Die drei ??? Nacht in Angst

André Marx · Kapitel 1 von 1 · Teil 3/4

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Die drei ??? Nacht in Angst

19.00 Uhr - Der gewagte Plan

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.

Alpha bemerkte die Spitze sehr wohl und warf Bob einen düs-teren Blick zu. Der dritte Detektiv bereute seine letzten Worte, er durfte Alpha nicht unterschätzen. »Richtig. Aber dann hätte ich einen Edelstein am Hals, dessen Diebstahl wochenlang durch die Presse geht und mit dem ich mindestens ein Jahr warten muss, ehe ich ihn zu Geld machen kann. Nein, ich ziehe die andere Methode vor: die Beute so schnell wie möglich loswerden und abkassieren.«

»Viel Geld, nehme ich an.«

»Genug, dass sich die Mühe lohnt. Auch wenn wir mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.« Als wäre dies das Stichwort gewesen, näherten sich plötzlich schnelle Schritte. Wenige Augenblicke später standen Dog, Ernie und Beth in der Tür zum Büro. Die Frau blickte verwirrt auf den am Boden liegenden Direktor. »Was ist denn hier passiert?«

»Er wollte abhauen. Ich musste ein paar Gegenmaßnahmen ergreifen. Und?«, fragte Alpha scharf. »Wo ist er?«

Beth blickte unsicher von einem zum anderen und gestand schließlich: »Der Stein? Immer noch im Besitz des -«

»Der Dieb, nicht der Stein!«, brüllte Alpha so unvermittelt, dass Bob vor Schreck zusammenzuckte. Die drei senkten wie auf Kommando die Köpfe. »Wo?«, zischte ihr Anführer.

»Er... er ist uns entwischt«, bekannte Dog kleinlaut. »Ich glaube, ich habe dich nicht richtig verstanden.« Alpha sprach betont ruhig.

»Er ist uns entwischt«, wiederholte nun Ernie. »Soll das hei-

ßen, er ist an Ceewee vorbeigekommen und hat das Gebäude verlassen?«

»Nein«, antwortete Ernie schnell. »Er ist noch hier. Wir hätten ihn auch zweimal fast gehabt. Aber er ist erstaunlich schnell.

Und er hat ein halbes Wikingerschiff auf uns runterkrachen lassen!«

»Euer Wikingerschiff interessiert mich nicht! Ihr Idioten habt ihn entkommen lassen!«

»Er ist ja noch irgendwo«, versuchte Beth ihn zu beruhigen.

»Er hat sich bloß verkrochen.«

»Irgendwo!«, höhnte Alpha. »Irgendwo! Und wann gedenkt ihr ihn zu finden? In zwei Stunden? Im Morgengrauen? Oder doch erst, wenn der Sicherheitsdienst morgen früh die Türen öffnet?« Er trat dicht an die drei heran. »Wann?«, schrie er sie an. »Wann, ihr Vollidioten?« Keuchend schnappte er nach Luft. Sein Atem wurde rasselnd und pfeifend. »Du darfst dich nicht so aufregen«, sagte Beth besorgt. Alpha antwortete nicht.

Hektisch griff er in seine Tasche und zog das Inhaliergerät hervor, um sich schnell eine Dosis in den Mund zu sprühen.

Erst dann beruhigte er sich wieder. »Nun gut«, fuhr er fort, als sei nichts gewesen. »Ihr seid zu dritt und habt es nicht geschafft, diesen Burschen zu finden. Ich habe euch eine halbe Stunde Zeit gelassen. Genug, um ein Museum zu durchkäm-men.«

»Aber... das Gebäude ist riesig! Es gibt unzählige Möglichkeiten sich zu —«

»Ihr seid Versager!«, brüllte Alpha erneut los. »Ab jetzt werde ich die Sache in die Hand nehmen. Ernie, du bleibst hier und passt auf unseren lieben Direktor auf, falls er zu sich kommen sollte. Dog, Bern, ihr kommt mit mir.« Abrupt wandte er sich um, ging mit zwei großen Schritten auf Bob zu und riss ihn am Kragen seines weißen Hemdes hoch. »He!«, rief Bob panisch.

»Was -«

»Du bist meine Geisel. Wenn ich deinem Freund klarmachen kann, dass du nicht mehr lange unter den Lebenden weilen wirst, wenn er sich nicht stellt, kommt er schon raus.« Mit diesen Worten zog Alpha seine Waffe und hielt sie Bob unters Kinn.

»Aber... aber ich...«, stotterte der dritte Detektiv, »... ich kenne diesen Typ doch gar nicht!«

»Er hat Recht, Alpha«, sagte Beth eindringlich. »Der Junge kann nun wirklich nichts dafür, dass hier ein Unbekannter -«

»Der Junge kennt ihn!«, schrie der Anführer, dass seine Stimme sich überschlug. »Seid ihr denn blind? Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass ich ihm seine Geschichte abgenommen habe!«

»Ich weiß wirklich nicht, wer -«

»Halt's Maul, Kleiner, oder du wirst es bitter bereuen!« Alpha zerrte ihn vorwärts, presste den Lauf der Pistole an seinen Rücken und stieß ihn aus dem Büro und den Flur entlang. Beth und Dog folgten ihnen.

Als die Stimmen leiser wurden, stöhnte Justus auf. »Bob ist in Schwierigkeiten! In allergrößten Schwierigkeiten! Und Peter auch! Wir müssen doch irgendwas tun können!«

»Wenigstens wissen wir jetzt, worin genau wir hier verstrickt sind«, stellte Morton fest. »Solange wir hier festsitzen, hilft uns das nicht weiter.«

»Deine kriminologischen Fähigkeiten in allen Ehren, Justus, aber ich denke, das ist das Beste, was uns passieren konnte.

Glaub mir: Außerhalb dieser Fahrstuhlkabine wären wir schon längst entdeckt worden. Solange die Gangster aber nicht wissen, dass wir hier sind, haben wir noch eine Chance.« Justus seufzte. »Vielleicht haben Sie Recht, Morton. Wir müssen uns mit dem zufrieden geben, was wir haben, und das Beste daraus machen. Bob hat erstklassige Arbeit geleistet. Ich bin sicher, dass er für die Sprechverbindung verantwortlich war. Als ich vorhin niesen musste, dachte ich, jetzt sei alles aus, aber offenbar hat er auch dafür gesorgt, dass wir sie zwar belauschen können, sie uns aber nicht. Wir sollten noch einmal alles Re-vue passieren lassen, was wir gehört haben. Vielleicht bringt uns das irgendwie weiter.« Sie rekonstruierten den ganzen Fall auf der Basis dessen, was sie gehört hatten, und prägten sich jedes Detail der Unterhaltung zwischen Bob und Alpha ein.

Alles konnte später einmal wichtig sein.

»Eigentlich ein ganz normaler Einbruch«, fasste Justus zusammen. »Zwar sehr gut eingefädelt und geplant, aber dahinter steckt doch nur pure Geldgier.«

»Und ein geheimnisvoller Auftraggeber«, fügte Morton nach-denklich hinzu.

