Kaffeekavalier
Kapitel 2
Letztlich ist es Diana, die mich zu einer Entscheidung bezüglich Timm drängt. Die ganze Woche war bei uns im Salon sehr viel los und es ist nicht zu leugnen, dass wir noch jemanden brauchen – und sei es nur für die Drecksarbeit. Also rufe ich Timm einfach an und frage ihn, ob er noch an einem Praktikum interessiert ist. Er willigt sofort ein.
Für die nächsten vier Wochen arbeitet er also in meinem Salon als Praktikant. Wenn er sich bewährt, bekommt er einen Ausbildungsplatz.
Der Anfang ist vielversprechend. Er erscheint jeden Morgen pünktlich um zehn und bleibt jeden Abend, bis ich ihm um acht sage, dass er gehen kann. Er fegt, ohne zu Murren, mit gleichbleibender Gründlichkeit die abgeschnittenen Haare zusammen, kocht Kaffee, serviert die gewünschten Getränke und versorgt die Wartenden mit geeigneter Lektüre während der Wartezeiten. Inzwischen sogar ohne Aufforderung und mit einer gewissen Routine.
Auch Torben und Diana scheinen gut mit ihm klarzukommen. Nur ich werde irgendwie nicht richtig warm mit ihm. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, mich mit ihm über etwas anderes als die Arbeit zu unterhalten. Hin und wieder schnappe ich etwas auf, wenn die anderen beiden mit ihm reden, aber auch dadurch werde ich nicht schlauer aus ihm. Es liegt vielleicht an mir. Immerhin bin ich der Chef und treffe die Entscheidungen.
»Was hörst du eigentlich für Musik?«, fragt Diana Timm gerade, als ich die Küche betrete, um mir einen Kaffee zu holen. Sie beugt sich über den Laptop und bestückt unsere Playlist für den Salon mit neuen Liedern. Bei uns läuft immer ein guter Mix aus verschiedenen, unaufdringlichen Musikrichtungen. Manchmal auch einfach nur Radio.
»Eher so Rap.« Timm räumt den Geschirrspüler aus. Er weiß sich immer irgendwie nützlich zu machen. Andere hätte man vielleicht dazu auffordern müssen. Ihn nicht.
»Ach ja? Stehst du auf Hip Hop?«, hakt Diana nach.
Er nickt und lächelt dieses unbestimmte Lächeln, das seine Augen nicht erreicht und mir daher immer etwas verhalten erscheint.
»Was denn zum Beispiel?«, mische ich mich ein. Es ist Vormittag und noch nicht viel los im Laden. Ich habe Zeit für einen Plausch.
»So ein paar Rapper hier aus Hamburg find ich ganz cool.«
»Deutscher Rap?« Was ich davon bisher gehört habe, fand ich immer sehr asozial. Überwiegend sexistisch, homophob oder gewaltverherrlichend. Nichts, womit ich etwas anfangen könnte, aber zu dem Ghetto-Kid, das vor einer Woche in meinen Laden gestolpert ist, passt es wohl. Zugegeben, inzwischen sieht er nicht mehr danach aus. Zumindest trägt er keine Jogginghosen mehr.
»Ja.« Er wirkt unsicher. »Aber ich höre auch andere Musik. Was hier läuft, finde ich eigentlich immer ganz cool.«
»Schleimer.« Diana legt ihm lachend eine Hand auf die Schulter. »Och, Timmy, du kannst hören, was dir gefällt. Eike guckt immer so skeptisch, wenn jemand einen anderen Geschmack hat. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden und Eike ist ja auch schon ziemlich alt.«
»Hey!«, empöre ich mich. »Ich bin gerade mal dreißig!«
»Ja, aber von deinem Verhalten her könnte man denken, du wärst vierzig. Und von deinem Musikgeschmack her auch.« Sie wendet sich wieder an Timm. »Er steht auf die Achtzigerjahre, weißt du? Deshalb läuft hier auch ständig David Bowie.«
»Ich höre auch aktuelle Musik«, entgegne ich und suche mir eine frische Tasse aus dem Geschirrspüler. »Aber kein Rap, das stimmt. Dafür bin ich aber nicht zu alt, sondern zu schwul.«
Es ist mir einfach herausgerutscht, ohne dass ich mir etwas dabei gedacht habe. Aber aus dem Augenwinkel sehe ich nun, wie Timm überrascht zusammenzuckt. Es wundert mich, dass er noch nicht von selbst darauf gekommen ist. In diesem Fall erfülle ich schließlich das Klischee schwuler Friseur. Torben ist ebenfalls schwul und dem merkt man es vielleicht noch ein bisschen mehr an als mir.
