Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken
Kapitel 2
Unsere psychoanalytische Arbeit wird an anderer Stelle einsetzen. – Man
darf nicht annehmen, daß die Menschen sich aus reiner spekulativer
Wißbegierde zur Schöpfung ihres ersten Weltsystems aufgeschwungen haben.
Das praktische Bedürfnis, sich der Welt zu bemächtigen, muß seinen Anteil an
dieser Bemühung haben. Wir sind darum nicht erstaunt zu erfahren, daß mit dem
animistischen System etwas anderes Hand in Hand geht, eine Anweisung, wie
man verfahren müsse, um der Menschen, Tiere und Dinge, respektive ihrer
Geister, Herr zu werden. Diese Anweisung, welche unter dem Namen »Zauberei
und Magie« bekannt ist, will S. Reinach(7) die Strategie des Animismus heißen;
ich würde es vorziehen, sie mit Hubert und Mauß der Technik zu vergleichen(8).
Kann man Zauberei und Magie begrifflich voneinander trennen? Es ist
möglich, wenn man sich mit einiger Eigenmächtigkeit über die Schwankungen
des Sprachgebrauches hinwegsetzen will. Dann ist Zauberei im wesentlichen die
Kunst, die Geister zu beeinflussen, indem man sie behandelt wie unter gleichen
Bedingungen die Menschen, also indem man sie beschwichtigt, versöhnt, sich
geneigt macht, sie einschüchtert, ihrer Macht beraubt, sie seinem Willen
unterwirft, durch dieselben Mittel, die man für lebende Menschen wirksam
gefunden hat. Magie ist aber etwas anderes; sie sieht im Grunde von den
Geistern ab und sie bedient sich besonderer Mittel, nicht der banalen
psychologischen Methodik. Wir werden leicht erraten, daß die Magie das
ursprünglichere und bedeutsamere Stück der animistischen Technik ist, denn
unter den Mitteln, mit denen Geister behandelt werden sollen, befinden sich
auch magische(9), und die Magie findet ihre Anwendung auch in Fällen, wo die
Vergeistigung der Natur, wie uns scheint, nicht durchgeführt worden ist.
Die Magie muß den mannigfaltigsten Absichten dienen, die Naturvorgänge
dem Willen des Menschen unterwerfen, das Individuum gegen Feinde und
Gefahren schützen und ihm die Macht geben, seine Feinde zu schädigen. Die
Prinzipien aber, auf deren Voraussetzung das magische Tun beruht – oder
vielmehr das Prinzip der Magie – ist so augenfällig, daß es von allen Autoren
erkannt werden mußte. Man kann es am knappsten, wenn man von dem
beigefügten Werturteil absieht, mit den Worten E. B. Tylors ausdrücken:
»mistaking an ideal connexion for a real one«. An zwei Gruppen von magischen
Handlungen wollen wir diesen Charakter erläutern.
Eine der verbreitetsten magischen Prozeduren, um einem Feind zu schaden,
besteht darin, sich ein Ebenbild von ihm aus beliebigem Material zu machen.
Auf die Ähnlichkeit kommt es dabei wenig an. Man kann auch irgendein Objekt
zu seinem Bild »ernennen«. Was man dann diesem Ebenbild antut, das stößt
auch dem gehaßten Urbild zu, an welcher Körperstelle man das erstere verletzt,
an derselben erkrankt das letztere. Man kann dieselbe magische Technik anstatt
in den Dienst privater Feindseligkeit auch in den der Frömmigkeit stellen und so
Göttern gegen böse Dämonen zu Hilfe kommen. Ich zitiere nach Frazer(10):
»Jede Nacht, wenn der Sonnengott Ra (im alten Ägypten) zu seinem Heim im
glühenden Westen herabstieg, hatte er einen bitteren Kampf gegen eine Schar
von Dämonen zu bestehen, die ihn unter der Führung des Erzfeindes Apepi
überfielen. Er kämpfte mit ihnen die ganze Nacht und häufig waren die Mächte
der Finsternis stark genug, noch des Tages dunkle Wolken an den blauen
Himmel zu senden, die seine Kraft schwächten und sein Licht abhielten. Um
dem Gotte beizustehen, wurde in seinem Tempel zu Theben täglich folgende
Zeremonie aufgeführt: Es wurde aus Wachs ein Bild seines Feindes Apepi
gemacht, in der Gestalt eines scheußlichen Krokodils oder einer langgeringelten
Schlange und der Name des Dämons mit grüner Tinte darauf geschrieben. In ein
Papyrusgehäuse gehüllt, auf dem eine ähnliche Zeichnung angebracht war,
wurde dann diese Figur mit schwarzem Haar umwickelt, vom Priester
angespuckt, mit einem Steinmesser bearbeitet und auf den Boden geworfen.
