Alfred Andersch
München, Mai 1928, Griechischstunde in der Untertertia B des Wittelsbacher Gymnasiums: Unangekündigt betritt der Oberstudiendirektor den Raum und prüft die Klasse. Er heißt Himmler, sein Sohn wurde später Reichsführer SS. Aus dieser einen Schulstunde besteht »Der Vater eines Mörders«, erzählt mit dem Wortschatz des vierzehnjährigen Franz Kien, der den Autor schon in fünf früheren Erzählungen vertreten hat.
Andersch, 1914 in München geboren, war selbst Schüler dieser Anstalt. Mit neunzehn kam er als Leiter der Kommunistischen Jugend Südbayerns nach Dachau, wurde später zur Wehrmacht eingezogen und lief 1944 in Italien zu den Amerikanern über, wovon sein Bericht »Die Kirschen der Freiheit« handelt. Nach dem Krieg gab er mit Hans Werner Richter die Zeitschrift »Der Ruf« heraus, gehörte zum Umkreis der Gruppe 47 und arbeitete beim Rundfunk in Frankfurt und Stuttgart. Es folgten »Sansibar oder der letzte Grund«, »Die Rote«, »Efraim« und »Winterspelt«. Ab 1958 lebte er im Tessin.
Die Erzählung erschien 1980 bei Diogenes in Zürich, im Jahr seines Todes, gewidmet seinem Altersgenossen Arno Schmidt in memoriam. Das lange Nachwort stellt die Frage, ob Humanismus denn vor gar nichts schütze.
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