Sechs Jahre in Surinam, oder Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse

Zweiter Abschnitt. Ankunft in Paramaribo. Das Fort Zelandia. Die Stadt. Oeffentliche Gebäude. Inneres der Privathäuser. Kaufleute und Kaufläden. Gewichte, Maase, Geld. Lebensweise der Militärs und Einwohner. Die Jugend. Die Pflanzungen. Holzfällereien. Leben auf den Pflanzungen. Die Verwalter oder D

Zweiter Abschnitt.

Ankunft in Paramaribo. Das Fort Zelandia. Die Stadt. Oeffentliche

Gebäude. Inneres der Privathäuser. Kaufleute und Kaufläden. Gewichte,

Maase, Geld. Lebensweise der Militärs und Einwohner. Die Jugend. Die

Pflanzungen. Holzfällereien. Leben auf den Pflanzungen. Die Verwalter

oder Direktoren. Die Blankofficiere. Die Negersklaven, ihre Arbeiten und

Behandlung. Religion. Einfluss der Herrnhuter. Tänze. Krankheiten.

Den 1. Februar 1836 wurden wir in einem Matrosenpont [1] nach unserem Bestimmungsorte, dem Forte Z e l a n d i a , gebracht. Schöne Zucker- und Kaffeepflanzungen säumten auf beiden Seiten den breiten Strom, der vor der Stadt sich plötzlich südwestlich dreht und eine grosse Bucht (Hafen) bildet.

Eine Menge Landhäuser, an welche noch die letzten Pflanzungen grenzen, machen die Vorstadt Combé aus.

Auf der Ecke, welche durch die schnelle Krümmung des Flusses entsteht, steht das Fort Zelandia auf einem Muschelfelsen. Es hat nur wenige Batterien, ist unregelmässig gebaut und von der Stadt durch den Gouvernements-Platz und einen etwa 60' breiten Graben, der sein Wasser aus dem Strom erhält, geschieden. Eine grosse Kaserne von Backsteinen, das Quartier vom Bataillon Jagers Nr. 27, erinnert an die guten und reichen Tage der Colonie, in welchen man noch so solid bauen konnte. Die Officiere haben seit dem Jahr 1839, in welchem ein grosses hölzernes Gebäude, das sie gemeinschaftlich bewohnten, niedergerissen wurde, eigene, nette Häuser, die nach e i n e r Form in demselben Jahr erbaut wurden. Im Forte selbst steht das Binnenfort, mehrere steinerne Gebäude, die, mit einer Mauer umgeben, einen kleinen Platz einschliessen, wo die verschiedenen Gefängnisse für Militär- und Civilverbrecher, sowie auch für die bösen Schuldner sind, die ihre Creditoren nicht zahlen wollen oder können. Auf dem Platze selbst werden die Neger, welche man nachdrücklich züchtigen will, durch Peitschenhiebe oder Stockschläge abgestraft.

Ausser der Kaserne für die hier garnisonirende Artillerie ist im Binnenfort das Pulvermagazin und ein Signalposten, der durch den auf der gegenüberliegenden Seite des Stromes sich befindlichen Telegraphen der Pflanzung Jagdlust mit dem Forte Amsterdam correspondirt, wodurch man die Ankunft der Schiffe in der Mündung des Stromes sogleich erfährt.

Die Stadt selbst, welche etwa 100 Schritte von der Barrière des Fortes anfängt, ist ganz ohne Mauern und besteht grösstentheils aus breiten Strassen, welche zwar ungepflastert sind, aber, da sie aus Muschelsand bestehen, auch bei den heftigsten Regengüssen nach ein paar Stunden wieder trocknen; die meisten sind auf beiden Seiten mit Orangebäumen bepflanzt.

In den längs des Stromes oder nahe bei demselben laufenden Strassen sind die Häuser enge bei einander, und nur selten durch Gärten von einander geschieden. Mit Ausnahme weniger, von Backsteinen aufgeführter Häuser sind alle von Holz; sie ruhen auf einem 1-2' hohen, von Backsteinen aufgeführten Gemäuer. Läden und Thüren werden grün bemalt, das andere aber ist perlenfarbig angestrichen. Sie sind mit Schindeln (Singels) aus inländischem, hartem Holze bedeckt; jedoch muss seit dem grossen Brande im Jahr 1832 jedes neue Haus mit Ziegeln oder Schiefer bedeckt werden. Glasfenster sind wegen der Hitze wenig im Gebrauche; man hat dafür Jalousien oder Sassineten von Gaze.

In den entfernteren Stadttheilen ist beinahe bei jedem Hause ein Garten, von dem man aber meistens wenig Gebrauch macht; diese Gärten sind mit einander durch Hecken von Limonen verbunden. – Küchen und Abtritte sind vom Wohnhause abgesonderte Gebäude; meistens befinden sich auch noch Häuser für Sclaven, sowie Magazine auf dem Hofe. Jedes Haus hat zwei Thüren an der Strasse; die eigentliche Hausthüre ist für Weisse, die andere, Negerpoort, an welche man durch den Hof gelangt, für Sclaven und ärmere Leute bestimmt.

Verschiedene Canäle, welche ihr Wasser aus dem Strom erhalten, durchschneiden die Stadt. Zwei Vorstädte heissen Combé und die Freicolonie, welche letztere meistens von freien Farbigen bewohnt wird, die, als sehr faul, auch sehr ärmlich leben.

Oeffentliche Gebäude und Privathäuser zeichnen sich mehr durch Zierlichkeit als durch imposante Bauart aus. Das Gouvernement liegt zwischen der Stadt und dem Forte an einem grossen, mit Rasen bedeckten Platze »het plein«. Es ist ein grosses, stattliches, von Holz aufgeführtes Gebäude, das eine schöne Aussicht auf den Fluss gewährt. Sein früher verwahrloster Garten ist jetzt (1850) sehr gut unterhalten und dient als Probeschule für tropische Pflanzen. Eine herrliche, dreifache Allee von hohen Tamarindenbäumen zieht sich längs desselben bis an den Wallgraben des Fortes hin. Ein angenehmerer Spaziergang in der Hitze des Tages lässt sich nicht denken; dessenungeachtet macht aber Niemand Gebrauch davon.

Nahe beim Gouvernement ist das, mit grossen Kosten aus Backsteinen gebaute, im Jahr 1839 vollendete Controlgebäude, in welchem verschiedene Verwaltungs-Bureaux sich befinden. Von seinem, mit einem Uhrwerk versehenen Thurme geniesst man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt und die umliegenden Pflanzungen. In zwei anderen Gebäuden, welche der Schreibekunst gewidmet sind, befinden sich die Bureaux der Justiz und Waisenverwaltung.

Paramaribo hat eine lutherische und eine reformirte Kirche; beide sind hübsch und einfach, werden aber, was die gefällige Bauart betrifft, von der im Jahr 1838 vollendeten hochdeutschen Judensynagoge bei weitem übertroffen. Die katholische Kirche ist klein, doch sehr zierlich; das einfache Herrnhuter Bethaus ist mit Palmen und tropischen Gewächsen umgeben. Zwei Freimaurerlogen, ein Komödienhaus, die portugiesische Judensynagoge, das Hospital und das Zoll-oder Waaghaus mögen die Liste der öffentlichen Gebäude beschliessen.

Das Innere der Privathäuser ist fast bei allen angesehenen Familien auf gleiche Weise angeordnet. Grosse Spiegel, Kupferstiche, Hänge- und Wandlampen, und unter den Möbeln ein mit Glas, Silber und Porzellan überladenes Sideboart werden beinahe in jedem Hause angetroffen. In jedem Schlafzimmer steht ein grosses, mit Gaze umhangenes, aus kostbarem, inländischem Holze schön gedrechseltes Bett, Ledikant, auf dem Berge von Kissen aufgestapelt sind. Dieses Bett ist blos ein Prunkstück, das wenig benützt wird, weil man der Kühlung wegen auf Matten und Matrazen schläft, die den Tag über verborgen werden. Häufig bedient man sich auch feiner, baumwollener Hängematten.