Dann trat er mit seinem linken Fuß auf sie und endlich verbrannte er sie in einem
von gewissen Pflanzen genährten Feuer. Nachdem Apepi in solcher Weise
beseitigt worden war, geschah mit allen Dämonen seines Gefolges das nämliche.
Dieser Gottesdienst, bei dem gewisse Reden hergesagt werden mußten, wurde
nicht nur morgens, mittags und abends wiederholt, sondern auch jederzeit
dazwischen, wenn ein Sturm wütete, wenn ein heftiger Regenguß niederging
oder schwarze Wolken die Sonnenscheibe am Himmel verdeckten. Die bösen
Feinde verspürten die Züchtigung, die ihren Bildern widerfahren war, als ob sie
sie selbst erlitten hätten; sie flohen und der Sonnengott triumphierte von neuem.
(11)«
Aus der unübersehbaren Fülle ähnlich begründeter magischer Handlungen
will ich nur noch zweierlei hervorheben, die bei den primitiven Völkern jederzeit
eine große Rolle gespielt haben und zum Teil im Mythus und Kultus höherer
Entwicklungsstufen erhalten geblieben sind, nämlich die Arten des Regen- und
des Fruchtbarkeitszaubers. Man erzeugt den Regen auf magischem Wege, indem
man ihn imitiert, etwa auch noch die ihn erzeugenden Wolken oder den Sturm
nachahmt. Es sieht aus, als ob man »regnen spielen« wollte. Die japanischen
Ainos z. B. machen Regen in der Weise, daß ein Teil von ihnen Wasser aus großen Sieben ausgießt, während ein anderer eine große Schüssel mit Segel und
Ruder ausstattet, als ob sie ein Schiff wäre, und sie so um Dorf und Gärten
herumzieht. Die Fruchtbarkeit des Bodens sicherte man sich aber auf magische
Weise, indem man ihm das Schauspiel eines menschlichen Geschlechtsverkehres
zeigte. So pflegen – ein Beispiel anstatt unendlich vieler – in manchen Teilen
Javas zur Zeit des Herannahens der Reisblüte Bauer und Bäuerin sich nachts auf
die Felder zu begeben, um durch das Beispiel, das sie ihm geben, den Reis zur
Fruchtbarkeit anzuregen(12). Dagegen fürchtete man von verpönten inzestuösen
Geschlechtsbeziehungen, daß sie Mißwuchs und Unfruchtbarkeit des Bodens
erzeugen würden(13).
Auch gewisse negative Vorschriften – magische Vorsichten also – sind dieser
ersten Gruppe einzureihen. Wenn ein Teil der Bewohner eines Dayakdorfes auf
Wildschweinjagd ausgezogen ist, so dürfen die Zurückgebliebenen unterdes
weder Öl noch Wasser mit ihren Händen berühren; sonst würden die Jäger
weiche Finger bekommen und die Beute aus ihren Händen schlüpfen lassen(14).
Oder, wenn ein Gilyakjäger im Walde dem Wilde nachstellt, so ist es seinen
Kindern zu Hause verboten, Zeichnungen auf Holz oder im Sand zu machen. Die
Pfade im dichten Wald könnten sonst so verschlungen werden wie die Linien der
Zeichnung, so daß der Jäger den Weg nach Hause nicht findet(15).