»Ja, ›die Stimme‹«, murmelte Justus und bearbeitete seine Unterlippe. »Apropos Stimme: Ist Ihnen bei dem Gespräch vorhin etwas aufgefallen?« »An Alpha? Er schien plötzlich Atembeschwerden zu haben.«

»Ja, das auch, aber darauf wollte ich nicht hinaus. Einer der beiden anderen Männer, die später hinzukamen - haben Sie da etwas bemerkt?«

»Nein«, antwortete Morton ratlos. »Nichts Auffälliges. Warum?«

»Vielleicht bilde ich es mir nur ein«, überlegte Justus. »Aber die Stimme des einen kam mir irgendwie bekannt vor. Ich weiß nicht, wo ich sie schon mal gehört habe, aber mir war so, als würde ich diesen Menschen kennen.«

»Persönlich?«

»Nein«, antwortete er zögernd. »Mehr so wie man die Stimme eines Nachrichtensprechers kennt. Ich kann es nicht beschwö-ren, aber ich bin fast sicher, dass ich weiß, wer der Mann ist.«

22.03 Uhr - Unter Zwang

Es war ruhig geworden in Peters Nähe. Immer wieder waren die Gangster an der Insektenhalle vorbeigekommen, hatten sie betreten und mit ihren Taschenlampen jeden Winkel abge-sucht, ohne ihn zu entdecken. Der Zweite Detektiv hatte sich ruhig verhalten und sein Versteck unter dem Schmetterlings-kasten nicht verlassen. Aber inzwischen war es still geworden.

Hatten sie den Nachtwächter erwischt und ihm den Stein abgenommen? Vielleicht hatten sie das Museum schon längst verlassen und er brauchte sich nicht mehr zu verstecken. Doch Peter traute sich nicht aus dem Schatten hervorzukrabbeln.

Zweimal war er seinen Verfolgern mit knapper Not entkommen. Er wollte sein Glück nicht überfordern. Aber er musste mit Justus sprechen. Er vertraute insgeheim darauf, dass der Erste Detektiv einen fertig ausgearbeiteten Plan parat hattet den er nur noch in die Tat umsetzen musste. Immerhin hatte Justus in seinem Fahrstuhlgefängnis genug Zeit gehabt über ihre Lage nachzudenken. Inzwischen mussten ihm mehrere Lösungsmöglichkeiten eingefallen sein. Wozu galt er sonst als das Superhirn? Vorausgesetzt, Justus wusste überhaupt, in welcher Lage sie sich befanden. Peter rang noch mit einer Entscheidung, als er plötzlich eine Stimme hörte. Schon wieder zu lange gezögert!, fluchte er in Gedanken und lauschte. Die Stimme wurde lauter. »Ich weiß, dass du dich irgendwo versteckst! Wir haben deinen Freund Bob und den Direktor in unserer Gewalt!« Ein gepresster Schrei war zu hören. Das war eindeutig Bob! Peter schnürte es die Kehle zu. Was hatten sie vor? »Also, komm raus, wenn du nicht willst, dass deinen Freunden etwas passiert! Ich gebe dir zehn Minuten! Wenn du bis dahin nicht im Sicherheitsbüro unter dem Dach aufgetaucht bist, wirst du deine Leute nicht lebend wieder sehen!« Die Stimme entfernte sich und sagte ihren Spruch erneut auf, um sicherzugehen, dass Peter auch wirklich alles mitbekam, wo immer er sich aufhielt.

Der Zweite Detektiv stöhnte auf. Was sollte er jetzt tun? Er hatte zehn Minuten Zeit sich einen Plan zu überlegen. Doch schon nach wenigen Sekunden wurde ihm klar, dass es keinen Plan geben würde. Er hatte keine Wahl. Vor den Gangstern wegzulaufen und sich zu verstecken war eine Sache. Eine ganz andere jedoch Bobs Leben zu gefährden. Peter kannte diese Leute nicht. Er wusste nicht, wie skrupellos sie wirklich waren und ob sie ihre Drohung ernst meinten. Das Risiko war zu groß, sie nicht ernst zu nehmen. Das Ultimatum ihres Anführers hatte allerdings einen Vorteil: Sie warteten nun auf ihn im Sicherheitsbüro. Er konnte sich also zehn Minuten lang frei im Museum bewegen. Der Zweite Detektiv blickte auf die Uhr: acht Minuten.

»Warum hören wir nichts mehr?« Justus trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Boden. »Was treiben die denn da oben?«

»Es sind erst ein paar Minuten vergangen«, versuchte Morton ihn zu beruhigen.

Wütend schlug der Erste Detektiv mit der Faust gegen die Wand. »Wenn wir doch nur aus diesem verfluchten Fahrstuhl herauskämen! Wenn wir nur-« Er verstummte. War da nicht ein Geräusch gewesen? Horchend stand er auf. Da war es wieder: Das gleiche Schaben und Quietschen, das er schon einmal gehört hatte. »Jemand ist über uns!«, flüsterte er. »Justus?

Morton?«

»Peter! Dem Himmel sei Dank! Was ist los?«

»Wir haben Einbrecher im Haus, Justus«, hallte die leise Stimme des Zweiten Detektivs durch den Aufzugsschacht.

»Sie wollen -«

»Wissen wir alles!«, fiel Justus ihm ins Wort. »Bob hat dafür gesorgt, dass wir alles mithören können, was im Sicherheitsbüro besprochen wird.«

»Mithören? Wie denn? - Nein, erklär's mir später. Wir haben nicht viel Zeit. Sie wollen Bob umbringen, wenn ich nicht in sechs Minuten im Büro auftauche.«

»Umbringen?«

»Ja, verdammt. Wie lautet dein Plan?« Justus stutzte. »Plan?

Ich habe keinen Plan!«

»Du hast keinen? Du hast immer einen Plan, Justus!«

»Du musst auf jeden Fall hingehen, Peter. Wer weiß, was sie sonst mit Bob anstellen!«

»Das ist mir klar«, erwiderte Peter gereizt. »Ist das alles?

Sonst fällt dir nichts ein?«

Justus überlegte fieberhaft. »Sie wollen nur den blauen Diamanten. Vielleicht lassen sie euch gehen, wenn sie ihn haben.

Schlag ihnen einen Handel vor: eure Freiheit gegen den Stein.«

»Ich habe den Stein aber nicht mehr!«

»Du hast... du hast den Stein nicht mehr?«

»Nein, Elroy, der Nachtwächter, hat ihn.«

»Du hast ihn ihm gegeben?« Justus konnte nicht glauben, was er hörte.

»Er hat ihn sich einfach genommen. Es ging alles so schnell, ich konnte nichts dagegen unternehmen.«

»Und wo ist er jetzt?«

»Wer? Der Nachtwächter oder der Stein?«

»Beide, Peter!«, brummte Justus ungehalten. »Ich habe keine Ahnung! Er wird den Diamanten versteckt haben und danach sich selbst. Er kennt dieses Museum wie seine Westentasche und weiß, wo ihn niemand finden wird.«

»Na schön. Geh jetzt ins Büro. Hoffentlich glaubt man dir, dass du nicht weißt, wo der Stein ist.«

»Das hoffe ich auch«, murmelte Peter. »Und was macht ihr?

Könnt ihr nicht rausklettern?«

»Leider nicht«, mischte sich nun Morton ein. »Diverse körperliche Einschränkungen erlauben uns nicht, diesem Gefängnis zu entkommen.«

»Mach dir um uns keine Sorgen«, sagte Justus. »Wir kommen schon irgendwie klar. Aber verplapper dich bloß nicht! Niemand darf wissen, dass wir hier sind!«

»Hältst du mich für blöd?«

»Du machst das schon, Peter. Viel Glück!«

»Ebenso.« Der Zweite Detektiv schloss die Fahrstuhltür, dann herrschte wieder Stille.

