Tahiti: Roman aus der Südsee. Dritter Band
Capitel 7. Consul Pritchards Gefangennahme.
Capitel 7.
Consul Pritchards Gefangennahme.
Trommeln wirbelten und Patrouillen zogen in kleinen finsteren Trupps mit raschen Schritten durch die von der Morgensonne freundlich beschienene Stadt. Die Insulaner standen in kleinen Gruppen bestürzt beieinander, und die Mädchen liefen neugierig herüber und hinüber, zu sehn und horchen was geschehn, was vorgefallen sei, eine so plötzliche auffallende Veränderung in dem Benehmen der Fremden zu rechtfertigen. Keiner sprach, Keiner lachte mehr mit ihnen; barsch zurückgewiesen wurden sie, sobald sie sich ihnen nur näherten, und von den verschiedenen Schiffen landete Boot nach Boot, vollgedrängt von Bewaffneten, die verschiedene am Strand gelegene und der Königin gehörige Bambushäuser in Besitz nahmen, Wachen, ja Festungen daraus zu bilden.
Dumpfe Gerüchte verbreiteten sich indeß auch unter den Bewohnern von Papetee, die keine Ahnung irgend einer begonnenen Feindseligkeit haben konnten. Eine Parthie Waffen war gestern Nacht in Mativai Bai auf schlaue Weise an Land geschmuggelt; man hatte nicht allein einzelne Stücken, ein Bayonnet und mehre andere Kleinigkeiten an der Straße, sondern auch ein ganzes Paket mit Englischen Musketen in einem kleinen Cutter der dort vor Anker lag, gefunden, und gegen Morgen noch, wo man mit Fackeln nachgesucht, war der Leichnam der überfallenen und ermordeten Französischen Schildwache, ebenfalls ihrer Waffen beraubt, entdeckt worden. Viele Personen waren deshalb schon verhaftet, auf anderen lag schwerer Verdacht, und die herbeigezogene Truppenmasse schon allein genügte, die sorglose Stimmung der Eingebornen zu zerstören, und ihnen einigermaßen das Verhältniß in seinem wahren und grellen Licht zu zeigen, in dem sie zu den fremden Eindringlingen standen, und welche Stellung diese, ihnen gegenüber, einzunehmen gedachten.
Was sollte geschehen, was wollten diese von ihnen, und weshalb eine Armee in ihre Hütten werfen, die ihnen noch keinen Widerstand geboten, und jetzt überall durch die fremden unwillkommenen Gäste unwohnlich und beschränkt wurden. Die Häuptlinge traten zusammen und schickten Boten an die Missionaire ab, diese um Verhaltungsmaßregeln zu ersuchen; die geistlichen Herren fühlten aber daß ihr Regiment, für den Augenblick wenigstens, hier ausgespielt sei, und der einzige von ihnen, Mr. Pritchard, der sich durch die Flagge seiner Nation geschützt glaubte, zürnte offen und frei wie vor gegen die förmliche und muthwillige Eroberung, nein nicht einmal Eroberung, sondern einfache Besitznahme eines vollkommen friedlichen Landes an, dessen Fürstin sich jetzt nur gezwungen einer solchen Gewalt füge und wissen werde sich ihr Recht zu wahren, wenn die Zeit dazu gekommen sei.
Die Franzosen kehrten sich aber wenig an Herrn Pritchard; ihre Flagge wehte schon von fünf oder sechs occupirten Gebäuden, ihre Soldaten durchzogen die Stadt nicht allein, sondern setzten sich an dem obern wie untern Theil derselben fest, und Massen von ihnen, die Flinte und Seitengewehr so lange ablegten und zu Spitzhacke und Schaufel griffen, fingen nicht allein an auf der kleinen reizenden Insel Motuuta Verschanzungen aufzuwerfen, sondern auch, zum unbegrenzten Erstaunen der Bewohner von Papetee, Gräben zu ziehn und Erdwälle aufzubauen um die Stadt selbst herum, als ob sie sich gegen die Berge und das benachbarte Land vor einem Angriff sichern wollten, an den in der That noch wenige der Insulaner gedacht, und der ihnen dadurch erst vor die Augen gerückt und als möglich und ausführbar gestellt wurde.
Die Französische Regierung aber, oder vielmehr das Französische Regiment, das recht gut fühlte wie es bei einem wirklichen Angriff g u t b e w a f f n e t e r Insulaner, hier dicht von den Bergen überall eingeschlossen, mancher Gefahr ausgesetzt sein könne, suchte gleich im Anfang mit durchgreifenden Maßregeln allen solchen Versuchen entgegen zu arbeiten, und eine etwaige Empörung im Keim zu ersticken. Strenge schien hierbei vor allen Dingen nöthig und den Befehlshabern war deshalb besonders daran gelegen die Mörder des Franzosen heraus zu bekommen, oder wenigstens ihre Spur zu finden, von der es schon ziemlich bestimmt im Französischen Lager hieß daß sie in das Haus eines der Protestantischen Missionaire, vielleicht gar des Englischen Consuls führen würde. Mr. Pritchard mit seiner offnen und ungescheuten Predigt gegen ihre Macht war ihnen überhaupt ein Dorn im Auge.