»Bin ich eigentlich der Einzige, der hier noch arbeitet?«, erkundigt sich eben dieser von der Küchentür mit frechem Grinsen. Heute trägt er ein hellblaues Hemd und dazu hautenge Jeans, die recht tief sitzen. Aber es steht ihm, passt zu seinen blonden Haaren, und ich mag seinen Stil. In dem halben Jahr, dass er nun für mich arbeitet, habe ich ihn noch nie unmodisch gekleidet erlebt.
»Was ist denn mit dir?«, entgegne ich.
»Bin fertig. Timm, wäre cool, wenn du noch mal fegen könntest«, meint Torben und zwinkert ihm zu. »Falls dich die beiden Tratschtanten entbehren können, natürlich. Sonst mach ich es selbst.«
»Nein«, beeilt sich Timm zu sagen und drängt sich an Torben vorbei aus der Küche. »Ich mach schon.«
»Und weg ist er«, seufzt Diana und mustert mich leicht vorwurfsvoll. »Zu schwul für Rap? Musstest du ihm das so unter die Nase reiben? Meinst du nicht, dass er es auch so gemerkt hätte?«
»Ich dachte, das hätte er schon längst. Und besser jetzt, als wenn er es erst nach dem Praktikum merkt und nicht damit umgehen kann.«
»Was denn?« Torben stibitzt sich meine Tasse, um einen Schluck daraus zu nehmen. »Igitt… schwarz.«
»Eike hat sich gerade eben vor Timm geoutet«, erklärt Diana. »Jetzt muss der arme Kleine ja denken, er wäre von Schwulen umzingelt. Das schüchtert doch jeden Heterojungen in seinem Alter ein.«
»Ich denke, er wird es überleben.« Gelassen entwende ich Torben wieder meine Tasse und nehme selbst einen Schluck von meinem Kaffee.
»Denke auch nicht, dass er Probleme damit hat.« Torben wirft einen Blick aus der Küche in Richtung unseres Praktikanten. »Mit mir kommt er super klar.«
»Genau. Also wieso machst du dir Sorgen, Diana?«, frage ich zurück.
»Weil er…« Sie seufzt. »Ich denke, er sieht in dir ein Vorbild. Mach es nicht kaputt, indem du ihn vor den Kopf stößt, okay?«
Ein Vorbild. Ich runzle die Stirn und zucke mit den Schultern. »Weiß nicht, was das mit meiner Sexualität zu tun hat, aber bitte… Ich bin doch nett zu ihm, oder?«
»Du wirkst ziemlich streng.«
»Wirklich?« Vielleicht hat sie recht. Ich versuche ständig, den Haken zu finden, um keinen Fehler mit dem Jungen zu machen. »Okay, ich versuche, mich zu bessern.«
»Wir könnten ihn ja am Samstag nach der Arbeit zum Essen einladen«, schlägt Torben vor. »So als Willkommensgeste.«
Ich runzle die Stirn. »Nein, das machen wir erst, wenn wir ihn tatsächlich übernehmen.« Damit leere ich meine Tasse und kehre zurück in den Salon. »Frau Minkler muss unter der Haube raus.«
***
»Puh, ist deine Laune gruselig«, stellt Torben fest, als wir am frühen Samstagnachmittag allein im Geschäft sind. Diana und Timm holen sich etwas zu essen vom Bäcker. Torbens letzter Kunde hat gerade den Salon verlassen.
»Ach ja?«
»Ja, da hängt eine dicke, fette Gewitterwolke über deinem Kopf«, stellt Torben fest. »Schon den ganzen Vormittag. Ist was passiert?«
Holger hatte gestern wieder keine Zeit zum Telefonieren. Stattdessen ist er lieber mit seinen Kollegen ausgegangen. Ein weiterer Schritt in Richtung Beziehungsende. Doch noch immer bin ich zu feige, ihn damit zu konfrontieren. Ich will nicht, dass es vorbei ist.
»Beziehungsstress.«
»Habt ihr euch gestritten?«, hakt Torben nach.