»Das sieht nicht gut aus«, seufzte Justus. »Jetzt haben die Verbrecher Bob, Peter und Direktor Peacock in ihrer Gewalt. Wir sind die Einzigen, die übrig bleiben. Aber das hilft uns nicht weiter.«

»Da ist immer noch dieser Nachtwächter«, überlegte Morton.

»Ja. Der Nachtwächter... Irgendwas stimmt an dieser Geschichte nicht.«

»Was meinst du?«

»Die Polizei hätte längst hier sein müssen.«

»Wie das? Die Polizei weiß nichts von alledem.«

»Und genau das macht mich stutzig«, setzte Justus seine Überlegungen fort. »Der Nachtwächter muss einen Schlüssel für alle wichtigen Räume und Ausgänge haben. Wie sagte Peter?

Er kennt das Museum wie seine Westentasche. Wieso ist ihm dann noch nicht die Flucht gelungen? Für ihn dürfte die ver-schlossene Tür, durch die wir gekommen sind, kein Problem sein. Aber offenbar hält er sich immer noch im Gebäude auf, sonst wäre längst Hilfe da. Warum ist er geblieben?«

»Er hat wahrscheinlich zu viel Angst.«

»Nein, Morton. Ich glaube, es steckt mehr dahinter.«

Mit klopfendem Herzen stieg Peter hinauf in die Höhle des Löwen. Und der Löwe erwartete ihn, gierig und bereit über ihn herzufallen. An der kleinen Treppe angelangt, stieg er über die Absperrung und schlich hinauf. Nach ein paar Stufen rief er sich selbst zur Ordnung. Was hatte es für einen Sinn, sich anzuschleichen? Er wollte sich schließlich ausliefern. Da konnte er auch erhobenen Hauptes ins Büro marschieren. Der Diamant war weg. Dagegen konnte auch die Bande nichts mehr tun.

Sein Herz pochte mit jeder Stufe lauter. Die Treppe führte auf einen Flur, an dessen rechtem Ende eine Tür geöffnet war.

Dort standen sie im Schein einer blassen Neonröhre: Die vier-köpfige Verbrecherbande - der Fünfte hielt vermutlich noch immer im Foyer Wache- starrte ihn an und machte keine An-stalten sich zu rühren. Sie wussten, er würde freiwillig zu ihnen kommen. Peter zögerte nur einen Moment, dann setzte er sich in Bewegung und versuchte in seinen Gesichtsausdruck und seinen Gang so viel Selbstbewusstsein wie nur möglich zu legen.

Als Peter das Büro erreichte, entdeckte er Bob, der neben dem am Boden liegenden Direktor kniete. »Was ist mit ihm?«, fragte Peter erschrocken. »Ist er —«

»Nur bewusstlos«, sagte der kleinste der Männer und lächelte ihn fast freundlich an. »Herzlich willkommen in unserer be-scheidenen Runde. Ich bin Alpha und ich freue mich wirklich sehr unseren verschollenen Gast endlich persönlich begrüßen zu dürfen.«

Nickend gab Alpha der einzigen Frau in der Runde ein Zeichen, die daraufhin die Tür schloss und sich davor postierte.

»Du bist also derjenige, der Beth, Dog und Ernie so auf Trab gehalten hat -und zum Narren. Noch so ein junger Bursche, alle Achtung. Aber jetzt haben die Spielchen ein Ende. Es freut mich, dass auch du das eingesehen hast.« Fordernd streckte Alpha die Hand aus.

Peter wusste, was er wollte, doch er konnte es sich nicht verkneifen nach Alphas Hand zu greifen und sie zu schütteln.

»Angenehm, Peter.«

Der Schlag kam wie aus dem Nichts. Ehe er überhaupt begriffen hatte, was geschehen war, lag der Zweite Detektiv mit schmerzendem Kiefer am Boden. Alpha hatte ihn mit einem gezielten Haken niedergestreckt. Drohend stand er über ihm und zischte: »Ich habe gesagt, die Spielchen sind vorbei!«

Stöhnend rappelte Peter sich wieder auf und rieb sein schmerzendes Kinn. »Ich habe den blauen Diamanten nicht.«

»Natürlich hast du ihn. Rück ihn raus!«

»Ich habe ihn nicht«, wiederholte Peter. »Du hast ihn versteckt, falls wir dich in die Finger kriegen«, vermutete Alpha anerkennend. »Wo ist er?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wenn du es mir nicht freiwillig sagst, werde ich es aus dir herausprügeln!«, drohte Alpha wutentbrannt. »Da gibt es nichts herauszuprügeln. Ich sage die Wahrheit. Ich habe den Stein jemand anderem gegeben.«

»Jemand anderem? Es ist niemand mehr hier!«

»Doch. Der Nachtwächter.«

»Der Nachtwächter?«, rief der Anführer und riss ungläubig die Augen auf.

»Ich wusste auch nicht, dass es einen gibt«, fuhr Peter fort.

»Aber er stand plötzlich hinter mir und hat mir den Stein weg-

genommen. Er wollte ihn an einen sicheren Ort bringen, wo Sie ihn nicht finden können.«

»Du lügst«, war Alpha überzeugt.

»Nein. Als der Typ den Diamanten hatte, ist er verschwunden, weil Ihre Leute mir auf den Fersen waren. Ich weiß nicht, wo er ist.«

Alpha riss eine Waffe aus der Jacke und drückte den Lauf gegen Peters Stirn. »Ich zähle bis drei und dann sagst du mir die Wahrheit!«, knurrte er. »Eins!«

»Ich sage Ihnen bereits die Wahrheit!«, rief Peter nervös.

»Zwei!« Er zog den Sicherungshebel klickend herunter.

»Sie können ihm glauben, Alpha!«, versuchte Bob ihn aufzuhalten. »Peter ist nicht der Typ, der Sie anlügen würde! Hören Sie doch!«

»Wirklich, Mr... Mr... Alpha! Ich weiß nicht, wo der Diamant ist!«, flehte der Zweite Detektiv. »Drei!« Der Finger zog langsam am Abzug. »Du hattest deine Chance!«

»Nein!«, schrie Peter und machte die Augen zu. »Ich -« Es klickte.

Peter öffnete die Augen.

»Du sagst also doch die Wahrheit.« Alpha lächelte und senkte die Waffe. »Speziell für diese Fälle entferne ich immer eine Kugel aus dem Magazin. Aber ich warne dich: Der nächste Schuss ist scharf.« Er wandte sich an seine Kollegen, die allem schweigend zugesehen hatten: »Warum wusste niemand etwas von einem Nachtwächter?«

»Ich habe keine Ahnung, Alpha«, antwortete Dog nervös. »Die Stimme hat nichts davon erwähnt, oder?«

»Die Stimme hat mir versichert, es gäbe keinen!«, schrie Alpha. »Und ihr habt bei eurer Suche natürlich nicht einmal den Schatten eines Nachtwächters gesehen, nicht wahr?«

»N... nein, wir -«

»Wo ist er? Warum laufen hier zig Leute herum, von denen wir keine Ahnung haben? Jetzt sind es schon vier! Wie viele verstecken sich noch in diesem verdammten Museum?« Peter warf einen schnellen Blick zu Bob hinüber, der fast unmerk-lich den Kopf schüttelte.

»Sucht ihn!«, befahl Alpha mit hochrotem Kopf. »Sucht ihn!

