Fall 01
Teil 4 - Showdown
Es war bereits später Nachmittag. Rote Streifen waren überall zu sehen, als die Sonne verzweifelt ihre letzten Strahlen durch die Schluchten des Hochhauschaos warf. Der Verkehr nahm zu, denn die Leute kamen von Arbeit nach Hause oder holten Kinder ab, gingen Freunde besuchen oder gingen ihren Freizeitaktivitäten nach. Ethan Miles Haus lag gänzlich im Schatten einer riesigen Tanne, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhob. Ethan selbst öffnete die Tür und blickte sie überrascht an. „Was kann ich für Sie tun?“ Matthew sah Cole an. Wir haben Grund zu der Annahme, dass sie in einen Mordfall involviert sind. Dürfen wir hereinkommen und uns einmal umsehen?“ Ethan wurde kreidebleich. „Ich habe nichts getan! Was hätte ich für ein Motiv Michael umzubringen? Und auch noch seinen Sohn?“ Matthew senkte den Kopf. „Bitte, behindern Sie die Polizeiarbeit nicht. Wir wollen lediglich etwas überprüfen.“ Ethan nickte angsterfüllt und ließ sie herein. In der Wohnung sah es aus, wie bei ihrem ersten Besuch. Cole begann sich in der Wohnung umzusehen, während Matthew einfach nur da stand. Ethan sah ihn gebannt an. „Hatten Sie nicht gesagt, dass Sie etwas suchen bei mir? Ich habe nichts zu verbergen.“ Matthew sah ihn direkt an. „Wenn ich es mir recht überlege, hätte ich da noch eine Frage an Sie. Was wissen Sie von dem Unfall von Lucy Davidson? Etwas das wir noch nicht wissen?“ Ethan sah ihn verwundert an. „Ich habe alles gesagt was ich weiß!“ Matthew blickte ihn ungläubig an. „Ja, das haben Sie bestimmt.“ Ethan blickte verzweifelt. Ich habe Michael nichts getan!“ Matthew lächelte. „Das hat auch kein Mensch behauptet. Das was damals um zwei geschah, war schließlich auch nur ein Unfall.“ Ethan schüttelte den Kopf. Es passierte um eins, als...“ Er verstummte. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Matthew sah ihm direkt in die Augen. „Diese Information. Woher haben Sie die?“ Ethan taumelte und sank auf einen Stuhl in sich zusammen. Cole stand in der Tür. Und blickte gefährlich. Matthew wandte Ethan den Rücken zu. „Sie waren es, der vor zwei Jahren Lucy Davidson tötete!“ Ethan sagte nichts. Er zitterte und starrte an die Wand. Matthew wandte sich ihm wieder zu. Dann kam er ihm näher. „Sie waren es, nicht Michael. Sie haben sie getötet, weil ihr Freund, Rick Davidson mit Ihrer Frau eine Affäre hatte. Sie wollten ihm spüren lassen, was es heißt so etwas zu spüren!“ „NEIN!“ brüllte Ethan mit einem Mal und sah Matthew direkt an. Tränen füllten seine Augen. „Ich wollte sie nicht töten. Sie war ein Engel. Ich wollte IHN töten.“ Matthew nickte. „Doch leider gab es ein Problem. Sie fuhren das Auto, welches Rick gehörte, in die Werkstatt. Sie taten auf Gutmensch und halfen dem, der mit Ihrer Frau fremdging. Er hatte eine Freundin gefunden. Und sie kamen mit ihr hervorragend klar. Das gefiel Rick jedoch überhaupt nicht. Er wollte nicht, dass Sie aus Rache auf die gleiche Idee kommen würden und sie missbrauchen und eine Affäre anfingen. Leider kam alles anders, denn Sie planten ihn umzubringen. Rick, der sich nie mit seinen Mitmenschen beschäftigte, sah Michaels Sohn an dem Tag, wo sie ihn bewusstlos schlugen in der Bar. Er verwechselte ihn aufgrund eines fatalen Fehlers und dachte Sie hätten einen Sohn. Er tötete Ihren Sohn, und Michael gleich mit, damit er es als Unfall tarnen konnte. Außerdem machte er ihn ja für den Tod Lucys verantwortlich. Doch obwohl er in der Autowerkstatt arbeitete war er es nicht, der die Bremsleitungen manipulierte. Das waren Sie. Als Rache dafür, dass er mit Ihrer Frau fremdgegangen war. Ich glaube Ihnen, dass Sie sie nicht töten wollten. Sie waren nur an Rick interessiert. Durch einen Zufall, so gering er auch war, war es nun ausgerechnet Michaels Auto, welches Lucy umbrachte. Das kam Ihnen zugute.