Zu den ersten Maßregeln des Französischen Kommandanten gehörte es aber auch an diesem Morgen René Delavigne verhaften zu lassen, auf dessen Grundstück — ob mit seinem Vorwissen oder nicht mußte die Untersuchung erst ergeben — die Waffen ausgeladen waren und auf dessen, durch ihn hingeführten und dort gehaltenen Cutter man noch ein frisch eingenähtes Paket Waffen gefunden, das jedenfalls von Bord irgend eines der im Hafen liegenden Englischen Schiffe hinüberbefördert und dann während der Entdeckung und dem Angriff der Französischen Wache, dort zurückgelassen war. Sein spätes Außensein und seine doch sichere Bekanntschaft mit der dortigen Oertlichkeit wurde sogar mit der erschlagenen Wache in Verbindung gebracht, wobei ihm das nicht einmal zur Rechtfertigung dienen konnte, den Französischen Soldaten selber dorthin geführt zu haben, wo sie die Schmuggler entdeckten — jedenfalls waren die Vorräthe zu der Zeit schon in Sicherheit gewesen und die Möglichkeit lag unter jeder Bedingung vor, daß ein solcher Schritt, später gerechtfertigt dazustehn, ausführbar, ja sogar klug gewesen wäre.
Den Cutter, an dessen Bord man die Waffen gefunden, nahm die Regierung ebenfalls in Beschlag, ja er wurde sogar, nicht einmal blos vor der Hand in Untersuchung gelegt, sondern gleich ohne Weiteres confiscirt und zum Französischen Küstendienst requirirt — an Wiederherausgeben war gar kein Gedanke mehr.
Sadie erschrak, als an dem Morgen, an dem sie gehofft hatte dem wilden stürmischen Tahiti den Rücken zu kehren und hinüber zu flüchten in ihr friedliches, freundliches Atiu, Bewaffnete kamen ihren Gatten fortzuführen; aber rasch gefaßt, und dem Unvermeidlichen sich fügend, übersah sie auch bald daß René, vollkommen unschuldig an den Vorgängen des letzten Abends, auch bald gerechtfertigt wieder dastehn und natürlich freigegeben werden würde. Ernstlichere Folgen sah sie nicht und konnte sie nicht eine in einer solchen Maßregel sehn. Aber sie bezwang sich auch, dem Gatten gegenüber, noch weit gewaltiger, als ihr eigentlich zu Sinn war; sie wollte ihn nicht mit schwerem Herzen fortgehn lassen, wo er ja gerade Alles gethan hatte sie wieder froh und glücklich zu machen, und wenn das nun für den Augenblick noch nicht ging, so war das ja nicht seine Schuld sondern — das Herz schlug ihr doch laut und ängstlich wenn sie in diesem Augenblick daran dachte w e r die Hand zu dem Ganzen geboten, und nur das Bewußtsein vermochte sie dabei vollständig zu trösten, daß Alles ja nur geschehn wäre ihr Vaterland von den Unterdrückern desselben zu befreien, und den Schwachen, Niedergeworfenen, gegen den starken und übermüthigen Feind zu schützen.
Nicht allein René wurde aber an dem Morgen verhaftet, sondern auch der kleine Mi-to-na-re, der allerdings schon mit Sonnenaufgang einen Versuch gemacht hatte das, die ganze Nacht umstellte Haus zu verlassen, von den Wachen aber verhindert war und nun mit nach Papetee abgeführt wurde.
»Armer Mitonare« sagte Sadie traurig, als er, aufgefordert der Patrouille zu folgen, an jenem Morgen sein Gebetbuch wieder in die linke Rocktasche hineinzwängte, und unverkennbar niedergeschlagen sich bereit machte dem eben nicht freundlich gegebenen Befehl zu gehorsamen — »armer Mitonare ist von seinem freundlichen Atiu hier herüber gerufen um Sorge und Noth zu haben, um des Glaubens Willen.«
Bruder Ezra schüttelte aber mit dem Kopf und sagte, keineswegs zufrieden mit der ganzen Begebenheit:
»Glauben? — der Glauben hat wenig genug damit zu thun — wir sollen g l a u b e n , Pudenia, und die Wi-Wis wissen Alles gewiß. Glauben — ja, ist ein schönes Ding, aber ein bequemes Haus dabei, und viel Brodfrucht — nicht so in der Welt herumlaufen und das schwere Buch hinten in der Tasche mitschleppen. Warum stecken sie Bodder Aue nicht ein?«
»Wer ist das?« sagte Einer der dabeistehenden Französischen Soldaten, der eben genug von dem Tahitischen Dialekt verstand, den Sinn zu begreifen, »wo ist der, den Du eben genannt hast?«
»Bodder Aue?« sagte Mitonare, und der ihm eigene Zug drollen Humors, der ihn auch in diesem Augenblick nicht verließ, spielte ihm um die Lippen — »Bodder Aue ist sehr guter Freund von mir auf Atiu — aber nicht hier — wenn wir ihn haben wollen können wir einen Brief schreiben; gehe wieder hinüber, sobald die Feranis keine Brodfrucht mehr für mich haben.«
»Fort denn, mein Bursche« sagte der Soldat ärgerlich, »wir haben lange genug hier getrödelt,« und während man René noch Zeit ließ, ein paar Briefe an Bertrand und Herrn Belard zu schreiben, die er augenblicklich abgegeben zu haben wünschte, wurde der kleine braune Missionair, unter den Spottreden und Witzen der Französischen Soldaten, die sich über seine unsinnige eingezwängte und unpassende Kleidung nicht wenig amüsirten, nach Papetee zu abmarschirt. Mitonare nahm aber die Sache ungemein kaltblütig — klemmte seinen linken Rockschoß wieder unter den Arm, setzte seinen hohen Hut auf und schritt so ehrbar und ernst zwischen den bärtigen Kindern eines andern Landes hin, und grüßte so würdevoll die ihn begegnenden Insulaner, von denen ihn Viele kannten und lieb hatten, daß sich der Spott der Soldaten endlich auch abstumpfte, und sie ihn ungefährdet weiter in das Hauptquartier lieferten.