Die Zimmer werden reinlich gehalten und häufig mit Orangensaft gewaschen, was bei dem vielen Ungeziefer, das sich in den Ritzen verbirgt, auch sehr nöthig ist.

Beinahe alle Häuser haben Brunnen, deren Wasser aber in den langen Trockenzeiten zuweilen brack schmeckt; nur grössere Gebäude haben Wasserbehälter.

Eigentliche Spaziergänge, oder für den öffentlichen Gebrauch eingerichtete Gärten hat die Stadt nicht; doch bieten ihre Umgebungen, die unter den schönsten Pflanzen einer tropischen Vegetation versteckten Landhäuser, prächtige Partien dar. In der Stadt befinden sich zwei Kirchhöfe und sechs ausserhalb derselben, also im Ganzen acht, die einer gleichen Anzahl von Apotheken entsprechen, somit hinsichtlich der Bevölkerung kein vortheilhaftes

Zeugniss für die Gesundheit Paramaribos geben [2]. Der Markt ist unter einer Reihe von Tamarindenbäumen an der Wasserseite, wo man Fische, die an üblem Geruch mit den sie verkaufenden und schwitzenden Negerinnen wetteifern, nebst allen inländischen Lebensmitteln zum Verkaufe vorfindet. Lebensmittel und andere Waaren werden auch sonst noch an vielen Plätzen der Stadt verkauft. Alles wird unter beständigem Geschnatter feilgeboten, und der Fremdling sieht hier unter Anderem auch Leckereien, die man im Vaterlande mit Abscheu zurückweisen würde.

Zwar mehr europäisch, doch nicht weniger interessant sind die Kaufläden, deren Zahl besonders am Strome Legion ist. Da findet man kein Haus, in welchem man nicht etwas feilbietet.

Man trifft in e i n e m Laden eine Auswahl der verschiedenartigsten Dinge, welche man in Europa nur bei 100 Künstlern, Kaufleuten oder Handwerkern bekommen könnte; denn man verkauft in demselben Laden Bücher, Schuhwichse, Bijouterie, Schinken, Parfümerien, Thee, Ziegelsteine, Mehl, Schuhe, Kleider und Uhren. Es gibt nichts, womit ein Kaufmann hier nicht handelte. Die meisten Lebensmittel kommen gesalzen oder geräuchert aus Holland und Nord-Amerika; Fleisch, Speck, Erdäpfel u. s. w. kauft man hier beim Kaufmann, bei welchem man natürlich auf grosse Sachkenntniss nicht rechnen darf. In Europa würde Niemand zum Kaufmann gehen, ohne von dessen Waaren etwas zu bedürfen. Hier ist es ganz anders. Man kommt in den Laden, liest die Zeitung, trinkt ein Gläschen Genever, das der Kaufmann präsentiren lässt, und geht dann, ohne für einen Cent gekauft zu haben. Diess lässt sich auch der Kaufmann gerne gefallen; denn diese viel besuchten Läden ziehen die andern Käufer an. Man kauft meistens auf Credit; wer innerhalb sechs Monaten bezahlt, ist ein guter Kunde. Die andern werden nach Verlauf dieser Zeit erst mündlich, dann schriftlich an ihre Schuld erinnert, endlich durch Läufer (meist Juden, welche die Taschen mit Rechnungen vollgepropft, im Dienste der Kaufleute die ganze Stadt durchrennen), dringend ersucht und wenn diess nichts hilft, verklagt.

Die letzteren Kunden sind die häufigsten; denn gar viele leben ohne zu denken, und kaufen ohne bezahlen zu können.

Der Detailhandel wird durch Krämer, hier Vetwariers oder Schmuggler genannt, getrieben; diese verkaufen im Kleinen an solche, welche keinen ganzen Schinken, kein ganzes Fässchen Fleisch oder Butter kaufen können, und also für jede Mahlzeit besonders sorgen müssen. Hier wird übrigens nichts geborgt; die Zahl dieser Krämer ist ebenfalls bedeutend. Nur wer die Gourmandise und den ungeheuren Luxus für die Tafel u. s. w. kennt, kann einigermassen begreifen, dass sich diese Masse von sogenannten Kaufleuten noch nicht unter einander aufgezehrt haben.

In den Maasen und Gewichten der Colonie herrscht grosse Unordnung. Artikel, welche aus Nord-Amerika kommen, wie: gesalzenes Fleisch, Fische, Speck, Saife, Lichter, Mehl u. s. w. werden nach amerikanischen Gewichten verkauft; tannene Bretter ebenfalls daher, nach dem englischen Maase.

Holländische Erzeugnisse berechnet man nach dem alten Amsterdamer Pfunde, dem Halb-Kilogramme, die Längenmaase nach dem rheinischen Fusse, und Flüssigkeiten nach dem englischen Gallon.

Was nach Holland verschickt und verladen wird, geht nach dem neuen holländischen Maas und Gewicht, in dem die Regierung ebenfalls ihre Bedürfnisse ausschreibt. Es kommt auf diese Weise mancher Irrthum vor.

Jede grössere Haushaltung kauft ihren Bedarf an gesalzenen oder geräucherten Lebensmitteln, an Saife, Lichter, Oel u. s. w. im Grossen, d. h. in ganzen Fässern, Kisten und dergl., die in einem stereotypen Gewicht in den Handel kommen, und daher nie nachgewogen werden. So enthält ein Fässchen Butter 14 Pfund, Speck 40 Pfund, Fleisch 180 Pfund u. s. w. und man verlässt sich dabei ganz auf die Aussage des Kaufmanns. Auf dem Markte selbst wird blos nach dem Augenmaase gekauft; die Fische nach der Frische, Grösse und Qualität; Reis, Mais, Bohnen u. s. w. in Calabasschalen zu festbestimmten Preisen und nach sehr variablen Gewichten.

In Cayenne herrscht in dieser Beziehung viel mehr Ordnung; man hat dort eine Fleisch- und Fischhalle. Alles wird nach französischem Maase und Gewicht gekauft und mit französischem Gelde bezahlt.

In Surinam rechnet man nach dem französischen Münzfusse, mit Banknoten von fl. 250.– bis auf 10 niederländische Cents.

Als kleinere Scheidemünze circuliren eine Menge Cents. Das Papiergeld, das manchmal 30% unter seinem Nominalwerth stand, ist im Jahr 1847 ganz abgeschafft und durch holländisches Silbergeld ersetzt worden. Ausserdem sind eine Menge mexikanischer Piaster, französische Fünffranken und Doublonen im Umlauf.

Ehe ich es wage, meine Meinung über die weiteren Einwohner und deren Lebensweise auszusprechen, will ich zuerst eine kleine Schilderung unseres Soldatenlebens geben, wobei ich glaube Jedermann davon überzeugen zu können, dass wir vom Luxus der übrigen Stände ausgeschlossen sind.

Des Lebens erstes Bedürfniss, die Nahrung, ist fürs heisse Clima klüglich berechnet, d. h. wenig und mager. Ausser einem Pfunde guten, weissen Brodes wird eine, aus 5/14 Pfund Reis und 3/7 Pfund gesalzenem Fleische bereitete Suppe vorgesetzt, deren Einfluss auf die Körperkräfte man nur dann beurtheilen kann, wenn man sie selbst gegessen hat.

Des Mittags sind Bananen, die vom Solde eingekauft und mit 1/14 Pfund Speckfett übergossen werden, die Hauptkost. Ueberdiess wurde jeden Morgen ein Schnaps ausgetheilt, welchen die Meisten allem Uebrigen vorzogen. Der monatliche Sold des Soldaten bestand aus circa 10 Gulden, wovon aber verschiedene Abzüge gemacht wurden, so dass wenig genug übrig blieb.

Die Dienstverrichtungen in der Garnison waren jedoch grösstentheils eben so leicht und bequem eingerichtet, als Nahrung und Kleidung spärlich berechnet waren. Die viele freie Zeit, welche der Soldat hatte, und der Mangel an anständigen Vergnügungen trug nicht wenig zu seiner Demoralisation bei. Mancher Ankömmling ergibt sich aus langer Weile oder durch schlechte Gesellschaft verleitet, dem Trunke, den man zu grösserer Bequemlichkeit im Forte haben konnte.