“ Ethan schwieg. Er nestelte an seinem Reißverschluss der Jacke. Matthew beugte sich vor. „Wo ist Ihre Tochter gerade?“ Ethan schloss die Augen. Sagte jedoch nichts. Matthew sah kurz zu Cole hinüber. Dieser nickte. Matthew packte Ethan Miles an der Schulter. „Wir, das heißt ich, habe den Verdacht, dass Ihre Tochter die Entscheidung getroffen hat sich am Mörder von Michael zu rächen, dafür, dass er ihr ihren Freund entrissen hat. Wir können sie vor Folgen ersparen, aber dazu müssen Sie kooperieren.“ Ethan Mund klappte auf. „Sie will was?“ Matthew sah ihn traurig an. „Deswegen müssen wir handeln. „Okay“ sagte Ethan. „Ich komme mit. Meiner Tochter darf nichts geschehen!“ Matthew nickte und gemeinsam verließen sie das Haus. Sie spurteten zu dem Wagen und stiegen ein. Cole sah Matthew an. „Wohin fahren wir?“ Matthew lächelte. „Zu den City Gardens.“ Cole trat auf das Gaspedal und so ging es los. Unterwegs sah Cole kurz zu Matthew herüber. „Warum die City Gardens?“ „Es gab die Botschaft, das wir in Ricks Wohnung fanden. Darauf stand ein I, ein nach unten gerichteter Pfeil, noch ein I, ein X und ein Herz.. Wenn wir es lesen würden, was würde dann da stehen? 'Ich bin an dem Ort, wo ich mein Herz traf. Sie meint damit den Ort, der als erstes Date mit dem Sohn Michaels diente.“ Cole schien kurz nachzudenken. „Und woher hast du die Information?“ Michael sah aus dem Fenster. „Aus der selben Nachricht. Sehen wir uns die Nachricht noch einmal an. Was fällt uns an dem Pfeil auf? Er hat oben und unten einen Balken. Warum ist das so? Gut, wenn wir den Pfeil auseinandernehmen haben wir Zwei Bestandteile. Ein I und ein V. Danach steht das X. Was haben wir bis dahin? I, I, V, X. Das würde in römischer Schreibweise bedeuten, dass wir eine Adresse vor uns haben. Dabei haben wir eine 1, eine 4 oder 6, eine 1 und eine 10. Setzen wir alles zusammen, bekommen wir 14-110 und 16-110. Und das sind genau die Planquadrate, in dem dem die City Gardens liegen. In der 14 bis 16. Das Herz steht für den Brunnen in Herzform im Zentrum des Parks.“ Cole atmete pfeifend aus. „Ich ziehe meinen Hut vor dir! Das ist ausgesprochen gut kombiniert!“ Matthew schaute auf die Uhr. „Wir müssen uns beeilen. Ich habe ein ungutes Gefühl.“
Am Park angekommen verschlossen sie das Auto und liefen auf einem Kiesweg zum Zentrum. Viele Besucher waren es allerdings nicht. Der Brunnen sprühte in verschieden Formen Wasser und bizarre sich wandelnde Muster. Matthew sah es zuerst. Eine Frau stand am Brunnen, etwas auf deinen Mann richtend. Cole eilte voraus. „Polizei! Lassen Sie die Waffe fallen!“ Die Frau drehte sich um und erkannte den Hauptkommissar. Sie trat einen Schritt vor und richtete die Waffe auf den Mann. „Keinen Schritt näher! Oder ich erschieße ihn!“ Ethan trat einen Schritt auf sie zu. „Liza! Was tust du da?“ Liza lachte irre. „Ich richte denjenigen, der sich herausgenommen hat Stan zu richten!“ Ethan war erneut den Tränen Nahe. „Liza, bitte tu das nicht. Werde nicht wie er. Zu einem Mörder. Das willst du nicht!“ Sie hatte eine steinerne Miene aufgesetzt. „O doch! Das will ich! Ich will Gleichberechtigung!“ Matthew sah die Situation vor seinem geistigen Auge schon eskalieren. „Liza, Sie bekommen Gleichberechtigung wenn sie ihn uns ausliefern. Er wird ins Gefängnis gesteckt!“ Liza sah ihn an, als würde er nicht verstehen. „Sie haben keine Ahnung wie es ist jemanden, den man liebt zu verlieren, oder?“ Matthew sah zu Boden. „Ich weiß wie es ist. Mir wurde auch etwas genommen. Aber ich will dem Mörder nicht das Leben nehmen. Ich will ihn hinter Gitter bringen. Auch ein böser Mensch hat das Recht zu Leben und die Chance verdient, alles noch einmal anzufangen und sich zu beweisen!