
Prinz Friedrich von Homburg
von Heinrich von Kleist

Fünfhundertsiebenundreißig Menschen sind vorbeigelaufen, so beginnt dieser kurze Text, und der Zähler bleibt bei seinem Kaffee sitzen. Die Gesichter erscheinen ihm leer, einer wie der andere einer Schaufensterpuppe gleich, die feinen Einzelheiten verdeckt von Einheitsmode und Schichten von Make-Up. An guten Tagen stellt er sich die anderen als unbemalte Leinwände vor, aus denen noch etwas werden kann. Sich selbst erlebt er als überladen mit Farbe, als hätten sich alle prägenden Ereignisse literweise über ihm ergossen. Also geht er entgegen der Fahrtrichtung, fort von den Betonsilos und den Neonröhren, die keine Wärme spenden, hinaus in ein Niemandsland. Ich will nicht in einer Lüge leben, so lautet sein Grund.