Leider ist die bei weitem grössere Hälfte des Corps diesem Laster ergeben, und da der Preis des Genevers für die Bedürfnisse des Soldaten zu hoch ist, so ersetzt der wohlfeile Zuckerbranntwein, hier Dram genannt, denselben. Es ist merkwürdig, zu welcher Fertigkeit es Einzelne im Trinken gebracht haben; denn es gibt Manche (auch der Civilstand hat solche Matadoren), bei welchen zwei Flaschen täglich ihre Sinne noch nicht umnebeln. Diess ist die Ursache, warum der Soldat bei allen Einwohnern der Colonie in Misscredit steht, und ungeachtet seiner weissen Farbe selbst von Negern nicht geachtet wird. Man muss zwar gestehen, dass dieses Laster nicht blos unter den Soldaten herrscht, die freilich die Folgen ihrer Excesse nie so zu verheimlichen im Stande sind, wie die Bewohner der Stadt oder der Pflanzungen, die ihren Rausch in den Hängematten à leur aise ausschlafen können; aber so viel ist sicher, dass die Hälfte der Truppen Trunkenbolde sind, wenn man der täglichen Erfahrung trauen darf. Die meisten Militärs haben Weiber; denn die Liebe und der Wein, der aber hier durch Dram ersetzt wird, spielen im Militärleben die Hauptrolle. Weiber sind es freilich, aber keine Frauen; denn man hält das Band der Ehe für zu drückend, und die Gewohnheit des Landes, unverheirathet leben zu können, ist zu verführerisch, als dass man diess für eine Schande halten würde. Sieben Achtel der ganzen älteren männlichen Bevölkerung Surinams haben solche Maitressen, und unter 25 Kindern ist kaum eines ehlich geboren. Man begreift leicht, dass der Soldat das Geldstück nicht aus der Münze bekommt, und eine surinamische Missin muss schon ziemlich abgenützt seyn, wenn sie sich von den Abfällen des dürftigen Soldatentisches nähren muss; die meisten dieser farbigen Damen sind aber schlechte Haushälterinnen.

Kinder aus solchen Verbindungen der niederen Volksklasse und der Soldaten wachsen auf, wie die Lilien auf dem Felde, d. h. es bekümmert sich kein Mensch um sie.

Bei allen obscönen Scenen gegenwärtig gilt hier von ihnen mit vollem Rechte: Il n'y a plus d'enfants; sie erhalten wenig oder keinen Unterricht, und herangewachsen bringen sie es selten zu einer ordentlichen Existenz.

Von den Officieren waren viele in alten Zeiten auf diese surinamische Weise verheirathet, und wurden von ihren quasi Frauen nach allen Posten der Colonie begleitet, wo sie die Haushaltung ihrer Männer führten. Ein Officier, obgleich sein Gehalt denjenigen seines Ranges in Holland um ein Drittel übersteigt, kann bei den theuren Lebensbedürfnissen, so sparsam er es auch anlegen mag, in Garnison wenig oder nichts für die Zukunft erübrigen. Es ist desshalb für jeden vortheilhaft, nach den Militärposten detachirt zu werden, wo man Gelegenheit hat, die Finanzen zu verbessern, da die Lebensmittel meist wohlfeiler sind, Wald und Flüsse überflüssig Wild und Fische liefern, und mancher erlaubte Vortheil sich darbietet.

Es bestand unsere ganze Macht aus einem halben Bataillon Jäger, von ungefähr 500 Mann, einer Compagnie Artillerie und einer Compagnie schwarzer Soldaten. Die Garnison zu Paramaribo betrug beinahe 250 Mann, während der Rest auf den verschiedenen Posten im Lande oder an der Seeküste detachirt war, um 45,000 Negersclaven, im Falle sie rebelliren würden, im Zaume zu halten. Dass diess noch nicht geschah, ist ein Beweis von der guten Gesinnung der Neger, und widerspricht der Meinung von der grausamen Behandlung der Sclaven durch die Holländer gänzlich.

Die Einwohner der Stadt bestehen aus Europäern, weissen Eingebornen,

farbigen Freien, und einer bei weitem grösseren Anzahl Sclaven [3].

Die Reichen sind, wie meistens überall, die Angesehensten; bei ihnen wird auch auf die Farbe so genau nicht gesehen, obschon die meisten bedeutenden Aemter durch Europäer besetzt sind. Der Kastengeist, der in früheren Zeiten so manchem mittelmässigen Kopfe, wenn er nur weiss war, Ehre und Reichthum verschaffte, hat sich bedeutend vermindert, und das Interesse oder vielmehr die nicht mehr so günstigen Zeiten haben dieses Vorurtheil so ziemlich auf die Seite geschafft.

Eine grosse Anzahl von Juden, welche wohl die Hälfte der weissen Bevölkerung ausmacht, und von denen viele im Besitze ansehnlicher Pflanzungen sind, hat sich seit den frühesten Zeiten der Colonie hier eingenistet und treiben meistens Handel.

Handwerke werden beinahe ausschliesslich durch die farbige Race betrieben; Sclaven dienen dabei als Gesellen, und schlechte und langsame Arbeit muss theuer bezahlt werden.

Ueber das Leben der höheren Stände kann ich aus Erfahrung nur wenig mich aussprechen, da mir meine Verhältnisse als Militär den Zutritt nicht gestatteten. Aber so viel ist gewiss, dass unter den höheren und reicheren Ständen nicht immer grosse Bildung herrscht, und Lectüre, Literatur und feinere gesellige Vergnügungen hier nicht überall zu Hause sind.

Nach den höchsten Beamten der Colonie stehen die Administratoren der Pflanzungen in grossem Ansehen. Da die meisten Eigenthümer von Pflanzungen sich in Europa aufhalten, so werden diese durch Administratoren verwaltet. Diese wohnen in Paramaribo, und haben die Leitung von verschiedenen, manchmal wohl 30 Pflanzungen unter sich. Weil ihnen nun von allen Einkünften gewisse Procente zukommen, und erstere bei einer Pflanzung manchmal mehr als 5000 fl. betragen, so muss man sich über ein solches Einkommen wundern, dessen Erwerb immerhin ein Mittagsschläfchen von 2-3 Stunden erlaubt. Weil nun auch viele Leute von diesen Herren abhängig sind, so stehen sie überall in der höchsten Achtung.

Die Lebensweise der Bewohner Paramaribo's bietet wenig Veränderung dar, und beschränkt sich hauptsächlich auf eine gute Tafel und andere körperliche Genüsse. Ausser der Tafel, welche mit allem Köstlichen aus Surinam, Holland und Nord-Amerika besetzt ist, besteht der grösste Luxus in Sclaven; denn je mehr man deren zur Bedienung im Hause hat, desto vornehmer ist die Haushaltung; dabei ist es gleichgültig, ob dieses Gesinde arbeitet oder nicht. Eine Familie, welche 2-3 Kinder hat, kann ohne 6-8 Dienstboten nicht wohl leben, welche man für Küche, Wäsche und Bedienung als unumgänglich nothwendig erachtet. Hat man Gärten oder Pferde, so ist natürlich noch ein Gärtner und ein Stallknecht nöthig. Wenn man nun die Kost für all dieses Gesindel kaufen muss (was aber bei Plantagenbesitzern oder Administratoren nicht der Fall ist), so erfordert eine solche Haushaltung ein enormes

Einkommen, da die jährlichen Ausgaben sich bald auf 6000 fl. belaufen [4].

Wie ich bereits oben bemerkte, sind Heirathen nach europäischem Begriffe hier eben nicht sehr in der Mode; denn freie Haushälterinnen oder Concubinen ersetzen beinahe überall die Hausfrauen, was durchaus keine Schande ist. Kinder aus diesen Verbindungen werden zwar nicht vor Gericht, doch sonst wie rechtmässige behandelt, und führen den Namen der Mutter.