Wenn in diesen letzten wie in so vielen anderen Beispielen magischer
Wirkung die Entfernung keine Rolle spielt, die Telepathie also als
selbstverständlich hingenommen wird, so wird auch uns das Verständnis dieser
Eigentümlichkeit der Magie keine Schwierigkeit bereiten.
Es unterliegt keinem Zweifel, was an all diesen Beispielen als das Wirksame
betrachtet wird. Es ist die Ähnlichkeit zwischen der vollzogenen Handlung und
dem erwarteten Geschehen. Frazer nennt darum diese Art der Magie imitative
oder homöopathische. Wenn ich will, daß es regne, so brauche ich nur etwas zu
tun, was wie Regnen aussieht oder an Regnen erinnert. In einer weiteren Phase
der Kulturentwicklung wird man anstatt dieses magischen Regenzaubers
Bittgänge zu einem Gotteshaus veranstalten und den dort wohnenden Heiligen
um Regen anflehen. Endlich wird man auch diese religiöse Technik aufgeben
und dafür versuchen, durch welche Einwirkungen auf die Atmosphäre Regen
erzeugt werden kann.
In einer anderen Gruppe von magischen Handlungen kommt das Prinzip der
Ähnlichkeit nicht mehr in Betracht, dafür ein anderes, welches sich aus den
nachstehenden Beispielen leicht ergeben wird.
Um einem Feinde zu schaden, kann man sich auch eines anderen Verfahrens
bedienen. Man bemächtigt sich seiner Haare, Nägel, Abfallstoffe oder selbst
eines Teiles seiner Kleidung und stellt mit diesen Dingen etwas Feindseliges an. Es ist dann gerade so, als hätte man sich der Person selbst bemächtigt, und was
man den von der Person herrührenden Dingen angetan hat, muß ihr selbst
widerfahren. Zu den wesentlichen Bestandteilen einer Persönlichkeit gehört nach
der Anschauung der Primitiven ihr Name; wenn man also den Namen einer
Person oder eines Geistes weiß, hat man eine gewisse Macht über den Träger des
Namens erworben. Daher die merkwürdigen Vorsichten und Beschränkungen im
Gebrauche der Namen, die in dem Aufsatz über das Tabu gestreift worden
sind(16). Die Ähnlichkeit wird in diesen Beispielen offenbar ersetzt durch
Zusammengehörigkeit.
Der Kannibalismus der Primitiven leitet seine sublimere Motivierung in
ähnlicher Weise ab. Indem man Teile vom Leib einer Person durch den Akt des
Verzehrens in sich aufnimmt, eignet man sich auch die Eigenschaften an, welche
dieser Person angehört haben. Daraus erfolgen dann Vorsichten und
Beschränkungen der Diät unter besonderen Umständen. Eine Frau wird in der
Gravidität vermeiden, das Fleisch gewisser Tiere zu genießen, weil deren
unerwünschte Eigenschaften, z. B. die Feigheit, so auf das von ihr genährte Kind
übergehen könnten. Es macht für die magische Wirkung keinen Unterschied,
auch wenn der Zusammenhang ein bereits aufgehobener ist, oder wenn er
überhaupt nur in einmaliger, bedeutungsvoller Berührung bestand. So ist z. B.
der Glaube an ein magisches Band, welches das Schicksal einer Wunde mit dem
der Waffe verknüpft, durch welche sie hervorgerufen wurde, unverändert durch
Jahrtausende zu verfolgen. Wenn ein Melanesier sich des Bogens bemächtigt
hat, durch den er verwundet wurde, so wird er ihn sorgfältig an einem kühlen Ort
verwahren, um so die Entzündung der Wunde niederzuhalten. Ist der Bogen aber
im Besitz der Feinde geblieben, so wird er gewiß in nächster Nähe eines Feuers
aufgehängt werden, damit die Wunde nur ja recht entzündet werde und brenne.