René blieb übrigens, wie er auch Sadie zu ihrer Beruhigung vorhergesagt, nur wenige Stunden in Haft; leicht war es ihm durch seine Freunde zu beweisen, wie er wirklich den ganzen vorigen Nachmittag in Papetee zugebracht, und erst lange nach Dunkelwerden nach Hause aufgebrochen sei. Dort selber hatte er den Französischen Soldaten mitnehmen wollen, als sie die Schmuggler trafen; an eine Mitwissenschaft war nicht zu denken. Schwieriger wurde es ihm zu beweisen, daß der kleine Cutter die Waffen nicht an Bord gehabt, als er ihn dort bei sich vor Anker legte, und daß er der Mission selber gehöre machte die ganze Sache nur noch verwickelter. Es ließ sich kaum denken daß der junge, mit den Officieren auf so freundlichem Fuß stehende Franzose etwas Derartiges gegen seine Landsleute unternehmen, oder auch nur unterstützen würde, und dennoch mochten die Französischen Behörden eine solche Gelegenheit, die Mission selber in eine Untersuchung hineinzuziehen, nicht unbenutzt wieder entschlüpfen lassen — wer wußte ob nicht dann, wenn auch selbst nicht über diesen Fall, doch manches Andere an den Tag kam. Gern wurde deshalb auch die Bürgschaft der Herrn Belard und Brouard angenommen, René Delavigne augenblicklich wieder auf freien Fuß zu lassen, mit der Bedingung nur, Tahiti nicht zu verlassen, bis eben die Sache streng und vollkommen untersucht sei, wozu man sowohl seiner Gegenwart wie seines Zeugnisses glaubte benöthigt zu sein.
Nicht so leicht sollte dagegen Bruder Ezra davonkommen, und trotz dem Protest der Missionaire, die es als einen Eingriff in ihre Religion betrachtet haben wollten einen fungirenden Missionair auf nur flüchtigen Verdacht hin seinem Amt zu entziehn, trotz der eben so ernsten Reclamation des Englischen Consuls, der in dem Indianer, als aktivem Mitglied einer Englischen Missionsgesellschaft, auch einen Englischen Bürger zu sehen glaubte oder zu sehen behauptete, behielt man ihn im Verwahrsam, und die Antwort die dem Englischen Consul wurde, war: sich selber in Acht zu nehmen und von gefährlichen Demonstrationen fern zu halten, wenn er nicht gleiches Schicksal — vielleicht noch Schlimmeres, gewärtigen wollte.
Solcher Art standen die Sachen mehrere Tage, die Französischen Kriegsschiffe fuhren ab und zu, umsegelten die Insel Tahiti einige Male, kreuzten nach Imeo hinüber, und Einzelne davon wurden sogar auf eine regelmäßige Expedition beordert, die Französische Flagge nämlich auf der Nachbargruppe der Gesellschafts-Inseln, auf Huaheine, Bola Bola, Raiatea und den anderen aufzupflanzen, ja man sprach sogar schon davon auch die, gerade unter dem Wind liegenden »Cooks-Inseln« zu denen Atiu gehörte, in Besitz zu nehmen und hie und da Garnisonen zu lassen. Doch hatten die Schiffe für jetzt eben mit der Gesellschaftsgruppe alle Hände voll zu thun, und ließen die übrigen Inseln für eine spätere und günstigere Zeit.