Sparsamkeit und Ordnung sucht man in diesen Haushaltungen meistens vergeblich; denn wenn auch der Mann kein Verschwender ist, so weiss doch seine Frau das Geld so anzuwenden, dass von Glück zu sagen ist, wenn die Einkünfte die Ausgaben decken. Meistens essen diese Haushälterinnen allein oder laden Freundinnen (Maatjes) ein. Bei den mittleren und niederen, freien Ständen, die vom Handwerk oder Nichtsthun leben, ist natürlich das Wohlleben in weit geringerem Grade zu finden, und gar viele wissen am Abende nicht, wovon sie am Morgen leben sollen, obgleich die wenigen Bedürfnisse mit ein paar Stunden Arbeit gar leicht zu bestreiten sind. Aber es herrscht auch unter den Eingebornen eine wirklich diogenische Genügsamkeit, wenn kein Kaufmann mehr borgen will.

Nach dem Vorbild der Eltern bildet sich die Jugend, und nirgends wird wohl die Erziehung so vernachlässigt seyn, als hier unter den niederen Ständen. Nicht, dass es keine Schulen gäbe oder Anstalten, um arme Kinder zu unterrichten, – für beides ist gesorgt, aber den meisten Eltern ist es gleichgültig wie ihre Kinder mit der Zeit haushalten und bekümmern sich weder um ihre Spiele noch sonstigen Beschäftigungen.

Besitzt nun auch die Jugend noch so viel Beweglichkeit, um keine Mittagsruhe in den Hängematten zu halten, so wird doch die Zeit nicht besser angewendet, als um Vögel zu fangen, oder mit der Flinte in den Wald zu schlendern. Ernste und anstrengende Arbeiten sind den meisten Creolen ein Gräuel. – Da im täglichen Umgange unter den Eingebornen blos neger-englisch gesprochen wird, und ausser der Schulzeit die Kinder sich wenig mit Lesen und Schreiben beschäftigen, so findet man nur sehr Wenige, welche correct holländisch schreiben oder richtig sprechen können. Die Geographie H o l l a n d s lernen Alle vollständig und sie kennen jeden Fluss oder jeden noch so unbedeutenden Flecken dieses Landes, das die Wenigsten unter ihnen je zu sehen bekommen, aber um die Kenntniss der Producte, der Lage und sonstigen Verhältnisse ihres eigenen so reichen Vaterlandes bekümmern sie sich nicht. Diess mag wohl auch eine der Ursachen seyn, dass Landbau und Industrie so vernachlässigt sind.

Ehe ich nun zur Erzählung meines einförmigen Garnisonslebens und der kleinen Vorfälle im Laufe meiner Dienstzeit zurückkehre, will ich, um den Zusammenhang nicht zu unterbrechen, die Sitten und Gebräuche auf den Pflanzungen, soweit ich sie während meines langjährigen Aufenthalts habe

kennen lernen, schildern [5].

Die Pflanzungen, welche den Reichthum des Landes hervorbringen, liegen alle längs der vielen Flüsse und Kreeken, welche die Colonie in allen Richtungen durchschneiden und den Transport der Producte erleichtern.

Da das Land, soweit die Pflanzungen reichen, überall nieder ist, und diese manchmal unterm Niveau des höchsten Wassers stehen, so war bei der Anlage derselben eine dauerhafte Eindämmung, Anlage von Schleussen u. s. w. nöthig, lauter Arbeiten, deren Kostspieligkeit und Mühe sich wohl keine anderen, als holländische Ansiedler unterzogen haben würden, und die auch in der Folgezeit durch die ungeheure Fruchtbarkeit reichlich vergütet wurden.

Das Hauptproduct war und ist jetzt noch Zucker. Die Pflanzungen hievon sind desshalb hinsichtlich der Anzahl von Negern auch die bedeutendsten, denn sie haben 100-400 Sclaven.

Ich übergehe die allgemein bekannte Anpflanzung dieses sowie der anderen Producte, und füge blos bei, dass die Arbeiten auf einer Zuckerpflanzung beschwerlicher für die Neger sind, als auf einer anderen, da besonders bei den Wassermühlen die Sclaven Tag und Nacht arbeiten müssen, weil solche Werke nur mit den Springfluthen des vollen und neuen Mondes in Gang gebracht werden können.

Die Dampfmaschinen, welche immer mehr in Gebrauch kommen, erlauben zwar den Negern ihre Nachtruhe, erfordern aber viele Mühe und Kosten, weil zur Feuerung der Maschine eine Menge Holz oder Steinkohlen nöthig ist. Erfahrene Directoren ziehen ein gutes Wasserwerk jeder Dampfmaschine vor. Das andere Product, das aber immer mehr in Abnahme kommt, ist Caffee. Auf diesen Pflanzungen sind 40-200 Sclaven, welche ein ungleich besseres Leben als die auf den Zuckerpflanzungen führen, indem ihre tägliche Nahrung, die in Bananen besteht, immer reichlich vorhanden ist.

Im Schatten dieser Bananen stehen die Caffeebäume; eine Caffeepflanzung liefert meistens Bananen nach den Zuckerpflanzungen, auf welchen diese nicht in hinreichender Menge angepflanzt werden, wesshalb das Fehlende für die Sclaven angekauft werden muss.

Das dritte bedeutende Product ist Baumwolle, welche in den Ländereien, die in der Nähe der See liegen, vortrefflich gedeiht. Auch hier hat man Pflanzungen von 300 Sclaven.

Die Zubereitung dieses Products wurde in der letzten Zeit bedeutend vervollkommnet, und das langweilige Geschäft, den Cattun von den Körnern zu scheiden, wird jetzt auf mehreren Pflanzungen durch kleine Dampfmühlen verrichtet, die im Stande sind, mit der Hülfe von fünf Personen täglich bei 2000 Pfund Baumwolle rein zu mahlen, eine Arbeit, die auf gewöhnlichem Wege eine Menge Neger beschäftigen würde.

Cacao und Indigo sind von weniger Bedeutung, da blos noch kleine Pflanzungen davon existiren.

In den höher liegenden Gegenden sind die Holzgründe, welche für den inländischen Gebrauch Balken und Bretter liefern. Es sind davon etwa 25 im Lande, welche 2400 Neger beschäftigen. Da das Holz, welches auf diesen Etablissements bearbeitet wird, nicht als Ausfuhrproduct betrachtet werden kann, und diese desshalb weniger bekannt sind, so halte ich es für nöthig, noch einige Details darüber beizufügen.

Diese Niederlassungen befinden sich, wie schon gesagt wurde, im höher liegenden Lande, wo keine Productpflanzungen mehr sind und der Urwald mit seinen colossalen Bäumen vor den Palmen- und Mangowäldern des niederen Landes vorherrscht. Sie enthalten meist nur wenige Sclaven (mit Ausnahme von zwei, welche gegen 300 zählen), aber ein desto grösseres Territorium, was natürlich bei dem langsamen Wachsthum der Bäume sich von selbst versteht. Es gibt Pflanzungen, welche 12 holländische Meilen im Umkreise haben, die jedoch noch keine 50 Sclaven zählen. Die Bearbeitung des Holzes ist für dieselben die leichteste und angenehmste Arbeit, weil ihnen diese festgesetzt ist, und sie im Stande sind, mit etwas Fleiss 1-2 Tage wöchentlich für sich selbst zu erübrigen. Häufig sind die Arbeitsplätze mehrere Stunden von der Pflanzung entfernt, und die Neger gehen jeden Montag mit Lebensmitteln für die ganze Woche dahin. Gesunde und starke Männer werden zum Sägen verwendet; andere jüngere Männer müssen den gefallenen Baum auf ein Gerüst, das man Barbacot nennt, aufsetzen; zu diesem nimmt man das Holz der Cumu-Palmen und anderer, leicht fällbarer Bäume, oder man macht ein solches aus starken Sparren, die mit Lianen dauerhaft zusammengebunden werden, und worauf nun drei oder mehr Männer, je nach der Grösse des Blockes, denselben aufsetzen. Die zum Sägen bestimmten Bäume werden im Neumond gefällt, weil man meint, dass das Holz alsdann weniger reisse. Man nimmt an, dass zwei Neger täglich 60 lange und 1' breite Bretter sägen, was auch für sie ganz leicht geht. Diese Bretter werden von Weibern auf dem Kopfe nach dem Holzgrunde oder dahin gebracht, wo eine Kreek oder ein Fluss den Weitertransport erleichtert. Viereckiges Bauholz wird von Ochsen gezogen, was aber bei den schlechten Wegen und überall hervorragenden Baumwurzeln sehr langsam von statten geht.