Plinius rät in seiner Nat. Hist. XXVIII, wenn man bereut, einen anderen verletzt
zu haben, solle man auf die Hand spucken, welche die Verletzung verschuldet
hat; der Schmerz des Verletzten werde dann sofort gelindert. Francis Bacon
erwähnt in seiner Natural History den allgemein giltigen Glauben, daß das
Salben einer Waffe, welche eine Wunde geschlagen hat, diese Wunde selbst
heilt. Die englischen Bauern sollen noch heute nach diesem Rezept handeln, und
wenn sie sich mit einer Sichel geschnitten haben, das Instrument von da an
sorgfältig rein halten, damit die Wunde nicht in Eiterung gerate. Im Juni des
Jahres 1902, berichtet eine lokale englische Wochenschrift, stieß sich eine Frau
namens Matilda Henry in Norwich zufällig einen eisernen Nagel in die Sohle.
Ohne die Wunde untersuchen zu lassen oder auch nur den Strumpf auszuziehen,
hieß sie ihre Tochter den Nagel gut einölen, in der Erwartung, daß ihr dann
nichts geschehen könne. Sie selbst starb einige Tage später an
Wundstarrkrampf(17), infolge dieser verschobenen Antisepsis.
Die Beispiele der letzteren Gruppe erläutern, was Frazer als kontagiöse
Magie von der imitativen sondert. Was in ihnen als wirksam gedacht wird, ist
nicht mehr die Ähnlichkeit, sondern der Zusammenhang im Raum, die
Kontiguität, wenigstens die vorgestellte Kontiguität, die Erinnerung an ihr
Vorhandensein. Da aber Ähnlichkeit und Kontiguität die beiden wesentlichen
Prinzipien der Assoziationsvorgänge sind, stellt sich als Erklärung für all die
Tollheit der magischen Vorschriften wirklich die Herrschaft der Ideenassoziation
heraus. Man sieht, wie zutreffend sich Tylors oben zitierte Charakteristik der
Magie erweist: mistaking an ideal connexion for a real one, oder wie es fast
gleichlautend Frazer ausgedrückt hat: men mistook the order of their ideas for
the order of nature, and hence imagined that the control which they have, or
seem to have, over their thoughts, permitted them to exercise a corresponding
control over things.(18)
Es wird dann zunächst befremdend wirken, daß diese einleuchtende
Erklärung der Magie von manchen Autoren als unbefriedigend verworfen
werden konnte(19). Bei näherer Überlegung muß man aber dem Einwand Recht
geben, daß die Assoziationstheorie der Magie bloß die Wege aufklärt, welche die
Magie geht, aber nicht deren eigentliches Wesen, nämlich nicht das
Mißverständnis, welches sie psychologische Gesetze an die Stelle natürlicher
setzen heißt. Es bedarf hier offenbar eines dynamischen Moments, aber während
die Suche nach einem solchen die Kritiker der Frazerschen Lehre in die Irre
führt, wird es leicht, eine befriedigende Aufklärung der Magie zu geben, wenn
man nur die Assoziationstheorie derselben weiterführen und vertiefen will.
Betrachten wir zunächst den einfacheren und bedeutsameren Fall der
imitativen Magie. Nach Frazer kann diese allein geübt werden, während die
kontagiöse Magie in der Regel die imitative voraussetzt(20). Die Motive, welche
zur Ausübung der Magie drängen, sind leicht zu erkennen, es sind die Wünsche
des Menschen. Wir brauchen nun bloß anzunehmen, daß der primitive Mensch
ein großartiges Zutrauen zur Macht seiner Wünsche hat. Im Grund muß all das,
was er auf magischem Wege herstellt, doch nur darum geschehen, weil er es
will. So ist anfänglich bloß sein Wunsch das Betonte.