Durchkämmt jeden Winkel dieses Gebäudes! Nicht nur die Ausstellungsräume, sondern auch die Büros. Er kann sich überall verstecken. Worauf wartet ihr?« Hastig verließen die drei den Raum. Plötzlich rief Alpha: »Halt! Ich werde mit euch gehen. Dog, du bleibst hier und bewachst unsere Freunde. Und ich warne dich: Lass sie unter

keinen Umständen aus den Augen! Die Jungs sind cleverer als sie aussehen.«

Mit schnellen Schritten schoss er an ihnen vorbei und setzte sich an die Spitze der kleinen Suchmannschaft. Dog, der Mann mit dem Bulldoggengesicht, blieb mit gezogener Waffe in der Tür stehen.

Bob und Peter sahen ihnen verunsichert nach. Beide dachten das Gleiche. Wenn Alpha wirklich jeden Winkel des Museums durchsuchen wollte, würde er früher oder später auch im Fahrstuhlschacht nachsehen.

22.20 Uhr - Reingelegt!

»Barfuß?«, fragte Bob erstaunt und wies nach unten. »Das ist eine lange Geschichte. Was haben sie mit Mr Peacock gemacht?«

»Er wollte abhauen. Alpha hat ihn niedergeschlagen. Sei bloß vorsichtig bei ihm. Er ist die meiste Zeit ziemlich harmlos, aber wenn er ausrastet...«

»Das habe ich gemerkt«, sagte Peter und rieb sein immer noch schmerzendes Kinn. »Ist es irgendwie dick geworden? Fühlt sich so -«

»He!«, schnauzte Dog von der Tür aus. »Maul halten!«

»Aber wieso?«, fragte Peter. »Wir können doch -«

»Maul halten, habe ich gesagt!« Dog richtete seine Waffe auf die beiden und machte ihnen damit unmissverständlich klar, wie ernst er es meinte.

Sie schwiegen. Peter warf einen vorsichtigen Blick auf die Konsole, auf der Suche nach einer Gegensprechanlage. Vermutlich hatte der Erste Detektiv gehört, dass die Gangster das ganze Museum auf den Kopf stellen wollten. Doch was nützte ihm das, wenn er nicht aus der Fahrstuhlkabine herauskam?

Unruhig wanderten die zwei Detektive im Büro auf und ab.

Bob kniete immer wieder neben Mr Peacock, fühlte seinen Puls und seine Stirn. Dem Direktor schien es gut zu gehen. Er war nur bewusstlos.

Auch Dog, der abwechselnd zu ihnen herein- und auf den Flur hinausblickte und von einem Bein auf das andere trat, wirkte nervös. »Könnt ihr nicht mal stillstehen!«, knurrte er. »Oder setzt euch meinetwegen. Aber rennt nicht ewig auf und ab!«

Dann sah er auf die Uhr und gab den Grund für seine Nervosität preis: »Ich muss mal kurz pinkeln. Rührt euch nicht von der Stelle! Ich bin sofort wieder da!« Er hob noch einmal drohend die Waffe, verließ den Raum und schloss die Tür.

Bob und Peter sahen einander überrascht an, doch Dog traf Vorsichtsmaßnahmen. Sie hörten, wie etwas vor die Tür ge-schoben wurde. Und als seine Schritte sich entfernten, versuchte Bob die Klinke zu drücken. »Er hat die Tür verkeilt.

Wahrscheinlich mit einem Stuhl.«

Peter nickte grinsend. »Das geht mit den Stühlen hier ganz gut.

Was jetzt?«

»Was meinst du?«

»Wir sind allein. Das müssen wir ausnutzen!«

»Und wie? Die Tür ist zu, das Fenster ist vergittert. Wir kommen hier nicht raus!«

»Justus!«, rief Peter. »Dem ist bestimmt was eingefallen! Wo ist diese Sprechanlage?«

Bob schob den Tischkalender zur Seite und zog den selbst gebastelten Keil aus dem Schalter. »Just? Kannst du mich hören?«

»Klar und deutlich.«

»Wir sind gerade allein. Aber wahrscheinlich nicht lange. Hast du mitgehört?«

»Alles. Aber was erwartest du jetzt von mir?«

»Einen Plan. Was sonst?«

Justus seufzte. »Du bist wirklich lustig, Bob. Ich habe keinen Plan. Ich sitze hier unten fest. Aber sag mal: Der Typ, der euch bewacht hat und jetzt auf dem Klo ist, kommt der dir vielleicht irgendwie bekannt vor?«

»Nein. Sollte er?«

»Ich weiß nicht. Mir ist, als würde ich seine Stimme kennen.

Ich versuche schon die ganze Zeit ihr ein Gesicht zuzuordnen, aber mir fällt dazu einfach nichts ein. Ich dachte, du würdest ihn wieder erkennen.«

»Nein. Du, Peter?«

Nun kam der Zweite Detektiv an das Sprechgerät. »Jetzt, da du es sagst, kommt er mir auch verdächtig vor, Just. Etwas an ihm ist komisch. Ich weiß bloß nicht, was.«

»Das bringt uns leider nicht weiter«, stellte Justus fest. »Gibt es wirklich keinen Weg die Tür aufzukriegen?«

»Selbst wenn«, meldete sich wieder Bob. »Dog würde das sofort hören.«

»Und glaub mir«, fügte Peter hinzu, »es ist kein Spaß, stundenlang durch dieses Museum zu rennen. Wir würden nicht weit kommen.«

»Es sei denn, ihr nehmt einen Weg, mit dem so schnell niemand rechnet«, überlegte Justus und knetete seine Unterlippe.

»Und was für ein Weg soll das sein?«

»Dies ist doch ein modernes Gebäude. Noch dazu ein Gebäude, dessen Fenster nicht geöffnet werden können. Es muss also ein gutes Belüftungssystem geben. Seht ihr zufällig einen Luftschacht in eurem Büro?«

Ein überraschter Aufschrei von Peter war die Anwort. »Oh Mann, Justus, du bist genial! Hier ist tatsächlich ein Luftschacht! Du würdest zwar nicht durchpassen, aber für uns dürfte das kein Problem sein!«

»In Ordnung«, sagte Bob schnell. »Dog ist jeden Moment zurück. Wir müssen uns beeilen. Ich klemme die Sperre wieder in die Sprechtaste, damit ihr weiter zuhören könnt. Wir versuchen hier irgendwie rauszukommen! Bis später!«

»Halt!«, rief Justus. »Halt! Wartet! Bob? Peter?« Es kam keine Antwort. »Verflucht!«, stöhnte der Erste Detektiv.

»Was ist denn?«, fragte Morton. »Was wolltest du ihnen noch mitteilen?«

»Es ist mir eingefallen!«, rief Justus. »Himmel, das ändert alles!«

»Was denn?«

»Gerade als Bob von ihrem Wächter sprach, diesem Dog, fiel es mir wie Schuppen von den Augen«, erklärte Justus. »Ich weiß jetzt, woher ich seine Stimme kenne! Ich weiß, wer das ist!«

Bob war auf den Stuhl gestiegen, um an den Luftschacht he-ranzukommen. Das Gitter war an die Wand geschraubt. »Gib mir mal die Schere, die auf dem Schreibtisch liegt!«, forderte er. »Damit müsste ich die Schrauben rausdrehen können, sie sitzen nicht sehr fest. Schnell!«

Peter gab sie ihm. »Mist, die Zeit reicht nicht. Dog ist jede Sekunde wieder hier! Ich wäre mit dem Pinkeln längst fertig.«

Peter legte sein Ohr an die Tür. Noch waren keine Schritte zu hören. »Beeil dich, Bob!«

»Was glaubst du, was ich tue!«

»Wir müssen mehr Zeit gewinnen! Wir müssen die Tür verschließen oder so!«

Bob hielt plötzlich inne und ließ die Schere sinken. »Ich Esel!«

»Was ist? Warum machst du nicht weiter?« Der dritte Detektiv sprang vom Stuhl und drückte Peter die Schere in die Hand.