Die Holzetablissements, welche schon seit so vielen Jahren betrieben werden, hieben natürlich dasjenige Holz, das in der Nähe der Flüsse oder Kreeken stand, zuerst weg, und haben desshalb, je tiefer sie landeinwärts dringen, um so schwierigeren Transport. Es denkt natürlich Niemand daran, die ausgehauenen nützlichen Hölzer durch Stecklinge nachzupflanzen, was mit wenig Mühe und Kosten geschehen könnte. Man denkt eben wie überall: Après moi le déluge – und das ist eben der Grund davon, dass die edlen, feinen Holzarten so theuer und in grossen Dimensionen so mühsam zu bekommen sind. Es können diese Etablissements durchaus nicht concurriren mit dem Verkaufe des Holzes, das die Buschneger aus den noch nicht ausgegebenen Waldungen des unbewohnten Landes bringen, und zu niedrigen Preisen verkaufen. Ausserdem dass die Buschneger nicht die mindeste Abgabe an das Land bezahlen, während die Eigenthümer der Holzgründe mit Kopf- und Ackergeldern besteuert, und den Wechselfällen des Sklavenbesitzes ausgesetzt sind, fällen jene ihr Holz noch an Stellen, wo es, so zu sagen, ins Wasser fällt, so dass ihnen der Weitertransport keine Mühe macht. Es ist desshalb auch zu begreifen, dass die Eigenthümer der Holzgründe ihre Rechnung bei diesem Handel nicht finden; aber das Gesetz, dass die Neger nur mit ihrem Willen von den Pflanzungen verkauft oder versetzt werden können, und die Widerspenstigkeit, ein anderes Product anzupflanzen, das dem Eigenthümer mehr Nutzen bringen, ihnen aber mehr Mühe verursachen würde, macht die meisten Eigenthümer zu armen Leuten.

Die Neger dieser Pflanzungen haben vor allen das beste Leben; sie gebrauchen die viele freie Zeit, welche sie erübrigen, zur Anpflanzung von Erdfrüchten, die sie in Paramaribo verkaufen. Sie erhalten von ihren Eigenthümern bloss sogenannte Switti Moffo, d. i. gesalzenes Fleisch oder gesalzene Fische; es werden ihnen aber jährlich in der Trockenzeit eine gewisse Anzahl Tage freigegeben, in denen sie Wald fällen, verbrennen und den Boden reinigen, und Erdfrüchte, die meistens aus Mais, Reis, Toryers, Cassave u. s. w. bestehen, pflanzen. Sie ziehen überdiess Schweine und Federvieh und leben in mancher Hinsicht besser, als der von allen Sorgen gedrückte und ärmere europäische Landmann.

Alle Pflanzungen stehen unter der Aufsicht und Leitung eines Directors, der auf der Pflanzung wohnt und von den Eigenthümern oder Administratoren des

Effektes angestellt und diesen verantwortlich ist [6].

Die Einkünfte des Directors richten sich nach der Grösse des Effektes und seiner Revenüen, und belaufen sich auf den grössten Zuckerpflanzungen manchmal auf 3000 fl. Ausser der Besoldung, die im Durchschnitt auf 1200 fl. angeschlagen werden kann, haben viele noch sichere Procente von Producten der Pflanzung, als: Zucker, Caffee, Cattun, Melassin und Dram; sie ziehen auch eine Menge Schweine und Federvieh, die von den Bananen der Pflanzung gefüttert werden. (Ich kenne Directoren, die über 1000 fl. jährlich reinen Gewinn von ihren Schweinen haben.) Sie sind auch unumschränkte Herren auf der Pflanzung. Verstehen sie nun, sich der Gunst des Administrators zu versichern, und sind sie in ihrem Fache als tüchtige Männer bekannt, so ist ein solcher Director wirklich eine beneidenswerthe Person. Geräumige Gebäude sind ihre Wohnungen, eine Menge Dienstboten führen die Haushaltung; ein Jäger, Fischer und Gärtner sorgen für die Bedürfnisse der Tafel, und alle diese fliegen auf den Wink herbei. Die Bequemlichkeit dieser Herren, besonders der farbigen Directoren, ist daher manchmal eckelerregend, so z. B. wäre es eine grosse Erniedrigung, selbst eine Pfeife anzuzünden, ein Glas Wasser einzuschenken oder die Schuhe auszuziehen. Ich kannte mehrere dieser Herren, besonders auf Holzgründen, die des Morgens um 6 Uhr aufstanden, dem Bastian der Neger ihre Befehle ertheilten, dann Caffee tranken, bis 12 Uhr nichts thaten, gut assen, nachher sogleich von den Beschwerden der Tafel in der Hängematte ausruhten, und sich da von einem hübschen Negermädchen den Kopf kratzen liessen, bis ihnen die Augen zufielen. Um 5 Uhr standen sie auf, wuschen sich, assen von 7-8 Uhr, legten sich um 9 Uhr mit ihren Concubinen in's Bett und verdienten dabei 12-1500 fl. jährlich. Dieses ist nicht übertrieben; doch kenne ich keinen Europäer, der es bis jetzt zu diesem Grade von Faulheit gebracht hatte.

Ein Director, der seinen Pflichten nachkommen will, wird aber auch nie auf solche Weise vegetiren. Die Behandlung der Neger erfordert, besonders in der jetzigen Zeit, sehr viel Umsicht und kaltes Blut, sowie eine grosse Erfahrung und eine, wenigstens auch nur oberflächliche, medicinische Kenntniss, um ihre angeblichen Krankheiten, die sie manchmal vorschützen, um sich der Arbeit zu entziehen, oder ihre wirklichen Krankheiten und Gebrechen beurtheilen zu können. Ihre mannigfaltigen Betrügereien, ihr Aberglauben und ihre Fetische können nicht immer auf eine Weise bestraft werden, wie sie es verdienen; kurz, es gehört viel dazu, sie zum Vortheil ihres Besitzers so zu behandeln, dass die Furcht, die doch hier nur den Gehorsam bedingt, unter ihnen herrscht, und ihre Fehler doch mit Nachsicht gerügt werden. Und es ist nicht allein Menschen-oder Negerkenntniss, die dem Director nicht fehlen darf, sondern er muss auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben; denn er muss seine Meinung beim Zimmern von Gebäuden, beim Mauern von Oefen, beim Schmieden im Maschinenwerk, kurz überall äussern können, weil Alles unter seiner Leitung und Aufsicht geschieht. Die Bearbeitung seines Products ist ihm ganz allein überlassen, und es liegt desshalb eine schwere Verantwortung auf ihm.

Das Leben auf der Pflanzung ist beinahe überall das gleiche.

Der Director steht um ½6 Uhr auf, kleidet sich in eine grobe leinene Hose und ein Wamms, und kommt auf die Gallerie, die auf den meisten Pflanzungen sich auf einer oder beiden Seiten des Hauses hinzieht. Bereits warten unter derselben die schwarzen Aufseher der Sclaven, Bastians, die als Zeichen ihres Ranges eine Peitsche führen. Es sind deren 2-4. Sie erstatten dem Director Bericht über die Arbeiten des vorigen Tages, bezeichnen die Faulen oder die, welche Strafe verdient haben, und vernehmen die Befehle für die Arbeiten des Tages. Die, welche Prügel verdient haben, empfangen sie nun vor der Thüre, während der Director seinen Caffee trinkt.

