
Die Regentrude
von Theodor Storm

Ungarn, 1517. Als Kinder zerren Magdalena und ihre Cousine Almina am Ufer so lange an einem smaragdgrünen Tüllrock, bis er reißt. Mit sechzehn ist die Waise Wundheilerin im Kriegslager zwei Stunden vor der Stadt, ausgebildet von Meister Johann und misstrauisch gegen Aderlass, Ablasszettel und Hexenurteile. Ihr deutscher Vater baute an der Kathedrale von Köszeg, bis ein herabstürzender Stein ihn und die Mutter erschlug. Almina wird von dem jungen Adeligen Bernhard umworben, der stark lispelt und dessen Haar vor Fett glänzt, und ist noch am selben Abend versprochen. Nachts weckt Johann seine Schülerin: auf der Holzkutsche liegt ein schwerverletzter junger Mann.