Indessen waren die Franzosen unendlich thätig in Papetee und der Umgegend; feste Blockhäuser zu Kasernen und Gefängnissen wurden mit einer Masse von Leuten in unglaublich kurzer Zeit gebaut, Laufgräben um die eigentliche Stadt gezogen, ein tüchtiger Damm als Brustwehr aufgeworfen, und Geschütze von den Schiffen an Land gebracht, diese, sobald sie nöthig werden sollten gegen den Feind verwenden zu können. Auch die kleine Insel im Eingang des Hafens, welche die Haupteinfahrt allerdings vollkommen überwacht, wurde mit schwerem Geschütz versehn, irgend einem doch vielleicht gefürchteten Angriff der Engländer zu begegnen, und das gerade war es was den Insulanern, durch die Europäer darauf aufmerksam gemacht, wieder neuen Muth gab, ihre Sache noch nicht verzweifelt zu glauben. Beschäftigten ihre Freunde die Beretani's — die übrigens auch hätten etwas früher kommen können — nur die Schiffe, so wollten sie dann schon mit den am Lande befindlichen Wi-Wis — mochten das auch noch so viel sein, fertig werden.
Die Stimmung gegenseitig wurde ebenfalls eine feindlichere von Tag zu Tag. Die Eingebornen mußten eine Masse Provisionen und Früchte in die Stadt liefern, die man ihnen allerdings vollkommen gut bezahlte; aber dies zwang sie zu einer ihnen fremden und unbequemen Thätigkeit, einer Thätigkeit die sie nicht einmal gern für sich selber, viel weniger für die erklärten Feinde ihres Glaubens und Landes anwenden wollten, und sie erkundigten sich vor allen Dingen bei ihren Missionairen, ob sie dazu verpflichtet wären den Französischen Soldaten Brodfrucht und Fleisch und Früchte und Fische zu Markt zu bringen.
Welche Antwort sie dort erhielten ist nicht bekannt, aber sie weigerten sich von da an die verlangten Provisionen einzuliefern, und eine Proclamation des Gouverneurs erklärte sie für R e b e l l e n .
»Rebellen?« bah, das war Unsinn — das Wort das sie für Rebellion hatten, bezog sich auf eine Empörung gegen ihren Landesherrn und Gebieter, nicht gegen einen fremden Wi-Wi, der mit großen Schiffen kam und ihnen das Land wegnahm; denn selbst daß Einzelne ihrer Häuptlinge die Franzosen ersucht hatten sie zu b e s c h ü t z e n konnte ihrer Meinung nach die Fremden nicht berechtigen ihre Königin abzusetzen, gegen die sie ja gar keinen Schutz verlangt hatten, und ihnen Fremde zu Richtern und Distriktsoberhäuptern zu geben. Daß die Wörter »Protektorat« und »Besitznahme« dem Französischen Admiral ähnlich genug klangen sie zu verwechseln, konnten sie nicht wissen.
Neue Forderungen des Kommandanten um Provision gingen indeß mit der scharfen Drohung ein, die ernstesten Maßregeln ergreifen zu wollen, wenn dem B e f e h l nicht Folge geleistet würde, und besonders sollten die Häuptlinge, als die Einzigen an die man sich möglicher Weise direkt halten konnte, für das Betragen des Volks in diesem Fall verantwortlich gemacht werden.
Auch den Missionairen wurde nochmals die, in nicht sanften Ausdrücken abgefaßte Warnung gegeben, sich nicht im Mindesten um die politischen Verhältnisse der Insel zu bekümmern, wenn sie sich nicht, im entgegengesetzten Fall, den unangenehmsten Folgen selber aussetzen wollten; ja es wurde ihnen sogar die auch bald darauf in einer Proklamation veröffentlichte Drohung verschärft in's Gedächtniß zurückgerufen, daß jeder Fremde, der gegen die jetzt bestehende Regierung sprechen würde, augenblicklich, und ohne Einspruch von irgend einer andern Seite zu gestatten, von der Insel verbannt werden würde.
Mehre der Missionaire, vielleicht ängstlicher als die Anderen, oder sich auch möglicher Weise irgend einer Aeußerung bewußt die ihnen das Mißfallen der jetzt mächtigen Franzosen zuziehen konnte, verließen Papetee und gingen theils nach Imeo theils nach Bola-Bola oder Huaheina hinüber; die meisten blieben aber auf ihrem Posten, fest entschlossen dem fremden Einfluß unverdrossen, und so viel nur irgend in ihren Kräften stand, entgegenzuarbeiten, mochten die Folgen dann ausfallen wie sie wollten.
Der neue Aufruf an die Häuptlinge veranlaßte diese wieder sich an die Königin zu wenden, und von ihr Verhaltungsmaßregeln einzuholen, was sie thun, wie sie handeln sollten. Pomare aber, obgleich keineswegs gewillt sich zu unterwerfen, war doch auch wieder durch die Flucht so vieler Missionaire und die Warnungen der Uebrigen nicht zu weit zu gehn, ehe sich England nicht entschieden hätte, zu sehr eingeschüchtert worden, und gab ausweichende Antworten, ja verwies die an sie abgesandten Häuptlinge sogar an den Consul Pritchard, und da dieser erklärte in seiner Stellung — was auch seine Privatmeinung sein möge — der Königin nicht officiell beitreten zu können, bis er Verhaltungsbefehle von London habe, an den Missionair Rowe.