»Dazu müssten wir überhaupt erst mal wieder miteinander sprechen.« Ich mache eine wegwerfende Geste. »Will eigentlich nicht darüber reden.«
»Aber uneigentlich solltest du das«, entgegnet Torben. »Vielleicht hilft es ja.«
»Ich sehe nicht, wie es Holger dazu motivieren sollte, Zeit in unsere Beziehung zu investieren, wenn ich mit dir darüber rede.«
»Nein, aber vielleicht hilft es dir ja, wenn ich über Holger schimpfe, dir verklickere, dass er ein egoistisches Arschloch ist und nicht weiß, was er an dir hat, und dich dazu überrede, mal wieder auszugehen.« Torbens Augenbrauen hüpfen herausfordernd. »Also? Gehen wir heute Abend tanzen?«
Ich seufze und schüttle den Kopf. »Keine Lust.«
Mir fällt auf, dass das bereits Torbens zweiter Versuch ist, mich zum Ausgehen zu bewegen. Erst das Essen mit Timm und jetzt Tanzen als Ablenkung von Holger. Ich runzle die Stirn und werfe ihm einen skeptischen Blick zu, doch er hat sich bereits schulterzuckend abgewandt und fegt, da der Praktikant nicht da ist, selbst die Überreste seines letzten Kunden fort.
»Wir könnten auch was Ruhiges machen, um dich abzulenken«, meint Torben nach einer Weile beiläufig. »Filmabend oder so… Einfach nur, damit du nicht wieder den ganzen Abend auf Skype rumhängst.«
Er ist leider auch in meiner Kontaktliste bei Skype, daher die durchaus gerechtfertigte Unterstellung. Anscheinend hat er mich einmal zu oft erwischt, als ich genau das getan habe. Da Diana und Timm genau in diesem Moment zurückkehren, gehe ich nicht wirklich auf seinen Vorschlag ein: »Immer noch keine Lust.«
»Wozu hast du keine Lust?«, will Diana natürlich trotzdem wissen.
»Filmabend«, erklärt Torben.
»Oh, aber das ist eine coole Idee«, stellt Diana fest. »Ich hab heute auch noch nichts vor. Bei dir, Torben?«
»Klar, aber nur, wenn du Eike auch dazu kriegst.«
»Welchen Film denn überhaupt?«, will ich wissen, um nicht der Spielverderber zu sein.
»Was du willst«, antwortet Torben. »Irgendwas Lustiges, damit du nicht mehr so finster aus der Wäsche schaust. Timm, wenn du Lust hast, kannst du auch kommen. Ich mache Pizza.«
»Cool.«
Was ist nur los mit der heutigen Jugend? Timm ist zwanzig. Torben ist auch erst vierundzwanzig. Sie sollten eigentlich Besseres zu tun haben, als mit ihren Kollegen einen langweiligen Filmabend durchzuziehen. Ich runzle die Stirn. Aber eigentlich ist es gar keine so schlechte Idee. Vielleicht ist es ein ganz gutes Mittel, um Holger zu signalisieren, dass ich auch nicht immer auf Abruf für ihn bereitstehe.
Ich seufze. »Fein. Aber keine Komödie. Lass uns lieber einen Actionfilm gucken. Und wir treffen uns bei mir. Ich fahre nicht extra nach Lüneburg.«
»Dann machst du die Pizza?«, hakt Diana spöttisch nach.
»Bestellen wir halt.« Ich bin froh, als der nächste Kunde den Laden betritt und wir die Diskussion unterbrechen müssen. Ab jetzt beginnt wieder die heiße Phase. Bis wir um achtzehn Uhr schließen, werden wir keine ruhige Minute haben.
***
Es klingelt um acht bei mir an der Tür. Pünktlich. Da kann ich Torben und Diana schon einmal ausschließen. Tatsächlich ist es Timm, der kurz darauf die Treppe hochkommt. Er trägt noch die gleichen Klamotten wie im Salon. Ich dagegen habe es mir bequemer gemacht und trage meine Lieblingsjeans, auch wenn sie schon reichlich abgenutzt ist und ein paar Löcher aufweist. Dazu einen bequemen Baumwollpulli. Passend für einen Filmabend.
»Hey!«, grüße ich Timm.
»Hi!«, grüßt er zurück und deutet auf seine Schuhe. »Ausziehen?«
»Ja, sei so gut.«
Er folgt der Bitte sofort. Weiße Sportsocken. Obwohl ich finde, dass es keine hässlicheren Socken gibt, halte ich meine Zunge im Zaum. Wenn ich ständig an ihm herumnörgle, flüchtet er noch.
»Magst du was trinken?«, frage ich stattdessen.
»Ähm, gern…«, sagt er und folgt mir ins Wohnzimmer.
