
Philosophie der Mode
Philosophie der Mode entwickelt Simmels These, dass der Mensch ein dualistisches Wesen sei, das zwischen dem Bedürfnis nach Bewegung und dem nach Ruhe, nach dem Allgemeinen und dem Besonderen, ständig hin- und hergerissen wird. Eine Erscheinung, der solche Verzweigung widerstreitender Wurzelkräfte fehlte, wäre für Simmel arm und leer; erst aus dem beständigen Übersteigen ihrer sichtbaren Äußerung gewinnt jede innere Energie jenen Reichtum unausgeschöpfter Möglichkeiten, der das Leben reich macht. Von dieser allgemeinen Grundlegung aus deutet Simmel die Mode als eine besonders reine Ausprägung dieses Dualismus: als ein ständiges Wechselspiel zwischen dem Wunsch, sich einer Gruppe durch Nachahmung anzugleichen, und dem gegenläufigen Bedürfnis, sich durch individuelle Abweichung von ihr zu unterscheiden. Der schmale, einflussreiche Essay zählt zu den Gründungstexten einer eigenständigen Kultursoziologie.