Diesen aber weigerten sich die Häuptlinge (wenigstens die Mehrzahl derselben, denn Einzelne, mit Aonui an der Spitze, verlangten keinen bessern Wegweiser für ihr Verhalten) als Führer anzunehmen; Fanue vor allen Andern schwor, sie hätten lange genug unter dem Regiment der Priester gestanden, und das gerade sei ihr Fluch gewesen von je her. Er verlangte deshalb auch eine Zusammenkunft der Ersten des Volks, wo sie die Befehle ihrer Königin einholen und das Beste des Landes, das jetzt gerade ihr Zusammenstehn am Meisten fordere, berathen konnten.
Diese, den Interessen der Franzosen geradezu entgegenlaufende Maßregel wurde vom Consul Pritchard auf das lebendigste unterstützt; er behauptete das Volk habe ein Recht über sein eigenes Wohl zu sprechen, das eine fremde Nation, sie möge es so gut mit ihm meinen wie sie wolle, gar nicht verstehen könne, viel weniger die Französische und er redete der Königin zu darein zu willigen, ja suchte sogar den Capitain des kürzlich eingelaufenen Dampfers Cormorant dafür zu gewinnen, den Häuptlingen den Schutz seines Dampfers zu einer freien Besprechung zu gestatten, damit sie am Land nicht vielleicht durch überall umherstreifende Truppen gestört, oder gar aufgehoben wurden.
Die Französischen Officiere bekamen noch an dem nämlichen Abend Kenntniß von dieser Absicht, und trafen ihre Maßregeln den Feind, der ihnen vielleicht gefährlich, jedenfalls aber höchst unbequem war, so rasch als möglich unschädlich zu machen.
Am andern Morgen war ein Placat an den Ecken angeklebt, worin die Eingebornen gewarnt wurden sich durch irgend Eines Rede gegen die einmal bestehende Obrigkeit aufzulehnen, während man Alle mit den härtesten Strafen bedrohte, die etwas Derartiges in, den Franzosen feindlichem Interesse, unternehmen sollten. Namen waren nicht dabei genannt, aber das Ganze so entschieden gehalten, daß selbst Bruder Rowe fühlte sie seien, für jetzt wenigstens, an einer Grenze ihrer Thätigkeit angelangt, und würden wohl thun sich entweder für eine Zeitlang von dem Schauplatz Französischer Herrschaft zu entfernen, oder doch wenigstens die Sache, die sie nicht mehr aufhalten konnten, ihren ungehinderten Gang gehn zu lassen, damit sie nicht zu Schaden kämen.
Das Nähere darüber mit dem Consul Pritchard zu besprechen, suchte er diesen auf, und fand ihn schon vollständig angezogen, mit auf dem Rücken gekreuzten Armen mit großen Schritten in seinem Zimmer auf- und abgehend; eine Einleitung wurde ihm übrigens schon durch dessen Anrede erspart.
»Sie kommen mir zu erzählen, daß die Franzosen freundlich unserer an den Straßenecken gedacht haben?« sagte er, mit einem eigenthümlichen Lächeln um die feingeschnittenen Lippen vor ihm stehen bleibend.
»Allerdings Bruder Pritchard« erwiederte Mr. Rowe mit in die Höhe gezogenen Augenbrauen und gefalteten Händen, »die Sache wird bedenklich, und diesen tollen Papisten gegenüber, die nun einmal keine andere Autorität auf und über der Erde anerkennen, als ihre Waffen, wäre es allerdings an der Zeit auf einen anständigen Rückzug zu denken. Ich fürchte besonders daß gerade Sie dabei gefährdet sind.«
»Bah, bah« sagte der frühere Geistliche, den die Missionaire noch gerne »Bruder« nannten, verächtlich — »was können, was d ü r f e n sie mir thun? — ich habe keinen offenen Aufruhr gepredigt, ich habe nur das gesagt was ich, nicht allein als Consul ihrer Britannischen Majestät, nein auch als Mensch verantworten konnte, und sie mögen sich ärgern darüber, aber sie dürfen nicht wirklich etwas anderes gegen mich unternehmen, als vielleicht — was wahrscheinlich geschehen wird — von meiner Regierung verlangen daß sie mich abberuft; statt dem Befehle kommt dann vielleicht eine Flotte.«
Mr. Rowe schüttelte bedenklich mit dem Kopf.