“ Liza schüttelte den Kopf. „Nein, er hat das nicht. ER konnte nichts dafür. Er hat mir IHN genommen.“ Sie schrie die letzten Worte heraus. Ihr liefen Tränen über die Wangen und ihre Hand mit der Waffe begann zu zittern. Matthew begann langsam vorwärts zu gehen und sich ihr zu nähern. „Ich weiß sehr gut wie es ist, jemanden zu verlieren. Sie glauben an Ungerechtigkeit und sind durchtrieben von Rache. Sie wollen ihn leiden lassen. Ihn spüren lassen. Er soll das erfahren was sie erfahren haben.“ Liza wimmerte und langsam, sehr langsam senkte sich ihre Waffe. Sie ließ sie aus den Händen fallen und brach in sich zusammen. Rick der bis dahin kein einziges Wort gesagt hatte, lachte nun. „Verrückt diese Frau. Behauptet ich hätte jemanden umgebracht. Was soll das ganze?“ Ethan half seiner Tochter aufzustehen. Matthew derweil näherte sich bedächtig langsam Rick Davidson. „Tun Sie doch bitte nicht so, als hätten sie es nicht getan.“ Rick sah ihn verdutzt an. „Und wen soll ich bitte umgebracht haben?“ Matthew blieb stehen. „Michael Clarksson und Ethan Miles Sohn.“ Rick war überrascht. „Das soll ICH gewesen sein? Und wie hätte ich das anstellen sollen? Ich war gestern Abend bei ihm, da war er noch kerngesund. Wann soll das Verbrechen denn genau geschehen sein?“ - „Zwischen 3 und 4 Uhr.“ Rick lachte erneut. „Das ist gut! Das ist ausgezeichnete Polizeiarbeit. Bessere Recherche wäre mal eine Schulung, über die Sie nachdenken sollten, Herr Polizist. Ich war gestern von um zwei bis um 5 in meiner Stammkneipe und habe mir den einen oder anderen kleinen Drink genehmigt. Ist das etwa schon verboten?“ Matthew sah ihn gefährlich an. „Stellen wir uns einmal eine kleine Frage. Was wäre passiert wenn der Todeszeitpunkt verändert worden wäre?“ Ricks Augen weiteten sich. Matthew lachte. „Ich werde Ihnen sagen was an dem Abend geschehen ist. Das Rätsel des verschlossenen Raumes!“
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„Alles spielte sich wie folgt ab: Michael Clarksson empfing spät am Abend noch Besuch. Und zwar von Ihnen, Rick. Wir haben es deutlich auf der Überwachungskamera gesehen. Aber schließlich wissen sie ja wo sich die Kameras befinden. Sie sind ja für die Wartung selbst zuständig. Sie versuchten nicht aufzufallen und uns stets den Rücken zur Kamera zu zeigen. Doch das gelang Ihnen bedauerlicherweise nicht. Sie kamen also zum Opfer und beredeten etwas. An irgendeiner Stelle schienen Sie die Geduld zu verlieren. Was genau passierte, kann ich selbst nicht sagen. Aber so in etwa muss es passiert sein. Sie töteten das erste Opfer mit dem Messer, dann überfielen Sie das zweite und erdrosselten es. Jedoch bemerkten Sie nicht, wie er noch grade so bei Bewusstsein zwei Gegenstände in die Tasche steckte. Sie hängten ihn auf und töteten Ihn endgültig. Wahrscheinlich hat er versucht sich zu wehren und wild um sich geschlagen, damit die zwei besagten Gegenstände nicht weiter auffielen, die er aus der Tasche warf. Sie beachteten sie auch gar nicht weiter, sondern taten das, was sie von langer Hand her wochenlang geplant hatten. Die Verschleierung des Mords. Sie nahmen die Chipkarte der Tür an sich. Und dann programmierten Sie die Klimaanlage so, dass die Temperatur stark anstieg, später jedoch wieder in ihren Normwert zurücksprang. Dadurch fälschten sie den Todeszeitpunkt.Sie verließen das Hotel mit der Chipkarte, sie zogen sich um und verkleideten sich als Obdachloser!“ Cole räusperte sich. „Was sollte diese Verkleidung? Und warum machte er es sich so umständlich?