Aus der Jugendzeit

Eduard Mörike · Kapitel 23 von 34

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Aus der Jugendzeit

Gesang zu zweien in der Nacht.

 

Sie.

Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift

und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft!

Da noch der freche Tag verstummt,

hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge,

das aufwärts in die zärtlichen Gesänge

der reingestimmten Lüfte summt.

 

Er.

Vernehm' ich doch die wunderbarsten Stimmen,

vom lauen Wind wollüstig hingeschleift,

indes, mit ungewissem Licht gestreift,

der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.

 

Sie.

Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal,

durchsichtiger und heller aufzuwehen;

dazwischen hört man weiche Töne gehen

von sel'gen Feen, die im blauen Saal

zum Sphärenklang,

und fleißig mit Gesang,

silberne Spindeln hin und wieder drehen.

 

Er.

O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt

auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet,

und luftig schwirrender Musik bedienet sich nun dein Fuß zum leichten Schritt,

womit du Stund' um Stunde missest,

dich lieblich in dir selbst vergissest —

du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!