»Ich habe mich selber« sagte er, »früher solchen phantastischen Träumen hingegeben, und auch mein Möglichstes, selbst bis noch auf die neueste Zeit gethan, diesen Glauben bei den Insulanern aufrecht zu erhalten, muß aber doch gestehn daß ich jetzt anfange mißtrauisch gegen meine eigenen Prophezeihungen zu werden, die unsere Regierung keineswegs, nicht einmal mehr durch eine einfache Demonstration zu unterstützen scheint. Seit der würdige Capitain des Talbot diese Ufer verlassen hat thun diese nichtswürdigen Feranis vollkommen ungehindert was ihnen eben gut dünkt, und einzelne Kriegsschiffe unserer Nation, von denen wir immer gesprochen, kommen, sehen sich die Sache an, hören auch, geduldig oder ungeduldig was wir ihnen zu klagen haben und — segeln einfach wieder aus der Bai, ohne selbst einmal Joranna zu sagen. Ich kann wohl gestehn daß die Bibel von Alt-England hier zum ersten Mal auf eine höchst befremdende Weise im Stich gelassen wird, während es uns selber in die größte Verlegenheit bringt, einestheils die zu unserer eigenen Erhaltung nöthigen Schritte zu thun, und andrerseits auch wieder unserem Grundsatz treu zu bleiben, und uns nicht in die politischen Verhältnisse des Staates in dem wir freundlich aufgenommen wurden, zu mischen.«
»Da kommen wir auf den faulen Fleck« sagte der Consul finster, seine Hände ineinander reibend und seinen Spaziergang im Zimmer wieder beginnend, in dem er nur manchmal bei der Bestärkung irgend eines Satzes, vor dem Missionair stehen blieb und ihn auch wohl leise bei einem Knopf faßte — »es ist das alte Sprichwort: »wasch mich und mach' mich nicht naß; — wir haben stets etwas darin gesucht mit etwas zu prahlen, das an und für sich ein Unding ist, und Sie werden mir bezeugen können wie ich selber mich von je dagegen aufgelehnt. Als Missionair bei einem vollkommen uncivilisirten Volke m u ß ich mich auch mit den politischen Verhältnissen desselben beschäftigen, ich muß sie ordnen und sichten, ich muß die bestehenden Gesetze, so weit sie mit dem Christenthum vereinbar sind, diesem anpassen; ich muß die Strafen in dem Verhältniß bestimmen, wie es uns von der Heiligen Schrift angegeben wurde, und das ist die Stelle wo die Religion in die Politik eines Landes, in dem ich eine Gleichstellung vor dem Gesetz fordere, hineingreift und hineingreifen muß, wenn unsere ganze Arbeit nicht eben eine vergebene soll gewesen sein. Dabei ist es hier nicht wie in einem civilisirten Staat, wo die Gesetze nur brauchen gegeben zu werden um in Kraft zu treten durch die bestimmten Executoren derselben, wir müssen sie hier auch in Kraft h a l t e n , und das können wir nur wenn der Einfluß nicht nachläßt, den wir, d u r c h unsere Stellung gerade als Lehrer und Gesetzgeber, auf die Häuptlinge ausüben. Wir sind nun einmal ihnen an Geist überlegene Geschöpfe, denen die Regierung zusteht, ob wir hier auf diesem Boden geboren sind und ihre Farbe haben oder nicht.«
»Damit kommen wir aber nicht durch« sagte Mr. Rowe kopfschüttelnd — »sobald wir das offen bekennen schreien sie Zeter über uns, und nennen es einen Mißbrauch den wir mit der Heiligen Schrift, irdischen Ehrgeizes und Gewinns wegen trieben. Selbst andere Nationen würden sich dann in das Missionswesen mischen, und gleich von vornherein protestiren oder gar störend dazwischen treten, wo fromme Männer das Kreuz hintrugen und das Gesetzbuch aufschlugen.«
»Fremde Nationen mischen sich doch hinein« sagte der Consul, »wie wir den Beweis hier haben, und wer weiß ob Frankreich je so entschieden gegen diese Indianische Königin auftreten dürfte, hätten wir die Sache gleich von vornherein in die Hand genommen als Gesetzgeber und Richter. Von uns konnten sie wenigstens einen Schadenersatz für die papistischen Priester nie erpressen, und das Land wäre dann nicht verantwortlich dafür gewesen. Doch sei dem wie ihm sei,« fuhr er rascher fort, »das ist vorbei, und jetzt bleibt uns Nichts weiter zu thun übrig, als die Sache auch ernst und männlich durchzuführen.«
»Wie aber, wo wir nicht die Gewalt in Händen haben?« frug Mr. Rowe, »der Cormorant liegt wieder da draußen, als ob er blos hergeschickt wäre eine Ladung Perlmutterschaalen und Cocosnußöl abzuholen, keineswegs aber, als ob hier die Interessen Englischer Bürger und die Rechte der Heiligen Schrift unter die Füße getreten würden, und uns selber sind die Hände total gebunden.«
»Ich hoffe viel von der möglichen Einigkeit der Häuptlinge« sagte der Consul, »wenn zu keinem anderen Zweck, imponirt es den Franzosen und wir gewinnen Zeit. Graf Aberdeen hat mir für einen solchen Gewaltschritt des Feindes feste Hülfe zugesagt und versprochen — er wird uns, k a n n uns nicht im Stich lassen.«
»Und willigt der Capitain des Cormorant ein, die Versammlung der Häuptlinge an seinem Bord zu halten?«