»Hier! Mach du weiter!«

»Was hast du vor, Bob?«

»Das hier!« Triumphierend zog Bob den dicken Schlüsselbund aus der Tasche. »Ich werde die Tür abschließen!«

»Du hast die Schlüssel? Warum sagst du das denn nicht gleich?«, rief Peter, während er auf den Stuhl kletterte und sich an dem Lüftungsgitter zu schaffen machte. »Vergessen. Ich weiß bloß nicht, welcher der richtige ist.« Er probierte wahllos den erstbesten Schlüssel. Er passte nicht. Dann den zweiten -

Fehlanzeige. Auch beim dritten hatte er keinen Erfolg. »So ein Mist, das sind über zwanzig Schlüssel!«

Während Peter mühsam eine Schraube nach der anderen löste und Bob alle Schlüssel durchprobierte, horchten sie immer wieder, ob jemand kam. Aber auf dem Flur blieb es ruhig. Bei Schlüssel Nummer siebzehn hatte Bob endlich Erfolg. »Er passt! Dog kommt so schnell nicht wieder in dieses Büro. Bist du so weit, Peter? Wir sollten verschwinden!«

»Gleich. Vergiss nicht den Tischkalender vor die rote Lampe zu stellen!«

»Oh. Danke für den Hinweis.«

Peter löste die letzte Schraube und nahm das Gitter von der Wand. Ein pechschwarzer, rechteckiger Tunnel von etwa sechzig Zentimeter Höhe lag vor ihnen. »Das wird eng«, stellte er fest und schwang sich gekonnt in die Öffnung. Bob warf die gelösten Schrauben in den Papierkorb, stellte den Stuhl an seinen alten Platz und warf einen letzten Blick auf Mr Peacock. »Hoffentlich wachen Sie bald wieder auf«, flüsterte er.

Dann ließ er sich von Peter in den Luftschacht ziehen. Das Gitter baumelte dabei an seinem Fuß. Er wollte die Öffnung von innen verschließen, um Dog so lange wie möglich in die Irre zu führen. Nach einer halsbrecherischen Drehung in dem engen Schacht gelang es ihm schließlich. »Vorwärts, Peter!«

Der Zweite Detektiv kroch auf allen vieren durch die bedrückende Enge. Er sah buchstäblich nichts. Nur alle paar Meter fielen ein paar schwache Strahlen dämmrigen Lichts aus den Gitteröffnungen, die in andere Büros führten. Der Gang machte immer wieder Knicke und Biegungen und kreuzte andere Schächte.

Peter entschied jedes Mal ganz willkürlich, welche Abzwei-gung er nahm. »Wohin wollen wir eigentlich?«, flüsterte er nach einer Weile. Er hatte das Gefühl, schon mindestens fünf-hundert Meter zurückgelegt zu haben. Wahrscheinlich waren es nicht einmal fünfzig.

»Keine Ahnung«, bekannte Bob, der direkt hinter ihm kroch.

»Möglichst weit weg vom Sicherheitsbüro, damit Dog uns nicht hört, wenn er zurückkommt.« In diesem Moment drang ein Geräusch an sein Ohr. Jemand rief etwas, ein dumpfes Pochen hallte durch den Metalltunnel. »Wenn man vom Teufel spricht. Das dürfte er sein. Hat wohl gerade gemerkt, dass wir ihn ausgesperrt haben.«

Sie krochen weiter, bis Bob nach einigen Minuten sagte: »Das dürfte reichen. Such mal einen Ausgang.«

»Du bist witzig. Ausgänge sind hier jede Menge. Welchen sollen wir nehmen?«

»Am besten einen, der in ein Büro führt. Da können wir ungestört unsere nächsten Schritte überdenken.«

»Hier sieht es gut aus«, sagte Peter nach einigen Metern und spähte in ein dunkles und verlassenes Büro. Er wollte das Lüftungsgitter abnehmen, doch augenblicklich stöhnte er wie vor Schmerzen auf. »Wir sind so dämlich, Bob! Die Gitter sind natürlich überall verschraubt! Wie sollen wir jetzt hier he-rauskommen?«

»Ach du Scheiße«, murmelte Bob. »Hab ich gar nicht dran gedacht bei der ganzen Aufregung.«

»Super. Und jetzt?«

»Jetzt hilft nur noch rohe Gewalt.« Bob schob sich so vor das Gitter, dass er sich mit dem Rücken im Gang abstützen konnte.

Dann drückte er seine Beine gegen den versperrten Ausgang.

Das Gitter rührte sich nicht. Bob trat vorsichtig dagegen. Es schepperte.

»Bist du verrückt?«, zischte Peter. »Das hört man meilenweit!

Erst recht durch diesen Lüftungsschacht!« Als sei das ein Stichwort gewesen, zerriss plötzlich ein Schuss die Stille. Die zwei hielten den Atem an, bis Bob begriff, wer da geschossen hatte.

»Dog hat das Schloss attackiert«, vermutete er. »Jetzt steht er im Büro und wundert sich, wo wir geblieben sind. Und früher oder später wird er es begreifen. Wir haben also keine Zeit zu verlieren, Lärm hin oder her.« Entschlossen trat er nun mit aller Kraft zu. Beim vierten Tritt flog das Gitter mitsamt seinen Schrauben aus der verputzten Wand und krachte auf den Boden. Ohne zu zögern, schlüpfte Bob aus dem Tunnel und sprang hinunter. Peter folgte ihm. Als Bob vorsichtig die Klinke drückte, stellte er fest, dass

auch diese Tür verschlossen war. Aber er hatte ja die Schlüssel. Nach und nach probierte er sie aus. Diesmal hatte er früher Glück, bereits Nummer neun passte.

»Was machen wir, wenn wir Alpha und Co direkt in die Arme laufen?«, fragte Peter ängstlich.

»Werden wir nicht«, versprach Bob. »Die haben den Schuss bestimmt alle gehört und sind jetzt im Sicherheitsbüro oder noch auf dem Weg dahin. Sie werden erst mal eine Weile überlegen, wie wir verschwinden konnten. Und dann machen sie einen Plan, wie sie uns wieder einfangen. Während dieser Zeit können wir uns frei bewegen. Meine Güte, was für ein Hin und Her!«

Peter schnippte mit den Fingern, als auch ihm etwas Gutes einfiel: »Wir gehen zu Justus, der die Bande belauscht, um uns sagen zu lassen, welche Pläne sie haben. Genial!« Bob öffnete die Tür und spähte vorsichtig hinaus auf einen dunklen Gang.

»Die Luft ist rein«, flüsterte er. »Los geht's!«

22.36 Uhr - Das Geheimnis des Nachtwächters Der Schuss knallte ohrenbetäubend laut durch die winzige Kabine. Justus zuckte zusammen. »Mein Gott!«, keuchte er.

