
Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken
Es ist ein notwendiger Mangel der Arbeiten, die Gesichtspunkte der Psychoanalyse auf Themen der Geisteswissenschaften anwenden wollen, dass sie dem Leser von beiden zu wenig bieten müssen, schreibt Freud, ein Mangel, der sich in diesem Aufsatz über das ungeheure Gebiet des Animismus besonders fühlbar mache. Animismus im engeren Sinne heiße die Lehre von den Seelenvorstellungen, im weiteren die von geistigen Wesen überhaupt, wobei man noch den Animatismus als Lehre von der Belebtheit der uns unbelebt erscheinenden Natur sowie Animalismus und Manismus unterscheide; den Namen habe der Animismus, früher für ein anderes philosophisches System verwendet, seine heutige Bedeutung wohl durch E. B. Tylor erhalten. Die primitiven Völker, so Freud, bevölkern die Welt mit einer Unzahl geistiger Wesen, die ihnen wohlwollend oder übelgesinnt sind, schreiben diesen Geistern und Dämonen die Naturvorgänge zu und halten nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch unbelebte Dinge für durch sie beseelt, während sie an eine ähnliche Beseelung auch der einzelnen menschlichen Personen glauben, deren Seelen ihren eigenen Wohnsitz haben.