Ich habe noch schnell Bier besorgt. Normalerweise habe ich so etwas nicht im Haus, aber ich habe mir gedacht, dass es für heute ganz gut passt. Ich halte ihm eine Flasche hin. »Bier okay?«
»Klar, danke.« Er nimmt die Flasche entgegen und setzt sich nach kurzem Umsehen auf meine Couch. »Bin also mal wieder der Erste?«
»Diana und Torben sind nie pünktlich.« Ich lasse mich auf dem Sessel nieder und nehme mir ebenfalls ein Bier. »Torben besorgt noch die Filme. Bei seiner Entscheidungsfreudigkeit kann das eine Weile dauern.«
Darauf grinst Timm und nimmt einen Schluck von seinem Bier.
Ich tue es ihm nach und überlege, worüber ich mit ihm reden soll. Letztlich entscheide ich mich für das Nächstliegende: »Und wie fandst du deine erste Woche in meinem Salon?«
»Cool«, antwortet er. »Ich mag… wie ihr arbeitet und die Atmosphäre. Und wie du die Leute berätst. Du gehst immer so auf sie ein und erklärst ihnen auch, was ihnen nicht steht. Das finde ich gut.«
Offenbar hat er mehr gemacht, als nur fegen und servieren. Ist mir gar nicht so bewusst gewesen. Aber es gefällt mir. Der Junge übertrifft regelmäßig meine Erwartungen. Die sind allerdings auch nicht sonderlich hoch. »Schön, dass es dir gefällt.«
»Meinst du, ich darf während meines Praktikums noch mehr machen? Ich meine, so zum Ende? Also Haare waschen und so?«
»Keine Ahnung. Kommt darauf an, wie du dich dabei anstellst.« Ich nehme noch einen Schluck von meinem Bier. »Hast du das Fegen schon über?«
»Nein, mache ich gern…« Er zögert. »Na ja, vielleicht nicht gern. Aber es macht mir nichts aus. Ihr habt nur so viel zu tun, vielleicht kann ich noch mehr machen, um euch zu helfen.«
Einen Moment überlege ich, ob und was dagegenspricht, ihm ein bisschen mehr beizubringen als einem normalen Praktikanten. Eigentlich gibt es keinen Grund. »Wenn wir eine ruhige Minute haben, zeige ich dir das Haarwaschen und dann sehen wir, wie du dich anstellst, okay?«
»Cool, danke.« Er lächelt zurückhaltend.
Wir schweigen. Auf mich wirkt die Stille eher unangenehm. Ich weiß einfach nicht, worüber ich mit ihm sprechen soll. Dabei gehört Small Talk zu meinem Beruf. Schließlich sagt er: »Du hast eine schöne Wohnung.«
»Danke.« Ich sehe mich ebenfalls um. Mein Blick bleibt an einem Bild von Holger und mir hängen. Es gibt mir einen Stich und ich richte meinen Blick wieder auf Timm. »Wo wohnst du eigentlich?«
»In einer WG«, antwortet er. »In Horn.«
»Mit wie vielen?«
»Na ja, es ist so eine Art Wohnheim. Da wohnen fast nur Jungs in meinem Alter. In meinem Apartment sind wir zu sechst.«
»Wow.« Das muss echt nervig sein.
»Es ist günstig.«
»Teilt ihr euch alle Bad und Küche?«
»Zu dritt ein Bad. Zu sechst die Küche.« Er lächelt verlegen. »Es geht. Hab schon Schlimmeres erlebt.«
»Wo wohnt eigentlich dein Vater? Ist der noch beim Bund?«
Er nickt. »Auslandseinsatz.«
»Ah, wo ist er stationiert?«
»Afghanistan. Wir haben nicht viel Kontakt.« Sein Blick fällt nun ebenfalls auf das Bild. Es steht auch recht präsent neben dem TV-Board auf einem Regal. »Ist das dein Freund?«
»Ja.«
»Wohnt ihr hier zusammen?« Er klingt normal. Interessiert irgendwie, aber nicht sensationslustig oder gar ablehnend. Obwohl sich seine Rapper-Idole regelmäßig mit homophoben Sprüchen beschimpfen.