Für das Kind, welches sich unter analogen psychischen Bedingungen
befindet, aber motorisch noch nicht leistungsfähig ist, haben wir an anderer
Stelle die Annahme vertreten, daß es seine Wünsche zunächst wirklich
halluzinatorisch befriedigt, indem es die befriedigende Situation durch die
zentrifugalen Erregungen seiner Sinnesorgane herstellen läßt(21). Für den
erwachsenen Primitiven ergibt sich ein anderer Weg. An seinem Wunsch hängt
ein motorischer Impuls, der Wille, und dieser – der später im Dienst der Wunschbefriedigung das Antlitz der Erde verändern wird – wird jetzt dazu
verwendet, die Befriedigung darzustellen, so daß man sie gleichsam durch
motorische Halluzination erleben kann. Eine solche Darstellung des befriedigten
Wunsches ist dem Spiele der Kinder völlig vergleichbar, welches bei diesen die
rein sensorische Technik der Befriedigung ablöst. Wenn Spiel und imitative
Darstellung dem Kinde und dem Primitiven genügen, so ist dies nicht ein
Zeichen von Bescheidenheit in unserem Sinne oder von Resignation infolge
Erkenntnis ihrer realen Ohnmacht, sondern die wohl verständliche Folge der
überwiegenden Wertung ihres Wunsches, des von ihm abhängigen Willens und
der von ihm eingeschlagenen Wege. Mit der Zeit verschiebt sich der psychische
Akzent von den Motiven der magischen Handlung auf deren Mittel, auf die
Handlung selbst. Vielleicht sagen wir richtiger, an diesen Mitteln erst wird ihm
die Überschätzung seiner psychischen Akte evident. Nun hat es den Anschein,
als wäre es nichts anderes als die magische Handlung, die kraft ihrer Ähnlichkeit
mit dem Gewünschten dessen Geschehen erzwingt. Auf der Stufe des
animistischen Denkens gibt es noch keine Gelegenheit, den wahren Sachverhalt
objektiv zu erweisen, wohl aber auf späteren, wenn alle solche Prozeduren noch
gepflegt werden, aber das psychische Phänomen des Zweifels als Ausdruck einer
Verdrängungsneigung bereits möglich ist. Dann werden die Menschen zugeben,
daß die Beschwörungen von Geistern nichts leisten, wenn nicht der Glaube an
sie dabei ist, und daß auch die Zauberkraft des Gebets versagt, wenn keine
Frömmigkeit dahinter wirkt(22).
Die Möglichkeit einer auf der Kontiguitätsassoziation beruhenden
kontagiösen Magie wird uns dann zeigen, daß sich die psychische Wertschätzung
vom Wunsch und vom Willen her auf alle psychischen Akte, die dem Willen zu
Gebote stehen, ausgedehnt hat. Es besteht also jetzt eine allgemeine
Überschätzung der seelischen Vorgänge, d. h. eine Einstellung zur Welt, welche
uns nach unseren Einsichten in die Beziehung von Realität und Denken als
solche Überschätzung des letzteren erscheinen muß. Die Dinge treten gegen
deren Vorstellungen zurück; was mit den letzteren vorgenommen wird, muß sich
auch an den ersteren ereignen. Die Relationen, die zwischen den Vorstellungen
bestehen, werden auch zwischen den Dingen vorausgesetzt. Da das Denken
keine Entfernungen kennt, das räumlich Entlegenste wie das zeitlich
Verschiedenste mit Leichtigkeit in einen Bewußtseinsakt zusammenbringt, wird
auch die magische Welt sich telepathisch über die räumliche Distanz
hinaussetzen und ehemaligen Zusammenhang wie gegenwärtigen behandeln.
Das Spiegelbild der Innenwelt muß im animistischen Zeitalter jenes andere
Weltbild, das wir zu erkennen glauben, unsichtbar machen.
Heben wir übrigens hervor, daß die beiden Prinzipien der Assoziation – Ähnlichkeit und Kontiguität – in der höheren Einheit der Berührung
zusammentreffen. Kontiguitätsassoziation ist Berührung im direkten,
Ähnlichkeitsassoziation solche im übertragenen Sinne. Eine von uns noch nicht
erfaßte Identität im psychischen Vorgang wird wohl durch den Gebrauch des
nämlichen Wortes für beide Arten der Verknüpfung verbürgt. Es ist derselbe
Umfang des Begriffes Berührung, der sich bei der Analyse des Tabu
herausstellte(23).
Zusammenfassend können wir nun sagen: das Prinzip, welches die Magie,
die Technik der animistischen Denkweise regiert, ist das der »Allmacht der
Gedanken«.