Fall 01
Teil 3 - Der Fall vor 2 Jahren
EINS
Zeugenaussage Richard Noel
Es war eine kristallklare Nacht. In der Bar „Northwood“ wurden die Gläser gehoben, es wurde gelacht und gefeiert und alles sang oder machte Späße. Dicht gedrängt in einer Ecke, an einem Kreisrunden Tisch saßen drei Männer. Sie hatten schon gut getrunken und hatten schon die typische nuschelnde Sprechweise angenommen. Einer der Männer, groß und schmächtig mit schwarzen verfilzten Haaren brüllte vor Lachen. Doch es störte niemanden, denn die Stimmung war so schon ausgelassen und aufgekratzt. Der Grund warum der Mann gelacht hatte war, dass der andere sich mit Bier bekippt hatte. „Dassss.... das... kannste aber besser“ kicherte er, während der Inhalt des Glases, das er in der Hand hielt um ihn her spritzte. Der dritte Mann setzte in das Gelächter des Ersten ein. Sekundenbruchteile später wackelte der Tisch, weil sie ihre Fäuste auf den Tisch schlugen und sich vor Lachen kaum noch auf ihren Stühlen halten konnten.
So war es jedes Mal. So war es beim nächsten Barbesuch. Und auch am übernächsten. Doch eines Tages kam der Zeitpunkt, an dem sich alles änderte. Während Michael Clarksson, Ethan Miles und Rick Davidson sonst immer fröhlich jeden Samstag gezecht und gelacht hatten wurde es an diesem einen Abend gefährlich. Eine Mauer aus Hass um sich herum aufgebaut kam Ethan Miles eines Tages in die Bar, in der Rick und Michael schon warteten. Beide waren schon leicht angetrunken und empfingen ihn mit wohligem Interesse. Doch Ethan war blind vor Wut. Er griff sich Rick, die Hand fuhr an dessen Hals und er drückte ihn gegen die Wand. Dann schlug er zu. Und noch einmal. Michael sprang auf und versuchte sich dazwischen zu werfen, doch Ethan hielt ihn eisern fest. „WAS...“ Er schlug zu. „...UM HIMMELS WILLEN...“ Er schlug erneut. „ERLAUBST DU DIR EIGENTLICH?“ Schrie er Rick an. Michael schaffte es Ethan von ihm weg zu reißen und baute sich vor ihnen auf. „Was ist eigentlich los mit dir?“ Ethan schien innerlich zu explodieren. „Dieses dumme Schwein hat mit meiner Frau geschlafen! MIT MEINER FRAU!“ ER versuchte Michael beiseite zu drücken und wieder auf Rick loszugehen. Rick schob sich hinter Michael zur Seite. „Heeeyyyyyy... Ethaaaaan... Es t-t.. t-tut mir Leid wegn dieser... blödn Geschichte, aber >hicks< eins mussde wissn. Es war sooo toll, weeßte. Un ich kann ja nichts dafür, dass-ss s-sie so sexy is.“ Dann fing er lauthals an zu lachen. Ethan sah so gefährlich aus als würde er ihn umbringen wollen. Ethan drehte sich um und schritt aus der Bar. Doch bevor er den Ausgang erreichte, rief ihm Rick noch etwas nach. „Du glaubst ja nich, wie guuuuut se war.“ Dann lachte er wieder. Das reichte, um die Situation eskalieren zu lassen. Ethan griff zur Bar, nahm sich ein leeres Bierglas, das dort stand und schleuderte es in Ricks Richtung. Es traf ihn direkt am Kopf und zerbarst in tausend Stücke. Rick ging zu Boden. Ethan wartete nicht ab was passierte, sondern verließ die Bar. Am Ausgang erhaschte er einen Blick auf einen jungen Mann, der wie versteinert in der Tür stand und das geschehen beobachtete. Der Mann trat in den Schatten und Ethan verließ die Bar. Rick, der alles wie durch einen Schleier sah, bemerkte gerade noch am Rande der Bewusstlosigkeit, wie der junge Mann in den Schatten trat und verschwand. 'Das ist also sein Sohn', waren die letzten Gedanken, bevor er in die wärmende Schwärze fiel.
ZWEI
Artikel des 14. Februar in der Tageszeitung
In dem tragischen Vorfall am 14. Februar scheint es endlich neue Erkenntnisse zu geben. Der Polizei nach hat man am Auto Fingerabdrücke zweier Personen gefunden, die die Bremsleitungen hätten manipulieren können. Der Polizeisprecher wandte aber jede Aussage zu den Verdächtigen Personen ab und hielt sie unter Verschluss. Wie die Tageszeitung jedoch exklusiv berichten kann scheint es allerdings eine tiefgründigere Hintergrundgeschichte dazu zu geben. Die Verunglückte Lucy Davidson (29) war am Unglückstag mit ihrem Auto unterwegs gewesen, als ihre Bremsen versagten und sie auf eine Kreuzung geriet und ihr Wagen erfasst wurde. Besagter Wagen war kurz zuvor von einem Bekannten gefahren und bei einem Mechaniker zur Inspektion abgegeben worden. Diese beiden Verdächtigen scheinen von der Polizei jedoch ausgeschlossen worden zu sein, so ein Polizeibeamer, der seinen Namen nicht preisgeben wollte. Die Spekulationen gehen weiter. Neues allerdings wird sich wahrscheinlich aber erst in einigen Tagen ergeben.