»Nein, Holger ist vor einem Monat nach Bern gezogen.« Ich versuche, möglichst nüchtern zu klingen. »Wir versuchen es mit einer Fernbeziehung.«
»Oh. Nicht so einfach, schätze ich.«
»Nein.« Ich habe wirklich keine Lust, das mit ihm zu erörtern. »Was ist mit dir? Bist du in einer Beziehung?«
Er schüttelt rasch den Kopf. »Nein. Hab ich momentan keinen Nerv für.«
Auch eine nette Ausdrucksweise. Aber verständlich. Anscheinend versucht er gerade, sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken. Ich hoffe, Torben oder Diana kommen bald. Das Schweigen wird mir wieder unangenehm. Es gibt sicher viele Dinge, über die Timm und ich reden könnten, doch mir fällt momentan einfach kein Thema ein. Vielleicht sträubt sich in mir auch nur etwas dagegen, weil er mein Praktikant ist. Ich möchte Distanz wahren, um objektiv zu bleiben. Dass Torben ihn eingeladen hat, finde ich schon alles andere als optimal.
»Ich bin gespannt, was Torben für Filme anschleppt.«
»Ja, ich auch.« Timm führt die Bierflasche erneut an seinen Mund. Er hat volle Lippen. Sie geben seinem sonst eher maskulinen Gesicht etwas Verletzliches. »Er meinte, er will mal sehen, ob er einen guten Klassiker auftreiben kann.«
»Ist das was für dich? Was magst du für Filme?«
»Och, eigentlich recht viel.« Sein Blick wandert zu meiner Sammlung an DVDs und Blue-Rays. Es sind einige. Eigentlich gehören sie Holger. Er hat sie nicht mitgenommen. Noch nicht.
»Ich mag schon ganz gerne Actionfilme.« Er deutet auf die DVDs. »Cool, du hast ja alle Fast & Furious-Filme.«
»Ja.« Die gehören sogar tatsächlich mir.
»Da hätte Torben ja gar nichts besorgen müssen. Die würde ich gerne mal wieder sehen. Die neueren kenne ich noch gar nicht.«
»Kannst sie dir gerne ausleihen«, biete ich an.
»Lieber nicht«, lehnt er ab.
»Wieso nicht? Ist doch kein Ding.«
»Ich habe auf meinem Zimmer keinen DVD-Player.« Er zuckt mit den Schultern und weicht meinem Blick aus. »Habe die meisten Sachen vor meiner Reise verkauft.«
Es klingelt an der Tür. Es ist Diana. Sie hat Wein und Chips dabei. Timm hat nichts mitgebracht. Es verdeutlicht mir den Altersunterschied, beziehungsweise unterstreicht das, woran ich mich bei ihm stoße. Ich glaube, er weiß gar nicht, dass sich so etwas gehört.
»Hey!« Diana umarmt mich zur Begrüßung, ehe sie mir ihre Mitbringsel überreicht und sich aus ihrer Jacke schält.
»Hi«, grüße ich zurück. »Danke. Da muss ich wohl mal meine Weingläser entstauben.«
»Ich bitte darum!« Lachend schlüpft sie aus ihren Schuhen. »Bin ich die Erste?«
»Nein, Timm ist schon da.«
»Schau an, schau an. Pünktlich wie immer, der junge Herr.« Feixend betritt sie das Wohnzimmer und begrüßt Timm ebenfalls mit einer Umarmung.
Ich überlasse sie für einen Moment sich selbst, um mich um die versprochenen Gläser zu kümmern. Noch während ich in der Küche bin, klingelt es erneut.
»Ich mach auf!«, ruft Diana und im nächsten Moment höre ich sie zur Tür stürmen. Ein reines Energiebündel.
Mit Torben sind wir vollzählig. Die drei quetschen sich auf meine Couch und ich bekomme den Chefsessel, wie Torben es so schön formuliert. Dann beginnt die Diskussion, um die mitgebrachten Filme, die zur Wahl stehen. Mir ist es letztlich völlig egal, was wir gucken, aber da sich die drei nicht einig werden können, muss ich letztlich doch eingreifen. Meine Stimme fällt auf den Film, den auch Timm favorisiert. Anscheinend haben wir, zumindest was das angeht, einen ähnlichen Geschmack.
Torben hat neben den Filmen auch noch eine Flasche Wodka und Orangensaft mitgebracht. Bier, Wein und nun das. Es wird definitiv ein feuchtfröhlicher Abend. Ich besorge uns also auch noch Longdrink-Gläser und überlasse es Timm, die Wünsche für die Partypizza zu koordinieren, damit er auch etwas Sinnvolles geleistet hat.
Die Pizza geht natürlich auf meine Rechnung. Ich weiß ja, was sich gehört als Chef. Auch wenn das heute eine Privatveranstaltung ist und sie sich eingeladen haben.