»Ich habe schon die halbe Zusage, und will eben hinüberfahren die Zeit genau zu besprechen.«
»Nehmen Sie sich in Acht, Bruder Pritchard« sagte aber der Missionair ernst, »daß Ihnen der Franzose nicht doch noch, trotz aller Autorität, einen Stein in den Weg legt; das Anheften der Plakate hat auf mich einen höchst ungünstigen, niederstimmenden Eindruck gemacht; ich kann mich irren, aber es kam mir vor wie eine Vorausentschuldigung gegen einen Akt der Gewalt; die Leute sind wirklich zu Allem fähig.«
»Aber klug genug zu wissen wie weit sie gehn dürfen, England gegenüber.«
»Wie weit?« sagte Bruder Rowe achselzuckend, »das ist eine sehr unbestimmte Größe, auf die ich mich, für meine eigene Person, gerade nicht verlassen möchte; aber Sie sind gewarnt, und werden am Besten wissen was Sie zu thun haben. Apropos, haben Sie Nichts von Bruder Ezra gehört und was über ihn beschlossen ist? Ich habe mir die größte Mühe gegeben, zu ihm zu gelangen, bin aber immer hartnäckig abgewiesen.«
»Mir ist auf meine förmliche Protestation gar keine Antwort gegeben« erwiederte der Consul, »es scheint übrigens daß Bruder Ezra klug genug gewesen ist, trotz seiner Bibel in der Tasche hartnäckig zu leugnen, und wenn ich recht unterrichtet bin, hält man ihn jetzt nur noch zurück, um ihn mit dem nächsten nach Atiu segelnden Kriegsschiff dort hinüber aus dem Weg zu schicken.«
»Sie möchten uns Alle lieber gern auf ein Kriegsschiff packen und nach irgend einer entlegenen Insel schicken« sagte Bruder Rowe; »die Katholischen Priester würden dann wenigstens für ihre unausgesetzten Bemühungen doch auch auf eigenen Erfolg rechnen können.«
»Wir werden sehr umsichtig jetzt zu wachen haben, daß der in, von Bayonnetten aufgewühlten Boden gestreute Unglaube, nicht um sich greift und bleibende Wurzel schlägt,« sagte der Consul.
»Wir sind allerdings da in nicht unbedeutender Gefahr« erwiederte Mr. Rowe seufzend, »und e i n e Familie hier besonders ist es, die mir große Sorge macht, und gerade in diesem Augenblick meine ganze Thätigkeit in Anspruch nimmt; — aber Sie wollen ausgehn, wie ich sehe?«
Mr. Pritchard hatte seinen Hut aufgegriffen und seine Handschuh genommen und sagte:
»Ja, nur an Bord des Cormorant, dort das Nähere zu besprechen.«
»Haben Sie schon ein Boot?«
»Es liegt an der Landung und wartet auf mich; wollen Sie mich begleiten?«
»Ich danke herzlich« erwiederte der Missionair, »aber mich rufen gerade in diesem Augenblick heilige Pflichten, die ich nicht versäumen darf — ich habe einen höchst interessanten Fall mit einem alten bis jetzt verstockten Häuptling, dessen Herz erst seit wenig Tagen von dem Licht unserer Kirche erleuchtet ist, und der jetzt zu seinem Entsetzen, aber hoffentlich noch nicht zu spät, den Abgrund erkannt, der vor seinen Füßen gähnt, und auf den ich ihn aufmerksam gemacht habe. Wie das aber wohl oft in solchen Fällen geschieht, gehen diese Unglücklichen da leicht von einem Extrem zum andern über, und ich habe jetzt die größte Mühe ihn an einem Verbrechen zu verhindern, das er begehen will seine unsterbliche Seele zu retten; er behauptet nämlich sein Kopf sei so lange verstockt gewesen, seine Ohren zu hören, seine Augen zu sehen, seine Zunge zu sprechen, daß er ihn sich abschneiden müsse, auf Gottes Altar die Sünde damit zu sühnen, denn wie er endlich die Strenge und Furchtbarkeit Gottes begriffen hat, zweifelt er an dessen Liebe und Allbarmherzigkeit.«
»Möge ihn der Herr erleuchten« erwiederte Mr. Pritchard mit einem frommen Blick nach oben, und wandte sich dabei das Haus zu verlassen — »so thun Sie Ihre Pflicht, lieber Rowe, i c h gehe indessen an ein weniger erfreuliches Werk!« und dem von ihm Abschied nehmenden Geistlichen, der ihn unten an seiner Verandah verließ, freundlich mit der Hand winkend, schritt er durch den Garten oder vielmehr Hofraum, der von einer Reihe niederer stumpfer Pallisaden umgeben wurde, nach der kleinen Ausgangsthür zu, öffnete diese und schritt dann quer über den, vielleicht achtzig oder hundert Fuß breiten Strand hinüber, einem kleinen in See hinausgebauten Werft zu, dort das für ihn liegende Boot zu besteigen, und an Bord hinüberzufahren, als er rasche Schritte hinter sich hörte. — Er wandte den Kopf danach um und sah zu seinem Erstaunen einen Französischen Beamten, der, von einigen Soldaten gefolgt, rasch auf ihn zusprang.
»Halt!« rief ihm der Erstere, noch eine Strecke von ihm entfernt, schon entgegen — »halt Monsieur!«
»Was wollen Sie?« sagte der Consul, zwar erstaunt aber doch ruhig stehen bleibend und den Franzosen mit zusammengezogenen Brauen erwartend — »was wünschen Sie von mir?«
»Sie sind mein Gefangener, im Namen des Königs!« rief der Polizeibeamte und deutete auf die ihm folgenden Soldaten.