DREI
Polizeiakte #1347800
Im Fall „Lucy Davidson“ werden die zwei Verdächtigen Michael Clarksson und Ethan Miles werden aufgrund fehlenden Beweisen von der Anklage den Mord geplant und geführt zu haben entlastet. Der Fall ist geschlossen und wird zu den Akten als „Unfall“ abgelegt.
VIER
Rekapitulation
Er kauerte im Gebüsch. Vögel zwitscherten von den Bäumen und es war bitterkalt. Der Winter streckte seine letzten eisigen Finger in die Welt und griff erbarmungslos zu. Seit zwei geschlagenen Stunden hockte er schon hier, ein Fernglas an die Augen gedrückt und wartete. Beobachtete. Er sah, wie ein Mann aus dem Haus kam, welches er beschattete. Ein sehr junger Mann. Ethans Sohn. Rick Davidson stahl sich von Gebüsch zu Gebüsch und verfolgte ihn. Jedoch nicht lange, denn der Junge Mann kramte in seiner Tasche, holte einen Autoschlüssel hervor und drückte einen Knopf, worauf das Auto direkt vor ihm mit den Lichtern blinkte und einen kurzen Ton ausstieß. Es war ein purpurner Chevrolet Baujahr 87'.Der Mann setzte sich an das Steuer und startete den Motor. Rick derweil schlich sich zurück zu seinem eigenen bulligen Land Rover und folgte ihm unauffällig. Sie fuhren die Straße entlang Richtung Zentrum. Mehrmals verlor er ihn kurzzeitig und fand ihn aber kurz darauf gleich wieder. Großartig übersehen konnte man ihn nicht. Die Fahrt führte sie am Zentrum vorbei und weiter in die äußeren Gefilde. Vor einem hohen Gebäude blieb er stehen. Einem luxuriösen Hotel mit dem Namen „Grauwacht“. Hier fuhr der Mann an die Seite und stieg aus. Ricks Land Rover hielt in genügend Abstand hinter ihm. Der junge Mann wurde von einem anderen begrüßt. Und Ricks Blut geriet in Wallungen. Es war Michael Clarksson. Und er hatte seine Frau auf dem Gewissen. Doch was suchte Ethans Sohn bei ihm?
FÜNF
Gegenwart
Matthews Handy klingelte erneut und er schreckte von den Dokumenten hoch, über dem er gerade brütete. Er holte es aus der Tasche und meldete sich.
„Ja, Matthew Riley?“
„Hier ist Hauptkommissar Cole. Wir haben in der Wohnung einen weiteren Fund gemacht. So etwas habe ich noch nie gesehen.“„Was war es denn?“
„Eine ganze Wand voller Fotos, Notizen und Berichte. Und ein Tagebuch, was uns einiges verrät.“
„Was steht darin?“
„Matt, ist es okay, wenn ich es dir vorlese?“
„Natürlich, erzähl!“
„Okay.. Also: Es beginnt am...“
SECHS
Tagebuch des Rick Davidson
29. März, Morgen
Endlich ist der Plan fertig. Ich kann es nicht mehr abwarten ihn auszuführen. Die Vorbereitungen sind getroffen. Mein Dienstplan schreibt mir vor, am 14. April eine Wartungsarbeit an einer Kamera durchzuführen. Einiges Überzeugungsgeschick war nötig, doch letztendlich habe ich es geschafft. Alles ist genauestens kartographiert. Alles wird klappen. Ich werden den alten dummen Clarksson ins Grab bringen. Ich habe jedoch nicht herausgefunden, was Ethans Sohn bei ihm dauernd will. Irgendetwas stimmt bei meinen Überlegungen noch nicht. Mein lieber Michael, bald wirst du große Schwierigkeiten bekommen!
SIEBEN
„...das steht dort geschrieben. Das dürfte für eine Überführung reichen.“
„Danke, Cole.“
„Keine Ursache, Matt. Bist du auch fündig geworden?“
„Allerdings, ich habe einige Informationen an Mann bringen können. Langsam bildet sich eine Struktur. Aber damit wir einen endgültigen Beweis bekommen müssten wir etwas riskieren. Einen Plan, der uns den Täter des Falls vor zwei Jahren liefert.“
„Ich hoffe du weißt was du tust?“
„Immer, Cole.“
„Gut, ich werde alles veranlassen. Wir haben in einem anderen Eintrag auch noch etwas.. Anderes interessantes gelesen.“
„Und was wäre das?“
„Er schreibt, dass er bedauert, dass seine Frau an diesem Tag das Auto genommen hat.“
„Ich glaube es nicht! Ich habe einen Plan. Sehr gut, alles was wir tun müssen ist folgendes...“