
Aphorismen zur Lebensweisheit
Lebensweisheit nimmt Schopenhauer hier ganz im immanenten Sinne: als die Kunst, das Leben möglichst angenehm und glücklich durchzuführen, eine Anleitung, die auch Eudämonologie genannt werden könnte. Daß seine eigentliche Philosophie die Frage verneint, ob das menschliche Leben einem solchen Dasein überhaupt entsprechen könne, sagt er in der Einleitung selbst, und er geht für diese Schrift ausdrücklich vom höheren, metaphysisch-ethischen Standpunkte ab. Das erste Kapitel teilt dann ein, was das Los der Sterblichen unterscheidet, in drei Grundbestimmungen: was einer ist, also die Persönlichkeit im weitesten Sinne, was einer hat, also Eigentum und Besitz, und was einer vorstellt, also Ehre, Rang und Ruhm. Die erste wiegt am schwersten, weil die Natur selbst sie gesetzt hat.