»Ich verstehe Sie nicht« sagte der Consul gleichgültig, und wollte sich abdrehen; der Franzose aber ergriff seinen Arm und den Soldaten winkend, die den Gefangenen an beiden Seiten umgaben, zog er den entrüsteten Mann, der gegen solche Willkür einem Englischen Consul gegenüber, protestiren wollte, rücksichtslos und ohne Weiteres fort mit sich, in das Wach- und Polizeilokal, von wo der Consul, ohne weitere Rücksicht auf sein Amt oder seine Stellung zu nehmen, bald darauf nach einem, schon allem Anschein nach für ihn bereit gehaltenen Gefängniß abgeführt wurde.
Und Papetee blieb ruhig. Die Bedeutung, die der Consul einer Europäischen Macht im Ausland haben sollte, ja gewissermaßen auch seine Unverletzlichkeit, verstanden die Insulaner nicht; der Gefangene war ihnen auch immer mehr als Missionair wie als Consul wichtig und lieb gewesen, denn Nutzen hatte er ihnen in letzterer Eigenschaft doch nicht gebracht, noch sie gegen die Uebergriffe und Forderungen der Franzosen schützen können. Daß aber die Feranis es wagten einen Mitonare einzustecken, überstieg ihre Begriffe, und jetzt zum ersten Mal fürchteten die Häuptlinge für ihre eigene Sicherheit.
Die Missionaire selber erwarteten, nachdem selbst die Consulnwürde von den Eroberern nicht geachtet wurde, das Aeußerste, und wandten sich nun in ihrer Rathlosigkeit an die arme, selbst unmächtige Königin, wandten sich an das Volk, sie zu schützen und nicht zu gestatten daß die Feranis mit ihnen machten was sie wollten.
Aber die Geduld des Volkes war noch lange nicht erschöpft, oder wenigstens seine Gleichgültigkeit, wie sein Widerwillen gegen irgend eine außergewöhnliche Anstrengung noch nicht besiegt, und zu der gehörte jedenfalls ein Krieg, zu dem sie noch immer keine richtige Veranlassung sahen. Man hatte einen Französischen Soldaten ermordet, und darüber waren die Feranis böse, schickten eine Menge Soldaten an Land, die aber für Alles bezahlten was sie verzehrten, und sperrten einen rothen Mitonare, der in Verdacht stand an dem Mord betheiligt zu sein, wie einen weißen, der besonders auf sie geschimpft hatte, ein. Das war vielleicht unrecht in ihren Augen, aber immer noch keine Ursache einen ordentlichen Krieg anzufangen; ja die Insulaner beschlossen jetzt ernstlicher als je mit der ganzen Sache nichts weiter zu thun zu haben, und wenn auch einzelne feurige Köpfe, wie besonders Fanue und ähnliche, einen Angriff auf die »Feinde ihres Vaterlandes« offen predigten, so verhielten sich doch die einflußreicheren, wie Tati und Utami, noch immer ruhig, ja Paofai und Hitoti verkehrten sogar öffentlich und auf höchst freundschaftliche Art mit den Feranis, und beschlossen deshalb auch einen günstigern Zeitpunkt, das heißt eine wirkliche Ursache abzuwarten, die Feindseligkeiten zu beginnen, und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben — bis dahin aber sich vollkommen ruhig zu verhalten und ebensowenig die Waffen zu ergreifen, als den Eindringlingen auch noch Proviant zu liefern, ihnen das Leben hier auf der Insel so angenehm als möglich zu machen.
Lieutenant Hunt, der Befehlshaber des kleinen Kriegsschiffes Basilisk sowohl, wie der Capitain des Cormorant hatten allerdings augenblicklich gegen die an dem Englischen Consul verübte Gewaltsmaßregel protestirt, konnten aber weder seine Befreiung erwirken noch etwas an seiner Lage bessern, und Monsieur d'Aubigny erließ ein Plakat, worin Mr. Pritchard, wenigstens indirekt, der Mord der Schildwache zugesprochen, und er ebenfalls als die Ursache des trotzigen Betragens der Eingeborenen, die er täglich und täglich wieder aufgereizt habe, angesehen wurde. Seine Gefangennahme sei aus dem Grunde geschehn und er selber solle für alle weiteren Folgen verantwortlich gehalten werden.
Mit vieler Mühe gelang es endlich dem Capitain des Cormorant die Freiheit des Gefangenen, aber auch nur unter der Bedingung zu erwirken, daß er ihn an Bord seines eigenen Dampfers von Tahiti fortnahm, und sich dabei verbindlich machte ihn an keiner Insel dieser oder der Nachbargruppe wieder an Land zu setzen. Die Franzosen betrachteten diesen Mann als die einzige Ursache der nicht unbedingten und augenblicklichen Unterwerfung der Indianer, und glaubten und hofften durch seine Entfernung jedes weitere Hinderniß ihrer Festsetzung und unbestrittenen Oberherrschaft auf den Inseln, vollständig beseitigt zu haben.