»Jetzt hat er die Tür aufgeschossen. Ich hoffe, Bob und Peter sind weit genug gekommen, um nicht entdeckt zu werden.«

»Das hoffe ich auch. Diese Kerle scheinen vor nichts zurück-zuschrecken«, erwiderte Morton. »Ich mache mir Vorwürfe.

Hätte ich Mr Peacock nicht abgeholt, wärt ihr gar nicht in diese Lage geraten.«

»Hätten Sie Mr Peacock nicht abgeholt, wäre die Bande über alle Berge und das Feuer des Mondes wahrscheinlich für immer verloren«, widersprach Justus. »Ich habe euch in Gefahr gebracht«, beharrte Morton. »Es gehört sich einfach nicht, Gäste zu fahren, wenn man andere noch nicht sicher an ihrem Zielort abgesetzt hat. Ich habe so etwas noch nie getan.«

»Wir haben schließlich unser Einverständnis gegeben, als Sie fragten, ob Sie den Direktor abholen dürfen. Nun hören Sie schon auf sich Vorwürfe zu machen. Wir haben wirklich Wichtigeres zu tun.«

Morton räusperte sich. »Du hast Recht, Justus. Hoffentlich schaffen es Peter und Bob bis hierher, damit du ihnen deine erstaunlichen Erkenntnisse mitteilen kannst. Ich habe wirklich Hochachtung vor deiner Beobachtungsgabe und deinen scharf-sinnigen Kombinationen. Ich selbst wäre nie darauf gekommen, dass Dog niemand anderes ist als -«

»Pst!«, unterbrach Justus ihn. Aus dem Lautsprecher war zu hören, dass jemand fluchtartig das Büro verließ. »Jetzt hat er begriffen, dass sich niemand unter dem Tisch und hinter der Tür versteckt, und holt die anderen. Hoffentlich stolpert er dabei nicht zufällig über Bob und Peter.«

Sie warteten einige Minuten schweigend, dann vernahmen sie das bekannte Geräusch über sich: Jemand öffnete die Auf-zugtür. »Justus? Wir sind's!«

»Bob! Dem Himmel sei Dank!«

»Sind sie schon im Büro? Habt ihr sie belauschen können?«

»Nein«, antwortete Justus. »Aber ich habe andere Neuigkeiten für euch. Es wird euch interessieren.«

»Bitte, Just, komm zur Sache!«, drängte Peter. »Wir haben wirklich keine Zeit für umständliches Gelaber. Sie werden sich jeden Augenblick auf die Suche nach uns machen.«

»Also schön. Ich spare mir die Details meiner Schlussfolge-rungen. Hier die Ergebnisse: Es gibt keinen Nachtwächter.«

»Wie bitte?«

»Der Mann, der sich als Nachtwächter ausgibt, ist Dog.«

»Was?«, rief Bob überrascht. »Dog?«

»Aber woher -«

»Ich habe seine Stimme wieder erkannt, als ich ihn nach dem belauschten Gespräch mit Peter an der Fahrstuhltür noch einmal durch die Gegensprechanlage hörte. Das war es, was mir so bekannt vorkam: seine Stimme, nichts anderes. Daher fiel mir auch partout kein Gesicht ein.«

»Aber dann hat die Bande den Stein ja längst«, bemerkte Peter. »Warum -«

»Falsch. Dog hat ihn. Er will Alpha hintergehen und den Diamanten für sich behalten! Damit du ihn nicht verraten kannst, hat er sich als Nachtwächter ausgegeben. Es war so dunkel, dass du ihn nicht wieder erkannt hast. Aber das ist nicht alles.

Ich weiß auch, wo der Stein jetzt ist.«

»Wo er jetzt ist? Ich denke, Dog hat ihn.«

»Ich glaube nicht, dass er so dumm ist und ihn in der Tasche mit sich herumträgt. Früher oder später schöpft Alpha vielleicht Verdacht -insbesondere dann, wenn weit und breit kein Nachtwächter aufzufinden ist -und durchsucht seine Leute, nein, Dog hat ihn versteckt.«

»Aber das bringt ihm doch nichts«, widersprach Peter. »Irgendwann muss er den Diamanten schließlich wieder an sich nehmen.«

»Ja. Irgendwann. Aber nicht heute Nacht.«

»Du meinst, er will noch einmal hier einbrechen? Ohne die anderen?«

»Nein. Er wird als ganz normaler Museumsbesucher zurück-kommen und sich den Stein holen. Daher hat er ihn an einem Ort versteckt, der jedem Besucher ganz einfach zugänglich ist.«

Einen Moment herrschte Schweigen. »Und der wäre?«, wollte Peter wissen.

»Die Toilette. Deshalb ist er auch eben dorthin verschwunden.

Er musste nicht wirklich aufs Klo. Vielmehr ist ihm in diesem Moment eingefallen, wo es ein todsicheres Versteck gibt.

Wahrscheinlich hat er den Diamanten mit Klebeband unter einem Spülbecken befestigt oder ihn in einem Wasserkasten verschwinden lassen oder etwas Ähnliches. Einen Ort gesucht, an dem auch eine Putzfrau nicht sofort fündig wird.«

»Meine Güte, Justus!«, rief Bob. »Das klingt so logisch, dass es schon unheimlich ist. Ich hoffe, du hast Recht.«

»Ich gebe zu, die Sache mit der Toilette ist eine noch nicht bewiesene Spekulation. Aber der Nachtwächter kam mir von Anfang an komisch vor. Ich bin sicher, dass es keinen gibt.

Dog ist der Übeltäter, hundertprozentig!«

»Schön und gut«, meinte Peter. »Aber was fangen wir mit diesem Wissen an?«

»Vorerst gar nichts. Ihr müsst hier verschwinden. Bob, du hast doch einen Schlüssel. Versucht irgendwie in das andere Treppenhaus zu kommen, ohne durch das Foyer zu gehen. Nehmt die Tür, durch die wir reingekommen sind.«

»In Ordnung, Just. Und was ist mit euch?«

»Irgendwann werden die Ganoven abziehen und den Strom wieder einschalten. Dann kommen wir hier endlich raus. Und notfalls warten wir bis morgen früh. Das wird zwar weder Tante Mathilda noch meinen Magen freuen, aber es gibt wohl keine andere Möglichkeit. Und jetzt zischt ab! Viel Glück!«

»Alles klar, Erster! Bis bald!« Die Tür wurde geschlossen und es herrschte wieder Stille. Doch nur für einen Augenblick.

Dann drangen Stimmen aus dem Lautsprecher. »Sie können unmöglich verschwunden sein!«, fluchte Alpha. »Es tut mir Leid, Alpha«, ertönte Dogs Stimme in weinerlichem Tonfall.