Sind die Arbeiten geregelt, so erscheinen die Kranken mit dem Dresneger oder Doctor. Man sieht da allerlei jämmerliche Gesichter und hört manches Aechzen, was man aber nicht immer für baare Münze annehmen darf. Die wirklich Kranken kommen ins Krankenhaus, die andern werden weggejagt und müssen an ihre Arbeit. Zu gleicher Zeit macht auch der Blank-Officier oder weisse Aufseher, der seinen Caffee in seiner bescheidenen Kammer eingeschluckt hat, seinen Rapport, erhält seine Befehle und geht in die Aecker, die Arbeit der Neger anzusehen, oder in die Mühle, wenn da gemahlen wird. Der Director geht nun, nachdem er die Befehle für seine Haushaltung (denn nur wenige sind verheirathet) gegeben hat, mit seinem Jungen (Voeteboy), der Tabak, Flinten, häufig auch eine Herzensstärkung tragen muss, versehen mit einem langen, sogenannten Tasstocke, ins Feld, wo er ebenfalls die Arbeiten besichtigt und untersucht. Der lange Stock dient ihm dazu, um über die Gräben, welche die verschiedenen Beete und Aecker absondern, zu springen. Ueber breite Gräben (Vaartrenzen), in welchen man das Product in kleinen Ponten nach den Gebäuden führt, gehen Brücken. Meistens dauert eine solche Promenade 1½-2 Stunden, von welcher man, besonders während der Regenzeit, von unten bis oben beschmutzt nach Hause kommt. Hat er sich umgekleidet, so wird ein Schnaps eingenommen, um den Appetit zur Tafel zu reizen, der aber bei einem noch nicht recht kommen will, und meistens durch mehrere aufeinander folgende geweckt werden muss.

Gegen eilf Uhr bringt die Creolen-Mamma, eine alte Negerin, welche die Aufsicht über die Kinder der Pflanzung führt, dieselben vor die Thüre. Mädchen und Knaben sind ganz nackt und kommen so eben aus dem Bade. Sie stellen sich nach der Grösse: Bengels von 13-14 Jahren oben an, und ganz kleine, mit dicken, vollgegessenen Bäuchen, unten.

Auf ein gegebenes Zeichen der Negerin strecken alle die Hände empor, klatschen und rufen: Odi Masra, Odi Missi, fai Masra dan, fai Missi dan! (Guten Tag Herr, guten Tag Frau! Wie gehts Herr? Wie gehts Frau?) und dergleichen Narrheiten, die jeder Director nach seiner eigenen Phantasie papageienartig sich vorplaudern lässt. Hierauf marschirt die Creolen-Mamma mit ihrer Heerde ab.

Um zwölf Uhr wird gegessen, wobei der Blankofficier, wenn keine Gäste da sind, allein mit dem Director isst. Es werden meistens mehrere Arten Fleisch und Fische mit Erdfrüchten und scharfen Saucen, aber wenige Gemüse aufgetragen.

Häufig findet man bei der Mittagstafel einen alten, russigen, irdenen Topf, der mit Ueberbleibseln von Fleisch und Fischen, in einer fürchterlich gepfefferten Sauce, auf einem weissen Teller den Liebhabern präsentirt wird. Man nennt

diese Töpfe Pfeffertöpfe [7]; sie waren besonders früher sehr in der Mode. Nach dem Essen hält der Director eine Siesta bis gegen 4 Uhr. Ihn in dieser Ruhe zu stören, ist nur in besonders dringenden Fällen erlaubt, sonst würde er ein sehr schiefes Gesicht dazu machen. Des Abends 6 Uhr kommen wieder die Bastians und Feldneger, welche dann einen Schnaps, Dram, erhalten, vor die Thüre, und auch der Blankofficier macht mit dem Hute in der Hand seine Aufwartung. Auch er erhält seinen Schluck Genever; nachher zieht er sich, wenn ihn nicht der Director zum Gespräche zu sich einladet, was aber sehr selten geschieht, in sein Kämmerlein zurück, bis ihn gegen 8 Uhr der Voeteboy zum Abendessen abruft.

Ist der Director ein gebildeter Mann, so findet er in der vielen freien Zeit Unterhaltung in der Lectüre; denn häufig leben die Directoren der Nachbarschaft unter sich auf gespanntem Fusse, was wirklich zu verwundern ist; denn sie sind desswegen meist allein und blos auf die Gesellschaft ihrer Haushälterinnen beschränkt, die gerade nicht besonders unterhaltend sind. Diese Einsamkeit und das Bedürfniss, die Zeit zu tödten, ist die Hauptursache der unmässigen Consumtion von starken Getränken, und es ist unglaublich, welche Quantitäten von Genever, Rum und Branntwein hier jährlich verbraucht werden.

Die Gastfreundschaft auf den Pflanzungen ist sehr gross. Da keine Wege im Lande sind, so reist man überall zu Wasser in geräumigen Barken, und zwar die

Flüsse aufwärts mit der Fluth, abwärts mit der Ebbe [8].

Wirthshäuser findet man nirgends. Erlaubt das Getey (Ebbe oder Fluth) nicht, weiter zu fahren, oder will man ausruhen, so hält man an der ersten besten Pflanzung und wird, sey man bekannt oder nicht, mit aller Freundlichkeit empfangen. Man erhält Zimmer, übernachtet oder zieht weiter, wie man es für gut findet. An Bezahlung ist natürlich nicht zu denken, und Trinkgelder sind gar nicht Mode.

So ist also das Leben auf den Pflanzungen mehr oder weniger gesellig, je nachdem Gäste kommen, oder die Directoren der Nachbarschaft sich gut mit einander vertragen können.

Viele Bewohner der Stadt bringen die Trockenzeiten auf den Pflanzungen zu, und mancher Pflastertreter sucht die eine oder andere heim.

Dass die Langeweile die Plantagenbewohner manchmal zu tausend Narrheiten verleitet, lässt sich denken. Pasquillen und Scherze sind immer im Umlauf und endigen manchmal auf kostspielige Weise, besonders wenn sich die Justiz darein legen muss. Mancher Director hat sich schon ein hübsches Vermögen erworben, und viele besitzen Häuser in Paramaribo; andere aber verbrauchen ihren Gehalt mit feinen Speisen und Getränken, oder in Amours und sind, wenn sie ihre Stelle verlieren, gar bemitleidenswerthe Geschöpfe. Sie leben fast alle mit Haushälterinnen, die entweder Freie (Missi) sind, oder die sie sich unter den hübschen Mädchen der Pflanzung aussuchen. Unter letzteren Verhältnissen sind die Kinder Sclaven, es sey denn, dass sie von ihrem Vater losgekauft werden, was manchmal mit vielen Schwierigkeiten und Kosten verbunden ist.

Die zweite weisse Person auf der Pflanzung ist der Blankofficier, deren grössere Effecte 2-3, kleinere nur einen haben. Ihr Gehalt ist gering und beträgt selten über 250 fl. Es sind diess meist junge Leute, die aus Europa kommen, um ihr Glück zu machen, und die, wenn sie Protection haben und sich gut betragen, in 3-4 Jahren es ebenfalls zu einer Directorstelle bringen können. Ihr Anfang ist aber schwer, denn sie werden von den meisten Directoren wie eine Art niederer Geschöpfe behandelt und selten mit einem Wort beehrt. Sie sind in ihren Freistunden ganz sich selbst überlassen und bringen in manchmal erbärmlichen Wohnungen ihre Abende zu.

Man denke sich, wie es einem gebildeten, jungen Menschen zu Muthe seyn muss, wenn er, unbekannt mit den Gebräuchen und der Negersprache, seine Lehrzeit auf einer Pflanzung beginnt, wo ihn der Director kaum eines Grusses würdigt, und ihm eine miserable Kammer angewiesen wird, in welcher er keine andere Gesellschaft findet, als Millionen von Mosquittos, oder Klumpen von Fledermäusen, die in den Dachsparren zwitschernd ihre Bemerkung über ihn zu machen scheinen.

Ich komme nun zu den Sclaven der Pflanzungen, welche die Hauptbevölkerung des Landes ausmachen.