“ Matthew sah ihn an. „Liegt das nicht offen auf der Hand? Was würde passieren, wenn der Täter plötzlich verdächtigt werden würde, weil die Polizei den recht billigen Trick mit der Verschleierung des Todeszeitpunktes herausgefunden hatte? Der Täter musste sicher gehen. Dafür benutzte er ein Medium.“ Coles Mund klappte auf. „Ein Medium? Du meinst...“ Matthew nickte. „Das heißt er hat eine Drittperson verwendet. Und zwar den Nachbarn Charles Fisher. Er warb ihn an als Obdachloser und rempelte ihn an. Dabei steckte er ihm einen Umschlag heimlich in die Tasche, den mit der Chipkarte darin. Charles Fisher brachte ihn nach oben und ging in sein Zimmer, und stellte die Tasche wie jeden Morgen auf den Balkon, um sich einen Kaffee zuzubereiten und anschließend die Zeitung zu lesen.“ Cole hob die Hände. „Moment, deine Schlussfolgerung scheint eine Lücke aufzuweisen. Die Chipkarten erkennen, wenn sie ein Zimmer betreten oder verlassen. Mr. Fishers Zimmer hätte gelistet sein müssen!“ Matthew zog eine Karte aus seinem Mantel. „Sie vergessen, dass er bei der Sicherheitsfirma arbeitet. Er weiß wie man den Chip manipuliert und kurzzeitig deaktiviert. Ich habe die Karte beim Sicherheitszentrum anschauen lassen. Tatsächlich wurde kurz zuvor der Sender herausgenommen. Damit alles aufging, musste der Sender jedoch noch die Tür passieren. Das mussten Sie in Form eines Obdachlosen übernehmen, der zur Toilette wollte. Den Sender deaktivierten sie, gingen durch die Eingangstür und reaktivierten ihn wieder. Dann eilten Sie in ihr Zimmer, direkt gegenüber dem Hotel. Dort warteten Sie ab, bis Mr. Fisher seinen alltäglichen Ablauf begann. Dann nahmen sie ein Werkzeug, welches in Ihrer Firma gang und gebe ist und überbrückten mithilfe dieses Instruments die Entfernung zwischen Ihrem Balkon und dem des Hotels. Besagtes Instrument heißt Teleskopgreifer und wird verwendet um die hohen Kameras in der Eingangshalle zu warten. Der Teleskopgreifer besteht aus etlichen hydraulischen Zylindern, die sich auf bis zu 50 Meter ausdehnen können. Die Kameras der Eingangshalle sind ähnlich fixiert. Der Teleskopgreifer fährt aus, verankert sich an der Kamera, und zieht sich wieder zusammen, wobei die Kamera mit heruntergezogen wird. Nach der Reparatur wird die Kamera durch Unterdruck wieder zur Decke gefahren. Dieses Instrument benutzte er, um die gesamte Tasche von Mr. Fisher zu greifen, herüberzuangeln, die Karte herauszuholen, und sie wieder abzusetzen. Die Karte war wieder voll funktionstüchtig und er musste sie nur noch mit demselben Gerät auf den Nachbarbalkon legen.“ Cole sah skeptisch aus. „Das klingt sehr abenteuerlich. So viele Faktoren, die hätten schief gehen können. Das ist kein Plan, das ist Wahnsinn.“ Matthew blickte in den Himmel. „Auch wenn der Plan für uns wahnsinnig erscheint, er hat funktioniert. Zumindest fast.“ Ein dröhnendes Lachen hinter ihm ließ ihn herum wirbeln. Rick wischte sich die Tränen aus den Augen. „Moment, wollen Sie mich eigentlich verarschen? Sie wollen mir diese Geschichte erzählen und erwarten, dass ich Ihnen das abkaufe? Und akzeptiere? Lassen Sie doch erst einmal Beweise sprechen. Nicht hirnverbrannte Scince-Fiction Gespinste.“ Er blickte Matthew feindselig an. „Sie haben keine Kameraaufnahme von mir. Sie haben nirgends Fingerabdrücke. Sie haben keinen Beweis. Keinen, dass ich dort war. Sie haben NICHTS.“ Matthew verzog keine Miene. „Wie trinken Sie ihren Kaffee? Schwarz, Milch oder Zucker?“ Rick sah ihn verdutzt an. „Schwarz, aber was tut das hier zur Sache?“ - „Es tut zur Sache. In Mr. Clarkssons Raum war Kaffee verschüttet. Das hat die Spurensicherung herausgefunden Auf der Kaffeetasse in Mr. Clarkssons Wohnung sind sehr wohl Fingerabdrücke von Ihnen. Denn... Er trinkt gar keinen Kaffee. Er trinkt nur heiße Schokolade...“