»Ich wollte wirklich nicht —«

»Nein, ganz sicher wolltest du nicht. Aber du hast sie entkommen lassen!«

»Ich habe den Stuhl fest verkeilt!«

»Und dann bist du einfach verschwunden und hast meine Be-fehle missachtet!«, brüllte Alpha. »Ich habe dir gesagt, lass sie nicht aus den Augen! Das darf alles nicht wahr sein! Wir rennen wie die allerletzten Anfänger durch dieses Museum auf der Suche nach einem unsichtbaren Nachtwächter und zwei vorlauten Jungs! Dass unser lieber Herr Direktor noch immer selig schlafend hier herumliegt, ist wohl reiner Zufall. Ich sage dir eins, Dog: Die Sache hat Konsequenzen für dich! Sehr große Konsequenzen!« Er knurrte wie ein gereizter Wolf. »Wo sind sie?«

»Alpha?« Das war Ernies Stimme. »Sieh mal, dort oben!«

Justus und Morton hielten den Atem an. »Ein Luftschacht«, sagte Alpha ganz ruhig und brüllte dann: »Ein Luftschacht! Sie sind durch dieses verdammte Ding gekrochen!« Nun war nur noch wutentbranntes Geschrei zu hören. Etwas schepperte und krachte. Scheinbar zerlegte Alpha die halbe Inneneinrichtung des Büros. Und dann jagte es Justus einen eiskalten Schauder durch den Körper: »Was ist das? Die rote Lampe da! Warum hat hier irgendetwas Strom?«

»Das ist die Notrufanlage für den Lift«, antwortete Beth. »Das sehe ich«, sagte Alpha mit bedrohlicher Ruhe. »Diese schlauen Burschen! Sie haben die Sprechverbindung eingeschaltet, um uns belauschen zu können. Nur zu dumm, dass ich es bemerkt habe. Jetzt wissen wir, wo sie hinwollen: in den Fahrstuhl! Ein so gutes Versteck, dass ich erst in ein paar Stunden daraufgekommen wäre. Ernie, diesmal bewachst du den Dicken. Beth und Dog, ihr haltet Wache an den Treppenhauseingängen. Ich werde allein zum Fahrstuhl gehen. Noch einmal entwischen mir die beiden nicht!«

»Justus hat aber gesagt, wir sollen sofort verschwinden!«, zischte Peter, während er Bob den Flur entlang folgte. »Seit wann tust du, was Justus sagt?«, fragte Bob spöttisch. »Seit ich mit ihm einer Meinung bin. Ich will hier raus, so schnell wie möglich! Die suchen doch bestimmt schon wieder nach uns!«

»Begreif doch, Peter: Vielleicht hat Justus Unrecht und Dog holt sich den Stein nicht erst morgen oder in den nächsten Tagen, sondern er nimmt ihn schon jetzt mit. Dann stehen wir dumm da: Verbrecher entkommen, blauer Diamant weg. Nein, wir müssen den Stein mitnehmen, wenn wir abhauen. So können wir wenigstens sicher sein, dass Alpha und die anderen noch hier sind, wenn die Polizei eintrifft. Ohne das Feuer des Mondes verschwinden die bestimmt nicht. Nicht nach diesen Strapazen.«

»Du bist ja witzig. Und wer kümmert sich um die Strapazen, die ich erlitten habe?«

»Nun stell dich nicht so an, Peter. Wir sind ja gleich weg. Da vorne sind die Toiletten.«

Sie befanden sich im zweiten Stock im Hauptgang. Die Orien-tierungsschilder, die im Halbdunkel gerade noch zu erkennen waren, hatten ihnen den Weg gewiesen. Bob stieß die Tür auf und betrat den gekachelten Vorraum. »Dann machen wir uns mal auf die Suche.« Er bückte sich und begutachtete die Waschbecken, während Peter zu den Kabinen ging. Justus hatte von den Wasserkästen gesprochen. Tatsächlich ließen sich die Kunststoffdeckel leicht abnehmen. Doch Peter sah nichts darin glitzern außer dem Wasser. Er verschloss den ersten Kasten und ging zum nächsten. Es gab sechs Kabinen. In keinem der Wasserkästen war der blaue Diamant versteckt.

Auch nicht darunter. Nirgendwo. »Hast du ihn?«, fragte er Bob, der gerade hereinkam. »Fehlanzeige. Und bei dir?«

Peter schüttelte den Kopf. »Justus muss sich geirrt haben. Verfluchter Mist. Justus irrt sich alle hundert Jahre einmal. Muss das ausgerechnet jetzt sein?«

»Hast du auch wirklich alle Kästen genau abgetastet?«

»Abgetastet?«

»Ins Wasser gefasst, meine ich.«

»Ins Wasser? Ich fass da doch nicht rein!«

»Du hast also nur einen Blick reingeworfen? Peter, wir suchen nach einem Diamanten! Der ist im Wasser so gut wie unsichtbar. Wir hatten schon einmal einen ähnlichen Fall, erinnerst du dich? Also los, wir sehen noch mal nach.«

»Aber das hier ist ein Klo!«, protestierte Peter. Bob verdrehte die Augen. »Meine Güte! Das ist ganz normales Leitungswas-ser in den Kästen. Eklig wird's erst weiter unten.« Bob betrat eine Kabine, hob den Deckel des Behälters ab und steckte seine Hand hinein. In der zweiten Kabine wurde er fündig. Triumphierend zog er den großen Edelstein hervor. »Habe ich doch gesagt! Das Feuer des Mondes - wow! Komisch, ich habe ihn mir irgendwie... spektakulärer vorgestellt.«

»Ist ja auch dunkel hier«, bemerkte Peter knapp. »Und jetzt lass uns abhauen!«

»Na schön. Ich bin für meinen Geschmack auch lange genug in diesem Museum gewesen.« Sie verließen den stillen Ort und traten auf den Flur hinaus. »Am Ende des Ganges müsste der Eingang zum Treppenhaus liegen«, raunte Bob und setzte sich in Bewegung. Sie gingen an der großen Haupttreppe vorbei, doch dort rührte sich nichts. Wo immer Alpha nach ihnen suchen ließ, hier war niemand. Der Flur war sehr lang. Sie waren noch etwa dreißig Meter von seinem anderen Ende entfernt, als sich dort eine Tür öffnete. Auch in der Dunkelheit erkannten sie die Silhouette, die dort stand: Alpha. Er brauchte nur einen Augenblick, um sich von seiner Überra-schung zu erholen, dann rannte er auf die beiden zu.

»Verdammt!«, rief Peter und zog Bob in den nächstbesten Sei-tengang. Der Gang machte nach wenigen Schritten einen Knick - und endete in einer Sackgasse. Eine einsame Tür war der Ausweg. Sie war verschlossen. »Bob! Die Schlüssel!« Bob zerrte den Bund hervor und versuchte mit zitternden Fingern das Schloss zu öffnen.

»Mach schon, mach schon, mach schon!«, drängelte Peter. »Er ist jeden Moment hier!«

»Warum müssen hier nur so viele blöde Schlüssel dran... Ah!

Der passt!« Mit einem Klicken gab das Schloss nach. Bob stieß die Tür auf, sie schlüpften hindurch und schlossen sie wieder. »Schließ ab!«

»Ich bin schon da-« Weiter kam Bob nicht. Der Türflügel knallte gegen seinen Kopf und warf ihn zu Boden. Peter sah sich panisch nach einem Fluchtweg um, doch es gab keinen.