Da seit 24 Jahren keine mehr aus Afrika eingeführt wurden, so besteht die Mehrzahl derselben aus hier Gebornen oder Creolen. Diese letzteren, welche von Jugend auf an das Effect und dessen Eigenthümer oder Verwalter gewöhnt sind, werden den Afrikanern bei weitem vorgezogen; sie bilden auch meistens grosse Familien, welche nie von der Pflanzung verkauft werden.

Man theilt die Plantagensclaven in vier Classen: 1) In Feldsclaven, die zur Cultur bestimmt sind; 2) in Haussclaven, die das Hauswesen, Tafel, Küche u. s. w. besorgen; 3) in Creolen: kleine Kinder, die noch keine Arbeit verrichten können, und 4) in Malenkers: Alte und Kranke, die zu keiner Arbeit mehr fähig sind. Wenn daher eine Pflanzung unter 200 Köpfen 75-80 Feldsclaven besitzt, so ist diess schon ein sehr vortheilhafter Staat. Die Feldsclaven haben natürlich bei weitem die schwerere Arbeit, während die Haussclaven, von denen z. B. zwei für die Küche, zwei für die Wäsche, einer zum Nähen, einer und zwei Voeteboys zum Dienste eines einzelnen Mannes angestellt sind, den grössten Theil des Tages unbeschäftigt herumliegen. Ein Jäger, ein Fischer, sowie auf manchen Pflanzungen ein Gärtner, haben mehr Arbeit.

Der Schweine- und Kühehirt, ein Weib, das für die Hühner zu sorgen hat, und ein Wächter des Kostgrundes sind meistens alte Leute, welche zu keiner andern

Arbeit mehr gebraucht werden können [9].

Die Feldsclaven gehen des Morgens um 6 oder 7 Uhr in die Aecker an ihre Arbeit, und kehren des Abends, oder wenn sie das, was ihnen auf den meisten Pflanzungen vorgeschrieben wird, vollendet haben, nach Hause zurück. Des Sonntags wird nichts gearbeitet, muss es aber geschehen, wie diess häufig auf den Zuckerpflanzungen der Fall ist, so wird den Sclaven ein anderer Tag für den Sonntag gegeben.

Die Negerhäuser sind ganz in der Nähe der Mühle oder der Fabrikgebäude, und bilden, wenn die Pflanzung bedeutend ist, ganze Dörfer. Auf manchen Pflanzungen sind sie von Brettern gebaut und mit Schindeln bedeckt, auf den meisten aber mit den Latten der Pinapalme beschlagen und mit Blättern dieser Palme bedeckt. Um die Häuser, welche regelmässige Strassen bilden, pflanzen die Neger spanischen Pfeffer, Calebasbäume u. s. w.; dabei wimmelt es von Federvieh und Schweinen.

Die Nahrung erhalten die Neger auf allen Pflanzungen, die Holzgründe ausgenommen, vom Effekte selbst. Sie soll nach dem Gesetze in zwei Bündeln Bananen und 3 Pfund gesalzenen Fischen wöchentlich bestehen. Erwachsene Neger erhalten dazu noch Tabak, Pfeifen, und täglich einen Schnaps, Dram; Weiber dagegen Melassin. Bananen werden auf den Pflanzungen jeden Sonntag Morgen ausgetheilt; Fische u. s. w. aber viertel- oder halbjährlich. Es ist aber kaum möglich, ihnen das Stehlen von Bananen in den Kostäckern, von Zucker oder Melassin im Kochhause, von Producten aus den Caffee- oder Cattunlogen dieser Effekte zu verwehren. Das Gestohlene verbrauchen sie entweder selbst oder vertauschen es bei Sclaven anderer Pflanzungen, oder bringen es

gelegenheitlich nach Paramaribo, wo sich stets Liebhaber dafür finden [10]. Kleidungsstücke und andere Bedürfnisse, als: Töpfe, Cassavo, Platten, Messer, Scheeren u. s. w. werden zu bestimmten Zeiten von den Eigenthümern der Pflanzungen aus Holland gesandt, oder mit deren Genehmigung hier im Lande angekauft, und es werden diese Sachen durch den Director, der für sich selbst eine Menge Küchen-, Tafelgeräthe u. s. w. erhält, familienweise ausgetheilt. Der Werth der Sendung beträgt manchmal bei 4000 fl.

Auf allen wohlgeordneten Pflanzungen ist für die Neger auf eine Weise gesorgt, die dieser Menschenrace die Sclaverei sehr erträglich macht, und ganz verschieden ist von den Vorstellungen, die man in Europa gewöhnlich vom Zustande der Sclaven sich macht.

Ihre Arbeit ist nicht übertrieben und dauert, wenn der Neger fleissig ist, nicht über neun Stunden täglich. Nahrung und Kleidung haben sie hinlänglich, und im Alter werden sie auf den Pflanzungen unterhalten. Wie ganz anders ist das Leben der ärmeren Taglöhner in Europa, die bei beschwerlicherer Arbeit zufrieden sind, wenn sie die Bedürfnisse ihrer Familie befriedigen können, und die bei Krankheit und Unglücksfällen keine andere Zuflucht haben, als den Bettelstab!

Die Religion der Neger, wenn man ein Gemisch von Aberglauben und Unsinn so nennen darf, ist die ihrer ursprünglichen Heimath, der Fetischismus. Jedes einzelne Individuum hat, so zu sagen, seine eigene Gottheit, und verpflichtet sich, dieser zu Ehren, von irgend einer Speise sich zu enthalten. Schnüre, Corallen, geschnitzte Holzstückchen, oder was ihnen gerade einfällt, werden um den Hals, Arm oder die Füsse getragen, und sind Amulette, welche sie beschützen. Man nennt diese Narrheiten Obia's. Beinahe alle Neger verehren den Seidewollenbaum und opfern demselben; schwer verbotene Tänze stehen damit in Beziehung.

Es hat auf allen Pflanzungen sogenannte Bukumann's oder Zauberer, welche die Zukunft vorher wissen, und in der Bereitung von inländischen Arzneien oder als Giftmischer sich auszeichnen. Mancher verhasste Director hat schon durch diese sein Leben eingebüsst, und man hat Beispiele, dass schon auf Pflanzungen eine Menge Sclaven hinwegstarben, die vergiftet wurden, um deren Eigenthümern Schaden zu bringen. Die Gifte sind alle aus Vegetabilien gezogen, und lassen daher wenig Spur zurück.

Die Jugend wächst natürlich auf den Pflanzungen wie das liebe Vieh auf; blos auf zwei oder drei derselben werden die Kinder unterrichtet. Beinahe alle

werden von den Herrnhutern [11], welche in Paramaribo eine bedeutende Niederlassung haben, von Zeit zu Zeit besucht, und den Sclaven werden alsdann einige Kapitel der Bibel in der neger-englischen Sprache vorgelesen und ausgelegt. Will man aber, dass die Neger die Kirche besuchen sollen, so muss die Arbeit des ganzen Tages nachgelassen werden, was für die Pflanzung ein grosser Schaden ist. Die Predigten der guten Leute mögen aber nicht so fasslich seyn, so dass der Nutzen in moralischer Beziehung nicht sehr gross ist, besonders da blos alle paar Monate solche Vorlesungen gehalten werden, bei welchen meistens die Hälfte gedankenlos zuhört, und so das Gehörte sehr leicht vergisst.

Die Herrnhuter, die in Paramaribo als Schuster, Schneider, Bäcker, Kaufleute u. s. w. sich nähren, verlassen tourweise ihre Arbeit und besuchen in geräumigen Tentfahrzeugen zu obigem Zwecke die Pflanzungen, auf welchen man sie überall mit der grössten Gastfreundschaft aufnimmt und bewirthet, wiewohl die wenigsten Directoren, denen in der Regel die Arbeit mehr am Herzen liegt, als das Seelenheil ihrer Sclaven, sie gerne sehen. Haben sie die ihnen vorgeschriebene Anzahl von Pflanzungen besucht, so fahren sie wieder zur Stadt zurück und versehen ihre Geschäfte.

