Andeliya
Erfahrungen mit Hartz IV beginnt im März 2011 mit einem Countdown: noch gut ein Monat Arbeitslosengeld I, dann der Übergang in die Grundsicherung. Das Buch ist ein Tagebuch, Eintrag für Eintrag nur mit Monatsangabe überschrieben, und es protokolliert vor allem den Weg durch die Formulare. Der telefonische Antrag, der Vermögensfreibetrag, der Hauptantrag mit seinen Anlagen, die Bewilligung nach weniger als einer Woche, das erste Gespräch mit der Sachbearbeiterin, der Ausweis mit freiem oder ermäßigtem Eintritt in Museen und Theater, das zweiwöchige Bewerberseminar mit acht Stunden am Tag. Über die Verfasserin sagt der Text selbst, sie habe im In- und Ausland gearbeitet, spreche Fremdsprachen und habe ein geisteswissenschaftliches Magisterstudium abgeschlossen, gelte beim Jobcenter aber offiziell als jemand ohne Ausbildung. Dazwischen stehen kurze Absätze unter der Überschrift „Zum Nachdenken“ und lange Passagen über Zeitarbeitsfirmen, unbezahlte Praktika und den Tonfall von Stellenanzeigen. Der Ton wechselt zwischen Spott, Erschöpfung und ausdrücklicher Dankbarkeit dafür, dass es die Grundsicherung überhaupt gibt.
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