängen, wie von süßem zartem Hauch umflossen, bis die Glocke sechs Uhr schlug und der

Archivarius Lindhorst in das Zimmer trat. Er ging sonderbar lächelnd an den

Tisch, Anselmus stand schweigend auf, der Archivarius sah ihn noch immer so

wie in höhnendem Spott lächeld [lächelnd] an; kaum hatte er aber in die

Abschrift geblickt, als das Lächeln in dem tiefen feierlichen Ernst unterging, zu

dem sich alle Muskeln des Gesichts verzogen. — Bald schien er nicht mehr

derselbe. Die Augen, welche sonst funkelndes Feuer strahlten, blickten jetzt mit

unbeschreiblicher Milde den Anselmus an, eine sanfte Röte färbte die bleichen

Wangen, und statt der Ironie, die sonst den Mund zusammenpreßte, schienen die

weichgeformten anmutigen Lippen sich zu öffnen zur weisheitvollen ins Gemüt

dringenden Rede. Die ganze Gestalt war höher, würdevoller; der weite

Schlafrock legte sich wie ein Königsmantel in breiten Falten um Brust und

Schultern, und durch die weißen Löckchen, welche an der hohen offenen Stirn

lagen, schlang sich ein schmaler goldner Reif. »Junger Mensch,« fing der

Archivarius an im feierlichen Ton, »junger Mensch, ich habe noch ehe Du es

ahntest, all' die geheimen Beziehungen erkannt, die Dich an mein Liebstes,

Heiligstes fesseln! — Serpentina liebt Dich, und ein seltsames Geschick, dessen

verhängnisvollen Faden feindliche Mächte spannen, ist erfüllt, wenn sie Dein

wird, und wenn Du als notwendige Mitgift den goldnen Topf erhältst, der ihr

Eigentum ist. Aber nur dem Kampfe entsprießt Dein Glück im höheren Leben.

Feindliche Prinzipe fallen Dich an, und nur die innere Kraft, mit der Du den

Anfechtungen widerstehst, kann Dich retten von Schmach und Verderben. Indem

Du hier arbeitest, überstehst Du Deine Lehrzeit; Glauben und Erkenntnis führen

Dich zum nahen Ziele, wenn Du festhältst an dem, was Du beginnen mußtest.

Trage sie recht getreulich im Gemüte, sie, die Dich liebt, und Du wirst die

herrlichen Wunder des goldnen Topfs schauen und glücklich sein immerdar. —

Gehab Dich wohl! Der Archivarius Lindhorst erwartet Dich morgen um zwölf

Uhr in Deinem Kabinet! — Gehab Dich wohl!« — Der Archivarius schob den

Studenten Anselmus sanft zur Tür hinaus, die er dann verschloß, und er befand

sich in dem Zimmer, in welchem er gespeist, dessen einzige Tür auf den Flur

führte. Ganz betäubt von den wunderbaren Erscheinungen blieb er vor der

Haustür stehen, da wurde über ihm ein Fenster geöffnet, er schaute hinauf, es

war der Archivarius Lindhorst; ganz der Alte im weißgrauen Rocke, wie er ihn

sonst gesehen. — Er rief ihm zu: »Ei, werter Herr Anselmus, worüber sinnen Sie

denn so, was gilt's, das Arabische geht Ihnen nicht aus dem Kopf? Grüßen Sie

doch den Herrn Konrektor Paulmann, wenn Sie etwa zu ihm gehen, und

kommen Sie morgen Punkt zwölf Uhr wieder. Das Honorar für heute steckt

bereits in Ihrer rechten Westentasche.« — Der Student Anselmus fand wirklich

den blanken Speziestaler in der bezeichneten Tasche, aber er freute sich gar nicht darüber. — »Was aus dem allen werden wird, weiß ich nicht,« sprach er zu sich

selbst; »umfängt mich aber auch nur ein toller Wahn und Spuk, so lebt und webt

doch in meinem Innern die liebliche Serpentina, und ich will, ehe ich von ihr

lasse, lieber untergehen ganz und gar, denn ich weiß doch, daß der Gedanke in

mir ewig ist, und kein feindliches Prinzip kann ihn vernichten; aber ist der

Gedanke denn was anderes als Serpentina's Liebe?«