Die grösste Glückseligkeit nach dem Nichtsthun ist für die Neger der Tanz. Sie haben viele Tänze, die ich nicht namentlich kenne, und von welchen wieder manche in genauem Verbande mit ihrem Fetischismus stehen und von der Regierung strenge verboten sind. Es gibt häufig in den Negerhütten der Pflanzungen Sonntags kleine Tanzparthien, die gewöhnlich noch vor Mitternacht enden, und zu welchen sich blos einige Familien, jedoch nicht ohne Erlaubniss des Directors versammeln. Die Musik besteht dann blos in dem Schall einer Trommel (ein ausgehöhltes rundes Stück Holz, über welches eine Schweins-oder Hirschhaut gespannt ist), und dem Klang aus einigen alten Schaufeln oder dergleichen, auf die mit Eisenstücken taktmässig geschlagen wird.

Mit viel mehr Feierlichkeit werden die Tänze begangen, welche man an gewissen Jahrstagen zum Andenken an Verstorbene hält. Da werden Kuchen gebacken, Schweine und Hühner geschlachtet, und dem Todten wird ebenfalls ein guter Theil auf das Grab gebracht. Dabei kommen alle Kleidungsstücke, die sie sonst nie gebrauchen, zum Vorschein, und man sieht dann besonders unter den Männern groteske Gestalten. Die Haupttänze aber, zu welchen den Sclaven mehrere Tage freigegeben werden, sind am Neujahr, und zwar gewöhnlich im oder am Wohnhause des Directors, wobei die Männer mit Dram, die Weiber aber mit Wein oder schlechtem Liqueur bewirthet werden.

Gewöhnlich hat der Director Gäste bei sich, und es werden da oft Bacchanalien gehalten, dass es einem graust.

In Paramaribo finden um diese Zeit alle Abende solche Tanzparthien statt, die meistens unter Zelten bei guter Beleuchtung abgehalten werden. Die Eigenthümer von Sclaven lassen sich's um diese Zeit nicht wenig kosten, ihren Sclaven Vergnügen zu machen; Backwerk, Wein und Liqueur findet man bei diesen Parthien im Ueberfluss. Die Mädchen sind dabei nicht selten mit den Kleidern und Schmucksachen ihrer Haushälterinnen bekleidet, und es herrscht eine Pracht, dass man sich verwundert. Es haben aber auch die Haussclaven selbst gute Kleidungsstücke, die blos an diesen Tagen gebraucht werden. Es ist in der That ein prächtiger Anblick, diese in allen Farben aufgeputzte, von ächtem und falschem Gold und Juwelen glänzende, singende Masse in immerwährender Bewegung beim Scheine einer Menge Lampen, und beim Lärmen einer abominabeln Musik zu sehen, und man glaubt sich ins Morgenland versetzt. Die Tänze lassen sich freilich nicht mit unsern vergleichen, weil bei den meisten gesungen wird; es sind die Verse, die einige Dutzendmale im Chor wiederholt werden, und wegen ihres satyrischen Inhalts viel Lachen erregen. Der Tänzer oder die Tänzerin, welche solche improvisiren, tanzen um einander in immer kreisförmiger Bewegung, während der Chor sich nur auf den Füssen wiegt und mit dem Oberleibe bewegt, dabei aber nach dem Takte in die Hände klatscht oder mit Castagnetten die Musik begleitet. (Diese Castagnetten sind dreieckige, holzichte Schalen oder Nüsse einer Euphorbiacee). Häufig tanzt aber Alles, indem sich jedes einzelne Individuum kreisförmig durch den ganzen Raum dreht, ohne an den andern anzustossen. Der Anblick dieses Tanzes erregte mir stets Schwindel, und ich konnte es nie lange dabei aushalten.

Ich will nur noch kurz zum Schlusse etwas über die hier herrschenden Krankheiten beifügen, die ich freilich nur als Laie, nicht als Arzt beschreiben kann.

Die häufigsten Krankheiten, denen der Europäer wie der Creole unterworfen ist, und die unter Buschnegern und Indianern gleich stark grassiren, sind Wechselfieber, welche, wenn der Patient nicht gleich in geschickte Hände kommt, Monate und Jahre lang anhalten. Es ist gewöhnlich die erste Krankheit der Neuangekommenen oder das Aklimatisationsfieber. Gallenfieber sind ebenfalls häufig und machen ganz kurzen Prozess. Eine andere häufige Krankheit höchst beschwerlicher Art ist der sogenannte Kuk oder Kuchen, eine Anschwellung der Milz. Man fühlt sich dabei immer ermattet, hat kurzen Athem, unruhigen Schlaf und ist ausserordentlich reizbar. Dieses Unwohlsein dauert manchmal Jahre lang. Meistens befolgt man dagegen den Rath eines inländischen Quacksalbers, der stark abführende Mittel gibt. Die Wassersucht ist ebenfalls nicht selten, zeigt sich aber meist nur bei Individuen, welche dem Trunke ergeben sind.

Die Hauptkrankheit, die fürchterlichste von allen, weil sie zugleich die anstrengendste ist, ist die Lepra. Bei den von ihr Befallenen zeigen sich zuerst weissfarbige Flecken auf der Haut. Die Ohren, Nasen, Augenlieder u. s. w. schwellen auf; es zeigen sich Beulen im Gesichte und am Körper, welche manchmal aufbrechen; Finger, Zehen, Ohren, Nase oder einzelne Glieder fallen ohne Schmerzen ab; das Gesicht verzerrt sich aufs Scheusslichste und verräth nichts Menschliches mehr. Die meisten Kranken sind dabei innerlich gesund, können arbeiten und dabei selbst alt werden, während bei anderen die Krankheit schnellere Fortschritte macht.

Die damit Behafteten, seyen sie Freie oder Sclaven, werden, sobald die Behörde davon unterrichtet ist, nach einem, dem Lande gehörigen und eigens dazu bestimmten Etablissement, Batavia, abgesandt, wo sie, entfernt von der übrigen Welt, auf Kosten des Landes so lange verpflegt werden, bis der Tod sie von ihren Leiden erlöst. Noch nie ist ein Kranker von dieser Qual befreit worden, obgleich man neuerdings in Para in Brasilien Versuche mit dem Safte der Hura crepitans machte, die befriedigend ausgefallen seyn sollen. Leute von Vermögen oder höheren Ranges, welche davon befallen werden, leben einsam in ihren Häusern, oder reisen nach Europa, wo ihnen aber ebenfalls nicht geholfen werden kann.

Das Etablissement B a t a v i a , das am Copenamstrom liegt, ist der Leitung des katholischen Präfecten anvertraut, hat eine hübsche Kirche und einen Priester, der die Kranken tröstet und lehrt, wobei er sich jeglicher Gefahr aussetzt. Die

Zahl dieser Unglücklichen beläuft sich dort auf circa 700 [12].

In Paramaribo befinden sich heimlich viele Leprosen, die von ihren Familien versteckt gehalten werden, wodurch diese entsetzliche Krankheit immer mehr verbreitet wird, was auch in der Nachbar-Colonie Cayenne der Fall ist, wo viel weniger auf Absonderung gesehen wird. Eine andere Krankheit, genau mit dieser verwandt, aber nicht ansteckend, ist die Elephantiasis. Es schwellen dabei die Beine, oder oft nur ein Fuss auf fürchterliche Weise an, und erhalten ganz das Aussehen von Elephantenfüssen. Häufig kommen noch Auswüchse und Knollen dazu, und eine rauhe, chagrinartige Haut überzieht das Ganze. Die Zahl der davon Angesteckten ist sehr gross, und besonders bei der Sclavenbevölkerung, die sich nicht so gut bekleiden kann, ins Auge fallend. Man sieht häufig Kinder von zehn Jahren mit solchen Klumpfüssen, die meistens bis zum Knie eine unförmliche Dicke haben. Auch dagegen hat man kein Mittel.

Ausser den angeführten ist noch eine andere Hautkrankheit nicht selten, die Jaws, eine Art Krätze, bei welcher sich einzelne runde Flecken auf dem Leibe zeigen, die aufbrechen. Auch sie ist eine langwierige, ansteckende Krankheit, zu deren Heilung Monate erfordert werden.