Nur vergitterte Fenster und diesen einen Ausgang. Alpha stand in der Tür und richtete seine Waffe auf sie. »Ihr verfluchten Burschen!«, keuchte er. »Hab ich euch endlich. Das ist das letzte Mal, dass ihr mich zum Narren gehalten habt!«

Bob rappelte sich mühsam auf. »Was ... was haben Sie jetzt...«

»Was ich vorhabe? Mit euch? Gar nichts. Abgesehen davon, dass ich euch erschießen werde, wenn ihr mir nicht helft.«

»Helfen?«, fragte Peter irritiert. »Wobei denn helfen?«

»Den Stein zu finden. Oder besser gesagt: denjenigen, der ihn versteckt hat.«

»Aber... wir wissen nicht, wo der Nachtwächter ist!«, beteuerte Peter. »Das habe ich Ihnen doch schon gesagt!«

»Es gibt keinen Nachtwächter!«, bellte Alpha. »Das wisst ihr genauso gut wie ich.«

»Wieso gibt es keinen Nachtwächter?«, spielte Bob den Über-raschten. »Peter hat ihn doch gesehen.« Alpha schüttelte lächelnd den Kopf. »Ihr Jungs seid einfach zu clever. Ich bin sicher, ihr habt dieses absurde Spiel besser durchschaut als alle anderen. Aber ich bin auch kein Vollidiot. Einer meiner Leute hintergeht mich. Er hat euch den Nachtwächter vorgespielt.

Und ich werde das Gefühl nicht los, dass ihr sehr genau wisst, wer das ist.«

22.49 Uhr - Kreuzverhör

Es herrschte atemloses Schweigen. Alphas Eröffnung hatte sie vollkommen überrascht. Bob überlegte fieberhaft, was er antworten sollte. Dann begriff er, dass er bereits zu lange gezögert und sie damit verraten hatte. Doch vielleicht war die Wahrheit ihr einziger Ausweg. Eine Auseinandersetzung innerhalb der Bande lenkte ihre Aufmerksamkeit von allem anderen ab. »Dog«, sagte der dritte Detektiv schließlich. »Es ist Dog. Es war dunkel, aber Peter hat ihn an der Stimme wieder erkannt.«

Alphas Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. »Dog!«, keuchte er. »Ich wusste es! Ich wusste es! Dieser Verräter!« Er knurrte wie ein hungriger Wolf, sein Atem ging schneller und schneller - und setzte plötzlich aus. Alpha riss die Augen auf und tastete seine Jacke nach dem Inhalator ab. Zitternd zog er ihn hervor und setzte ihn an den Mund. Peter sprang vor und schlug ihm das Gerät aus der Hand. Es flog in hohem Bogen durch den Raum und landete in der Dunkelheit. Der Anführer der Bande starrte ihn entsetzt an, war jedoch unfähig sich zu rühren.

»Raus hier!«, rief Peter, riss Bob mit und sprang durch die Tür. Er schlug sie zu. »Los, schließ ab!«

»Peter!«, sagte Bob anerkennend, während er den Schlüssel herumdrehte. »Das war eine Meisterleistung! Hat sogar mich überrascht.«

»Mich auch«, antwortete der Zweite Detektiv unsicher. »Ver-schwinden wir hier!«

Doch als sie um die Ecke bogen, erlebten sie eine böse Über-raschung: Beth und Dog erwarteten sie mit gezückten Waffen.

»Das Katz-und-Maus-Spiel ist aus«, sagte Beth. »Endgültig.«

Ein ohrenbetäubender Knall ließ alle zusammenzucken. Bob und Peter blickten zurück. Die Tür, die sie gerade verschlossen hatten, wurde aufgerissen und Alpha stürmte heraus. Er hatte das Schloss zerschossen. Überrascht sah er die beiden an, dann erblickte er seine Kollegen. »Endlich seid ihr einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort«, brummte er. »Nehmt die Jungs mit! Wir gehen zurück ins Sicherheitsbüro!«

»Was ist denn passiert?«, fragte Beth irritiert. »Das erzähle ich euch später. Los, nach oben!«

»Und der Nachtwächter?«

Alpha grinste bösartig und stieß Bob und Peter unsanft nach vorn, Richtung Haupttreppe. »Ich weiß eine todsichere Methode, wie wir ihn schnappen können.« Als sie das Büro erreichten, lag Mr Peacock unverändert auf dem Boden. »Habt ihr sie also erwischt«, stellte Ernie zufriedene fest. »Was passiert nun mit ihnen?«

»Gar nichts«, antwortete Alpha. »Die Jungs machen zwar ständig Ärger, sind aber vorerst nicht weiter wichtig. Wichtiger ist der Nachtwächter.« »Habt ihr ihn gefunden?«, wollte Ernie wissen. »Noch nicht ganz. Aber wir sind auf dem besten Weg«, erklärte Alpha zuversichtlich und scheinbar bester Laune. »Ich habe einen Plan.« Er postierte sich so vor den Eingang, dass niemand den Raum verlassen konnte. Fordernd streckte er die Hand aus.

»Dog, gib mir mal deine Waffe.«

»Wozu brauchst du denn -«

»Frag nicht!«

Zögernd händigte Dog ihm die Pistole aus. »Das war Teil eins meines Plans.«

Peter warf einen unauffälligen Blick auf Dog. Er war blass geworden.

»Und jetzt kommt Teil zwei.« Alpha entsicherte die Waffe, trat zwei schnelle Schritte auf Dog zu und stieß ihn gegen die Wand, dass Bob hastig auswich. Der Anführer packte Dog am Kragen und hielt ihm den Lauf des Revolvers unter das Kinn.

»Rück ihn raus!«, zischte er.

»Alpha!«, rief Beth erschrocken. »Was soll denn das?«

»Dog ist unser Nachtwächter!«, brüllte Alpha. »Er hat uns verraten!«

»Was ... was redest du denn da«, stotterte Dog und versuchte ein Lächeln. »Wieso sollte ich -«

»Gib dir keine Mühe, der Junge hat dich an deiner Stimme erkannt.« In knappen Worten fasste Alpha die Lage für Beth und Ernie zusammen. Dann wandte er sich wieder dem lei-chenblassen Verräter zu. »Warum hast du das getan? Hast du wirklich geglaubt, du kommst mit dem Stein davon, ohne dass wir etwas merken?«

»Ich -«

»Hast du das wirklich geglaubt?«

»Ich... hatte einen Auftraggeber«, gestand Dog schließlich. »Er versprach mir doppelt so viel Geld wie ich von dir bekommen hätte.«

»Wer?«, wollte Alpha mit eisiger Stimme wissen. »Wer hat dich beauftragt uns zu hintergehen?« Glänzender Schweiß stand auf Dogs Stirn und er schluckte schwer: »Die Stimme.

Es war die Stimme.«

»Sag das noch mal!«

»Die Stimme hat mir den Auftrag gegeben«, wiederholte Dog.

»Du steckst also mit ihr unter einer Decke. Dann weißt du auch, wer sich hinter der Stimme verbirgt«, mutmaßte Alpha.

»Sag es mir.«

»Ich weiß es nicht.«

»Wer?«, schrie Alpha, dass alle zusammenzuckten, und drückte seinem ehemaligen Partner die Waffe noch etwas fester unter das Kinn.

»Ich weiß es nicht!«, beteuerte Dog flehend. »Die Stimme hat mich angerufen, genau wie dich. Sie fragte mich, ob ich bei der Aktion nicht etwas mehr verdienen wollte, und bot mir das Doppelte an, wenn es mir gelingt, das Feuer des Mondes irgendwie an mich zu bringen.«

»Warum?«, hakte Alpha nach. »Warum versuchte die Stimme uns gegeneinander auszuspielen?«

»Das ist doch ganz klar«, entfuhr es Bob, der gespannt zugehört und sich bereits eine Theorie zurechtgelegt hatte.

»Schnauze!«, fuhr Beth ihn an und fuchtelte mit ihrer Waffe herum.

Weiter: Teil 4 von 4