Meta
Meta wie Jugend, Sturm und himmlische Überredung…
Meta wie Jugend, Sturm und himmlische Überredung fuhr in sie. Rollte ihnen
den Film des Lebens zurück, wies die häufigen Höhen und zeigte einer jeden an
der entsprechenden Stelle ihre ganz unvergleichliche, irdische Wirksamkeit. In
welken Brüsten entzündete sie eine späte aber vollkommene Überzeugung von
der einzigen Bedeutung dessen, wofür sie geblüht hatten.
Und jede dieser Kreaturen setzte einige schüchterne Schößlinge an. Das kahle
Holz begann zu treiben in der Gewißheit, solange es lebte, am neuen Morgen
noch immer den ersten Tag zu haben. Es wurde das Licht der Augen wieder hell;
die Hauben gebügelt und gewaschen, bekamen Rüschen; Spitzen und gefälteltes
Weiß sahen aus den Ärmeln. Finger, Ohren und das gepflegte Tuch der dunklen
Kleider waren plötzlich goldgeschmückt.
Nach vollbrachtem Tagwerk findet man die Runde der Weiber allabendlich
um die gewaltige Tafel: aus den Hälsen die Häupter steif gehoben, die Hände
wie bewiesene und bedeutende Einheiten breit auf die Platte des Tisches
gestreckt, lauschen sie andächtig Metas Rede. In allen Antlitzen aber brennen
zinnoberrot hektische Flecken, und manchmal klopft zu dem Gesprochenen ein
Fuß mit hohem Bewußtsein den Boden.
Als vom benachbarten Kloster die Nonne Äbtissin, die von Metas
Hochgemutsein in der strengen Abgeschiedenheit gehört hatte, sie aufsuchte
und, mit ihr plaudernd, meinte, vielleicht sei das Kloster auch für den Rest
i h r e r Tage der rechte Ort, gab die alte Magd bescheiden doch gewiß dies
zurück:
Ihr seid nicht stolz genug auf euch, ihr klösterlichen Weiber. Mir gefällt nicht
die Demut, das Bedauern eigener Unzulänglichkeit und nicht Unterwerfung
unter hohe, unumstößliche Vorschrift. Schönste, irdische Wirklichkeit bin ich
mir selbst, und auch vor meinen Herrn will ich einst so treten, daß er mich als
das Höchstpersönliche erkennt, welches er, von aller Menschheit streng
unterschieden, einst schuf, und das er „Meta“ nannte.