The Undead, Der Anfang vom Ende
Prolog
Eine frische Brise wirbelte feinen Sand und verdorrte Gräser durch die Luft und sie atmete tief ein. Nicht mehr lange und sie konnte den Versuch wagen. Sie ging hinter den Paletten in Deckung, um ihre Waffen zu prüfen und fluchte. Wenn es hart auf hart kam, würde die Munition nicht reichen. Sie musste sparsam damit umgehen. Sie spähte zum Eingang des Bunkers. Im orangenen Licht der untergehenden Sonne sah sie zwei Männer in weißen Schutzanzügen und Atemmasken über den Platz gehen. Sie trugen eine silberfarbene Box mit dem schwarz-gelben Warnzeichen für Biogefährdung. Wieder eine Ladung mit virusverseuchtem Fleisch, das in die Verbrennungsanlage in die große Halle gebracht wurde. Das war ihre Chance, wenn sie zurückkamen, musste sie sie überwältigen. Sie lehnte sich an das raue Holz und schloss die Augen. Haltet durch, ich hol euch da raus!
Sie hörte, wie die Türen der Halle zugeschlagen wurden und machte sich bereit. Die beiden erreichten den Eingang, einer der Männer schob eine Zugangskarte in das Terminal und gab den Code ein. Jetzt! Sie verließ den Schutz der Paletten und schlich sich von hinten an. Diese Idioten, wie konnte man nur so leichtsinnig sein. Sie erreichte die beiden, als sie den Aufzug betreten hatten, der sich direkt hinter der Tür befand. Dann ging alles sehr schnell. Mit dem linken Arm umschlang sie den einen Mann und hielt ihm die P8 unter das Kinn, während sie den anderen mit einem sauberen Stich ihres Messers in den Kehlkopf erledigte. Sie drehte die Klinge um 90 Grad in der Wunde, gurgelnde Geräusche entwichen seiner Kehle und Blut spritzte ihr in kleinen, pulsierenden Fontänen entgegen und besudelte ihre Kleidung. Hinter ihr schloss sich die Stahltür automatisch.
„Schön brav sein“, zischte sie, als sie dem Mann die Waffe an den Kopf hielt. „Du und ich, wir haben heute noch viel vor.“
***
Einige Monate zuvor
18. September, 11:03 Uhr
Obdachloser greift Passanten an
Horror-Attacke in Belgien: In der belgischen Kleinstadt Lier bei Antwerpen wurde heute ein Obdachloser von der Polizei erschossen, nachdem dieser einen Passanten tätlich angegriffen hatte.
Laut den Aussagen einer Zeugin hatte der offenbar angetrunkene oder unter Drogen stehende Angreifer sich in das Gesicht des Opfers verbissen und begonnen, es zu verspeisen. Die verständigte Polizei traf nur wenige Minuten später am Tatort ein. Nachdem der Obdachlose nicht auf die Aufforderungen der Beamten reagierte, feuerte einer von ihnen einen Schuss auf die Beine ab. Da dies nicht zu einer Reaktion führte, gaben die Polizisten weitere Schüsse ab, einer davon traf den Angreifer in den Kopf. Er starb sofort, das Opfer wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Große Teile des Gesichtes wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, der junge Mann liegt derzeit im künstlichen Koma. Wann die Ermittler ihn vernehmen können, ist noch ungewiss, ebenso, was den Angreifer zu seiner Tat verleitet hatte. Die Kripo geht bis dato von einer durch Kokain ausgelösten Psychose aus. Genaueres soll eine Obduktion ergeben.
20. September, 18:39 Uhr
Blutiger Zwischenfall in belgischem Krankenhaus
Lier, Belgien: In Belgien kam es heute zu einem blutigen Zwischenfall in einem Krankenhaus. Ein aus dem Koma erwachter Patient soll eine Pflegerin angefallen und sie, unter anderem durch Bisswunden, schwer verletzt haben. Der Täter floh, nach den Vermutungen des Klinikpersonals, über das Treppenhaus. Die Krankenschwester liegt auf der Intensivstation, es ist nicht sicher, ob sie die Nacht überleben wird. Gerüchten zufolge soll der Täter nur zwei Tage zuvor selbst Opfer eines tätlichen Angriffs geworden sein, dazu wollte die hiesige Kriminalpolizei jedoch keine Angaben machen.
22. September, 07:15 Uhr
Tödliche Krawalle in Belgien
Belgien: In mehreren Städten kam es zu schweren Ausschreitungen. Der Grund, warum die Menschen auf die Straßen gehen, ist bis dato nicht bekannt. Augenzeugen zufolge bekämpfen sich die Menschen mit bloßen Händen. Ganze Straßenzüge und Stadtteile sind im Ausnahmezustand. Die Polizei versucht vor Ort gegen die Unruhen vorzugehen, allerdings kommt sie kaum gegen die Menschenmassen an. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
23. September, 06:49 Uhr
Krawalle breiten sich aus
Die Krawalle, von denen gestern nur Belgien betroffen war, breiten sich auf die Nachbarstaaten aus und haben auch Deutschland erreicht. Bisher ist von mehreren Tausend Todesopfern die Rede. Die Polizei hat das Militär um Unterstützung gebeten, Erfolge sind allerdings nicht zu verzeichnen. Mittlerweile geht man nicht mehr von politischen Beweggründen aus. Unser Reporter berichtet von Menschen, die wie im Wahn auf andere losgehen. Gerüchte wurden laut, dass es sich hierbei um eine Art hochansteckende virale Erkrankung handelt, welche die Hirnhaut und den Hirnstamm angreift und dadurch starke Psychosen auslöst. Dies wurde allerdings noch von keiner offiziellen Seite bestätigt. Religiöse Gruppen und Verschwörungstheoretiker reden von einem möglichen Weltuntergang. Die Regierung warnt jedoch vor unnötiger Panikmache und rät den Menschen in ihren Häusern zu bleiben, bis die Unruhen eingedämmt sind.
23. September, 14:12 Uhr
Kommt jetzt die Zombieapokalypse?
Berlin: Seit mehreren Stunden hält sich das hartnäckige Gerücht, die Infizierten seien nicht mehr am Leben, sondern würden als Untote durch die Straßen ziehen. Unser Reporter, sowie mehrere Augenzeugen, berichten von Verletzungen, die eigentlich tödlich sein müssten, zumindest aber die Betroffenen für eine Weile außer Gefecht setzen sollten. Allerdings würden diese sich daran nicht stören und gehen in geschlossenen Gruppen auf die Bevölkerung los. Im Internet kursieren Videos, die Gestalten zeigen, die teilweise ihre Innereien hinter sich herziehen. Ob es sich hierbei möglicherweise um Fälschungen handelt, ist nicht bekannt. Von offizieller Seite werden diese Gerüchte als lächerlich und unhaltbar eingestuft. Des Weiteren bereiten sich die Menschen in den noch nicht betroffenen Gegenden mit Hamsterkäufen auf die Seuche vor und legen sich Wasservorräte an. Das Strom- und Wassernetz ist landesweit überlastet. Plünderungen und Übergriffe stehen an der Tagesordnung. Mittlerweile wurde der Katastrophenschutz eingeschaltet. Die Regierung warnt ausdrücklich davor, das Haus zu verlassen und Verwandte aufzusuchen. Im Bundestag wird derzeit über eine mögliche Evakuierung der Städte diskutiert.